Queer, flexibel, erfolgreich

Haben dekon­struk­ti­vis­ti­sche Ansätze den Femi­nis­mus ent­waff­net?

Wo lie­gen die Ursa­chen für die Ver­wand­lung eines Teils des Femi­nis­mus zumin­dest in den Län­dern wie Deutsch­land und den USA zu einem pop­kom­pa­ti­blen Lifestyle-​​Projekt?

Die His­to­ri­ke­rin und femi­nis­ti­sche Theo­re­ti­ke­rin Tove Soi­land sieht einen Grund darin, dass die Ver­bin­dung zur Kapi­ta­lis­mus­kri­tik, die zu Beginn der 2. Frau­en­be­we­gung noch vor­han­den war, zuneh­mend ver­lo­ren ging. Statt der Ana­lyse der kapi­ta­lis­ti­schen Ver­wer­tung und ihrer Ver­bin­dung mit patri­ar­cha­len Unter­drü­ckungs­for­men sei es in der femi­nis­ti­schen Debatte zuneh­mend nur noch um das Recht auf Aner­ken­nung und Dif­fe­renz unter­schied­li­cher Lebens­stile gegan­gen.
Diese femi­nis­ti­sche Kri­tik konnte nicht mehr ana­ly­sie­ren, die fle­xi­blen Iden­ti­tä­ten sich gut mit dem Geschlech­ter­re­gime eines Post­for­dis­mus ver­tru­gen, des­sen Anspruch „Sei fle­xi­bel“ in vie­len Lebens­be­rei­chen durch­aus auch als Dro­hung auf­ge­fasst wer­den kann.
Wir wol­len mit Tove Soi­land dis­ku­tie­ren, warum mar­xis­ti­sche Ansätze in der femi­nis­ti­schen Debatte mar­gi­na­li­siert wur­den. Uns inter­es­siert auch die Frage, wie der ver­lo­rene Link zwi­schen Femi­nis­mus und Kapi­ta­lis­mus­kri­tik wie­der her­ge­stellt wer­den kann. Denn eine Kri­tik am Lifestyle-​​Feminismus bedeu­tet weder ein Zurück zum Haupt-​​ und Neben­wi­der­spruchs­den­ken des Tra­di­ti­ons­mar­xis­mus noch zu des­sen Sehn­sucht nach der patri­ar­cha­len Klein­fa­mi­li­en­ideo­lo­gie.

Roter Abend: Mitt­woch, 06. April 2011 ab 20 Uhr im
Stadt­teil­la­den Zie­lona Gora, Grün­ber­ger Str. 73,
Berlin-​​Friedrichshain.

Quelle:
http://​inter​komm​.so36​.net/​a​r​c​h​i​v​/​r​o​t​e​r​a​b​e​n​d.php

###

Vgl.
http://​theo​rie​als​pra​xis​.blog​sport​.de/​2​0​1​0​/​0​7​/​0​3​/​i​n​t​e​r​s​e​k​t​i​o​n​a​l​i​t​a​e​t​-​u​n​d​-​g​e​s​e​l​l​s​c​h​a​f​t​s​t​h​e​orie/

http://​maed​chen​blog​.blog​sport​.de/​2​0​1​0​/​0​7​/​1​4​/​u​n​d​o​i​n​g​-​o​d​e​r​-​r​e​-​d​o​i​n​g​-​g​e​nder/
sowie
von der Refe­ren­tin:
Wie die Frau­en­be­we­gung zum gender-​​Management kam, oder :
Warum gen­der im patri­ar­cha­len Koch­topf ver­dampft

http://​www​.agpol​psy​.de/​w​p​-​c​o​n​t​e​n​t​/​u​p​l​o​a​d​s​/​2​0​1​0​/​0​1​/​s​o​i​l​a​n​d​-​1​1.pdf

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9 Antworten auf „Queer, flexibel, erfolgreich“


  1. 1 TaP 10. April 2011 um 18:07 Uhr

    Berichte zur Veranstaltung:

    * in der Jungen Welt von Anne Seeck
    http://www.jungewelt.de/2011/04-08/006.php

    und

    * bei indymedia von einem veranstaltungsteilnehmer
    http://de.indymedia.org/2011/04/304279.shtml

    Zitat aus Artikel 1:

    „Auffällig sei dabei, daß die ‚normative Zweigeschlechtlichkeit‘, also die weiter übliche Einteilung der Menschen in Männer und Frauen, in einer Zeit kritisiert werde, in der sie ohnehin an Bedeutung verliere, so Soiland.“

    Stimmt das denn? Zumal, wenn es in dem Bericht weiter heißt:

    „Zugleich prognostizierte sie eine Verschärfung der Hierarchien zwischen den Geschlechtern. Dies werde aber nicht mehr über tradierte Normen geschehen, sondern über ökonomische Zwänge. Die aber, so Soiland, ‚kann man nicht dekonstruieren‘.“

    Aber erklärungsbedürftig sind ja nicht nur die ökonomischen Zwänge, sondern auch, warum sie sich geschlechtsspezifisch auswirken.

    „Vor diesem Hintergrund müsse stärker thematisiert werden, wie Frauen in den Produktionsverhältnissen positioniert sind. Als Beispiel nannte sie die Care-Ökonomie, einen wachsenden Bereich der Hausarbeit, der in schlecht bezahlte Arbeit in Pflege-, Kinderbetreuungs- und medizinischen Einrichtungen umgewandelt wird.“

    So ist es. Aber warum ist es so? – Dazu, derartige Mechanismen aufzuzeigen, dürften de-konstruktivistische Analysen doch mehr beitragen können, als es an diesem Abend phasenweise schien – wenn manchmal allzu schnell vom Feld der Identität(skritik), die beide auch nur unzureichend unterschieden wurden, ins Feld der „ökonomischen Zwänge“ zurückgewechselt wurde.

    In diesem Sinne ist auch einem der indymedia-Leser-Kommentare, wo es heißt:

    „Das bedeutet, es gibt keine Branche, wo das böse Patriarchat dafür sorgt, dass sie besonders schlecht bezahlt wird. Putzarbeit wird so schlecht bezahlt, weil für diese Tätigkeit so ziemlich jeder in Frage kommt“,

    folgendes entgegenzuhalten:

    Zwar sorgt „das Patriachat“ nicht dafür, daß es schlecht bezahlte Branchen gibt, aber die patriarchal-sexistische gesellschaftliche Struktur sorgt dafür, daß in diesen Branchen weitüberwiegend Frauen beschäftigt werden.

    Und daher erweisen sich strukturblinde Äußerungen, wie:

    „Es sind [im Care-Bereich] durchgängig Jobs, die keine Qualifikation oder nur eine Ausbildung erfordern, wie beispielsweise Kindergärtner, Altenpfleger oder Krankenpfleger, und zugleich sehr beliebt sind.“
    „Und Hausarbeit wird auch nicht ‚ungerecht‘ niedrig bezahlt, denn sie richtet sich wie überall auch, nach Angebot und Nachfrage. Sie wird also genau so bezahlt, dass Frauen sich darauf einlassen, denn das tun sie, im Jahre 2010, freiwillig.

    als der Zynismus eines Mannes, der sich in jeder Branchen – egal, ob Hoch- oder Niedrig-Lohn-Branche – zumindest eines ziemlich sicher sein kann: nämlich, daß er ein paar Cent oder Euro pro Stunde mehr bekommt, als Frauen, die die gleiche Arbeit leisten.

  2. 2 TaP 10. April 2011 um 19:21 Uhr

    PS.:

    Gerade noch gefunden in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung von heute -

    apropos Bedeutungsverlust der „Einteilung der Menschen in Männer und Frauen“:

    „speziell auf die Bedürfnisse männlicher Kinder und Jugendlicher zugeschnittenen Jungenpolitik“

    und

    „weibliche und männliche Rollenvorbilder“,

    fordert Bundesfrauenministerin Schröder.

    http://www.faz.net/s/Rub594835B672714A1DB1A121534F010EE1/Doc~EA589B7B32E984256A72A5ECB99DECA84~ATpl~Ecommon~Scontent.html

  3. 3 Nils 11. April 2011 um 13:55 Uhr

    Zwar sorgt „das Patriachat“ nicht dafür, daß es schlecht bezahlte Branchen gibt, aber die patriarchal-sexistische gesellschaftliche Struktur sorgt dafür, daß in diesen Branchen weitüberwiegend Frauen beschäftigt werden.

    Wie z. B. die Kolonnen der Straßenkehrerinnen, die Müllfrauen oder die Dönerverkäuferinnen. Wo man auch hin guckt überall nur Frauen in schlecht bezahlten Jobs.
    Die GSPler würden jetzt sagen: „Prüf doch mal dein Argument“ ich würde sagen: „Du machst es dir verdammt einfach“.

    Außerdem habe ich mich in keiner Weise gegen die Feststellung einer „patriarchal-sexistischen gesellschaftlichen Struktur“ verwahrt, sondern nur dagegen sie an Dingen festzumachen, die man mit den simpelsten Argumenten, wie dem Hinweis auf das Gesetz von Angebot und Nachfrage, widerlegen kann.
    Mir geht es gerade darum, im Gegensatz zu den IdeologInnen des Feminismus, zu Ergründen, wo und wie sich Unterdrückung manifestiert, um sie abschaffen zu können. Mir geht es nicht darum, einen vorgefertigten Kanon an Ideologie nachzubeten.

    Und daher erweisen sich strukturblinde Äußerungen, wie:

    […]

    als der Zynismus eines Mannes, der sich in jeder Branchen – egal, ob Hoch- oder Niedrig-Lohn-Branche – zumindest eines ziemlich sicher sein kann: nämlich, daß er ein paar Cent oder Euro pro Stunde mehr bekommt, als Frauen, die die gleiche Arbeit leisten.

    1) Nur weil sie einige Annahmen über Strukturen mit dem besseren Argument widerlegen, sind solche Äußerungen nicht strukturblind. Im Gegenteil, sie ermöglichen erst die wirklichen Strukturen zu erkennen.
    2) Sollte ich jemals mein Leben nicht durch ALG2, Stipendien, Tarifbezahlung, Diebstahl, Erpressung oder Besitz eines Unternehmens bestreiten und auch nicht zu den „armen“ Männern gehören, die so gar nicht dem Durchschnitt entsprechen wollen und weniger oder gleich viel wie Frauen verdienen, sondern wirklich ein paar Cent mehr pro Stunde verdienen, dann werde ich davon ein mal pro Woche eine der betroffenen Frauen auf einen Latte Macchiato einladen und an dich denken.
    Im ernst, Argumente mit Verweis auf deren Urheber widerlegen zu wollen, unterstreicht sowohl die Richtigkeit des Arguments wie auch dein Interesse es zu vernichten. Du bist nicht in der Lage dem Argument etwas entgegenzubringen, dann bleibt nur die Diskreditierung des Vorbringenden.
    Ich hätte wirklich kein Problem damit einzusehen, dass ich falsch liege, aber dafür müsste ich auch durch Argumente widerlegt werden. Wenn aber schon der Verweis auf die Bezahlung und Geschlechterstruktur von Rettungssanitätern ausreicht, um die Behauptung einer patriarchal intendierten Singularität der „Krankenschwester“-Entlohnung als Illusion offenzulegen, dann solltest du und manche anderen darüber nachdenken, ob man wirklich richtig liegt.

  4. 4 TaP 11. April 2011 um 18:42 Uhr

    Genau Zitieren ist eine Zier‘, doch besser lügt’s sich ohne ihr:

    Ich: „Zwar sorgt ‚das Patriachat‘ nicht dafür, daß es schlecht bezahlte Branchen gibt, aber die patriarchal-sexistische gesellschaftliche Struktur sorgt dafür, daß in diesen Branchen weitüberwiegend Frauen beschäftigt werden.“

    Du: „Wie z. B. die Kolonnen der Straßenkehrerinnen, die Müllfrauen oder die Dönerverkäuferinnen. Wo man auch hin guckt überall nur Frauen in schlecht bezahlten Jobs.“

    Frauen verdienen auch bei gleichen Anforderungen, gleicher Qualifikation usw. 8 Prozent weniger als Männer; oder umgekehrt ausgedrückt: Die Männerlöhne sind um fast 9 % höher als Frauenlöhne.

    Ohne derartige Faktoren herauszurechnen, sind die Frauenlöhne gut 23 Prozent niedriger als die Männerlöhne; bzw. die Männerlöhne gut 30 Prozent höher. [Der Unterschied ergibt sich daraus, ob in der Formel (G-W) x 100 / G = p die niedrigeren Frauen- oder die höheren Männerlöhne als G bzw. W gesetzt werden.]

    Vgl.: http://www.destatis.de/jetspeed/portal/cms/Sites/destatis/Internet/DE/Presse/pm/2011/03/PD11__120__621,templateId=renderPrint.psml; http://www.fembio.org/biographie.php/frau/comments/equal-pay-day-23-oder-30-prozent-unterschied/.

    Und zu jenen Faktoren gehört eben auch, daß der gewerkschaftlich organisierte Müllmann, der noch an den Nachwirkungen des fordistischen Klassenkompromisses mit patriarchaler Geschlechter-Schieflage Teil hat, immer noch besser dasteht, als die bei einem Leihunternehmen beschäftigte Pflegekraft; der männliche Koch besser dasteht als seine weibliche Küchenhilfe; der Döner-Verkäufer besser als die Putzfrau, die ihm und seinen KundInnen hinterherputzt usw.

    Und was das „Gesetz von Angebot und Nachfrage“ anbelangt, hatte ja schon die Referentin darauf hingewiesen, daß dieses – von der bürgerlichen Politischen Ökonomie entdeckte – Gesetz für das Osszilieren des Preises um den Wert der Waren (bspw. des Wertes der Ware Arbeitskraft), aber – nach der Erkenntnis der marxschen Kritik der Politischen Ökonomie – nicht für den Wert der Waren verantwortlich ist.

    Abgesehen von diesem theoretischen Einwand, stimmt Dein Argument ja auch empirisch gar nicht, da es ja im Pflegebereich gar keinen Arbeitskraft-Angebots-Überschuß gibt und die Löhne trotzdem niedrig sind.

    „Im ernst, Argumente mit Verweis auf deren Urheber widerlegen zu wollen, unterstreicht sowohl die Richtigkeit des Arguments wie auch dein Interesse es zu vernichten. Du bist nicht in der Lage dem Argument etwas entgegenzubringen, dann bleibt nur die Diskreditierung des Vorbringenden.“

    Tja, wenn es so gewesen wäre, hättest Du recht. Nur habe ich Dir erst Deinen analytischen Fehler nachgewiesen und dann noch erklärt, welcher außer-analytische Umstand ihn begünstigt hat.

    Und „strukturblind“ habe ich Deine Position genannt, weil Du Dich auf die „Freiwilligkeit“ des Verhaltens von Individuen berufen hast, um die gesellschaftlichen Verhältnissen zu erklären – worüber Marx, obwohl er keinE FeministIn war, nur gelacht hätte.

  5. 5 TaP 12. April 2011 um 10:50 Uhr

    Noch ein PS. zum Verschwinden der Bedeutung des Geschlechterdifferenz:

    „Magie für Mädchen, Kämpfe für Jungen
    Wir reden oft über den Einfluss der ‚Medien‘, doch wie sieht sowas eigentlich konkret aus? The Achilles Effect hat sich der Spielzeugwerbung einmal angenommen. Mit welchen Schlagwörtern werden ‚typische‘ Jungen- und Mädchenspielzeuge in Fernsehwerbungen bepriesen? Nach der Durchsicht von jeweils rund 30 Spots waren bereits deutliche Unterschiede in der Ansprache sichtbar…“

    http://maedchenmannschaft.net/magie-fuer-maedchen-kaempfe-fur-jungen/

  6. 6 Nils 12. April 2011 um 16:47 Uhr

    1) Wenn Du behauptest, dass „die patriarchal-sexistische gesellschaftliche Struktur dafür sorgt, dass in schlecht bezahlten Branchen weitüberwiegend Frauen beschäftigt werden“ und ich dir dann drei Arbeitsgebiete zeige, die schlecht bezahlt werden, aber wo Frauen fast überhaupt nicht vorkommen, dann stimmt dein Argument nicht. Richtiger wäre es festzustellen, dass es Branchen oder Bereiche gibt, die vom jeweiligen Geschlecht präferiert werden. In diesem Sinne karikiert das Wörtchen „überall“ nur deine Behauptung und ist recht offensichtlich nicht als ein Zitat zu verstehen.

    2) Die Statistiken kenne ich auch, sie sagen aber erst erstmal recht wenig aus. Meine Frage lautet ja nicht, ob es so ist, sondern warum es so ist und da hilft uns der Verweis auf eine ominöse „patriarchal-sexistische gesellschaftliche Struktur“ nicht weiter. Denn damit ist alles und nichts erklärt.

    3) Die Aussage der 23 %-Statistik lautet, dass Frauen im Durchschnitt 23 % weniger verdienen, sie gibt aber nicht einen einzigen Anhaltspunkt, warum das so ist. Es kann mit daran liegen, dass Frauen sich sehenden Auges in den Niedriglohn-Bereich stürzen. Das zu ändern wäre dann Aufgabe der Ideologie-Kritik. Es wird auch daran liegen, dass Frauen im Durchschnitt für harte körperliche Arbeit nicht so geeignet sind wie Männer. Was zu ändern weitaus schwieriger ist. Es wird auch daran liegen, dass Frauen häufiger als Männer eine Babypause einlegen, was wieder ein Fall für die Ideologie-Kritik wäre. Man kann sich hier noch viele weitere Gründe überlegen und einer davon wird auch die „gläserne Decke“ sein. All diese Gründe aber ganz platt auf die „patriarchal-sexistische gesellschaftliche Struktur“ und damit auf die „gläserne Decke“ zu reduzieren erklärt nichts, man bewahrt sich nur die eigene Ideologie.
    Die 8 % Studie finde ich schwierig, da ich ihre Aussage in Zweifel ziehen würde. Zieht man alle tarifgebundenen Arbeitsverhältnisse, also über 50 %, ab. Zudem noch alle Jobs, wo sämtliche Mitarbeiter gleich (schlecht) bezahlt werden, dann bleibt ein gewisser Anteil an Arbeitsbereichen übrig, wo der Lohn frei verhandelt wird und dort müsste zwischen zwei Angestellten auf der gleichen Position, mit der gleichen Dauer der Firmenzugehörigkeit, der gleichen Qualifikation, dem gleichen familiären Status etc. ein durchschnittlicher Gehaltsunterschied von sicher über 30 % existieren, dass ich meine Zweifel an der Qualität der Studie habe. Aber ich lasse mich gerne eine besseren belehren.

    4) Warum die Pflegekraft dann aber nicht Müllwerkerin wurde, die Küchenhilfe nicht Köchin und die Putzfrau nicht Döner-Verkäuferin, das beantwortest du nicht. Dir und zu vielen anderen reicht es aus eine „patriarchal-sexistische gesellschaftliche Struktur“ (die ich nicht in Zweifel ziehe) zu dekretieren und daraus jeden Unterschied im Geschlechterverhältnis abzuleiten.

    5) In Bezug auf das „Gesetz von Angebot und Nachfrage“: Ich weiß wirklich nicht, wo hier euer Verständnisproblem liegt. Ich schreibe es jetzt mal ganz klein-klein auf. Sollte es dann immer noch nicht verstanden werden, dann beschreib mal bitte, wie du denn den Wert der Arbeitskraft bestimmen würdest.
    Marx grundlegende These lautet, dass „die Arbeit eine Ware [ist], nicht mehr, nicht minder als der Zucker.“ Ebenso stellt er klar, dass die „Arbeitslöhne natürlich die Werte der von ihnen produzierten Waren nicht überschreiten [können], nicht größer sein, wohl aber können sie in jedem möglichen Grad geringer sein. Ihre Arbeitslöhne werden ihre Grenze haben an den Werten der Produkte, aber die Werte ihrer Produkte werden nicht ihre Grenze haben an ihren Arbeitslöhnen.“
    Womit auch schon eine Erklärung dafür da ist, dass eine Reinigungskraft nicht wie ein Informatiker vergütet wird. Wir haben also eine obere Schranke für die Höhe des Arbeitslohns. So weit verständlich, oder?
    Marx konstatiert auch eine untere Schranke:
    „Je weniger Bildungszeit eine Arbeit daher erfordert, desto geringer sind die Produktionskosten des Arbeiters, um so niedriger ist der Preis seiner Arbeit, sein Arbeitslohn. In den Industriezweigen, wo fast gar keine Lernzeit erforderlich ist und die bloße leibliche Existenz des Arbeiters genügt, beschränken sich die zu seiner Herstellung erforderlichen Produktionskosten fast nur auf die Waren, die erforderlich sind, um ihn am Leben zu erhalten. Der Preis seiner Arbeit wird daher durch den Preis der notwendigen Lebensmittel bestimmt sein.“
    Das heißt, nach Marx ist der Arbeitslohn irgendwo zwischen den geringsten erforderlichen Produktionskosten der Arbeitskraft und dem Wert der produzierten Waren und dessen Höhe hängt von den Produktionskosten des Arbeiters ab. Wir wissen jetzt also, in welchem Bereich sich die Löhne befinden, müssen aber noch ihren Wert ermitteln:
    Wie der jeder andern Ware ist der Wert bestimmt durch das zu ihrer Produktion notwendige Arbeitsquantum. Die Arbeitskraft eines Menschen existiert nur in seiner lebendigen Leiblichkeit. Eine gewisse Menge Lebensmittel muß ein Mensch konsumieren, um aufzuwachsen und sich am Leben zu erhalten. Der Mensch unterliegt jedoch, wie die Maschine, der Abnutzung und muß durch einen andern Menschen ersetzt werden. Außer der zu seiner eignen Erhaltung erheischten Lebensmittel bedarf er einer andern Lebensmittelmenge, um eine gewisse Zahl Kinder aufzuziehn, die ihn auf dem Arbeitsmarkt zu ersetzen und das Geschlecht der Arbeiter zu verewigen haben. Mehr noch, um seine Arbeitskraft zu entwickeln und ein gegebnes Geschick zu erwerben, muß eine weitere Menge von Werten verausgabt werden. Für unsern Zweck genügt es, nur Durchschnittsarbeit in Betracht zu ziehn, deren Erziehungs- und Ausbildungskosten verschwindend geringe Größen sind.
    Der Wert der Arbeitskraft ist für ungelernte Tätigkeiten also nahe dem Existenzminimum. Was ist aber jetzt mit Arbeit, deren Erziehungs- und Ausbildungskosten nicht verschwindend geringe Größen sind, denn das gilt für einen Großteil heutiger Arbeit.
    Die Kosten für die einfache Reproduktion der Arbeitskraft und der Arbeiterklasse sind für alle Arbeiter annähernd identisch. Es macht einen Unterschied, ob man einen kleinen oder einen großen Körper, eine kleine oder große Kinderschar ernähren muss. Dies würde aber nur einen graduellen Gehaltsunterschied erklären. D. h. setzt man nur die Reproduktionskosten an, dann würde es einen Durchschnittslohn nahe dem Existenzminimum geben, der ein wenig nach oben und nach unten variiert. Das Gehalt einer Putzfrau und das von Josef Ackermann würde sich höchstens um ein paar hundert Euro unterscheiden.
    Möchte man jetzt den Gehaltsdifferenz zwischen Josef Ackermann und einer Putzfrau erklären, reichen die Reproduktionskosten als Erklärung nicht aus. Es kommt etwas hinzu, was im obigen Zitat von Marx nur am Rande Erwähnung fand, da er sich auf die Durchschnittsarbeit der damaligen Zeit, also einfachste und ungelernte Tätigkeiten, fokussierte.
    Für alle Tätigkeiten, die eine Qualifikation benötigen müssen die Ausbildungskosten analysiert werden. Jetzt darf man nicht den Fehler begehen und diese Kosten als fixe Größen rein aus der notwendigen Zeit, die aufgewendet werden muss, zu sehen. Marx war an diesem Punkt, da er für ihn nicht relevant war und auch Ausbildung in der Regel etwas anderes meinte wie heute, nicht konsistent, deshalb würde ich darauf tippen, dass euer Verständnisproblem hier liegt.
    Was wäre, wenn wir die Ausbildungskosten als eine fixe Größe betrachten? Dann hätten wir die Reproduktionskosten (Kosten für Lebensmittel, Kindererziehung,…) und die Ausbildungskosten jeweils als eine fixe Größe. Das hieße, der Wert der Arbeitskraft von allen, die fünf Jahre studiert hätten wären gleich, genauso wie der Wert der Promovierten etc. Man könnte also angeben: Der Wert der Arbeitskraft eines Bachelor-Absolventen liegt bei 3000 Euro, der eines Master-Absolventen bei 4000 Euro usw. Nehmen wir jetzt zwei Master-Absolventen: einen Sozialpädagogen und einen Betriebswirt: ihre Ausbildungskosten und Reproduktionskosten sind identisch. Der Preis ihrer Arbeitskraft ist es offensichtlich nicht. Möchte man den Preisunterschied beim Verkauf ihrer Arbeitskraft erklären, dann hat man jetzt zwei Möglichkeiten: man kann sagen, dass es eine Frage von Angebot und Nachfrage ist. Das hieße aber, dass sich die Preise bei dem Wert der Arbeitskraft, also 3000 Euro bzw. 4000 Euro, einpendeln müssten und mal drunter und mal drüber liegen. Betriebswirte verdienen aber im Durchschnitt niemals weniger als Sozialpädagogen. Dieses Argument ist also nicht plausibel. Die andere Möglichkeit ist es sich in eine abstrakte „patriarchal-sexistische gesellschaftliche Struktur“ oder ähnliche Topoi zu retten. Sie hat den Vorteil, alles in einem Ausdruck zu erklären, nichts mehr begründen zu müssen und gleichzeitig unwiderlegbar zu sein.
    Aus marxistischer Perspektive müssen beide Erklärungen verworfen werden. Der Wert der Ware Arbeitskraft hängt von Ausbildungskosten ab, die nicht nur an die Zeit der Ausbildung geknüpft sind, sondern je nach gewählter Ausbildung variabel sind.
    Das ganze erschließt sich eher, wenn man Ausbildungskosten im Sinne von Aufwandsentschädigung liest, denn es werden durch das höhere Gehalt ja nicht vorgestreckte Kosten ausgeglichen, sondern der Arbeiter wird dafür entschädigt, dass er diese mit Mühe und Aufwand verbundene Ausbildung auf sich genommen hat und sich so geformt hat, dass er für das Kapital mehr Wert produziert.
    Die Frage, die sich anschließt lautet: Warum unterscheidet sich der Wert der Arbeitskraft bei gleicher Ausbildungsdauer?
    Die Antwort ist in der Reproduktion des Kapitals zu finden: „Unter sonst gleich bleibenden Umständen kann [die Gesellschaft] ihren Reichtum nur auf derselben Stufenleiter reproduzieren oder erhalten, indem sie die, während des Jahres z. B. verbrauchten Produktionsmittel, d. h. Arbeitsmittel, Rohmateriale und Hilfsstoffe, in natura durch eine gleiche Menge neuer Exemplare ersetzt“
    Genauso muss das Kapital auch die Arbeitskraft reproduzieren. Das bedeutet es muss dafür sorgen, dass genug Arbeiter mit entsprechender Qualifikation in ausreichender Zahl für einen Arbeitsplatz zur Verfügung stehen. Und hier kommt das Gesetz von Angebot und Nachfrage ins Spiel! Die Ausbildungsentschädigung, die in den Wert der Arbeitskraft eingeht regelt sich nach Angebot und Nachfrage. Die Entlohnung muss so hoch sein, dass ausreichend Arbeiter eine bestimmte Ausbildung auf sich nehmen, umso höher, umso mehr qualifizierte Arbeiter wird es geben, wodurch der Lohn sinkt, wodurch wiederum weniger in diesen Bereich streben und die Löhne steigen…
    Die Höhe der Ausbildungsentschädigung richtet sich rein nach dem Gesetz von Angebot und Nachfrage.
    „Der Arbeitslohn ist, wie wir gesehen haben, der Preis einer bestimmten Ware, der Arbeit. Der Arbeitslohn wird also durch dieselben Gesetze bestimmt, die den Preis jeder andern Ware bestimmen. […] Wodurch wird der Preis einer Ware bestimmt? Durch die Konkurrenz zwischen Käufern und Verkäufern, durch das Verhältnis der Nachfrage zur Zufuhr, des Angebots zum Begehr.
    Und damit überhaupt eine bestimmte Ware Arbeitskraft entsprechend der Nachfrage produziert wird, muss das Angebot hoch genug sein.

    Dieses Prinzip von Angebot und Nachfrage, gilt bei einfacher, unqualifizierter Arbeit wie folgt: Der Wert dieser Arbeitskraft ist bestimmt durch die Reproduktionskosten plus 0xAusbildungsentschädigung, also gleich den Reproduktionskosten. Das Gesetz von Angebot und Nachfrage sorgt dann, worauf Tove und du abstellen für das Divergieren um den Wert. Der Wert qualifizierter Arbeit ist aber bestimmt durch Reproduktionskosten plus Ausbildungsentschädigung. Und das Gesetz von Angebot und Nachfrage geht bereits in den Wert der Arbeitskraft ein, nämlich in die Ausbildungsentschädigung. Das heißt, das Gesetz von Angebot und Nachfrage geht doppelt ein: es sorgt für die Höhe der Ausbildungsentschädigung und damit auch für den maßgeblichen Faktor des Gehalts, also des Preises der Arbeitskraft und sorgt auch für das Zirkulieren um den Wert der Arbeitskraft.

    So, ich hoffe so verständlich wie möglich nachgewiesen zu haben, dass sich der Wert der Arbeitskraft bei jeder qualifizierteren Arbeit in erster Linie nach Angebot und Nachfrage richtet.

    6) Jetzt blicken wir auf den Care-Sektor: Hier gibt es eine bestimmte Nachfrage nach Arbeitskräften, die sehr gering ist. Da das Geld im Care-Sektor in der Regel aus Steuern bezahlt wird und damit direkt oder indirekt vom Mehrwert abgeknapst wird, ohne dass es ein produktiver Faktor für das Kapital wäre, wie z. B. die Wissenschaft, geht es darum so wenig Geld wie möglich dort hin zu geben. Wie viel hängt von Sozialen Kämpfen im weitesten Sinne innerhalb der Gesellschaft ab. Es strömen also wenig Kapitalisten in den Markt, weil die Renditeerwartungen überschaubar sind. Auf der anderen Seite gibt es ein großes Angebot an Arbeitskräften in diesem Bereich, Krankenpfleger ist einer der beliebtesten Ausbildungsberufe. Wo du deine Information, dass dem nicht so wäre hernimmst, weiß ich nicht. Die Ausbildungsentschädigung kann sehr gering sein, weil es trotz niedrigem Gehalt sehr viele machen. Wenn dem nicht so wäre, dann würden die Löhne steigen, dort eingesetztes Kapital würde abgezogen, weil die Rendite sich verringert. Die Gesundheitsversorgung würde sich also verschlechtern und irgendwann müsste der Staat Geld nachschießen, also mehr vom Mehrwert abzweigen.
    Die Gründe für die schlechte Bezahlung liegen also zum einen in einer verbreiteten Ideologie, die Arbeitsplätze in diesem Bereich so beliebt macht und zum anderen daran, dass die Gesellschaft möglichst wenig Geld in diesen Bereich pumpen möchte.

    7)

    Und „strukturblind“ habe ich Deine Position genannt, weil Du Dich auf die „Freiwilligkeit“ des Verhaltens von Individuen berufen hast, um die gesellschaftlichen Verhältnissen zu erklären – worüber Marx, obwohl er keinE FeministIn war, nur gelacht hätte.

    Naja, also die Möglichkeit des Arbeiters seinen Arbeitsplatz frei zu wählen zieht sich schon sehr grundlegend durch Marx Werk. D. h. die Entscheidung für Haushalt und Kinder ist eine Entscheidung, die zwar aus einem notwendig falschen Bewusstsein getroffen wird, aber dennoch in Deutschland freiwillig getroffen wird. Das führ ich jetzt nicht weiter aus. Es ist eigentlich sehr leicht einsehbar.

  7. 7 TaP 13. April 2011 um 21:17 Uhr

    zu 1. und 2.:

    „Meine Frage lautet ja nicht, ob es so ist, sondern warum es so ist …“

    Du bestreitst also nicht mehr, daß es so ist, wie ich behauptete – nämlich, daß Frauen überproportional in Niedriglohn- und Männer überproportional in Hochlohnbranchen vertreten sind? – Dann wären wir einen Schritt weiter.

    „… und da hilft uns der Verweis auf eine ominöse ‚patriarchal-sexistische gesellschaftliche Struktur‘ nicht weiter. Denn damit ist alles und nichts erklärt.“

    Ja, die drei bzw. vier Wörter besagen als solche nicht viel. Aber gerade zur Herstellung, Reproduktion und auch zur teilweisen Umschrift der Vergeschlechtlichung von Berufen gibt zahlreiche aufschlußreiche Untersuchungen:

    „Umfangreiche Studien vor allem aus dem Bereich des Arbeitsmarktes und der Professionen belegen, dass das, was jeweils als männlich bzw. weiblich gilt, nicht feststeht, sondern in Aushandlungsprozessen begründet wird (Maruani 1997, Neusel/ Wetterer 1999). Gildemeister und Wetterer bezeichnen diese Aushandlungsprozesse als ‚Umschrift der Differenz‘ (Gildemeister/ Wetterer 1992, 223). In der Regel gehen sie mit einer Hierarchisierung zu Gunsten von Männlichkeit einher. Zugleich zeigen diese Untersuchungen, dass innerhalb der einzelnen Professionen von den Männern spezifische Männlichkeitsideale entworfen werden.
    ► Gildemeister, Regine/ Wetterer, Angelika (1992): Wie Geschlechter gemacht werden. Die soziale Konstruktion der Zweigeschlechtlichkeit und ihre Reifizierung in der Frauenforschung. In: Knapp, Gudrun-Axeli/Wetterer, Angelika (Hg.): Traditionen Brüche, Freiburg (i. Br.), S. 201-254
    ► Maruani, Margaret (1997): Die gewöhnliche Diskriminierung auf dem Arbeitsmarkt. In: Dölling, Irene/ Krais, Beate (Hg.): Ein alltägliches Spiel, Geschlechterkonstruktion in der sozialen Praxis, Frankfurt am Main, S. 48-74
    ► Neusel, Aylã/ Wetterer, Angelika (Hg.) (1999): Vielfältige Verschiedenheiten. Geschlechterverhältnisse in Studium, Hochschule und Beruf. Frankfurt am Main/ New York

    Quelle: http://www.rosalux.de/fileadmin/rls_uploads/pdfs/Texte_18.pdf, S. 37

    „Die genannten Prozesse der Vergeschlechtlichung lassen sich nach verschiedenen Ebenen hin aufschlüsseln. Wir haben es auf einer Ebene mit einer fortwährenden Ausdifferenzierung und Re-Formierung der hierarchischen Struktur des Geschlechterverhältnisses zu tun, mit einem andauernden Prozeß der ReKonstruktion der Geschlechterhierarchie. Und wir haben es auf einer zweiten Ebene – der Ebene der Legitimation und der kulturellen Repräsentationen von Weiblichkeit und Männlichkeit – zu tun mit einem beständigen Prozeß der Auslegung, der Um- und Neuformulierung der Geschlechterdifferenz, mit einem Prozeß, den man als kontinuierliche ‚Umschrift der Differenz’ bezeichnen kann, und der vor allem in den Umbruchphasen der Vergeschlechtlichung auch durch radikale Brüche und Verwerfung gekennzeichnet sein kann.“ (Gildmeister/Wetterer, a.a.O., 224 f.)

    Insofern ist es völlig überflüssig – wie Du es aber bei

    (zu) 3. (und 4.)

    machst – zu spekulieren:

    „Es kann mit daran liegen, … Es wird auch daran liegen, … Es wird auch daran liegen, …“

    Die Funktionsweise der patriarchal-sexistische gesellschaftliche Struktur ist nämlich gerade in diesem Fall sehr genau von Feministinnen untersucht worden.
    Und in der Frauenbewegung ist auch ziemlich umfassend diskutiert worden, welchen Anteil Frauen selbst daran haben, daß die gesellschaftlichen Strukturen im allgemeinen und auch die sexistischen im besonderen immer wieder reproduziert werden (warum also die „Ideologiekritik“ – um in Deinem Sprachgebrauch zu bleiben – nicht greift) und sie nur selten umgestürzt werden.

    Siehe dazu die einschlägigen Texte von Frigga Haug und Christina Thürmer-Rohr zur sog. Täter/Opfer- oder Mittäterschafts-Debatte.

    „Zieht man alle tarifgebundenen Arbeitsverhältnisse, also über 50 %, ab. Zudem noch alle Jobs, wo sämtliche Mitarbeiter gleich (schlecht) bezahlt werden, dann bleibt ein gewisser Anteil an Arbeitsbereichen übrig, wo der Lohn frei verhandelt wird“

    Tarifgebunden heißt doch nicht, daß der Lohn für alle Beschäftigten auf der gleichen Hierarchiestufe auf den Cent genau gleich festgelegt ist.

    zu 5.

    In Deinem länglichen Marx-Referat kommt das von Dir zunächst in Anspruch genommenene „Gesetz von Angebot und Nachfrage“ als Grundlage des Wertes der Ware Arbeitskraft nicht vor.

    Und dann schreibst Du:

    „man kann sagen, dass es eine Frage von Angebot und Nachfrage ist. […]. Die andere Möglichkeit ist es sich in eine abstrakte ‚patriarchal-sexistische gesellschaftliche Struktur‘ oder ähnliche Topoi zu retten. […]. Aus marxistischer Perspektive müssen beide Erklärungen verworfen werden.“

    Du verwirfst jetzt also die von Dir zunächst gegebene Erklärung. Vielen Dank. Daß Angebot und Nachfrage für das Oszillieren des Preises um den Wert relevant sind, hatte die Referentin bereits am Mittwoch betont. Insofern sind Deine Ausführungen also überflüssig. -

    Zur ‚Abstraktheit‘ des Verweises auf die „patriarchal-sexistische gesellschaftliche Struktur“ siehe bereits oben.

    zu 6.:

    Du:

    „Jetzt blicken wir auf den Care-Sektor: Hier gibt es eine bestimmte Nachfrage nach Arbeitskräften, die sehr gering ist. […]. Auf der anderen Seite gibt es ein großes Angebot an Arbeitskräften in diesem Bereich, Krankenpfleger ist einer der beliebtesten Ausbildungsberufe. Wo du deine Information, dass dem nicht so wäre hernimmst, weiß ich nicht.“

    Statistisches Bundesamt:

    „Bereits im Jahr 2005 hätte es einen Arbeitskräftemangel gegeben, wenn nur ausgebildete Pflegekräfte berücksichtigt worden wären: 39 000 ausgebildete Pflegevollkräfte haben gefehlt. Bislang konnte der Bedarf an Pflegepersonal aber noch über ungelernte beziehungsweise angelernte Pflegekräfte kompen­siert werden.“

    http://www.destatis.de

    Der Freitag:

    „Zuletzt erklärte der Minister im Dezember, sich um den Arbeitskräftemangel in den Pflegeberufen kümmern zu wollen: […]. Um Arbeitskräfte anzulocken, soll außerdem ausländischen Fachkräften der Berufseinstieg in Deutschland erleichtert werden.“

    http://www.freitag.de/politik/1106-schwerstarbeit-am-pflegeberuf

    zu 7.:

    „D. h. die Entscheidung für Haushalt und Kinder ist eine Entscheidung, die zwar aus einem notwendig falschen Bewusstsein getroffen wird, aber dennoch in Deutschland freiwillig getroffen wird.“

    Ja, daß ständig im rechtlichen Sinne freie, individuelle Entscheidungen getroffen werden, ist das Charakteristikum der kapitalistischen Produktionsweise – im Unterschied bspw. zur auf Sklavenarbeit beruhenden oder der feudalen Produktionsweise.

    Nur ist für Marx mit dieser Einsicht seine Analyse der kapitalistischen Struktur nicht beendet, sondern sie geht damit überhaupt erst los – während Du (im Falle des Geschlechterverhältnisses) aus der Freiwilligkeit ein ausschlagegendes Argument machen willst.

    Und zum „notwendig falschen Bewusstsein“ siehe: http://theoriealspraxis.blogsport.de/2009/09/15/warum-ideologie-kein-notwendig-falsches-bewusstsein-ist-und-aus-einer-erkenntnis-nicht-automatisch-eine-bestimmte-politische-haltung-folgt/.e

  8. 8 Nils 14. April 2011 um 1:03 Uhr

    Ich bin immer wieder etwas erschrocken darüber, wenn man etwas schreibt und dann mit den skurrilsten Behauptungen über den eigenen Text und dessen Aussage konfrontiert wird. Es lässt mich etwas ratlos zurück. Liegt das daran, dass der Text so schlecht geschrieben ist, dass der Leser ihn nicht versteht, liegt es an einem Beißreflex, dass manche Leser bei bestimmten Themen etwas in Texte herein lesen, was da beim besten Willen nicht drin steht?

    Du bestreitst also nicht mehr, daß es so ist, wie ich behauptete – nämlich, daß Frauen überproportional in Niedriglohn- und Männer überproportional in Hochlohnbranchen vertreten sind? – Dann wären wir einen Schritt weiter.

    Du bist jetzt wahrscheinlich im Verständnis meiner Aussage einen Schritt weiter, mehr aber auch nicht.
    Wie kommst du auf die Idee, dass ich dies anders sehe? Wo bitte habe ich das geschrieben?

    Insofern ist es völlig überflüssig – wie Du es aber bei

    (zu) 3. (und 4.)

    machst – zu spekulieren:
    […]
    Die Funktionsweise der patriarchal-sexistische gesellschaftliche Struktur ist nämlich gerade in diesem Fall sehr genau von Feministinnen untersucht worden.

    Auf eine Instanz zu verweisen als Beleg für eine Behauptung belegt nichts. Nur weil Feministinnen etwas sehr genau untersuchen, muss das Ergebnis nicht richtig oder überzeugend sein.
    Außerdem war das überhaupt nicht mein Punkt: Ich habe nur aufgezeigt, dass weder die Feststellung einer solch abstrakten Struktur noch deine Beispiele etwas erklären.

    welchen Anteil Frauen selbst daran haben, daß die gesellschaftlichen Strukturen im allgemeinen und auch die sexistischen im besonderen immer wieder reproduziert werden (warum also die „Ideologiekritik“ – um in Deinem Sprachgebrauch zu bleiben – nicht greift) und sie nur selten umgestürzt werden.

    Mir sind die entsprechenden Texte von Haug und Thürmer-Rohr zur Mittäterschafts-Debatte bekannt. Das ist nur wieder nicht mein Punkt. Mir geht es nicht darum, welchen Anteil Frauen an irgendwas haben. Frauen sind für mich nicht besser oder schlechter als Männer, sie sind wie Männer geformt durch die herrschende Ideologie. Sie sind im selben Maß wie Männer sowohl Produzenten wie auch Produkte der Verhältnisse.

    Du verwirfst jetzt also die von Dir zunächst gegebene Erklärung. Vielen Dank. Daß Angebot und Nachfrage für das Oszillieren des Preises um den Wert relevant sind, hatte die Referentin bereits am Mittwoch betont. Insofern sind Deine Ausführungen also überflüssig. -

    Ich verstehe, wenn man nicht die Zeit hat, einen Kommentar so genau zu lesen, dass man ihn versteht. Und ich verstehe, dass man auf dem eigenen Blog jeden kritischen Kommentar kontern muss. Das ist ein Dilemma. Nur wird ein solches Verhalten dem Kommentierenden natürlich nicht gerecht, deshalb lassen wir am besten diese Diskussion.

    Statistisches Bundesamt:

    „Bereits im Jahr 2005 hätte es einen Arbeitskräftemangel gegeben, wenn nur ausgebildete Pflegekräfte berücksichtigt worden wären: 39 000 ausgebildete Pflegevollkräfte haben gefehlt. Bislang konnte der Bedarf an Pflegepersonal aber noch über ungelernte beziehungsweise angelernte Pflegekräfte kompen­siert werden.“

    Und ich habe geschrieben: „Auf der anderen Seite gibt es ein großes Angebot an Arbeitskräften in diesem Bereich, Krankenpfleger ist einer der beliebtesten Ausbildungsberufe. Wo du deine Information, dass dem nicht so wäre hernimmst, weiß ich nicht. Die Ausbildungsentschädigung kann sehr gering sein, weil es trotz niedrigem Gehalt sehr viele machen.“
    Deine Quellen belegen offensichtlich doch meine These: nur weil ungelernte oder ausländische Arbeitskräfte eingesetzt werden herrscht doch kein Arbeitskräftemangel!

    „Zuletzt erklärte der Minister im Dezember, sich um den Arbeitskräftemangel in den Pflegeberufen kümmern zu wollen: […]. Um Arbeitskräfte anzulocken, soll außerdem ausländischen Fachkräften der Berufseinstieg in Deutschland erleichtert werden.“

    Das heißt, in Zukunft werden 10000 Arbeitskräfte aus Osteuropa in den deutschen Care-Sector strömen, mit entsprechenden Auswirkungen auf den Lohn. Bessere Belege für meine These hätte ich auch nicht gefunden.
    Der Staat hätte auch die Möglichkeit durch höhere Löhne diese Berufe attraktiver zu machen, da er aber genau weiß, wer die Rechnung zahlt, öffnet er diesen Markt für ausländische Kräfte und hält die Löhne so niedrig bzw. drückt sie sogar.

    Ja, daß ständig im rechtlichen Sinne freie, individuelle Entscheidungen getroffen werden, ist das Charakteristikum der kapitalistischen Produktionsweise – im Unterschied bspw. zur auf Sklavenarbeit beruhenden oder der feudalen Produktionsweise.

    Schön, dass wir uns hierin einig sind. Diese Einsicht ist allerdings nicht so weit verbreitet. Vor nicht ein mal vier Stunden meinte jemand sehr entschieden zu mir, dass Hausarbeit Sklavenarbeit sei.

    Nur ist für Marx mit dieser Einsicht seine Analyse der kapitalistischen Struktur nicht beendet, sondern sie geht damit überhaupt erst los – während Du (im Falle des Geschlechterverhältnisses) aus der Freiwilligkeit ein ausschlagegendes Argument machen willst.

    Ein Argument für was? Wenn feministische Theoretikerinnen Hausarbeit als Sklavenarbeit fassen, es 17 Jahre Frauenbewegung gebraucht hat, bis Thürmer-Rohr zaghaft darauf hingewiesen hat, dass Frauen ja nicht nur unschuldige Engel sind, es in 40 Jahren Frauenbewegung niemanden gab, der die These der „unbezahlten Hausarbeit“ zumindest mal zur Diskussion gestellt hätte, obwohl es vollkommen evident ist, dass es nicht eine einzige Hausfrau gibt, die kein Geld erhält, dann ist es notwendig all diese Ideologien, diese unbelegbaren Behauptungen zu widerlegen, um überhaupt eine Perspektive zu entwickeln, die Unterdrückung von Frauen in dieser Gesellschaft zu überwinden.

  9. 9 TaP 14. April 2011 um 15:28 Uhr

    noch mal zu 1.:

    „Ich bin immer wieder etwas erschrocken darüber, wenn man etwas schreibt und dann mit den skurrilsten Behauptungen über den eigenen Text und dessen Aussage konfrontiert wird.“

    Wenn ich schreibe, „daß in diesen [nämlich den Billiglohn-]Branchen weitüberwiegend Frauen beschäftigt werden“ und Du dann ironisch dagegensetzt: „Wie z. B. die Kolonnen der Straßenkehrerinnen, die Müllfrauen oder die Dönerverkäuferinnen. Wo man auch hin guckt überall nur Frauen in schlecht bezahlten Jobs.“, dann liegt darin ja wohl ein Bestreiten des von mir Behaupteten (und die Gegenbehauptung einer Gleichverteilung von Frauen und Männern in Niedriglohnbranchen und sogar einer Überrepräsentanz von Männern). – Wenn Du das mittlerweile anders siehst oder Dich einfach nur schlecht ausgedrückt hast – umso besser.

    „Auf eine Instanz zu verweisen als Beleg für eine Behauptung belegt nichts. Nur weil Feministinnen etwas sehr genau untersuchen, muss das Ergebnis nicht richtig oder überzeugend sein.“

    Ja, aber es muß auch nicht jedes Argument x-fach elaboriert und jeder Beweis x-fach vorgetragen werden. Wie schon dem GSP entgegengehalten: Wer den Feminismus kritisieren will, muß zunächst einmal zur Kenntnis nehmen, was ‚der Feminismus’ ist, behauptet sowie an Beweisen und Argumenten vorbringt – und dann Gegenbeweise und Gegenargumente vorbringen.

    noch mal zu 3.:

    „Frauen sind für mich nicht besser oder schlechter als Männer, sie sind wie Männer geformt durch die herrschende Ideologie. Sie sind im selben Maß wie Männer sowohl Produzenten wie auch Produkte der Verhältnisse.“

    Ja, und?! Welche Feministin hätte in den letzten 20 Jahren anderes behauptet?! –
    Und das Gleiche gilt im übrigen auch in Bezug auf die ArbeiterInnenklasse: Auch Proleten sind keine besseren Menschen als Bourgeois – und trotzdem ist es richtig, marxistische Politik in besondere Weise auf die ArbeiterInnenklasse zu orientieren. Und entsprechend im Falle feministischer Politik.

    noch mal zu 6.:

    „Deine Quellen belegen offensichtlich doch meine These: nur weil ungelernte oder ausländische Arbeitskräfte eingesetzt werden herrscht doch kein Arbeitskräftemangel! […] Das heißt, in Zukunft werden 10000 Arbeitskräfte aus Osteuropa in den deutschen Care-Sector strömen, mit entsprechenden Auswirkungen auf den Lohn. Bessere Belege für meine These hätte ich auch nicht gefunden.“

    Ja, in Zukunft! Das heißt: Im Moment fehlen noch Arbeitskräfte – und trotzdem sind die Löhne bereits niedrig. Belegt das nun meine oder Deine Behauptung?

    Außerdem werden – gerade wegen des Mangels an qualifizierteren Kräften –, sozusagen als Notlösung, ungelernte Kräfte eingesetzt. Trotzdem werden (wurden jedenfalls bisher) die Löhne in den entsprechenden Ausbildungsberufen nicht erhöht, was den Mangel an ausgebildeten Kräften beseitigen würde. Belegt das nun meine oder vielmehr Deine Behauptung von der engen Koppelung von Angebot-Nachfrage-Verhältnis und Lohnhöhe?

    noch mal zu 7.:

    „es in 40 Jahren Frauenbewegung niemanden gab, der die These der ‚unbezahlten Hausarbeit’ zumindest mal zur Diskussion gestellt hätte, obwohl es vollkommen evident ist, dass es nicht eine einzige Hausfrau gibt, die kein Geld erhält,“

    Die von Dir kritisierte Interpretation der Hausarbeit und die daraus abgeleitete Forderung nach Lohn für Hausarbeit ist doch aber eine nur in sehr schmalen Teilen der Frauenbewegung vertretene Auffassung – auch, wenn sie vielleicht in der autonomen Szene stärker als andere feministische Ansätze rezipiert wurde.

    Zwar ist die Hausarbeit nicht unbezahlt – aber Hausfrauen (und -männer) erhalten keinen Lohn (und zwar weder vom Partner noch vom Staat), sondern haben juristisch einen Unterhaltsanspruch gegen ihren Ehepartner bzw. ihre eingetragene Lebenspartnerin – allerdings nur, soweit sie unterhaltsbedürftig sind, also keine anderen Einnahmen haben.

    Faktisch ist es allerdings vielfach so, daß Frauen selbst diesen Anspruch nicht einmal in Anspruch nehmen – also kein wirklich eigenes Geld haben –, sondern ein bestimmtes Budget als Haushaltsgeld – bei Kleinausgaben – im Familiensinne verwalten, während bei großen Ausgaben die Ehemänner faktisch das letzte Wort haben und sich die Ehefrauen mit einem bloßen „Taschengeld“ begnügen.

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