PS. zu BDSM: Rationale Gewaltausübung und irrationaler Gewaltexistentialismus

Der Gewalt­ex­perte Tee schrieb (zu nächt­li­cher Stunde [4:43 h]): „kann nicht­mal jemand tap erklä­ren, dass erst die rezep­tion einer hand­lung diese posi­tiv oder nega­tiv daste­hen lässt?! dass gewalt erst­mal nichts wei­ter als ein mit­tel ist und des­sen nega­tive (oder posi­tive) deu­tung ja wohl vom zweck und nut­zen für die jewei­li­gen betrof­fe­nen per­so­nen abhängt?!“
Ja, eben dies (der Mit­tel­cha­rak­ter) unter­schei­det ratio­nale Gewalt­aus­übung von irra­tio­na­lem Gewalt­exis­ten­tia­lis­mus, wie letz­te­rer bspw. für SM cha­rak­te­ris­tisch zu sein scheint. Der glei­che Tee schrieb (fast noch bei Tages­licht [18:01 h]): „mit­leid [hat] bei sol­chen sm-​​praktiken über­haupt nichts zu suchen hat. aber du kannst dir schein­bar nicht vor­stel­len, dass sie ein­fach nur lust emp­fin­den.“
Die Gewalt dient hier nicht der Rea­li­sie­rung eines mehr oder min­der weit ent­fernt­lie­gen­den Zwecks (der Beu­gung des Wil­lens eines Geg­ners, der der Zweck­er­rei­chung ent­ge­gen­steht; der Besei­ti­gung eines phy­si­schen Hin­der­nis­ses auf dem Weg zu einem Ziel o.ä.), son­dern die Gewalt­aus­übung (auf Sei­ten der S) und das Gewal­ter­lei­den auf (auf Sei­ten der M) fällt mir der Lust zusam­men.1 Zweck und Mit­tel fal­len­zu­sam­men; die Ratio­na­li­tät des Zweck-​​Mittel-​​Verhältnis wird zer­stört.
In die­sem Sinne kri­ti­sierte ich bereits im ver­gan­ge­nen Jahr: „Was mich aller­dings skep­tisch stimmt, ist gerade der ‚Exis­ten­tia­lis­mus‘ des Gewalt­ein­sat­zes in SM – wie er bspw. in dem von mir schon mal ange­führ­ten Zitat aus dem von Thiel ver­link­ten Text („dort ist eben der Genuss der Macht pri­mä­rer Trieb“) […] deut­lich wird.“
Das („der Genuss der Macht [als] pri­mä­rer Trieb“) ist der Män­ner­bund im Stahl­ge­wit­ter (Nr. 2), nicht Femi­nis­mus im Bett.
Siehe auch dort, dort und dort.

  1. Vgl. TaP: „Was ich noch ver­ste­hen würde ist, wenn gesagt würde, die Schmerz­gren­zen seien je indi­vi­du­ell unter­scheid­lich: Was die eine noch als lust­voll emp­fin­det, würde der andere schon als schmerz­haft emp­fin­den.“ Tee: „dass bei­des auch zusam­men geht, kannst du dir ein­fach nicht vor­stel­len, was?!“
    TaP: „Aber die Behaup­tung, daß Schmer­zen Lust berei­ten, das scheint mir ein Wider­spruch in sich zu sein.“ Tee: „das den­ken sich die geg­ner schar­fer küche auch immer. ich kann nur noch den kopf schüt­teln ob so viel anma­ßung.“ [zurück]
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1 Antwort auf „PS. zu BDSM: Rationale Gewaltausübung und irrationaler Gewaltexistentialismus“


  1. 1 Mirabella 22. Dezember 2010 um 11:54 Uhr

    „Zweck und Mittel fallenzusammen; die Rationalität des Zweck-Mittel-Verhältnis wird zerstört.“

    Dem würde ich im Bezug auf SM jetzt nicht zustimmen, da eben die Schmerzen das Mittel zum Zweck, hier Lustgewinn, sind.

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