Intersektionalität und Gesellschaftstheorie

Theo­re­ti­sche Nach­be­mer­kun­gen zur CSD/​Rassismus-​​Debatte und zugleich not­wen­dige poli­ti­sche Anmer­kun­gen zum dies­jäh­ri­gen trans­ge­nia­len CSD

Zara wies in einem Kom­men­tar zu mei­nem Bei­trag „Noch ein­mal zu den Rassismus-​​Vorwürfen gegen den Ber­li­ner CSD“ auf den Text von Tove Soi­land „Die Ver­hält­nisse gin­gen und die Kate­go­rien kamen. Inter­sec­tio­na­lity oder Vom Unbe­ha­gen an der ame­ri­ka­ni­schen Theo­rie“ in der femi­nis­ti­schen internet-​​Zeitschrift querelles-​​net Nr. 26 aus dem Jahr 2008 hin.

Ich finde den Text auch sehr gut:

1. Ich teile den Ein­druck, daß auch der Inter­sek­tio­na­li­täts­an­satz letzt­lich zu einer bloß addi­ti­ven Sicht­weise ten­diert:

„Die Kate­go­rien kri­ti­scher Gesell­schafts­theo­rie zeich­nen sich […] dadurch aus, dass sie kom­plexe Mecha­ni­ken gesell­schaft­li­cher Pro­duk­tion und Repro­duk­tion bezeich­nen; sie bezeich­nen nicht oder nicht in ers­ter Linie Grup­pen. Und dies ver­weist zurück auf das Pro­blem, dass die For­de­rung nach inter­sek­tio­nel­len Ana­ly­sen in einem Dis­kri­mi­nie­rungs­dis­kurs behei­ma­tet ist. Kate­go­rien, die für das Pro­blem von Dis­kri­mi­nie­rung in Frage kom­men, sind nun aber nicht per se auch sol­che, die maß­geb­lich an der Orga­ni­sa­tion gesell­schaft­li­cher Pro­duk­tion und Repro­duk­tion betei­ligt resp. für diese zen­tral sind. Es geht [bei inter­sek­tio­na­len Ana­ly­sen, TaP], wie Dietze et al. (2007, S. 10) zu Recht for­mu­lie­ren, um ‚Kate­go­rien der Benach­tei­li­gung‘, die weni­ger kom­plexe Mecha­nis­men gesell­schaft­li­cher Orga­ni­sa­tion als die Zuschrei­bung ‚rea­ler‘ oder vor­ge­stell­ter Merk­male und die damit ver­bun­de­nen Vor­ur­teile bezeich­nen. So ist denn auch selbst­ver­ständ­lich die Anzahl der Gründe, die zu einer Benach­tei­li­gung Anlass geben, in der Ten­denz offen (Degele/​Winker 2007, S. 11) und macht es – im Bereich der Anti­dis­kri­mi­nie­rung – Sinn, nach die­sen zu fra­gen.“

Damit sind wir dann wie­der bei der Logik der Auf­zäh­lun­gen: Es wer­den ‚Benach­tei­li­gun­gen‘ auf­ge­lis­tet und deren Gründe auf­ge­zählt – und im Zwei­fels­fall hilft ein „usw.“ wei­ter.
Mit der Länge der Liste ist aber zur Adäquat­heit der Ana­lyse der Gründe und der dar­auf auf­ge­bau­ten poli­ti­schen Stra­te­gie noch nichts gesagt.1
Die poli­ti­sche Kon­se­quenz der Auf­zäh­lungs­lo­gik ist, daß im Ber­li­ner CSD/​Rassismus-​​Streit beide Sei­ten Opfer­kon­kur­renz betrei­ben und sich gegen­sei­tig vor­wer­fen: Judith But­ler und die Grup­pen, die sie – anschnei­nend mit ziem­lich wenig kon­kre­ten Infor­ma­tio­nen (vgl. 1 und 2 [am Anfang]) – brief­ten, wer­fen dem CSD eine Ver­nach­läs­si­gung des Kamp­fes gegen Ras­sis­mus vor oder sogar des­sen Kom­plize zu sein. Die andere Seite kon­tert mit dem Vor­wurf der Ver­nach­läs­si­gung des Kamp­fes gegen Anti­se­mi­tis­mus2, und der Kampf gegen Trans­pho­bie und Inter­se­xu­el­len­pho­bie wird von bei­den Sei­ten bean­sprucht3. Nur am Femi­nis­mus schei­nen beide Sei­ten glei­cher­ma­ßen wenig Inter­esse zu haben.

2. Ich teile den Ein­druck, daß es in Intersektionalitäts-​​Studien eine Ver­nach­läs­si­gung von Gesell­schafts­theo­rie gibt. Es wird eher auf (quan­ti­fi­zier­bare) Effekte geguckt als auf struk­tu­relle Ursa­chen (auch wenn der Anspruch teil­weise ein ande­rer ist):

„Es scheint, und dies ist für mich der eigent­li­che Grund, warum Erkennt­nisse aus dem Feld der Anti­dis­kri­mi­nie­rung nicht tel quel auf Fra­gen der Gesell­schafts­theo­rie über­tra­gen wer­den kön­nen, dass mit dem Wort ‚Kate­go­rie‘ zwei Dinge zugleich benannt wer­den, die kate­go­rial gese­hen nicht auf der­sel­ben Ebene lie­gen. So kann die beschrei­bende Sozio­lo­gie Inter­fe­ren­zen den­ken, weil sie diese als Merk­male kon­zi­piert. Umge­kehrt kann die For­de­rung, kom­plexe Dyna­mi­ken gesell­schaft­li­cher Pro­duk­tion und Repro­duk­tion inter­fe­rent zu den­ken, erheb­li­che Schwie­rig­kei­ten berei­ten und ist auch nicht in jedem Fall sinn­voll resp. kann nur ein­ge­löst wer­den, wenn diese Dyna­mi­ken wie­derum auf ‚Merk­male‘ einer Grup­pen­zu­ge­hö­rig­keit redu­ziert wer­den.“

Beide von Tove Soi­land gemein­ten Sei­ten bean­spru­chen über Kate­go­rien zu reden, wor­un­ter die einen aber beschrei­bende Merk­male ver­ste­hen und die ande­ren analytisch-​​erklärende Begriffe4. – Die wis­sen­schaft­li­che Kon­se­quenz davon, sich mit Merk­ma­len zu beschei­den (statt Begriffe zu erar­bei­ten), wird von Tove Soi­land klar aus­ge­spro­chen:

„Das eigent­li­che Unter­su­chungs­ob­jekt sind damit nicht die Mecha­nis­men der Segre­ga­tion, son­dern deren Effekte und daran anschlie­ßend die Frage, wie Grup­pen zu kon­zep­tua­li­sie­ren sind, um genü­gend kom­plex, das heißt, den rea­len sozio­lo­gi­schen Gege­ben­hei­ten ange­mes­sen zu sein.“ (Hv. d. TaP).

Und die poli­ti­sche Kon­se­quenz des Guckens auf Effekte und der Aufzählungs-​​Logik, die diese beim trans­ge­nia­len CSD hat­ten, hat die taz, wenn auch nicht aus inhalt­li­chem Inter­esse an revo­lu­tio­nä­rer Poli­tik, son­dern allein aus Häme-​​Gründen tref­fend auf den Punkt gebracht:

„Das Poli­ti­sche kam wahr­lich nicht zu kurz, ver­ur­sachte aber vie­len Teil­neh­mern auf­grund der lei­der nicht kom­mer­zi­el­len Laut­spre­cher­an­lage Kopf­schmer­zen. Die Ver­le­sung der Trak­tate kam so mit­un­ter nur als Hin­ter­grund­ka­ko­pho­nie an: ‚Ismus…istisch…Ismus‘. Bei nähe­rem Hin­hö­ren jedoch unter­schie­den sich die For­de­run­gen nicht wirk­lich von jenen, die auch auf den gro­ßen CSDs gestellt wer­den. Etwa dem Auf­ruf zu Soli­da­ri­tät mit Les­ben, Schwu­len, Bise­xu­el­len und Trans­gen­der in Ost­eu­ropa und in der gan­zen Welt und zur Bekämp­fung von Homo­pho­bie – plus einer Extra­por­tion Anti­ras­sis­mus und Kapi­ta­lis­mus­kri­tik.“

Weil auch der tCSD keine Begriffe von Kapi­ta­lis­mus, Ras­sis­mus und Patri­ar­chat hat, wird ver­mein­li­che Radi­ka­li­tät über die Länge von Auf­zäh­lun­gen, das Pathos von Adjek­ti­ven und sich über­schla­gen­der Stim­men sowie die mora­li­sie­rende Kri­tik böser Absich­ten und stra­te­gie­lose „sofort“-Forderungen („Für die sofor­tige Abschaf­fung des hete­ro­nor­ma­ti­ven Zwei­ge­schlech­ter­sys­tems!“ [Auto­trans]) ‚her­ge­stellt‘. So wurde etwa in der Manier links­par­tei­li­cher und gewerk­schaft­li­cher ver­kürz­ter Kapitalismus-​​Kritik gepol­tert: „Seit dem Finanz­crash 08 ist die unkon­trol­lierte Eigen­macht des glo­ba­len spe­ku­la­ti­ven Finanz­mark­tes nicht begrenzt wor­den. Die Polit­na­sen mach­ten bis­her bloss heiße Luft und dro­hen uns nun die Schock The­ra­pie wei­te­rer Ver­elen­dung an, statt die Vor­herr­schaft der Finanz­lob­bys anzu­ge­hen.“ (Rede­bei­trag von Ruth) Und in dem Rede­bei­trag der Gruppe „Natio­nen weg­ki­cken“ hieß es: „Auch dass die ‚Männer‘-Fußball-WM so viel wich­ti­ger als der gesamte Frau­en­fuß­ball ist, deu­tet auf eine sexis­ti­sche Gesin­nung hin.“ Die Genos­sIn­nen, die sogar einen anti­na­tio­na­len Anspruch erhe­ben, wer­den sich noch wun­dern, wie schnell sich diese „Gesin­nung“ (sic!) wen­den wird und wie wich­tig Frau­en­fuß­ball auf ein­mal im nächs­ten Jahr sein wird, wenn die Frauenball-​​WM in Deutsch­land statt­fin­det und deut­sche Frauen in Deutsch­land ‚für Deutsch­land‘ unter den Augen der Welt (vgl. Ernst Reu­ter: „Völ­ker der Welt … schaut auf diese Stadt“) spie­len wer­den.
Als es noch einen revo­lu­tio­nä­ren Femi­nis­mus gab, zielte die­ser frei­lich nicht dar­auf, daß Frauen ‚genauso wich­tig‘ wie Män­ner sein soll­ten; er war keine Teilbereichs-​​Politik, son­dern stellte die herr­schen­den Ver­hält­nisse als gan­zes in Frage:

„Wir wol­len keine ‚linke‘ Arbeits­tei­lung nach dem Motto: die Frauen für die Frau­en­fra­gen, die Män­ner für all­ge­meine poli­ti­sche The­men.“ „die Frau­en­be­we­gung ist keine Teil­be­we­gung wie die AKW-​​Bewegung oder der Häu­ser­kampf“ „Die Schwie­rig­kei­ten fan­gen für uns da an, wo femi­nis­ti­sche For­de­run­gen dazu benutzt wer­den, in die­ser Gesell­schaft ‚Gleich­be­rech­ti­gung‘ und Aner­ken­nung zu for­dern.“ „‚Wir schla­gen zurück!‘ – diese Parole der Frauen aus dem Mai 68 ist heute in Bezug auf die indi­vi­du­elle Gewalt gegen­über Frauen unum­strit­ten. Hef­tig umstrit­ten und weit­ge­hend tabui­siert ist sie jedoch als Ant­wort auf die Herr­schafts­ver­hält­nisse, die diese Gewalt erst stän­dig auf’s Neue erzeu­gen.“ (Rote Zora im Emma-Inter­view im Juli 1984)

Wäh­rend die Rote Zora eine mili­tante und theo­re­ti­sche Pra­xis hatte, die den revo­lu­tio­nä­ren Anspruch kon­kre­ti­sierte und recht­fer­tigte, ist die Radi­ka­li­tät des trans­ge­nia­len CSD eine Radi­ka­li­tät der Phrase und der kul­tu­ra­lis­ti­schen Abgren­zung: „Par­tei­fah­nen und der­glei­chen sind uner­wünscht“ (sonst würde viel­leicht mehr Leu­ten die Kon­ver­genz links­ra­di­ka­ler und links­par­tei­li­cher Spekulations-​​Kritik auf­fal­len …) „und gehö­ren in den Müll­ei­mer oder zuhause gelas­sen!“ (ver­teil­ter Flyer „Sicher­heits­hin­weise und Tipps für den trans­ge­nia­len CSD“). Und: „gewal­ti­ger quee­rer welt­wei­ter Wider­stand: ver­netzt eure Ban­den !!“ (Rede­bei­trag Ruth).

„ver­netzt eure ban­den !!“ – aber in der Pra­xis ver­wen­den die Demo-​​OrdnerInnen mehr Ener­gie dar­auf, sexu­elle Beläs­ti­ger und Stö­rer der Demo vor der Poli­zei zu schüt­zen, statt dafür zu sor­gen, daß diese weit­räu­mig den Bereich der Ver­an­stal­tung ver­las­sen.
Bereits als die Demo noch den Kott­bus­ser Damm ent­lang ging, gab es eine Lauti-​​Durchsage, daß ein Beläs­ti­ger in der Demo ist. Der Beläs­ti­ger konnte trotz­dem – unter den Augen der Ord­ne­rIn­nen (!) – wei­ter mit­lau­fen und ver­lies die Demo erst am Kott­bus­ser Tor (anschei­nend aus Eigen­in­itia­tive und kam spä­ter wohl wie­der):

„Die Ordner_​innen, die vorne lie­fen, hat­ten auf der Demo den Typen mit den 2 Hun­den im Auge. Er hatte am Kotti die Demo ver­las­sen, […].“ (Brian)

„Der Typ, der schon die nach­mit­täg­li­che Demo störte und überg­rif­fig wurde und der gegen 18 Uhr mit­samt Hun­den bestimmt drei oder vier­mal in Minu­ten­ab­stän­den von der Poli­zei ein­ge­fan­gen und in Rich­tung Mari­an­nen­platz eskor­tiert wurde, hielt sich ohne seine Hunde (mit Unter­bre­chung) nach mei­ner Beob­ach­tung bis ca.23Uhr hin­ter der Bühne auf, zu die­sem Zeit­punkt und in eini­gem Abstand wurde er von bestimmt 4-​​5 Polizist_​innen anvi­siert, wäh­rend genü­gend ruhig auf ihn ein­wir­kende Ordner_​innen bzw. Veranstaltungsteilnehmer_​innen ihm den Zugang zur Ver­an­stal­tung abschnit­ten.“ (im gar­ten mit satie)5

3. Aber kom­men wir zurück zu dem Text von Tove Soi­land. Soll es nicht nur um eine ver­bal­ra­di­kale Kri­tik an Effek­ten, son­dern um die „zugrun­de­lie­gen­den Segre­ga­ti­ons­me­cha­nis­men“6 gehen, so scheint mir aller­dings, daß post­struk­tu­ra­lis­ti­sche und post­mo­derne Ansätze eine weni­ger schroffe Zurück­wei­sun­gen ver­die­nen, als sie Zara in ihrem Kom­men­tar vor­nimmt:

„Sie [Die Ver­tre­te­rIn­nen des Inter­sek­tio­na­li­täts­an­sat­zes usw.] wol­len nicht mehr mate­ria­lis­tisch die Rea­li­tät erfas­sen, son­dern bauen sich ein abge­schlos­se­nes Sys­tem, das in sich natür­lich wider­spruchs­frei ist, aber für das ganz viele Grund­an­nah­men getrof­fen wer­den müs­sen. […]. Diese Grund­an­nah­men ste­hen aber schon im Wider­spruch zu mate­ria­lis­ti­schen Ansät­zen. Hier ähnelns sich diese postmodernen/​poststrukturalistischen Theo­rien, auch Fou­caults Macht­ana­lyse bei­spiels­weise ist ähnlich auf­ge­baut.“

Ja, die Ten­denz, nur noch über dis­kur­sive und nicht mehr über außer-​​diskurisve Pra­xen zu reden, ist ein ana­ly­ti­sches und poli­ti­sches Pro­blem – aber eines, was m.E. inner­halb eines poststrukturalistisch-​​dekonstruktivistischen Ansat­zes kor­ri­gier­bar ist (vgl. dort, S. 47 ff. und ver­streut sowie außer­dem dort und dort).

4. Dem­ge­mäß würde ich dann auch die „Metho­den der Dekon­struk­tion [und] Genea­lo­gie“ einer­seits sowie Gesell­schafts­theo­rie ande­rer­seits nicht so scharf gegen­über­stel­len, wie Tove das macht. Sie schreibt:

„So stel­len Klin­ger und Knapp fest, dass ein wich­ti­ger Bei­trag der bei­den Begriffe ‚Rasse‘ und ‚Geschlecht‘ darin bestand, den Nach­weis ihrer Nicht-​​Natürlichkeit zu erbrin­gen. […]. Auch hier mag des­halb eine kurze Rück­be­sin­nung auf das, was gesell­schafts­theo­re­ti­sche Kate­go­rien ursprüng­lich leis­ten woll­ten, nütz­lich sein. Marx wollte mit sei­nem Klas­sen­be­griff ja nicht den Nach­weis erbrin­gen, dass diese nicht natür­lich sind. Er fand den Begriff eigens, um etwas zu bezeich­nen, was es nicht gab. Es war nicht seine Frage, ob es Klas­sen gibt oder nicht, ob sie natür­lich sind oder nicht. Marx begrün­dete die Klas­sen auch nicht essen­tia­lis­tisch, und er inter­es­sierte sich wenig für die Frage, wer wozu gehört. Son­dern er wollte mit Hilfe des Klas­sen­be­griffs, und ande­rer, die Frage klä­ren, wie das Kapi­tal es anstellt, sich zu akku­mu­lie­ren. Ana­log dazu würde ich sagen, dass auch die gesell­schafts­theo­re­ti­sche Leis­tung von ‚Geschlecht‘ und ‚Rasse‘ ursprüng­lich im Anlie­gen bestand, die darin invol­vier­ten Mecha­nis­men der Hier­ar­chi­sie­rung zu ver­ste­hen und dar­über hin­aus den Nach­weis zu erbrin­gen, dass diese zen­trale Struk­tur­merk­male der Pro­duk­tion und Repro­duk­tion westlich-​​kapitalistischer Gesell­schaf­ten dar­stel­len, dass sie eine ihrer zen­tra­len Bedin­gun­gen sind, in die sie ein­ge­hen und worin sie sich gleich­zei­tig repro­du­zie­ren.“

Ich stimme grund­sätz­lich zu, würde aber doch eine Prä­zi­sie­run­gen und eine Ergän­zung vor­neh­men wol­len:

Die Prä­zi­sie­rung: Marx hat den Klas­sen­be­griff nicht erfun­den, son­dern vor­ge­fun­den – und umge­ar­bei­tet, soweit dies die von ihm tat­säch­lich neu erar­bei­te­ten Begriffe erfor­der­ten. Marx schrieb bereits, bevor seine Schrif­ten zur Kri­tik der poli­ti­schen Ökono­mie auch nur begon­nen hatte:

„Was mich nun betrifft, so gebührt mir nicht das Ver­dienst, weder die Exis­tenz der Klas­sen in der moder­nen Gesell­schaft noch ihren Kampf unter sich ent­deckt zu haben. Bür­ger­li­che Geschichts­schrei­ber hat­ten längst vor mir die his­to­ri­sche Ent­wick­lung die­ses Kamp­fes der Klas­sen, und bür­ger­li­che Ökono­men die ökono­mi­sche Ana­to­mie der­sel­ben dar­ge­stellt. Was ich neu tat, war 1. nach­zu­wei­sen, daß die Exis­tenz der Klas­sen bloß an bestimmte his­to­ri­sche Ent­wick­lungs­pha­sen der Pro­duk­tion gebun­den ist; 2. daß der Klas­sen­kampf not­wen­dig zur Dik­ta­tur des Pro­le­ta­ri­ats führt; 3. daß diese Dik­ta­tur selbst nur den Übergang zur Auf­he­bung aller Klas­sen und zu einer klas­sen­lo­sen Gesell­schaft bil­det.“ (MEW 28, 507 f. – Brief an Wey­de­meyer v. 5. März 1852; engl.; kur­sive Hv. i.O.; fette durch TaP).

Die Ergän­zung: Auch der Mar­xis­mus scheint mir durch­aus auf Ent-​​Naturalisierung gesell­schaft­li­cher Ver­hält­nisse und der Exis­tenz der von ihnen kon­sti­tu­ier­ten gesell­schaft­li­chen Grup­pen zu zie­len. Schon das fett Gesetzte in vor­ste­hen­dem Zitat zeigt dies. Und 1849 schrieb Marx bereits: „Eine Baum­woll­spinn­ma­schine ist eine Maschine zum Baum­woll­spin­nen. Nur in bestimm­ten Ver­hält­nis­sen wird sie zu Kapi­tal.“ (MEW 6, 407) Auf der glei­chen Linie liegt auch Maos Kri­tik der meta­phy­si­schen „Auf­fas­sung, daß die ver­schie­de­nen Dinge in der Welt sowie ihre Eigen­schaf­ten vom Beginn ihres Seins an unver­än­der­lich blie­ben, ihre spä­te­ren Ver­än­de­run­gen bloße quan­ti­ta­tive Ver­grö­ße­run­gen oder Ver­klei­ne­run­gen seien. Die Meta­phy­si­ker sind der Ansicht, daß ein Ding nur ewig sich selbst repro­du­zie­ren, sich aber nie in ein ande­res, von ihm unter­schied­li­ches Ding ver­wan­deln könne. Die Meta­phy­si­ker glau­ben, daß die kapi­ta­lis­ti­sche Aus­beu­tung, die kapi­ta­lis­ti­sche Kon­kur­renz, die indi­vi­dua­lis­ti­sche Ideo­lo­gie der kapi­ta­lis­ti­schen Gesell­schaft usw. – daß das alles auch in der anti­ken Skla­ven­hal­ter­ge­sell­schaft, ja sogar in der Urge­sell­schaft anzu­tref­fen sei, daß es ewig und unver­än­dert exis­tie­ren werde.“ (MAW I, 367Über den Wider­spruch).

5. Wei­ter heißt es in dem Text von Tove Soi­land:

„die Mehr­wert­ana­lyse [beschreibt …] keine Kate­go­rie, son­dern einen Mecha­nis­mus. Marx spricht vom Wert – in sei­nem Ver­ständ­nis das Orga­ni­sa­ti­ons­prin­zip kapi­ta­lis­ti­scher Pro­duk­tion – als von einem unter ding­li­cher Hülle ver­steck­ten Per­so­nen­ver­hält­nis. Und es scheint mir nicht zufäl­lig, dass man genau die­ses Wort – Ver­hält­nis – in den Ana­ly­sen zur Inter­sek­tio­na­li­tät weit­ge­hend ver­geb­lich sucht. Und dem­ent­spre­chend auch auf die Frage keine Ant­wort fin­det, wie denn Ver­hält­nisse, nicht Kate­go­rien, in ihrer Inter­fe­renz zu den­ken wären.“

Las­sen wir mal die „ding­li­che Hülle“ und die „Personen-​​“ bei­seite. Ansons­ten stimme ich zu. Über Struk­tu­ren und Ver­hält­nisse zu reden, war ja aber genau der Anspruch der am Anfang der de-​​konstruktivistischen und eth­no­me­tho­do­lo­gi­schen (doing gen­der) Wende des Femi­nis­mus stand: In den 90er Jahre rück­ten „die soziale Kon­struk­tion der Zwei­ge­schlecht­lich­keit selbst“7 bzw. die „struk­tu­rel­len Deter­mi­nan­ten des Patri­ar­chats“, die der „männ­li­chen und weib­li­chen Per­son vor­her­ge­hen (oder diese gar aller­erst kon­stru­ie­ren)“8 (Roth­field 1990, 834) ins Zen­trum der Ana­lyse.
Und genau in die­sem Sinne würde ich auch einige Zitate von Judith But­ler sowie Can­dace West und Don H. Zim­mer­mann, für die ich kürz­lich eine deut­sche Neu­über­set­zung vor­ge­schla­gen hatte, ver­ste­hen.
Und es ist die­ses Fra­gen nach den „struk­tu­rel­len Deter­mi­nan­ten“, die die „männ­li­chen und weib­li­chen Per­son“ über­haupt erst kon­sti­tu­ie­ren, die ermög­licht, daß

„But­lers De-​​Konstruktion der Kate­go­rie ‚Geschlecht‘ […] den Streit zwi­schen Gleichheits-​​ und Dif­fe­renz­fe­mi­nis­mus (Soll es dem Femi­nis­mus um die Gleich­heit von Män­nern und Frauen oder die Aner­ken­nung der Beson­der­heit von Frauen gehen?) hin­fäl­lig wer­den (meine Diss., S. 95) und nun auch theo­re­tisch erken­nen läßt, was Moni­que Wit­tig schon vor­her poli­tisch pos­tu­lierte – näm­lich, daß die Über­win­dung des Sexis­mus nicht weni­ger ver­langt als die Über­win­dung der Geschlech­ter als soziale Kate­go­rien (vgl. auch meine dor­tige FN * auf S. 54 f.).“ (s. dort, Abschnitt II. [mit wei­te­ren Aus­füh­run­gen und vgl. auch dort, Abschnitt III.)

Mit einer sol­chen revo­lu­tio­nä­ren Per­spek­tive ist frei­lich unver­ein­bar, über die Nicht-​​Einhaltung der „Men­schen­rechte“ zu lamen­tie­ren oder sich mit der For­de­rung nach deren Ein­hal­tung zu beschei­den und einen pseudo-juris­ti­schen Dis­kurs über Frei­heit und Gleich­heit zu füh­ren, wie es auch beim trans­ge­nia­len CSD lei­der nur allzu häu­fig geschah:

„In den letz­ten Jah­ren gab es aller­dings einen wich­ti­gen Wech­sel in der Dis­kus­sion über Trans-​​Leute: der Wech­sel von der medizinisch-​​psychologischen Sicht­weise hin zu einer Men­schen­rechts­per­spek­tive.“,

so hieß es im Rede­bei­trag von “Trans­re­spekt ver­sus Trans­pho­bie welt­weit” beim tCSD und im Rede­bei­trag „Stopp Trans Patho­lo­gi­sie­rung 2012″ wurde zustimmt erwähnt:

„Der Men­schen­rechts­kom­mis­sar des Europa-​​Rates erklärte am 29. Juli 2009 auf einer Menschenrechts-​​Konferenz in Kopen­ha­gen, daß die Patho­lo­gi­sie­rung von trans* Men­schen der Ver­wirk­li­chung ihrer Men­schen­rechte im Wege steht.“

Und das Quee­res Bünd­nis Wal­ter Tróchez bekun­dete:

„Wir wol­len der hon­du­ra­ni­schen Regie­rung zei­gen, dass uns die Men­schen­rechte von Queers und lin­ken Aktivist_​innen in ihrem Land nicht egal sind!“

„es gibt keine Gleich­heit solange nicht alle gleich berech­tigt sind. (danke judith but­ler)“ (Rede des Schwar­zen Kanals- Hv. durch TaP)

Die­ser Dis­kurs, der sich durch und durch in der herr­schen­den Ideo­lo­gie bewegt, über­sieht, daß wir die letz­ten Jahr­zehnte einen mas­si­ven Zuwachs an Gleich­be­rech­ti­gung zunächst von Frauen, dann von Schwu­len und Les­ben und seit eini­ger Zeit auch eine Aus­wei­tung der Rechte von Trans­se­xu­el­len und zumin­dest eine ein­set­zende Dis­kus­sion in Bezug auf Inter­se­xu­elle haben. Nur ändert all dies nichts am Fort­be­ste­hen der (hetero/a/)sexistischen gesell­schaft­li­chen Ver­hält­nisse. Was für kapi­ta­lis­ti­sche Herr­schaft und Aus­beu­tung ohne­hin schon cha­rak­te­ris­tisch war, gilt nun auch zuneh­mend für den (Hetero/a/)sexismus: Sie funk­tio­nie­ren auf der Grund­lage juris­ti­scher Frei­heit und Gleich­heit, ohne daß dadurch Herr­schaft und Aus­beu­tung ver­schwin­den wür­den.
Moderne Herr­schaft und Aus­beu­tung ist im juris­ti­schen Dis­kurs über Frei­heit und Gleich­heit die zwangs­läu­fige begriff­li­che Leer­stelle; denn moderne Herr­schaft und Aus­beu­tung zeich­nen sich (im Unter­schied zur förm­li­cher Ungleich­be­rech­ti­gung in feu­da­len und Skla­vIn­nen­hal­ter­ge­sell­schaf­ten) gerade dadurch aus, daß sie von freien und glei­chen sub-​​jekten repro­du­ziert wer­den (s. dort, S. 2 f.).
Wer/​welche den­noch ver­sucht, Kri­tik an moder­ner Herr­schaft und Aus­beu­tung in juris­ti­scher oder pseudo-​​juristischer Ter­mi­no­lo­gie zu for­mu­lie­ren, muß zwangs­läu­fig Ana­lyse durch Pathos und Stra­te­gie durch Lamen­tie­ren erset­zen.
Die Abgren­zung vom main­stream ver­bleibt auf der Ebene von Ges­ten, die keine Hand­lun­gen sind, und Wör­tern, die keine Begriffe sind.9

  1. Wie ich schon vor zwei Wochen schrieb: „Nun ja, als ob sich poli­ti­sche Radi­ka­li­tät, das an die Wur­zeln der herr­schen­den gesell­schaft­li­chen Ver­hält­nisse Gehen, an der Länge des poli­ti­schen Wunsch­zet­tel mißt, also es damit getan wäre, ein­fach auch noch etwas zu Ras­sis­mus zu sagen – und nicht daran, ob gesell­schaft­li­che Ant­ago­nis­men als sol­che erkannt und benannt wer­den und Stra­te­gien, die dem ant­ago­nis­ti­schen Cha­rak­ter der gesell­schaft­li­chen Ver­hält­nisse ange­mes­sen sind, ent­wi­ckelt wer­den. Zu kri­ti­sie­ren wäre also nicht (nur) die Rassismus-​​Blindheit der offi­zi­el­len CSD-​​Veranstaltung, son­dern auch schon die inte­gra­tio­nis­ti­sche und rechts-​​zentrierte (Homo-​​Ehe usw.) Art und Weise, in der das den offi­zi­el­len CSD tra­gende Spek­trum queere Poli­tik betreibt. Nur – in die­ser Hin­sicht unter­schied sich das, was Judith But­ler am Frei­tag­abend vor­trug, allen­falls mini­mal vom schwulles­bi­schen main­stream – obwohl gerade aus de-​​konstruktivistischer Per­spek­tive eini­ges Kri­ti­sches zu dem Rechts­idea­lis­mus und Rechts­vol­un­ta­ris­mus zu sagen wäre, der nicht nur queere Poli­tik prägt, son­dern ansons­ten durch­aus scharf ent­ge­gen­ge­setzte linke Strö­mun­gen ver­bin­det (vgl. annä­he­rungs­weise die dort und dort genann­ten Texte).“[zurück]
  2. Jan Fed­der­sen (taz): „Er ist ein CSD der Gesin­nungs­hü­te­rIn­nen, der rei­nen Lehre – und wie man bei einem von die­sen auch erse­hen konnte, hat man dort stark etwas gegen prois­rae­li­sche Bekun­dun­gen wie auch gegen die Knei­pen, die sie nicht ken­nen. “ Bodo (CSD e.V.) /​/​ Jun 21, 2010 at 16:24: „Der Ber­li­ner CSD wen­det sich stets gegen jede Form des Ras­sis­mus und Anti­se­mi­tis­mus. Wir freuen uns über das schwen­ken israe­li­scher Fah­nen auf dem CSD, anders als beim Trans­ge­nia­len CSD.“[zurück]
  3. But­ler lt. Frank­fur­ter Rund­schau: „Die Ver­an­stal­tung […] richte sich nicht genü­gend gegen Pro­bleme wie Ras­sis­mus und dop­pelte Dis­kri­mi­nie­rung von bei­spiels­weise Migran­ten, die homo­se­xu­ell oder trans­se­xu­ell emp­fin­den.““; Bodo /​/​ Jun 21, 2010 at 16:24: „wir dies­mal mit Thema und Motto ein kla­res Bekennt­nis für die Men­schen­rechte von Trans* und Inter­se­xu­el­len abge­ben woll­ten. Ammo Recla, ABQueer, sprach auf der Bühne über Trans­rechte im Ber­li­ner Akzep­tanz­plan. Die­ses Thema fiel nun durch But­lers Eklat nach hin­ten.“ [zurück]
  4. „Die Wis­sen­schaft von der Wirk­lich­keit begnügt sich nicht mit dem phä­no­me­no­lo­gi­schen Wie; sie sucht nach dem mathe­ma­ti­schen Warum.“ (Bachel­ard 1938, 37 – Hv. i.O.). „Irgend­ein Begriff von Deter­mi­na­tion (was nicht das­selbe wie Deter­mi­nis­mus ist) scheint grund­le­gend zu sein für jede erklä­rende Dar­stel­lung der sozia­len Welt“ (John­son 1978, 44). „[…], the out­stan­ding land­marks in the deve­lop­ment of sci­ence are dis­co­ve­ries of pat­terns of deter­mi­na­tion“ (Ther­born 1976, 69 m.w.N., s.a. 70). (Ent­schlüs­se­lung der Sigle für die Lite­ra­tur­an­ga­ben: dort, S. 268 ff.[zurück]
  5. Vgl. auch noch: „den hel­fen­den hän­den wurde der mensch durch die poli­zei hin­ter der ver­an­stal­tungs­grenze ent­ris­sen.“ (unbe­läs­tigt aber betei­ligte Per­son) [zurück]
  6. Tove: „Soll Ungleich­heit nicht ledig­lich, wie Helga Krü­ger es for­mu­liert, in „einer per­so­na­li­sier­ten Weise erlebt und in Form von Per­so­na­li­sie­rung reflek­tiert“ wer­den (2007, 180), ist es not­wen­dig, die zugrun­de­lie­gen­den Segre­ga­ti­ons­me­cha­nis­men zu ver­ste­hen. Dies ver­sucht teil­weise die femi­nis­ti­sche Ökono­mie, doch sucht man Hin­weise auf diese in der Dis­kus­sion um Inter­sek­tio­na­li­tät ver­geb­lich.“ [zurück]
  7. Regine Gil­de­meis­ter und Ange­lika Wet­ter, Wie Geschlech­ter gemacht wer­den. Die soziale Kon­struk­tion der Zwei­ge­schlecht­lich­keit und ihre Rei­fi­zie­rung in der Frau­en­for­schung, in: Gudrun-​​Axeli Knapp /​ Ange­lika Wet­te­rer (Hg.), Tra­di­tio­nen. Brü­che. Ent­wick­lun­gen femi­nis­ti­scher Theo­rie, Kore: Frei­burg i. Br., 1992, 201-​​254 (202) [zurück]
  8. Phil­ipa Roth­field, Sub­jek­ti­vi­tät, Erfah­rung, Kör­per­lich­keit. Femi­nis­ti­sche Theo­rie zwi­schen Huma­nis­mus und Anti-​​Humanismus, in: Das Argu­ment H. 196 Nov./Dez. 1992, 831-​​847 (834) [zurück]
  9. Abschlie­ßend noch eine kri­ti­sche Anmer­kung zu dem Schluß­ab­schnitt „Geschlecht als Bestand­teil des Akku­mu­la­ti­ons­re­gimes the­ma­ti­sie­ren“ von Toves Auf­satz: So sehr ich mit dem Vor­schlag ein­ver­stan­den bin, die „Debatte um die eth­ni­sierte Umver­tei­lung der Haus­ar­beit“ auch als eine sol­che des Wan­dels des kapi­ta­lis­ti­schen Akku­mu­la­ti­ons­re­gimes zu füh­ren, so ergibt sich doch eine eth­ni­sche Arbeits­tei­lung nie­mals als sol­ches aus der ‚Kapi­tal­lo­gik‘ oder ‚Kapi­tal­stra­te­gien‘, son­dern auch jedes kon­kre­tes Akku­mu­la­ti­ons­re­gime ist das Pro­dukt der Inter­fe­renz unter­schied­li­cher Herrschafts-​​ und Aus­beu­tungs­ver­hält­nisse.
    Dem­ge­gen­über habe ich den Ein­druck, daß die dies­bzgl. Aus­füh­run­gen von Tove eine ökono­mis­ti­sche und klas­sen­re­duk­tio­nis­ti­sche Schlag­seite haben:

    „Es ist meine These, dass dem Phä­no­men einer eth­ni­sier­ten Umver­tei­lung von Haus­ar­beit, das gegen­wär­tig unter dem m. E. unglück­li­chen Eti­kett ‚deut­sche Kar­rie­re­frau mit migran­ti­scher Haus­halts­hilfe‘ ver­han­delt wird, nur begeg­net wer­den kann auf der Grund­lage eines ein­ge­hen­den Ver­ständ­nis­ses der ver­än­der­ten Dyna­mi­ken des Akku­mu­la­ti­ons­re­gimes, wie sie spät­ka­pi­ta­lis­ti­sche Gesell­schaf­ten kenn­zeich­nen.“
    „Wenn man die­sen Umstand nun als ‚Doing Eth­ni­city‘ (Lutz 2007, S. 224-​​227) ver­han­delt und damit der ‚erfolg­rei­chen Kar­rie­re­frau‘, die eine ‚migran­ti­sche Haus­halts­hilfe‘ in ihrem Haus­halt beschäf­tigt, in der Ten­denz Ras­sis­mus unter­stellt, so scheint mir dies genau jene Pri­va­ti­sie­rung einer gesell­schaft­li­chen Pro­blem­lage zu wie­der­ho­len, die für das Geschlech­ter­ver­hält­nis schon immer kon­sti­tu­tiv war.“

    Mir scheint, sowohl ana­ly­tisch als auch für die Ent­wick­lung poli­ti­scher Gegen­stra­te­gien ist durch­aus wich­tig zu wis­sen, wie sie sub-​​jekte durch doing eth­ni­city, doing gen­der und doing class (vgl. bei FN 10) in den Wan­del von Akku­mu­la­ti­ons­re­gi­men und die Repro­duk­tion von Herrschafts-​​ und Aus­beu­tungs­ver­hält­nis­sen aktiv ein­ge­bun­den sind.
    [zurück]

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4 Antworten auf „Intersektionalität und Gesellschaftstheorie“


  1. 1 Zara 03. Juli 2010 um 20:38 Uhr

    so scheint mir allerdings, daß poststrukturalistische und postmoderne Ansätze eine weniger schroffe Zurückweisungen verdienen, als sie Zara in ihrem Kommentar vornimmt:

    „Sie [Die VertreterInnen des Intersektionalitätsansatzes usw.] wollen nicht mehr materialistisch die Realität erfassen, sondern bauen sich ein abgeschlossenes System, das in sich natürlich widerspruchsfrei ist, aber für das ganz viele Grundannahmen getroffen werden müssen. […]. Diese Grundannahmen stehen aber schon im Widerspruch zu materialistischen Ansätzen. Hier ähnelns sich diese postmodernen/poststrukturalistischen Theorien, auch Foucaults Machtanalyse beispielsweise ist ähnlich aufgebaut.“

    Ja, die Tendenz, nur noch über diskursive und nicht mehr über außer-diskurisve Praxen zu reden, ist ein analytisches und politisches Problem – aber eines, was m.E. innerhalb eines poststrukturalistisch-dekonstruktivistischen Ansatzes korrigierbar ist (vgl. dort, S. 47 ff. und verstreut sowie außerdem dort und dort).

    Ich komme eigentlich auch aus einer queer-feministischen Ecke und würde bestimmte Grundsätze auch definitiv weiter hochhalten. Inzwischen haben diese postmodernen/poststrukturalistischen Ideologien eine solche Verbreitung gefunden, dass das Pferd von hinten aufgezäumt werden muss. Erst, wenn die Kritik an diesen voll entfaltet und bis tief in die linke Szene hinein verstanden ist, dann lässt sich die Frage stellen, was von diesen Ideen brauch- und nutzbar ist.
    Eine seichte Kritik, die nicht diese Theorien entzaubern und bloßstellen, sondern nur etwas korrigieren möchte wird von ihnen aufgesogen.
    Es ist inzwischen schon so weit, dass die größten ApologetInnen dieser postmodernen Ideologien, das AntiSexismusBündnisBerlin, anderen Strömungen ernsthaft „Entradikalisierung“ vorwirft(vgl. http://phase2.nadir.org/rechts.php?artikel=793). Das ist wahrlich grotesk. Hier gibt es überhaupt keinen Begriff mehr von radikaler Gesellschaftskritik und es wird in großen Kreisen der postautonomen Linken nicht verstanden, dass dies etwas anderes ist als Antidiskriminierungspolitik.

    By the way: es wäre der Lesbarkeit und der Diskussion zuträglich, wenn du die Themen auf mehrere Artikel aufteilst. Ein Gedanke, ein Artikel statt versuchen alles in einen zu packen. Aus diesem hätte man auch sechs eigene Artikel machen können. (s. http://imgriff.com/2008/08/05/besser-schreiben-auf-einfaelle-verzichten/)

  2. 2 Laika 21. Dezember 2010 um 11:33 Uhr

    An den/die Autor_in:

    Natürlich finde ich es voll wichtig, nichts Geringeres als das revolutionäre Ziel im Blick zu haben: die weitestgehend befreite Gesellschaft. Nicht überzeugend finde ich aber deine Kritik am Menschenrechtsdiskurs von „Transrespekt vs. Transphobie“ oder dem „Queeren Bündnis Walter Tróchez“. Zitat:

    „Wer/welche dennoch versucht, Kritik an moderner Herrschaft und Ausbeutung in juristischer oder pseudo-juristischer Terminologie zu formulieren, muß zwangsläufig Analyse durch Pathos und Strategie durch Lamentieren ersetzen.“

    Analyse und Strategie sprichst du den Leuten ab, behauptest, sie würden nur pathetisch sein und klagen. Vielleicht würde es helfen, sich mal etwas fundierter mit den Inhalten auseinanderzusetzen? Was konkret gedenkst DU im gegebenen Rahmen zu tun, um transphobe Morde weltweit zu verhindern?

    Du kannst analysieren, dass alles nur auf den Kapitalismus zurückzuführen ist. Und die revolutionäre Strategie „Kapitalismus abschaffen“ wählen. Ich bin dabei. Da das Ziel aber auch ein halbes Jahr nach dem Verfassen deines Beitrags noch nicht erreicht ist, stellt sich die Frage, ob du nicht unterdessen etwas machen kannst, etwa um transphobe Morde zu verhindern.

    Achselzucken? Muss es wirklich ein Widerspruch sein, auf Rechte zu rekurrieren bzw. Unrecht/Ungerechtigkeit transparent zu machen und zu verfolgen UND für eine Aufhebung der Hetero- und Zweigeschlechternorm/des Kapitalismus zu kämpfen? Die Arbeit von Menschenrechtsorganisationen bringt nachweislich etwas, wenn auch nicht alles. Aber für jede_n einzelne_n macht es vermutlich einen Unterschied, ob er/sie überlebt.

    Zu pathetisch? Was ist die Alternative? Den Rahmen ignorieren, rhetorisch alles wollen, über das „Lamento“ der anderen lamentieren?
    So wichtig das Morgen ist, bitte vergiss doch das Jetzt nicht!

  3. 3 TaP 17. Mai 2011 um 11:32 Uhr
  4. 4 TaP 12. März 2014 um 17:39 Uhr

    Sozusagen noch eine Fortsetzung zum hiesigen Artikel:

    Eine revolutionär-feministische Perspektive auf die „linksradikale, queerfeministische Perspektive“ (von Samstag) auf den 8. März

    https://linksunten.indymedia.org/de/node/108153

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