Ich dokumentiere hier einen der zwei Redebeiträge beim transgenialen CSD vom letzten Wochenende, in dem die Wörter „Patriarchat“ oder „patriarchal“ vorkamen. Die Wörter „Feminismus“ und „feministisch“ kamen gar nicht vor; auch das Wort „Geschlecht“ und die von ihm abgeleiteten Formen wurden nahezu ausschließlich für eine Kritik an Transphobie verwendet. Es lebe der autonome Postfeminismus? Aber nein: einmal kam das Wort „sexistisch“ vor. – Entsprechend sah schon der tCSD-Demo-Aufruf aus (Absatz 2 nach Zitat 2).
„Allein in Berlin leben zwischen 350 und 700 Tausend Frauen und zwischen 80 und 160 Tausend Männer, die als Mädchen oder Jungen sexuell missbraucht wurden. 30 % aller schwulen Männer haben Erfahrungen als Opfer sexualisierter Gewalt machen müssen, entweder als Junge, oder während des Coming Out oder als homophobe Gewalt oder in der Partnerschaft.
Bei lesbischen Frauen berichtet jede 5. wegen ihrer Homosexualität Opfer sexualisierter Gewalt geworden zu sein. Das Ausmaß sexualisierter Gewalt gegen Transgender und Intersexuelle liegt nach Einschätzungen aus der Praxis noch mal höher. Was ist das für eine Gesellschaft, in der permanent, jeden Tag, jede Stunde, jede Minute Menschen begrabscht, befummelt, belästigt, beleidigt oder vergewaltigt werden?
Wohlgemerkt, ich rede hier nicht von unbeabsichtigten sexuellen Grenzverletzungen aus Unkenntnis oder ähnlichem. Ich rede von sexueller Gewalt, beabsichtigten mutwilligen Handlungen, davon es Täter Menschen fertig machen um sich selber zu erhöhen und sich besser zu fühlen. Ich habe von Tätern geredet, es gibt auch Täterinnen, zwischen 5 und 25%, je nach Gruppe, aber der Übersichtlichkeit wegen nehme ich hier mal die männliche Sprachform, das ist in bestimmten Kreisen ja sonst auch so üblich.
Wir erleben es immer noch, dass die Realität sexueller Gewalt verleugnet wird. Da werden aus Priestern, die gezielt vorgehen und andere erniedrigen, um selber einen Kick zu kriegen, arme kranke Pädophile denen von dem guten Herrn Professor in der Charite geholfen wird. Da schwingen sich Bischöfen, die jahrzehntelang vertuschen und ihre schwarzen Schäfchen hüten, rückhaltlose Aufklärer, denen die Opfer so leid tun. Da erklärt ein Familienministerium, in dem sämtliche Fachleute zum Thema sexuelle Gewalt rausgeschmissen worden sind, sich zur Speerspitze des Kampfes gegen sexuellen Missbrauch. Da sitzen an einem runden Tisch, der klären soll, was gegen sexuelle Gewalt geschehen muss, Berufslobbyisten aber keine einzige
und kein einziger Betroffener. Sexuelle Gewalt bedeutet für die Betroffenen, dass Ihnen ihre eigenen Interessen und Ziele, ihr eigener Wille aberkannt wird. Er zählt einfach nicht. Im Grunde wird ihr Mensch-Sein negiert und sie werden auf einen Gegenstand ein Objekt reduziert. So wie wir Betroffenen aktuell in den Medien benutzt und von der Politik behandelt werden, so wie die Kirchen und die Gesellschaft mit Betroffenen umgehen, machen Sie uns erneut zum Objekt. Es wird meines Erachtens Zeit endlich dagegen was zu unternehmen. Das geht aber nicht, wenn jede und jeder sexuele Gewalt auf ein Problem reduzieren, was individuell in der Einzeltherapie bearbeitet werden sollte. Sexuelle Gewalt ist ein Ergebnis eben jener patriarchalen Dominanzgesellschaft, deren Repräsentanten jetzt so empört tun. Wir brauchen endlich eine breitere Selbstorganisierung von betroffenen. Erste Ansätze dazu gibt es inzwischen, aber sie sind noch viel zu vereinzelt. Wir von Tauwetter diskutieren im Moment mit der Frauenselbsthilfe von Wildwasser im Spätsommer/Herbst ein großes bundesweites Treffen von betroffenen zu organisieren. Ich denke, dass es notwendig ist, dass wir ausloten wie alle, die von sexueller Gewalt betroffen sind, zusammenarbeiten können. Ohne die Unterschiedlichkeit zu leugnen ohne alles mit einer gleichmacherischen Sosse zu berziehen. Und perspektivisch ist mein Traum, dass eine Zusammenarbeit möglich wird mit anderen Gruppen die anderen Formen ausgrenzender Gewalt unterworfen sind. Ich spreche hier als Vertreter von Tauwetter. Wir sind eine Anlaufstelle für Menschen, die als Junge sexuell missbraucht wurden, egal welches Gender sie heute haben. Wir organisieren Selbsthilfegruppen, beraten und informieren, reden mit Angehörigen und UnterstützerInnen, arbeiten mit Jugendlichen in Schulen, kurz all das, was eine Anlaufstelle macht. Tauwetter gibt es jetzt seit 15 Jahren.
Bis Anfang diesen Jahres hat uns die Politik immer wieder hingehalten, so dass wir keine ausreichende Finanzierung haben. Aktuell sind alle aufgeschreckt und versprechen das Blaue vom Himmel. Aber machen wir uns nichts vor, wenn es nicht gelingt einen gewissen Druck aufrecht zu halten, wird das nichts. Wir sind auf Dauer nicht mehr in der Lage, die Arbeit rein ehrenamtlich aufrecht zu erhalten.
Wenn Ihr also irgendwelche reichen Onkel und Tanten habt, denen im Moment das Herz blutet wegen den armen, armen Opfern: Schröpft sie, denn bis 31. Juli haben wir noch eine Spendenverdopplung laufen, wo jeder gespendete Euro verdoppelt wird.
Und noch eine Bitte habe ich an die Minderheit von euch, die nicht selber Opfer sexueller Gewalt geworden sind: Wenn ihr angesprochen werdet, oder in irgendeinem Nebensatz davon hört, dass jemand in der Kindheit sexuelle Gewalt erlebt hat, guckt nicht peinlich berührt weg oder zergeht vor Mitleid. Behandelt uns einfach normal: Fragt, was wir brauchen, gebt gegebenenfalls die Adressen von Wildwasser oder Tauwetter weiter und traut euch gelegentlich mal zuzuhören. Damit wäre schon viel gewonnen.
Danke“
Vgl. auch: http://maedchenblog.blogsport.de/2010/06/28/sexuelle-belaestigungen-beim-transgenialen-csd-in-berlin/.
Ein Link hätte es durchaus getan – warum kopierst du den ganzen Text hier rein??? Ein bisschen Textklau? Ach ja, Tauwetter hat auch eine Website (http://www.tauwetter.de/), wie wäre es mit einem Link?
Hättet Ihr nicht alle Redebeiträge auf eine Seite geklatscht, ließen sich auch die einzelnen Redebeiträge verlinken…
So dokumentiere ich lieber zielgerichtet. Falls „Tauwetter“ was dagegen hat, würde ich das selbstverständlich korrigieren.
http://transgenialercsd.wordpress.com/tcsd-2010/#Tauwetter
Warum du den Redebeitrag hier reinkoopiert hast, verstehe ich allerdings nicht. Wenn du Fragen dazu hast, wende dich an Tauwetter: http://www.tauwetter.de/kontakt.htm
Natürlich gibt es zu jedem Beitrag einen Link, so sieht z.B. der zum Aufruf aus: http://transgenialercsd.wordpress.com/tcsd-2010/#Aufruf
Wenn ich die endlos lange Seite rauf und runter scrolle erscheint durchweg diese URL:
http://transgenialercsd.wordpress.com/tcsd-2010/
in meiner Browser-Adreßzeile.
Auch die Überschriften der einzelnen Redebeiträge sind nicht mit links hinterlegt, auf die sich klicken ließe, sodaß ein bestimmter Redebeitrag in einem extra Browser-Fenster oder -Tab erschiene. -
Schön wäre, wenn Ihr, statt hier eine Technik- und Urheberrechts-Fachsimpelei anzufangen, auch etwas zum inhaltlichen Thema beizutragen hättet. -
Aber ganz wie Ihr wollt: JedeR wählt seine/ihre Ebene der Diskussion. Bitte sehr.
Warum hast du den Redebeitrag von Tauwetter hier rein kopiert? Möchtest du über diesen Redebeitrag diskutieren? Und wenn ja, was? Und mit wem? Ich hatte bereits den Link zu Tauwetter gepostet (http://www.tauwetter.de/), falls dir etwas unklar ist, kannst du dort nachfragen.
Wie kommst Du darauf, daß irgendetwas unklar sein könnte?! Ist halt einfach der mit weitem Abstand der beste Redebeitrag, und er sollte nicht zwischen all der Phraseologie (1 [Abschn. 2. und am Ende] sowie 2 [in etwa ab der Mitte) auf der tCSD-Seite untergehen.