Noch einmal zu den Rassismus-Vorwürfen gegen den Berliner CSD

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Mitt­ler­weile gibt es eine ganze Reihe von Stel­lung­nah­men1 zu Judith But­lers Wei­ge­rung von vor rund zehn Tagen, den ihr ange­tra­ge­nen Zivilcourage-​​Preis anzu­neh­men. Außer der Erklä­rung von Sus­pect, die ich am Wochen­ende der geplatz­ten Preis­ver­lei­hung bereits zitiert hatte, die aber auch nicht Bezug nimmt auf kon­krete Äuße­run­gen aus dem CSD-​​Spektrum, wird But­lers Rassismus-​​Vorwurf in kei­ner die­ser zahl­rei­chen Stel­lung­nah­men mit kon­kre­ten Argu­men­ten, geschweige denn Bele­gen unter­mau­ert.

I.

Dies ist umso ver­wun­der­li­cher, als nicht nur mir auf­ge­fal­len ist, daß But­lers Kri­tik – so berech­tigt sie im Grund­satz sein dürfte und so schwie­rig es für sie selbst von Ber­ke­ley aus sein dürfte, ihre Kri­tik mit kon­kre­ten Belegen/​Zitaten zu illus­trie­ren – doch etwas in der Luft hängt.

Auf der Seite der Kam­pa­gne „IWWIT – ich weiß was ich tu“ („Und, wie sieht’s bei dir aus? Weißt du immer, was du tust, wenn es um den Schutz vor HIV und Aids geht?“) heißt es:

„Sie [But­ler] hatte es in ihrer schrift­lich vor­be­rei­te­ten Rede […] bei eher all­ge­mein gehal­te­nen Aus­sa­gen belas­sen. Warum der Ber­li­ner CSD in ihren Augen mit Pro­jek­ten koope­riere, die sich ras­sis­tisch geäu­ßert hät­ten, erklärte sie nicht.
Viele CSD-​​Besucher emp­fan­den But­lers Rede daher als dürf­tig. Von einer renom­mier­ten Den­ke­rin hätte man zumin­dest eine dif­fe­ren­zierte Begrün­dung erwar­tet, hieß es. Zumal But­ler nach der Preis­ver­lei­hung, die keine war, rasch das Weite suchte. Hin­ter­grund des Rassismus-​​Vorwurfs ist ver­mut­lich ein alter Streit in der Ber­li­ner Szene: Das Anti-​​Gewalt-​​Projekt Maneo, das zum schwu­len Info-​​ und Bera­tungs­zen­trum Mann-​​O-​​Meter gehört, hat in sei­nen Anga­ben über die Täter bei anti­sch­wu­ler Gewalt immer wie­der auch Anga­ben über deren Migra­ti­ons­hin­ter­grund gemacht. […]. Aber wie gesagt: Diese Debatte, die eine dif­fe­ren­zierte und ver­ant­wor­tungs­be­wusste Dis­kus­sion ver­langt, wurde auf der CSD-​​Bühne nicht aus­drück­lich erwähnt.“

Inso­fern liegt es nahe, wie Antje Schrupp in ihrem femi­nis­ti­schen blog „Aus Liebe zur Frei­heit“ zu schluß­fol­gern, daß die Sache „leicht auf eine mora­li­sche Schiene hin­aus“ laufe. Antje führt wei­ter aus, das führe „zu einer Kon­kur­renz darum, wer radi­ka­ler ist und mehr Recht hat als die ande­ren.“ Letz­te­res finde ich nun mei­ner­seits durch­aus unpro­ble­ma­tisch.

Aber pro­ble­ma­tisch ist, daß die Ansprü­che auf Radi­ka­li­tät und Recht haben nicht mit mehr Bele­gen und Argu­men­ten unter­mau­ert wer­den.

Judith sagte: „einige der Ver­an­stal­te­rIn­nen haben sich expli­zit ras­sis­tisch geäu­ßert bezie­hungs­weise sich nicht von die­sen Äuße­run­gen dis­tan­ziert.“

Zumin­dest den in die Ber­li­ner Dis­kus­sion invol­vier­ten Grup­pen sollte es doch wohl mög­lich sein, klar zu benen­nen: Wer/​welche hat wann was gesagt? Warum soll das ras­sis­tisch sein? Und wer/​welche hat es ver­säumt, sich von den umstrit­te­nen Äuße­run­gen zu dis­tan­zie­ren? (vgl. Nr. 3. der Anm.). Und in wel­cher Bezie­hung ste­hen diese Leute zum CSD bzw. den Preis­ver­lei­he­rIn­nen? Warum gibt es auch jetzt, rund 1 ½ Wochen nach dem Ereig­nis, immer noch kein Dossier/​Pressemappe o.ä. dazu (vgl. dort)?

II.

Mädchenmannschaft-​​Leser Andreas hat sich jetzt die Mühe gemacht, zumin­dest mal drei links zum Stand der Debatte vor Judith But­lers Inter­ven­tion zusam­men­zu­stel­len:

Ein Arti­kel bei queer​.de über Äuße­run­gen des Pres­se­spre­chers des Lesben-​​ und Schwu­len­ver­ban­des (LSVD) Berlin-​​Brandenburg, ein Text auf der vom LSVD-​​Bundesverband betrie­be­nen Seite homo​se​xua​li​taet​.de und ein kri­ti­scher Arti­kel des blogs dark­mat­ters. On the ruins of impe­rial cul­ture.

Wel­che Rolle der LSVD in der Vor­be­rei­tung des Ber­li­ner CSD spielt, erklärt auch Andreas nicht; sicher­lich wird der LSVD daran irgend­wie betei­ligt sein. Wie genau das Ver­hält­nis zwi­schen bei­den Struk­tu­ren juris­tisch (Ist der LSVD Mit­glied des CSD e.V.?), per­so­nell (Sind LSVD-​​FunktionärInnen kon­kret ver­ant­wort­lich an der Vor­be­rei­tung des CSD als gan­zem betei­ligt gewe­sen oder waren sie nur für einen etwai­gen LSVD-​​Wagen zustän­dig?) und poli­tisch (Gab es gemein­sam unter­schrie­bene Auf­rufe u.ä.?) ist, wäre aber schon wich­tig, um beur­tei­len zu kön­nen, ob erwar­tet wer­den kann, daß sich der CSD ggf. von irgend­wel­chen – eher abge­le­ge­nen – LSVD-​​Pressesprecher-​​ und home­page-Äuße­run­gen dis­tan­ziert.

1. Kom­men wir zum Inhalt der von Andreas genann­ten Texte. Ich fange mit dem zwei­ten an. Er steht – wie gesagt – auf einer vom LSVD-​​Bun­desver­band betrie­be­nen Seite.

a) Dort kann ich gar kei­nen Ras­sis­mus oder Anflug von Ras­sis­mus erken­nen. Denn in dem Text geht es aus­schließ­lich um Reli­gio­nen – und diese wer­den dort nicht eth­nisch oder natio­nal zuge­ord­net. Wenn dort von „Islam“ die Rede ist, ist also auch der weiße, deut­sche Mus­lime mit­ge­meint; und wenn dort von christ­li­chen Kir­chen die Rede ist, dann ist auch die schwarze, nicht-​​deutsche Chris­tin mit­ge­meint.

Es wäre also in Bezug auf die­sen Text allen­falls von Isla­mo­pho­bie und Anti­is­la­mis­mus zu reden.

b) Andreas zitiert aus die­sem LSVD-​​home­page Text:

„Im Islam gibt es keine ver­gleich­bare theo­lo­gi­sche Dis­kus­sion über Homo­se­xua­li­tät. Die kon­ven­tio­nelle isla­mi­sche Bewer­tung von Sexua­li­tät geht von einem kla­ren Macht­ver­hält­nis zwi­schen den Geschlech­tern aus: männ­li­che Domi­nanz und weib­li­che Unter­ord­nung. Die Ehe ist auf Fort­pflan­zung ange­legt und folgt kei­nem Ideal der roman­ti­schen Liebe nach west­li­chem Ver­ständ­nis.“

Im Ori­gi­nal­text geht es danach u.a. wie folgt wei­ter: „Der per­sön­li­che Glaube sieht das oft anders. Viele Mus­lime ver­ste­hen den Islam als eine tole­rante Reli­gion. Der indi­vi­du­elle Gott kann gnä­di­ger sein, als man­cher Imam ver­kün­det. In einer Radio­sen­dung drückte das ein jun­ger Schwu­ler tür­ki­scher Her­kunft so aus: ‚Also ich weiß, daß der Islam sehr tole­rant ist und ich denke mir, daß da auch ein Platz für Schwule sein kann.’“

Zu der Art und Weise, in der Andreas zitiert, würde ich schon mal sagen: Auch die halbe Wahr­heit ist eine ganze Lüge. Der LSVD nimmt auf alle Fälle Mus­lime schon mal dif­fe­ren­zier­ter wahr, als Andreas mit sei­nem ver­kürz­ten Zitie­ren sug­ge­riert.

c) Gucken wir uns trotz­dem die drei von Andreas zitier­ten Sätze an; was er an ihnen aus­zu­set­zen hat, ver­rät er uns nicht.

Ich zitiere noch ein­mal Satz für Satz:

► „Im Islam gibt es keine ver­gleich­bare theo­lo­gi­sche Dis­kus­sion über Homo­se­xua­li­tät.“

Sehen wir uns also an, was in dem Text vor dem Absatz zum Islam steht, damit wir das „ver­gleich­bare“ beur­tei­len kön­nen:

Es geht los mit einem all­ge­mei­nen Absatz zum Chris­ten­tum: „Ist Homo­se­xua­li­tät denn nicht Sünde? Viele Men­schen leh­nen Schwule und Les­ben aus einer christ­li­chen Über­zeu­gung her­aus ab. Über viele Jahr­hun­derte haben die Kir­chen Homo­se­xua­li­tät unter Beru­fung auf die Bibel ver­ur­teilt. Heute glau­ben viele Theo­lo­gen, daß die Bibel kei­ner­lei Ver­dam­mung gleich­ge­schlecht­li­cher Liebe im heu­ti­gen Ver­ständ­nis ent­hält.“

Dann kommt ein Absatz über die Katho­li­sche Kir­che: „Die Katho­li­sche Amts­kir­che hält an ihrer Ableh­nung von Homo­se­xua­li­tät fest. Aller­dings betont selbst der Vati­kan – viel­leicht etwas schein­hei­lig –, es sei ‚nach­drück­lich zu bedau­ern, daß homo­se­xu­elle Per­so­nen Objekt übler Nach­rede und gewalt­tä­ti­ger Aktio­nen waren und wei­ter­hin noch sind.’ Für den Vati­kan gilt aber: ‚Ein­zig und allein in der Ehe kann der Gebrauch der Geschlechts­kraft mora­lisch gut sein.’ Die homo­se­xu­elle Ver­an­la­gung selbst wird zwar nicht als sünd­haft ange­se­hen, wohl aber das homo­se­xu­elle Ver­hal­ten. Der Welt­ka­te­chis­mus nennt gleich­ge­schlecht­li­che Hand­lun­gen eine ‚Abir­rung’, die ‚in kei­nem Fall zu bil­li­gen’ sei. Frei­lich wol­len längst nicht mehr alle katho­li­schen Theo­lo­gen, Pries­ter und Bischöfe der har­ten Hal­tung des Paps­tes fol­gen. Basis­be­we­gun­gen wie das ‚Kir­chen­volks­be­geh­ren’ wen­den sich gegen die Ver­ur­tei­lung von Homo­se­xua­li­tät.“

Dann folgt, unmit­tel­bar vor dem Absatz zum Islam, ein Absatz zur Evan­ge­li­schen Kir­che: „In den Evan­ge­li­schen Kir­chen ist die Dis­kus­sion viel wei­ter. Zwar gibt es auch dort noch Stim­men, die Homo­se­xua­li­tät als Ver­stoß gegen ‚Got­tes Wort’ betrach­ten. Die Ten­denz geht aber in eine andere Rich­tung. Die Evan­ge­li­sche Kir­che im Rhein­land hat sich aus­drück­lich von ‚zwei Jahr­tau­sen­den schlimms­ter … Ver­fol­gun­gen homo­se­xu­ell lie­ben­der Men­schen durch die Kir­che’ dis­tan­ziert. Sie hat zudem beschlos­sen, ‚Mit­ar­bei­te­rin­nen und Mit­ar­bei­ter, Pfar­re­rin­nen und Pfar­rer wegen ihrer Homo­se­xua­li­tät nicht zu benach­tei­li­gen’. Die Syn­ode der Evan­ge­li­schen Kir­che von West­fa­len for­mu­lierte es als ‚Auf­gabe der Kir­che’, dazu ‚bei­zu­tra­gen’, daß Les­ben und Schwule ihre beson­dere Prä­gung ohne Furcht öffent­lich machen kön­nen und daß homo­se­xu­elle Bezie­hun­gen nicht ver­steckt wer­den müs­sen.“

Was läßt sich danach sagen?

-- In dem Satz, „In den Evan­ge­li­schen Kir­chen ist die Dis­kus­sion viel wei­ter.“, klingt ein gewis­ses, nicht näher aus­ge­wie­se­nes geschichts­phi­lo­so­phi­sches Fort­schritts­mo­dell an, dem sich bspw. die Fra­gen ent­ge­gen­hal­ten lie­ßen: Gemes­sen woran „wei­ter“? Und wo kommt der Maß­stab her /​ wie wird er gerecht­fer­tigt? Und ist in dem „wei­ter“ nicht ein linea­res Geschichts­ver­ständ­nis impli­ziert?

Dazu ließe sich in einem phi­lo­so­phi­schen Auf­satz vie­les sagen, aber wie sich in einem knap­pen (insg. 7 Absätze umfas­sen­den) politisch-​​journalistischen Text die Meta­pho­rik von ‚Fort­schritt’ und ‚Rück­schritt’ und ein chro­no­lo­gi­sches Zeit­ver­ständ­nis (frü­her – spä­ter; zum glei­chen Zeit­punkt schon wei­ter oder weni­ger weit in Bezug auf die Errei­chung eines poli­ti­schen Ziels, hier: die Nicht-​​Stigmatisierung von Homo­se­xua­li­tät) bewerk­stel­li­gen las­sen soll, wüßte ich schon mal gerne.

-- Diese Fortschritts-​​Konzeption wird in einem Ver­gleich von katho­li­scher und evan­ge­li­scher Kir­che in Anschlag gebracht.

-- Und erst spä­ter kommt der Satz zum Islam: „Im Islam gibt es keine ver­gleich­bare theo­lo­gi­sche Dis­kus­sion über Homo­se­xua­li­tät.“

Die­ser Satz nun wirft zunächst ein­mal die fak­ti­sche Frage auf: Gibt es von isla­mi­schen Instan­zen (in Deutsch­land) ähnli­che Erklä­run­gen, wie sie der Text von den Evan­ge­li­schen Kir­chen in Rhein­land und West­fa­len zitiert? Ich weiß es nicht.

-- Sollte es ähnli­che Erklä­run­gen geben, wäre wei­ter zu fra­gen, ob es sich um einen schlich­ten Irr­tum in dem LSVD-​​Text han­delt (daß er sol­che Erklä­run­gen nicht erwähnt), der auf ent­spre­chen­den Hin­weis kor­ri­giert wird. Oder han­delt sich um eine korrektur-​​resistente, ver­fes­tigte Ver­ur­teils­struk­tur?

► „Die kon­ven­tio­nelle isla­mi­sche Bewer­tung von Sexua­li­tät geht von einem kla­ren Macht­ver­hält­nis zwi­schen den Geschlech­tern aus: männ­li­che Domi­nanz und weib­li­che Unter­ord­nung.“

Fak­tisch dürfte die­ser Satz wahr sein, wäre also nur zu fra­gen, warum der umstrit­tene Text nur beim Islam auf das Geschlech­ter­ver­hält­nis zu spre­chen kommt, wäh­rend er die­ses Thema in Bezug auf die christ­li­chen Reli­gio­nen, für die das Glei­che gilt, nicht behan­delt.

Hier gibt es also eine vom dis­ku­tier­ten Gegen­stand nicht gedeckte Ein­sei­tig­keit der Dar­stel­lung, die auch ohne nähere reli­gi­ons­wis­sen­schaft­li­che Kennt­nis auf­fällt. Hier läßt sich also in der Tat ver­mu­ten, daß dem Text ein anti­is­la­mi­sches Res­sen­ti­ment zugrunde liegt, wäh­rend die christ­li­chen Kir­chen inso­weit zu Unrecht aus der Schuß­li­nie genom­men wer­den.

► „Die Ehe ist auf Fort­pflan­zung ange­legt und folgt kei­nem Ideal der roman­ti­schen Liebe nach west­li­chem Ver­ständ­nis.“

Wie­derum muß ich geste­hen, daß ich nicht weiß, ob das eine kor­rekte Dar­stel­lung des im Islam hege­mo­nia­len Ehe­ver­ständ­nis­ses. Für Frage, ob der Satz isla­mo­phob ist, sollte zunächst die Frage nach sei­ner Wahr­heit geklärt wer­den, und dann stellt sich wie­derum die Frage, ob die LSVD nach Auf­klä­rung ein­sich­tig oder kritik-​​resistent ist.

Im übri­gen ist zu die­sem Satz noch anzu­mer­ken, daß der LSVD eine ähnli­che Aus­sage auch zur Katho­li­schen Kir­che trifft: „Für den Vati­kan gilt aber: ‚Ein­zig und allein in der Ehe kann der Gebrauch der Geschlechts­kraft mora­lisch gut sein.’“

Zum Ideal der roman­ti­sche Liebe wäre anzu­mer­ken, daß diese kein inne­res, ewi­ges Wesens­merk­mal des Wes­tens ist, son­dern in den herr­schen­den Klas­sen in der Bour­geoi­sie ent­stan­den ist, wäh­rend zuvor feu­dale Hei­rats­al­li­an­zen nach ganz ande­ren Kri­te­rien als dem Ideal roman­ti­scher Liebe geschlos­sen wur­den. Inter­es­sant wäre viel­leicht auch noch ein Satz zum Ver­hält­nis von christ­li­chem Ehe­ver­ständ­nis und dem genann­ten Ideal sowie eine Ant­wort auf die Frage, was der LSVD nun eigent­lich von dem Ideal roman­ti­scher Liebe hält. – Aber das Feh­len der­ar­ti­ger Aus­füh­run­gen macht den Text nicht ras­sis­tisch und ins­ge­samt kann der frag­li­chen Pas­sage zugute gehal­ten wer­den, daß sie dar­stellt, daß sich bestimmte christ­li­che Auf­fas­sun­gen im Laufe der Zeit ver­scho­ben haben („Über viele Jahr­hun­derte“ vs. „Heute“). Was viel­leicht deut­li­cher hätte dar­ge­stellt wer­den kön­nen, ist, daß diese Ver­schie­bun­gen nicht ein­fach ein Pro­zeß der Selbst­ent­fal­tung der Ver­nunft waren, son­dern in ideo­lo­gi­schen, gesell­schaft­li­chen Kämp­fen gescha­hen.

Hier­nach kön­nen wir resü­mie­ren: Die Rassismus-​​Vorwürfe gegen den Ber­li­ner CSD las­sen sich mit­tels die­ses Tex­tes des LSVD-​​Bundesverbandes nicht bele­gen. Kri­tik­wür­dig an dem Text ist aber ins­be­son­dere, daß das Ver­tre­ten einer patri­ar­cha­len Geschlech­ter­kon­zep­tion allein für den Islam, aber nicht für die christ­li­chen Reli­gio­nen benannt wird. Die wei­te­ren Aus­füh­run­gen in dem Text bedürf­ten für eine end­gül­tige Beur­tei­lung genaue­rer Unter­su­chun­gen.

2. Kom­men wir zu dem zwei­ten Text. Dabei han­delt es sich um einen Bericht auf queer​.de über Äuße­run­gen des Spre­chers des berlin-​​brandenburger LSVD, Alex­an­der Zinn. Mädchenmannschaft-​​Leser Andreas zitiert von dem Bericht nur die Über­schrift „LSVD fürch­tet Ein­füh­rung der Scha­ria an Ber­li­ner Schu­len“ und begrün­det wie­derum nicht, worin der Ras­sis­mus der Äuße­run­gen lie­gen soll.

In Bezug auf diese Äuße­run­gen ist der Rassismus-​​Vorwurf jeden­falls inso­fern nach­voll­zieh­ba­rer, als Alex­an­der Zinn nicht nur mit Äuße­run­gen zum Islam zitiert wird, son­dern auch eine Unter­schei­dung zwi­schen deut­schen und tür­ki­schen Jugend­li­chen vor­nimmt. Im letz­ten Absatz des Berich­tes heißt es:

„Gene­rell glaubt der LSVD, dass der Bil­dungs­se­na­tor ‚die Dis­kri­mi­nie­rung homo­se­xu­el­ler Schü­ler und Leh­rer taten­los’ hin­nehme. ‚Homo­se­xu­el­len­feind­lich­keit ist unter Ber­lins Schü­lern erschre­ckend weit ver­brei­tet. 69 Pro­zent der tür­ki­schen und 48 Pro­zent der deut­schen Jugend­li­chen hal­ten es für ‚absto­ßend’, wenn sich zwei Män­ner auf der Straße küs­sen. ‚Schwule Sau’ zählt zu den belieb­tes­ten Schimpf­wör­tern auf Ber­lins Schul­hö­fen’, so Zinn.“

► Hierzu stellt sich zunächst die Frage, ob die Zah­len valide sind. Man­gels nähe­rer Anga­ben läßt sich dazu nichts sagen.

► Zutref­fend ist, daß dadurch, daß über­haupt nach Natio­na­li­tät unter­schie­den wird, immer schon die gege­bene ras­sis­ti­sche Struk­tur repro­du­ziert wird. Glei­ches gilt in Bezug auf den Sexis­mus und das bestän­dige Reden über Män­ner und Frauen und deren Unter­schiede. Das, was Louis Alt­hus­ser über die Klas­sen­ver­hält­nisse sagt, gilt ent­spre­chend auch für andere gesell­schaft­li­che Herrschafts-​​ und Aus­beu­tungs­ver­hält­nisse: Die Klas­sen sind nicht prä-​​existent, son­dern kon­sti­tu­ie­ren und repro­du­zie­ren sich im Pro­zeß des ökono­mi­schen, poli­ti­schen, ideo­lo­gi­schen usw. Klas­sen­kamp­fes und damit auch im Pro­zeß des Redens über sie (page 49 mit note 12).

Gleich­zei­tig gilt aber auch, daß der­ar­tige Ausbeutungs-​​ und Herr­schafts­ver­hält­nisse nicht nur Ein­bil­dun­gen sind, die dadurch ver­schwin­den, daß ein­fach nicht mehr über sie und die mit ihnen ver­bun­de­nen Phä­no­mene gespro­chen wird.

► Allein das Benen­nen der unter­schied­li­chen Zah­len für deut­sche und tür­ki­sche Jugend­li­che würde ich daher noch nicht ras­sis­tisch nen­nen.

Und die Kom­men­tie­rung des LSVD dazu bezieht sich auf Homo­pho­bie all­ge­mein: „Gene­rell glaubt der LSVD, dass der Bil­dungs­se­na­tor ‚die Dis­kri­mi­nie­rung homo­se­xu­el­ler Schü­ler und Leh­rer taten­los’ hin­nehme.“ Hier deu­tet nichts dar­auf hin, daß sich der LSVD nur gegen Homo­pho­bie sei­tens nicht-​​deutscher Jugend­li­cher wen­det; in Anbe­tracht der genann­ten 48 %-Zahl für die deut­schen Jun­gend­li­chen wäre eine sol­che ein­sei­tige Schwer­punkt­set­zung auch völ­lig unver­ständ­lich.

► Pro­ble­ma­ti­scher als die Nen­nung und Kom­men­tie­rung der Umfra­ge­zah­len für deut­sche und tür­ki­sche Jugend­li­che sind hin­ge­gen die Aus­füh­run­gen zum Islam:

-- Da andere Ursa­chen nicht benannt wer­den, ent­steht der Ein­druck, daß in ers­ter Linie der Islam für Homo­pho­bie ver­ant­wort­lich sei – letzt­lich auch für die Homo­pho­bie unter deut­schen Jugend­li­chen, obwohl diese nur zu einem gerin­gen Anteil mus­li­misch sind.

-- Außer­dem ten­diert die Erklä­rung augen­schein­lich zur Dra­ma­ti­sie­rung: Aus Mate­rial für Leh­rer (!) über den Islam wird abge­lei­tet: „Damit wird letzt­lich der Ein­füh­rung von Regeln der Scha­ria an Ber­lins Schu­len Vor­schub geleis­tet“. Selbst wenn es sich nicht um Mate­rial für Leh­rer, son­dern um Unter­richts­ma­te­rial han­deln würde, kann dar­aus, daß bestimmte Posi­tio­nen (hier die Posi­tion von angeb­lich „‚erz­kon­ser­va­ti­ven’ Ima­men“) dar­ge­stellt wer­den, nicht geschluß­fol­gert wer­den, daß diese zu Regeln der Schule gemacht wer­den sol­len.

-- Eine Dra­ma­ti­sie­rung stel­len auch diese Sätze dar: „Statt isla­mi­schen Hard­li­nern die Türen zu Ber­lins Schu­len immer wei­ter zu öffnen, sollte Bil­dungs­se­na­tor Jür­gen Zöll­ner dafür sor­gen, dass der regu­läre Unter­richt an Ber­lins Schu­len über­haupt noch statt­fin­det. Auf­grund fal­scher Rück­sicht­nahme auf ‚reli­giöse Gefühle’ kön­nen die Lehr­pläne in eini­gen Fächern kaum noch ein­ge­hal­ten wer­den“.

Diese Dra­ma­ti­sie­rung ist zwei­fels­ohne zu kri­ti­sie­ren, genauso klar sollte aller­dings sein, daß die Posi­tion, es soll kei­nen reli­giö­sen Ein­fluß auf staat­li­che Lehr­pläne geben, rich­tig (und nicht etwa ras­sis­tisch) ist – ent­schei­dend ist frei­lich, daß diese Posi­tion nicht nur gegen­über dem Islam, son­dern bspw. auch ggü. den christ­li­chen Kir­chen bezo­gen wird.

3. Damit kön­nen wir zu dem drit­ten und letz­ten von Mädchenmannschaft-​​Leser Andreas genann­ten Text kom­men. Die­ser Text kri­ti­siert nicht eine Stel­lung­nahme des LSVD selbst, son­dern die Inter­pre­ta­tion einer vom LSVD in Auf­trag gege­be­nen Stu­die durch die Süd­deut­sche Zei­tung. Die Kri­ti­ke­rIn­nen, Hen­ri­ette Gun­kel und Ben Pit­cher, füh­ren aus:

► „Accor­ding to Süd­deut­sche, the study showed that ‘migrant kids in par­ti­cu­lar stron­gly rejec­ted homo­se­xua­lity’, and that Ger­man kids were more likely to be welt­of­fen, that is, open min­ded or cosmo­po­li­tan. While on the one hand all migrant sub­jects are hereby con­sti­tu­ted as a sin­gle cate­gory – that is, not Ger­man and hence not welt­of­fen – there is at the same time a hier­ar­chy con­struc­ted wit­hin the migrant com­mu­nity through the pro­ble­ma­tiza­tion of reli­gion.“

Das ist von vorne bis hin­ten Unsinn:

-- Zum einen behaup­tet die Süd­deut­sche Zei­tung in dem ange­führ­ten Zitat keine Kau­sa­li­tät, wie aber die Kri­ti­ke­rIn­nen unter­stel­len (hence = daher, folg­lich). Die SZ stellt eine sta­tis­tisch Kor­re­la­tion dar – in dem Fall die zwi­schen dem Kri­te­rium „Ein­wan­de­rer­kind“ und dem Kri­te­rium „beson­ders starke Ableh­nung von Homo­se­xua­li­tät“. Daß einer der bei­den Fak­to­ren den ande­ren kau­sal bedingt ist damit nicht gesagt. Auch dürfte allen Lese­rIn­nen eines Berichts über eine Mei­nungs­um­frage klar sein, daß dort ein sta­tis­ti­scher Durch­schnitt dar­ge­stellt wird. Die von den Kri­ti­ke­rIn­nen kri­ti­sierte Aus­sage ist genauso unpro­ble­ma­tisch (oder mei­net­we­gen: pro­ble­ma­tisch), wie es die Aus­sage wäre: ‚CSU-​​WählerInnen sind beson­ders häu­fig Kirch­gän­ge­rIn­nen.’ JedeR weiß, daß es trotz­dem auch einige CSU-​​WählerInnen gibt, die (fast) nie zur Kir­che gehen. Und genauso in unse­rem tat­säch­li­chen Bei­spiels­satz: Die Abwei­chun­gen vom Durch­schnitt beein­träch­ti­gen über­haupt nicht die Aus­sa­ge­kraft der Durch­schnitts­zahl, sofern sie denn kor­rekt ermit­telt wurde (und signi­fi­kant ist).

-- Genauso Quatsch ist die Behaup­tung damit wür­den Migran­tIn­nen zu einer „sin­gle cate­gory“ gemacht (was das auch immer genau besa­gen soll), denn die Kri­ti­ke­rIn­nen geben ja selbst zu, daß inner­halb die­ser Kate­go­rie Abstu­fung (an)erkennt wer­den. Die Kri­ti­ke­rIn­nen nen­nen das „at the same time a hier­ar­chy con­struc­ted wit­hin the migrant com­mu­nity through the pro­ble­ma­tiza­tion of reli­gion.“ Diese „Hier­ar­chie“ wurde aber von der SZ nicht (im Sinne von „erfun­den“) kon­stru­iert, son­dern dies ist das Ergeb­nis der Umfrage.

► Wei­ter heißt es in der Kri­tik an der SZ: „As the arti­cle in Süd­deut­sche con­ti­nues, ‘the rejec­tion of homo­se­xu­als is increa­sed amongst ado­le­scents of Tur­kish ori­gin with incre­a­sing reli­gious­ness. The study shows that the rejec­tion of homo­se­xua­lity also depends on levels of social inte­gra­tion: those with hardly any con­nec­tion to [Ger­man] society are par­ti­cu­larly homo­pho­bic’. Thus the sta­tus of migrancy is read back tho­rough Tur­kish­ness, which in turn func­tions as a reli­gious cate­gory. The more reli­gious (mea­ning Mus­lim) the less tole­rant (mea­ning ‘gay fri­endly’) and the less welt­of­fen you are. The ques­tion of open-​​mindedness (Welt­of­fen­heit) is directly lin­ked to the ques­tion of ‘inte­gra­tion’: those mar­ked out by a reli­gious iden­tity are con­side­red unable or unwil­ling to inte­grate.“

Auch diese Kri­tik ist von dem ange­führ­ten SZ-Zitat nicht gedeckt:

-- Der „sta­tus of migrancy“ ist dort nicht „read back tho­rough Tur­kish­ness“. Viel­mehr wer­den Migran­tIn­nen tür­ki­scher Her­kunft von Migran­tIn­nen ande­rer Her­kunft unter­schie­den: „vor allem bei tür­kisch­stäm­mi­gen Jugend­li­chen“ (meine Hv.).

-- Auch „func­tions” „Tur­kish­ness” da nicht als reli­giöse Kate­go­rie, son­dern inner­halb der Kate­go­rie „tür­kisch“ (die ihrer­seits ein Fall von migran­tisch ist), wur­den Unter­grup­pen anhand des Aus­ma­ßes der Reli­gio­si­tät gebil­det – und es wurde eine sta­tis­ti­sche Kor­re­la­tion zwi­schen dem Aus­maß der Reli­gio­si­tät und dem Aus­maß von Homo­pho­bie fest­ge­stellt. So what? – solange die Zah­len kor­rekt ermit­telt sind.

-- Auch die Behaup­tung, „The ques­tion of open-​​mindedness (Welt­of­fen­heit) is directly lin­ked to the ques­tion of ‘inte­gra­tion’: those mar­ked out by a reli­gious iden­tity are con­side­red unable or unwil­ling to inte­grate.“, ist nicht zutref­fend. Laut Text der Süd­deut­schen han­delt es sich um zwei unter­schied­li­che Indi­ka­to­ren (1. Reli­gio­si­tät; 2. „Inte­gra­tion“ /​ „Kon­takt zur deut­schen Gesell­schaft“) – und Indi­ka­tor 2 weist die ent­spre­chende (engl. also = dt. auch) Kor­re­la­tion mit Homo­pho­bie auf: 1. je reli­giö­ser desto homo­pho­ber; 2. je weni­ger „Kon­takt zu deut­schen Gesell­schaft“ desto homo­pho­ber. Die Sätze lau­ten im Ori­gi­nal der Süd­deut­schen Zei­tung: „Die Ableh­nung von Homo­se­xu­el­len steigt laut Stu­die vor allem bei tür­kisch­stäm­mi­gen Jugend­li­chen mit zuneh­men­der Reli­gio­si­tät. Sie hänge außer­dem vom Grad der Inte­gra­tion ab, heißt es wei­ter. Wer kaum Anschluss an die Gesell­schaft habe, sei beson­ders schwu­len­feind­lich.“ (meine Hv.).

► Folg­lich ist auch die Schluß­fol­ge­rung, die der blog dark­mat­ter in Bezug auf den LSVD aus der Kri­tik an der Süd­deut­schen Zei­tung zieht halt­los: „By com­mis­sio­ning this sur­vey, the LSVD […] played a part in con­so­li­da­ting a ‘pro­gres­sive’ con­cep­tion of Ger­man values through the rejec­tion of the Mus­lim sub­ject. Homo­pho­bia is thus simul­ta­neously natio­na­li­zed and racia­li­zed. In an act of auda­cious his­to­ri­cal revi­sio­nism, Ger­many beco­mes equa­ted with gay rights (as an expres­sion of its gene­ral regard for ‘human rights’), while Islam is con­sti­tu­ted as homo­pho­bic (and thus outs­ide a dis­course of ‘human rights’). Gay rights are thus mobi­li­zed in anti-​​immigration dis­course as a key signi­fier of Euro­pean cul­tu­ral supe­rio­rity, as (white) gay Ger­mans assert their mem­bership of the natio­nal com­mu­nity through the con­struc­tion of the figure of the homo­pho­bic Mus­lim.“

-- Der LSVD kann nicht für die von der SZ vor­ge­nom­mene Inter­pre­ta­tion der Stu­die ver­ant­wort­lich gemacht wer­den – sei es denn die SZ hätte aus einer Pres­se­er­klä­rung des LSVD zur Stu­die abge­schrie­ben. Dann wäre es frei­lich ange­mes­sen, gleich die Pres­se­er­klä­rung zu zitie­ren und nicht die SZ.

-- Davon abge­se­hen bringt dark­mat­ter – wie gezeigt – ohne­hin kein halt­ba­res Argu­ment gegen die SZ vor.

-- In dem von mir zuletzt ange­führ­ten dark­mat­ter-Zitat wird durch­ge­hend Schar­la­ta­ne­rie mit der Kom­bi­na­tion von Satz­sub­jek­ten und -prä­di­ka­ten betrie­ben. In der Tat ent­steht durch die Stu­die der Ein­druck, daß die Ein­stel­lun­gen von Nicht-​​MuslimInnen ‚fort­schritt­li­cher’ oder homosexuellen-​​freundlicher sind als die von Mus­li­mIn­nen. Die ‚Schuld’ dafür liegt aber – nach allem, was wir wis­sen – nicht bei der Süd­deut­schen Zei­tung, dem LSVD und den wis­sen­schaft­li­chen Auto­rIn­nen der Stu­die, son­dern den Befrag­ten bzw. bei den gesell­schaft­li­chen Ver­hält­nis­sen, die die Ein­stel­lun­gen der Befrag­ten kon­sti­tu­ie­ren. Der Satz, „the LSVD […] played a part in con­so­li­da­ting a ‘pro­gres­sive’ con­cep­tion of Ger­man values through the rejec­tion of the Mus­lim sub­ject“, ist von den ange­führ­ten Bele­gen nicht gedeckt, wenn mit dem Satz mehr behaup­tet wer­den soll als, daß der LSVD exis­tie­rende Ein­stel­lungs­un­ter­schiede benennt. „[P]layed a part in con­so­li­da­ting“ sug­ge­riert dage­gen eine viel akti­vere Rolle des LSVD, die er viel­leicht tat­säch­lich hat, aber mit dem SZ-Arti­kel nicht belegt ist.

-- Homo­pho­bie ist – nach den vor­lie­gen­den Zah­len – in der Tat „natio­na­li­zed and racia­li­zed“, aber sie wird nicht will­kür­lich vom LSVD „natio­na­li­zed and racia­li­zed“ – bzw.: Viel­leicht macht es der LSVD doch, aber dies wird in dem dis­ku­tier­ten Text gerade nicht gezeigt/​belegt. Die Kri­tik mag zutref­fen, nur müßte sie ganz anders begrün­det wer­den als dark­mat­ter es macht, wenn sie über­zeu­gen soll.

-- Unklar bleibt, wor­auf sich der Vor­wurf des his­to­ri­schen Revi­sio­nis­mus bezieht. Sicher­lich war Deutsch­land nicht schon immer schwulen-​​ und lesben-​​freundlich, aber augen­schein­lich hat Deutsch­land in den letz­ten 20, 30 Jah­ren dies­bzgl. Ver­än­de­run­gen durch­ge­macht, die man­che andere Län­der nicht durch­ge­macht haben. Diese Ver­än­de­run­gen las­sen sich in ihren Ursa­chen und Kon­se­quen­zen ana­ly­sie­ren, sie fest­zu­stel­len ist aber kein „his­to­ri­schen Revi­sio­nis­mus“, kein Umschrei­ben von Geschichte.

-- Und in dem letz­ten Satz des Zita­tes wird „Kon­struk­tion“ in einer lei­der nur allzu ein­ge­bür­ger­ten haar­sträu­ben­den Art und Weise ver­wen­det: Die gesell­schaft­li­che ‚Kon­struk­tion’, die her­vor­bringt, daß Mus­lime in Deutsch­land – nach der Stu­die zu urtei­len – tat­säch­lich homo­pho­ber sind als Nicht-​​Muslime wird ver­dreht in eine ‚Kon­struk­tion’ = Erfin­dung, die angeb­lich von der Stu­die bzw. dem LSVD und der Süd­deut­schen Zei­tung vor­ge­nom­men wird („con­struc­tion of the figure of the homo­pho­bic Mus­lim“). Die Rede von „Kon­struk­tion“ hat wissenschaftlich-​​analytisch und politisch-​​strategisch nur Sinn, wenn benannt wird was genau von wem und mit wel­chen Mit­teln etc. ‚kon­stru­iert’ wird (S. 54, FN *; S. 138 f.; 142). Die Nicht-​​Unterscheidung der unter­schied­li­chen ‚Kon­struk­ti­ons­pro­zesse’ in ihrer jewei­li­gen Spe­zi­fik führt uns in eine Nacht, in der alle Kat­zen grau sind und in der schwup­di­wupp die BotIn­nen (hier die SZ und der LSVD) für den Inhalt der von Ihnen über­mit­tel­ten Nach­richt ver­ant­wort­lich macht wer­den. Wis­sen­schaft­li­che und poli­ti­sche Kri­tik wird so durch üble Nach­rede ersetzt. –

Ich will gar nicht bestrei­ten, daß die Ergeb­nisse der LSVD-​​Studie viel­leicht tat­säch­lich halt­los sind. Um das zu zei­gen, müßte aber ganz anders argu­men­tiert wer­den, als dies dark­mat­ter macht:

-- Dafür müßte ent­we­der gezeigt wer­den, daß das Sample der Befrag­ten nicht reprä­sen­ta­tiv zusam­men­ge­setzt war; daß die Fra­gen sug­ges­tiv for­mu­liert waren; daß sich beim Aus­wer­ten der Fra­ge­bo­gen ver­zählt wurde oder bei der computer-​​gestützten Aus­wer­tung hard-​​ und software-​​Fehler unter­lau­fen sind usw. – also, daß die die Zah­len (i.w.S.) nicht stim­men.

-- Oder aber es müßte gezeigt wer­den, daß die Zah­len zwar stim­men, aber nicht signi­fi­kant sind. Dies könnte gesche­hen, indem bspw. gezeigt wird, daß die Ein­stel­lungs­un­ter­schiede zwi­schen 80jährigen und 20jährigen oder Men­schen mit der Lieb­lings­farbe beige und der Lieb­lings­farbe grau oder zwi­schen Men­schen, die in Bre­men oder aber in Ober­am­mer­gau leben, (unab­hän­gig von deren reli­giö­sen Ein­stel­lung) viel grö­ßer ist als der Ein­stel­lungs­un­ter­schied zwi­schen Mus­li­men und Nicht-​​Muslimen.

-- Eine dritte Kri­tik­stra­te­gie könnte schließ­lich darin beste­hen, zwar die Zah­len als sol­che und auch ihre Signi­fi­kanz anzu­er­ken­nen, aber die berech­tigte Frage auf­zu­wer­fen, wie die Ein­stel­lungs­un­ter­schiede zustan­den kom­men – und dabei auch nach den Antei­len zu fra­gen, die die deut­sche Mehr­heits­ge­sell­schaft am zustande kom­men von homo­pho­ben Ein­stel­lun­gen unter Mus­li­mIn­nen in Deutsch­land hat.

Um eine der­ar­tige fun­dierte Kri­tik – in wel­cher der drei genann­ten Vari­an­ten auch immer – an der LSVD-​​Studie zu leis­ten, müßte frei­lich selbst wis­sen­schaft­li­che Arbeit geleis­tet wer­den (S. 47 bei FN 107) und nicht nur eine ‚Mei­nung’ oder ein guter, anti­ras­sis­ti­scher Wille an die Wis­sen­schaft her­an­ge­tra­gen wer­den (S. 8, FN 6).

Wer/​welche die frag­li­che Stu­die dage­gen mit den Argu­men­ten von dark­mat­ter als ras­sis­tisch ver­wirft, han­delt genauso halt­los wie Sta­li­nis­tIn­nen, die die Gene­tik oder die Psy­cho­ana­lyse als „bür­ger­lich“ ver­wer­fen, weil diese deren vor­ge­faß­ter ‚Mei­nung’ oder deren ‚Inter­esse’ wider­spre­chen (vgl. dort).

III.

Zusam­men­fas­sung: Auch die drei von Mädchenmannschaft-​​Leser Andreas genann­ten links bele­gen die Rassismus-​​Vorwürfe gegen den Ber­li­ner CSD nicht, denn um die­sen geht es in den drei Tex­ten gar nicht.

Auch der LSVD, um den es dort tat­säch­lich geht, läßt sich mit den dort vor­ge­brach­ten Argu­men­ten und Bele­gen nicht als ras­sis­tisch bezeich­nen. Zwar ent­hal­ten die LSVD-​​Stellungnahmen einige frag­wür­dige Aus­sa­gen. Auch läßt sich eini­gen Sät­zen eine – von dem jewei­li­gen Gegen­stand des Sat­zes nicht gedeckte – ein­sei­tig anti-​​islamische Stoß­rich­tung bei gleich­zei­tig geschön­ter Dar­stel­lung der christ­li­chen Reli­gio­nen ent­neh­men. Auch gibt es eine Ten­denz zu Panik­ma­che in der Dar­stel­lung des isla­mis­ti­schen Ein­flus­ses in der BRD.

Es fin­det in die­sen Stel­lung­nahme aber keine ein­sei­tige Ver­knüp­fung bestimm­ter Reli­gio­nen mit bestimm­ten Eth­nien oder Natio­nen statt. Folg­lich läßt sich aus dem (berech­tig­ten) Islamophobie-​​Vorwurf kein (berech­tig­ter) Rassismus-​​Vorwurf ablei­ten.

Die Ver­knüp­fung der Kate­go­rien Nation und Reli­gion wird viel­mehr in dem drit­ten von Andreas genann­ten Text erst von außen an den LSVD bzw. dort einem Bericht der Süd­deut­schen Zei­tung her­an­ge­tra­gen. Es wird ein Papp­ka­me­rad von den Kri­ti­ke­rIn­nen auf­ge­baut, um ihn dann umhauen zu kön­nen.

  1. ► Pres­se­er­klä­rung von SUS­PECT zum 19. Juni: Judith But­ler lehnt Ber­lin CSD Zivil­cou­ra­ge­preis ab!
    http://​noho​mo​na​tio​na​lism​.blog​spot​.com/​2​0​1​0​/​0​6​/​j​u​d​i​t​h​-​b​u​t​l​e​r​-​l​e​h​n​t​-​b​e​r​l​i​n​-​c​s​d​.html

    ► Judith But­ler lehnt Zivilcourage-​​Preis ab
    http://​de​.indy​me​dia​.org/​2​0​1​0​/​0​6​/​2​8​4​6​9​8​.​shtml
    (die glei­che Erklä­rung + einige zusätz­li­che links + LeserInnen-​​Kommentare von nahezu durch­weg schwa­cher argu­men­ta­ti­ver Qua­li­tät; inter­es­sant sind immer­hin der von Cetin (27.06.2010 – 05:21) gepos­tete link [„‚Aus­län­der’ sind dem­nach kei­nes­wegs über­re­prä­sen­tiert, wenn es um homo­phobe Gewalt geht“], der sich aller­dings nicht auf CSD und LSVD, son­dern auf taz und Baha­mas bezieht, sowie der Hin­weis von homo­syan (22.06.2010 – 13:02) auf fol­gende Asym­me­trie: But­ler for­dere „immer nur weiße queere auf[…], sich auch gegen ras­sis­mus ein­zu­set­zen“, aber „nie isla­mi­sche […], sich gegen homo­pho­bie ein­zu­set­zen“. Ich weiß nicht, ob diese Ver­all­ge­mei­ne­rung stimmt, bei der Preisannahme-​​Verweigerungs-​​Rede war diese Asym­me­trie jeden­falls tat­säch­lich gege­ben.)

    ► [aus­zugs­weise] Abschrift der Preis-​​Annahme-​​Verweigerungsrede von Judith But­ler beim CSD in Ber­lin [+ kri­ti­sche Anmer­kun­gen]
    http://​theo​rie​als​pra​xis​.blog​sport​.de/​2​0​1​0​/​0​6​/​2​0​/​a​b​s​c​h​r​i​f​t​-​d​e​r​-​p​r​e​i​s​-​a​n​n​a​h​m​e​-​v​e​r​w​e​i​g​e​r​u​n​g​s​r​e​d​e​-​v​o​n​-​j​u​d​i​t​h​-​b​u​t​l​e​r​-​b​e​i​m​-​c​s​d​-​i​n​-​b​e​rlin/

    ► Judith But­ler: CSD nicht anti­ras­sis­tisch genug
    http://​www​.​l​-talk​.de/​g​e​s​e​l​l​s​c​h​a​f​t​e​n​/​j​u​d​i​t​h​-​b​u​t​l​e​r​-​c​s​d​-​n​i​c​h​t​-​a​n​t​i​r​a​s​s​i​s​t​i​s​c​h​-​g​e​n​u​g​.html
    (voll­stän­dige Abschrift der Videos mit der Rede [aber ohne Kenn­zeich­nung einer Lücke, die es zwi­schen den bei­den exis­tie­ren­den Video-​​Aufzeichnungen gibt]; unter den LeserInnen-​​Kommentaren fin­det sich einer von „Bodo, Vor­stand Ber­li­ner CSD“)

    ► Sel­ber den­ken!? Her mit den kon­kre­ten Bei­spie­len…
    http://​imgar​ten​mit​sa​tie​.two​day​.net/​s​t​o​r​i​e​s​/​6​3​9​3075/
    (eine Ant­wort zu dem Kom­men­tar von Bodo, der inhalts­gleich auf ver­schie­de­nen Sei­ten gepos­tet wurde)

    ► CSD begrüßt Dis­kus­sion nach dem Auf­tritt von Judith But­ler und weist die Vor­würfe des Ras­sis­mus zurück
    http://​www​.csd​-ber​lin​.de/​i​n​d​e​x​.​p​h​p​?​m​=​2​5​&​a​m​p​;​i​d​=​2​5​7​&​a​m​p​;​&​a​m​p​;​U​I​D​=​2​e​7​8​6​1​5​6​7​7​6​1​f​a​c​7​7​f​b​b​6​5​1​6​a​d​0​bb0ab
    und
    http://​www​.csd​-ber​lin​.de/​u​p​l​o​a​d​f​i​l​e​s​/​2​5​_​3​5​3​_​S​t​e​l​l​u​n​g​n​a​h​m​e​_​B​u​t​l​e​r.pdf

    ► Where Now? From Pride Scan­dal to Trans­na­tio­nal Move­ment
    http://​bul​ly​blog​gers​.word​press​.com/​2​0​1​0​/​0​6​/​2​6​/​w​h​e​r​e​-​n​o​w​-​f​r​o​m​-​p​r​i​d​e​-​s​c​a​n​d​a​l​-​t​o​-​t​r​a​n​s​n​a​t​i​o​n​a​l​-​m​o​v​e​ment/

    ► But­ler auf dem CSD: Poli­tisch ist anders!
    http://​kopf​kom​pass​.de/​2​0​1​0​/​0​6​/​b​u​t​l​e​r​-​a​u​f​-​d​e​m​-​c​s​d​-​p​o​l​i​t​i​s​c​h​-​i​s​t​-​a​n​ders/
    (deut­lich argu­men­ta­ti­ver als But­lers Rede)

    ► Judith But­ler und die schwul-​​lesbische Dekon­struk­tion
    http://​maed​chen​mann​schaft​.net/​j​u​d​i​t​h​-​b​u​t​l​e​r​-​u​n​d​-​d​i​e​-​s​c​h​w​u​l​-​l​e​s​b​i​s​c​h​e​-​d​e​k​o​n​s​t​r​u​k​tion/
    (aus­führ­li­cher Kom­men­tar mit kon­tro­ver­ser LeserInnen-​​Diskussion [bis­her 74 Kom­men­tare], der auch die fol­gen­den 4 Stel­lung­nah­men erschließt und wei­tere links ent­hält)

    (Den glei­chen Text gibt es auch bei http://​missy​-maga​zine​.de/​2​0​1​0​/​0​6​/​2​2​/​j​u​d​i​t​h​-​b​u​t​l​e​r​-​u​n​d​-​d​i​e​-​s​c​h​w​u​l​-​l​e​s​b​i​s​c​h​e​-​d​e​k​o​n​s​t​r​u​k​tion/,
    wo Ste­pha­nie [June 28, 2010, 7:41 pm] gegen den Satz aus dem Bei­trag,
    „Dabei wäre doch der CSD oder die deut­sche schwulles­bi­sche Stimme die ideale Platt­form, weil mit viel Stimm-​​ und Geld­ge­wicht aus­ge­stat­tet, um gemein­sam mit sub­al­ter­nen und bis dato aus­ge­grenz­ten Grup­pen […] Ras­sis­mus, Anti­se­mi­tis­mus, (Hetero-)Sexismus, Homo­pho­bie, Bodis­mus, etc. anzu­pran­gen und zu bekämp­fen.“
    ein­wen­det:
    „Viel­leicht ver­stehe ich die_​den Autor_​in falsch, dann würde ich sie_​ihn gerne bes­ser ver­ste­hen. Auf den ers­ten Blick erin­nert mich der zitierte Satz aber bei­spiels­weise an die Erwartung/​Hoffnung, Frauen* wür­den die Welt ret­ten, wenn sie nur könn­ten“.)

    ► Judith But­lers Zivil­cou­rage
    http://​www​.dkp​-queer​.de/​?​p​=1448

    ► Hef­tige Dis­kus­sio­nen nach Kri­tik an CSD
    http://​www​.tages​spie​gel​.de/​b​e​r​l​i​n​/​s​t​a​d​t​l​e​b​e​n​/​h​e​f​t​i​g​e​-​d​i​s​k​u​s​s​i​o​n​e​n​-​n​a​c​h​-​k​r​i​t​i​k​-​a​n​-​c​s​d​-​/​1​8​6​4​5​4​0​.html (mit z.Z. 54 LeserInnen-​​Kommentaren)

    ► Kla­res Signal gegen Ras­sis­mus. Judith But­ler lehnt Zivilcourage-​​Preis des Berliner-​​CSD e.V. ab.
    http://​www​.les​mi​gras​.de/​t​l​_​f​i​l​e​s​/​l​e​s​m​i​g​r​a​s​/​p​r​e​s​s​e​m​i​t​t​e​i​l​u​n​g​e​n​/​S​t​e​l​l​u​n​g​n​a​h​m​e​_​L​B​_​B​u​t​l​e​r.pdf

    ► Das rich­tige Signal zur rich­ti­gen Zeit – Judith But­ler lehnt den Zivilcourage-​​Preis des Ber­li­ner CSD e.V. ab.
    http://www.gladt.de/archiv/2010/2010-06-20%20Richtiges%20Signal.pdf

    Angela Davis on Judith Butler’s refu­sal to accept Ber­lin CSD Civil Cou­rage Prize
    http://​www​.youtube​.com/​w​a​t​c​h​?​v​=​T​0​B​z​K​C​Rgnj8

    ► Mehr Unbe­ha­gen der Geschlech­ter
    http://​www​.​l​-talk​.de/​g​e​s​e​l​l​s​c​h​a​f​t​e​n​/​m​e​h​r​-​u​n​b​e​h​a​g​e​n​-​d​e​r​-​g​e​s​c​h​l​e​c​h​t​e​r​.html
    (Kom­men­tar zur Rede)

    ► Judith But­ler lehnt Zivil­cou­ra­ge­preis ab!
    http://​trans​ge​nia​lercsd​.word​press​.com/​2​0​1​0​/​0​6​/​1​9​/​j​u​d​i​t​h​-​b​u​t​l​e​r​-​l​e​h​n​t​-​z​i​v​i​l​c​o​u​r​a​g​e​p​r​e​i​s-ab/
    (ent­hält links zu einer Pres­se­er­klä­rung des trans­ge­nia­len CSD sowie zu einem Teil der main­stream-Pres­se­be­richt­er­stat­tung)

    ► Gut so, Judy!!! – Judith But­ler lehnt Preis für Zivil­cou­rage auf Ber­lins Mainstream-​​CSD vor dem Bran­den­bur­ger Tor ab
    http://​imgar​ten​mit​sa​tie​.two​day​.net/​s​t​o​r​i​e​s​/​6​3​8​8559/
    (eine wei­tere Stel­lung zum Thema, mit einem aus­führ­li­chem Leserin-​​Kommentar von Halina Bend­kow­ski:
    warum ich mar­tin dan­ne­cker zum zivil­cou­ra­ge­preis gra­tu­liere und –aber-​​ nicht judith but­ler)

    ► Wir woll­ten nie nor­mal wer­den! – Judith But­ler bringt es auf den Punkt und kri­ti­siert Aus­schlüsse und Ras­sis­mus
    http://​dasen​de​des​sex​.blog​sport​.de/​2​0​1​0​/​0​6​/​2​0​/​w​i​r​-​w​o​l​l​t​e​n​-​n​i​e​-​n​o​r​m​a​l​-​w​e​r​d​e​n​-​j​u​d​i​t​h​-​b​u​t​l​e​r​-​b​r​i​n​g​t​-​e​s​-​a​u​f​-​d​e​n​-​p​u​n​k​t​-​u​n​d​-​k​r​i​t​i​s​i​e​r​t​-​a​u​s​s​c​h​l​u​e​s​s​e​-​u​n​d​-​r​a​s​s​i​smus/
    (und dazu dort meine Anmer­kun­gen)

    ► Judith But­ler lehnt Zivilcourage-​​Preis ab
    http://​www​.queer​.de/​d​e​t​a​i​l​.​p​h​p​?​a​r​t​i​c​l​e​_​i​d​=​12336
    (mit umfang­rei­cher Kommentar-​​Diskussion)

    ► Judith But­ler und die radi­kale Demo­kra­ti­sie­rung (des CSDs)
    http://​www​.queer​-​o​-mat​.de/​1​7​2​/​J​u​d​i​t​h​-​B​u​t​l​e​r​-​u​n​d​-​d​i​e​-​r​a​d​i​k​a​l​e​-​D​e​m​o​k​r​a​t​i​s​i​e​r​u​n​g​-​d​e​s​-​C​S​D​s​.html
    (und dazu meine dor­ti­gen Anmer­kun­gen)

    ► Judith But­ler, der CSD und der Ras­sis­mus
    http://​rosa​zelle​.blog​sport​.de/​?p=55

    ► Eklat beim Chris­to­pher Street Day
    http://​www​.3sat​.de/​m​e​d​i​a​t​h​e​k​/​m​e​d​i​a​t​h​e​k​.​p​h​p​?​o​b​j​=​1​9​1​7​2​&​a​m​p​;​m​o​d​e​=play
    (Bericht u.a. mit einem Zitat aus einer mail-​​Stellungnahme von Judith But­ler und diverse Interview-​​Statements von ande­ren Per­so­nen)

    ► Eklat beim Ber­li­ner CSD
    http://​www​.iwwit​.de/​b​l​o​g​/​2​0​1​0​/​0​6​/​e​k​l​a​t​-​b​e​i​m​-​b​e​r​l​i​n​e​r​-csd/

    ► CSD Ber­lin: Judith But­ler nimmt Preis nicht an
    http://​www​.cross​dres​ser​-forum​.de/​p​h​p​B​B​3​/​v​i​e​w​t​o​p​i​c​.​p​h​p​?​f​=​4​9​&​a​m​p​;​t​=1333

    ► Antje Schrupp: Ras­sis­mus und Homo­pho­bie. Einige Gedan­ken zu Judith But­ler und dem CSD
    http://​ant​je​schrupp​.com/​2​0​1​0​/​0​6​/​2​2​/​r​a​s​s​i​s​m​u​s​-​u​n​d​-​h​o​m​o​p​h​o​b​i​e​-​e​i​n​i​g​e​-​g​e​d​a​n​k​e​n​-​z​u​-​j​u​d​i​t​h​-​b​u​t​l​e​r​-​u​n​d​-​d​e​m​-csd/
    (mit bis­her 14 LeserInnen-​​Kommentaren)

    ► Auch ein schwu­ler Chor kann irren
    http://​gen​derblog​.de/​i​n​d​e​x​.​p​h​p​/​2​0​1​0​/​0​6​/​2​2​/​a​u​c​h​-​e​i​n​-​s​c​h​w​u​l​e​r​-​c​h​o​r​-​k​a​n​n​-​i​rren/
    (Kom­men­tar dazu von mir gibt’s hier)

    ► regen­bo­gen­scheiß
    http://​light​-inside​.de/​w​e​b​l​o​g​s​/​2​0​1​0​/​0​6​/​r​e​g​e​n​b​o​g​e​n​s​c​h​e​i​s​.html

    ► Judith But­ler kri­ti­siert „ras­sis­ti­sche Kom­pli­zen­schaft“ des Ber­li­ner CSD
    http://​www​.queer​-news​.at/​a​r​c​h​i​v​e​s​/1686
    (ent­hält in den Kom­men­ta­ren u.a. links zu Hin­ter­grund­in­for­ma­tio­nen)

    http://​aka​.blog​sport​.de/​2​0​1​0​/​0​6​/​2​1​/​s​c​h​w​u​c​h​t​e​l​n​-​s​c​h​w​u​l​e​-​u​n​d​-​a​n​d​e​r​e​-​m​e​n​s​c​h​e​n​-​h​o​m​o​p​h​o​b​i​e​-​i​m​-​f​u​s​s​ball/, http://​schaetz​chen​.blog​sport​.de/​2​0​1​0​/​0​6​/​2​1​/​s​t​a​d​t​n​a​c​h​r​i​c​h​t​e​n​-​m​o​n​t​a​g​-​2​1​-​juni/, http://​par​ty​zio​nist​.blog​sport​.eu/​2​0​1​0​/​0​6​/​2​1​/​s​h​o​r​t​-​cuts/, http://​rhi​zom​.blog​sport​.eu/​2​0​1​0​/​0​6​/​2​0​/​j​u​d​i​t​h​-​b​u​t​l​e​r​-​v​e​r​w​e​i​g​e​r​t​-​p​r​e​i​s​a​n​n​ahme/, http://​rhi​zom​.blog​sport​.eu/​2​0​1​0​/​0​6​/​2​0​/​v​o​n​-​d​i​e​s​e​r​-​r​a​s​s​i​s​t​i​s​c​h​e​n​-​k​o​m​p​l​i​z​e​n​s​c​h​a​f​t​-​m​u​s​s​-​i​c​h​-​m​i​c​h​-​d​i​s​t​a​n​z​i​eren/, http://​allo​phi​lia​.blog​sport​.de/​2​0​1​0​/​0​6​/​2​1​/​j​u​d​i​t​h​-​b​u​t​l​e​r​-​l​e​h​n​t​-​z​i​v​i​l​c​o​u​r​a​g​e​-​p​r​e​i​s​-​d​e​s​-​b​e​r​l​i​n​e​r​-​c​s​d-ab/, http://​denk​werk​statt​.word​press​.com/​2​0​1​0​/​0​6​/​2​1​/​1229/, http://​pre​kaer​.info/​i​n​d​e​x​.​p​h​p​/​c​o​m​p​o​n​e​n​t​/​c​o​n​t​e​n​t​/​a​r​t​i​c​l​e​/​7​8​-​k​u​l​t​u​r​/​3​0​2​7​-​c​h​r​i​s​t​o​p​h​e​r​-​s​t​r​e​e​t​-​d​a​y​-​2​0​1​0​.html
    (Kurz­mel­dun­gen zum Thema bzw. Arti­kel mit Neben­be­mer­kun­gen zu But­lers Preisannahme-​​Verweigerung u.ä.)

    ► [ohne Über­schrift]
    http://​www​.mykath​.de/​i​n​d​e​x​.​p​h​p​?​s​h​o​w​t​o​p​i​c​=​2​3​5​4​9​&​a​m​p​;​s​t=150

    ► Eine radi­kale Geste mit scha­lem Neben­ge­schmack
    http://​theo​rie​als​pra​xis​.blog​sport​.de/​2​0​1​0​/​0​6​/​2​0​/​e​i​n​e​-​r​a​d​i​k​a​l​e​-​g​e​s​t​e​-​m​i​t​-​s​c​h​a​l​e​m​-​n​e​b​e​n​g​e​s​c​h​mack/

    ► Judith But­ler über „soziale Gerech­tig­keit“ sowie high und happy in den Stra­ßen fei­ern (Inter­view) [+ kri­ti­sche Anmer­kun­gen]
    http://​maed​chen​blog​.blog​sport​.de/​2​0​1​0​/​0​6​/​2​2​/​j​u​d​i​t​h​-​b​u​t​l​e​r​-​u​e​b​e​r​-​s​o​z​i​a​l​e​-​g​e​r​e​c​h​t​i​g​k​e​i​t​-​s​o​w​i​e​-​h​i​g​h​-​u​n​d​-​h​a​p​p​y​-​i​n​-​d​e​n​-​s​t​r​a​s​s​e​n​-​f​e​i​e​r​n​-​i​n​t​e​r​view/

    ► Judith But­ler in Ber­lin: Rassismus-​​Kritik, Demokratie-​​Ideale und wenig zu Anti-​​Kriegspolitik
    http://​maed​chen​blog​.blog​sport​.de/​2​0​1​0​/​0​6​/​2​0​/​j​u​d​i​t​h​-​b​u​t​l​e​r​-​i​n​-​b​e​r​l​i​n​-​r​a​s​s​i​s​m​u​s​-​k​r​i​t​i​k​-​d​e​m​o​k​r​a​t​i​e​-​i​d​e​a​l​e​-​u​n​d​-​w​e​n​i​g​-​z​u​-​a​n​t​i​-​k​r​i​e​g​s​p​o​l​itik/
    (in Teil II. mit links zur Volksbühnen-​​Veranstaltung mit Judith But­ler am Vor­abend der geschei­ter­ten Preis­ver­lei­hung) [zurück]

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26 Antworten auf „Noch einmal zu den Rassismus-Vorwürfen gegen den Berliner CSD“


  1. 1 mann mit hut 29. Juni 2010 um 17:02 Uhr

    was für ein käse!

  2. 2 yourenlightenment 29. Juni 2010 um 18:01 Uhr

    Ich stimme in vielen Teilen überein, frage aber: Was wäre denn, wenn das Christentum nicht erwähnt worden wäre? Wäre das dann „islamophob“?

  3. 3 TaP 29. Juni 2010 um 18:12 Uhr

    Ja, würde ich sagen: Wenn gleiche oder ähnliche Phänomene bei verschiedenen Religionen auftreten, aber die Kritik auf eine dieser konzentriert wird, dann dürften wir es mit dem Ausleben eines Ressentiments zu tun haben.

    Vgl. http://maedchenmannschaft.net/judith-butler-und-die-schwul-lesbische-dekonstruktion/#comment-29567

  4. 4 Andreas 30. Juni 2010 um 1:30 Uhr

    Beeindruckend, meine 20minuetige Recherche wird mit einem Arbeitspensum von >2 h Analysetaetigkeit belohnt. Wie gesagt ist dein Rassismusbegriff voellig kenntnislos und gewissermassen veraltet. Allein der auf den Islam bezogene Satz

    „Die Ehe ist auf Fortpflanzung angelegt und folgt keinem Ideal der romantischen Liebe nach westlichem Verständnis.“

    ist Rassismus pur und steht in Entmenschlichungstraditionen, die auch der NS in aehnlicher Weise auf Juden, Roma und Sinti anwandte, mal ganz zu schweigen davon, dass der LSVD noch nie etwas von der muslimischen ars erotica gehoert zu haben cheint, die in diametralem Gegensatz zu den christlichen bzw. westlichen Gestaendnispraktiken steht, die heute in die Pornographie muendeten.

  5. 5 TaP 30. Juni 2010 um 2:18 Uhr

    „Beeindruckend, meine 20minuetige Recherche wird mit einem Arbeitspensum von >2 h Analysetaetigkeit belohnt.“

    Da ein Rassismus-Vorwurf ja nicht gerade eine Nebensächlichkeit ist, hätten vielleicht auch diejenigen, die den Rassismus-Vorwurf erheben, 2 Std. Zeit auf die Beweisführung verwenden sollen, statt sich mit vagen Eindrücken oder immerhin – wie Du – mit 20 Min. Rechereche zu bescheiden.

    “ Wie gesagt ist dein Rassismusbegriff voellig kenntnislos und gewissermassen veraltet.“

    Ja, wird wohl so sein; glaube ich Dir jetzt einfach mal, da Du keine lehrreichen Informationen anführst.

    „Allein der auf den Islam bezogene Satz
    ‚Die Ehe ist auf Fortpflanzung angelegt und folgt keinem Ideal der romantischen Liebe nach westlichem Verständnis.‘
    ist Rassismus pur und steht in Entmenschlichungstraditionen, die auch der NS in aehnlicher Weise auf Juden, Roma und Sinti anwandte,“

    a) Adjektive können keine Argumente ersetzen. Wenn Du schon nicht begründen kannst, daß es sich um Rassismus handelt, dann hilft es Dir auch nicht, daß Du Dich in die Steigerung „Rassismus pur“ flüchtest.

    b) „Entmenschlichungstradition“????? – Warum ist „Fortpflanzung“ statt „romantische Liebe“ Deines Erachtens ‚unmenschlich‘? (Und nebenbei: Die Problematisierungen des Ideals der romantischen Liebe hast Du schon mal zur Kenntnis genommen?)

    „mal ganz zu schweigen davon, dass der LSVD noch nie etwas von der muslimischen ars erotica gehoert zu haben cheint, die in diametralem Gegensatz zu den christlichen bzw. westlichen Gestaendnispraktiken steht, die heute in die Pornographie muendeten.“

    Könntest Du bitte noch den Zusammenhang zum Ideal der romantischen Liebe explizieren? (Und bitte so, es auch so „kenntnislose“ und „veraltet[e]“ Wesen wie ich es verstehen – falls das geht…)

  6. 6 Zara 30. Juni 2010 um 14:54 Uhr

    @Andreas
    Wie gesagt ist dein Rassismusbegriff voellig kenntnislos und gewissermassen veraltet.

    Nein, TaP könnte auch einfach einen anderen Rassismusbegriff als du haben. Er folgt vielleicht nur nicht deiner critical whiteness oder postkolonialen Ideologie. Damit ist sein Rassismusbegriff weder kenntnislos noch veraltet, sondern einfach eine andere Theorie-Linie.
    Es gibt zig Rassismusdefinitionen, warum meinst du mit deiner grünalternativen Ideologie die Definitionsmacht über diesen Begriff zu haben?

  7. 7 TaP 01. Juli 2010 um 8:59 Uhr

    @ Zara:

    In Anbetracht der unterschiedlichen Tendenzen, die es auch im Feld von critical whiteness oder postcolonial studies gibt, würde ich meinerseits die grundlegende Differenz nicht als theoretische Differenz zwischen denen und mir verstehen.
    Der Punkt ist vielmehr ein methodologischer: Reicht es, eine allgemeine Theorie zu haben? Oder ist, wenn ich Leute unter Berufung auf diese Theorie als rassistisch bezeichne, notwendig zu beweisen, daß die Äußerungen und Handlungen dieser Leute unter die von ciritical whiteness oder postcolonial studies analysierten Phänomene fallen bzw. zu diesen Phänomenen gehören?
    Das Problem ist nicht die wissenschaftliche Theorie, sondern daß Leute wie Andreas unter Umgehung jeder Beweisführung die wissenschaftliche Theorie zum Instrument der politischen Verleumdung machen.

    Und andere Fraktionen der Linken machen es ganz genauso: Die einen werfen ohne jede Beweisführung mit Rassismus-Vorwürfen um sich und die anderen mit Antisemitismus-Vorwürfen [2.c) und die zugehörigen Kommentare sowie dort [mein Beitrag v. 25.5. 17:22 h und die anschließenden Kommentare]). Es ist diese Verlodderung der Diskussionskultur, der entgegengetreten werden muß.

  8. 8 Zara 01. Juli 2010 um 12:00 Uhr

    Ich sehe an dieser Stelle weniger das Problem in der Verlodderung der Diskussionskultur, die sehe ich auch, aber in allen Bereichen.
    Das Problem mit critical whiteness oder postcolonial studies sehe ich darin, dass hier eine Theorie aufkommt, die eine von vielen ist, diese dann so gehyped wird und plötzlich diese beansprucht allein definieren zu können was Rassismus ist. Letzteres findet dann mit einer Vehemenz statt, die ihresgleichen sucht.
    Dabei ist es eine, was du wahrscheinlich nicht teilen würst, wie schon geschrieben, grünalternative, bestenfalls linksliberale-postmoderne Theorie, die aus den Elfenbeintürmen der bürgerlichen Wissenschaft heruntergekrabbelt kommt. Es ist doch kein Wunder, dass jemand wie Butler, die es ablehnt auf einem Kongress zu sprechen, wo es im entferntesten um Kommunismus geht, so eine Theorie ganz toll findet. Und dies ließe sich für das Gros der postkolonialen TheoretikerInnen konstatieren(auch wenn sie sich selber bisweilen als MarxistInnen verstehen, aber das ist dann in der Regel eher putzig). Diese Theorien brechen im Grunde mit fast sämtlichen Essentials radikaler Ansätze, allein die Perspektive, die critical whiteness einnimmt, das Problem ganz pietistisch im Individuum und nicht in den gesellschaftlichen Verhältnissen zu verortnen macht das deutlich.
    Deshalb wehre ich mich nur dagegen von der Grünen Jugend&co diktiert zu bekommen, was Rassismus ist.
    Beispielsweise vertreten die Exponentinnen der Berliner critical whiteness Studies, also z.B. Arndt und Hornscheidt, dass nur Schwarze Opfer von Rassismus sein können(s. Einleitung in Mythen, Masken und Subjekte). Und dieser Blödsinn wird dann von den Fußtruppen in die Welt posaunt, ohne, dass diese, die sich vielfach auch als linksradikal verstehen, auch nur mal über die Konsequenzen dieser Theorie und die Vereinbarkeit mit radikaler Gesellschaftskritik nachdenken. Diese Unreflektiertheit, diese Unfähigkeit zur Argumentation(„wenn ich das sage, dann ist das rassistisch“) in Kombination mit der absoluten Selbstgewissheit gerade die Wahrheit zu predigen, ist das Problem.
    Wenn sie sagen würden, „für mich ist das rassistisch, weil … aber ich verstehe auch, dass es andere Definitionen gibt unter denen das nicht rassistisch ist“, dann könnte darüber diskutiert werden, aber so…?
    Butler weiß bis heute nicht, wie das heutige taz-Interview zeigt, warum das Verhalten der CSD-Orga rassistisch sei. Sie braucht es auch nicht zu wissen, es reicht der Glaube auf der richtigen Seite der Barrikade zu stehen und das ist symptomathisch für die VertreterInnen dieser Strömungen.

  9. 9 TaP 01. Juli 2010 um 13:48 Uhr
  10. 10 TaP 01. Juli 2010 um 19:29 Uhr

    @ Zara (01. Juli 2010 um 12:00 Uhr):

    „Diese Theorien brechen im Grunde mit fast sämtlichen Essentials radikaler Ansätze, allein die Perspektive, die critical whiteness einnimmt, das Problem ganz pietistisch im Individuum und nicht in den gesellschaftlichen Verhältnissen zu verortnen macht das deutlich.“

    Ja, das sehe ich ähnlich: http://maedchenmannschaft.net/judith-butler-und-die-schwul-lesbische-dekonstruktion/#comment-29667.
    Aber ich würde schon sagen, daß das gesellschaftstheoretische Niveau von postcolonial studies (vgl. auch: http://theoriealspraxis.blogsport.de/andere/, Abschnitt A.II sowie IV.) deutlich höher ist das der ganzen frühen deutschen Rassismus-Diskussion (vgl. meinen eigenen Versuch: http://theoriealspraxis.blogsport.de/1990/09/28/scheidelinien-anja-meulenbelt-ueber-sexismus-rassismus-und-klassismus/), und daß die neuere Intersektionalitäts-Diskussion eine Re-Materialisierung gegenüber dem Schweben im reinen Diskurs von vielen Postmodernen bedeutet (diese Re-Materialisierung freilich überwiegend im Rahmen eines klassisch-sozialdemokratischen Horizonts von ’sozialer Gleichheit“).

    „Beispielsweise vertreten die Exponentinnen der Berliner critical whiteness Studies, also z.B. Arndt und Hornscheidt, dass nur Schwarze Opfer von Rassismus sein können(s. Einleitung in Mythen, Masken und Subjekte).“

    „Schwarze“ von denen jetzt wie definiert?

  11. 11 Zara 01. Juli 2010 um 20:10 Uhr

    Aber ich würde schon sagen, daß das gesellschaftstheoretische Niveau von postcolonial studies (vgl. auch: http://theoriealspraxis.blogsport.de/andere/, Abschnitt A.II sowie IV.) deutlich höher ist das der ganzen frühen deutschen Rassismus-Diskussion

    Das kann ich nur sehr begrenzt beurteilen, da ich mich mit der früheren deutschen Rassismus-Diskussion nur rudimentär beschäftigt habe. Ich habe aber auch hier eher das Gefühl, genauso wie hier:

    „neuere Intersektionalitäts-Diskussion eine Re-Materialisierung gegenüber dem Schweben im reinen Diskurs von vielen Postmodernen bedeutet“

    dass sie ihren Niveau-Fortschritt nicht aus einer Weiterentwicklung und Erkenntnisgewinnung ziehen, sondern er vielmehr auf einer Verschiebung basiert. Sie wollen nicht mehr materialistisch die Realität erfassen, sondern bauen sich ein abgeschlossenes System, das in sich natürlich widerspruchsfrei ist, aber für das ganz viele Grundannahmen getroffen werden müssen. Wenn man die mal getroffen hat, dann ist alles nur logisch und stringent, deshalb auch ihre von mir kritisierte Vehemenz. Diese Grundannahmen stehen aber schon im Widerspruch zu materialistischen Ansätzen.
    Hier ähnelns sich diese postmodernen/poststrukturalistischen Theorien, auch Foucaults Machtanalyse beispielsweise ist ähnlich aufgebaut.

    „(diese Re-Materialisierung freilich überwiegend im Rahmen eines klassisch-sozialdemokratischen Horizonts von ’sozialer Gleichheit“).“

    Genau, und dies ist eben schon so eine Verschiebung. Sie fragen nicht danach, wie Rassismus funktioniert, warum er benutzt wird, sondern ihnen geht es um die Identität von sozialen Gruppen, da können sie dann ihre Interdependenz-Werkzeuge(Achsenmodell, additive oder multiplikative Verschränkungen, doing difference oder was sie sich auch immer noch ausgedacht haben) hervorholen und ja fast schon Prozentangaben darüber erstellen, wer wie auf grund seiner Identität diskriminiert wird. Sie wollen wissen, wer wie diskriminiert wird, um dann ihm so und soviel Unterstützung zu kommen zu lassen. Deshalb hier der Vorwurf des Linksliberalismus, es ist klassische Antidiskriminierungspolitik, die 20 Jahre nach 3zu1 noch immer mainstream der sich radikal verstehenden Linken ist.
    Ihren Hype ziehen sie halt nur aus der Änderung der Frage und nicht aus der Gewinnung neuer Erkenntnisse.

    Viel besser hat das Tove Soiland auf den Punkt gebracht: http://www.querelles-net.de/index.php/qn/article/view/694/702

    „Schwarze“ von denen jetzt wie definiert?

    So, das die Kritik trifft, also im Sinne von Menschen mit dunkler Hautfarbe, nicht Schwarze als politischer Begriff. Sie schließen also explizit beispielsweise AsiatInnen aus, was auch im Buch in einem anderen Beitrag kritisiert wird.

  12. 12 TaP 01. Juli 2010 um 21:03 Uhr

    @ Andreas (1. Juli 2010 um 13:01 bei der Mädchenmannschaft):

    “du vermutest offenbar in dem Begriffs-4-tupel ‘natio-ethno-kulturelle Herkunft’ wuerde ein logisches UND zwischen den drei vorderen Attributen stehen,”

    Wer/welche statt dessen “oder” meint, sollte auch “oder” schreiben und nicht Bindestriche setzen.

    “so ist das aber zweifellos nicht gemeint,”

    “zweifellos” – das ist ein gutes Argument.

    “wie aus der Benutzung der Def. im Diskurs folgt […]
    Erstens, werden Menschen aufgrund bestimmter physiognomischer und/oder sozialer Merkmale differenziert(..)”

    “soziale[s] Merkmal” – das kann zum Beispiel ein Paß sein (= Nationalität). Aus dem Ausdruck “soziale Merkmale” folgt für die Frage, ob kulturelle Diskriminierungen, die nicht mit “natio-ethno” verbunden sind, sinnvollerweise als “Rassismus” bezeichnet werden sollen, rein gar nichts.

    “die Voraussetzung ist also die soziale Differenzierung; von Seiten des LSVD, maneos etc. hinreichend durch Vermutungen, gewisse ‘Migranten’ neigten intrinsisch staerker zur Schwulenfeindlichkeit, in gewissen Kreisen gaebe es keine ‘romantischen Ehen’ oder wuerde die Scharia an Schulen favorisiert etc. exemplifiziert.”

    1. Das “intrinsisch” ist Deine Unterstellung; das findet sich nicht in den von Dir genannten Quellen.
    2. “durch Vermutungen [von Seiten des LSVD, maneos etc. ]” – dann widerleg sie doch einfach, wenn Du sie für unzutreffend hälst.
    3. Und was soll daraus jetzt folgen? Weil LSVD etc. “soziale Differenzierung[en]” ‘vermuten’, sind sie rasstisch?!
    Du produzierst doch nur heiße Luft.

    “Da ist also zunaechst einmal die Differenzierung und dann kommt es zu einer kulturellen Zuschreibung, die ueber einen kulturalistischen Begriff des Islam erfolgt, also nicht allein ueber Religion, sondern ueber deren Kulturalisierung”

    Weise diese Verknüpfung mal konkret anhand der Texte nach; anhand der darkmatter-Kritik an der Süddeutschen Zeitung habe ich nachgewiesen, daß die SZ ganz klar von zwei unterschiedlichen Kriterien spricht (“außerdem”) und die Verschmelzung eine Projektion ist, die darkmatter vornimmt (S. 8).

    Zu sagen, sowohl unter MigrantInnen (oder umgekehrt Nicht-MigrantInnen) als auch unter MuslimInnen (oder Nicht-MuslimInnen) ist Homophobie überproportional vertreten, ist methodisch genauso korrekt wie zu sagen sowohl unter AkademikerInnen als auch unter Frauen gibt es überproportional viele Grüner-WählerInnen.

    “in solchen Dingen ist also Logik, wir wir sehen, immens wichtig,”

    Ja, Herr Lehrer.

    “das soziale wird also auf die Kultur […] zurueckgespielt. […] Kulturalisierung des Sozialen.”

    Ergo: Jede Kulturalisierung ist also Rassismus?!

    @ Andreas (1. Juli 2010 um 13:38 bei der Mädchenmannschaft):

    “sie verneint an keiner Stelle, dass es sinnvoll ist Homophobie in ‘Migrantencommunities’ diskursiv zu besetzen,”

    “diskursiv besetzen” – wow.

    “weder in der taz, noch in der SZ, noch im tagesspiegel,”

    Nur sind die nicht der CSD bzw. die Zivilcourage-PreisverleiherInnen.

    “Es geht Butler (und mir) also nur um die Objektivitaet der oeffentlichen Diskurse, und das ist Butlers politische Agenda, nicht ihre wissenschaftliche.”

    Butler hat aber nicht die deutsche Öffentlichkeit im allgemeinen als hegemonial rassistisch bezeichnet (was zutreffend wäre), sondern den CSD (was zu beweisen bleibt).

    Andreas, Du bist ein Schwätzer.

  13. 13 TaP 01. Juli 2010 um 21:40 Uhr

    @ Zara:

    „Hier ähnelns sich diese postmodernen/poststrukturalistischen Theorien, auch Foucaults Machtanalyse beispielsweise ist ähnlich aufgebaut.“

    Auch die würde ich – trotz gewisser Zweideutigkeit – nicht grundsätzlich verwerfen wollen: http://edoc.hu-berlin.de/dissertationen/schulze-detlef-georgia-2004-06-10/PDF/schulze.pdf, S. 72 – 77.

    „warum er benutzt wird,“

    Von wem denn benutzt? Läuft das auf eine ausschließlich kapital-funktionale Rassismus-Erklärung hinaus (‚Das Kapital benutzt den Rassismus, um die ArbeiterInnenklasse zu spalten.‘)? Damit wäre ich nicht einverstanden.

    „Viel besser hat das Tove Soiland auf den Punkt gebracht: http://www.querelles-net.de/index.php/qn/article/view/694/702

    Den Text muß ich erstmal lesen; ich fand diesen hier von ihr ziemlich erfrischen (auch, wenn ich ein paar Einwände hätte): Die Reprivatisierung des Geschlechts .

  14. 14 TaP 03. Juli 2010 um 17:53 Uhr

    @ Zara:

    Ein paar Anmerkungen zu dem Aufsatz von Tove habe ich als separaten Beitrag gepostet:

    http://theoriealspraxis.blogsport.de/2010/07/03/intersektionalitaet-und-gesellschaftstheorie/.

  15. 15 andreas 07. Juli 2010 um 2:06 Uhr

    Wer/welche statt dessen “oder” meint, sollte auch “oder” schreiben und nicht Bindestriche setzen.

    ach und Bindestriche als UND zu verstehen und diese Praemisse zu verschweigen lernt man im Jura-Studium?

    “soziale[s] Merkmal” – das kann zum Beispiel ein Paß sein (= Nationalität). Aus dem Ausdruck “soziale Merkmale” folgt für die Frage, ob kulturelle Diskriminierungen, die nicht mit “natio-ethno” verbunden sind, sinnvollerweise als “Rassismus” bezeichnet werden sollen, rein gar nichts.

    TaP, du solltest dir wirklich angewohenen, die Texte der anderen zu lesen und sie versuchen zu verstehen, bevor du dein Arsenal aus Juristen-‘Logik‘ darauf anwendest, das ist ja geradezu unertraeglich schlecht.

  16. 16 andreas 07. Juli 2010 um 2:12 Uhr

    noch einmal langsam::

    es existieren soziale Merkamle, die, wenn sie -in geeignetem Sinne- kulturalisiert werden, rassistische Diskurse zumindest anreichern, vielleicht sollte ich es so formulieren, bevor eine Logik, die ihre eigenen Praemissen nicht kennt, einfach gesprochen, jeden Sinn in einem Stakkato von Seminaristenwirrnis vernichtet. Und tschuess.

  17. 17 andreas 07. Juli 2010 um 2:46 Uhr

    „So, das die Kritik trifft, also im Sinne von Menschen mit dunkler Hautfarbe, nicht Schwarze als politischer Begriff. Sie schließen also explizit beispielsweise AsiatInnen aus, was auch im Buch in einem anderen Beitrag kritisiert wird. “

    wer ist denn dein ’sie‘, Schwarz steht hier funktional fuer die von einem u.a. durch ein Machtgefaelle ausgezeichneten ‚Rassismus‘ Betroffene, dieses Machtgefaelle wird historisch-politisch begriffen, also ist der Rassismus ein politischer Begriff. Menschen, die diesem Machtgefaelle ausgesetzt werden, wehren sich gegen einen diesen Machtstrukturen entgegenkommenden Rassismusbegriff, wie er hier benutzt oder nahelegt wird, seit Jahrezehnten, offenbar mit einigem Grund.

  18. 18 TaP 07. Juli 2010 um 9:33 Uhr

    @ Andreas (07. Juli 2010 um 2:06 Uhr – 2:46 Uhr):

    „Bindestriche als UND zu verstehen“

    Ja. genau. Eine deutsch-tschechische Handelskammer ist nicht eine Kammer, die sich um die Autarkie eines oder beider Länder kümmert, sondern um den Handel, den beide Länder mit einandner treiben; den sowjetisch-chinesischen Krieg, führte nicht eines der beiden Ländern mit sich selbst, sondern beide gegeneinander; eine Nickel-Kupfer-Legierung besteht aus beiden Stoffen und nicht aus einem der beiden; ein Apfel-Streusel-Kuchen besteht nicht aus Streußeln oder Äpfeln, sondern aus Streußeln und Äpfeln.

    „wer ist denn dein ’sie‘,“

    Das in dem Satz von Zara (01. Juli 2010 um 20:10 Uhr) gemeinte „sie“ sind die bereits am 01. Juli 2010 um 12:00 Uhr von Zara erwähnten „Exponentinnen der Berliner critical whiteness Studies, also z.B. Arndt und Hornscheidt“ (vgl. dazu meine Nachfrage 01. Juli 2010 um 13:48 Uhr)

    „Schwarz steht hier funktional fuer die von einem u.a. durch ein Machtgefaelle ausgezeichneten ‚Rassismus‘ Betroffene, dieses Machtgefaelle wird historisch-politisch begriffen, also ist der Rassismus ein politischer Begriff.“

    Eben nicht – jedenfalls, wenn Zara korrekt zitiert, denn danach leugnen die Herausgeberinnen das „Machtgefälle“ zwischen weißen EuropäerInnen und AsiatInnen:

    „Sie schließen also explizit beispielsweise AsiatInnen aus, was auch im Buch in einem anderen Beitrag kritisiert wird.“ (01. Juli 2010 um 20:10 Uhr).

  19. 19 Nichtidentisches 07. Juli 2010 um 12:35 Uhr

    Danke für den Artikel, er erspart mir die Arbeit.

    Ich habe stundenlang nach der viel berufenen „heftigen Diskussion“ gefahndet, die Butler ausgelöst haben soll und nichts als Pappkameraden gefunden. Keinerlei Belege, never. Und leider auch wenig Kritik daran, auf Maneo fand ich etwa keine Stellungnahme.

    Deine Zitate belegen mir, dass der übliche Popanz zu erwarten ist, wenn es in Deutschland um Rassismuskritim geht. Nämlich nicht darum, endlich Menschen die offen rassistischen Asylpraktiken und Visabeschränkungen zu ersparen und den Tabubruch-Strategien Sarrazins und anverwandter Geister souverän Grenzen zu setzen. Sondern noch um Verteidigung der reaktionärsten Ideologien solange sie (noch in sich rassistisch) dem Ausland zugerechnet werden.

    Bytheway „Migrationshintergrund“ ist tatsächlich eine merkwürdige Frage, meines Erachtens gibt es gerade in der türkisch-deutschen jungen Generation einen ausgeprägten Gay-Schick und sehr nette Styles, während auf Seiten der deutschen Dorfjugenden doch stilistische Monotonie herrscht, die radikal binär und homophob durchwachsen ist. Dass dadurch aber schon das Problem einer nicht unbedingt kleinen, aggressiven dezidiert islamisch/türkischen Anti-Homo-Lobby nivelliert wird, ist fatal.

  20. 20 TaP 07. Juli 2010 um 12:54 Uhr

    Naja,
    inzwischen gibt es schon ein paar Belege

    http://maedchenblog.blogsport.de/2010/07/04/na-also-warum-nicht-gleich-so/
    und
    http://maedchenblog.blogsport.de/2010/07/04/na-also-warum-nicht-gleich-so/#comment-42891
    und
    http://maedchenblog.blogsport.de/2010/07/04/na-also-warum-nicht-gleich-so/#comment-42946 (am Ende)

    + Die Maneo-Zahlen sind in der Tat tendenziös, weil sie von der geographischen Verteilung abstrahieren.
    + Vom LSVD Berlin gibt es weitere fragwürdige Presseerklärungen.
    + Und Siegessäulen-Artikel scheinen mir auch zurecht kritisieren worden zu sein.

  21. 21 andreas 07. Juli 2010 um 23:38 Uhr

    „Das in dem Satz von Zara (01. Juli 2010 um 20:10 Uhr) gemeinte „sie“ sind die bereits am 01. Juli 2010 um 12:00 Uhr von Zara erwähnten „Exponentinnen der Berliner critical whiteness Studies, also z.B. Arndt und Hornscheidt“ (vgl. dazu meine Nachfrage 01. Juli 2010 um 13:48 Uhr)“

    ja, das habe ich befuerchtet, warum nicht einmal nuechtern zur Kenntnis nehmen, dass es auch PoC in Deutschland inzwischen auf Uni-Stellen geschafft haben, liebeR Detlef-Georgia?

    (btw. dass hier ernsthaft versucht wurde, meine nobrainer-Freizeit-google-adhoc-Recherche als Beleg der mangelnden Konsistenz der Rassismus-Vorwuerfe Butlers an den LSVD&co. heranzuziehen spricht Baende, es ist ungefaehr so, man entschuldige diesen Vergleich, als wuerde man versuchen, auf der Grundlage eines taz-Artikels ueber ein Vereinshaus der NPD die Fadenscheinigkeit jedes NPD-Verbotsversuchs zu belegen wissen, sehr seltsames Vorgehen, sollte das ein Induktionsbeweis werden? har har)

  22. 22 andreas 07. Juli 2010 um 23:53 Uhr

    Kopulativkomposita (parataktische Komposita) [Bearbeiten]

    Kopulativkomposita (auch: Dvandva, Koordinativkomposita) sind Komposita aus zwei oder mehr Bestandteilen derselben Kategorie, welche in einem Verhältnis der Koordination (ein „parataktisches (nebengeordnetes) Verhältnis“[14]) und nicht der Über- oder Unterordnung stehen. Das Besondere der Kopulativkomposita ist, dass die Konstituenten semantisch gleichwertig sind und nicht die eine der anderen untergeordnet ist. Deshalb spricht man hier von Kopflosigkeit oder auch von Doppelköpfigkeit.

    * Beispiele: süßsauer, nasskalt, gelbrot, Hosenrock, aber auch mit Bindestrich: Castrop-Rauxel, Elsaß-Lothringen, Nordrhein-Westfalen und Zahladjektive wie einundzwanzig, Fahnenfarben wie schwarzrotgold, die aber in der Reihenfolge konventionalisiert sind.

    Wenn die Reihenfolge nicht lexikalisiert ist, können (theoretisch) die Glieder ohne Sinnverlust vertauscht werden, wie bei Spieler-Trainer sowie Trainer-Spieler.[15]

    In manchen Fällen sind Bildungen wie graublau je nach Wortakzentuierung und Kontext determinativ oder kopulativ interpretierbar.

    http://de.wikipedia.org/wiki/Komposition_%28Grammatik%29

  23. 23 andreas 08. Juli 2010 um 0:07 Uhr

    (ist man in Elsass-Lothringen eigentlich immer gleichzeitig im Elsass UND in Lothringen?)

  24. 24 Zara 08. Juli 2010 um 1:41 Uhr

    ja, das habe ich befuerchtet, warum nicht einmal nuechtern zur Kenntnis nehmen, dass es auch PoC in Deutschland inzwischen auf Uni-Stellen geschafft haben?

    Und wieso, weshalb? Exponentinnen meinte schon genau dies, da ist es egal, ob es daneben auch andere gibt, die diese Ideologie von Uni-Stellen aus propagieren.

    sollte das ein Induktionsbeweis werden? har har

    In etwa so?
    1) Andreas kann den Rassismusvorwurf nicht begründen.
    2) Ein Vertreter der critical whiteness kann Rassismusvorwürfe nicht besser begründen, wie ein anderer.

    1) wurde bewiesen, jetzt müssen wir noch 2) zeigen und dann haben wir bewiesen, dass dieser Rassismusvorwurf nicht zu begründen ist?!

  25. 25 TaP 08. Juli 2010 um 20:01 Uhr

    @ Andreas:

    1. Zara hat von Anfang gesagt, welche sie mit dem Satz kritisiert – nämlich „Arndt und Hornscheidt“. Und auf meine Nachfrage hin, hat sie den Text benannt, auf den sich die Kritik bezieht.
    Genau das ist eine ernsthafte Kritik (im Gegensatz zu einer Vorgehensweise, die die Objekte ihrer ‚Kritik‘ nicht benennt).
    Das ist das einzige, worauf es hier ankommt. Daß es darüber hinaus noch weitere WissenschaftlerInnen gibt, die Rassismus-Forschung betreiben, spielt für diesen Punkt keinerlei Rolle.

    2. Butler hatte – im Gegensatz zu Dir – keinerlei Beispiele angeführt.

    3. Es ging mir nie darum, Butler zu widerlegen. Ich hatte nur auf der altmodischen Ansicht beharrt, daß Behauptungen ohne Belege keine Beweise sind. Daß deshalb noch lange nicht das Gegenteil wahr ist (also der CSD nicht rassistisch ist), liegt auf der Hand und hatte ich auch nie behauptet.

    4. Mittlerweile liegen einige Belege für den Rassismus-Vorwurf, die allerdings weder von Dir noch von Judith Butler vorgebracht wurden, vor. In dem Kommentar unmittelbar vor Deinen drei Kommentaren hättest Du das zur Kenntnis nehmen können (TaP – 07. Juli 2010 um 12:54 Uhr).

    5. Dein Verhältnis zur Linguistik scheint auf einem genauso großen Mißverstehen zu beruhen, wie Dein Verhältnis zur Logik (vgl. die Ausgangsdebatte bei der Mädchenmannschaft):
    Was ist denn nun mit „süßsauer“, „nasskalt“ usw.?! Die Sachen sind sowohl süß als auch sauer; sowohl naß als auch kalt. Auch wenn von „Elsaß-Lothringen“ und/oder „Nordrhein-Westfalen“ gesprochen wird, ist jeweils das Gesamtgebiet gemeint: Elsaß und Lothringen bzw. das nordheinische Gebiet und Westfalen.
    Etwas anderes folgt auch nicht aus Deinem von Dir fett gesetzten Wikipedia-Zitat.

    6. Zur Erinnerung daran, worum es bei der linguistischen Kontroverse überhaupt ging: Es ging, um die Frage, ob aus folgendem Zitat – wie Andreas meint – herausgelesen werden kann, daß (nach Ansicht des/der/der Zitat-AutorIn[nen]) jede Diskriminierung (wegen) einer bestimmten Kultur (z.B.: Religion, z.B.: Islam) per se rassistisch ist oder vielmehr – so meine These – auch diesem Zitat zufolge von „Rassismus“ – im Interesse der Trennschärfe des Begriffs – nur dann gesprochen werden soll, wenn eine Verknüpfung von Kultur mit „natio-ethno“ vorliegt:

    “Danach ist Rassismus, wie er hier im Blog analysiert wird, durch folgende vier Punkte gekennzeichnet: Erstens, werden Menschen aufgrund bestimmter physiognomischer und/oder sozialer Merkmale differenziert und diese einer bestimmten natio-ethno-kulturellen Herkunft zugeschrieben (Prozess der Rassifizierung).”
    http://andersdeutsch.blogger.de/stories/1483679/

    Bezeichnet „natio-ethno-kulturellen“ also eine kummulative Verknüpfung dieser drei Gesichtspunkte (wie ich meine) oder sind die Bindestrich als alternatives „oder“ zu lesen? Wofür sprechen die Beispiele „Elsaß-Lothringen“ und „Nordrhein-Westfalen“?

  26. 26 TaP 17. Mai 2011 um 11:45 Uhr

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