Luxemburg und Lenin – Arm in Arm gegen die Kritik des Kapitalismus als „ungerecht“

1918 schrieb Rosa Luxem­burg, in einem Kapi­tel, das sie zu Meh­rings Karl Marx. Geschichte sei­nes Lebens (Leip­zi­ger Buch­dru­cke­rei) bei­steu­erte: „[…] die Schu­len der Sozia­lis­ten, die vor Marx auf­tra­ten, [erklär­ten] die Berei­che­rung der Kapi­ta­lis­ten zu aller­meist als glatte Prel­le­rei, ja als Dieb­stahl an den Arbei­tern, der durch die Dazwi­schen­kunft des Gel­des oder durch Man­gel an Orga­ni­sa­tion des Pro­duk­ti­ons­pro­zes­ses ermög­licht werde. Von hier aus kamen jene Sozia­lis­ten zu ver­schie­de­nen uto­pi­schen Plä­nen, wie man durch Abschaf­fung des Gel­des, durch ‚Orga­ni­sa­tion der Arbeit’ und der­glei­chen mehr die Aus­beu­tung besei­ti­gen könne. Marx deckt nun im ers­ten Band des ‚Kapi­tals’ die wirk­li­che Wur­zel der kapi­ta­lis­ti­schen Berei­che­rung auf. Er befaßt sich weder mit Recht­fer­ti­gungs­grün­den für die Kapi­ta­lis­ten noch mit Ankla­gen gegen ihre Unge­rech­tig­keit: […]. Marx erklärt also die kapi­ta­lis­ti­sche Berei­che­rung nicht als irgend­eine Ver­gü­tung des Kapi­ta­lis­ten für ein­ge­bil­dete Opfer und Wohl­ta­ten und eben­so­we­nig als Prel­le­rei und Dieb­stahl im land­läu­fige Sinne des Wor­tes, son­dern als ein im Sinne des Straf­rechts völ­lig recht­mä­ßi­ges Aus­tausch­ge­schäft zwi­schen Kapi­ta­lis­ten und Arbei­ter, das sich genau nach den­sel­ben Geset­zen abwi­ckelt wie jeder andere Waren­kauf und Waren­ver­lauf auch. […]. Er [Marx] hat dar­ge­tan, daß die Aus­beu­tung erst dadurch und ledig­lich dadurch besei­tigt wer­den kann, daß der Ver­kauf der Arbeits­kraft, will sagen das Lohn­sys­tem, auf­ge­ho­ben wird.“
(378 – 387 [379, 380; vgl. S. XII zur Autor­schaft Luxem­burgs] = Rosa Luxem­burg, Gesam­melte Werke. Bd. 4, Dietz: Berlin/​DDR, 1974, 291 – 301 [292, 293; vgl. zur Erst­ver­öf­fent­li­chung: S. 301]).

Und Lenin schrieb 1912 in Zwei Uto­pien: „Die­ser [der uto­pi­sche] Sozia­lis­mus war ‚falsch’, da er den Mehr­wert als Unge­rech­tig­keit der Gesetze des Waren­aus­tauschs erklärte. Gegen die­sen Sozia­lis­mus hat­ten die Theo­re­ti­ker der bür­ger­li­chen poli­ti­schen Ökono­mie im for­mell ökono­mi­schen Sinn recht, denn aus den Geset­zen des Aus­tauschs ergibt sich der Mehr­wert ganz ‚natür­lich’, ganz ‚gerecht’.“
(in: ders., Werke. Bd. 18, Dietz: Berlin/​DDR, 1962, 347 – 351 [350]).

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