Archiv für Juni 2010

Noch einmal zu den Rassismus-Vorwürfen gegen den Berliner CSD

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Mitt­ler­weile gibt es eine ganze Reihe von Stel­lung­nah­men1 zu Judith But­lers Wei­ge­rung von vor rund zehn Tagen, den ihr ange­tra­ge­nen Zivilcourage-​​Preis anzu­neh­men. Außer der Erklä­rung von Sus­pect, die ich am Wochen­ende der geplatz­ten Preis­ver­lei­hung bereits zitiert hatte, die aber auch nicht Bezug nimmt auf kon­krete Äuße­run­gen aus dem CSD-​​Spektrum, wird But­lers Rassismus-​​Vorwurf in kei­ner die­ser zahl­rei­chen Stel­lung­nah­men mit kon­kre­ten Argu­men­ten, geschweige denn Bele­gen unter­mau­ert.

I.

Dies ist umso ver­wun­der­li­cher, als nicht nur mir auf­ge­fal­len ist, daß But­lers Kri­tik – so berech­tigt sie im Grund­satz sein dürfte und so schwie­rig es für sie selbst von Ber­ke­ley aus sein dürfte, ihre Kri­tik mit kon­kre­ten Belegen/​Zitaten zu illus­trie­ren – doch etwas in der Luft hängt.

Auf der Seite der Kam­pa­gne „IWWIT – ich weiß was ich tu“ („Und, wie sieht’s bei dir aus? Weißt du immer, was du tust, wenn es um den Schutz vor HIV und Aids geht?“) heißt es:

„Sie [But­ler] hatte es in ihrer schrift­lich vor­be­rei­te­ten Rede […] bei eher all­ge­mein gehal­te­nen Aus­sa­gen belas­sen. Warum der Ber­li­ner CSD in ihren Augen mit Pro­jek­ten koope­riere, die sich ras­sis­tisch geäu­ßert hät­ten, erklärte sie nicht.
Viele CSD-​​Besucher emp­fan­den But­lers Rede daher als dürf­tig. Von einer renom­mier­ten Den­ke­rin hätte man zumin­dest eine dif­fe­ren­zierte Begrün­dung erwar­tet, hieß es. Zumal But­ler nach der Preis­ver­lei­hung, die keine war, rasch das Weite suchte. Hin­ter­grund des Rassismus-​​Vorwurfs ist ver­mut­lich ein alter Streit in der Ber­li­ner Szene: Das Anti-​​Gewalt-​​Projekt Maneo, das zum schwu­len Info-​​ und Bera­tungs­zen­trum Mann-​​O-​​Meter gehört, hat in sei­nen Anga­ben über die Täter bei anti­sch­wu­ler Gewalt immer wie­der auch Anga­ben über deren Migra­ti­ons­hin­ter­grund gemacht. […]. Aber wie gesagt: Diese Debatte, die eine dif­fe­ren­zierte und ver­ant­wor­tungs­be­wusste Dis­kus­sion ver­langt, wurde auf der CSD-​​Bühne nicht aus­drück­lich erwähnt.“

Inso­fern liegt es nahe, wie Antje Schrupp in ihrem femi­nis­ti­schen blog „Aus Liebe zur Frei­heit“ zu schluß­fol­gern, daß die Sache „leicht auf eine mora­li­sche Schiene hin­aus“ laufe. Antje führt wei­ter aus, das führe „zu einer Kon­kur­renz darum, wer radi­ka­ler ist und mehr Recht hat als die ande­ren.“ Letz­te­res finde ich nun mei­ner­seits durch­aus unpro­ble­ma­tisch.

Aber pro­ble­ma­tisch ist, daß die Ansprü­che auf Radi­ka­li­tät und Recht haben nicht mit mehr Bele­gen und Argu­men­ten unter­mau­ert wer­den.

Judith sagte: „einige der Ver­an­stal­te­rIn­nen haben sich expli­zit ras­sis­tisch geäu­ßert bezie­hungs­weise sich nicht von die­sen Äuße­run­gen dis­tan­ziert.“

Zumin­dest den in die Ber­li­ner Dis­kus­sion invol­vier­ten Grup­pen sollte es doch wohl mög­lich sein, klar zu benen­nen: Wer/​welche hat wann was gesagt? Warum soll das ras­sis­tisch sein? Und wer/​welche hat es ver­säumt, sich von den umstrit­te­nen Äuße­run­gen zu dis­tan­zie­ren? (vgl. Nr. 3. der Anm.). Und in wel­cher Bezie­hung ste­hen diese Leute zum CSD bzw. den Preis­ver­lei­he­rIn­nen? Warum gibt es auch jetzt, rund 1 ½ Wochen nach dem Ereig­nis, immer noch kein Dossier/​Pressemappe o.ä. dazu (vgl. dort)?

II.

Mädchenmannschaft-​​Leser Andreas hat sich jetzt die Mühe gemacht, zumin­dest mal drei links zum Stand der Debatte vor Judith But­lers Inter­ven­tion zusam­men­zu­stel­len: (mehr…)

Die taz von heute verwechselt die chinesische mit der „schlesischen“ Kulturrevolution

„‚Ich will es mit den Wor­ten der schle­si­schen Kul­tur­re­vo­lu­tion sagen: Wir müs­sen das Haupt­quar­tier die­ser Phi­lo­so­phen­kö­nige bom­bar­die­ren, wenn der Kom­mu­nis­mus nicht erneut eine Herr­schafts­ideo­lo­gie wer­den soll.‘ Lachen, Applaus, zustim­mende Rufe und Pfiffe für die­sen Dis­kus­si­ons­bei­trag aus dem Publi­kum mar­kier­ten das Ende einer drei­tä­gi­gen Kon­fe­renz, die die­ses Wochen­ende unter dem Titel ‚Idee des Kom­mu­nis­mus‘ in der Ber­li­ner Volks­bühne statt­fand.“

http://www.taz.de/1/archiv/digitaz/artikel/?ressort=ku&dig=2010%2F06%2F29%2Fa0051&cHash=24bffd93be

Vgl.:
Bom­bar­diert das Haupt­quar­tier der Philosophen-​​Könige
http://​theo​rie​als​pra​xis​.blog​sport​.de/​2​0​1​0​/​0​6​/​2​7​/​b​o​m​b​a​r​d​i​e​r​t​-​d​a​s​-​h​a​u​p​t​q​u​a​r​t​i​e​r​-​d​e​r​-​p​h​i​l​o​s​o​p​h​e​n​-​k​o​e​n​i​g​e​-​oder/.

Bombardiert das Hauptquartier der Philosophen-Könige

English ver­sion: http://​qli​poth​.blog​spot​.com/​2​0​1​0​/​0​7​/​i​d​e​a​-​o​f​-​c​o​m​m​u​n​i​s​m​-​f​r​o​m​-​t​o​-​z​.html

oder: Las­sen wir ihnen ihren Alters­sitz im Elfen­bein­turm des Uni­ver­sa­lis­mus?

Was hat es auf sich mit der „Idee des Kom­mu­nis­mus“? – so läßt sich nach Abschluß der Kommunismus-​​Konferenz in der Ber­li­ner Volks­bühne, die unter eben die­sem Titel tagte, fra­gen. Fest­stel­len läßt sich eines: Beim Kon­greß war das Uni­ver­selle gegen­über dem Par­ti­ku­la­ren stets prä­sent. Und etwas Struk­tu­rel­les fiel auf: Unter 17 Refe­ren­tIn­nen gab es nur eine Frau.1

Ich doku­men­tiere im Fol­gen­den mein – leicht über­ar­bei­te­tes und erwei­ter­tes – State­ment in der Abschluß­dis­kus­sion des Kon­gres­ses.

Das Uni­ver­selle war das beherr­schende Thema des Kon­gres­ses. Dabei plä­dier­ten die meis­ten Refe­ren­tIn­nen für das Uni­ver­selle, die Gemein­schaft, die Gleich­heit und zeig­ten eine Gering­schät­zung des Par­ti­ku­la­ren. Aus dem Publi­kum gab es Kri­tik, und ande­ren unter ande­rem mit dem Ver­weis auf Marx’ Kri­tik des Gothaer Pro­gramms, wo Marx den Kom­mu­nis­mus nicht durch die Gleich­heit, son­dern durch die Befrie­di­gung der unter­schied­li­chen Bedürf­nisse cha­rak­te­ri­siert sah (‚Jedem nach sei­nen Bedürf­nis­sen.’). Lenin stimmte dem in Staat und Revo­lu­tion vehe­ment zu, und erklärte die Gleich­set­zung von Kom­mu­nis­mus und Gleich­heit für eine Ver­zer­rung des Kom­mu­nis­mus durch „bür­ger­li­che Pro­fes­so­ren“. Waren die Refe­ren­tIn­nen der Kon­fe­renz eben sol­che? (mehr…)

Männer-Kommunismus mit Alibi-Frau im Reich der Ideen – ein Zwischenbericht aus der Berliner Volksbühne

Wenn sie so wei­ter machen, haben sie gute Chan­cen, bis Sonn­tag die Zahl des Publi­kums auf die Anzahl der Refe­ren­tIn­nen zu redu­zie­ren.

Neue Text von mir beim Mädchenblog (aktualisiert)

► Judith But­ler über „soziale Gerech­tig­keit“ sowie high und happy in den Stra­ßen fei­ern (Inter­view) [mit Anmer­kun­gen]
http://​maed​chen​blog​.blog​sport​.de/​2​0​1​0​/​0​6​/​2​2​/​j​u​d​i​t​h​-​b​u​t​l​e​r​-​u​e​b​e​r​-​s​o​z​i​a​l​e​-​g​e​r​e​c​h​t​i​g​k​e​i​t​-​s​o​w​i​e​-​h​i​g​h​-​u​n​d​-​h​a​p​p​y​-​i​n​-​d​e​n​-​s​t​r​a​s​s​e​n​-​f​e​i​e​r​n​-​i​n​t​e​r​view/

► Noch ein paar Nach­träge: But­ler und der Ber­li­ner CSD
http://​maed​chen​blog​.blog​sport​.de/​2​0​1​0​/​0​6​/​2​2​/​n​o​c​h​-​e​i​n​-​p​a​a​r​-​n​a​c​h​t​r​a​e​g​e​-​b​u​t​l​e​r​-​u​n​d​-​b​e​r​l​i​n​e​r​-csd/ (mehr…)

Für Antiimperialismus ohne Gegen-Nationalismus!

Im Gegen­satz zur spä­te­ren Pra­xis des ‚real’sozialistischen Lagers und auch vie­ler post-’68 sozia­ler Bewe­gun­gen pos­tu­lierte Lenin, daß sich Kom­mu­nis­tIn­nen nicht posi­tiv auf Natio­na­lis­men bezie­hen soll­ten: Die Hal­tung von Kom­mu­nis­tIn­nen zum Natio­na­lis­mus ist eine ana­ly­ti­sche Aner­ken­nung, keine Iden­ti­fi­ka­tion.

„Der Grund­satz der Natio­na­li­tät ist in der bür­ger­li­chen Gesell­schaft unver­meid­lich, und der Mar­xist, der mit die­ser Gesell­schaft rech­net, erkennt die geschicht­li­che Berech­ti­gung natio­na­ler Bewe­gun­gen durch­aus an. Damit aber diese Aner­ken­nung nicht zu einer Apo­lo­gie des Natio­na­lis­mus werde, muß sie sich strengs­tens auf das beschrän­ken, was an die­sen Bewe­gun­gen fort­schritt­lich ist, damit sie nicht zur Ver­ne­be­lung des pro­le­ta­ri­schen Klas­sen­be­wußt­seins durch die bür­ger­li­che Ideo­lo­gie führe. Fort­schritt­lich ist das Erwa­chen der Mas­sen aus dem feu­da­len Schlaf, ihr Kampf gegen Unter­drü­ckung, für die Sou­ve­rä­ni­tät des Vol­kes, für die Sou­ve­rä­ni­tät der Nation [statt des Mon­ar­chen, TaP]. Daher die unbe­dingte Pflicht des Mar­xis­ten, auf allen Teil­ge­bie­ten der natio­na­len Frage den ent­schie­dens­ten und kon­se­quen­tes­ten Demo­kra­tis­mus zu ver­fech­ten. Das ist in der Haupt­sa­che eine nega­tive Auf­gabe. Wei­ter darf das Pro­le­ta­riat in der Unter­stüt­zung des Natio­na­lis­mus nicht gehen, denn dann beginnt die ‘posi­tive’ (beja­hende) Tätig­keit der nach Stär­kung des Natio­na­lis­mus stre­ben­den Bour­geoi­sie. Jedes feu­dale Joch, jede natio­nale Unter­drü­ckung, jed­wede Pri­vi­le­gien einer der Natio­nen oder Spra­chen abzu­schüt­teln, ist die unbe­dingte Pflicht des Pro­le­ta­ri­ats als einer demo­kra­ti­schen Kraft, ist das unbe­dingte Inter­esse des pro­le­ta­ri­schen Klas­sen­kamp­fes, der durch den natio­na­len Hader ver­dun­kelt und gehemmt wird. Aber den bür­ger­li­chen Natio­na­lis­mus über diese streng gezo­ge­nen, durch einen bestimm­ten his­to­ri­schen Rah­men gege­be­nen Gren­zen hin­aus zu för­dern, heißt das Pro­le­ta­riat ver­ra­ten und sich auf die Seite der Bour­geoi­sie schla­gen.“ (LW 20, 19 f.; engl.).

Und zumin­dest hin­sicht­lich der Klas­sen­ver­hält­nisse war ihm klar:

„Die kom­mu­nis­ti­sche Par­tei, [… muß] auch in der natio­na­len Frage […] aus­ge­hen: ers­tens von einer genauen Ein­schät­zung der kon­kre­ten his­to­ri­schen und vor allem ökono­mi­schen Situa­tion; zwei­tens von einer kla­ren Her­aus­lö­sung der Inter­es­sen der unter­drück­ten Klas­sen, der Werk­tä­ti­gen, der Aus­ge­beu­te­ten, aus dem all­ge­mei­nen Begriff der Volks­in­ter­es­sen schlecht hin; […].“

„Die Kom­mu­nis­ti­sche Inter­na­tio­nale muß ein zeit­wei­li­ges Bünd­nis mit der bür­ger­li­chen Demo­kra­tie der Kolo­nien und der zurück­ge­blie­be­nen Län­der ein­ge­hen, darf sich aber nicht mit ihr ver­schmel­zen, son­dern muß unbe­dingt die Selb­stän­dig­keit der pro­le­ta­ri­schen Bewe­gung – sogar in ihrer Keim­form – wah­ren; […].“ (LW 31, 133, 138; engl.)

Diese Ein­sich­ten gilt es heute für die ande­ren gesell­schaft­li­chen Ant­ago­nis­men zu aktua­li­sie­ren. Die Rekon­struk­tion eines revo­lu­tio­nä­ren, lin­ken Anti­im­pe­ria­lis­mus ist nur zu haben, wenn sie nicht mit einer erneu­ter Ver­schmel­zung mit Gegen-​​Nationalismen ver­bun­den wird.

Vgl. auch: http://​theo​rie​als​pra​xis​.blog​sport​.de/​2​0​1​0​/​0​6​/​0​1​/​a​u​s​-​g​e​g​e​b​e​n​e​n​-​a​n​l​a​s​s​-​a​l​t​e​r​n​a​t​i​v​e​r​-​i​m​p​e​r​i​a​l​i​s​m​u​s​-​o​d​e​r​-​a​n​t​i​i​m​p​e​r​i​a​l​i​smus/: Die Pra­xis des Anti­im­pe­ria­lis­mus sollte in der Bekämp­fung des ‚eige­nen‘ Impe­ria­lis­mus, nicht in der Unter­stü­zung von Gegen-​​Nationalismen beste­hen.

Abschrift der Preis-Annahme-Verweigerungsrede von Judith Butler beim CSD in Berlin

Bei YouTube gibt es einen Video-​​Mitschnitt, der aller­dings erst wäh­rend der schon begon­ne­nen Rede ein­setzt1:

„[…] zum Bei­spiel einige der Ver­an­stal­te­rIn­nen haben sich expli­zit ras­sis­tisch geäu­ßert bezie­hungs­weise sich nicht von die­sen Äuße­run­gen dis­tan­ziert. Die ver­an­stal­ten­den Orga­ni­sa­tio­nen wei­gern sich, anti­ras­sis­ti­sche Poli­ti­ken als wesent­li­chen Teil ihrer Arbeit zu ver­ste­hen. In die­sem Sinne muß ich mich von {die­ser Kom­pli­zen­schaft mit? – nicht genau zu ver­ste­hen, TaP} Ras­sis­mus, ein­schließ­lich anti­mus­li­mi­schen Ras­sis­mus, dis­tan­zie­ren. Wir haben alle bemerkt, daß Homo-​​, Bi-​​, Lesbisch-​​, Trans-​​, Queer-​​Leute benutzt wer­den kön­nen von jenen, die Kriege füh­ren wol­len, d.h. kul­tu­relle Kriege gegen Migran­tIn­nen durch for­cierte Isla­mo­pho­bie und mili­tä­ri­sche Kriege gegen Irak und Afgha­nis­tan. Wäh­rend die­ser Zeit und durch diese Mit­tel wer­den wir rekru­tiert für Natio­na­lis­mus und Mili­ta­ris­mus. Gegen­wär­tig behaup­ten viele euro­päi­sche Regie­run­gen, daß unsere schwule, les­bi­sche, queer Frei­heit beschützt wer­den muß, und wir sind gehal­ten, daß der neue Haß gegen Migran­tIn­nen nötig ist, um uns zu schüt­zen. Des­we­gen müs­sen wir nein sagen zu einem sol­chen deal. Und wenn man nein sagen kann unter die­sen Umstän­den, dann nenne ich das Cou­rage. Aber wer sagt nein? Und wer erlebt die­sen Ras­sis­mus? Wer sind die queers, die wirk­lich gegen eine sol­che Poli­tik kämp­fen? Wenn ich also einen Preis für Cou­rage anneh­men würde, dann müßte ich den Preis direkt an jene wei­ter­rei­chen, die wirk­lich Cou­rage demons­trie­ren. Wenn ich so könnte, dann würde ich den Preis wei­ter­rei­chen an fol­gende Grup­pen: […]“

Anmer­kun­gen:
1. Es folgt in der Rede eine Auf­zäh­lung und kurze Vor­stel­lung ver­schie­de­ner Grup­pen. (Viel­leicht habe ich spä­ter noch Muße das Video wei­ter abzu­tip­pen.)
2. Rassismus-​​Vorwürfe zu erhe­ben, ohne ein ein­zi­ges kon­kre­tes Bei­spiel, ein ein­zi­ges kon­kre­tes Zitat zu nen­nen, ist immer und auch im vor­lie­gen­den Fall zu kri­ti­sie­ren. Im vor­lie­gen­den Fall bleibt außer­dem noch in der Schwebe, ob sich die Ver­an­stal­te­rIn­nen selbst ras­sis­tisch geäu­ßert haben sol­len oder sich nur nicht dis­tan­ziert haben.
3. Eine sol­che Vor­ge­hens­weise gießt nur Öl in eine Debatte zwi­schen ‚anti­na­tio­na­len’ (ehe­mals: anti­deut­schen) und ‚anti­im­pe­ria­lis­ti­schen’ Grup­pen, deren sach­li­cher Kern seit Jah­ren immer mehr mit wech­sel­sei­ti­gen Rassismus-​​ und Antisemitismus-​​Vorwürfen, die in der Regel kaum oder nur sehr vage begrün­det wer­den, zuge­schüt­tet wird.
4. Zwei­fels­ohne ist es von Ber­ke­ley aus schwie­rig, sich zu sol­chen Ber­li­ner Lokal­strei­tig­kei­ten fun­diert und mit kon­kre­ten Bele­gen zu äußern. Aber das zeigt nur wie­der ein­mal, wie schwie­rig ist es, welt­weit poli­tisch inter­ve­nie­ren zu wol­len.
Fun­dierte Dis­kus­sio­nen, zumal wenn es um Details kon­kre­ter poli­ti­scher Aus­ein­an­der­set­zun­gen geht, benö­ti­gen den Aus­tausch von Detail-​​Wissen, und die­ser Aus­tausch benö­tigt auch unter heu­ti­gen Bedin­gun­gen erheb­li­che Zeit. Das inter­na­tio­nale Feld sollte auch heute in aller­ers­ter Linie ein Feld der theo­re­ti­schen Dis­kus­sion (ohne Zeit­druck), nicht des direk­ten poli­ti­schen Inter­ve­nie­rens (unter Zeit­druck) sein.
5. Jedes Inter­ve­nie­ren von Ferne beinhal­tet die Gefahr von Pater­na­lis­mus und Alternativ-​​Imperialismus. Wenn auch meine Sym­pa­thien alles andere als bei der refor­mis­ti­schen, kon­su­mis­ti­schen und kom­mer­zia­li­sierte Pra­xis des main­stream-CSD liegt (und erst­recht jede Sorge vor einer Kolo­nia­li­sie­rung deut­scher CSD-​​Veranstaltungen durch us-​​amerikanische Intel­lek­tu­elle fehl am Platze wäre), zeigt dies Bei­spiel von Rassismus-​​Vorwürfen ohne Belege doch, daß diese Methode des Inter­ve­nie­rens von Ferne als sol­che pro­ble­ma­tisch ist. Die fal­sche Methode wird nicht rich­tig, wenn sie für die gute Sache ange­wen­det wer­den.
6. Ohne für Mittellinien-​​Seichtigkeit und öffentlich-​​rechtliche Aus­ge­wo­gen­heit plä­die­ren zu wol­len, weist die Rede, jeden­falls soweit sie in dem ver­link­ten Video auf­ge­zeich­net wurde, doch eine gra­vie­rende Leer­stelle auf: Anti­se­mi­tis­mus in Deutsch­land, Anti­se­mi­tis­mus welt­weit, kommt in dem auf­ge­zeich­ne­ten Rede-​​Teil nicht vor.2 Und auch, daß es tat­säch­lich isla­misch (genauso wie christ­lich) begrün­dete Trans-​​ und Homo­pho­bie gibt, kommt in dem auf­ge­zeich­ne­ten Rede-​​Teil nicht vor.
Lin­ker Anti­im­pe­ria­lis­mus kann nur rekon­stru­iert wer­den, wenn infla­tio­näre Antisemitismus-​​Vorwürfe der einen Seite nicht mit Schwei­gen zu Anti­se­mi­tis­mus von der ande­ren Seite beant­wor­tet wer­den.
Lin­ker Anti­im­pe­ria­lis­mus sollte sich weder impe­ria­lis­ti­schen Natio­na­lis­mus noch anti­im­pe­ria­lis­ti­schen Gegen-​​Nationalismus zu eigen machen. Lin­ker Anti­im­pe­ria­lis­mus muß von einem anti­ka­pi­ta­lis­ti­schen, femi­nis­ti­schen, anti­ras­sis­ti­schen und gegen Anti­se­mi­tis­mus gerich­te­ten Stand­punkt aus erfol­gen. Lin­ker Anti­im­pe­ria­lis­mus kann nur rekon­stru­iert wer­den, wenn der Anti­im­pe­ria­lis­mus nicht zu einer Unter­ord­nung unter anti­im­pe­ria­lis­ti­schen Gegen-​​Nationalismus führt.
7. Zur Reak­tion der Mode­ra­to­ren auf die Preisannahme-​​Verweigerung ist alles nötig im blog im gar­ten mit satie bereits gesagt.
8. Wei­tere Anmer­kun­gen zur Preisannahme-​​Verweigerung und Hin­weise auf wei­ter­füh­rende links fin­den sich dort: http://​theo​rie​als​pra​xis​.blog​sport​.de/​2​0​1​0​/​0​6​/​2​0​/​e​i​n​e​-​r​a​d​i​k​a​l​e​-​g​e​s​t​e​-​m​i​t​-​s​c​h​a​l​e​m​-​n​e​b​e​n​g​e​s​c​h​mack/.

Nach­trag vom 25.06.2010:
► Offi­zi­elle CSD-​​Stellungnahme zu But­lers Preisannahme-​​Verweigerung [nebst Über­sicht über die bis­he­rige Dis­kus­sion]
http://​maed​chen​blog​.blog​sport​.de/​2​0​1​0​/​0​6​/​2​5​/​o​f​f​i​z​i​e​l​l​e​-​c​s​d​-​s​t​e​l​l​u​n​g​n​a​h​m​e​-​z​u​-​b​u​t​l​e​r​s​-​p​r​e​i​s​a​n​n​a​h​m​e​-​v​e​r​w​e​i​g​e​rung/

  1. Lt. http://​www​.​l​-talk​.de/​g​e​s​e​l​l​s​c​h​a​f​t​e​n​/​j​u​d​i​t​h​-​b​u​t​l​e​r​-​c​s​d​-​n​i​c​h​t​-​a​n​t​i​r​a​s​s​i​s​t​i​s​c​h​-​g​e​n​u​g​.html soll es sich nur um einige Sekun­den han­deln, die feh­len. [zurück]
  2. Vgl. dazu auch bereits zu dem Vor­trag, den Judith But­ler am Frei­tag­abend in der Ber­li­ner Volks­bühne hielt: „Manch­mal wird es ein biss­chen brenz­lig. Etwa dann, wenn But­ler sich eher unkri­tisch mit Paläs­ti­nen­sern soli­da­ri­siert, ohne mit einem Wort auf die eben­falls pre­käre Lage Isra­els ein­zu­ge­hen.“ (http://​thea​ter​.blog​sport​.de/​2​0​1​0​/​0​6​/​1​9​/​j​u​d​i​t​h​-​b​u​t​l​e​r​-​i​n​-​d​e​r​-​v​o​l​k​s​b​u​ehne/ und http://​thea​ter​.blog​sport​.de/​2​0​1​0​/​0​6​/​1​9​/​j​u​d​i​t​h​-​b​u​t​l​e​r​-​i​n​-​d​e​r​-​v​o​l​k​s​b​u​e​h​n​e​/​#​c​o​m​m​ent-3) [zurück]

Eine radikale Geste mit schalem Nebengeschmack

Wie ver­schie­dene Medien berich­ten, hat Judith But­ler den ihr ange­tra­ge­nen „Zivilcourage-​​Preis“ auf der Ber­li­ner Chris­to­pher Street Day-​​Veranstaltung aus­ge­schla­gen. „Die Ver­an­stal­tung sei ihr zu kom­mer­zi­ell und ober­fläch­lich.“, so heißt es in der Frank­fur­ter Rund­schau. Diese Kri­tik ist alle mal rich­tig, hat aber einen etwas scha­len Neben­ge­schmack, da sich But­lers Rede bei einer ande­ren Ver­an­stal­tung am Vor­abend in der Ber­li­ner Volks­bühne auch nicht gerade vor Radi­ka­li­tät über­schlug: Eine Anhäu­fung ‚ewi­ger Wahr­hei­ten’ über Frei­heit, Demo­kra­tie und Men­schen­rechte. „Das ist ja wie im Gemein­schafts­kun­de­un­ter­richt“, meinte eine mei­ner Beglei­te­rIn­nen. De-​​Konstruktion wäre in der Tat etwas ande­res gewe­sen.

Wei­ter heißt es in dem FR-​​Bericht: „Die Ver­an­stal­tung […] richte sich nicht genü­gend gegen Pro­bleme wie Ras­sis­mus und dop­pelte Dis­kri­mi­nie­rung von bei­spiels­weise Migran­ten, die homo­se­xu­ell oder trans­se­xu­ell emp­fin­den.“

Nun ja, als ob sich poli­ti­sche Radi­ka­li­tät, das an die Wur­zeln der herr­schen­den gesell­schaft­li­chen Ver­hält­nisse Gehen, an der Länge des poli­ti­schen Wunsch­zet­tel mißt, also es damit getan wäre, ein­fach auch noch etwas zu Ras­sis­mus zu sagen – und nicht daran, ob gesell­schaft­li­che Ant­ago­nis­men als sol­che erkannt und benannt wer­den und Stra­te­gien, die dem ant­ago­nis­ti­schen Cha­rak­ter der gesell­schaft­li­chen Ver­hält­nisse ange­mes­sen sind, ent­wi­ckelt wer­den. Zu kri­ti­sie­ren wäre also nicht (nur) die Rassismus-​​Blindheit der offi­zi­el­len CSD-​​Veranstaltung, son­dern auch schon die inte­gra­tio­nis­ti­sche und rechts-​​zentrierte (Homo-​​Ehe usw.) Art und Weise, in der das den offi­zi­el­len CSD tra­gende Spek­trum queere Poli­tik betreibt. Nur – in die­ser Hin­sicht unter­schied sich das, was Judith But­ler am Frei­tag­abend vor­trug, allen­falls mini­mal vom schwulles­bi­schen main­stream – obwohl gerade aus de-​​konstruktivistischer Per­spek­tive eini­ges Kri­ti­sches zu dem Rechts­idea­lis­mus und Rechts­vol­un­ta­ris­mus zu sagen wäre, der nicht nur queere Poli­tik prägt, son­dern ansons­ten durch­aus scharf ent­ge­gen­ge­setzte linke Strö­mun­gen ver­bin­det (vgl. annä­he­rungs­weise die dort und dort genann­ten Texte).

Etwas genauer berich­tet der blog im gar­ten mit satie über But­lers Aus­füh­run­gen zu dem Rassismus-​​Punkt: „Sie [But­ler] habe […] lei­der […] fest­stel­len müs­sen, dass sich die Veranstalter_​innen des kom­mer­zi­el­len CSDs von ras­sis­ti­schen und isla­mo­pho­ben Äuße­run­gen nicht dis­tan­zier­ten.“ Auch hier bleibt unklar, was genau gemeint ist. Aber das mag weni­ger der Red­ne­rin als viel­leicht viel­mehr der Bericht­er­stat­tung geschul­det sein.1 Gesagt wer­den könnte und sollte bspw. etwas zu der Ten­denz, trans-​​ und homo­phobe Gewalt zu eth­ni­sie­ren. Sus­pect weist in einer Pres­se­er­klä­rung zum hier bespro­che­nen Anlaß dar­auf hin: „Homo­pho­bie und Trans­pho­bie wer­den hier als Pro­bleme von Jugend­li­chen of Colour umde­fi­niert, die anschei­nend nicht rich­tig Deutsch kön­nen, deren Deutsch­sein immer hin­ter­fragt bleibt, und die schlicht nicht dazu­ge­hö­ren.“

Und was die Ver­nach­läs­si­gung der The­ma­ti­sie­rung der „doppelte[n] Dis­kri­mi­nie­rung von bei­spiels­weise Migran­ten, die homo­se­xu­ell oder trans­se­xu­ell emp­fin­den“ (FR – meine Hv.), bzw. von Men­schen, „die in dop­pel­ter oder drei­fa­cher Weise dis­kri­mi­niert wür­den bspw. wegen ihrer Her­kunft, ihrer sexu­el­len Ori­en­tie­rung, ihrer Behin­de­rung, ihrer Reli­gion oder ihres Geschlech­tes“ (im gar­ten mit satie – meine Hv.) anbe­langt – auch dies bleibt zum einen in der Logik des Quan­ti­ta­ti­ven („dop­pelt“, „drei­fach“), hat aber kei­nen begriff­li­chen Zugriff auf gesell­schaft­li­che Struk­tu­ren. Und zum ande­ren: An die­ser Stelle scheint es nicht schwer­punkt­mä­ßig noch ein­mal um Ras­sis­mus zu gehen, son­dern „Migran­ten“ und „Her­kunft“ sind nur bei­spiel­haft genannt. –

Aber: Was ist denn nun mit trans-​​ und homo­se­xu­ell? Und was ist mit Geschlecht? Daß der queere main­stream über ers­te­res zu wenig spricht, läßt sich wohl kaum sagen. Und was ist mit Geschlecht? But­ler selbst redete am Frei­tag­abend 1 ½ Stun­den über trans-​​ und homo­phobe Gewalt und ein biß­chen über Krieg, aber mit kei­nem Wort über Män­ner­ge­walt gegen Frauen. Das ein­zige, was Judith But­ler am Frei­tag­abend zum Thema „Geschlecht“ sagte, war eine Anne­kote über eine Kon­fe­renz, zu der sie ein­ge­la­den war. Nach der Kon­fe­renz woll­ten die Ver­an­stal­te­rin­nen mit ihr in eine Frau­en­bar gehen, wo als „Frau“ jede gel­ten sollte, die die Erfah­rung hatte, auf der Straße als Frau behan­delt zu wer­den. Auch diese durch und durch soziale und poli­ti­sche und kei­nes­falls bio­lo­gis­ti­sche Defi­ni­tion von „Frau“ war But­ler nicht queer genug, nicht trans­freund­lich (?), nicht män­ner­freund­lich (?) genug.

Auch der Auf­ruf zum trans­ge­nia­len CSD, der am kom­men­den Sams­tag (26.6.) statt­fin­det (Route: vom Rat­haus Neu­kölln zum Hein­rich­platz in Kreuz­berg 36) und auf des­sen Seite es wei­tere links zum Thema gibt, kommt ohne die Wör­ter „femi­nis­tisch“ und „Femi­nis­mus“ aus, und „geschlecht“ kommt aus­schließ­lich in die­sem Satz vor: „Noch immer sind Men­schen, die sich nicht in die zwei­ge­schlecht­li­che hete­ro­nor­ma­tive Welt pres­sen las­sen, von homo­pho­ber und trans­pho­ber Gewalt betrof­fen“.

Der A-​​, wenn nicht sogar Anti-​​Feminismus scheint der heim­li­che Kon­sens von kom­mer­zi­el­lem und trans­ge­nia­lem CSD zu sein. Der­ar­ti­gen Ent­wick­lun­gen zuzu­ar­bei­ten war kei­nes­falls das Anlie­gen von Judith But­ler, als sie vor rund 20 Jah­ren gen­der trou­ble schrieb:

„Die Viel­schich­tig­keit der Geschlechts­iden­ti­tät erfor­dert eine inter-​​ und post­dis­zi­pli­näre Serie von Dis­kur­sen, um der Domes­ti­zie­rung der Geschlechter-​​ oder Frau­en­stu­dien an der Uni­ver­si­tät zu wider­ste­hen und den Begriff der femi­nis­ti­schen Kri­tik zu radi­ka­li­sie­ren.“ (S. 13).

Den Femi­nis­mus zu radi­ka­li­sie­ren – die­ses Anlie­gen ist heute noch drin­gen­der als vor 20 Jah­ren. Nach der theo­re­ti­schen De-​​Konstruktion der Kate­go­rie Geschlecht geht es darum, zur poli­ti­schen De-​​Konstruktion der (hetero/a)sexistischen gesell­schaft­li­chen Struk­tu­ren zu schrei­ten. Dafür bedarf es mehr als der libe­ra­len Rede über „Dis­kri­mi­nie­run­gen“, „Men­schen­rechte“ und der all­um­fas­sen­den Dis­tan­zie­rung von Gewalt (tCSD: „Wir wen­den uns gegen jede Form von sexu­el­ler, psy­chi­scher und kör­per­li­cher Gewalt!“). Dafür bedarf es der Rede über Herr­schaft und Aus­beu­tung und dar­über, wie sie besei­tigt wer­den kön­nen.

„patri­ar­chy is a dif­fe­ren­tia­ted, con­tra­dic­tory struc­ture that his­to­ri­cally pro­du­ces iden­ti­cal effects dif­fer­ently. […]. All these various patri­ar­chal arran­ge­ments, in short, pro­duce the same effects: the opp­res­sion and exclu­sion of woman as other, the divi­sion of labor accor­ding to gen­der – spe­ci­fi­cally, the exploi­ta­tion of women’s labor (whe­ther in the public or pri­vate sphere) – and the denial of women’s full access to social resour­ces. Woman thus occupy the ‚same‘ posi­tion wit­hin patri­ar­chy dif­fer­ently, divi­ded by the con­junc­tions of race, class, natio­na­lity, (post)colo­nialism, and so on“ (Teresa L. Ebert, Ludic Femi­nism, the Body, Per­for­mance, and Labor: Brin­ging Mate­ria­lism Back into Femi­nist Cul­tu­ral Stu­dies, in: Cul­tu­ral Cri­ti­que No. 23, Win­ter 1992/​93, 5-​​50 [21, 22] – Hv. i. O.)

„daß in zei­ten all­ge­mei­ner ver-​​gewalt-​​ung aller lebens­be­rei­che es keine revo­lutionäre gewalt geben könne, das ist die ebene der soge­nann­ten ‚sozi­al­part­ner­schaft’. […]. wer so argu­men­tiert, ent­waff­net den auf­stand von unten: direkt und ge­schichtlich, psy­cho­lo­gisch, emo­tio­nal, poli­tisch. […]. ‚gewalt’ wird durch die dau­ernde beru­fung zur schlange, vor der die kanin­chen erstar­ren. jede gesell­schaft­li­che aus­ein­an­der­set­zung soll so auf die soge­nannte ‚demokratisch-​​rechtsstaatli­che’ ebene fixiert wer­den. […]. es ist not­wendig, öffent­lich zu unter­schei­den zwi­schen faschisti­scher gewalt, gewalt­mo­no­pol des staa­tes und rebel­lion von unten; es ist not­wen­dig, posi­tion zu bezie­hen. […]. feminis­mus ist nicht nur selbst­ver­tei­di­gung mit dem rücken zur wand und dem grauen im her­zen. femi­nis­mus ist nicht allein der gesell­schaft­li­che rück­zug in frauengemein­schaften. das empö­ren gegen unge­rech­tig­keit, die wut im bauch, die theo­rie von unter­drü­ckung und ver­än­de­rung. femi­nis­mus ist mehr als die reak­tion auf poli­ti­sche umstände oder mate­ri­elle bedin­gun­gen. femi­nis­mus ist das bewußt­sein, nicht nur von ursa­chen der unter­drü­ckung, son­dern auch von bedin­gun­gen, not­wen­dig­kei­ten, mög­lich­kei­ten der ver­än­de­rung.“
(Eine femi­nis­ti­sche Kri­tik, in: inte­rim, Nr. 229, 25.02.1993, S. 23 – 27).

Vgl. auch noch http://​theo​rie​als​pra​xis​.blog​sport​.de/​2​0​0​7​/​0​8​/​1​0​/​d​e​-​k​o​n​s​t​r​u​k​t​i​v​-​o​d​e​r​-​d​e​s​t​r​u​k​t​i​v​-​q​u​e​e​r​-​l​e​s​b​i​a​n​i​smus/.

Nach­trag vom 25.06.2010:
► Offi­zi­elle CSD-​​Stellungnahme zu But­lers Preisannahme-​​Verweigerung [nebst Über­sicht über die bis­he­rige Dis­kus­sion]
http://​maed​chen​blog​.blog​sport​.de/​2​0​1​0​/​0​6​/​2​5​/​o​f​f​i​z​i​e​l​l​e​-​c​s​d​-​s​t​e​l​l​u​n​g​n​a​h​m​e​-​z​u​-​b​u​t​l​e​r​s​-​p​r​e​i​s​a​n​n​a​h​m​e​-​v​e​r​w​e​i​g​e​rung/

  1. Nach­trag:
    Der mitt­ler­weile ver­öf­fent­lichte Rede­mit­schnitt ist aller­dings auch nicht auf­schluß­rei­cher: http://​theo​rie​als​pra​xis​.blog​sport​.de/​2​0​1​0​/​0​6​/​2​0​/​a​b​s​c​h​r​i​f​t​-​d​e​r​-​p​r​e​i​s​-​a​n​n​a​h​m​e​-​v​e​r​w​e​i​g​e​r​u​n​g​s​r​e​d​e​-​v​o​n​-​j​u​d​i​t​h​-​b​u​t​l​e​r​-​b​e​i​m​-​c​s​d​-​i​n​-​b​e​rlin/ (mit wei­te­ren Anmer­kun­gen von mir). [zurück]

Luxemburg und Lenin – Arm in Arm gegen die Kritik des Kapitalismus als „ungerecht“

1918 schrieb Rosa Luxem­burg, in einem Kapi­tel, das sie zu Meh­rings Karl Marx. Geschichte sei­nes Lebens (Leip­zi­ger Buch­dru­cke­rei) bei­steu­erte: „[…] die Schu­len der Sozia­lis­ten, die vor Marx auf­tra­ten, [erklär­ten] die Berei­che­rung der Kapi­ta­lis­ten zu aller­meist als glatte Prel­le­rei, ja als Dieb­stahl an den Arbei­tern, der durch die Dazwi­schen­kunft des Gel­des oder durch Man­gel an Orga­ni­sa­tion des Pro­duk­ti­ons­pro­zes­ses ermög­licht werde. Von hier aus kamen jene Sozia­lis­ten zu ver­schie­de­nen uto­pi­schen Plä­nen, wie man durch Abschaf­fung des Gel­des, durch ‚Orga­ni­sa­tion der Arbeit’ und der­glei­chen mehr die Aus­beu­tung besei­ti­gen könne. Marx deckt nun im ers­ten Band des ‚Kapi­tals’ die wirk­li­che Wur­zel der kapi­ta­lis­ti­schen Berei­che­rung auf. Er befaßt sich weder mit Recht­fer­ti­gungs­grün­den für die Kapi­ta­lis­ten noch mit Ankla­gen gegen ihre Unge­rech­tig­keit: […]. Marx erklärt also die kapi­ta­lis­ti­sche Berei­che­rung nicht als irgend­eine Ver­gü­tung des Kapi­ta­lis­ten für ein­ge­bil­dete Opfer und Wohl­ta­ten und eben­so­we­nig als Prel­le­rei und Dieb­stahl im land­läu­fige Sinne des Wor­tes, son­dern als ein im Sinne des Straf­rechts völ­lig recht­mä­ßi­ges Aus­tausch­ge­schäft zwi­schen Kapi­ta­lis­ten und Arbei­ter, das sich genau nach den­sel­ben Geset­zen abwi­ckelt wie jeder andere Waren­kauf und Waren­ver­lauf auch. […]. Er [Marx] hat dar­ge­tan, daß die Aus­beu­tung erst dadurch und ledig­lich dadurch besei­tigt wer­den kann, daß der Ver­kauf der Arbeits­kraft, will sagen das Lohn­sys­tem, auf­ge­ho­ben wird.“
(378 – 387 [379, 380; vgl. S. XII zur Autor­schaft Luxem­burgs] = Rosa Luxem­burg, Gesam­melte Werke. Bd. 4, Dietz: Berlin/​DDR, 1974, 291 – 301 [292, 293; vgl. zur Erst­ver­öf­fent­li­chung: S. 301]).

Und Lenin schrieb 1912 in Zwei Uto­pien: „Die­ser [der uto­pi­sche] Sozia­lis­mus war ‚falsch’, da er den Mehr­wert als Unge­rech­tig­keit der Gesetze des Waren­aus­tauschs erklärte. Gegen die­sen Sozia­lis­mus hat­ten die Theo­re­ti­ker der bür­ger­li­chen poli­ti­schen Ökono­mie im for­mell ökono­mi­schen Sinn recht, denn aus den Geset­zen des Aus­tauschs ergibt sich der Mehr­wert ganz ‚natür­lich’, ganz ‚gerecht’.“
(in: ders., Werke. Bd. 18, Dietz: Berlin/​DDR, 1962, 347 – 351 [350]).

Lenin über Ferdinand Lassalles Staatssozialismus

„Ihre [Las­sal­les und der Las­sal­lea­ner, DGS] Feh­ler lie­fen dar­auf hin, die Arbeit­par­tei auf eine bonapartisch-​​staatssozialistische Linie zu len­ken.“

(Wla­di­mir Iljitsch Lenin, August Bebel [1913], in: ders., Werke. Bd. 19, Dietz: Berlin/​DDR, 3. Aufl.: 1968 (1. Aufl.: 1962), 285 – 291 [287])

„Their [Lassalle’s and his fol­lo­wers‘, DGS] mis­take lay in diver­ting the workers’ party on to the Bonapartist-​​state-​​socialist path.“

http://​mar​xists​.anu​.edu​.au/​a​r​c​h​i​v​e​/​l​e​n​i​n​/​w​o​r​k​s​/​1​9​1​3​/​a​u​g​/​0​8.htm

Aus gegebenen Anlaß: Alternativer Imperialismus oder Antiimperialismus?

„Wir Inter­na­tio­na­lis­ten, Anti­im­pe­ria­lis­ten, Revo­lu­tio­nä­rIn­nen, Kom­mu­nis­tIn­nen, stel­len uns gegen die Ein­mi­schung der Impe­ria­lis­ten, die für ihre Inter­es­sen andere Völ­ker aus­beu­ten, knech­ten und mit Krie­gen über­zie­hen. Gleich­zei­tig aber stel­len wir uns auf die Seite der Pro­le­ta­rie­rer und unter­drück­ten Völ­ker aller Län­der. Unsere Hal­tung ist nicht, die Völ­ker [….] müs­sen sel­ber sehen, wie sie mit ihren Schläch­tern fer­tig wer­den. Wir müs­sen ihren Kampf […] mit allen uns zur Ver­fü­gung ste­hen­den Mit­teln unter­stüt­zen. Unser schlag­kräf­tigs­ter Bei­trag ist in unse­ren jewei­li­gen Län­dern den Impe­ria­lis­mus anzu­grei­fen und zu schla­gen. Für uns das der deut­sche Impe­ria­lis­mus, ‚unser‘ Haupt­feind und eine der wich­tigste Groß­mächte, […].“

aus: Trotz Alle­dem, Nr. 54, April 2010, 3 – 11 (11).