Die hohe Schule des Argumentierens: Geldkritik

Zu der hie­si­gen Aus­ein­an­der­set­zung, ob es in einer sozia­lis­ti­schen Überg­angs­ge­sell­schaft mög­lich ist, auf Geld als uni­ver­sel­lem Äqui­va­lent zu ver­zich­ten (l – 06. Sep­tem­ber 2009 um 17:28 Uhr [zu TaP – 06.09.2009; 17:17 h: „Geld (gibt’s im Sozia­lis­mus noch)“] und fol­gende Kom­men­tare), gab es kürz­lich beim Mäd­chen­blog einen Nach­schlag.

Ich doku­men­tiere hier die ent­spre­chen­den Kom­men­tare:

►► star wars – 26. Okto­ber 2009 um 19:28 Uhr

@TaP

1. Hartz IV liegt deut­lich unter­halb des sozio­kul­tu­rel­len Exis­tenz­mi­ni­mums. Wie­viel erträu­men sich die Existenzgeld-​​Fans? 1.000 Euro? 1.500 Euro? + Miete? – und das alles bedin­gungs­los? Schwach­sinn, der auch im Sozia­lis­mus nicht mög­lich sein wird. Kam damals ein Gegen­ar­gu­ment? Nein. Kam jetzt eins? Nein.

Was nötig ist wird im Kom­mu­nis­mus her­ge­stellt. Wenn für hier und jetzt nichts geht, wird die Pro­duk­tion eines Gebrauchs­ge­gen­stands für spä­ter auf­ge­ho­ben. Pro­duk­tion für Gebrauchs­werte unter­bleibt im Kom­mu­nis­mus nicht weil die Pro­duk­tion eines Gebrauchs­ge­gen­stan­des „uner­schwing­lich“ ist. Diese Denk­weise ist typisch nur für eine Pro­duk­ti­ons­weise, deren Pro­duk­ti­ons­fak­to­ren (Maschi­nen, Arbeit), not­wen­di­ger­weise, als Kos­ten­fak­to­ren in Betracht gezo­gen wer­den müs­sen.
Im Kapi­ta­lis­mus ist die Pro­duk­tion für Gebrauchs­werte bloß Mit­tel für die betriebs­wirt­schaft­lich orga­ni­sierte Akku­mu­la­tion von Tauch­wer­ten. Über­ak­ku­mu­la­tion von Fabri­ken und Gebrauch­ge­gen­stände auf der einen Seite, ande­rer­seits Not und Absen­kung des Kos­ten­fak­tor Arbeit neben­her, ist im Kapi­ta­lis­mus gar kein Pro­blem. Von Pro­duk­ti­ons­knapp­heit ist jeden­falls hin­ten und vorne gar nichts zu sehen. Unter­neh­men kon­kur­rie­ren viel­mehr um die Aneig­nung der zah­lungs­fä­hi­gen Nach­frage. Viel­mehr ent­steht Armut inmit­ten, und auf Grund­lage, des von den Arbei­tern pro­du­zier­ten Über­flus­ses an Pro­duk­ti­ons­mit­tel und Fabri­ken, über­haupt.
Unter­neh­men heut­zu­tage machen Mil­li­ar­den­ge­winne wenn sie an der Lohn­schraube dre­hen bzw. wenn sie ein­fach mal tau­sende von Arbeits­plätze ein­spa­ren wol­len. Oder auch umge­kehrt, ein Unter­neh­men kommt in die Ver­lust­zone, also müs­sen die Arbeits­zei­ten, Zwecks Ver­bes­se­rung der Ren­ta­bi­li­täts­grund­lage die­ses Unter­neh­mens, ver­län­gert wer­den. Ob Unter­neh­men Mil­li­ar­den ver­die­nen (wie oft in den 80er und 90er Jah­ren) oder wenn sie mal von einem Bank­rott bedroht wer­den (z.B. in der Wirt­schafts­krise), die Arsch­karte bezah­len grund­sätz­lich die Arbei­ter. Die Behand­lung als Kos­ten­fak­tor ist der typi­sche Grund der miss­li­chen Situa­tion, in der sie sich die Arbei­ter im Kapi­ta­lis­mus grund­sätz­lich befin­den.
Zu einem Pro­blem wird die Not der Leute im, und inner­halb, des Kapi­ta­lis­mus doch nur des­we­gen gemacht, von Berufs­na­tio­na­lis­ten und allen mög­li­chen Wirt­schafts­ex­per­ten der bür­ger­li­chen Öffent­lich­keit her­auf­be­schwo­ren, weil ihr Dasein, als wirk­li­che Lebens­not­lage, von ihrem Grund, den vor­herr­schen­den Zweck der Pro­fit­wirt­schaft, theo­re­tisch abge­trennt wird. Unter Abse­hung, des diese Lebens­not­la­gen erst her­vor­brin­gen­den Zwecks der Pro­fi­wirt­schaft, wird behaup­tet dass sie gar nicht wirk­lich not­wen­dig sind. Lebens­not­la­gen, die für den Kapi­ta­lis­mus typisch sind, wer­den zu einem „Pro­blem“ Deutsch­lands, der Rent­ner usw. in recht­fer­ti­gen­der Absicht, theo­re­tisch zurecht­ge­bo­gen. Diese „Pro­bleme“ der Nation könn­ten, so die Behaup­tung, kari­ta­tiv, bzw. durch die Ein­füh­rung von Refor­men (z.B. Exis­tenz­geld) bewäl­tigt wer­den. In Wirk­lich­keit kön­nen diese Lebens­not­la­gen nur durch Besei­ti­gung ihres Grun­des selbst, der Pro­fit­wirt­schaft, zum Ver­schwin­den gebracht wer­den.
Oder auch umge­kehrt (je nach Recht­fer­ti­gungs­in­ter­esse): Besei­tigt wer­den kön­nen die, für den Kapi­ta­lis­mus typi­schen, Lebens­not­la­gen doch über­haut nicht. Ihre Besei­ti­gung ist nicht bezahl­bar. (wer soll ein sozio­kul­tu­rel­les Exis­tenz­mi­ni­mum, über Exis­tenz­geld, über­haupt bezah­len? Wer kann sich teure Sozi­al­ver­si­che­rungs­sys­teme noch leis­ten? Usw.).
Wenn du selbst im Sozia­lis­mus über eine Geld-​​ bzw. Wert­be­rech­nungs­grund­lage pro­du­zie­ren willst, würde doch sowieso nichts für den Zweck Bedürf­nis­be­frie­di­gung dabei raus­sprin­gen. Aber Pro­bleme, die nur auf Grund­lage eines Gehirn­ge­spins­tes in die Welt kom­men („Aus­tausch von Äqui­va­len­ten“ im Sozia­lis­mus) , kön­nen wun­der­bar, über das hin und her wäl­zen von pro und kon­tras, wie­der besei­tigt wer­den Dass was du unter Sozia­lis­mus ver­stehst liegt jeden­falls viel näher an den Not­wen­dig­kei­ten des Pro­du­zie­rens der sowje­ti­schen Wirt­schafts­weise, unter Sta­lin, als der Vor­stel­lung von Kom­mu­nis­mus nach dem ori­gi­na­len Marx.

►► Anti­de­mo­kra­ti­sche Aktion – 26. Okto­ber 2009 um 20:38 Uhr

Ich wollte hier ja nichts mehr schrei­ben, aber das ist mir dann doch zu dreist:

Die Vor­stel­lung, nach einer anti­ka­pi­ta­lis­ti­schen Revo­lu­tion sofort auf Geld, Lohn­ar­beit, Recht, Armee usw. ver­zich­ten zu kön­nen, ist voll­stän­dig absurd.

„Voll­stän­dig absurd“ sind Deine stän­di­gen Schum­me­leien in Dis­kus­sio­nen – hier die, zwei ver­schie­dene Sachen zu ver­mi­schen, um über die eine die andere zu recht­fer­ti­gen. Dass es nach einer Revo­lu­tion (die noch keine Welt­re­vo­lu­tion ist) eine Armee braucht, um sich in der feind­lich geson­ne­nen Welt bür­ger­li­cher Staa­ten zu behaup­ten: klar. Dass es nach der Revo­lu­tion (neben Agi­ta­tion) eine Repres­sion nach Innen braucht – nenne es von mir aus „Recht“ – um deren Feinde von ihren Akti­vi­tä­ten abzu­hal­ten: eben­falls eine banale Selbst­ver­ständ­lich­keit. Aber was hat das mit Geld, Lohn­ar­beit und den gan­zen Scheiß zu schaf­fen? Es ist doch so: Wenn sich genü­gend Leute fin­den, die sich daran stö­ren, dass NICHT für die Bedürf­nis­be­frie­di­gung pro­du­ziert wird, dass sie es schaf­fen, den Laden hier abzu­schaf­fen, dann pro­du­zie­ren die danach eben für ihre Bedürf­nis­be­frie­di­gung. Alles, was es dann noch zu klä­ren gibt, ist, für wel­che Bedürf­nisse (und wel­che Not­wen­dig­kei­ten -> bewaff­ne­ter Appa­rat) man Arbeit auf­bringt und wel­che Bedürf­nisse man zuguns­ten von mehr ver­füg­ba­rer Zeit unbe­frie­digt lässt. Wes­halb es schon absurd ist, dass die sich mit Geld zu etwas zwin­gen sol­len, was sie ohne­hin wol­len. Wenn sie sich aber ent­schlie­ßen, Geld zwi­schen sich und den Kon­sum tre­ten zu las­sen, dann ist das IHR WILLE und kein Sach­zwang. Wenn sie sich ent­schlie­ßen, dabei Frau­en­ar­beit schlech­ter zu ent­loh­nen, dann ist das auch IHR WILLE und kein Auto­ma­tis­mus. Und Du hast – das hat lahma Dir völ­lig kor­rekt nach­ge­wie­sen – in bei­den Fra­gen doch deut­lich bekun­det, was DEIN WILLE in so einer Situa­tion wäre. Also ver­schwa­fel das doch nicht, indem Du so tust, als wäre diese Aus­ge­stal­tung eine Natur­not­wen­dig­keit wie Arbeit zu ver­rich­ten, um deren Pro­dukte genie­ßen zu kön­nen, oder ein gesell­schaft­li­cher Sach­zwang, wie sich mit bewaff­ne­ter Macht gegen seine Feinde zu behaup­ten.

►► TaP – 26. Okto­ber 2009 um 22:19 Uhr

@ star wars – 26. Okto­ber 2009 um 19:28 Uhr

„Was nötig ist wird im Kom­mu­nis­mus her­ge­stellt. Wenn für hier und jetzt nichts geht, wird die Pro­duk­tion eines Gebrauchs­ge­gen­stands für spä­ter auf­ge­ho­ben. Pro­duk­tion für Gebrauchs­werte unter­bleibt im Kom­mu­nis­mus nicht weil die Pro­duk­tion eines Gebrauchs­ge­gen­stan­des ‚uner­schwing­lich‘ ist.“

Ja, nur muß es auch jemandE tun. Die Gebrauchs­werte pro­du­zie­ren sich ja nicht von alleine.
Wie soll mit einer kapi­ta­lis­tisch sozia­li­sier­ten Bevöl­ke­rung (und von die­ser Sozia­li­sa­tion sind ja nicht ein­mal die Mit­glie­der einer Kom­mu­nis­ti­schen Par­tei aus­ge­nom­men), die Pro­duk­tion auf­recht­er­hal­ten wer­den, wenn alle Gebrauchs­gü­ter zum freien Zugriff zur Ver­fü­gung ste­hen?
Das ist die Ent­schei­dung Frage. Ich sehe zwei Mög­lich­kei­ten:
a) Ratio­nie­rung, pro­dukt­spe­zi­fi­sche Bezugs­schein (wenn es – nach Eurer Ansicht – kein all­ge­mei­nes Äqui­va­lent wie Geld geben soll)
oder
b) eben doch Geld.
Das ist der Punkt, auf den sei­ner­zeit schon Maxi (06. Sep­tem­ber 2009 um 18:31 Uhr) hin­ge­wie­sen hatte:
„Erklär doch lie­ber mal, warum du Geld abschaf­fen möch­test. Arbeits­tei­lige Gesell­schaf­ten ohne irgend­wel­che uni­ver­sa­len Äqui­va­lente am lau­fen zu hal­ten ist kaum mach­bar. Außer natür­lich, Indi­vi­duen wird nicht selbst über­las­sen, über ihre Bedürf­nisse zu ent­schei­den, und man setzt statt des­sen auf Zutei­lung und Ratio­nie­rung.“
Dar­auf gab es damals keine Ant­wort.
Und was soll das eigent­lich hei­ßen: „Wenn für hier und jetzt nichts geht [?!, TaP], wird die Pro­duk­tion eines Gebrauchs­ge­gen­stands für spä­ter auf­ge­ho­ben.“ Wenn nie­mandE Bock zum Arbei­ten hat, war­ten wir doch ein­fach mal ab, bis es es die ers­ten Hun­ger­to­ten gibt?! Die Hart­ge­sot­tens­ten über­le­ben?!
Ist das Eurer ‚eman­zi­pa­to­ri­scher‘, ‚anti­au­tor­irtä­rer‘ Vor­schlag?

@ Anti­de­mo­kra­ti­sche Aktion – 26. Okto­ber 2009 um 20:38 Uhr

„‚Voll­stän­dig absurd‘ sind Deine stän­di­gen Schum­me­leien in Dis­kus­sio­nen – hier die, zwei ver­schie­dene Sachen zu ver­mi­schen, um über die eine die andere zu recht­fer­ti­gen. Dass es nach einer Revo­lu­tion (die noch keine Welt­re­vo­lu­tion ist) eine Armee braucht, um sich in der feind­lich geson­ne­nen Welt bür­ger­li­cher Staa­ten zu behaup­ten: klar. Dass es nach der Revo­lu­tion (neben Agi­ta­tion) eine Repres­sion nach Innen braucht – nenne es von mir aus ‚Recht‘ – um deren Feinde von ihren Akti­vi­tä­ten abzu­hal­ten: eben­falls eine banale Selbst­ver­ständ­lich­keit. Aber was hat das mit Geld, Lohn­ar­beit und den gan­zen Scheiß zu schaf­fen?“

Okay, ich bin über­rascht, daß Leute gibt, die eine Armee und einen inne­ren Repres­si­ons­ap­pa­rat für erträg­li­cher als Lohn­ar­beit und Geld hal­ten. Aber ich lasse mich gerne beleh­ren. Danke für Info.
Und wie ist es mit Waren? Gibt’s die noch, wenn es kein Geld und keine Lohn­ar­beit mehr gibt? – Und naive Frage: Ist nicht schon so, daß die aller­meis­ten Mar­xis­tIn­nen einen Zusam­men­hang zwi­schen Rechts­for­men und Waren­form sehen? Ver­schwin­det das Recht Dei­nes Erach­tens zusam­men mit den Waren? Oder nicht?

►► MEW 23 – 26. Okto­ber 2009 um 22:37 Uhr

Und wie ist es mit Waren?

Nur Pro­dukte selb­stän­di­ger und von­ein­an­der unab­hän­gi­ger Pri­vat­ar­bei­ten tre­ten ein­an­der als Waren gegen­über.

http://​www​.mlwerke​.de/​m​e​/​m​e​2​3​/​m​e​2​3​_​0​4​9​.​h​t​m​#​K​a​p_1_1

►► Anti­de­mo­kra­ti­sche Aktion 26. Okto­ber 2009 um 23:28 Uhr

Also bit­te­schön, dann eben die nächste Runde im Zer­pflü­cken Dei­ner Albern­hei­ten:

star wars: „Was nötig ist wird im Kom­mu­nis­mus her­ge­stellt.
TaP: Ja, nur muß es auch jemandE tun. Die Gebrauchs­werte pro­du­zie­ren sich ja nicht von alleine.

Ein blö­der Schein­wi­der­spruch den Du da auf­machst, um star wars unter­zu­schie­ben, er würde, wenn er von Pro­duk­tion(!) redet, unter­stel­len, dass gar nicht pro­du­ziert wer­den müsste.

TaP: Wie soll mit einer kapi­ta­lis­tisch sozia­li­sier­ten Bevöl­ke­rung (und von die­ser Sozia­li­sa­tion sind ja nicht ein­mal die Mit­glie­der einer Kom­mu­nis­ti­schen Par­tei aus­ge­nom­men), die Pro­duk­tion auf­recht­er­hal­ten wer­den, wenn alle Gebrauchs­gü­ter zum freien Zugriff zur Ver­fü­gung ste­hen?

1.) Kann man sich zu den Inhal­ten der Sozia­li­sa­tion belie­big stel­len, also diese auch blei­ben las­sen.
2.) Ansons­ten wäre das ja auch ein Wider­spruch in sich: lau­ter kapi­ta­lis­tisch sozia­li­sierte Leute, die – angeb­lich des­halb – not­wen­dig Kapi­ta­lis­mus wol­len, sol­len eine Revo­lu­tion gegen ihn machen? Wieso das denn bitte?
3.) Selbst mal unter­stellt, die kapi­ta­lis­ti­sche Sozia­li­sa­tion würde einen Eigen­tü­mer­wil­len deter­mi­nie­ren und wei­ter­hin unter­stellt, diese Kapi­ta­lis­mus­fans wür­den eine Revo­lu­tion gegen den Kapi­ta­lis­mus machen: wenn DAS deren Grund für die Revo­lu­tion gewe­sen sein sollte, zwar kon­su­mie­ren zu wol­len, aber die zur Her­stel­lung der Pro­dukte not­wen­dige Arbeit nicht zu leis­ten, dann fällt ihnen das eh ziem­lich schnell auf die Füße, v.a. jedoch: wieso soll­ten die sich ihren angeb­li­chen Zweck, ohne Arbeit zu kon­su­mie­ren, dadurch SELBST ver­un­mög­li­chen, dass sie Geld zwi­schen Bedürf­nis und seine Befrie­di­gung als Schranke set­zen?
4.) Wenn Du jetzt damit ankommst, dass das ja nicht die Leute, wel­che die Revo­lu­tion machen fest­set­zen, son­dern eine Avant­garde: ja wie konnte die sich denn bitte aus ihrer Sozia­li­sa­tion so weit befreien?
5.) Wenn Sozia­li­sa­tion das Pro­blem ist, dann ist es doch echt mal fatal, die Leute wei­ter auf Geld zu sozia­li­sie­ren :P

ADA: „Voll­stän­dig absurd“ sind Deine stän­di­gen Schum­me­leien in Dis­kus­sio­nen – hier die, zwei ver­schie­dene Sachen zu ver­mi­schen, um über die eine die andere zu recht­fer­ti­gen. Dass es nach einer Revo­lu­tion (die noch keine Welt­re­vo­lu­tion ist) eine Armee braucht, um sich in der feind­lich geson­ne­nen Welt bür­ger­li­cher Staa­ten zu behaup­ten: klar. Dass es nach der Revo­lu­tion (neben Agi­ta­tion) eine Repres­sion nach Innen braucht – nenne es von mir aus ‚Recht‘ – um deren Feinde von ihren Akti­vi­tä­ten abzu­hal­ten: eben­falls eine banale Selbst­ver­ständ­lich­keit. Aber was hat das mit Geld, Lohn­ar­beit und den gan­zen Scheiß zu schaf­fen?“
TaP: Okay, ich bin über­rascht, daß Leute gibt, die eine Armee und einen inne­ren Repres­si­ons­ap­pa­rat für erträg­li­cher als Lohn­ar­beit und Geld hal­ten. Aber ich lasse mich gerne beleh­ren. Danke für Info.

Auch schon wie­der so ein blö­der Schein­wi­der­spruch, um mir über den was unter­schie­ben zu kön­nen. „Für erträg­li­cher hal­ten“ war über­haupt nicht mein Punkt, son­dern DASS, WARUM und WOFÜR Armee und inne­rer Repres­si­ons­ap­pa­rat in einer sozia­lis­ti­schen Überg­angs­ge­sell­schaft not­wen­dig sind: um sich ihrer Feinde zu erweh­ren. Als Alter­na­tive zu Dei­nem Zwang durchs Geld habe ich das über­haupt nicht ins Spiel gebracht – das mit der Erle­di­gung der für den Kon­sum not­wen­di­gen Arbeit, wozu es angeb­lich Geld brau­chen soll, geschum­melt ver­mischt zu haben, war doch gerade mein Vor­wurf an Dich.
Zudem schum­melst Du hier schon wie­der: wenn ein all­ge­mei­ner Aus­schluss von den Mit­teln der Bedürf­nis­be­frie­di­gung her­ge­stellt wer­den soll, damit man sich um Geld küm­mert, also lohn­ar­bei­ten geht, um die­sen zu über­win­den, dann muss die­ser Aus­schluss selbst­ver­ständ­lich gewalt­sam her­ge­stellt und auf­recht erhal­ten wer­den. Von wegen also, Geld wäre eine Alter­na­tive zu Repres­sion.
(Womit Du es übri­gens wie­der mit dem Wider­spruch aus 3. zu tun bekommst: die Leute sol­len GEGEN SICH eine Gewalt hin­stel­len, die sie von ihrem angeb­li­chen Zweck des Kon­su­mie­rens ohne Pro­duk­tion abhält? Wenn sie den eh nicht haben, dann braucht es auch die­sen gan­zen Quatsch nicht. Wenn sie ihn haben, dann füh­ren sie den gan­zen Quatsch auch bloß nicht ein.)

Und wie ist es mit Waren? Gibt’s die noch, wenn es kein Geld und keine Lohn­ar­beit mehr gibt?

Nein, Zeug, das pro­du­ziert wird, um damit Geld auf sich zu zie­hen (und zwar mehr Geld, als zu sei­ner Pro­duk­tion not­wen­dig war), gibt es ohne Geld selbst­ver­ständ­lich nicht mehr. Und? Ist das jetzt Dein Ein­wand, dass Du dann glatt kapi­ta­lis­ti­sche For­men ver­mis­sen wür­dest, wes­we­gen man das nicht machen dürfe?

Und naive Frage: Ist nicht schon so, daß die aller­meis­ten Mar­xis­tIn­nen einen Zusam­men­hang zwi­schen Rechts­for­men und Waren­form sehen? Ver­schwin­det das Recht Dei­nes Erach­tens zusam­men mit den Waren? Oder nicht?

Was ist an „aller­meis­ten Mar­xis­tIn­nen“ das Argu­ment?* Und soll das jetzt Dein Argu­ment gegen die Abschaf­fung der Waren­form sein, dass dann glatt auch das Recht/​ die Rechts­form ver­schwin­det? Ja und? Das stört einen doch auch bloß, wenn man die Rechts­form zum Prin­zip erhebt. Und was hat das mit dem Thema zu schaf­fen?
* Einen Zusam­men­hang zwi­schen bei­den sehe ich schon, aber wie gesagt: rele­vant für das Thema ist das erst­mal nicht.

►► Anti­de­mo­kra­ti­sche Aktion – 26. Okto­ber 2009 um 23:39 Uhr

„Und in der Tat ist poli­ti­sche Pra­xis zur Mini­mi­nie­rung und schließ­lich Über­win­dung von Herr­schaft und Aus­beu­tung ohne Zwang NICHT MÖG­LICH.“
Ja, Zwang gegen den Geg­ner und nicht Zwang gegen sich selbst, um sich zu dem zu zwin­gen, was man ohne­hin will und was man mit Zwang gegen den Geg­ner durch­set­zen will. Und wenn man es halt nicht will, dann will man sich auch nicht selbst dazu zwin­gen und stellt also keine Instanz zur Aus­übung die­ses Zwangs gegen sich hin.

►► TaP – 26. Okto­ber 2009 um 23:41 Uhr

@ Anti­de­mo­kra­ti­sche Aktion – 26. Okto­ber 2009 um 23:28 Uhr

„Und soll das jetzt Dein Argu­ment gegen die Abschaf­fung der Waren­form sein, dass dann glatt auch das Recht/​ die Rechts­form ver­schwin­det?“

Nein, ich wun­dere mich nur: Daß Du das Geld und die Lohn­ar­beit für sofort nach der Revo abschaff­bar hälst, aber die vor­läu­fige Fort­exis­tenz von Recht aner­kennst.

Ansons­ten muß ich mich jetzt aus die­ser Debatte ver­ab­schie­den. […].

lus­ti­ges zusam­men­tref­fen hier – 26. Okto­ber 2009 um 23:47 Uhr

die [löhne] sind näm­lich SCHON DA.

na klar, nach der revo exis­tie­ren die AUTO­MA­TISCH fort, die zie­hen näm­lich SELBST­STÄN­DIG durch die geschichte und schwupps: schon sind sie auch im sozia­lis­mus anzu­tref­fen.
nein, das tun sie nicht – du fin­dest sie ein­fach nur knorke.

Der­ar­ti­ger Zwang ist UNVER­MEID­LICH.

zeig mir doch mal die stelle, wo ich zwang der­art abs­trakt ver­wor­fen habe? („ich hab zu ihm „hallo“ gesagt und ihn damit gezwun­gen das zu hören!“ LOL)
stimmt, die exis­tiert nicht.

„Herz-​​Jesus-​​SozialistInnen für den Kom­mu­nis­mus“

sei froh, dass du mich nicht wirk­lich kennst, du angst­hase.

►► Anti­de­mo­kra­ti­sche Aktion – 26. Okto­ber 2009 um 23:51 Uhr

„aber die vor­läu­fige Fort­exis­tenz von Recht aner­kennst“
vs.:
„Dass es nach der Revo­lu­tion (neben Agi­ta­tion) eine Repres­sion nach Innen braucht – nenne es von mir aus „Recht“ – um deren Feinde von ihren Akti­vi­tä­ten abzu­hal­ten
Waren­form, Geld etc. sind da wie bereits mehr­fach gesagt gar nicht das Thema.
Und kleine War­nung: reize mich lie­ber nicht wei­ter mit sol­chen Blöd­sinn … ich bin ein gro­ßer dicker Mann und wiege locker 1,5* so viel wie Du. :-w

►► Anja – 27. Okto­ber 2009 um 12:29 Uhr

Die Lob­hu­de­lei der Lohn­hi­rar­chie ist bloß der letzte Schen­kel­klop­fer und man erwischt TaPs Feh­ler nicht rich­tig, wenn man bloß die ver­drehte Vor­stel­lung von „Überg­angs­sta­dien“ und „sozia­lis­ti­schen Löh­nen nach der Revo“ bla­miert.
TaP macht seine „Revo“ doch offen­sicht­lich gar nicht WEGEN/​GEGEN Lohn, Preis, Pro­fit, Herr­schaft etc., son­dern fällt weit vor­her auf den von Marx kri­ti­sier­ten Schein/​Fetisch der Waren­welt (Kapi­tal 1.Bd., 1.Kap.) her­ein, letzt­lich sei der Tausch­wert ein Mit­tel, Gebrauchs­werte unter die Leute zu brin­gen – die Revis haben schon immer geglaubt, ihr Sozia­lis­mus könne der EFFEK­TI­VERE Kapi­ta­lis­mus sein. Dass TaP in Waren oder Geld keine Schran­ken sieht, liegt an einer Marx­lek­türe, die die Kapi­tal­kri­tik als Auf­trag miss­ver­steht, die­selbe Scheiße bes­ser zu machen. Des­we­gen meint TaP auch die ganze Zeit, mit einem inhalts­lee­ren Erfolgs­maß­stab punk­ten zu kön­nen:
„das Geld und die Lohn­ar­beit für sofort nach der Revo abschaff­bar“
Diese Ent­ge­gen­stel­lung kommt nie­man­dem in den Sinn, des­sen Revo­lu­tion in der prak­ti­schen Kri­tik einer Eigen­tums­ord­nung besteht. Was nach der „Revo“ (nicht) mach­bar sei, hält TaP nur für ein Argu­ment, weil der gar nicht gegen Geschäft und Gewalt oppo­niert – der kennt offen­sicht­lich eine SINN­STIF­TEN­DERE Aus­beu­tung als den hie­si­gen Kapi­ta­lis­mus und für die macht der „Revo“. 8-​​|

►► Die Fort­set­zung, da ohne Unter­bre­chun­gen zu ande­ren The­men, gibt es der Ein­fach­heit hal­ber hier als .pdf-​​Datei.

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3 Antworten auf „Die hohe Schule des Argumentierens: Geldkritik“


  1. 1 antikap 08. November 2009 um 2:56 Uhr

    Die geforderten Argumente für Geld finden sich z.B. in dem bei mir veröffentlichten Text von Morishima und Catephores. Mehr noch: Dort wird auch (anhand der Marxschen Theorie) gezeigt, warum Ausbeutung im Sozialismus notwendig ist. Endlich wurde mal das Problem der sozialistischen Planung ernsthaft angegangen und nicht wie sonst üblich mit einem unterstellten „Konsens der 6 Milliarden“ wegidealisiert.

    Noch ein paar Anmerkungen zur Notwendigkeit des Geldes:
    1. Geld kann nicht deshalb verschwinden, weil es von Revolutionären verboten wird. Ein Verbot wäre aussichtslos, da Geld sich jederzeit von jedem schöpfen lässt. Um zu verschwinden, muss es also tatsächlich für alle Gesellschaftsmitglieder überflüssig werden, was für den Sozialismus nicht absehbar ist.
    2. Bereits für die reine sozialistische Planung ist Geld als Rechnungseinheit der Arbeit viel zu nützlich, um es absterben zu lassen. Wie soll denn sonst die Arbeit geplant/nachgefragt/angeboten werden, wenn es keine Einheit für Arbeit gibt?
    3. Für den notwendigerweise endlichen Konsum, der über die Befriedigung der grundlegenden Bedürfnisse hinausgeht, muss es ein Zahlungsmittel geben, das allen die Teilhabe an diesem Konsum ermöglicht.
    4. Es wäre höchst unpraktisch, die Leistung, die die Arbeiter für ihre Arbeit erhalten, in Naturalien auszuzahlen. Die Nachteile (Wertverfall, Aufbewahrungskosten, Tauschhürden…) sind seit Jahrtausenden bekannt. Trotzdem wird von manchen Steinzeitkommunisten der Versuch unternommen, die Menschheit hinter die Errungenschaften primitivster arbeitsteiliger Gesellschaftsformen zurückzuwerfen, bloß damit das angeblich „böse“ Geld verschwinde. Es ist erstaunlich, wie beharrlich sich viele für ein so eindeutig nachteiliges frühes Stadium der Menschheit entscheiden, nur weil dann das Geld, lediglich eine Komponente des Wirtschaftens, die auch im Kapitalismus vorkommt, fehlte.
    5. Die Anlage von Fonds für die Interessen der Allgemeinheit (Gesundheit, Versicherungen, …) macht eine Speicherung von Werten nötig. Das geht schlecht mit Milchseen, hingegen spielend leicht, indem man sich eine Zahl notiert. Warum einfach, wenn es auch kompliziert geht?

    Übrigens: Wer ist eigentlich Murx – jemand, der erfreulicherweise mal durch vernünftige Ideen hervorsticht – in der Mädchenblog-Diskussion? Die dortige Zensur nennt leider bloß http://deleted/ als Adresse.

  2. 2 TaP 08. November 2009 um 21:38 Uhr

    „Wer ist eigentlich Murx – jemand, der erfreulicherweise mal durch vernünftige Ideen hervorsticht – in der Mädchenblog-Diskussion? Die dortige Zensur nennt leider bloß http://deleted/ als Adresse.“

    Das heißt nur, daß Murx selbst nichts anderes angegeben hat.

  3. 3 l 09. November 2009 um 1:01 Uhr

    da kein weiteres argument genannt wurde, ist eine entgegnung sinnlos. nobbi nennt auch nichts neues (und selbst wenn dem nicht so wäre: ich kommuniziere nicht mit unverbesserlichen biologisten [sexisten]; auch sollte einer/m bewusst sein, dass nobbi auf seinem blog gelegentlich die namen von kommunist/innen offenlegt – zur freude des verfassungsschutzes; wer sowas tut, ist schlicht gegner.).

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