Zur Kritik des marxistisch-gegenstandpunklerischen Kleinredens von Sexismus und Patriarchat

Einige grund­sätz­li­che Bemer­kun­gen über das Ver­hält­nis von Mar­xis­mus und Femi­nis­mus, ‚Pri­va­tem‘ und Poli­ti­schen aus Anlaß der SM-​​Debatte beim Mäd­chen­blog

@ Anti­de­mo­kra­ti­sche Aktion – 12. Okto­ber 2009 um 15:10 Uhr

zu I.

„Sind das eben keine Zwänge eines omi­nö­sen ‚Patri­ar­chats‘, das bezeich­nen­der Weise immer nur als Schlag­wort auf­taucht.“

Und wo liegt jetzt das Argu­ment? Wenn Du von „Kapi­ta­lis­mus“ sprichst, ist das dann auch nur ein „Schlag­wort“?
Was willst Du denn kon­kret erklärt haben?

„Viel­mehr han­delt es sich um Abhän­gig­kei­ten, die sich aus der Benut­zung der Frauen durch den bür­ger­li­chen Staat und der Kal­ku­la­tion der Kapi­ta­lis­ten damit erge­ben.“

Der Staat ist a) kein auto­no­mes Sub­jekt; schon gar nicht kann er b) irgend­et­was oder igend­wen „benut­zen“.
Viel­mehr ist der Staat a) das Pro­dukt der gesell­schaft­li­chen Wider­sprü­che (vgl. 1 [Abschnitt „Vom idea­len Staat zum Staat als Pro­dukt der gesell­schaft­li­chen Wider­sprü­che“] und 2 [Abschnitt „[Ansätze für eine nicht-​​stalinistische Kon­zep­tion der DdP]“, These 1]; und aus den gesell­schaft­li­chen Ver­hält­nis­sen und sei­ner spe­zi­fi­schen Form, die seine rela­tive Auto­no­mie und spe­zi­fi­sche Wirk­sam­keit begrün­det, erklä­ren sich seine Ent­schei­dun­gen
Und b) kann nicht „der Staat“ irgend­et­was oder irgend­wen benut­zen, son­dern allen­falls die kon­kre­ten Staats­ap­pa­rate, denen der (Mehrheits)wille der jewei­li­gen Amts­trä­ger zuge­rech­net wird.

„Weil der bür­ger­li­che Staat (in ers­ter Linie) die Frauen für die Repro­duk­tion der Nation durch Nach­wuchs ver­ant­wort­lich macht, machen die Kapi­ta­lis­ten das nega­tiv an ihnen gel­tend: denn wenn die poten­ti­ell des­we­gen für ihren Dienst für sie aus­zu­fal­len dro­hen (Schwan­ger­schafts­schutz, Mut­ter­ur­laub, Betreu­ung kran­ker Kin­der etc.), dann müs­sen die die­sen Nach­teil in einer Kon­kur­renz der Freien und Glei­chen durch einen ande­ren Vor­teil wie­der aus­glei­chen, näm­lich bil­li­ger zu sein.“

a) Seit wann gibt es denn die ent­spre­chende staat­li­che Gesetz­ge­bung? Und seit wann (und in wel­chen gesell­schaft­li­chen Klas­sen?) ent­wi­ckel­ten sich die ent­spre­chen­den Pra­xen zunächst?

b) Der Mut­ter­schafts­ur­laub beträgt in der BRD 14 Wochen pro Geburt. Wie­viel Wochen Mut­ter­schafts­ur­laub ergibt das durch­schnitt­lich pro Frau? Wie­viel Pro­zent der durch­schnitt­li­chen Lebens­er­werbs­ar­beits­zeit von Frauen macht das aus?
Die All­ge­mein­bil­dung der Ware Arbeits­kraft wird ohne­hin aus dem – über­wie­gend von den Lohn­ab­hän­gi­gen auf­ge­brach­ten – Steu­er­auf­kom­men finan­ziert; dito die Berufs­schu­len; der betrieb­li­che Teil der Berufs­aus­bil­dung ist schlecht bezahlt, aber mit Arbeits­leis­tung ver­bun­den. Frauen wer­den ver­mut­lich über­pro­por­tio­nal in unge­lern­ten Beru­fen ein­ge­setzt (Putz­kraft, Küchen­hil­fen etc.)? Auch ‚ver­schwen­dete‘ Aus­bil­dungs­kos­ten sind also vom Kapi­tal nicht in erheb­li­cher Höhe zu kal­ku­lie­ren.
Gibt es bei Betreu­ung kran­ker Kin­der Lohn­fort­zah­lung?
Wie­viel Pro­zent macht aber aktu­ell die Frau­en­lohn­dis­kri­mi­nie­rung aus?
Deine starke These müß­test Du schon empi­risch etwas unter­mau­ern.

c) Der – von den Gewerk­schaf­ten durch­ge­setzte – Fami­li­en­lohn ist für das Kapi­tal völ­lig unin­ter­es­sant: Ob Frauen erwerbs­tä­tig sind und dafür vom Kapi­tal bezahlt wer­den oder Män­ner von der Haus­ar­beit befreit wer­den, dafür län­ger im Betrieb zur Ver­fü­gung ste­hen und dafür einen Lohn­zu­schlag (‚Unter­halt‘ für die Ehe­frau) erhal­ten, ist für das Kapi­tal gleich. Das Ver­hält­nis von Arbeits­zeit­vo­lu­men und Lohn­vo­lu­men bleibt gleich, unab­hän­gig davon, wie bei­des inner­halb der Lohn­ab­hän­gi­gen auf die Geschlech­ter ver­teilt wird.
Der Fami­li­en­lohn resul­tiert allein aus dem Inter­esse lohn­ab­hän­gi­gen Män­nern, erst ein­mal das gesamte Fami­li­en­ein­kom­men in der Tasche und damit ent­spre­chend star­ken Ein­fluß auf des­sen Ver­wen­dung zu haben.

zu II.

„Der Vor­wurf des Femi­nis­mus‘, dass es bei schlech­te­ren Löh­nen für Frauen und/​oder schlech­te­ren Chan­cen für den Auf­stieg in die Jobs der Elite (der einem übri­gens scheiß­egal sein kann, weil es schnurz ist, wel­ches Geschlecht die Cha­rak­ter­mas­ken des Fein­des haben), unge­recht, weil ungleich, zuge­hen würde, ist also ein schlech­ter Witz, wenn gerade die (Chancen-)Gleichheit nega­tiv gegen sie aus­schlägt.“

a) „schnurz ist, wel­ches Geschlecht die Cha­rak­ter­mas­ken des Fein­des haben“
aa) Das unter­stellt begrün­dungs­los, daß es nur einen rele­van­ten gesell­schaft­lich Wider­spruch – näm­lich den Klas­sen­wi­der­spruch gebe (wor­aus dann folgt, daß das Geschlecht der herr­schen­den Klasse schnurz sei).
bb) Die Geschlech­ter­seg­gre­ga­tion gibt es auch in den ‚pro­le­ta­ri­schen‘ Beru­fen. Ist das Dei­nes Erach­tens auch schnurz?

b) „gerade die (Chancen-)Gleichheit nega­tiv gegen sie [die Frauen] aus­schlägt“ – Siehe „zu I.“; sehr unwahr­schein­lich, daß die paar Wochen Mut­ter­schafts­ur­laub als Erklä­rung dafür aus­rei­chen -
und für die feh­len­den Auf­stiegs­chan­cen in wirk­lich gut bezahlte Jobs ohne­hin nicht (mehr Geld = Aus­la­ge­rung der Haus­ar­beit an Putz­frauen und Kin­der­mäd­chen).

zu III.

„[…] wenn die Frau ohne­hin den schlech­ter bezahl­ten Job mit schlech­te­ren Kar­rie­re­aus­sich­ten hat (bspw. in einem typi­schen ‚Frau­en­job‘, des­sen Lohn ohne­hin danach kal­ku­liert ist, dass ihn nur jemand annimmt, für den das ein Zuver­dienst in der Part­ner­schaft ist und in dem auch keine Auf­stiegs­mög­lich­kei­ten bei Kon­kur­renz­er­folg vor­ge­se­hen sind), dann kann es sich die Fami­lie auch eher leis­ten, dass sie die­sen Job ver­liert oder in ihm zumin­dest nicht vor­an­kommt, als wenn dies beim Mann der Fall wäre.“

Ja, das ist eine 100-​​prozentig kor­rekte Erkennt­nisse, zu deren Pro­duk­tion und Ver­brei­tung der Femi­nis­mus maß­geb­li­ches beige­tra­gen hat.

zu IV.

„Schon damit ‚repro­du­ziert‘ sich das Urteil der Kapi­ta­lis­ten über den Kon­kur­renz­nach­teil der Frauen, indem ihm prak­tisch recht gege­ben wird: Frauen fal­len wegen Fami­li­en­kram öfter in ihrem Dienst für ihn aus, betrei­ben nicht genug Kar­riere durch Auf­op­fe­rung für sie etc.“

a) „fal­len wegen Fami­li­en­kram öfter in ihrem Dienst für ihn aus“ – ohne Lohn­fort­zah­lung ist das nun ökono­misch wirk­lich nicht rele­vant; siehe noch mal zu I.
Und viele erwerbs­tä­tige Frauen wer­den für ihren „Fami­li­en­kram“ nicht (mehr) erwerbs­tä­tige Mut­ter und Schwie­ger­müt­ter sowie ältere Töch­ter her­an­zie­hen, um sich beim Job auf­op­fern zu kön­nen.

b) „betrei­ben nicht genug Kar­riere durch Auf­op­fe­rung für sie etc.“ – Gibt es dafür empi­ri­sche Belege? Vor­der­hand kann ver­mu­tet wer­den, daß Sub­jekte, die maß­geb­lich durch Auf­o­fe­rungs­be­reit­schaft cha­rak­te­ri­siert sind, diese sowohl in der Fami­lie als am Erwerbs­ar­beit­platz an den Tag legen.

c) Ich würde mal ver­mu­ten, daß Frauen zu einem gerin­ge­ren Anteil gewerk­schaft­lich orga­ni­siert sind und weni­ger strei­ken. Müßte aber auch über­prüft wer­den.

d) Frau­en­ar­beit ist über­pro­por­tio­nal Teil­zeit­ar­beit. Teil­zeit­ar­beit ist aber für das Kapi­tal pro­duk­ti­ver (vgl.: Ermü­dung durch lange Arbeits­zeit, Mono­to­nie) (wes­halb Arbeits­ver­kür­zun­gen zu einem erheb­li­chen Teil von Pro­duk­ti­vi­täts­ge­win­nen auf­ge­fres­sen wer­den und nicht 1:1 zu einem Anstieg der Beschäf­tig­ten­zahl füh­ren).

zu V.

„Das ist die mate­ri­el­ler Grund­lage, wel­che der Sexis­mus (wie lay­lah ihn m.E. sinn­voll fasst) bio­lo­gis­tisch (oder zumin­dest unter Ver­weis aufs Wesen) recht­fer­tigt“

Nur steht
a) diese kapital-​​ bzw. staats-​​funktionale Her­lei­tung die­ser mate­ri­el­len Grund­lage – wie gesagt – auf ziem­lich wack­li­gen Füßen;
und
b) kom­men Sexismus/​Biologismus nicht – nach einer streng ratio­na­len Kal­ku­la­tion des Kapi­tals – erst als bloße Recht­fer­ti­ung hinzu. Viel­mehr ist schon die­ses ganze mate­ri­elle ‚Arran­ge­ment‘ sexis­tisch und mit dem blo­ßen Umstand, daß einige Frauen schwan­ger wer­den, nicht zu erklä­ren.

zu VII.

„Also kann man auch deren Repro­duk­tion nicht mal ein­fach so indi­vi­du­ell blei­ben las­sen, son­dern da steht eine kol­lek­tive prak­ti­sche Geg­ner­schaft zu den Abhän­gig­kei­ten und also zu den Ver­hält­nis­sen an.“

Genau! Siehe noch ein­mal: TaP – 13. Okto­ber 2009 um 9:11 Uhr; Schluß­pas­sage.

zu VIII.

[Satz 1:] Unter­stel­len wir mal Du wür­dest damit rich­tig lie­gen, dass die geschmack­li­che Prä­fe­renz für Sex­prak­ti­ken inner­halb des Kom­ple­xes BDSM und v.a. die jewei­lige Rol­len­vor­stel­lung dabei durch die eigene Stel­lung in der Gesell­schaft, oder durch eine Ide­al­vor­stel­lung, wie man als Mann oder als Frau in ihr eigent­lich vor­kom­men müsste (mit-)geprägt wären.
[Satz 2:] Auch dann wären sie es als Geschmacks­ur­teil ledig­lich zur Gewohn­heit geron­nene frü­here Urteil, wel­che sich affir­ma­tiv dar­auf bezo­gen haben und wegen denen ent­spre­chende BDSM-​​Sexpraktiken als in Ein­klang mit der eige­nen Sub­jek­ti­vi­tät ste­hend und daher als schön/​ angenehm/​ erre­gend emp­fun­den wer­den.
[Satz 3:] Wes­halb es sich weder mit einer rich­ti­gen Gesell­schafts­kri­tik noch mit einer aus die­ser fol­gen­den ver­nünf­ti­gen poli­ti­schen Pra­xis (aktu­ell: deren Ver­brei­tung, ten­den­zi­ell: deren prak­ti­sche Umset­zung qua Revo­lu­tion) aus­schließt, auf BDSM zu ste­hen und ihn wenn man will auch zu prak­ti­zie­ren.
[Satz 4 und 5]: Denn auch wenn frü­here Urteile als zur Gewohn­heit geron­nene noch vor­han­den sind, schrei­ben die einem ja über­haupt nicht vor, sich nicht mal in eine theo­re­ti­sche Dis­tanz zur Sache zu bege­ben und sich die ver­nünf­tig zu erklä­ren. Erst recht schreibt einem das das Aus­le­ben die­ser Lüste nicht vor.

Satz 1: Ja, Danke sehr, sehr freund­lich. Lie­gen ja nun auch mit den Datenschlag-​​Zahlen ziem­lich deut­lich Indi­zien vor.
Satz 2: Ver­stehe ich nicht. Warum ist ein „Geschmacks­ur­teil ledig­lich“ ein „zur Gewohn­heit geron­nene frühere[s] Urteil“? „Ledig­lich“ in Ver­hält­nis zu wel­chem damit ver­nein­ten hypo­the­ti­schen ‚Mehr‘? Und worum ging es bei die­sem frü­he­ren Urteil?
Satz 3: Im Sinne einer Unter­schei­dung ‚hier Sex – da Polit­gruppe‘; ‚hier SM-​​Club – da Demo‘ ist das zutref­fend; das ist aber eine völ­lig unzu­rei­chende Kon­zep­tion poli­ti­scher Pra­xis. Siehe dage­gen Gramscis auch ‚kul­tur­re­vo­lu­tio­nä­res‘ Hegemonie-​​Konzept.
Satz 4 und 5: In der Tat. Nur sollte es gemacht wer­den; das ist meine Rede!

zu IX.

„BDSM-​​Sex zu haben oder ihn zuguns­ten des­sen, sich irgend­wie ein Inter­esse an verqueert-​​lesbischen Kuschel(nicht)sex zuzu­le­gen, zu unter­las­sen, ist dafür [für das „wei­te­ren Funk­tio­nie­ren von bür­ger­li­chen Staat und Kapi­ta­lis­mus“] hin­ge­gen total scheiß­egal.“

Das mag sein oder auch noch nicht – das will ich jetzt nicht auch noch dis­ku­tie­ren.
Bzgl. des Sexis­mus – den Du hier ein­fach unter den Tisch­fal­len läßt, weil er für Dich ein­fach nur ein Epiphä­no­men von bür­ger­li­chem Staat und Kapi­ta­lis­mus ist – und auf der Grund­lage der Ein­sicht in die Not­wen­dig­keit eines auch kul­tur­re­vo­lu­tio­nä­ren Kamp­fes um Hege­mo­nie (s. zu Satz 3 bei „zu VIII.“) sieht das aber ganz anders aus.

„Du wech­selst hier eben in genau den Volun­ta­ris­mus des indi­vi­du­el­len polit-​​moralischen Wohl­ver­hal­tens, den Du Dei­nen Geg­nern fälsch­lich vor­wirfst.“

a) Wo pro­pa­giere ich ein Wohl­ver­hal­ten? Ich sage: Eine revo­lu­tio­näre oder revo­lu­ti­ons­vor­be­rei­tende Pra­xis besteht nicht nur im Ver­brei­ten von Schrift­zei­chen in digi­ta­ler oder Papier­form, son­dern muß auch den sog. ‚pri­va­ten‘ Bereich kulturell-​​praktisch, sexuell-​​praktisch usw. umfas­sen.
Auch sol­che Schritte sind Schritte voran im Kampf. Aber hier kom­men wir ver­mut­lich wie­der zur schon aus­führ­lich dis­ku­tier­ten Frage nach dem Ver­hält­nis von Refor­men und Revo­lu­tion, grö­ße­ren und klei­nen Übeln sowie Übel­be­sei­ti­gung:
http://​theo​rie​als​pra​xis​.blog​sport​.de/​2​0​0​9​/​0​9​/​0​3​/​l​e​n​i​n​-​a​n​t​w​o​r​t​-​d​e​r​-​a​n​t​i​d​e​m​o​k​r​a​t​i​s​c​h​e​n​-​a​k​tion/

und
http://​theo​rie​als​pra​xis​.blog​sport​.de/​2​0​0​9​/​0​9​/​0​1​/​e​x​i​s​t​e​n​z​g​e​l​d​-​m​i​n​d​e​s​t​l​o​e​h​n​e​-​u​n​d​-​p​o​l​i​t​i​s​i​e​r​u​n​g​-​r​i​c​h​t​i​g​e​-​u​n​d​-​f​a​l​s​c​h​e​-​r​e​f​o​r​m​f​o​r​d​e​r​u​ngen/.

b) Und auch die Frage des Moral-​​Begriffs haben wir schon aus­führ­lich dis­ku­tiert. Wenn Du das Set­zen par­tei­li­cher poli­ti­scher Ziele „mora­lisch“ nen­nen willst – mei­net­we­gen, dann bin ich „mora­lisch“.
Mei­nes Erach­tens hat es nur Sinn, von „mora­lisch“ zu spre­chen, wenn gerade nicht par­tei­lich, son­dern uni­ver­sa­lis­tisch (klassen-​​, geschlechter-​​ usw. -ver­söh­nend /​ -überg­rei­fend) argu­men­tiert wird. Dies ist ja nun aber bei mir gerade nicht der Fall.
Siehe zu die­ser Debatte aus­führ­lich:
http://​theo​rie​als​pra​xis​.blog​sport​.de/​2​0​0​9​/​0​8​/​3​0​/​l​u​f​t​b​l​a​s​e​-​u​n​d​o​d​e​r​-aal/.

„nur mit dem Witz, dass diese [BDSM-​​Sex und Heteropene­tra­ti­ons­sex] die Poli­tik gar nicht betref­fen und daher auch nicht gesell­schafts­ver­än­dernd wir­ken kön­nen. Heißt auch umge­kehrt: BDSM-​​Sex zu haben, ist kein Mit­tel gegen diese Gesell­schaft – aber das behaup­tet hier eh kei­ner, son­dern Du trägst die­sen Maß­stab wegen die­ses Feh­lers von Dir an ihn heran.“

Das repro­du­ziert den herr­schen­den Poli­tik­be­griff im mar­xis­ti­schen Gewande und macht noch ein­mal den Unter­schied zwi­schen Femi­nis­mus und einem refor­mis­ti­schen, mar­xis­ti­schen ‚Antise­xis­mus‘ deut­lich.
Siehe die ganze Debatte inner­halb des Femi­nis­mus sowie all­ge­mein zwi­schen den neuen sozia­len Bewe­gun­gen, aber auch an Gramsci und Alt­hus­ser ori­en­tier­ten Strö­mun­gen des Mar­xis­mus mit der sozi­al­de­mo­kra­ti­schen und partei-​​kommunistischen Arbei­teER­be­we­gung über das Ver­hält­nis von ‚Pri­va­tem‘ und ‚Poli­ti­schen‘
Dazu – unter mei­ner Betei­li­gung –:
http://​theo​rie​als​pra​xis​.blog​sport​.de/​2​0​0​6​/​1​1​/​0​1​/​p​o​l​i​t​i​s​i​e​r​u​n​g​-​u​n​d​-​e​n​t​-​p​o​l​i​t​i​s​i​e​r​u​n​g​-​a​l​s​-​p​e​r​f​o​r​m​a​t​i​v​e​-​p​r​axis/.

zu X.

Zu dem erneu­ten „poli-​​moralisch“ siehe bereits „zu IX.“.

„wird sach­fremd an sie her­an­ge­tra­gen, einem von Dir erfun­de­nen ide­el­len Gesetz ent­spre­chen zu sol­len, näm­lich dass (Resultate-)Gleichheit in Form eines prin­zi­pi­el­len 50:50 zwi­schen Männ­lein und Weib­lein (sowie auf gleich­ge­schlecht­li­che Part­ner­schaf­ten aus­ge­wei­tet zwi­schen But­ches und Femmes), exis­tie­ren solle. Das ist zum einen des­we­gen blöd, weil es gar nix über die Taug­lich­keit einer Sache aus­sagt, wenn 50% Frauen dabei sind (und Frau­en­quo­ten, wel­che dar­auf zie­len, fin­dest Du ja prima, wenn auch noch nicht aus­rei­chend).“

a) Die Ungleich­ver­tei­lung der sub-​​ und Dom-​​Rolle ist nur einer mei­ner Kri­tik­punkte; Du unter­schlägst meine Kri­tik an dem ‚Gewalt-​​Existentialismus‘. Aus letz­ter folgt, daß (B)DSM m.E. – wie bereits geschrie­ben – für post-​​herrschaftliche Ver­hält­nisse „untaug­lich“ ist.

b) Zu den „Männ­lein und Weib­lich“: Die gibt es in einer post-​​sexistischen Gesell­schaft als soziale Kate­go­rien gar nicht mehr. S. TaP – 13. Okto­ber 2009 um 1:25 Uhr. Folg­lich ist die annäh­rende Gleich­ver­tei­lung auf die wei­ter­hin exis­tie­ren­den Geschlech­ter nur ein Zwi­schen­ziel auf dem Weg zur ‚Zer­set­zung‘ der Geschlech­ter (Ent-​​Identifizierung). Daß die­ses Ver­hält­nis zwi­schen Refor­men /​ tran­si­to­risch not­wen­di­gem ‚umge­dreh­ten Sexis­mus‘ (Gegen-​​Identifizierung) und revo­lu­tio­nä­rer Ent-​​Identifizierung pre­kär ist, hatte ich auch schon geschrie­ben.

c) In der Tat bie­tet für Frauen kapi­ta­lis­ti­sche Erwerbs­ar­beit (und zumal bes­ser bezahlte Jobs), die Geld direkt in ihre eige­nen Taschen flie­ßen läßt, mehr Mög­lich­kei­ten als Haus­ar­beit in völ­lig patri­ar­cha­ler Abhän­gig­keit. Des­halb ist Quo­tie­rung eine rich­tige Reform­for­de­rung.

„weil es gar keine ‚gerechte‘ Ver­tei­lung der Haus­ar­beit gibt. Gerech­tig­keit behaup­tet schließ­lich, dass jeder bekäme, was ihm zustünde und dann daher alles prima wäre.“

Und – was erzählst Du mir das?! Ich argu­men­tiere gar nicht mit einem uni­ver­sel­len Maß­stab von „Gerech­tig­keit“, den Herr­schende und Beherrschte tei­len müß­ten. Ich stelle eine par­tei­li­che poli­ti­sche For­de­rung auf, die sich aus mei­nem par­tei­li­chen poli­ti­schen Ziel der Über­win­dung von Herr­schaft und Aus­beu­tung ergibt.

Män­ner arbei­ten im Patri­ar­chat weni­ger und bekom­men mehr Geld als Frauen. Das lehne ich poli­tisch ab. Das ist keine mora­li­sche Posi­tion, die Män­ner qua Uni­ver­sa­lis­mus /​ ‚Objek­ti­tät‘ ein­se­hen müß­ten, son­dern eine poli­ti­sche Posi­tion, die auch nur im poli­ti­schen Kampf durch­set­zen ist (und der auch dazu füh­ren kann, daß Män­ner aus ihrem sozia­len Geschlecht deser­tie­ren [vgl. S. 86, FN *]).

zu XI.

„Ein ver­nünf­ti­ger Antise­xis­mus kri­ti­siert die sexis­ti­schen Recht­fer­ti­gun­gen, wel­che sich die Leute zule­gen, weil ihm eine begrün­dete Geg­ner­schaft gegen die mit ihm gerecht­fer­tig­ten Benut­zungs­ver­hält­nisse zugrunde liegt, deren not­wen­dige Schäd­lich­keit für einen er nach­ge­wie­sen hat. Der Femi­nis­mus ist zwar eben­falls antise­xis­tisch, aber (im ‚anti-​​‘ ste­cken halt die Gründe für die Ableh­nung noch nicht drin), aber alleine des­halb, weil er mit dem Maß­stab Gleich­heit = Gerech­tig­keit = prima auf die Welt los­geht.“

Das ist doch absurd: Der bür­ger­li­che und sozi­al­de­mo­kra­ti­sche Gleich­heits­an­satz war immer nur eine Strö­mun­gen in der Frau­en­be­we­gung; und wie schon aus­ge­führt (Abschnitt II.), ist der Gegen­satz von Gleichheits-​​ und Dif­fe­renz­fe­mi­nis­mus seit But­lers De-​​Konstruktion der Geschlechter-​​Kategorie auch theo­re­tisch hin­fäl­lig.
Das bin ich auch nicht bereit, auf der Grund­lage einer Posi­tion, der augen­schein­lich jede Kennt­nis des femi­nis­ti­schen Debat­ten­stan­des fehlt, wei­ter­zu­dis­ku­tie­ren. Da gibt es nun wirk­lich einige Über­blicks­dar­stel­lun­gen, die Debatte gut zusam­men­fas­sen. Falls Dich das ernst­haft inter­es­siert, würde ich ein paar Lite­ra­tur­hin­weise zusam­men­stel­len.

@ Anti­de­mo­kra­ti­sche Aktion – 12. Okto­ber 2009 um 17:49 Uhr
[con­tra earen­dil – 12. Okto­ber 2009 um 17:22 Uhr]

„Dass der bür­ger­li­che Staat geschlechts­spe­zi­fi­sche Benut­zung erfun­den hätte, wollte ich auch nicht behaup­tet haben. Son­dern ich habe her­ge­lei­tet, wie die aktu­elle geschlechts­spe­zi­fi­sche Benut­zung aus­sieht, wel­che Kon­se­quen­zen das in der kapi­ta­lis­ti­schen Kon­kur­renz hat und in wel­chem Ver­hält­nis das zu recht­fer­ti­gen­den Ideo­lo­gien dar­über steht. Und das reicht auch völ­lig, denn ‚das gab es schon eher‘ ist eben kein Grund, das (trans­for­mie­rend) zu über­neh­men, son­dern da müs­sen schon eigene Zwe­cke dahin­ter ste­cken.“

Das unter­stellt auf der theo­re­ti­schen Ebene die Klas­sen­ver­hält­nisse und den bür­ger­li­chen Staat, als steu­ern­den­des Zen­trum, das das Geschlech­ter­ver­hält­nisse für seine Zwe­cke nutzt (das sei­ner­seits selbst ohne struk­tu­relle Bedeu­tung ist). Tat­säch­lich ist die mate­ri­elle Arbeits­tei­lung in der hie­si­gen und allen (?) /​ den aller­meis­ten bekann­ten bis­he­ri­gen Gesell­schaf­ten nicht nur nach Klas­sen, son­dern auch nach Geschlech­tern und Rassen/​Völkern seg­gre­giert, was Du zwar empi­risch aner­kennst, aber auf theo­re­ti­scher Ebene igno­rierst bzw. zum blo­ßen Epiphä­no­men der Klas­sen­ver­hält­nisse erklärst.
Und dafür bringst Du kein Argu­ment vor; geschweige denn, daß Du Dich mit der femi­nis­ti­schen Kri­tik an der mar­xis­ti­schen ‚Nebenwiderspruchs‘-These kon­kret aus­ein­an­der­set­zen wür­dest.

NACH­TRAG:

1.

Auf mei­nen Text gab es beim Mäd­chen­blog fol­gende Erwi­de­rung:

Anti­de­mo­kra­ti­sche Aktion – 13. Okto­ber 2009 um 20:57 Uhr.

2.

Darzu und zu dem ursprüng­li­chen Text der Anti­de­mo­kra­ti­schen Aktion (ADA) nahm ich dann wie folgt Stel­lung:

„In den bei­den Bei­trä­gen von ADA
Anti­de­mo­kra­ti­sche Aktion – 12. Okto­ber 2009 um 15:10 Uhr
und
13. Okto­ber 2009 um 20:57 Uhr
kann ich über­haupt keine Grund­lage erken­nen, um irgend­et­was am Geschlech­ter­ver­hält­nis sinn­voll zu ana­ly­sie­ren. Das ist der­ma­ßen weit weg von allem was in den letz­ten 40 Jah­ren wis­sen­schaft­lich und poli­tisch zu dem Thema dis­ku­tiert wurde, daß ich da keine pro­duk­tive Dis­kus­si­ons­mög­lich­keit ohne vor­her­ge­hende Absol­vie­rung eines Lektüre-​​Grundkurses sehe – von der m.E. ohne­hin erschöp­fend aus­dis­ku­tier­ten Moral­frage ganz abge­se­hen.“

3.

Dar­auf ant­wor­tete die ADA:

„Anti­de­mo­kra­ti­sche Aktion 14. Okto­ber 2009 um 16:45 Uhr

@ TaP:

* Es ist egal, ob Du mit Gleich­heit = Gerech­tig­keit einen Kampf begrün­dest, oder um Ein­sicht bit­test, weil das am kri­ti­sier­ten Feh­ler bezüg­lich Gleich­heit = Gerech­tig­keit = prima gar nix ändert. Dass Du den nicht machen wür­dest, habe ich nun bestimmt nicht behaup­tet.

* Wenn die 40 Jahre femi­nis­ti­sche Theo­rie­pro­duk­tion so tolle Resul­tate her­vor gebracht haben und es Dir wich­tig ist, diese zu ver­brei­ten, dann musst Du in Dis­kus­sio­nen schon deren Argu­mente wie­der­ge­ben. 40 Jahre sind näm­lich kein Argu­ment für gar nix. Wenn ich sage, dass Du mal ein paar Jahr­gänge MSZ und GSP auf­ar­bei­ten sollst, weil Du sonst eh nicht auf dis­kus­si­ons­wür­di­gen Stand bist, über­zeugt Dich das sicher auch nicht. Das ist doch nix als ein alber­nes Ehr­ret­tungs­spiel­chen.“

4.

Dazu nahm ich wie­derum wie folgt Stel­lung:

>>TaP – 14. Okto­ber 2009 um 23:16 Uhr:

@ Anti­de­mo­kra­ti­sche Aktion – 14. Okto­ber 2009 um 16:45 Uhr

„Es ist egal, ob Du mit Gleich­heit = Gerech­tig­keit einen Kampf begrün­dest, oder um Ein­sicht bit­test, weil das am kri­ti­sier­ten Feh­ler bezüg­lich Gleich­heit = Gerech­tig­keit = prima gar nix ändert.“

Ich sage als aller­ers­tes schon gar nicht, daß „Gleich­heit“ „gerecht“ sei. „Gerecht“ ist, was der Pro­duk­ti­ons­weise ent­spricht, wie Marx im Kapi­tal sagt.
Ungleich­ver­tei­lung von (Haus)arbeit und Ein­kom­men im Patri­ar­chat ist gerecht.
Und mora­lisch ist meine Argu­men­ta­tion auch nicht, da ich nicht sage, daß alle ein­se­hen müß­ten, daß Gleich­ver­tei­lung gut sei. (Wer/​welche einen Vor­teil aus einer Ungleich­ver­tei­lung hat, wird das in aller Regel genau umge­kehrt sehen.)
Ich sage: Die Ungleich­ver­tei­lung der Haus­ar­beit ist Aus­beu­tung von Frauen durch Män­ner, ob sich die Ein­kom­mens­dif­fe­renz prä­zise als „Aus­beu­tung“ fas­sen läßt, bin ich gerade nicht so sicher; jeden­falls sind diese Ungleich­ver­tei­lung von Ein­kom­men und Arbeit nur auf­grund von Herr­schaft von Män­nern über Frauen mög­lich.
Ich bin gegen Herr­schaft und Aus­beu­tung. Dies ist eine par­tei­li­che poli­ti­sche Wahl. [1] Sie läßt sich begrün­den; aber nicht bewei­sen.

„Wenn die 40 Jahre femi­nis­ti­sche Theo­rie­pro­duk­tion so tolle Resul­tate her­vor gebracht haben und es Dir wich­tig ist, diese zu ver­brei­ten, dann musst Du in Dis­kus­sio­nen schon deren Argu­mente wie­der­ge­ben.“

Längst gesche­hen, nur für Dich unin­ter­es­sant – da Deine „Erklä­rung“ der Frau­en­lohn­dis­kri­mi­nie­rung und der geschlechts­hier­ar­chi­schen Arbeits­tei­lung Dei­nes Erach­tens kei­ner Beweise bedarf.

1. Die von Dir genann­ten Fak­to­ren (14 Wochen Mut­ter­schafts­ur­laub und noch ein paar Klei­nig­kei­ten) rei­chen quan­ti­ta­tiv nicht aus, um den Umfang der Lohn­dif­fe­renz zu erklä­ren; von vorn­her­ein ver­gißt Du als Fak­tor, der zur Lohn­dif­fe­renz bei­trägt, daß Män­nern einen Fami­li­en­lohn gezahlt bekom­men (incl. Unter­halt für Ehe­frau und alle Kin­der, damit die Ehe­frau Haus-​​ und Erzie­hungs­ar­beit erle­digt und der Erwerbs­ar­beit [weit­ge­hend – Aus­nahme: ‚Zuver­dienst‘] fern­bleibt. Die­sen Fami­li­en­lohn bekom­men selbst Män­ner gezahlt, die weder Ehe­frau noch Kin­der haben.)
Für die Seg­gre­ga­tion des Erwerbs­ar­beit­mark­tes ist Dein Vor­schlag ohne­hin ein ziem­lich an den Haa­ren her­bei­ge­zo­ge­ner Erklä­rungs­zu­sam­men­hang.)

2. Du trittst hier als Theo­re­ti­ker auf, der meint andere Leute über ihr Ver­blei­ben in Ideo­lo­gie und Mora­lis­mus beleh­ren zu kön­nen. Also wirst Du von mir als Theo­re­ti­ker (und nicht als Per­son X, die in der Fuß­gän­ger­zone am Info-​​Stand vor­bei­kommt) behan­delt. Unwis­sen­heit von Theo­re­ti­ke­rIn­nen zu Grund­satz­fra­gen, zu denen sie sich äußern, ist nicht einem Man­gel an Gele­gen­heit, sich das Wis­sen zu ver­schaf­fen, son­dern Igno­ranz geschul­det.

3. Du trittst mit dem Anspruch an, die Lösung für ein vom Femi­nis­mus bis­her über­se­he­nes Pro­blem zu haben. Du meinst, die femi­nis­ti­sche Erklä­rung der Frau­en­lohn­dis­kri­mi­nie­rung nicht wider­le­gen zu müs­sen („ein schlech­ter Witz“), weil der ent­schei­dende Gesichts­punkt [“(Chancen-)Gleichheit“/ objek­tive Min­der­wer­tig­keit der weib­li­chen Arbeits­kraft) Dei­nes Erach­tens neben der femi­nis­ti­schen Dis­kus­sion liegt:

„Der Vor­wurf des Femi­nis­mus‘, dass es bei schlech­te­ren Löh­nen für Frauen und/​oder schlech­te­ren Chan­cen für den Auf­stieg in die Jobs der Elite (der einem übri­gens scheiß­egal sein kann, weil es schnurz ist, wel­ches Geschlecht die Cha­rak­ter­mas­ken des Fein­des haben), unge­recht, weil ungleich, zuge­hen würde, ist also ein schlech­ter Witz, wenn gerade die (Chancen-)Gleichheit nega­tiv gegen sie aus­schlägt.“
„Weil der bür­ger­li­che Staat (in ers­ter Linie) die Frauen für die Repro­duk­tion der Nation durch Nach­wuchs ver­ant­wort­lich macht, machen die Kapi­ta­lis­ten das nega­tiv an ihnen gel­tend: denn wenn die poten­ti­ell des­we­gen für ihren Dienst für sie aus­zu­fal­len dro­hen (Schwan­ger­schafts­schutz, Mut­ter­ur­laub, Betreu­ung kran­ker Kin­der etc.), dann müs­sen die die­sen Nach­teil in einer Kon­kur­renz der Freien und Glei­chen durch einen ande­ren Vor­teil wie­der aus­glei­chen, näm­lich bil­li­ger zu sein.“

Wert­theo­re­ti­sche Fra­gen in Bezug auf Frauen-​​ und Män­ner­löhne wur­den – und zwar in direk­ter Aus­ein­an­der­set­zung mit Marx (pro und con­tra) – aus­ge­hend von der sog. Hausarbeits-​​ /​ domestic labour-Debatte in extenso und bis in alle Ein­zel­hei­ten und in den ver­schie­dends­ten Vari­an­ten dis­ku­tiert.

Gibt mal im Social Sci­ence Cita­tion Index die­sen Buch­ti­tel ein:

Mari­a­rosa Dalla Costa /​ Selma James: Potere femmi­nile e sov­ver­sione sociale con I posto della donna, Vene­zia, 1973
sowie die Titel der deut­schen, eng­li­schen, kas­ti­li­schen (’spa­ni­schen‘) sowie fran­zö­si­schen Aus­gabe (ver­mut­lich gibt es wei­tere Aus­gabe)

und laß‘ Dir die Auf­sätze anzei­gen, die die­ses Buch zitie­ren [2] – und der Lese­stoff, den 40 Jahre „Gegen­stand­punkt“ erge­ben wür­den (wenn es denn die­ses maß­geb­li­che Blatt der inter­na­tio­na­len wis­sen­schaft­li­chen und poli­ti­schen Dis­kus­sion schon solange geben würde), wären ein Flie­gen­schiß dage­gen.

Die zen­tra­len Argu­mente aus der Hausarbeits-​​Debatte, die dafür rele­vant sind, eine kapital-​​funktionale Erklä­rung des Patri­ar­chats zurück­zu­wei­sen, sind von mir dort ver­ar­bei­tet:
http://​theo​rie​als​pra​xis​.blog​sport​.de/​1​9​9​1​/​1​1​/​1​6​/​w​o​-​v​i​e​l​-​l​i​c​h​t​-​i​s​t​-​i​s​t​-​a​u​c​h​-​v​i​e​l​-​s​c​h​a​tten/
, Abschnitt II.B.2.

4. Du ver­hältst Dich wie jemand, der meint, ein von der heu­ti­gen phy­si­ka­li­schen Theo­rie über­se­he­nes Pro­blem zu lösen zu kön­nen – und dann (ohne irgend­et­was von der heu­ti­gen phy­si­ka­li­schen Theo­rie zu zitie­ren, geschweige denn zu wider­le­gen) eine Lösung auf der Grund­lage anbie­tet, daß Atome die kleins­ten, unteil­ba­ren Teil­chen seien.

[1] Vgl. Michel Fou­cault, Zur Genea­lo­gie der Ethik: Ein Über­blick über lau­fende Arbei­ten (1983), in: ders., Schrif­ten in vier Bände. Dits et Ecrits. Bd. IV, Suhr­kamp: Frank­furt am Main, 2005, 461 – 498 (465) = Hubert L. Drey­fus /​ Paul Rabi­now, Michel Fou­cault. Jen­seits von Struk­tu­ra­lis­mus und Her­me­neu­tik, Beltz Athe­näum: Wein­heim, 19942, 265 – 292 (268) und Richard Schwarz, Vor­wort, in: Jac­ques Don­ze­lot /​ Denis Meu­ret /​ Peter Mil­ler /​ Niko­las Rose, Zur Genea­lo­gie der Regu­la­tion. Anschlüsse an Michel Fou­cault, Deca­ton: Mainz, 1994, 7 – 12 (11).

[2] Die deutsch­spra­chige Debatte zu die­sem Thema wurde nicht nur in den bei­trä­gen zur femi­nis­ti­schen theo­rie und pra­xis, son­dern u.a. auch in der PROKLA (die damals noch Pro­bleme des Klas­sen­kamp­fes hie­ßen), im Argu­ment und in der alter­na­tive (linke Zeit­schrift mit lite­ra­tur­wis­sen­schaft­li­chem und philosophisch-​​politischem Schwer­punkt, die von 60er bis zu den 80er Jah­ren erschien), geführt. – Wenn’s um „Staats­a­blei­tung“ geht, kennst Du Dich ja auch mit die­sen ‚ollen Kamel­len‘ aus, warum also nicht auch, wenn’s um’s Geschlech­ter­ver­hält­nis geht?! --- Our fight aims to sup­p­ress men as a class„!<<

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14 Antworten auf „Zur Kritik des marxistisch-gegenstandpunklerischen Kleinredens von Sexismus und Patriarchat“


  1. 1 antikap 14. Oktober 2009 um 22:41 Uhr

    Beim Lesen einiger Stellen sind mir Ergänzungen, Einwände und Fragen eingefallen:

    TaP: „Der Mutterschaftsurlaub beträgt in der BRD 14 Wochen pro Geburt. Wieviel Wochen Mutterschaftsurlaub ergibt das durchschnittlich pro Frau? Wieviel Prozent der durchschnittlichen Lebenserwerbsarbeitszeit von Frauen macht das aus?“

    Es ist aber zu berücksichtigen, dass viele Frauen mit der Mutterschaft für mehrere Jahre (nicht nur die vorgesehenen 14 Wochen!) ganz aus der Erwerbstätigkeit fallen. Das Haushaltseinkommen muss dann, Subsidiaritätsprinzip sei Dank, von lohnarbeitenden Haushaltsmitgliedern erwirtschaftet werden. Da das meistens (Ehe)männer sind, kann dieser erhöhte Lohn, der auf einmal für drei oder mehr Leute reichen muss, in der kapitalistischen Kalkulation nur durch eine massive Kürzung beim Lohn der Frauen finanziert werden bzw. muss auch so finanziert werden, da Frauen für einen längeren Lebensabschnitt ein beträchtliches Einkommen vom Ehemann beziehen.

    TaP: „Der – von den Gewerkschaften durchgesetzte – Familienlohn ist für das Kapital völlig uninteressant“

    1. ist der Familienlohn keineswegs noch so durchgesetzt. Vielmehr hat das Kapital die zunehmende Erwerbstätigkeit der Frauen dazu genutzt, die Löhne von Männern auf das Niveau der Löhne der Frauen abzusenken.

    2. ist er aus o.g. Gründen noch interessant fürs Kapital. Denn der Umfang der Erwerbstätigkeit von Frauen ist immer noch dabei, sich dem bei Männern anzugleichen. Solange der nicht für beide Geschlechter gleich ist, kann das Kapital bei Gefahr des Wegbrechens der Reproduktionsbedingungen (und damit ist nicht in erster Linie die Fortpflanzung gemeint, sondern einfaches Überleben) seiner Lohnarbeiter nicht gleiche Löhne zahlen.

    TaP: „Der Familienlohn resultiert allein aus dem Interesse lohnabhängigen Männern, erst einmal das gesamte Familieneinkommen in der Tasche und damit entsprechend starken Einfluß auf dessen Verwendung zu haben.“

    1. Diese Aussage ist sehr spekulativ, und das nicht nur, weil das Kapital nicht als Wunscherfüller für Lohnabhängige auftritt, der deren Interessen bedient. Der Familienlohn, sofern noch vorhanden, dürfte wohl eher der ungleichen Aufteilung von Haushalts- und Erziehungsarbeit auf die Geschlechter geschuldet sein. Und diese Aufteilung können Männer nicht alleine, weder als Individuum gegen den Willen der Gattin noch als Kollektiv „Männer“ gegen „die Frauen“, festlegen. Die Versorgerrolle ist vom ersten Tag im Leben der meisten Männer schon durch die Erziehung und Lebensplanung vorgezeichnet.
    2. Zweitens ist der Zweck, der mit dem angeblichen Interesse der Männer angeblich verbunden sein soll, nicht so pauschal zu ermitteln. Der Zweck alleine wäre auch noch nicht die realisierte Wirkung. (Verfällst du jetzt auch schon dem sonst von dir kritisierten MG-Zweckfetisch?) Üblicherweise ist es so, dass Frauen – als Manager des Haushalts, die sie überwiegend sind – die Finanzen des Haushalts kontrollieren und verwalten. Dass nominell der Mann einen Großteil des Einkommenens vorübergehend „in der Tasche“ hat, ändert daran überhaupt nichts. Schließlich bestimmen Arbeitnehmer auch nicht zu 50% in den Sozialkassen mit, obwohl sie sie nominell zu 50% – real natürlich zu 100% – finanzieren. Eine Frau hat viele Mittel, etwa (Ankündigung der) Gewährung gewisser Begünstigungen oder (Drohung mit der) Verweigerung gewisser Zuwendungen, sich einen ordentlichen Tribut abzupressen, falls dieser nicht ohnehin schon freiwillig vom „modernen“, feministischen, „partnerschaftlichen“, aufopferungsvollen Gatten geleistet wird, der i.d.R. seine Rolle kennt. Mit „Geld“ als Hauptmotiv für eine Ehe laut eigener Aussage von Frauen (vs. „Liebe“ bei Männern) scheint von Frauen diese Einnahmequelle auch bewusst angestrebt und das unumwunden zugegeben werden. Das meine ich überhaupt nicht boshaft gegen Frauen. Schließlich streben auch Männer bewusst und eifrig ihre Versorgerrolle an. Vermutlich wissen beide Geschlechter mehrheitlich nicht um die Folgen der Rollen, in die sie hineinwachsen, wie fatal für den jeweils anderen und wie unauflöslich ihre beiden Rollen verschränkt sind.

    TaP: „Bzgl. des Sexismus – den Du hier einfach unter den Tischfallen läßt, weil er für Dich einfach nur ein Epiphänomen von bürgerlichem Staat und Kapitalismus ist (…)“

    Wieso liegt da ein Sexismus vor? Aus welchen Daten schließt du das? Oder auf welche Zahlen von Datenschlag beziehst du dich?

    TaP: „Zu den „Männlein und Weiblich“: Die gibt es in einer post-sexistischen Gesellschaft als soziale Kategorien gar nicht mehr.“

    Heißt das, dass das soziale Geschlecht aufgegeben wird? Wie kann das biologisch funktionieren, wie kann es umgesetzt werden? Werden Personen mit sozialem Geschlecht männlich feminisiert oder alle an ein indifferentes Zwischengeschlecht angenähert? Welches Interesse würde durch ein solches Projekt befriedigt? Vielleicht verstehen wir unter „sozialem Geschlecht“ auch Unterschiedliches.

    TaP: „In der Tat bietet für Frauen kapitalistische Erwerbsarbeit (und zumal besser bezahlte Jobs), die Geld direkt in ihre eigenen Taschen fließen läßt, mehr Möglichkeiten als Hausarbeit in völlig patriarchaler Abhängigkeit.“

    Wegen oben Ausgeführtem ist schon die Diagnose falsch. Wieso hat man „mehr Möglichkeiten“, wenn man statt 1-2 Stunden in einer entspannten Umgebung 10 Stunden täglich unter kapitalistischem Kommando arbeitet und dafür noch weniger Gegenleistung bekommt? Wäre es nicht vernünftiger, statt Lohnherabsetzung bei Männern zu fordern (nichts anderes ist die Lohnangleichung), für eine Industrialisierung der Haus- und Erziehungsarbeit einzutreten? Statt Geschlechterkampf und -nihilismus zur Freude der Kapitalisten könnte man eine Befreiung der Geschlechterbeziehungen von Reproduktionsaufgaben anstreben, indem diese Aufgaben gemeinschaftlich (nicht in der Paargemeinschaft, sondern im Proletariat) organisiert werden und man ein von ökonomischen Zwängen möglichst befreites Verhältnis zwischen Angehörigen der verschiedenen Geschlechter einrichtet. Die größte Hürde in einer kapitalistischen Gesellschaft dürfte dabei sein, Frauen durch die Gesellschaft wie durch die Familie nicht auf ihre Hausfrauenrolle hin zu erziehen und ihnen ideologische Waffen an die Hand zu geben, damit sie nicht in diese Rolle hineinwachsen oder zurückfallen.

    TaP: „Männer arbeiten im Patriarchat weniger und bekommen mehr Geld als Frauen.“

    Das widerspricht erneut völlig der allgemeinen Erfahrung. Schon die Einordnung als Patriarchat ist für kapitalistische Gesellschaften nicht nachvollziehbar. Darüber, dass 2 Std.

  2. 2 TaP 15. Oktober 2009 um 19:28 Uhr

    Ich habe das eben erst in der SPAM-Liste entdeckt und rausgefischt.

    Eine Fortsetzung nach „Darüber, dass 2 Std. …“ scheint es aber nicht zu geben.

    Zum Inhalt später.

  3. 3 antikap 15. Oktober 2009 um 20:51 Uhr

    Die Fortsetzung war:

    Darüber, dass 2 Std. kleiner 10 Std., sind wir uns hoffentlich einig. Dann musst du eine sehr merkwürdige Quelle für deine Daten über Arbeitszeit und Lohn haben. Könntest du die angeben?

  4. 4 TaP 16. Oktober 2009 um 17:40 Uhr

    1.

    „Es ist aber zu berücksichtigen, dass viele Frauen mit der Mutterschaft für mehrere Jahre (nicht nur die vorgesehenen 14 Wochen!) ganz aus der Erwerbstätigkeit fallen.“

    Ja, aber während der Zeit werden sie – im Gegensatz zum Mutterschutzurlaub – auch nicht bezahlt. Auch die ‚verschwendeten‘ Ausbildungs- und Anlern-Kosten fallen diesbzgl. – wie bereits ausgeführt – sicherlich kaum ins Gewicht: „Die Allgemeinbildung der Ware Arbeitskraft wird ohnehin aus dem – überwiegend von den Lohnabhängigen aufgebrachten – Steueraufkommen finanziert; dito die Berufsschulen; der betriebliche Teil der Berufsausbildung ist schlecht bezahlt, aber mit Arbeitsleistung verbunden. Frauen werden vermutlich überproportional in ungelernten Berufen eingesetzt (Putzkraft, Küchenhilfen etc.)? Auch ‚verschwendete‘ Ausbildungskosten sind also vom Kapital nicht in erheblicher Höhe zu kalkulieren.“

    Der von Dir genannte Faktor kann also nicht die Ursache dafür sein, daß Frauen (in der Zeit, in der sie dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen) schlechter bezahlt werden als Männer auf gleicher Hierarchiestufe (zumal, wenn es sich um Erwerbstätigkeit nach der Kinderphase handelt, also ein weiterer Ausfall wegen Kindern nicht zu erwarten ist).

    (Hinzukommt: Jedenfalls ADAs Verantwortlichmachen des Staates kann Deine Ergänzung nicht stützen. Zwar wird die Zuständigkeit von Frauen für die Haus- und Erziehungsarbeit durch das EhegattInnensplitting im Steuerrecht gestützt. Dieses ist aber – anders als die Frauenlohndiskriminierung – kein internationales Phänomen.
    Und auch das EhegattInnensplitting ist als solches geschlechtsneutral; es greift auch ein, wenn die Frau viel und der Mann wenig verdient. Das Ehegattensplittung wirkt also nur unter der Bedingung des Bestehens der Lohndifferenz reproduzierend in Bezug auf die Frauen-Zuständigkeit für die Hausarbeit.)

    2.

    „Es ist aber zu berücksichtigen, dass viele Frauen mit der Mutterschaft für mehrere Jahre […] ganz aus der Erwerbstätigkeit fallen. Das Haushaltseinkommen muss dann, […] von lohnarbeitenden Haushaltsmitgliedern erwirtschaftet werden. Da das meistens (Ehe)männer sind, kann dieser erhöhte Lohn, der auf einmal für drei oder mehr Leute reichen muss, in der kapitalistischen Kalkulation nur durch eine massive Kürzung beim Lohn der Frauen finanziert werden“

    Ja, aber damit setzt Du ja das Phänomen schon voraus, daß wir erst erklären wollen: Wir wollen ja erklären / herausfinden, warum Männer mehr Lohn als Frauen bekommen.
    Völlig klar ist, wenn Männer mehr Lohn als Frauen bekommen, dann ist es naheliegend, daß Männer die Erwerbsarbeit und Frauen die Hausarbeit machen. Uns geht es aber gerade um die Klärung der Ursache der Situation, die den fraglichen Effekt hervorruft, oder?
    Und diese Ursache liegt nicht in der Marktkonkurrenz der Arbeitskraft-AnbieterInnen (s. 1.). Wäre der Familienlohn für Männer nicht historisch von den Gewerkschaften durchgesetzt worden, sondern würden Männer und Frauen gleichbezahlt und hätten gleich gute/schlechte Aufstiegschance, bestände überhaupt kein Anreiz, daß Frauen vorrangig für Kindererziehung und Hausarbeit zuständig sein sollen (außer daß Männer sich für diese Arbeiten qua ‚Anrufung‘ [Althusser] durch sexistische Ideologie nicht zuständig fühlen).

    3.

    „kann dieser erhöhte Lohn […] in der kapitalistischen Kalkulation nur durch eine massive Kürzung beim Lohn der Frauen finanziert werden“

    Ja, wenn Männer überdurchschnittlich viel Lohn bekommen, müssen Frauen unterdurchschnittlich viel Lohn bekommen. Das ist kapitalistische Logik.
    Aber, daß der Lohn überhaupt geschlechtsspezifisch unterschiedlich ist, entspringt nicht immanenter kapitalistischer Logik, sondern der Überlagerung des kapitalistischen Klassenverhältnisses durch das patriarchale Geschlechterverhältnis.

    4.

    „Vielmehr hat das Kapital die zunehmende Erwerbstätigkeit der Frauen dazu genutzt, die Löhne von Männern auf das Niveau der Löhne der Frauen abzusenken.“

    a) Naja, was heißt „das Kapital [… hat] genutzt“?! Selbst, wenn es faktisch so wäre, wie Du sagt: dann wäre ja alles im Rahmen der kapitalistischen Logik.
    Steigen bei einem bestimmten historisch erkämpften Reproduktionsniveau die Familieneinnahmen, weil Frauen vermehrt Erwerbsarbeit nachgehen, so müssen die Männerlöhne sinken – es sei denn, es gelingt der ArbeiterInnenklasse eine Erhöhung des Reproduktionsniveaus durchzusetzen.

    Das klassen- (und geschlechter-!) politische Problem liegt hier nicht bei der Lohnhöhe, sondern beim Arbeitszeitvolumen. Das Problem ist nicht das Sinken der Männerlöhne, sondern daß nicht im gleichen Maße die (Erwerbs)Arbeitszeit (der Männer) reduziert wird (mangels momentaner Kampfkraft und in Anbetracht falscher politischer Orientierung der ArbeiterInnenklasse). Unter dieser spezifischen historischen Bedingung bewirkt der Anstieg der Frauenerwerbstätigkeit einen Anstieg der Profitrate des Kapitals (die Lohnsumme bleibt Pi mal Daumen gleich [Frauen bekommen Löhne, die sie früher nicht erhielten; Männer erhalten weniger Lohn; die Männerarbeitszeit bleibt gleich, aber die Frauenerwerbsarbeitszeit kommt hinzu).

    Das geschlechterpolitische Problem an der Sache ist: Da die Männererwerbsarbeitzeit nicht sinkt, entziehen sie sich weiterhin der Hausarbeit; die Frauen bleiben vorrangig für die Hausarbeit zuständig, aber Erwerbsarbeitzeit kommt nun noch hinzu.
    Die Umverteilung der Hausarbeit wäre sowohl aus feministischer Perspektive geschlechterpolitisch zu begrüßen, als auch sinnvoll, da dies einen Anreiz für die männlichen Teil der Arbeitsklasse bedeuten würde, für Arbeitszeitverkürzung zu kämpfen.

    b) Das von Dir behauptete Ursache-Wirkungs-Verhältnis scheint in keiner Weise haltbar zu sein:

    ++ Von 1960 bis 1980 blieb die Frauenerwerbsquote in der BRD fast gleich. Von 1980 bis 1989 steigt sie um rund 5 Prozentpunkt von ca. 50 % auf ca. 55 % an.

    ++ Seitdem ist sie um weitere gut 10 Prozentpunkte angestiegen (davon ca. zwei Punkte wegen der höheren Frauenerwerbsquote in der Ex-DDR). „Wenn auch die Zahl berufstätiger Frauen in Deutschland seit 1991 angestiegen ist, hat jedoch das Arbeitsvolumen von Frauen (die Gesamtheit aller von Frauen geleisteten Erwerbsarbeitsstunden) insgesamt nicht zugenommen. So ist die Zahl der Frauen in Vollzeitstellen stark gesunken, während zugleich viele Frauen eine Teilzeitarbeit oder eine geringfügige Beschäftigung begonnen haben.“ (http://de.wikipedia.org/wiki/Frauenerwerbsquote).

    Wenn überhaupt ein Zusammenhang besteht, dürfte die steigende Frauenerwerbsquote eher eine Reaktion auf die aus ganz anderen Gründen erfolgte Enwicklung der Reallöhne als eine Ursachen deren Sinkens sein:

    ++ Der Anstieg der Reallöhne ist schon im Laufe der 70er Jahre, als die Frauenerwerbstätigkeit stabil blieb, stark gesunken (http://www.diw.de/sixcms/detail.php?id=diw_02.c.289465.de, S. 552, Abb. 1 und 2). Dies dürfte dann – kompensatorisch – zum Anstieg der Frauenerwerbsquote in den 80er Jahren beigetragen haben; im Laufe der 80er stiegen die Reallöhne (nicht nur brutto, sondern auch netto) weiterhin – wenn auch nur schwach (ebd.). In den 90er Jahren stiegen sowohl Frauenerwerbsquote als auch Reallöhne weiterhin (ebd.); erst seit Anfang dieses Jahrtausends sinkt nicht mehr nur der Anstieg der Reallöhne, sondern die Reallöhne selbst sinken (ebd. + S. 553, Abb. 3), allerdings – wie gesagt – ohne daß das Frauenerwerbsarbeitszeitvolumen steigen würde.
    (Ich vermute [abgesehen von einem modernisierten Rollenverständnis]: Der gewohnte Anstieg des Lebensstandards wurde versucht, dadurch beizubehalten, daß mehr Frauen Erwerbsarbeit suchten – nur gab es dafür gar nicht genug Nachfrage. So stieg die Frauenerwerbsquote, aber nicht das Frauenerwerbsarbeitszeitvolumen. Folglich konnte der angestrebte Effekt – bei nur schwach steigenden Reallöhnen – nicht erreicht werden.)

    ++ Die Verschiebung des Kräfteverhältnisses zwischen ArbeiterInnenklasse und Kapital zeigt sich in den 80er und 90er Jahren – im großen und ganzen – noch nicht in einem Sinken der Reallöhne, sondern in einem Zurückbleiben der Reallöhne hinter dem Wirtschaftswachstum, also einem Sinken der Lohnquote (ebd., S. 558, Abb. 10), bzw. einem Zurückbleiben hinter der Produktivitätssteigerung (http://www.eurofound.europa.eu/eiro/2000/07/study/tn0007402s.htm; Abschnitt „Real wage developments“ + Figure 3).

    5.

    [TaP:] „Der Familienlohn resultiert allein aus dem Interesse lohnabhängigen Männern, erst einmal das gesamte Familieneinkommen in der Tasche und damit entsprechend starken Einfluß auf dessen Verwendung zu haben.“
    [antikap]: „Diese Aussage ist sehr spekulativ, und das nicht nur, weil das Kapital nicht als Wunscherfüller für Lohnabhängige auftritt, der deren Interessen bedient. Der Familienlohn, sofern noch vorhanden, dürfte wohl eher der ungleichen Aufteilung von Haushalts- und Erziehungsarbeit auf die Geschlechter geschuldet sein.“

    Im Grundsatz ist daran gar nichts spekulativ: Der Familienlohn war eine tatsächlich in den Gewerkschaften diskutierte, bewußt beschlossene und in Arbeitskämpfen durchgesetzte Forderung. (Das ist etwas ganz anderes als der von Dir bei mir befürchtete tatsächlich spekulative ‚Zweck-Fetisch‘ des Gegenstandpunkts [“Verfällst du jetzt auch schon dem sonst von dir kritisierten MG-Zweckfetisch?“]).
    Zutreffend ist allerdings, daß auch die Aufteilung der Haus- und Familienarbeit eine Rolle spielt – allerdings nicht als einfach ‚gegebene‘ Ursache, sondern die wurde im gleichen Prozeß erst durchgesetzt (Anpassung an das bürgerliche Vorbild der zu Hause bleibenden Ehefrau [die dort allerdings anders die proletarischen Frauen Haushälterinnen und Kindermädchen zur Verfügung hatten]).1
    Die deutsche Sektion der Internationalern Arbeiterassoziation war 1866 der Ansicht, daß die „ernsten öffentlichen Pflichten“ die „des Mannes und Vaters“ seien, während die „Frau und Mutter […] die Gemüthlichkeit und Poesie des häuslichen Lebens vertreten“ soll. „Den Frauen und Müttern gehören die Haus- und Familienarbeiten, die Pflege,
    Überwachung und erste Erziehung der Kinder.“2

    6.

    „Und diese Aufteilung können Männer nicht alleine, weder als Individuum gegen den Willen der Gattin noch als Kollektiv ‚Männer‘ gegen ‚die Frauen‘, festlegen. Die Versorgerrolle ist vom ersten Tag im Leben der meisten Männer schon durch die Erziehung und Lebensplanung vorgezeichnet.“

    Ja, so war das in der Hochphase des Fordismus, aber historisch mußte das erst in den Auseinandersetzungen in der Arbeiterklassen über Frauenerwerbstätigkeit durchgesetzt werden. Und genauso historisch kontingent wurde diese Zuständigkeit von der Frauenbewegung in politischen Kämpfen wieder in Frage gestellt.

    7.

    „Üblicherweise ist es so, dass Frauen – als Manager des Haushalts, die sie überwiegend sind – die Finanzen des Haushalts kontrollieren und verwalten.“

    Nein, üblicherweise bekommen sie ein Haushaltsgeld (für die Familie) und ein Taschengeld (für sich) zugeteilt – und damit müssen sie auskommen; über Großausgaben (z.B. PKW) liegt das letzte Wort weiterhin beim Mann (so zumindest die letzten mir – alllerdings nur aus zweiter Hand bekannten – Studien zu diesem Gegenstand).

    8.

    [TaP:] „Bzgl. des Sexismus – den Du hier [BDSM-Sex] einfach unter den Tischfallen läßt, weil er für Dich einfach nur ein Epiphänomen von bürgerlichem Staat und Kapitalismus ist (…)“
    [antikap]: „Wieso liegt da ein Sexismus vor? Aus welchen Daten schließt du das? Oder auf welche Zahlen von Datenschlag beziehst du dich?“

    Der Seximus liegt in der starken Geschlechterseggregation des Interesses an BDSM und der Rollen von Dominanz und Unterwerfung.

    9.

    „Heißt das, dass das soziale Geschlecht aufgegeben wird? Wie kann das biologisch funktionieren, wie kann es umgesetzt werden?“

    Sind das rhetorische Frage = ein politischer Einwand? Oder Verständnisfragen?
    Die grundlegende sozialwissenschaftliche Erkenntnis, auf die sich spätestens die neue Frauenbewegung seit Ende der 60er Jahre gestützt hat, lautet, daß am Geschlechterverhältnis außer dem Vorgang der Zeugung, der Schwangerschaft und der Geburt nichts, aber auch gar nicht biologisch ist.
    Alles andere ist „sozial“ (gesellschaftlich produziert), ‚Sozialisation‘ (soziologisch gesprochen), ‚ideologische Anrufung‘ (althusseristisch gesprochen), vergeschlechtlichte Subjektkonstitution (poststrukturalistisch-dekonstruktivistisch gesprochen), Konstruktion (sozialkonstruktivistisch-ethnomethodologisch gesprochen), ‚Manipulation‘/'Deformation‘/'falsches Bewußtsein‘ (‚frankfurterisch‘ gesprochen) – oder wie immer bezeichnetet.
    Zu den Feinheiten und Schwierigkeiten diese Unterscheidung zwischen sozialem und biologischem Geschlecht siehe dort: http://theoriealspraxis.blogsport.de/2009/09/29/was-war-an-butler-eigentlich-neu-text-1/.

    10.

    „Werden Personen mit sozialem Geschlecht männlich feminisiert oder alle an ein indifferentes Zwischengeschlecht angenähert?“

    Das Ziel ist, daß die Kategorisierung bestimmter ‚Eigenschaft‘, Verhaltensweisen und Zuständgkeiten als ‚männlich‘ und ‚weiblich‘ überwunden wird.

    11.

    „Wieso hat man ‚mehr Möglichkeiten‘, wenn man statt 1-2 Stunden in einer entspannten Umgebung 10 Stunden täglich unter kapitalistischem Kommando arbeitet und dafür noch weniger Gegenleistung bekommt?“

    1-2 Stunden?! Aber Du weißt schon wieviel Stunden Haus- und Erziehungsarbeit ausmachen?
    Frauen haben mindestens eine 35 Stunden-Woche allein an Hausarbeit, Einkaufen, Betreuungsaufgaben (http://edoc.hu-berlin.de/dissertationen/schulze-detlef-georgia-2004-06-10/PDF/schulze.pdf, S. 117).

    „entspannten Umgebung“ – da hatte Lenin eine etwas realistischere Vorstellung von Hausarbeit „Die Hauswirtschaft ist in den meisten Fällen die unproduktivste, die barbarischste und schwerste Arbeit, […]. Es ist eine sich im allerengsten Rahmen bewegende Arbeit, die nichts enthält, was die Entwicklung der Frau irgendwie förden könnte.“ (Über die Aufgaben der proletarischen Frauenbewegung [1919], in: ders., Werke. Bd. 30, 23-29 [26]; auf Engl.)

    12.

    „Wäre es nicht vernünftiger, statt Lohnherabsetzung bei Männern zu fordern (nichts anderes ist die Lohnangleichung), für eine Industrialisierung der Haus- und Erziehungsarbeit einzutreten?“

    a) Wenn gleichzeitig Frauen neues Einkommen erzielen und Arbeitszeitverkürzung durchgesetzt wird, sind sinkende Männerlöhne in dem Zusammenhang kapitalimmanent ein absolut nachrangiges Problem.

    b) Die ganze Technisierung der Hausarbeit seit dem 19. Jh. hat nur marginal eine Verminderung der Hausarbeitszeit von Frauen bewirkt.

    c) Auch mit einer Kollektivierung der Hausarbeit (so die klassisch marxistisch-frauenbewegte Position) wäre es nicht getan, wenn dann Frauen kollektiv statt individuell für die gleichen Arbeiten zuständig sind (das ist auch der definitive Schwachpunkt der leninschen Position zu dieser Frage).

    13.

    „Statt Geschlechterkampf und -nihilismus zur Freude der Kapitalisten könnte man eine Befreiung der Geschlechterbeziehungen von Reproduktionsaufgaben anstreben, indem diese Aufgaben gemeinschaftlich (nicht in der Paargemeinschaft, sondern im Proletariat) organisiert werden und man ein von ökonomischen Zwängen möglichst befreites Verhältnis zwischen Angehörigen der verschiedenen Geschlechter einrichtet.“

    Nicht anders als im Falle des Klassenkampfes ist der Geschlechterkampf zunächst einmal ein Kampf ‚von oben‘: die Durchsetzung eines Herrschafts- und Ausbeutungsverhältnisses.
    In dem Maße, wie die ‚oben‘ bereit wären, ihre herrschende und ausbeutende Position aufzugeben, wäre auch der Kampf von ‚unten‘ gegen diese Herrschaft und Ausbeutung überflüssig.
    Es ist doch männliches ‚Standesdenken‘ (zu ‚fein‘ sein, für Kloputzen; den Familienlohn und die besseren Jobs, Verfügung über den weiblichen Körper beanspruchen), der die ArbeiterInnenklasse gespalten hat und weiterhin spaltet. – Ganz genauso, wie der weiße Rassismus in der Metropolen-ArbeiterInnenklasse die internationale ArbeiterInnenklasse spaltet.

    14.

    „Schon die Einordnung als Patriarchat ist für kapitalistische Gesellschaften nicht nachvollziehbar.“

    „Patriarchat, patriarchal“ wird – entgegen der Etymologie – im modernen feministischen Sprachgebrauchs nicht mehr speziell für die Herrschaft des Vaters, sondern für die der Männer gebraucht.

    Der Feminismus verwendet den Begriff „Patriarchat“ nicht (nur) für „the feudal rule of the father as head of the household over ‚his‘ woman, children, labourer and servants“. Vielmehr ist die „general assumption behind the discussion of present-day patriarchy […] that even if women have been oppressed throughout history, patriarchy today is not simple a historical left-over. The subjection of women is not just the last kind of inequality to be removed, as John Stuart Mill thought, but an integrated part of the structure of present-day society.“ (Drude Dahlerup, Confusing concepts – confusing reality: a theoretical discussion of the patriarchal state, in: A. Showstack Sassoon (Hg.), Women and the State. The shifting boundaries of public and private, Unwin Hyman: London, 1987, 93-127 [93, 96]).

    Entsprechend schreibt auch Juliet Mitchell (Frauenbefreiung – Frauenbewegung (1966-1971), Ullstein: Frankfurt am Main / [West]berlin / Wien, 1981, 60, 62), daß der Begriff Patriarchat verwendet wird, „nicht um die Herrschaft des Vaters zu bezeichnen, sondern die Herrschaft der Männer überhaupt. […], so daß wir sagen können, Feminismus ist die Überzeugung, daß die Unterdrückung der Frau zuallererst dagewesen ist und losgelöst werden kann von jedem spezifischen historischen Kontext.“

    15.

    „Darüber, dass 2 Std. kleiner 10 Std., sind wir uns hoffentlich einig. Dann musst du eine sehr merkwürdige Quelle für deine Daten über Arbeitszeit und Lohn haben. Könntest du die angeben?“

    In der BRD ist nur bei Ehepaaren mit Kindern die Gesamtarbeitsbelastung (jeweils: Reproduktions- + Erwerbsarbeit) von Männern und Frauen in etwa gleich; in allen anderen Paarkonstellationen ist auch die Gesamtbelastung der Frauen höher als die der Männer: Erlend Holz, Zeitverwendung in Deutschland – Beruf, Familie, Freizeit –, Metzler-Poeschel: Stuttgart, 2000, 110 (aufgrund einer Zeitbuget-Studie des Statistischen Bundesamtes).

    1. „Diese juristischen Umsetzungen der Diskurse über das Wesen der Frau wurden allerdings nicht allein von bürgerlichen Kreisen getragen. Auch Teile der sich formierenden Gewerkschaftsbewegung unterstützten eine Einschränkung der Frauenlohnarbeit nicht nur aus philanthropischen Gründen, sondern um einer weiblichen Schmutzkonkurrenz vorzubeugen. Man befürchtete, daß Frauen aufgrund ihrer niedrigeren Löhne Männer von ihren Arbeitsplätzen verdrängen und so die natürliche geschlechtliche Arbeitsteilung auf den Kopf stellen würden. Daß die Haltung der Gewerkschaften zur Frauenerwerbstätigkeit lange Zeit ambivalent war, zeigt sich auch in der Forderung nach einem Familienlohn, der es dem männlichen Arbeiter ermöglichen sollte, eine ausschließlich mit der Reproduktionsarbeit beschäftigte Frau und Kinder zu ernähren. Eine Position, die gerade in Zeiten hoher Arbeitslosigkeit und verstärkten ökonomischen Drucks auf die Lohnabhängigen die gewerkschaftliche Politik dominierte und egalitäre, an der Forderung nach gleichem Lohn für gleiche Arbeit orientierte Positionen marginalisierte.“ (http://www.nadir.org/nadir/archiv/Feminismus/GenderKiller/gender_10.html)
      „Nun ist unser Familienideal nicht so sehr alt. Ich habe vorhin Frykman und Löfgren zitiert, die die oskarsche Frau beschrieben haben, voll von Liebe und Fürsorge, lieber passiv als aktiv. Der karrierebewußte Homo oeconomicus, der von ökonomischen Zweckmäßigkeitserwägungen geleitete Mann, wurde der zarten femina domestica, der Hausfrau entgegengestellt. Diese ‚neue‘ Mutter, die es als ihre Berufung ansah, ‚ein Zuhause zu erbauen‘ wurde nach und nach auch ein Ziel für die Arbeiterklasse. Die Gewerkschaftsbewegung und die sozialistische Bewegung der meisten entwickelten Industrieländer hatten schon von den 1840er-Jahren an die Forderung nach ‚einem Familienlohn von dem sich leben läßt‘ erhoben, schreibt Peder Martin Lysestøl. […]. Die Forderung nach Verbesserungen für die Arbeiterklasse nahm das bürgerliche Familienideal als vorbildhaftes Modell. “ (http://www.trend.infopartisan.net/trd1198/t071198.html).
      „Erst die technische Höherentwicklung der Produktion ergab die Notwendigkeit, den Arbeitenden bestimmte Qualitäten zu verschaffen bzw. anzuerziehen, wie Zuverlässigkeit, Gesundheit, bestimmte Grundkenntnisse, Pünktlichkeit, etc. Diese Qualitäten mußten im Rahmen der Reproduktion geschaffen und gesichert werden, also von der Haus- und Beziehungsarbeit der Frau, der dieser Bereich a priori zugewiesen war. Der Frau wurde somit faktisch enorme Mehrarbeit aufgebürdet, während der Mann durch Auszahlung des Familienlohnes in seine Hand zum Ernährer der Frau deklariert wurde. Die sich formierende Arbeiterklasse adaptierte das bürgerliche Ideal der Familie, die ‚nichtarbeitende‘, d.h. nicht lohnarbeitende Ehefrau wurde zum Desiderat des männlichen Arbeiters, zum Signum des Aufstieges aus proletarischem Elend zu bürgerlicher Sittlichkeit.“ (http://www.sterneck.net/gender/strobel-freiheit/index.php)
      Zur Vorbildfunktion der ‚bürgerlichen Familie‘ für das Proletariat vgl. auch noch:
      Heidi Rosenbaum, Formen der Familie. Untersuchungen zum Zusammenhang von Familienverhältnissen, Sozialstruktur und sozialem Wandel in der deutschen Gesellschaft des 19. Jahrhunderts, Suhrkamp: Frankfturt/M, 1982 (habe ich aber nicht gelesen).
      [zurück]
    2. zit. n. W. Thönnessen, Frauenemanzipation – Politik und Literatur der deutschen Sozialdemokratie 1863-1933, Frankurt am Main, 1976, S. 19 zit. n. Birgit Köhn / Helga Milz / Marianne Pieper / Ulla Ralfs, „Verläßliche Frauenpersonen“ und „Luxusdamen“. Anknüpfungspunkte für eine emanzipatorische Frauenpolitik, in: Projekt Sozialistischer Feminismus (Hg.), Geschlechterverhältnisse und Frauenpolitik (Argument-Sonderband AS 110), Argument: [West]berlin, 1984, 160 – 202 [163]. S.a. ebd. über die Zeit am Ende des 19. Jh.s: „Die Idealisierung der kleinbürgerlichen Familie als Vorbild für proletarische Lebensverhältnisse sowie eine Übernahme der damit traditionell verbundenen Rollenverteilung zwischen Mann und Frau ist kennzeichnend“ – sogar! – „für die Auffassung der aktiven und führenden Frauen dieser Zeit.“
      Vgl. im gleichen Band (S. 113 – 130) auch noch den Beitrag von Barbara Ketelhut / Christiane Kohne / Maren Kreutz / Erika Niehoff, Die Familie als Brutstätte der Revolution. Familienpolitik der Arbeiterbewegung. [zurück]
  5. 5 l 16. Oktober 2009 um 20:56 Uhr

    Und viele erwerbstätige Frauen werden für ihren „Familienkram“

    auch das ist zu kritisieren. dass frauen – und nicht männer – nachhause eilen, um das kranke kind zu pflegen, ist keineswegs ‚natürlich‘.

    Das geschlechterpolitische Problem an der Sache ist: Da die Männererwerbsarbeitzeit nicht sinkt, entziehen sie sich weiterhin der Hausarbeit

    nein, auch arbeitslose männer lassen meistens (es gibt ja ausnahmen) die – gerne auch vollzeitig berufstätige frau, also familieerhalterin – die hausarbeit und kindererziehung verrichten, ist ja „frauenarbeit“. kennt man schon aus zeiten der anfänge der sozialdemokrat. frauenbewegung etc – zieht sich durch die geschichte.
    es ist nicht nur das kapital ’schuld‘, das die männer nicht frei gibt; da ist schon auch bei den männer ein interesse unterwegs.

  6. 6 TaP 16. Oktober 2009 um 21:28 Uhr

    zu „für ihren ‚Familienkram‘“:

    Ja, klar ist das kritisieren. Das war ja in der Logik von ADA gesprochen, daß, da Frauen für Familie zuständig sind, Frauenarbeit für das Kapital weniger wert sei.
    Frauen entwickeln aber Strategien, um die ihnen auferlegten und teils auch ‚freiwillig‘ übernommenen Pflichten an beiden Orten möglichst optimal zu erledigen. Das Kapital wußte schon 1899 Frauen als Arbeitskräfte wegen ihrer ‚Solidität und Verlässigkeit‘ zu schätzen (s. den ganz am Ende erwähnten Aufsatz von Ketelhut u.a., S. 126 f.) – nix von wegen die Frauen arbeiten nicht ordentlich, weil sie die Familie um die Ohren haben (wie ADA meint).

    zu „Da Männerarbeitszeit nicht sinkt, …“:
    Ja, das kausale „Da“ ist nicht haltbar. Gleichbleibende Erwerbsarbeitszeiten sind zumindest ein willkommender Vorwand für Männer, nichts zu ändern.
    Und wenn die Arbeitszeit sinkt (z.B. 30 Stunden-Woche bei VW), machen sie lieber Nebenjobs oder handwerkeln anstatt das Klo oder Babyärsche zu putzen.

  7. 7 l 16. Oktober 2009 um 21:39 Uhr

    Das Kapital wußte schon 1899 Frauen als Arbeitskräfte wegen ihrer ‚Solidität und Verlässigkeit‘ zu schätzen

    ja, kein einwand. die österr. unternehmen zB nach dem WK1 wollten auch nicht die frauen entlassen, genau aus diesem grund – das waren die politik und die gewerkschaften, die gegen erwerbstätige frauen hetzzen. und sozialdemokr. „frauenrechtlerinnen“ wie zB emily freundlich haben da auch mitgehetzt.

  8. 8 l 17. Oktober 2009 um 0:27 Uhr
  9. 9 antikap 17. Oktober 2009 um 13:55 Uhr

    zu 1.: TaP: „Ja, aber während der Zeit werden sie – im Gegensatz zum Mutterschutzurlaub – auch nicht bezahlt.“,

    Genau deshalb, so mein Einwand, muss der Lohn von Männern höher sein. Gewiss begünstigt diese Lohnungleichheit auch umgekehrt wieder die Aufteilung von Hausarbeit. Ein kausales Verhältnis (Lohn verursacht Aufteilung der Arbeit oder umgekehrt) auszumachen, ist schwierig. Auch die Frage, was zu erst da war, hilft da nicht weiter. Auch wenn der Familienlohn früher von Männern mittels Gewerkschaften erkämpft wurde, so heißt das nicht zwangsläufig, dass „die Männer“ (die v.a. damals in der Gewerkschaft nicht dabei gewesen sein konnten) oder „das Patriarchat“ heute Grund für Lohnungerechtigkeit sind oder der ungleiche Lohn nicht die Geschlechterrollen fördert.

    zu 2.: TaP: „Ja, aber damit setzt Du ja das Phänomen schon voraus, daß wir erst erklären wollen: Wir wollen ja erklären / herausfinden, warum Männer mehr Lohn als Frauen bekommen.“

    Das habe ich ja mit der Übernahme von Hausarbeit durch Frauen erklärt. Damit ist nicht bestritten: „wenn Männer mehr Lohn als Frauen bekommen, dann ist es naheliegend, daß Männer die Erwerbsarbeit und Frauen die Hausarbeit machen.“ (TaP)

    zu 4.: TaP: „Naja, was heißt „das Kapital [… hat] genutzt“?!“

    Zumindest zieht das Kapital, wie sich aus den von dir angeführten Daten ergibt, einen Nutzen aus der höheren Frauenerwerbsquote und des höheren Frauenarbeitsvolumens. Dies war eine notwendige, wenn auch verzögert eingetretene, Bedingung von Lohnsenkungen unter der Annahme, dass Familien ihr Einkommen aufrechterhalten wollten.

    TaP: „Das Problem ist nicht das Sinken der Männerlöhne, sondern daß nicht im gleichen Maße die (Erwerbs)Arbeitszeit (der Männer) reduziert wird (mangels momentaner Kampfkraft und in Anbetracht falscher politischer Orientierung der ArbeiterInnenklasse).“

    Dann wären wir wieder beim alten Status des Familienlohns, da dann der Lohn gleich bliebe:
    Lohn = Lohnsumme / Arbeitszeit = Lohnsumme * (1-Reduktionsrate) / (Arbeitszeit * (1-Reduktionsrate))

    zu 6.: Ich verstehe das als Zustimmung zu meiner Position („Und diese Aufteilung können Männer nicht alleine, weder als Individuum gegen den Willen der Gattin noch als Kollektiv ‚Männer‘ gegen ‚die Frauen‘, festlegen.“), womit deine These, dass die Männer oder das Patriarchat die Aufteilung zu verantworten haben, widerlegt ist. Die Versorgerrolle des Mannes mag zwar von Teilen der Frauenbewegung in Frage gestellt worden sein, doch ist sie immer noch verbreitetes Erziehungsziel. Zudem dürfte eine solche Infragestellung ziemlich folgenlos geblieben sein, da die Versorgerrolle von den meisten feministisch bewegten Frauen noch nicht einmal erkannt wurde/wird. Sie sehen sich fälschlich als die Ausgebeuteten eines „Patriarchats“, nicht als von Männern Versorgte.

    zu 7.: TaP: „Nein, üblicherweise bekommen sie ein Haushaltsgeld (für die Familie) und ein Taschengeld (für sich) zugeteilt“

    Letztlich dürfte sich das Einkommen (in Geld und Sachwerten) zwischen Lebenspartnern wohl ausgleichen. Das Einkommen, das eine Frau von ihrem Partner bezieht, übertrifft einen etwaigen marktüblichen Lohn für ihre Hausarbeit um ein Velfaches. Ungleiche Einkommen würden auch von keinem der Partner akzeptiert und die Frau sitzt am längeren Hebel, um eine solche Angleichung der Einkommen oder sogar die eigene Begünstigung durchzusetzen. Heirat (und Scheidung) ist für Frauen immer noch ein Mittel zum Vermögenserwerb.

    zu 8.: Du beschreibst einen Unterschied zwischen den Geschlechtern, keinen Sexismus. Hast du einen Link zu der Statistik, auf die du dich beziehst?

    zu 9.: Das sind Verständnisfragen und ein politischer Einwand, nämlich: Wozu ist die Aufgabe des sozialen Geschlechts gut?

    TaP: „Die grundlegende sozialwissenschaftliche Erkenntnis …“

    Dann sind/waren diese Forscher/Philosophen eben nicht auf dem Erkenntnisstand der Biologie. Viele sozial relevante geschlechtsspezifische Zuschreibungen sind biologisch determiniert, unterliegen nicht einer sozialen Konstruktion. Hier ist eben „sozial“ (sozial wirksam/relevant) von deinem „sozial“ (gesellschaftlich produziert) zu unterscheiden, wobei ich Letzteres überhaupt nicht bestritten habe. Die Präferenzen und Verfahren bei der Partnerwahl z.B., die ich mal als zentrales soziales Phänomen einschätzen würde, sind weitgehend biologisch gesteuert und nicht falsches Bewusstsein o.ä. Das schließt selbstverständlich nicht kulturspezifische Modifikationen um den biologischen Kern aus.

    zu 10.: TaP: „Das Ziel ist, daß die Kategorisierung bestimmter ‚Eigenschaft‘, Verhaltensweisen und Zuständgkeiten als ‚männlich‘ und ‚weiblich‘ überwunden wird.“
    Es fragt sich nur, welcher Eigenschaften, wie das gehen soll und wozu. ‚Männliche Eigenschaft‘ kann ja vieles bedeuten, z.B. schlicht eine (auch soziale) Eigenschaft, die mindestens ein biologischer Mann hat. Mir scheint, dass du das Hinweisen auf Differenzen zwischen den Geschlechtern bereits als Sexismus missverstehst in der Weise wie etwa PC-Fans den Nachweis besonderer Merkmale genetischer oder phänotypischer Populationen für rassistisch halten.

    zu 11.: Ja! 1-2 Std. sind an Hausarbeit höchstens nötig. Dass Frauen mit versorgendem Partner nicht den ganzen Tag untätig sein wollen und die Hausarbeit daher strecken, fragmentieren und tatsächlich nach Belieben produktiv ausdehnen, ist nur allzu verständlich. Wenn einem das Einkommen sicher ist und man nichts zu tun hat, würde sich wohl jeder irgendeine Beschäftigung suchen, die seinen Fähigkeiten entspricht, ihm Anerkennung verschafft und nützlich ist. Lenins Charakterisierung der Hausarbeit als „die barbarischste und schwerste Arbeit“ trifft heute nicht mehr zu, der Rest allerdings durchaus und steht nicht im Widerspruch zur von mir behaupteten kurzen Arbeitszeit: Die Hausarbeit ist unproduktiv, sich im allerengsten Rahmen bewegend (d.h. monoton und nicht herausfordernd) und der Entwicklung der Frau über das Hausfrauendasein hinaus nicht förderlich.

    zu 12.:
    a) Ich sehe darin nicht den geringsten Fortschritt, auch keine Verbesserung der Lage des Proletariats im Sinne eines kleineren Übels.
    b) siehe (zu 11.)
    c) Wenn ich von „gemeinschaftlich“ und „im Proletariat“ spreche, schließe ich Männer von der Hausarbeit nicht aus. Sie soll effizient demokratisch organisiert werden und von denjenigen übernommen werden, die dazu in der Lage und bereit sind. Im kleinen Maßstab schafft das noch jede WG.

    zu 13.: TaP: „Es ist doch männliches ‚Standesdenken‘ (zu ‚fein‘ sein, für Kloputzen; den Familienlohn und die besseren Jobs, Verfügung über den weiblichen Körper beanspruchen), der die ArbeiterInnenklasse gespalten hat und weiterhin spaltet.“

    Dieses Standesdenken müsste aber nachgewiesen werden. Es gibt zwar die Rollenzuweisungen bei Männern und Frauen. Ob die aber von jedem Geschlecht unbedingt verteidigt würden, ist fraglich. Viele Männer sind gerne bereit, die Funktion der Hausfrau zu übernehmen oder mit der Frau zu teilen, besonders wenn dies vom Lohnsystem auch getragen würde. Diese Arbeitsteilung ist heute trotz der beruflichen Mehrbelastung von Männern auch schon häufig durchgesetzte Praxis.

    Der Nachweis deiner Ausbeutung von oben durch Männer fehlt auch. Derzeit ist es doch tendenziell eher so, dass Männer ihren Lohn mit einer Partnerin teilen müssen, nicht umgekehrt. Wenn man da von Ausbeutung sprechen will, so doch höchstens in umgekehrter Richtung.

    zu 14.: TaP: „nicht mehr speziell für die Herrschaft des Vaters, sondern für die der Männer“

    Die herrschende Klasse aus Kapitalisten und Politikern wird von beiden Geschlechtern gebildet. Außerdem ist deren Geschlecht nicht konstitutiv für ihre Herrschaft. Wenn Frauen und Männer zu gleichen Anteilen an ihr beteiligt wären, wäre es immer noch unverändert eine kapitalistische Herrschaft. Daher ist der antikapitalistische Fortschritt einer Änderung der Zusammensetzung der Herrscherklasse aufgrund kontingenter Merkmale wie Geschlecht gleich Null. Würde es etwas am Kapitalismus ändern, wenn uns nur noch Leute beherrschen dürften, die an einem geraden Tag Geburtstag haben?

    zu 15.: TaP: „ist auch die Gesamtbelastung der Frauen höher als die der Männer“

    Das mag für eine Minderheit der Frauen gelten, dürfte aber nur vorübergehend so sein bis zum Eintritt der Frau in die Ehe. Es müsste die Gesamtbelastung über die Lebenszeit betrachtet werden, wo Männer wieder deutlich schlechter abschneiden. Dass Männern im Vergleich zu Frauen mehrere arbeitsfreie Lebensjahre fehlen (aufgrund geringerer Lebenserwartung durch stärkere Beanspruchung in der Lohnarbeit), lässt du auch völlig außer Acht.

  10. 10 TaP 17. Oktober 2009 um 15:00 Uhr

    @ l – 17. Oktober 2009 um 0:27 Uhr

    Nein, kenne ich leider auch nicht.

    Aber da bei Amazon gar kein AutorIn-/Hg.In-Name genannt war, habe ich bei QuerELLES – via google – versteckt hinter einem anderen Buch eine Rezension dazu entdeckt:

    http://www.querelles-net.de/index.php/qn/article/view/40/40

    Aber das kenne ich:

    Schaper-Rinkel, Petra
    Geschlechterverhältnisse im Erwerbsleben während des und nach dem Ende des „real existierenden Sozialismus“
    Berlin, Freie Univ., Diplomarbeit, 1994
    126 Seiten

    Bib.: FU Berlin FB Sozialwissenschaft
    Signatur: D.A. 4463;

    evtl. über subito-doc.de bestellbar.

  11. 11 TaP 17. Oktober 2009 um 23:05 Uhr

    @ antikap – 17. Oktober 2009 um 13:55 Uhr

    A.

    TaP: „Ja, aber während der Zeit werden sie – im Gegensatz zum Mutterschutzurlaub – auch nicht bezahlt.“,
    [antikap:] „Genau deshalb, so mein Einwand, muss der Lohn von Männern höher sein. Gewiss begünstigt diese Lohnungleichheit auch umgekehrt wieder die Aufteilung von Hausarbeit. Ein kausales Verhältnis (Lohn verursacht Aufteilung der Arbeit oder umgekehrt) auszumachen, ist schwierig. Auch die Frage, was zu erst da war, hilft da nicht weiter.“

    Und warum nicht, bitte sehr?! Wenn ich recht sehe, waren Frauen unter Dominanz der feudalen Produktionsweise nicht auf Kinder betreuen, Essen kochen und Wäsche waschen beschränkt. Und noch im Frühkapitalismus waren die Löhne so niedrig, daß Frauen in großer Zahl in den Fabriken arbeiten mußten, um den Lebensunterhalt der Familien zu sichern.
    Es war eine politische Entscheidung, die Strategie zu fahren, die Männerlöhne zu erhöhen und die Frauen aus der Erwebsarbeit zu verdrängen – statt die Erwerbsarbeit für beide Geschlechter zu senken. Für das Kapital wären beide Strategien kostenmäßig in etwa auf das Gleiche hinausgelaufen; innerhalb der ArbeiterInnenbewegung waren, diejenigen, die nicht zu einem umfassenden juristischen Verbot der Frauenerwerbstätigkeit greifen wollten, sondern es bei informellen Verdrängungsstrategien beließen, noch die relativ weniger sexistischen. Am Patriarchalismus der frühen Arbeiterbewegung gibt es nichts schön zu reden.1
    Um damals zu der These zu gelangen,

    „daß die Beschäftigung der Frauen die Löhne der Männer drücke und sie arbeitslos mache“,2

    mußte schon die sexistische Prämisse gemacht werden, nicht auf die gesamte ArbeiterInnenklasse bzw. das Familieneinkommen Bezug zu nehmen, sondern speziell an die proletarischen Männer zu denken.

    B.

    „Auch wenn der Familienlohn früher von Männern mittels Gewerkschaften erkämpft wurde, so heißt das nicht zwangsläufig, dass ‚die Männer‘ (die v.a. damals in der Gewerkschaft nicht dabei gewesen sein konnten) oder „das Patriarchat“ heute Grund für Lohnungerechtigkeit sind oder der ungleiche Lohn nicht die Geschlechterrollen fördert.“

    Die lohnabhänigen Männer hätten jederzeit für Arbeitszeitverkürzung statt Lohnerhöhungen streiken, und abhängig davon oder begleitend dazu, die Hälfte der Haus- und Erziehungsarbeit übernehmen können. -

    Woran soll es denn Deines Erachtens gelegen haben, daß sie es nicht gemacht haben, wenn nicht an an den Männern – es hat sie ja niemandE gezwungen, Macker zu sein.

    C.

    [TaP:] „Ja, aber damit setzt Du ja das Phänomen schon voraus, daß wir erst erklären wollen: Wir wollen ja erklären / herausfinden, warum Männer mehr Lohn als Frauen bekommen.“
    [antikap:] „Das habe ich ja mit der Übernahme von Hausarbeit durch Frauen erklärt. Damit ist nicht bestritten:“

    Daß sehr viele Frauen die sexistische Arbeitsteilung mitmachen, beweist ja aber nicht, daß der Kapitalismus an der Frauenlohndiskriminierung schuld, sondern zeigt, daß die sexistische Ideologie sowohl unter Männern als auch Frauen hegemonial ist.

    D.

    „Zumindest zieht das Kapital, wie sich aus den von dir angeführten Daten ergibt, einen Nutzen aus der höheren Frauenerwerbsquote und des höheren Frauenarbeitsvolumens.“

    Aus den von mir angeführten Zahlen ergibt sich vielmehr, daß es gar kein „höhere[s] Frauenarbeitsvolumen“ gibt.

    Wovon das Kapital die letzten Jahrzehnte profitiert hat, sind: die reale (u.a. ökologische) und ideologische Krise des Fordismus, die mikroelektronisch-industrielle Revolution, die dadurch begünstigte Flexibilisierung und Globalisierung der Produktion und der Zusammenbruch des ‚Real’sozialismus. Negativ betroffen sind davon u.a. Frauen, die früher einen Vollzeitarbeitsplatz hatten und jetzt teilzeitarbeiten und die Frauen, die – ohne daß sich ihre Hausarbeitsbelastung relevant reduziert hätte – jetzt erstmals teilzeitarbeiten.

    E.

    [antikap:] „Vielmehr hat das Kapital die zunehmende Erwerbstätigkeit der Frauen dazu genutzt, die Löhne von Männern auf das Niveau der Löhne der Frauen abzusenken.“
    [TaP:] „Selbst, wenn es faktisch so wäre, wie Du sagt: dann wäre ja alles im Rahmen der kapitalistischen Logik. Steigen bei einem bestimmten historisch erkämpften Reproduktionsniveau die Familieneinnahmen, weil Frauen vermehrt Erwerbsarbeit nachgehen, so müssen die Männerlöhne sinken – […]. Das Problem ist nicht das Sinken der Männerlöhne, sondern daß nicht im gleichen Maße die (Erwerbs)Arbeitszeit (der Männer) reduziert wird (mangels momentaner Kampfkraft und in Anbetracht falscher politischer Orientierung der ArbeiterInnenklasse).“
    [antikap:] „Dann wären wir wieder beim alten Status des Familienlohns, da dann der Lohn gleich bliebe:
    Lohn = Lohnsumme / Arbeitszeit = Lohnsumme * (1-Reduktionsrate) / (Arbeitszeit * (1-Reduktionsrate))“

    ???. – Zwei Beispiele (Inflationsraten außer Acht gelassen):

    Beispiel 1: Das Frauenerwerbsarbeitsvolumen steigt auf das Niveau der Männer; die Löhne gleichen sich an, aber das Gesamtlohnvolumen bleibt gleich; es gelingt keine Arbeitszeitverkürzung durchzusetzen

    Jahr X: Männerarbeitsvolumen: 100; Männerlohnvolumen: 1000 – 10 Lohneinheiten pro Zeiteinheit; Frauenarbeitsvolumen: 50; Frauenlohnvolumen: 400 – 8 Lohneinheiten pro Zeiteinheit.
    Jahr X+10: Männerarbeitsvolumen: 100: Männerlohnvolumen: 700 – 7 Lohneinheiten pro Zeiteinheit; Frauenarbeitsvolumen: 100; Frauenlohnvolumen: 700 – 7 Lohneinheiten pro Zeiteinheit.

    Resultat: Das Reproduktionsniveau der Lohnabhängigen bleibt gleich (Gesamtlohnsumme: 1.400), aber das Kapital hat einen großen Vorteil – es hat also kein Grund, dieser Lösung Widerstand entgegenzusetzen –: Das Gesamterwerbsarbeitszeitvolumen steigt von 150 auf 200; der Lohn pro Zeiteinheit sinkt um 30 %.

    Beispiel 2: Das Frauenerwerbsarbeitsvolumen steigt auf das – reduzierte – Niveau der Männer; auch die Löhne gleichen sich an, aber das Gesamtlohnvolumen bleibt gleich; es gelingt, eine Arbeitszeitverkürzung für die Männer im Umfang der Zunahme der Frauenerwerbstätigkeit durchzusetzen

    Jahr X: Männerarbeitsvolumen: 100; Männerlohnvolumen: 1000 – 10 Lohneinheiten pro Zeiteinheit; Frauenarbeitsvolumen: 50; Frauenlohnvolumen: 400 – 8 Lohneinheiten pro Zeiteinheit.
    Jahr X+10: Männerarbeitsvolumen: 75: Männerlohnvolumen: 700 – 9,3 Lohneinheiten pro Zeiteinheit; Frauenarbeitsvolumen: 75; Frauenlohnvolumen: 700 – 9,3 Lohneinheiten pro Zeiteinheit.

    Resultat: Das Gesamtarbeitsvolumen bleibt gleich (150); das Reproduktioniveau bleibt ebenfalls gleich (1.400); für das Kapital ist die Sache ein Nullsummenspiel. Es hat weiterhin keinen Grund, der Gleichverteilung von Einkommen und Erwerbsarbeit auf Männer und Frauen Widerstand entgegenzusetzen.

    Wenn Du willst, kannst Du jetzt noch pro Frau 2 × 14 Wochen Mutterschafturlaub (= 2 Kinder/Frau) einrechnen. 28 Wochen von bspw. 40 Erwerbsarbeitsjahren x 51,18 Wochen (= 2787 Wochen) sind 1,34 Prozent. Dann würde der Frauenlohn – statt neun Einheiten – nur 8,8 Einheiten betragen. Die Lohndifferenz würde sich von 20 % (die tatsächliche Lohndifferenz ist, glaube ich, im Moment noch höher) auf 1,34 Prozent reduzieren.
    (Und im Prinzip könnte auch die Bezahlung des Mutterschaftsurlaub vom Kapital auf die Staatskasse oder eine Sozialversicherung verlagert werden.)

    F.

    „Ich verstehe das als Zustimmung zu meiner Position (‚Und diese Aufteilung können Männer nicht alleine, weder als Individuum gegen den Willen der Gattin noch als Kollektiv ‚Männer‘ gegen ‚die Frauen‘, festlegen.‘),“

    Ja, Zustimmung zu einer Banalität – wie: ‚Ein einzelner Kapitalist und auch der BDI als Ganzes kann nicht alleine entscheiden, was in der BRD passiert.‘

    G.

    „die Versorgerrolle von den meisten feministisch bewegten Frauen noch nicht einmal erkannt wurde/wird. Sie sehen sich fälschlich als die Ausgebeuteten eines ‚Patriarchats‘, nicht als von Männern Versorgte.“

    Erkannt wird sie sehr wohl – nur wird sie kritisiert. Sie ist halt nur die Kehrseite der Erwerbsmarktsituation von Frauen.
    Einen Unterhaltsanspruch in einer Liebesbeziehung vor Gericht einzuklagen ist etwas anderes (nämlich praktisch ausgeschlossen), als Lohn von der Firma einzuklagen.
    Und da die Hausarbeit weitüberwiegend auch an den Frauen hängt bleibt, die selbst erwerbstätig sind, werden sie tatsächlich ausgebeutet.
    Und nicht-erwerbstätige Ehefrauen in kinderlosen Paaren bekommen auch von Gesetz wegen weniger als die Hälfte des Männereinkommens als Unterhalt – von der Realität und der Möglichkeit darüber tatsächlich frei verfügen zu können, ganz zu schweigen.

    H.

    „Ungleiche Einkommen würden auch von keinem der Partner akzeptiert und die Frau sitzt am längeren Hebel, um eine solche Angleichung der Einkommen oder sogar die eigene Begünstigung durchzusetzen.“

    Kannst Du den Anfang empirisch belegen?
    Wie sollte sie am längeren Hebel sitzen, da der Erwerbsarbeitsmarkt (in Anbetracht von Lohndifferenz und geschlechtshierarchischer Arbeitsteilung) nur sehr mäßige Alternativen bietet.

    I.

    „Wozu ist die Aufgabe des sozialen Geschlechts gut?“

    Weil genau das soziale Geschlecht das Herrschafts- und Ausbeutungsverhältnis zwischen Männern und Frauen ist?

    J.

    „Viele sozial relevante geschlechtsspezifische Zuschreibungen sind biologisch determiniert, unterliegen nicht einer sozialen Konstruktion.“

    Aha, und welche bitte? Welche Belege hast Du dafür? Und seit wann ist die Biologie dafür zuständig, „Zuschreibungen“ festzustellen?! Daß es sich um Zuschreibungen handelt, zeigt genau, daß es nicht biologisch determiniert ist.

    K.

    „Ja! 1-2 Std. sind an Hausarbeit höchstens nötig.“

    Selbst Männer (!) erledigten Mitte der 90er Jahre im gesamtgesellschaftlichen Durchschnitt knapp 2 Stunden Hausarbeit pro Tag + ca. 1 weitere Stunde Handwerkerln sowie Pflege und Betreuung von anderen Menschen (Quelle: Manfred Ehling [Statistische Bundesamt], in: Glatzer/Noll [Hg.], Getrennt vereint, FfM, 1995, S. 270).
    In etwa zum gleichen Zeitpunkt wurde selbst in mehr als 75 % der Einpersonen-Haushalte für Hausarbeiten und Besorgungen mehr als 2 Stunden pro Tag aufgewendet. In mehr als 30 % der Haushalte wurden mehr als weitere 2 Stunden für Reparaturen und Gartenarbeiten verwendet. Pflege-/Betreuungstätigkeiten fallen bei Einperson-Haushalten kaum an, in Haushalten mit Kindern dagegen schon. (Quelle: Hauswirtschaft und Wissenschaft 1999, S. 57, 59, 60).
    Dabei kannst Du noch davon ausgehen, daß Männer – aufgrund des höheren Einkommens – in Einpersonen-Haushalten mehr Dienstleistungen einkaufen als Frauen in Einpersonenhaushalten.

    L.

    „a) Ich sehe darin [Angleichung der Erwerbsarbeitszeiten und Löhne von Frauen und Männern bei gleichzeitiger Senkung der Erwerbsarbeitszeit (für Männer)] nicht den geringsten Fortschritt, auch keine Verbesserung der Lage des Proletariats im Sinne eines kleineren Übels.“

    Dem Proletariat als geschlechtsneutraler Durchschnitt kann das in der Tat wurscht sein. Aber die Frauen sind dann halt nicht mehr von ihren Ehemännern ökonomisch abhängig.

    M.

    „Sie [Die Hausarbeit] soll effizient demokratisch organisiert werden und von denjenigen übernommen werden, die dazu in der Lage und bereit sind. Im kleinen Maßstab schafft das noch jede WG.“

    Was dabei in geschlechtlich-gemischten WG tatsächlich heraus kommt, würde ich gerne mal wissen, aber da scheint es noch keine Untersuchungen zu zu geben.

    N.

    „Viele Männer sind gerne bereit, die Funktion der Hausfrau zu übernehmen oder mit der Frau zu teilen, besonders wenn dies vom Lohnsystem auch getragen würde. Diese Arbeitsteilung ist heute trotz der beruflichen Mehrbelastung von Männern auch schon häufig durchgesetzte Praxis.“

    Aha. Und wer hat diese von der gesamten Sozialwissenschaft übersehene ‚Erkenntnis‘ produziert?

    O.

    „Die herrschende Klasse aus Kapitalisten und Politikern wird von beiden Geschlechtern gebildet. Außerdem ist deren Geschlecht nicht konstitutiv für ihre Herrschaft. Wenn Frauen und Männer zu gleichen Anteilen an ihr beteiligt wären, wäre es immer noch unverändert eine kapitalistische Herrschaft. Daher ist der antikapitalistische Fortschritt einer Änderung der Zusammensetzung der Herrscherklasse aufgrund kontingenter Merkmale wie Geschlecht gleich Null.“

    Ja, logisch. Nur ist die hiesige Gesellschaft nicht nur von Klassenherrschaft strukturiert.

    P.

    „Würde es etwas am Kapitalismus ändern, wenn uns nur noch Leute beherrschen dürften, die an einem geraden Tag Geburtstag haben?“

    Nee, aber zwischen denen mit den geraden Tagen und denen mit den ungeraden Tagen besteht auch kein Herrschaftsverhältnis.

    Q.

    [TaP:] „ist auch die Gesamtbelastung der Frauen höher als die der Männer“
    [antkap:] „Das mag für eine Minderheit der Frauen gelten,“

    Wie soll das gehen?! Ich hatte zitiert, daß die Gesamtarbeitsbelastung nur bei Ehepaaren mit Kindern gleich ist; bei allen anderen (hetero/a/sexuellen) Paarkonstellationen ist die der Frauen höher – also gilt das auch für den gesamtgesellschaftlichen Durchschnitt.

    R.

    „Es müsste die Gesamtbelastung über die Lebenszeit betrachtet werden, wo Männer wieder deutlich schlechter abschneiden.“

    Gerade dann nicht, weil verrente Männer und arbeitslose Männer – auf letzteres wies l schon hin – ja auch kaum Hausarbeit leisten.

    PS.:
    Ein drittes Mal werde ich mir nicht die Mühe machen, auf eine solche Anhäufung von sexistischen Vorurteilen jenseits jedes Forschungsstandes zu antworten.

    1. Vgl. für die Zeit um 1900: A.E. Freier, „Dem Reich der Freiheit sollst Du Kinder gebären“ – Der Antifeminismus der proletarischen Frauenbewegung im Spiegel der „Gleichheit“ von 1891-1917, Göttingen, 1981 (Literaturhinweis in dem schon in meiner ersten Antwort zitiert Aufsatz von Köhn et al.) [zurück]
    2. So die Darstellung der damaligen Argumentation durch J.R: Evans, Sozialdemokratie und Frauenemanzipation im Deutschen Kaiserreich, Berlin/Bonn, 1979, 66 zit. n. Köhn et al., a.a.O., 169 [zurück]
  12. 12 antikap 18. Oktober 2009 um 20:08 Uhr

    A., B. und F.:
    Nein, das ist keine Banalität, dass Männer über diese Arbeitsteilung nicht alleine bestimmen können. Es ist der zentrale Punkt, den du nicht wahrhaben willst, dass nämlich nicht die Männer oder ein ominöses „Patriarchat“ die Frauen versorgen will, weil Versorgen so toll ist. Die Frauen müssen schon selbst ihre Präferenz für das Sichversorgenlassen aufgeben. Es wäre noch plausibler, statt des „Patriarchats“ ein Matriarchat zu postulieren, das mittels strategischer Partnerwahl und durch die Hausfrauenrolle das Vermögen der Partner ohne gleichwertige Gegenleistung abschöpft, also neben dem Kapital eine zusätzliche Ausbeutung der männlichen Lohnarbeiter betreibt (was aber nicht zutrifft, da Frauen ebenso wenig wie Männer klassenmäßig eine Herrschaft organisieren). Dies ist die ebenso bedeutsame Seite im Geschlechterverhältnis, die du permanent ausblendest, weil du schon die wissenschaftliche Bestandsaufnahme durch deine feministische Parteilichkeit beeinflusst. Obwohl du zugibst, dass Frauen auch für den Status quo und seine Beseitigung verantwortlich sind, soll immer nur „das Patriarchat“ – am besten noch sehr überzeugend repräsentiert durch Gewerkschafter aus dem 19. Jh. – an der Misere schuld sein. Da wird eine vererbte Kollektivschuld von irgendwelchen Gewerkschaftern auf die gesamten heutigen Männer, „das Patriarchat“, projiziert.

    E.:
    In Bsp. 1 skizzierst du eine Lohnsenkung um 25% und eine Verlängerung der Arbeitszeit um 33,3%. Als emanzipatorische Forderung ist das indiskutabel.
    In Bsp. 2 änderst du am Lohn insgesamt gar nichts (Männerlohn sinkt, Frauenlohn steigt).
    Dass das Kapital Bsp. 1 zustimmen kann, ist wahrscheinlich. Für Bsp. 2 ist das ungewiss. Du lässt die Frage nach der Umsetzung unbeantwortet und blendest viele Faktoren aus. Wie sollen denn ein Arbeitsverbot für „die Männer“ ab 75 ZE und ein Arbeitszwang für „die Frauen“ bis 75 ZE durchgesetzt werden? Wie sollen diese Lohngrenzen fixiert werden, zumal sich Löhne auch geschlechtsintern stark unterscheiden? Einheitslohn für alle? Wie wirkt sich das auf die Größe und Erpressungsmacht der Reservearmee aus? Kommen Arbeitslöhne, -angebot und -nachfrage überhaupt genau unter dieser Konstellation zusammen? Anstatt an Systemen zu basteln, die die Schäden nur sexistisch umverteilen, könnte man sich für eine Reduzierung/Abschaffung der Schäden einsetzen.

    G.: „Erkannt wird sie [die Versorgerrolle des Mannes] sehr wohl – nur wird sie kritisiert. Sie ist halt nur die Kehrseite der Erwerbsmarktsituation von Frauen.“ Wenn sie kritisiert würde (was ich sehr begrüßen würde), bräuchten ihre Kritikerinnen sich bloß nicht mehr versorgen lassen, d.h. ihr Einkommen zu 100% selbst erwirtschaften. Die „Kritik“, die du sogar immer wieder selbst äußerst, geht aber genau in die entgegengesetzte Richtung, indem eine Ausbeutung durch ein Patriarchat beklagt wird, nicht etwa eine Versorgung durch die Männer. Im Gegenteil, die materiellen Vorzüge nimmt man gerne entgegen und beklagt gleichzeitig die „Abhängigkeit“ von Männern. Wer sich für den eigenen Lebensunterhalt nicht selbst verdingt und Vermögen von anderen einzieht, ist nunmal – in einem perversen Sinne – „abhängig“.

    J.: „Daß es sich um Zuschreibungen handelt, zeigt genau, daß es nicht biologisch determiniert ist.“
    Wenn biologische Erkenntnisse eine Erklärung für gewisse geschlechtsspezifische Phänomene liefern, ist gezeigt, dass sich die Philosophen mit ihren „Zuschreibungen“ geirrt haben und die Unterschiede biologisch bedingt sind. Ein paar Zitate aus „Sex Differences in the Brain“, die biologische Ursachen (neben vielen anderen nicht rein biologischen) für geschlechtsspezifisches Verhalten nahelegen:

    - Zum Spielverhalten bei Kindern:

    „Studies in a variety of species clearly show how sex hormones present during sensitive developmental periods induce sex-differentiated sexual, social, and cognitive behaviors and their underlying neural substrates (reviewed in Becker et al., 2002; Ryan & Vandenbergh, 2002; Wallen, 2005).“ (S. 281)

    „Specifically, children are expected to pay selective attention to and remember sex-typed information and to show biases towards members of their own group (for review, see Martin et al., 2002). Gender schemas are hypothesized to develop from an interaction of innate tendencies to categorize and the functional significance of gender.“ (S. 285)

    „Both adults and children assign stereotypic qualities to others based on their sex, and they use sex as a way to generalize new characteristics to others (Martin, 2000).“ (S. 286)

    „Although early sex hormones, parent and peer socialization, and gender schemas have often been pitted against each other, these influences almost certainly act together, and the key question concerns how that happens.“ (S. 286)

    - Zu Unterschieden in der Sprachverarbeitung:

    „Estrogens modulate declarative memory functionality, perhaps primarily through the action of acetylcholine and/or the protein BDNF. A female advantage at declarative memory can help explain a wide range of data, including better female performance at various language and non-language tasks, and neurocognitive evidence suggesting that women depend more on lexical/declarative memory for the processing of complex linguistic forms, while men tend to rely more on the rule-governed combination of these forms in the grammatical/ procedural system.“ (S. 301)

    „In sum, previous evidence suggests the existence of both behavioral and neural sex differences in language. We have suggested that this pattern of data, as well as a range of other evidence, can be explained by a female advantage at declarative memory, perhaps accompanied by a male advantage at procedural memory.“ (S. 302)

    - Zu Unterschieden in der visuell-räumlichen Kognition:

    „Sex differences in spatial perception and visualization have been recognized for decades. Sex differences in spatial behaviors, especially in spatial navigation, are also found in many other species, in the wild and in animals raised in captivity where experiential variables can be controlled. Differences in other species suggest an evolved origin, as does the modulation of the sex differences by reproductive hormones.“ (S. 321)

    Solchen Erkenntnissen verschließt man sich freilich, wenn man das Dogma der Zuschreibung und sozialen Konstruktion, die beide selbstverständlich auch, aber nicht ausschließlich, eine Rolle spielen, pflegt.

    K.: Das Messen der tatsächlich aufgewandten Zeit kann, wie ich bereits angedeutet habe, die notwendige Hausarbeitszeit nicht ermitteln, da (1.) nicht jede Beschäftigung eine notwendige Arbeit ist (z.B. Gärtnern, Heimwerken, Kochen als Hobby, Shopping als Konsumgenuss), (2.) der Hausarbeiter (m/w) gewiss bei der freien Zeit, die ihm zur Verfügung steht, die notwendigen Arbeiten strecken, Freizeit mit Arbeit verknüpfen und über das notwendige Maß hinaus freiwillig (!) zusätzliche Arbeiten verrichten wird. Unter einer rationellen Organisation der Arbeit dürfte diese auf 1-2 Stunden schrumpfen. Allein durch technischen Fortschritt ist schon stundenlanges Kochen, Waschen, Putzen weggefallen. Viele frühere Hausarbeiten werden an Dienstleister ausgelagert (Speisen außer Haus, Einkauf im Internet).

    L.: „Dem Proletariat als geschlechtsneutraler Durchschnitt kann das in der Tat wurscht sein.“
    Und jedem einzelnen Proletarier (m/w) auch, da eine Angleichung zweier Gruppen bezüglich der Schädigungen, die sie erleiden, diese Schädigungen nur neu verteilt und nicht beseitigt. Man muss sich zur tatsächlichen Ausbeutung durch eine Klasse nicht noch eine Ausbeutung durch eine heterogene Menge von Menschen erfinden, die nichts verbindet, außer ein kontingentes Merkmal „männlich“ zu haben.

  13. 13 TaP 20. Oktober 2009 um 0:54 Uhr

    antikap – 18. Oktober 2009 um 20:08 Uhr

    zu A., B. und F.:

    „Nein, das ist keine Banalität, dass Männer über diese Arbeitsteilung nicht alleine bestimmen können. Es ist der zentrale Punkt, den du nicht wahrhaben willst, dass nämlich nicht die Männer oder ein ominöses ‚Patriarchat‘ die Frauen versorgen will, weil Versorgen so toll ist. Die Frauen müssen schon selbst ihre Präferenz für das Sichversorgenlassen aufgeben.“

    Aha. Und weil das Proletariat zu 98 % nicht kommunistisch ist und die Lohnarbeit nicht aufgeben will, gibt es also auch keine Klassenherrschaft?! – Na dann „Gute Nacht, Gesellschaftsanalyse.“
    Und warum war schon in der alten Frauenbewegung Erwerbsarbeit ein wichtiges Thema? Und warum wird von der neuen Frauenbewegung Quotierung und Lohngleichheit gefordert?! Eben, weil feministische Frauen nicht vorsorgt werden, sondern ökonomisch unabhängig sein wollen!

    „Es wäre noch plausibler, statt des ‚Patriarchats‘ ein Matriarchat zu postulieren, das mittels strategischer Partnerwahl und durch die Hausfrauenrolle das Vermögen der Partner ohne gleichwertige Gegenleistung abschöpft, also neben dem Kapital eine zusätzliche Ausbeutung der männlichen Lohnarbeiter betreibt“

    Ich habe Dir nachgewiesen,
    ++ daß Frauen den allergrößten Teil der Hausarbeit erledigen,
    ++ daß es Quatsch ist anzunehmen, der Zeitaufwand resultiere aus Zeitverschwendung,
    ++ daß im gesamtgesellschaftlichen Durchschnitt auch die Gesamtarbeitszeit (Reproduktions- + Erwerbsarbeit) von Frauen höher ist die von Männern;
    Dich darauf hingewiesen,
    ++ daß Unterhaltsansprüche auf alle Fälle weniger als 50 % des Ehegatteneinkommens ausmachen und daß die tatsächlichen Durchsetzungsmöglichkeiten von Unterhaltsansprüchen im Rahmen einer Liebesbeziehung prekär sind,
    ++ daß es Untersuchungen gibt, die die männliche Dominanz bei Entscheidungen über die Verwendung nachweisen;
    Du weißt selber,
    ++ daß Frauenlöhne deutlich geringer sind als Männerlöhne (und zwar sogar auf den gleichen Qualifikationsstufen) und daß Frauen durchschnittlich auf niedrigeren Qualifikationsstufen beschäftigt werden als Männer;
    bekannt ist auch,
    ++ daß Vergewaltigungen und sexuelle Belästigung nahezu ausschließlich Männertaten gegen Frauen sind;
    ++ daß das Anzeigen/Bekanntmachen von Vergewaltigungen für die Opfer vielfach immer noch einem Spießrutenlaufen und Versuchen der Schuldumkehr verbunden ist
    und
    ++ daß alle diese Verhältnisse durch Steuergesetzgebung und das Funktionieren der Ideologischen Staatsapparate abgesichert werden.

    Deinen sexistischen Vorurteilen, die Du dagegen als einziges aufzubieten hast, werde ich hier kein weiteres Forum bieten. Für Dich gilt das Gleiche wie für die Antidemokratische Aktion:
    Nimm‘ erst einmal feministische die wissenschaftliche und politische Diskussion der letzten 40 Jahre zur Kenntnis, und falls Du dann konkrete und mit Begründungen versehene Einwände hast, kannst Du Dich wiedermelden.

    zu E.

    „Anstatt an Systemen zu basteln, die die Schäden nur sexistisch umverteilen, könnte man sich für eine Reduzierung/Abschaffung der Schäden einsetzen.“

    Das geht von der unzutreffenden Prämisse aus, das einzige Herrschafts- und Ausbeutungsverhältnis sei das Klassenverhältnis und deshalb sei auch der Klassenkampf die einzig relevante politische Praxis.

    zu G.

    „Wenn sie kritisiert würde (was ich sehr begrüßen würde), bräuchten ihre Kritikerinnen sich bloß nicht mehr versorgen lassen, d.h. ihr Einkommen zu 100% selbst erwirtschaften.“

    Das ist in Antracht der Frauenlohndiskriminierung und der geschlechtlichen Seggregation des Arbeitsmarktes zynische patriarchale Scheiße.

    zu J.

    kommt in den nächsten Tagen noch etwas.

    zu K.

    „Das Messen der tatsächlich aufgewandten Zeit kann, wie ich bereits angedeutet habe, die notwendige Hausarbeitszeit nicht ermitteln, da (1.) nicht jede Beschäftigung eine notwendige Arbeit ist (z.B. Gärtnern, Heimwerken, Kochen als Hobby, Shopping als Konsumgenuss),“

    Wer/welche einen Garten hat, muß ihn auch pflegen (genau wie eine Wohnung geputzt werden muß) und baut vielleicht auch Kräuter und Tomaten an oder muß darauf achten, daß die Wege und die Puddelkiste in einem Zustand sind, daß sie die Kinder nicht gefährden.
    Wer das Geld für HandwerkerInnen oder eine Autowerkstatt sparen will, muß halt selber reparieren.
    „Kochen als Hobby“ – alles was über Fertiggerichte aus dem Supermarkt hinausgeht, fällt dann für Dich unter Hobby, oder wie?! -

    Und Männer die tatsächlich aus Hobby basteln könnten statt dessen mal lieber Klo putzen.

  14. 14 TaP 20. April 2011 um 19:01 Uhr

    Biologismus-Kritik:

    „Frauen können nicht einparken, Männer finden sogar ohne Karte noch ihr Auto in einer fremden Stadt wieder. Frauen orientieren sich an Gebäuden, Männer an Himmelsrichtungen – dass in diesen Klischees auch wissenschaftliche Wahrheit stecke, behaupteten besonders erfolgreich Barbara und Allen Pease. Zum Ärger der Psychologin Prof. Dr. Claudia Quaiser-Pohl und der Neurobiologin Dr. Kirsten Jordan. Beide erforschen in ihrer täglichen Arbeit, wie Männer und Frauen Informationen verarbeiten, vor allem, wenn es um die Orientierung geht. Zusammen mit 15 weiteren Wissenschaftler_innen stellen sie in ‚Warum Frauen glauben, sie könnten nicht einparken – und Männer ihnen Recht geben‘ die Ergebnisse ihrer Arbeit vor und setzen sich dezidiert mit den Thesen der Peases auseinander.“

    Fortsetzung bei der Mädchenmannschaft.

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