Archiv für September 2009

Doku: Wider die „Piraten“

Quelle: http://​de​.indy​me​dia​.org/​2​0​0​9​/​0​9​/​2​6​1​7​6​5​.​shtml

spreepi­rat 24.09.2009 13:51 The­men: Soziale Kämpfe

In der Nacht vom 23. zum 24.09 wurde das Büro der Pira­ten­par­tei in der Pflug­straße 9a, Nähe U Schwart­z­kopff­straße, besucht und in einem sym­bo­li­schen Akt mit den Paro­len „Gegen Par­teien, Natio­nen und Kapi­tal“ und Anar­chie A´s ver­ziert.

Wider die fal­schen Pira­ten !

Wer hat sie in letz­ter Zeit nicht gese­hen – die Pira­ten­par­tei ist über­all.
Seien es die zahl­rei­chen Pla­kate, auf denen die „Pira­ten“ ihre Liebe zur Frei­heit ver­kün­den oder in popu­lis­ti­scher Manier die Wäh­ler­schaft anhal­ten, ihre „Änder­ha­ken“ zu benut­zen. Ganz im Stile des guerilla-​​marketings ala ogo​.de und Nike bewei­sen die flei­ßi­gen Wahl­kämp­fer mit gesprüh­ten Pira­ten­scha­blo­nen ihr jugend­li­ches, krea­tiv­künst­le­ri­sches Poten­zial und logisch kon­se­quent tau­chen Piraten-​​Fahnen auf anti­ka­pi­ta­lis­ti­schen Demons­tra­tio­nen auf und in den ers­ten Rei­hen des „schwar­zen Blo­ckes“ erblickt mensch über­zeugte Anhän­ge­rIn­nen der Pira­ten­par­tei.
Dies alles im Kon­text des­sen, dass die Pira­ten­par­tei das links-​​rechts Schema als über­holt sieht, sich als ideo­lo­gie­frei bezeich­net und das Ver­ständ­nis von Frei­heit sich aufs Web 2.0 beschränkt, wobei Kri­mi­nelle gemäß der frei­heit­lich demo­kra­ti­schen Grund­ord­nung natür­lich hin­ter Git­ter gehö­ren.
Mit die­sem sym­bo­li­schen Angriff wol­len wir ein deut­li­ches „Nein“ gegen diese auf­stei­gende Par­tei for­mu­lie­ren, die einen nebu­lö­sen Frei­heits­be­griff pro­pa­giert und sich einen alter­na­ti­ven Habi­tus ver­passt. Ein Nein, dass sich nicht nur gegen die „Pira­ten“ an sich rich­tet, son­dern gegen die ganze ver­lo­gene par­la­men­ta­ri­sche Demo­kra­tie.
Frei­heit­li­ches Leben in unse­rem Sinne, selbst­ver­wal­tet und kol­lek­tiv orga­ni­siert, ist mit die­sem Par­tei­en­sys­tem, dass auf die Unter­drü­ckung von Men­schen durch den Men­schen basiert, nicht mög­lich.
Solange dies der Fall ist geben wir keine Ruhe und kämp­fen wei­ter­hin mit allen Mit­teln auf allen Ebe­nen für ein Ende der par­la­men­ta­ri­schen Demo­kra­tie, ein Ende der kapi­ta­lis­ti­schen Ver­wer­tungs­lo­gik und für ein freies, selbst­be­stimm­tes Leben.
Wir haben keine Wahl
Gegen Staat, Nation und Kapi­tal

Falls die Kri­tik eini­gen zu ober­fläch­lich erscheint, hier einige Quel­len um sich ein eige­nes Bild von der Pira­ten­par­tei zu bil­den.

All­ge­mein
http://​is​.gd/​3BjEp (Indy)
http://​is​.gd/​3Bj2i (Danil­lola)

Thiesen-​​Affäre
http://​is​.gd/​3Biq5 (icke)
http://​is​.gd/​3BiAo (Ruhr­ba­rone)
http://​is​.gd/​3BiCr (Julia See­li­ger)
http://​is​.gd/​3Bimx (piratenwatch.blogsport)

Quer­front in Nie­der­sach­sen
http://​is​.gd/​3Bi5l (pira­ten­watch)
http://​is​.gd/​3Biad (Indy)
http://​is​.gd/​3BjM3 (Indy)

Sons­tige Naziskan­dale
http://​is​.gd/​3Bjnl (Indy)
http://​is​.gd/​3Bkaa (taz)
http://​is​.gd/​3BkAx (MUT)
http://​is​.gd/​3BkKx (tsp)
http://​is​.gd/​3Bl2v (JF)
http://​is​.gd/​3BkQX (JF)
http://​is​.gd/​3Bl3O (JF)

Gen­der
http://​is​.gd/​3BiJg (Maed­chen­mann­schaft)
http://​is​.gd/​3Bjkd (Gen­derblog)
http://​is​.gd/​3BkD5 (ERF)

Anmer­kung TaP:

@

„Wir haben keine Wahl“

siehe:

(Was) wäh­len?

Einige Termine

1. Sa., 26.09. – Demons­trie­ren gehen:

„Am 26.09.2009, 12.30 Uhr, auf dem Platz vor dem Roten Rat­haus
(Ber­lin, Nep­tun­brun­nen)

Für den 26. Sep­tem­ber 2009 mobi­li­siert der Bun­des­ver­band Lebens­recht zu einem ‚Schwei­ge­marsch‘ mit dem Titel ‚1000 Kreuze für das Leben‘. Wir rufen dazu auf, die­sem laut und mit viel­fäl­ti­gen Aktio­nen ent­ge­gen­zu­tre­ten.“

Wei­tere Infos: http://no218nofundis.wordpress.com/2009/08/18/aufruf-26-09-09-abtreibungsverbot-%c2%a7218-abschaffen-gegen-christlichen-fundamentalismus/.

2. So., 27.09. – ab 8 h wäh­len gehen,

falls die vor­ge­brach­ten Argu­mente über­zeu­gen.1

3. danach, ab 16 h in Ber­lin Film gucken gehen: 40 Jahre September-​​Streiks

„Im Sep­tem­ber 2009 wird TREND zwei Spiel­filme von Chris­tian Zie­wer und Klaus Wiese zei­gen, die von den Kämp­fen in der Fabrik han­deln, wie sie sich vor vier Jahr­zehn­ten in etwa abge­spielt haben. In ‚Schnee­glöck­chen blühn im Sep­tem­ber‘ (1973) wer­den die legen­dä­ren Sep­tem­ber­streiks wie­der leben­dig. ‚Liebe Mut­ter mir geht es gut‘ (1971) zeigt das Schei­tern von Arbei­ter­wi­der­stand in West­ber­lin in der Krise 1966/​67 und ver­mit­telt dadurch, warum die wil­den Streiks im Sep­tem­ber 1969 dort eine Rand­er­schei­nung blie­ben.“

So. 27.9. 16.00-20.00 Uhr
„Liebe Mut­ter mir geht es gut“
Café GROES­SEN­WAHN im Haus­pro­jekt Kin­zigstr. 9 | 10247 Ber­lin

Wei­tere Infos (mit umfang­rei­cher Doku­men­ta­tion zu den September-​​Streiks): http://​www​.trend​.info​par​ti​san​.net/​1​9​6​9​/​i​n​h​a​l​t​.html.

4. Sa., 3./So., 4.10. Ver­an­stal­tung in Ber­lin: Arbeits­kampf auf eigene Faust – 40 Jahre „Sep­tem­ber­streiks“

„Unter dem Motto „Betriebs­kämpfe, Gewerk­schaf­ten, spon­tane Streiks – Arbeits­kampf auf eigene Faust“ wird es am 3. und 4. Okto­ber eine Ver­an­stal­tung und Work­shops geben. Anlass ist der 40. Jah­res­tag der Sep­tem­ber­streiks, der ‚wil­den‘ Streik­welle 1969 in der BRD. Bei der Ver­an­stal­tung und den Work­shops soll es nicht nur um die Ver­mitt­lung ver­gan­ge­ner Kämpfe gehen, son­dern auch um eine Debatte über die heu­ti­gen Aus­gangs­be­din­gun­gen für betrieb­li­che Kon­flikte.
Ver­an­stal­tung | 3. Okto­ber | 16 Uhr | Medi­en­ga­le­rie (Duden­str. 10)
Work­shops | 4. Okto­ber | 11 Uhr | Havemann-​​Saal (Greifs­wal­der 4)“

Wei­tere Infos: http://​klas​sen​kampf​block​.blog​sport​.de/​2​0​0​9​/​0​9​/​0​3​/​a​r​b​e​i​t​s​k​a​m​p​f​-​a​u​f​-​e​i​g​e​n​e​-​f​aust/.

5. Sa., 10.10. – Ver­an­stal­tung zum glei­chen Thema, eben­falls in Ber­lin

Sa. 10.10. 15.00 -18.00 Uhr
In der Kon­junk­tur kämp­fen und heute?
Eine Dis­kus­si­ons­runde zu den Sep­tem­ber­streiks
INFO-​​Laden Lunte, Wei­se­str. 53 | 12049 Ber­lin

Quelle: http://​www​.trend​.info​par​ti​san​.net/​1​9​6​9​/​i​n​h​a​l​t​.html.

6. Do., 1. – Fr., 09.10. diverse Ver­an­stal­tu­gen in Mün­chen im Vor­feld der MY BODY MY CHOICE-​​Aktionen am 10.10.

Wei­tere Infos: http://​asabm​.blog​sport​.de/​2​0​0​9​/​0​9​/​2​4​/​d​i​v​e​r​s​e​-​t​e​r​m​i​n​e​-​i​m​-​v​o​r​feld/.

7. Tag X: Akti­ons­tag am Tag der Urteils­ver­kün­dung im mg-​​Prozess

„Der mg-​​Prozess gegen Axel, Oli­ver und Flo­rian neigt sich dem Ende zu. Die Bun­des­an­walt­schaft (BAW) wirft ihnen vor Bun­des­fahr­zeuge ange­zün­det zu haben und Mit­glie­der der mili­tan­ten gruppe (mg) zu sein. Mit einem bun­des­wei­ten, dezen­tra­len Akti­ons­tag am Tag X, dem Tag der Urteils­ver­kün­dung, drü­cken wir unsere Soli­da­ri­tät mit den Beschul­dig­ten im mg-​​Prozess aus und gehen gegen staat­li­che Repres­sion auf die Straße. Betei­ligt euch in euren Städ­ten am Akti­ons­tag im Rah­men Eurer Mög­lich­kei­ten. Orga­ni­siert Demons­tra­tio­nen, Kund­ge­bun­gen, Ver­an­stal­tun­gen, Stra­ßen­thea­ter, Wand­bil­der und vie­les mehr.
» Auf­ruf zum Tag X
» Akti­vi­tä­ten in ver­schie­de­nen Städ­ten am Tag X
» Wei­tere Auf­rufe zum Akti­ons­tag

Quelle: https://​ein​stel​lung​.so36​.net/ (auch mit Berich­ten aus Anlaß des gest­ri­gen Pro­zeß­ta­ges)

  1. Hier noch ein paar Nach­träge zur Wahl­dis­kus­sion:

    MOG. Mons­ters of Göt­tin­gen:

    ++ Grüne Jugend: Demo­kra­tie lebt von Par­ti­zi­pa­tion
    ++ Redi­cal [M]: Unsere Wahl heißt Wider­stand
    ++ [’solid]: „Kri­ti­sie­ren, Alter­na­ti­ven auf­zei­gen, enga­gie­ren, orga­ni­sie­ren und eben auch Kreuz­chen machen.“

    Anar­cho­syn­di­ka­lis­ti­sche Jugend Ber­lin: Inter­view mit der Jun­gen Welt zur Anti­wahl­kam­pa­gne

    Mne­menth: Warum es sich lohnt, Klein­par­teien und Ein­zel­kan­di­da­ten zu wäh­len; vgl. zu Grund 2 hier im Haupp­text bei FN 10 (Abschnitt „Alter­na­ti­ven zur Links­par­tei“).

    ► Ver­an­stal­tungs­hin­weis bei Neo­prene: Podi­ums­dis­kus­sion 24.29.09 Stutt­gart: Die LINKE wäh­len – eine geeig­nete Alter­na­tive? (+ Kom­men­tar zu einem Kom­men­tar zum hie­si­gen Bei­trag)

    ► zur Demo in Mann­heim ist eine gemein­same Bahn­fahrt aus Frei­burg orga­ni­siert: „Abfahrt: 09:45 Uhr, Gleis 2, Frei­burg HBF Kos­ten p.P.: 5-​​6 €“ (Erste Ergän­zung [Raus aus der Pro­vinz, … /​ auto­nome 24.09.2009 – 09:21] zu: http://​de​.indy​me​dia​.org/​2​0​0​9​/​0​9​/​2​6​1​7​3​6​.​shtml)

    Indy­me­dia 1: Infos & Links zum Nicht-​​ od. doch Wäh­len gehe (mit Kom­men­ta­ren von Grundeinkommens-​​Fans, die FDP-​​Wählen für das klei­nere Übel hal­ten)

    Indy­me­dia 2: Wider die „Pira­ten“ (mit eini­gen Piraten-​​Kommentaren, die sich auf den Schlips getre­ten füh­len).

    Fried­rich Engels: Die poli­ti­sche Aktion der Arbei­ter­klasse (1871).

    Vgl. auch noch:

    ► Angela Klein (ISL): Betrach­tun­gen zum Aus­gang der Land­tags­wah­len vom 30.8.2009

    ► Heino Berg (schreibt auch auf der Seite der SAV): Mit­ma­chen, um aus­zu­stei­gen?

    ► meine Anmer­kung zu einem frü­he­ren Text von Heino Berg: Zur Programm-​​Kritik von Thies Gleiss und Heino Berg. [zurück]

(Was) wählen?

Die Frage scheint dies­mal so müßig, wie seit 20 Jah­ren nicht mehr, zu sein – wenn nicht sogar so, wie seit dem KPD-​​Verbot.

Über­sicht über den fol­gen­den Text:

I. Ein Blick zurück

1. Als Wah­len span­nend waren
2. Die ‚Rück­kehr‘ der spä­ten 50er und frü­hen 60er Jahre war nicht von Dauer

II. Der Stand der Dinge

III. Was die ande­ren sagen – kri­tisch kom­men­tiert
1. Ofen­schlot con­tra Dath
2. Bun­des­wahl­streik: Masse statt Klasse
3. Mann­heim: „Klas­sen­kampf statt Wahl­kampf“?
4. Angel of Neu­ko­elln: Für Grund­rechte, gegen Lohn­dum­ping und Sozi­al­ab­bau – und gegen deut­sche Kriegs­ein­sätze
5. Mäd­chen­mann­schaft: Elec­tions are a gen­der issue!
6. Diverse zu den Irr­we­gen der Pira­ten­par­tei
7. Avanti: „Unsere Wahl heißt Wider­stand“
8. VSP: Bitte noch mehr Weich­spü­ler
9. Von den Ex-​​TrotzkistInnen zu den Ex-​​MaoistInnen (ana­lyse & kri­tik)…
10. …zu Ex-​​blogsport-​​lerInnen (Kri­ti­sche Schrif­ten)
11. Mne­menth & TSP: Die Tücken des Wahl­rechts
12. Wahl­prüf­steine und andere Wahl­hil­fen
13. Gewerk­schaft­lich orga­ni­sierte SPD-​​Mitglieder sagen: SPD-​​Führung stür­zen ist dring­li­cher als SPD wäh­len
14. Alter­na­ti­ven zur Links­par­tei?
a) DKP – ohne Aus­sicht auf wahr­nehm­ba­ren Erfolg
b) PSG – unter irre­füh­ren­der Flagge
c) MLPD: Sta­lins „ech­ten Sozia­lis­mus“ wäh­len
d) Nicht auf dem Stimm­zet­tel: Frau­en­par­teien
15. Was die von mir regel­mä­ßig gele­se­nen Blät­ter „Arbei­ter­stimme“ (Nürn­berg) und „Arbei­ter­po­li­tik“ (Ham­burg) sagen

IV. Eigene Stel­lung­nahme

(mehr…)

NRW-Staatskanzlei an CDU-Geschäftsstelle: „Wie bündeln wir solche Infos, wir [recte: wie] organisieren wir die dauerhafte Beobachtung und Archivierung der Infos?“

- Wie die CDU NRW auf das YouTube-​​Video eines JuSo-​​Mitgliedes über Minis­ter­prä­si­dent Rüttgers-​​Rumänen-​​Äußerung rea­giert: Mit pro­fes­sio­nel­ler Video­über­wa­chung – lt. Fokus unter Betei­li­gung der NRW-​​Staatskanzlei -

Aus­ge­rech­net Focus-​​Online berich­tet unter der Über­schrift „‚Da ist rich­tig Scheiße ange­rich­tet wor­den‘“:

Der Stell­ver­tre­tende CDU-​​Pressesprecher in Nordrhein-​​Westfalen „Mül­ler schickte seine Beob­ach­tun­gen [über eine Ver­an­stal­tung der SPD-​​Ministerpräsidentin-​​Kanidatin Han­ne­lore Kraft] um 20:26:26 Uhr unter dem Stich­wort ‚VA in Köln mit Kraft‘ als E-​​Mail an Par­tei­spre­cher Mat­thias Heid­meier. Und der lei­tete sie wenig spä­ter, um 21:01:54 Uhr, an Gene­ral­se­kre­tär Hen­drik Wüst und auf den Dienst-​​PC von Boris Ber­ger in die Staats­kanz­lei wei­ter.
Ber­ger war noch im Dienst. Schon um 21:15:46 Uhr ant­wor­tete der poli­ti­sche Chef­pla­ner von Minis­ter­prä­si­dent Rütt­gers unter sei­ner E-​​Mail-​​Adresse Boris.Berger(at)stk.nrw.de dem CDU-​​Sprecher: ‚Gute Infos, danke! Wie bün­deln wir sol­che Infos, wir (Schreib­feh­ler, Anm. der Red.) orga­ni­sie­ren wir die dau­er­hafte Beob­ach­tung und Archi­vie­rung der Infos?‘ CDU-​​Mann Heid­meier kün­digte dem Staats­kanz­lis­ten die dau­er­hafte Beob­ach­tung der Oppo­si­ti­ons­füh­re­rin an. ‚Toto Mül­ler hat das jetzt im Griff. Jeder Auf­tritt von Kraf­ti­lanti mit Ton­band und Kamera. Das Mate­rial machen wir zugäng­lich.‘ Sollte wohl hei­ßen: die CDU belie­fert Ber­ger in der Staats­kanz­lei.“

„stk“ in der genann­ten mail-​​Adresse dürfte für „Staats­kanz­lei“ ste­hen.1 Der „Focus“ merkt dazu an: „Der Gesetz­ge­ber schreibt die strikte Tren­nung zwi­schen Staats­ap­pa­rat und Par­tei vor, die der frü­here CDU-​​Mitarbeiter Boris Ber­ger offen­bar mehr­fach über­schrit­ten hat.“

Am 9. Sep­tem­ber war dage­gen lt. Seite 2 des Fokus-​​Berichtes noch im Land­tag erklärt wor­den: „Wir unter­schei­den sau­ber zwi­schen Par­tei­ar­beit und Regie­rungs­ar­beit.“

Auch der Süd­deut­schen Zei­tung liegt der mail-​​Wechsel aus der Düs­sel­dor­fer Staats­kanz­lei vor:
http://​www​.sued​deut​sche​.de/​p​o​l​i​t​i​k​/​2​7​2​/​4​8​8​6​6​6​/​text/.
  1. Wenn die „FR“ dar­aus „von sei­ner per­sön­li­chen Mail­adresse“ macht, ist das zumin­dest miß­ver­ständ­lich. Gemeint zu sein scheint: nicht ‚pri­vate mail-​​Adresse‘, son­dern Dienst-​​mail-​​Adresse von Ber­ger selbst – und nicht von Sekre­ta­riat oder Refe­ren­tIn­nen. [zurück]

Das Hochzeits-Foto von Gen. Žižek und Braut

via LibCom via Ent­ding­li­chung.

Über­set­zung des Tex­tes oben rechts:

„Bis zum Ort der Zere­mo­nie ging Ana­lia mit ihrem Papa, Eudardo Hou­nie. Dort erwar­tete sie Sla­voy Žižek.“

Das historische Dokument: Als SPD-Strukturen noch eine Kriminelle Vereinigung waren

[Kor­ri­giert und ergänzt am 23.12.2009]

Aus Anlaß des für mor­gen erwar­te­ten Endes der Beweis­auf­nahme im Pro­zeß gegen drei Ange­klagte, die vor dem Ber­li­ner Kam­mer­ge­richt der mit­glied­schaft­li­chen Betei­li­gung an der als Kri­mi­nelle Ver­ei­ni­gung klas­si­fi­zier­ten mili­tan­ten gruppe beschul­digt wer­den, doku­men­tiere ich hier ein Urteil des Reichs­ge­richts des Deut­schen Rei­ches vom 2. Januar 1885.

Mit dem Urteil wurde die Revi­sion von SPD-​​Funktionären gegen ihre Ver­ur­tei­lung durch das Land­ge­richt Bres­lau wegen Teil­name an einer Kri­mi­nel­len Ver­bin­dung ver­wor­fen. Daß es heu­te­zu­tage „Ver­ei­ni­gung“ heißt, stellt eine rein sprach­li­che Moder­ni­sie­rung dar; der Begriff „Ver­ei­ni­gung“ wird heute vom Bun­des­ge­richts­hof haar­ge­nau so defi­niert, wie „Ver­bin­dung“ durch das Reichs­ge­richt. Auch ansons­ten hat sich seit­dem nicht viel am § 129 Straf­ge­setz­buch geän­dert.1
Daß die Ver­fol­gung von Struk­tu­ren inner­halb der SPD als Kri­mi­nelle Ver­bin­dung (auch die Figur einer Kri­mi­nel­len oder Ter­ro­ris­ti­schen Ver­ei­ni­gung inner­halb einer Par­tei ist also keine Erfin­dung erst der Pro­zesse der 1990er Jahre gegen die PKK) spä­ter ein­ge­stellt wurde, hat nichts mit einer Ände­rung des § 129 StGB zu tun, son­dern nur damit, daß die Sozia­lis­ten­ge­setze auf­ge­ho­ben wur­den.

Das „Gesetz gegen die gemein­ge­fähr­li­chen Bestre­bun­gen der Sozi­al­de­mo­kra­tie“, so der offi­zi­elle Titel, kom­bi­nierte exe­ku­ti­vi­sches Ver­bot nebst Voll­stre­ckung mit einer Straf­an­dro­hung:

§. 1.
[1] Ver­eine, wel­che durch sozi­al­de­mo­kra­ti­sche, sozia­lis­ti­sche und kom­mu­nis­ti­sche Bestre­bun­gen den Umsturz der beste­hen­den Staats-​​ oder Gesell­schafts­ord­nung bezwe­cken, sind zu ver­bie­ten.
[2] Das­selbe gilt von Ver­ei­nen, in wel­chen sozi­al­de­mo­kra­ti­sche, sozia­lis­ti­sche oder kom­mu­nis­ti­sche auf den Umsturz der beste­hen­den Staats-​​ oder Gesell­schafts­ord­nung gerich­tete Bestre­bun­gen in einer den öffent­li­chen Frie­den, ins­be­son­dere die Ein­tracht der Bevöl­ke­rungs­klas­sen gefähr­den­den Weise zu Tage tre­ten.
[3] Den Ver­ei­nen ste­hen gleich Ver­bin­dun­gen jeder Art.

§. 7.
[1] Auf Grund des Ver­bots sind die Ver­eins­kasse, sowie alle für Zwe­cke des Ver­eins bestimm­ten Gegen­stände durch die Behörde in Beschlag zu neh­men.

§. 9.
[1] Ver­samm­lun­gen, in denen sozi­al­de­mo­kra­ti­sche, sozia­lis­ti­sche oder kom­mu­nis­ti­sche auf den Umsturz der beste­hen­den Staats-​​ oder Gesell­schafts­ord­nung gerich­tete Bestre­bun­gen zu Tage tre­ten, sind auf­zu­lö­sen.
[2] Ver­samm­lun­gen, von denen durch That­sa­chen die Annahme gerecht­fer­tigt ist, daß sie zur För­de­rung der im ers­ten Absatze bezeich­ne­ten Bestre­bun­gen bestimmt sind, sind zu ver­bie­ten.
[3] Den Ver­samm­lun­gen wer­den öffent­li­che Fest­lich­kei­ten und Auf­züge gleich­ge­stellt.

§. 11.
[1] Druck­schrif­ten, in wel­chen sozi­al­de­mo­kra­ti­sche, sozia­lis­ti­sche oder kom­mu­nis­ti­sche auf den Umsturz der beste­hen­den Staats-​​ oder Gesell­schafts­ord­nung gerich­tete Bestre­bun­gen in einer den öffent­li­chen Frie­den, ins­be­son­dere die Ein­tracht der Bevöl­ke­rungs­klas­sen gefähr­dende Weise zu Tage tre­ten, sind zu ver­bie­ten.
[2] Bei perio­di­schen Druck­schrif­ten kann das Ver­bot sich auch auf das fer­nere Erschei­nen erstre­cken, sobald auf Grund die­ses Geset­zes das Ver­bot einer ein­zel­nen Num­mer erfolgt.

§. 14.
[1] Auf Grund des Ver­bots sind die von dem­sel­ben betrof­fe­nen Druck­schrif­ten da, wo sie sich zum Zwe­cke der Ver­brei­tung vor­fin­den, in Beschlag zu neh­men. Die Beschlag­nahme kann sich auf die zur Ver­viel­fäl­ti­gung die­nen­den Plat­ten und For­men erstre­cken; bei Druck­schrif­ten im enge­ren Sinne hat auf Antrag des Bet­hei­lig­ten statt Beschlag­nahme des Sat­zes das Able­gen des letz­te­ren zu gesche­hen. Die in Beschlag genom­me­nen Druck­schrif­ten, Plat­ten und For­men sind, nach­dem das Ver­bot end­gül­tig gewor­den ist, unbrauch­bar zu machen.

§. 17.
[1] Wer an einem ver­bo­te­nen Ver­eine (§. 6) als Mit­glied sich bet­hei­ligt, oder eine Tätig­keit im Inter­esse eines sol­chen Ver­eins aus­übt, wird mit Geld­strafe bis zu fünf­hun­dert Mark oder mit Gefäng­niß bis zu drei Mona­ten bestraft. Eine glei­che Strafe trifft den­je­ni­gen, wel­cher an einer ver­bo­te­nen Ver­samm­lung (§. 9) sich bet­hei­ligt, oder wel­cher nach poli­zei­li­cher Auf­lö­sung einer Ver­samm­lung (§. 9) sich nicht sofort ent­fernt.
[2] Gegen die­je­ni­gen, wel­che sich an dem Ver­eine oder an der Ver­samm­lung als Vor­ste­her, Lei­ter, Ord­ner, Agen­ten, Red­ner oder Kas­si­rer bet­hei­li­gen, oder wel­che zu der Ver­samm­lung auf­for­dern, ist auf Gefäng­niß von Einem Monat bis zu Einem Jahre zu erken­nen.

§. 19.
Wer eine ver­bo­tene Druck­schrift (§§. 11, 12), oder wer eine von der vor­läu­fi­gen Beschlag­nahme betrof­fene Druck­schrift (§. 15) ver­brei­tet, fort­setzt oder wie­der abdruckt, wird mit Geld­strafe bis zu ein­tau­send Mark oder mit Gefäng­niß bis zu sechs Mona­ten bestraft.

In dem hier doku­men­tier­ten Urteil hatte die Anwen­dung des § 129 StGB – im Ver­gleich mit § 19 Sozia­lis­ten­ge­setz – zwei Effekte:

1. § 129 StGB wirkte starf­ver­schär­fend (keine Geld­strafe, son­dern in jedem Fall Gefäng­nis). Grund­lage dafür war, daß das Ver­brei­ten der ver­bo­te­nen Druck­schrift nicht nur indi­vi­du­ell (wie im Falle des § 19 Sozia­lis­ten­ge­setz), son­dern im Rah­men einer „Ver­bin­dung“ bzw. Ver­ei­ni­gung erfolgte.
(Ähnlich wäre es im Falle eines Schuld­spruchs wegen Mit­glied­schaft im Ber­li­ner mg-Pro­zeß: Bestraft würde nicht nur wegen ver­such­ter Brand­stif­tung mit Straf­min­de­rungs­mög­lich­keit nach § 23 II StGB, son­dern wegen voll­en­de­ter Mit­glied­schaft – ohne eine sol­che Min­de­rungs­mög­lich­keit.)

Und 2. wurde die Straf­bar­keit vor­ver­la­gert: Nicht nur, wer/​welche selbst die Druck­schrift ver­brei­tete, wurde bestraft. Viel­mehr wur­den all die­je­nige bestraft, die „an einer Ver­bin­dung, zu deren Zwe­cken oder Beschäf­ti­gun­gen“ wie­derum die Ver­brei­tung ver­bo­te­ner Druck­schrif­ten gehörte, teil­nah­men – egal, worin genau die Teil­nahme an der Ver­bin­dung bestand (und so ist es noch heute bei den Orga­ni­sa­ti­ons­de­lik­ten der §§ 129 – 129b StGB).

Nach dem hier doku­men­tier­ten Urteil gab es ein ähnli­ches Ver­fah­ren, in dem das Reichs­ge­richt kon­kret nahe­legte, daß

++ es inner­halb der SPD eine „uner­laubte Ver­bin­dung“ (= Kon­greß [= Par­tei­tag? Vor­stands­sit­zung?] in Kopen­ha­gen = Kreis, der „die Par­tei führt“)

++ zum Zwe­cke der Ver­brei­tung der ille­ga­li­sier­ten Par­tei­zei­tung „Sozi­al­de­mo­krat“ gab

(Ent­schei­dun­gen des Reichs­ge­richts in Straf­sa­chen. Bd. 13, 273-​​285 [278-​​279, 281, 285].

Das Reichs­ge­richt hat mit die­ser Ent­schei­dung das frei­spre­chende Urteil der Vor­in­stanz (Land­ge­richt Chem­nitz) – auf Revi­sion der Staats­an­walt­schaft – auf­ge­ho­ben, ohne selbst ver­ur­tei­len zu kön­nen. Die Sache wan­derte dann zum Land­ge­richt Frei­berg, das zu einem Schuld­spruch kam (http://www.zeno.org/Kulturgeschichte/M/Blos,+Wilhelm+Joseph/Denkw%C3%BCrdigkeiten+eines+Sozialdemokraten/2.+Band/Der+Kopenhagener+Kongre%C3%9F)
Vgl. auch
http://​library​.fes​.de/​f​u​l​l​t​e​x​t​/​b​i​b​l​i​o​t​h​e​k​/​0​0​1​4​6​0​3​5​.​h​t​m​#​E​10E12, Abschnitt III.5.4.;
http://​library​.fes​.de/​f​u​l​l​t​e​x​t​/​b​i​b​l​i​o​t​h​e​k​/​0​0​1​4​6​0​3​7​.​h​t​m​#​E​10E14, Abschnitt 3.7.2.,
wo der Frei­ber­ger Pro­zeß aber als „Geheim­bund­pro­zess“ bezeich­net wird (das wäre dann aber der § 128 [nicht: 129] StGB gewe­sen).

Eine nun­meh­rige Revi­sion der Ange­klag­ten – zustän­dig war wie­derum das Reichs­ge­richt – blieb (wie nach der vor­her­ge­hen­den RG-​​Entscheidung zu erwar­ten war) erfolg­los (ebd.).

Anzu­mer­ken bleibt noch drei­er­lei:

1. Die Pra­xis der mg besteht aller­dings nicht im ver­brei­ten ille­ga­li­sier­ter Druck­schrif­ten, son­dern fällt bekannt­lich etwas hand­grei­lich aus. Dies ändert aber nichts an der Pro­ble­ma­tik des § 129 StGB als Orga­ni­sa­ti­ons­de­likt.2

2. Daß die Ange­klag­ten tat­säch­lich mg-Mit­glie­der sind (bzw. bis zu ihrer Fest­nahme waren) ist ziem­lich unwahr­schein­lich.

3.a) Heute gibt es im Straf­ge­setz­buch im Drit­ten Titel (Gefähr­dung des demo­kra­ti­schen Rechts­staa­tes) des ers­ten Abschnit­tes Vor­schrif­ten, die dem Sozia­lis­ten­ge­setz ähnlich sind. Wenn diese heute nicht auf die SPD ange­wen­det wer­den, so liegt dies nicht daran, daß die Gesetz­ge­bung libe­ra­ler gewor­den wäre, son­dern daran, daß sich die Pro­gram­ma­tik der SPD ver­än­dert hat. (In der Wei­ma­rer Repu­blik wurde der § 129 StGB dann zweit­wei­lig gegen die KPD und in den 50er und 60er Jah­ren gegen Vor­feld­or­ga­ni­sa­tio­nen der KPD ange­wen­det.)

b) Der heu­tige § 129 StGB fin­det im übri­gen gemäß der Bestim­mung in Nr. 3 sei­nes zwei­ten Absat­zes keine Anwen­dung auf Ver­ei­ni­gun­gen, die dar­auf gerich­tet sind Straf­ta­ten im Sinne der §§ 84 – 87 des genann­ten StGB-​​Titels (Ver­stoß gegen ein Parteien-​​ oder Ver­ei­ni­gungs­ver­bot, Ver­brei­ten von Pro­pa­gan­da­mit­teln einer ver­bo­te­nen Par­tei oder Ver­ei­ni­gung; Agen­ten­tä­tig­keit zu Sabo­ta­ge­zwe­cken) zu bege­hen.
Sehr wohl fin­det auch der heu­tige § 129 StGB Anwen­dung auf Ver­ei­ni­gun­gen, deren Tätig­keit bloß dar­auf gerich­tet ist, pro­pa­gan­dis­tisch, ver­fas­sungs­feind­lich auf Bun­des­wehr und öffent­li­che Sicher­heits­or­gane ein­zu­wir­ken; den Bun­des­prä­si­den­ten, den Staat, seine Sym­bole und/​oder Ver­fas­sungs­or­ga­nen zu ver­un­glimp­fen (§§ 89, 90 – 90b StGB).
In die­sen Fäl­len ‚ret­tet‘ die Ange­klag­ten allen­falls noch Nr. 2 von Absatz 2 des § 129 StGB vor einer Ver­ur­tei­lung wegen mit­glied­schaft­li­cher Betei­li­gung an einer Kri­mi­nel­len Ver­ei­ni­gung (es sei denn, es würde sich end­lich die Ein­sicht3 durch­set­zen, daß Äuße­rungs­de­likte gegen Art. 5 I, II GG ver­sto­ßen, sofern es sich nicht um den „Schutze der Jugend“ oder die per­sön­li­che Ehre, son­dern um poli­ti­sche Stel­lung­nah­men – und seien es sie falsch oder pole­misch – han­delt): „Absatz 1 ist nicht anzu­wen­den, […] 2. wenn die Bege­hung von Straf­ta­ten nur ein Zweck [der Ver­ei­ni­gung] oder eine Tätig­keit von unter­ge­ord­ne­ter Bedeu­tung ist […].“

  1. S. http://​inter​komm​.so36​.net/​a​r​c​h​i​v​/​2​0​0​8​-​0​8​-​3​0​/​n​s​e.pdf, S. 8 f. [zurück]
  2. Ebd., 11: „Die – eben dar­ge­stellte – grund­sätz­li­che Pro­ble­ma­tik von Ver­ei­ni­gungs­de­li­ten, d.h. vor­lie­gend: des § 129 StGB selbst, schon die Betei­li­gung an der Ver­ei­ni­gung und nicht erst die Betei­li­gung an kon­kre­ten Straf­ta­ten unter Strafe zu stel­len, bleibt den­noch beste­hen.“ [zurück]
  3. Abschnitt „Was ist nun aber eigent­lich mit der Mei­nungs­äu­ße­rungs­frei­heit?“ [zurück]

Doku: Stand autonomer Bewegung. Langlauf oder Abfahrt im Sturz

Aus Anlaß des Auto­no­men Kon­gres­ses vom 9. – 11.10.2009 in Ham­burg und der von der radi­kal ange­sto­ße­nen neuen Orga­ni­sie­rungs­de­batte mache ich den im Titel genann­ten Text als .pdf-​​Bild-​​Datei wie­der zugäng­lich (viel­leicht hat ja jemandE Zeit und Lust, die Datei OCR zu behan­deln und dann Kor­rek­tur zu lesen).

Der Text erschien ursprüng­lich als Text 1.3 im Rea­der Von sozia­len Bewe­gun­gen zur sozia­len Revo­lu­tion für die Liber­tä­ren Tage, die 1987 (?) vom 16. bis 20.4. in Frank­furt am Main statt­fan­den (der Rea­der weist keine durch­ge­hende Sei­ten­zäh­lung auf.)
Der Text selbst macht keine VerfasserInnen-​​Angabe. Das Inhalts­ver­zeich­nis des Rea­ders nennt als ver­ant­wort­lich für den „The­men­block“ I.3. die „Autonome[n] FfM“.

Der doku­men­tierte Text beginnt mit den Wor­ten: „Die­ser ‚kleine‘ Nach­trag ist in der Absicht geschrie­ben, an das Ende des ers­ten Tex­tes ‚Der Ver­such, eine auto­nome, anti-​​imperialistische Poli­tik -neu-​​ zube­stim­men‘ anzu­knüp­fen. Der Kern jenes Tex­tes bestand darin, die soziale und gesell­schaft­li­che Rea­li­tät zu bestim­men, mit der wir uns in den letz­ten Jah­ren kon­fron­tiert sehen und aus der unser Wider­spruch zur Poli­tik der RAF greif­bar wird. An des­sen Ende stan­den 6 The­sen, die knapp unsere Vor­stel­lun­gen und Per­spek­ti­ven auto­no­mer Poli­tik umris­sen.“

Bei dem in dem Zitat erwähn­ten „ers­ten Text“ scheint es sich um den unmit­tel­bar davor­ste­hen­den Text 1.2 des Rea­ders zu han­deln. Die­ser trägt dort zwar keine Über­schrift und endet auch nicht mit sechs The­sen, son­dern 5 Punk­ten (die auch nicht aus­drück­lich als „The­sen“ bezeich­net wer­den).
Im Inhalts­ver­zeich­nis wird jeden­falls auch die­ser „The­men­block“ 1.2. den „Autonome[n] FfM“ zuge­ord­net. Dort wird – leicht abwei­chend von der zitier­ten For­mu­lie­rung – der Titel „Bestim­mung sozia­ler und gesell­schaft­li­cher Bedin­gun­gen aus sozi­al­re­vo­lu­tio­nä­rer Sicht“ genannt.

Da der hier doku­men­tierte Text voll­stän­dig aus sich her­aus ver­ständ­lich ist, belas­sen ich es hier – jeden­falls auf abseh­bare Zeit – bei der Doku­men­ta­tion des Tex­tes I.3.

Die geneig­ten oder auch nicht geneig­ten Lese­rIn­nen mögen sich viel­leicht fra­gen, worin die heu­tige Rele­vanz eines Tex­tes liegt, der sich u.a. gegen „mili­tante Angriffe [… als] Ersatz und nicht Mitt­tel mili­tan­ter Stra­te­gien“ wandte – in Anbe­tracht des­sen, daß mili­tante Angriffe seit den 80er Jah­ren stark abge­nom­men haben.
Wenn wir beden­ken, daß mit dem Abflauen „mili­tan­ter Angriffe“ auch ansons­ten nicht viel von der auto­no­men Bewe­gung übrig­ge­blie­ben ist, dann mag aller­dings gesagt wer­den, daß die nach­fol­gende his­to­ri­sche Ent­wick­lung dem doku­men­tier­ten Text – im Nega­ti­ven – recht gab. Abge­se­hen von der ver­blie­be­nen Rest-​​Militanz dürfte sich doch heu­tige auto­nome Radi­ka­li­tät zwi­schen dem Ver­bal­ra­di­ka­lis­mus der – in dem doku­men­tier­ten Text erwähn­ten – Grü­nen Fun­dis und dem (immer­hin) prak­ti­schen Refor­mis­mus der – eben­falls erwähn­ten – Grü­nen Rea­los der 80er Jahre bewe­gen. Oder will jemandE wider­spre­chen?

PS.:
Zu den Grü­nen der 80er Jahre vgl. im übri­gen: http://​theo​rie​als​pra​xis​.blog​sport​.de/​2​0​0​9​/​0​9​/​1​2​/​d​o​k​u​-​d​a​s​-​r​e​f​o​r​m​i​s​t​i​s​c​h​e​-​s​c​h​a​f​-​i​m​-​a​u​t​o​n​o​m​e​n​-​w​o​l​f​s​p​e​l​z​-​k​r​i​t​i​k​-​a​n​-​d​e​r​-​a​u​t​o​n​o​m​i​e​-​n​r​-​1​4​/​#​c​o​m​m​e​n​t-402 und http://​ent​ding​li​chung​.word​press​.com/​2​0​0​8​/​1​0​/​0​9​/​o​k​t​o​b​e​r​-​n​r​-​1​4​-​1985/
sowie
zu auo­to­no­men Orga­ni­sie­rungs­de­bat­ten: http://​theo​rie​als​pra​xis​.blog​sport​.de/​2​0​0​9​/​0​9​/​1​2​/​d​o​k​u​-​i​c​h​-​s​a​g​-​w​i​e​s​-ist/.

Warum Ideologie kein „notwendig falsches Bewußtsein“ ist und aus einer Erkenntnis nicht automatisch eine bestimmte politische Haltung folgt

- Noch ein­mal zur Debatte mit der Anti­de­mo­kra­ti­schen Aktion & ande­ren GSP-​​Sümpfis; – aber die fol­gende Kri­tik trifft auch alle ande­ren, die „fal­sches Bewußt­sein“ für eine ana­ly­tisch und/​oder stra­te­gisch sinn­volle Kate­go­rie hal­ten –

[Kor­ri­gierte sowie um einen Satz bei FN 13 und sel­bige Fuß­note ergänzte Fas­sung vom 15.09.2009; vgl. auch mei­nen älte­ren Text zu einer ähnli­chen Fra­ge­stel­lung]

noID (01. Sep­tem­ber 2009 um 19:54 Uhr) ant­wor­tete bei der Anti­de­mo­kra­ti­schen Aktion auf meine Frage,

„Ist es richtig/​zutreffend die wirk­li­chen gesell­schaft­li­chen Wider­sprü­che zwi­schen den Klas­sen und ande­ren gesell­schaft­li­chen Grup­pen durch einen ideo­lo­gi­schen Wider­spruch zwi­schen Staat/​Gemeininteresse und Ein­zel­in­ter­esse zu erset­zen? Oder ist das nicht zutreffend/​richtig?“,

wie folgt:

„Es ist nicht rich­tig, also unzu­tref­fend, dass es sich beim Gegen­satz Staat/​Untertan bloß um Ideo­lo­gie han­deln würde – Staa­ten ver­schwin­den ja nicht ein­fach, wenn man nicht mehr an sie denkt.“

Der Feh­ler liegt frei­lich auf Sei­ten von noID: Nicht ich bin der Ansicht, daß etwas durch Nicht-​​Denken an es ver­schwin­den würde, son­dern Ideo­lo­gie ist nicht auf Den­ken zu redu­zie­ren.

Noch weni­ger ist Ideo­lo­gie auf fal­sches Den­ken, auf „fal­sches Bewußt­sein“, zu redu­zie­ren, wie dies wohl porada ninfu /​ Krimli usw. (der Name wurde wg. Spam-​​Filter-​​Problemen öfters geän­dert) ver­tritt: …

[Der kom­plette Text als .pdf-​​Datei; Fort­set­zung in html: (mehr…)

Doku: Das reformistische Schaf im autonomen Wolfspelz [Kritik an der Autonomie Nr. 14]

Auto­nome Theorie(n) zwi­schen vor­ka­pi­ta­lis­ti­scher Idylle und spät­ka­pi­ta­lis­ti­schem Refor­mis­mus

Aus Anlaß des Auto­no­men Kon­gres­ses vom 9. – 11.10.2009 in Ham­burg mache ich die Kri­tik der Gruppe Revo­lu­tio­näre Sozia­lis­ten an der Auto­no­mie Nr. 14 wie­der zugäng­lich – lei­der nur als .pdf-​​Bild-​​Datei (viel­leicht hat ja jemandE Zeit und Lust, die Datei OCR zu behan­deln und dann Kor­rek­tur zu lesen).

Vgl. auch noch meine Anmer­kun­gen unter: http://​theo​rie​als​pra​xis​.blog​sport​.de/​k​o​p​r​o​d​u​k​t​i​o​n​e​n​/​a​n​m​e​r​k​u​n​g​e​n​-​z​u​m​-​r​e​a​d​e​r​-​a​u​t​o​n​o​m​i​e​-​o​r​g​a​n​i​s​i​e​rung/.

Doku: Ich sag‘, wie’s ist

Aus Anlaß des Auto­no­men Kon­gres­ses vom 9. – 11.10.2009 in Ham­burg und der von der radi­kal ange­sto­ße­nen neuen Orga­ni­sie­rungs­de­batte mache ich den Text Ich sag‘, wie’s ist aus der inte­rim Nr. 26 – 28 v. 28.10., 04.11. und 11.11.1988 wie­der zugäng­lich – lei­der nur als .pdf-​​Bild-​​Datei (viel­leicht hat ja jemandE Zeit und Lust, die Datei OCR zu behan­deln und dann Kor­rek­tur zu lesen).

Vgl. auch noch die Anmer­kun­gen unter: http://​theo​rie​als​pra​xis​.blog​sport​.de/​k​o​p​r​o​d​u​k​t​i​o​n​e​n​/​a​n​m​e​r​k​u​n​g​e​n​-​z​u​m​-​r​e​a​d​e​r​-​a​u​t​o​n​o​m​i​e​-​o​r​g​a​n​i​s​i​e​rung/.

Nach­trag vom 29.09.2009:
Nun gibt es auch eine .pdf-​​Text-​​Datei:
http://​theo​rie​als​pra​xis​.blog​sport​.de/​2​0​0​9​/​0​9​/​2​9​/​i​c​h​-​s​a​g​-​w​i​e​s​-​i​s​t​-​p​a​p​i​e​r​-​u​n​d​-​i​n​t​e​r​v​e​n​t​i​o​n​i​s​t​i​s​c​h​e​-​l​inke/.

In den letzten Tagen gelesen (06.09.09)

1. Husch-​​Husch berich­tet wohl­wol­lend bis affir­ma­tiv über das links­ra­di­kale poli­ti­sche Enga­ge­ment von Fou­cault .
2. Kopf und Herz berich­tet über die Pro­bleme, die die Pira­ten­par­tei mit Frauen hat.
3. Simu­la­tio­nen des Selbst bringt das Inhalts­ver­zeich­nis des neuen Argument-​​Heftes („Ele­mente eines neuen lin­ken Femi­nis­mus“):

Frigga Haug: Edi­to­rial: Ele­mente eines neuen lin­ken Femi­nis­mus
Frigga Haug: Femi­nis­ti­sche Initia­tive zurück­ge­win­nen – eine Dis­kus­sion mit Nancy Fra­ser
Tove Soi­land: Gen­der oder Von der Pass­för­mig­keit der Sub­ver­sion. Über die Kon­ver­genz von Kri­tik und Sozi­al­tech­no­lo­gie
Lynne Segal: Erneue­run­gen des Femi­nis­mus
Judith But­ler: In Pro­zesse von Pre­ka­ri­sie­rung ein­grei­fen
Terri Sed­don: An einer „Poli­tik des Wir“ arbei­ten
Renate Ull­rich: Feucht­ge­biete und Neue deut­sche Mäd­chen
Rüdi­ger Dan­ne­mann: Ágnes Hel­ler zum acht­zigs­ten Geburts­tag
etc.

4.a) Im Okto­ber erscheint bei Unrast: „Die Ver­nei­nung des Juden­tums. Anti­se­mi­tis­mus als reli­giöse und säku­lare Waffe“ von Klaus Holz, Heiko Kauff­mann und Jobst Paul.
b) Außer­dem weist Unrast auf „Kommt her­un­ter, reiht euch ein … Eine kleine Geschichte der Pro­test­for­men sozia­ler Bewe­gun­gen“ von Klaus Schön­ber­ger und Ove Sut­ter hin, das bei Asso­zia­tion A erschie­nen ist.
5. ein grü­nes Wahl­pla­kat stößt auf blog­sport auf eine gewisse hämi­sche Beliebt­heit: 1, 2.
6. Out of step brachte anläß­lich des ers­ten Sep­tem­ber die­ses Pla­kat:

http://outofstep.blogsport.de/2009/09/02/nachtrag-zum-1-september/

7. Die Brumm­kreislpi­lo­tin ist aus dem Som­mer­ur­laub zurück.
9. Lah­ma­cun hat Theo­rie als Pra­xis in ihre Blogroll-​​Liste auf­ge­nom­men.
10. Das Ein­stel­lungs­bünd­nis hat den hie­si­gen „Ver­such eini­ger Ent­wir­run­gen in Sachen Soli­da­ri­täts­ar­beit“ auf seine Seite über­nom­men.

8 Fehler des Antidemokratischen Gegenstandpunkts (GSP, sorry: ADA)

@ Anti­de­mo­kra­ti­sche Aktion – 05. Sep­tem­ber 2009 um 8:42 Uhr:

„erfolg­rei­che kom­mu­nis­ti­sche Agi­ta­tion – und ob sie erfolg­reich ist, hat man halt nicht in der Hand – ist gleich­be­deu­tend mit einer ‚Ände­rung der Kräf­te­ver­hält­nisse‘, näm­lich der zwi­schen Kapi­ta­lis­mus­fans und Kom­mu­nis­ten.“

1. Feh­ler: Reduk­tion des poli­ti­schen Kamp­fes auf Agi­ta­tion = Reduk­tion des Kräf­te­ver­hält­nis­ses auf ein rein intel­lek­tu­el­les (geis­ti­ges) Ver­hält­nis.

„Und auf diese kommt es ja wohl an, wenn man die Revo­lu­tion machen will. Getrennt davon ‚Kräf­te­ver­hält­nisse ändern‘ zu wol­len heißt daher not­wen­dig, von objek­ti­ver Kri­tik abzu­se­hen“

2. Feh­ler: Nicht-​​Unterscheidung zwi­schen Erkennt­nis und Hal­tung. Eine kri­ti­sche Hal­tung zum und Pra­xis gegen den Kapi­ta­lis­mus ist nicht objek­tiv, son­dern par­tei­lich;
und aus einer objek­ti­ven Erkennt­nis des Kapi­ta­lis­mus folgt nicht auto­ma­tisch eine nega­tive Hal­tung zum Kapi­tali­mus.1
M.a.W.: Ihr blen­det den ideo­lo­gi­schen Klas­sen­kampf, der um Einstellungs-​​/​Haltungsfragen, um die For­mie­rung einer revo­lu­tio­nä­ren Bewe­gun­gen usw. (was alles nicht nur Erkennt­nis­fra­gen sind) aus.
Euch trifft genau die glei­che Kri­tik, die Alt­hus­ser gegen die Füh­rung der Kom­mu­nis­ti­schen Par­tei Frank­reichs rich­tete:

„Das Bewußt­sein, das sind Ideen, und Ideen sind das, was man bekannt machen, d.h. ver­brei­ten muß. Bewußt­sein, Ideen, Ver­brei­tung von Ideen. Hier haben wir eine voll­stän­dig idea­lis­ti­sche Kon­zep­tion der poli­ti­schen Pra­xis.“
„Um mit sol­cher Sicher­heit [wie sie frz. KP hatte, TaP] den Besitz jener Wahr­heit zu bean­spru­chen, […], d.h. den Besitz der Wahr­heit über ihre [der Arbei­te­rIn­nen, TaP] eige­nen Inter­es­sen, deren sie sich ‚bewußt wer­den‘ (und um über­zeugt zu sein, daß die ‚Bewußt­wer­dung‘, […], vor allem aus einem ein­fa­chen ‚Kampf der Ideen‘ her­vor­ge­hen kann, in dem es genügt, dem Bewußt­sein der Arbei­ter unsere Ideen über die Krise und unsere Ideen über die Per­spek­tive der Ver­än­de­rung dar­zu­le­gen), muß man jeden Mate­ria­lis­mus, jede Dia­lek­tik sowie das ele­men­tare und fun­da­men­tale Prin­zip der kon­kre­ten Ana­lyse, das mit der mar­xis­ti­schen Theo­rie zusam­men­fällt, auf­ge­ge­ben haben.“ (meine Hv.).
(Louis Alt­hus­ser, Wie es in der FKP nicht wei­ter­ge­hen kann, ders., Krise des Mar­xis­mus [Reihe Posi­tio­nen. Bd. 6 hrsg. von Peter Schött­ler], VSA: Ham­burg, 1978, 80-​​146 (92, 95); vgl. auch noch: Alt­hus­ser, Ideo­lo­gie und ideo­lo­gi­sche Staats­ap­pa­rate http://​web​.archive​.org/​w​e​b​/​2​0​0​7​0​9​2​9​1​0​2​7​1​5​/​w​w​w​.​m​a​r​x​i​s​t​i​s​c​h​e​-​b​i​b​l​i​o​t​h​e​k​.​d​e​/​l​o​u​i​s​_​a​l​t​h​u​s​s​e​r.pdf)

„und statt­des­sen (erfolg­rei­che) refor­mis­ti­sche Kämpfe als Ände­rung der Kräf­te­ver­hält­nisse zuguns­ten von Kom­mu­nis­ten aus­zu­ge­ben, auch wenn es durch diese kei­nen Kapi­ta­lis­mus­fan weni­ger und kei­nen Kom­mu­nis­ten mehr gibt.“

3., 4. und 5. Feh­ler: Der Glaube, allein das unmit­tel­bare Kräf­te­ver­hält­nis zwi­schen Kapitalismus-​​BefürworterInnen und Anti­ka­pi­ta­lis­tIn­nen sei für Kom­mu­nis­tIn­nen rele­vant und Kom­mu­nis­tIn­nen hät­ten unter­halb des Kom­mu­nis­mus keine Teil­ziele, für die es sich zu kämp­fen lohnt.
Ihr denkt eben in (Gegen)Stand­punk­ten statt in den Kräftever­hält­nis­sen.

„Was es zu deren Recht­fer­ti­gung dann nötig macht, denen etwas ‚im Grunde‘ schon Kom­mu­nis­ti­sches zu unter­stel­len. Wor­auf man die ‚Mas­sen­li­nie‘ dann anpas­sen müsse, um die dum­men Mas­sen, wel­che man nicht für fähig hält, Argu­mente zu begrei­fen, zur Ver­wirk­li­chung des in ihnen ange­leg­ten Kom­mu­nis­mus‘ zu füh­ren, ohne sie dabei durch ‚Links­ex­tre­mis­mus‘ zu ver­schre­cken.“

6. Feh­ler: Zu Unter­stel­lun­gen grei­fen /​ Papp­ka­me­ra­dIn­nen auf­bauen, um sie umhauen zu kön­nen statt sich mit den tat­säch­li­chen Gegen­po­si­tio­nen argu­men­ta­tiv aus­ein­an­der­zu­set­zen.

„Revi­sio­nis­mus halt … egal, ob Du Dich dafür auf Thäl­mann oder auf Alt­hus­ser beziehst.“

7. Feh­ler: Keine Argu­mente vor­brin­gen, son­dern Argument-​​Surrogate wie „halt“ (sehr beein­dru­ckend) ver­wen­den, wenn Ihr nicht wei­ter wißt.

„(Und für Lenin-​​Fans wie Dich: die Erkennt­nis, dass es ohne eine revo­lu­tio­näre Theo­rie auch keine revo­lu­tio­näre Bewe­gung geben kann und dass man daher die revo­lu­tio­näre Theo­rie ver­brei­ten muss, um eine revo­lu­tio­näre Bewe­gung zu schaf­fen, wird somit durch­ge­stri­chen – lei­der auch schon par­ti­ell von Lenin selbst.) „

8. Feh­ler: Wie­der­holt den 6. Feh­ler.

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„Auf kei­nem Fall darf der Mar­xis­mus die (der Groß­bour­geoi­sie und der Sozi­al­de­mo­kra­tie gemein­same) Posi­tion ein­neh­men und die ökono­mi­schen und poli­ti­schen Pro­bleme in Begrif­fen der ‚Ratio­na­li­tät‘ und der ‚Irra­tio­na­li­tät‘, in Begrif­fen der logi­schen Wahl zwi­schen ratio­na­len ‚Model­len‘ der Gesell­schaft statt in Begrif­fen des Klas­sen­kampfs for­mu­lie­ren.“
(Étienne Balibar, Mar­xis­mus, Ratio­na­lis­mus, Irra­tio­na­lis­mus und Soziale Krise und Ideo­lo­gi­sche Krise, in: alter­na­tive, H. 116, Okt. 1977, 225 – 232 und H. 118, Feb. 1978, 18 – 23 [22] (frz. Erst­ver­öff.: La Nou­velle Cri­ti­que Nr. 99, Dez. 1976).

Der Mar­xis­mus ist ratio­nal, aber nicht ratio­na­lis­tisch!

Der Mar­xis­mus träumt nicht den auf­klä­re­ri­schen Traum von der ‚All­macht der wah­ren Ideen‘! (mehr…)

Versuch einiger Entwirrungen in Sachen Solidaritätsarbeit

Auf der Seite des Einstellungs-​​Bündnisse, des Soli-​​Zusammenhangs für die Ange­klag­ten im Ber­li­ner mg-Ver­fah­ren, wurde kürz­lich ein Papier der Gruppe Soli­da­ri­scher Dis­kus­si­ons­be­darf (GSD) mit der Über­schrift „‚Hört auf zu heu­len, es hat gerade erst ange­fan­gen…’ – Irrun­gen und Wir­run­gen der Soli­da­ri­täts­ar­beit“ ver­öf­fent­licht. Da ich mich selbst kri­tisch zur anfäng­li­chen Soli-​​Arbeit in dem genann­ten Ver­fah­ren geäu­ßert hatte, und es auch in die­sem Papier noch mal kurz darum geht, ist es viel­leicht ziem­lich, wenn ich einige Gedan­ken zu dem GSD-​​Papier auf­schreibe und zur Dis­kus­sion stelle.

Vor­be­halt­los zuzu­stim­men ist den Auto­rIn­nen des Papiers, wenn sie vor Panik­ma­che war­nen:

„Wir den­ken, dass wir es nicht mit einer neuen, höhe­ren Stufe der Repres­sion zu tun haben. Ver­än­dert und erwei­tert haben sich die Mit­tel der Repres­si­ons­or­gane, auch auf Grund der ver­bes­ser­ten tech­ni­schen Mög­lich­kei­ten […]. Para­gra­fen wur­den den ver­än­der­ten Bedin­gun­gen ange­passt (auch inter­na­tio­nal) und neue Feind­bil­der geschaf­fen. Ins­ge­samt gab es aber unse­rer Mei­nung nach in Deutsch­land nach 1968 Zei­ten, in denen die Repres­si­ons­or­gane viel stär­ker agiert haben als heute.“

Und für die Zeit vor ’68 gilt das erst recht. Die KommunistInnen-​​Verfolgung der 50er und 60er Jahre reichte viel wei­ter in die gewalt­freie Linke hin­ein als jede SympathisantInnen-​​Hetze im Rah­men der Anti‚terror’politik der 70er und 80er Jahre – um von der Zeit des Natio­nal­so­zia­lis­mus und der Mon­ar­chie sowie eini­ger Phase der Wei­ma­rer Repu­blik gar nicht erst zu reden.

Zu allem Wei­te­ren möchte ich paar Dif­fe­ren­zie­run­gen vor­schla­gen: (mehr…)

Was hätte eigentlich (Staats-) „Ableitung“ sinnvollerweise heißen können?

- Zu over­dose, Echte Idea­lis­ten: http://​over​dose​.blog​sport​.de/​2​0​0​8​/​0​7​/​2​2​/​e​c​h​t​e​-​i​d​e​a​l​i​sten/
und
frage – 04. Sep­tem­ber 2009 um 18:58 Uhr: http://​theo​rie​als​pra​xis​.blog​sport​.de/​2​0​0​9​/​0​9​/​0​4​/​d​i​a​l​e​k​t​i​k​-​w​a​r​u​m​-​d​a​s​-​l​a​c​h​e​n​-​d​e​r​-​a​n​t​i​d​e​m​o​k​r​a​t​i​s​c​h​e​n​-​a​k​t​i​o​n​-​s​c​h​o​n​-​w​i​e​d​e​r​-​z​u​-​e​i​n​e​m​-​l​a​c​h​e​n​-​u​e​b​e​r​-​s​i​e​-​w​i​r​d​/​#​c​o​m​m​e​n​t-296 -

3.1.1. Der Begriff der „Ablei­tung“ hat sich in der neue­ren mar­xis­ti­schen Dis­kus­sion häu­fig zu einem Mys­ti­zis­mus zurück­ent­wi­ckelt (zur Kri­tik: Kuh­len 1975).
M. E. kann unter Ablei­tung nur zwei­er­lei ver­stan­den wer­den. Ent­we­der „logi­sche Deduk­tion“ aus Prä­mis­sen und Schluß­re­geln oder die Ver­wen­dung die­ses Begriffs als Syn­onym für „Erklä­rung“ bestimm­ter Sach­ver­halte durch Geset­zes­hy­po­the­sen. Im letz­te­ren Sinne kann die Erklä­rungs­leis­tung in Marx’ Kapi­tal einem von Schritt zu Schritt kom­ple­xer wer­den­den Geflecht von Geset­zes­hy­po­the­sen über die Mecha­nis­men kapi­ta­lis­ti­scher Ver­ge­sell­schaf­tung gese­hen wer­den, womit die idea­li­sie­rende Struk­tur der Erfas­sung der empi­ri­schen Rea­li­tät schließ­lich immer näher kommt (vgl. Nowak 1971). Was „Ablei­tung“ des Rechts und/​oder des Staa­tes in mar­xis­ti­schen Theo­rien heißt, kann dabei i.d.R. mit dem Typ einer funk­tio­na­len Erklä­rung bzw. der Annahme funk­tio­na­ler Gesetz­mä­ßig­kei­ten begrif­fen wer­den. Die Fra­ge­stel­lung lau­tet dabei: Wel­che funk­tio­nale Not­wen­dig­keit besteht in einer kapi­ta­lis­ti­schen Ökono­mie für eine außer­halb der Ökono­mie situ­ierte, auf diese Ökono­mie bezo­gene gesell­schaft­li­che Instanz? Wel­che funk­tio­na­len Erfor­der­nisse zwin­gen eine kapi­ta­lis­ti­sche Ökono­mie zur Aus­bil­dung einer sol­chen Instanz?
So etwas wie das „aus sich Her­aus­wer­fen“ neuer Begriffe aus schon ein­ge­führ­ten Begrif­fen, oder in den Wor­ten der Marx­schen Hegel­kri­tik: „des außer oder über der Anschau­ung und Vor­stel­lung den­ken­den und sich selbst gebä­ren­den Begriffs“ (Marx 1953: 22), wonach dem Beob­ach­ter die heu­tige Ablei­tungs­dis­kus­sion oft anmu­tet, ist wis­sen­schafts­lo­gisch unhalt­bar. Es geht hier in Zukunft bei der „Ableitungs“problematik um die Erklä­rung der Rechts­form bzw. der Ver­än­de­rung der Rechts­form staat­li­chen Han­delns durch Anknüp­fen an zen­trale Struk­tur­ge­setze“ der kapi­ta­lis­ti­schen Pro­duk­ti­ons­weise.

L. Kuh­len, „Ablei­tung“ und „Ver­dop­pe­lung“ in der neue­ren mar­xis­ti­schen Dis­kus­sion über den Staat, in: H. Rott­leuth­ner (Hg.), Pro­bleme der mar­xis­ti­schen Rechts­theo­rie, Frank­furt am Main, 1975, 312 – 327.
K. Marx, Grund­risse, Ber­lin, 1953.
L. Nowak, Das Pro­blem der Erklä­rung in Marx’ Kapi­tal (1971), in: J. Rits­ert (Hg.), Zur Wis­sen­schafts­lo­gik einer kri­ti­schen Sozio­lo­gie, Frank­furt, 1976, 13 – 45.

(Quelle:
Her­bert Kit­schelt
„Rechts­staat­lich­keit“ – zur Theo­rie des Wan­dels recht­li­cher Pro­gram­mie­rung im Staat der bür­ger­li­chen Gesell­schaft
in: Demo­kra­tie und Recht 1977, 287 – 314 [293 f.])

PS.: (mehr…)

Diskussion mit der ADA zu Ende

Ich hatte ges­tern drei Bedin­gun­gen für eine Fort­set­zung der Dis­kus­sion gestellt:

1. „Du hörst ab sofort auf, mir Posi­tio­nen zu unter­stel­len, die ich viel­mehr kri­ti­siere“.

2. Statt Fort­set­zung der Unter­stel­lung: Lek­türe und ggf. kon­krete Kri­tik an mei­nen fol­gen­den Bei­trä­gen
a) „Sozia­lis­ti­scher Huma­nis­mus“, auto­no­mer Huma­nis­mus oder gar kein Huma­nis­mus? Kri­ti­sche Anmer­kun­gen zur Renais­sance des Huma­nis­mus in der lin­ken Debatte
b) Braucht Kapitalismus-​​Kritik Moral und Ideale? /​ „Sozia­lis­ti­scher Huma­nis­mus“?.
„Und dann weist Du mir ent­we­der nach, daß ich mich prak­tisch nicht an mei­nen eige­nen Ansprü­che nicht halte,
oder daß ich den ‚ethi­schen Sozia­lis­mus‘ mit fal­schen Argu­men­ten kri­ti­siere,
oder Du hälst ab sofort auf mei­ner Seite die Fresse!“

Mög­lich­keit 3 wird jetzt Wirk­lich­keit. Die Anti­de­mo­kra­ti­sche Aktion wird ab sofort mit neuen Bei­träge auf die­ser Seite nicht mehr zu lesen sein. Ich werde alle fol­gen­den ADA-​​Kommentare löschen.

Heute mor­gen hat die ADA sechs neue Kom­men­tare gepos­tet. Sie ent­hal­ten zwar auf dem ers­ten Blick keine Unter­stel­lun­gen, aber kei­ner geht auf die bei­den genann­ten Texte ein.
Ich lasse mich aber nicht ver­ar­schen. Daß diese Kom­men­tare ver­gleich­weise sach­lich sind, ändert nichts daran, daß sich die ADA wei­ter­hin wei­gert, sich mit mei­nen tat­säch­li­chen Posi­tion zum streit­aus­lö­sen­den Thema der Moral aus­ein­an­der­zu­set­zen. Wenn sie sich nicht mit mei­nen Posi­tio­nen aus­ein­an­der­set­zen will – was ihr gutes Recht ist –, dann muß sie ja auch nicht meine Seite als Ver­öf­fent­li­chungs­platt­form nut­zen. Besitz­rechte sind doch schon eine tolle Sache; gar nicht so schlecht die bür­ger­li­che Gesell­schaft. ;-)

Sollte es sich die Anti­de­mo­kra­ti­sche Aktion irgend­wann anders über­le­gen und sich doch noch mit mei­nen tat­säch­li­chen Posi­tio­nen zum Thema Moral aus­ein­an­der­set­zen, wird sie sicher­lich Mit­tel und Wege fin­den, mir dies mit­zu­tei­len. Viel­leicht wäre lah­ma­cun zur Nach­rich­ten­über­mitt­lung bereit…

PS.:
Ich werde mei­ner­seits noch etwas zum Fehl­ver­ständ­nis von Ideo­lo­gie als „not­wen­dig fal­schem Bewußt­sein“ und der dar­aus abge­lei­te­ten auf­klä­re­ri­schen Politik-​​Strategie von ADA & Co. schrei­ben, die letz­ten noch unbe­ant­wor­te­ten Kom­men­tare beant­wor­te­ten – und dann ist das Thema für mich erle­digt, es sei denn, es gibt andere Inter­es­sierte, die noch Dis­kus­si­ons­be­darf haben.