Patriarchat abgeschafft – Das Private ist wieder unpolitisch?!

[Die­sen Kom­men­tar zum Bei­trag:

Femi­nis­mus und BDSM (Sado­ma­so­chis­mus) – unver­ein­bar?

beim Mäd­chen­blog habe ich dort gerade gepos­tet]

Also – mich über­zeugt das nicht.

„Mir scheint, dass oft Dis­kri­mi­nie­rung und Benach­tei­li­gung gesucht wird wo keine ist. Weni­ger Frauen haben einen guten Beruf und mehr Frauen arbei­ten Teil­zeit im Ver­gleich zu Män­nern. Aber das liegt nicht an der aktu­el­len Benach­tei­li­gung von Frauen, son­dern an der Benach­tei­li­gung in der Ver­gan­gen­heit: […]. Aber ältere Frauen, die in jun­gen Jah­ren noch nicht die glei­chen Rechte hat­ten wie die jun­gen Frauen heut­zu­tage, sind natür­lich wei­ter­hin noch benach­tei­ligt, da sie in jun­gen Jah­ren nicht die glei­chen guten Aus­bil­dun­gen genie­ßen konn­ten wie die Män­ner.“

Und warum ver­die­nen auch Frauen, die auf glei­cher Hier­ar­chie­stufe wie Män­ner arbei­ten, im Durch­schnitt weni­ger als die ent­spre­chen­den Män­ner?
Und warum ist Haus­ar­beit immer noch ganz über­wie­gend Frau­en­sa­che – selbst bei jun­gen Paa­ren mit hoher Aus­bil­dung und wo die Frau erwerbs­tä­tig ist (spä­tes­tens zumin­dest, wenn es in der Bezie­hung Kin­der gibt)?1
Warum repro­du­ziert sich die sexis­ti­sche Arbeits­tei­lung selbst in trans­gen­der-Bezie­hun­gen?2
Warum gibt es wei­ter­hin sexuelle/​sexualisierte Gewalt? Und warum ist sie wei­ter­hin in aller ers­ter Linie Män­ner­ge­walt gegen Frauen?
Warum gibt es sol­che Phä­no­mene wie die Kam­pa­gne gegen Ypsi­lanti?3

„Gerade in einer Part­ner­schaft liegt eine gleich­be­rech­tigte Macht­ver­tei­lung vor, die stets die Grund­lage zur frei­wil­li­gen Unter­wer­fung bil­det.“

Ich würde dage­gen die These set­zen wol­len: Die frei­wil­lige Part­ner­wahl macht die Unter­wer­fung attrak­tiv, aber auch die sub­jek­ti­vie­rende Unter­wer­fung (Alt­hus­ser /​ Fou­cault) (hier: die Unter­wer­fung eines lie­ben­den weib­li­chen Sub­jekts) ist immer noch Unter­wer­fung:

„Um die Liebe zwi­schen den Part­nern nicht aufs Spiel zu set­zen, ver­zich­ten die meis­ten Paare über weite Stre­cken auf eine expli­zite Auf­rech­nung, wie sie bei einer genauen Ein­hal­tung der Part­ner­schafts­norm [Gleich­be­rech­ti­gung, d. Vf​.In] erfor­der­lich wäre. Dadurch ent­steht die Situa­tion, daß die Betei­li­gung des Man­nes an der Haus­ar­beit sich auf gele­gent­li­che Hil­fe­stel­lung und außer­or­dent­li­che ‚Son­der­leis­tun­gen‘ […] beschränkt.“ (Koppetsch/​Burkart 1999, 319).

und
wie hier FN 1, S. 73 f., 187-​​189

„Dem­nach gibt es kei­nen Grund, sich bei oder vor den ‚Spie­len‘ Gedan­ken um die äuße­ren Macht­ver­hält­nisse zu machen.“

Und wes­halb wer­den dann beim ‚Spie­len‘ die ‚äuße­ren‘ Macht­ver­hält­nisse haar­ge­nau nach­ge­spielt?
Vgl. meine Kri­tik:
http://​theo​rie​als​pra​xis​.blog​sport​.de/​2​0​0​0​/​0​8​/​3​1​/​w​e​s​s​e​n​-​g​e​w​a​l​t​-​h​a​t​-​d​i​e​-​m​a​c​h​t​-​s​e​x​y​-​z​u​-​sein/

„Aber wenn ich maso­chis­tisch bin und einen Mann gefun­den habe, der zu mir passt, mit dem ich mich per­fekt ergänze, den ich liebe, warum sollte aus­ge­rech­net die­ser Mann dann mein Feind sein? Die­ser Mann ist alles andere als mein Feind: Er ist mein Part­ner, mein Gelieb­ter, mein ein und alles. […]. Warum wird immer wie­der – gerade von Femi­nis­tin­nen – gefor­dert, Frauen soll­ten sich eman­zi­pie­ren und nach ihrem eige­nen Wil­len han­deln, wenn es dann doch wie­der falsch ist? Warum darf meine sexu­elle Selbst­be­stim­mung nicht so weit gehen, dass ich für mich ent­scheide, Maso­chis­tin zu sein.“

Ja, es wäre anma­ßend und müßig, Dir sagen zu wol­len, daß Du das Fal­sches willst (schließ­lich ist es Dein Wille) – aber es ist schon mög­lich eine eigene poli­ti­sche Mei­nung dazu zu haben, oder?

„Bei BDSM han­delt es sich um eine Nei­gung und nicht um eine Spie­le­rei oder eine krank­hafte Per­ver­sion.“

Ich würde ja alt­mo­disch sagen: Es han­delt sich um Poli­tik. Das Sexu­elle ist poli­tisch.

„Ich kann stu­die­ren und mei­nen Beruf aus­üben, viel Geld ver­die­nen und sagen, was ich will – und den­noch kann mein Part­ner mich im Bett schla­gen und demü­ti­gen, weil es mir gefällt!“

Das erste Teil des Zita­tes scheint mir latent ein unzu­tref­fen­des Klassen-​​bias zu ent­hal­ten (Sexi­mus sei aus­schließ­lich ein Unter­schicht­sphä­no­men /​ eine Bil­dungs­frage) – und bei dem zwei­ten Teil stellt sich mir schon die Frage (nicht das ich erwarten/​verlangen würde, daß Du das öffent­lich aus­brei­ten willst): Warum gefällt Dir das?

„Also bei Alice Schwar­zer, die sich auch deut­lich gegen jede Por­no­gra­fie wen­det und häu­fig sogar fast män­ner­feind­lich rüber­kommt, war nichts ande­res zu erwar­ten.“

Die Bemü­hun­gen um ‚femi­nis­ti­sche Por­no­gra­phie‘ in allen Ehren4, aber:
a) Warum muß das dann immer noch Por­no­gra­phie hei­ßen, wenn es doch angeb­lich etwas ganz ande­res ist?
Und b): Anfang des Jah­res war ich in Wien bei einem die­ser modi­schen post-​​porn-​​Festivals – mei­nen Ein­druck hatte ich danach wie folgt zusam­men­ge­faßt
„Um noch mal zusam­men­fas­send auf die Filme zurück­zu­kom­men: Soweit nicht ohne­hin Schwänze, son­dern Dil­dos gezeigt wur­den, bestä­tig­ten, sie NICHT die von einer der Refe­ren­tIn­nen aus Pre­cia­dos ‚Kon­t­rase­xu­el­lem Mani­fest‘ refe­rierte These, daß sich Dil­dos in Form, Farbe sowie Positionierungs-​​/​Anbringungs-​​ und Ein­satz­mög­lich­kei­ten von Schwän­zen unter­schei­den statt Schwanz-​​Substitute zu sein. Das, was zu sehen war, schien eher auf getreulich-​​naturalistische Imi­ta­tion in Form, Farbe, Anbrin­gung (zwi­schen den Bei­nen) und Ein­satz (haupsäch­lich in der Vagina: mög­lichst tief, in mög­lichst schnel­lem Ryth­mus, mög­lichst hef­tig bis gewalt­sam) der männlich-​​heterosexuellen Nor­ma­li­tät zu zie­len.“

  1. http://​edoc​.hu​-ber​lin​.de/​d​i​s​s​e​r​t​a​t​i​o​n​e​n​/​s​c​h​u​l​z​e​-​d​e​t​l​e​f​-​g​e​o​r​g​i​a​-​2​0​0​4​-​0​6​-​1​0​/​P​D​F​/​s​c​h​u​l​z​e.pdf, S. 113 – 131, 261. [zurück]
  2. ebd., S. 157 – 257. [zurück]
  3. Der Ypsilanti-​​Komplex. Zwi­schen­bi­lanz einer media­len Jagd: http://​fr​-online​.de/​i​n​_​u​n​d​_​a​u​s​l​a​n​d​/​p​o​l​i​t​i​k​/​d​o​k​u​m​e​n​t​a​t​i​o​n​/​?​e​m​_​c​n​t​=​1​6​01228& [zurück]
  4. http://​maed​chen​blog​.blog​sport​.de/​2​0​0​9​/​0​8​/​2​9​/​w​a​s​-​w​i​r​-​s​c​h​o​n​-​i​m​m​e​r​-​u​e​b​e​r​-​p​o​r​n​o​s​-​w​i​s​s​e​n​-​w​o​l​l​t​e​n​-​o​d​e​r​-​v​i​e​l​l​e​i​c​h​t​-​d​o​c​h​-​n​icht/; http://​maed​chen​mann​schaft​.net/​p​o​r​n​o​-​d​-i-y/; http://​les​-petits​-plai​sirs​.blog​spot​.com/​2​0​0​9​/​0​8​/​p​o​r​y​e​s​-​1​-​f​e​m​i​n​i​s​t​i​s​c​h​e​r​-​p​o​r​n​o​f​i​l​m​p​r​e​i​s​.html [zurück]
Share and Enjoy:
  • Facebook
  • Twitter
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • del.icio.us
  • email
  • Digg
  • Google Bookmarks
  • LinkedIn
  • MisterWong
  • MisterWong.DE
  • PDF
  • Tumblr
  • Wikio
Wikio

16 Antworten auf „Patriarchat abgeschafft – Das Private ist wieder unpolitisch?!“


  1. 1 Thiel Schweiger 30. September 2009 um 16:35 Uhr

    Nach meiner Replik auf dem mädchenblog, hier nochmal:

    Der Satz „Das Sexuelle ist politisch“ ist ja gut und schön, aber es kommt wohl darauf an, wie man es politisiert. Warum soll der normale Sex politisch nicht weiter zu problematisieren sein, SM hingegen schon?

    SM ist doch ein Spiel mit Macht und Gewalt, ein authentisches Spiel vielleicht, aber dennoch ein Spiel. Du argumentierst ja wie jemand, der Monopoly affirmativ findet, weil man darin den Kapitalismus nachspielt.

    Ich finde es zudem ein starkes Stück, fast eine Unverschämtheit, dass du dich in deiner Problematisierung von SM ausgerechnet auf Foucault beziehst. Der dachte nämlich zu dem Thema ganz anders als du:

    „Ich denke nicht, dass diese Bewegung sexueller Praktiken [gemeint ist die SM-Subkultur; TS] irgendetwas mit der Auf- und Entdeckung von tief in unserem unbewussten Unbewussten vergrabenen sadomasochistischen Strebungen zu tun hat. Ich denke, dass SM viel mehr ist als das; es ist die wirkliche Erschaffung neuer Möglichkeiten von Lust, die man sich zuvor nie hatte vorstellen können. Die Vorstellung, dass SM mit einer tiefsitzenden Gewalt verbunden sei, dass ihre Praxis ein Mittel sei, um diese Gewalt freizusetzen, um der Aggression freien Lauf zu lassen, ist eine dümmliche Vorstellung. Wir wissen sehr gut, dass das, was diese Leute machen, nicht aggressiv ist; dass sie neue Möglichkeiten von Lust erfinden, indem sie bestimmte eigentümliche Partien ihrer Körper gebrauchen – indem sie diesen Körper erotisieren. Ich denke, dass wir da eine Art SChöpfung, schöpferisches Unternehmen haben, bei denen ein Hauptmerkmal das ist, was ich Desexualisierung der Lust nenne. Die Vorstellung, dass die physische Lust stets aus der sexuellen Lust herrührt, und die Vorstellung, dass die sexuelle Lust Grundlage aller möglichen Lüste ist, dies, denke ich, ist etwas, das falsch
    ist. Die SM-Praktiken zeigen uns, dass wir Lust ausgehend von äußerst seltsamen Objekten hervorbringen können, indem wir bestimmte eigentümliche Partien unseres Körpers in sehr
    ungewöhnlichen Situationen usw. gebrauchen.“

    Foucault: Analytik der Macht. Frankfurt 2005, S. 304. (Aus einem Interview)

  2. 2 Thiel Schweiger 30. September 2009 um 16:37 Uhr

    In deiner Kritik an dem Artikel stimme ich dir übrigens ansonsten zu – hier wird mit Bezug auf den Feminismus wirklich das Kind mit dem Bade ausgeschüttet.

  3. 3 Thiel Schweiger 30. September 2009 um 17:12 Uhr

    In deinem alten Beitrag wirkt der Foucault-Bezug im Übrigen noch seltsamer. Mit Foucault gegen SM aber für neue Lüste???

    Das Mao-Zitat solltest du dir da selbst an den Kopf werfen. Was du da über die SM-Subkultur schreibst, hat mit den tatsächlichen Verhältnissen wenig zu tun. Ich empfehle wärmstens die Lektüre von Norbert Elbs Studie: „SM-Sexualität. Selbstorganisation einer sexuellen Subkultur“ (Gießen 2006)

    Ich will nicht behaupten, dass die SM-Subkultur das Richtige im falschen Ganzen wäre. Aber so falsch, wie du sie beschreibst, ist sie sicherlich nicht. Und ihr subversives Potential liegt eben tatsächlich (siehe Foucault) in der Erfindung neuer Lüste.

    Um es vllt noch treffender auf den Punkt zu bringen: SM ist kein Nachspiel der äußeren Macht, sondern eher die Sehnsucht nach einer guten Macht. Dass du von einer guten Macht bzw. Gewalt nichts wissen willst, zeigt wieder einmal, wie wenig du anscheinend von Foucault verstanden hast.

  4. 4 TaP 30. September 2009 um 22:32 Uhr

    „Ich finde es zudem ein starkes Stück, fast eine Unverschämtheit, dass du dich in deiner Problematisierung von SM ausgerechnet auf Foucault beziehst.“

    Ich habe mich gegen die Freiwilligkeits-Ideologie auf Foucault berufen. Und diese Berufung ist einfach wahr.

    „Warum soll der normale Sex politisch nicht weiter zu problematisieren sein, SM hingegen schon?“

    Sag‘ ich ja gar nicht. Unter http://theoriealspraxis.blogsport.de/images/produktive_Macht_nicht_lieben.pdf (S. 1) habe ich im Gegenteil ausdrücklich angeregt, das Konzept „Sex / Sexualität“ insgesamt in Frage zu stellen:

    „Frank T. behauptet: ‚Foucault (steht) im direkten Gegensatz zu Schulze‘. Das schmeichelt zwar meiner Eitelkeit ungemein; aber es scheint doch der Punkt erreicht zu sein, wo es notwendig ist, Foucault gegen seine vermeintlichen Verteidiger in Schutz zu nehmen. Denn Foucault sagt nicht anders als MacKinnon: ‚Freundschaft ist wechselseitig und sexuelle Verhältnisse sind das nicht: in sexuellen Verhältnissen penetriert man oder man wird penetriert … männliche Gesellschaft, Asymetrie … usw. … All das ist wenig verlockend.‘ (SuM 269, 270).“

    Zuvor hatte ich unter http://theoriealspraxis.blogsport.de/images/AKSM_Langfassung.pdf (S. 5 f., FN 11) geschrieben:

    „Dies schließt freilich nicht aus, daß sich auch einzelne ‚Lesben‘ an der SM-Kultur beteiligen, wenn wir Lesben nicht – wie unten FN 22 – politisch, sondern biologistisch-sexuell definieren: „Lesbische Sexualität, schlicht als Sexualität zwischen Frauen definiert, transzendiert nicht per definitionem die Erotisierung von Dominanz und Unterwerfung und deren soziale Gleichsetzung mit Männlichkeit und Weiblichkeit. Maskulin/feminin als sexuelles […] Rollenspiel, zusammen mit Parallelen in dem im lesbischen Sadomasochismus enthaltenen Vorstellungen von ‚oben‘ und ‚unten‘, legen für mich nahe, daß sich sexuelle Konformität weit über den Sittenkodex der jeweiligen Geschlechtsidentität erstreckt.“ (MacKinnon 1982, 123, FN 42 – Hv. i.O.). „Das Thema ‚lesbischer Sadomasochismus‘ muß im Zusammenhang mit der von den herrschenden Kulturen vermittelten Verbindung von Sex und Gewalt untersucht werden, wobei zu berücksichtigen ist, daß manche Lesben männliche homosexuelle Sitten und Gebräuche übernehmen.“ (Rich 1983, 276, FN 24).

    Und das läßt sich nicht mit dem ‚Argument‘ widerlegen, daß MacKinnon und Rich auch jede Menge falscher und unzutreffender Sachen geschrieben haben oder daß das ‚vor Butler‘ geschrieben wurde.

    „Du argumentierst ja wie jemand, der Monopoly affirmativ findet, weil man darin den Kapitalismus nachspielt.“

    Naja, ein Brettspiel ist vielleicht etwas anderes als der ‚Spielen‘ mit fremden Körpern. Und bei Monopoly werden nicht die gesellschaftlichen Rollen der konkret Spielenden reproduziert. Die ‚Rollen‘ im Spiel funktionieren völlig unabhängig von der (sonstigen) gesellschaftlichen Rolle der Spielenden, während es beim SM eine starke Tendenz gibt, daß wiederum Männer die Dominierenden sind – lt. Wikipedia 72 – 89 %.

    Foucault: „dass sie neue Möglichkeiten von Lust erfinden, indem sie bestimmte eigentümliche Partien ihrer Körper gebrauchen – indem sie diesen Körper erotisieren.“

    T.S.: „Und ihr subversives Potential liegt eben tatsächlich (siehe Foucault) in der Erfindung neuer Lüste.“

    Das ist sehr allgemein. Und in dieser Allgemeinheit gibt es da auch gar nichts einzuwenden. Dagegen ist das Nach’spielen‘ von Herrschaft ein sehr spezifischer Fall. Und ich habe bisher kein Argument gehört, daß mich überzeugen würde, daß es möglich ist, im Falle von SM eine halbwegs trennscharfe Unterscheidung zwischen ‚Spiel‘ und ‚Ernst‘ zu treffen.1
    Der hiesige Ausgangsartikel von Mirabella und auch die seinerzeit von mir im AK kritisierten Texte sind vielmehr ein sehr starkes Indiz dafür, daß die Unterscheidung nicht möglich ist – am Ende ist auch der ‚Ernst‘ ein ‚Spiel‘, und das Patriarchat löst sich durch queer-sadomaso Voluntarismus in Luft auf.
    Siehe allgemein zu diesem Thema auch noch:
    Kuschelsex oder Kuschelpolitik? Lesbisch-kommunistische De-Konstruktion oder ex-autonom-postmoderner Liberalismus?

    „Dass du von einer guten Macht bzw. Gewalt nichts wissen willst, zeigt wieder einmal, wie wenig du anscheinend von Foucault verstanden hast.“

    „Wir fanden uns gewiss vor zuviel Macht“ (Foucault)

    1. S. http://edoc.hu-berlin.de/dissertationen/schulze-detlef-georgia-2004-06-10/PDF/schulze.pdf, S. 187 – 190. [zurück]
  5. 5 Thiel Schweiger 30. September 2009 um 23:34 Uhr

    Hm, ich habe meine Argumente hier vielleicht etwas vage formuliert. In meinem Blogeintrag habe ich sie besser ausgeführt.

    Zum „männlichen Sadismus“:

    Elb spricht in seiner erwähnten Studie von einer „Dominanz des Masochismus“ in der SM-Subkultur, wonach die Mehrzahl derer, die sie betreten, ursprünglich eher masochistisch sind, später, u.a. aufgrund der besseren Chancen auf dem Beziehungsmarkt, dann jedoch zum Sadismus wechseln.

    Ich finde es im übrigen schon einen erheblichen Unterschied, wenn Frauen z.B. unfreiwillig Opfer häuslicher Gewalt werden oder vergewaltigt werden, und wenn dies auf ihrer Zustimmung basiert.

    Du ignorierst mE zudem die Selbstwahrnehmung masochistischer Frauen. Diese erleben SM gerade nicht als Unterdrückung, sondern als Befreiung. Die meisten SM-Beziehungen werden zudem nicht 24/7 geführt, sondern beschränkt auf gewisse Zeiträume. In der restlichen Zeit mag dann womöglich sogar die Frau in der Beziehung dominieren.

  6. 6 TaP 02. Oktober 2009 um 8:51 Uhr

    1. Schreib‘ doch vielleicht mal eine Rezension zu dem Buch; ich komme da im Moment nicht ‚ran (Auslandsaufenthalt). Anderen wollen vielleicht nicht gleich ein ganz Buch dazu lesen.

    2. Ich habe halt gewisse Zweifel daran, wieviel „Zustimmung“ in einer grundsätzlich von Herrschaft und Ausbeutung strukturierten Gesellschaft Wert ist.

    3. „gerade nicht als Unterdrückung, sondern als Befreiung“ – Ja, als Befreiung von angeblich tabubeladenen Feministinnen, so zumindest jetzt bei Mirabella; genauso damals im AK.
    Wenn es angeblich auch bessere Argumente für SM gibt, warum werden die dann immer nur andeutungsweise in Halbsätzen vorgebracht – und wird statt dessen auf den Feminismus eingeschlagen?

  7. 7 Thiel Schweiger 03. Oktober 2009 um 0:38 Uhr

    „1. Schreib‘ doch vielleicht mal eine Rezension zu dem Buch; ich komme da im Moment nicht ‚ran (Auslandsaufenthalt). Anderen wollen vielleicht nicht gleich ein ganz Buch dazu lesen.“

    Da bin ich ehrlich gesagt im Augenblick zu faul zu. Es handelt sich halt um eine Untersuchung der heterosexuellen SM-Subkultur in Deutschland mit qualitativen Methoden.

    Das Buch hat im Übrigen auch seine Schwachstellen.

    „2. Ich habe halt gewisse Zweifel daran, wieviel „Zustimmung“ in einer grundsätzlich von Herrschaft und Ausbeutung strukturierten Gesellschaft Wert ist.“

    Ja, darüber muss man diskutieren.

    „3. „gerade nicht als Unterdrückung, sondern als Befreiung“ – Ja, als Befreiung von angeblich tabubeladenen Feministinnen, so zumindest jetzt bei Mirabella; genauso damals im AK.“

    Ich kenne einige masochistische frauen, die zugleich auch Feministinnen sind. Das ist doch kein Widerspruch!

    „Wenn es angeblich auch bessere Argumente für SM gibt, warum werden die dann immer nur andeutungsweise in Halbsätzen vorgebracht – und wird statt dessen auf den Feminismus eingeschlagen?“

    Also ich hab nichts gegen den Feminismus an sich. Nur gegen bestimmte Ausrichtungen des Feminismus.
    Im Grunde will ich auch nicht für SM argumentieren. Ich will doch niemanden mit rationalen Gründen dazu bringen, SMer zu werden. Ich argumentiere gegen Anti-SM.

  8. 8 l 03. Oktober 2009 um 2:15 Uhr

    Ich kenne einige masochistische frauen, die zugleich auch Feministinnen sind. Das ist doch kein Widerspruch!

    hast du mirabellas beitrag überhaupt gelesen?

  9. 9 Tap 03. Oktober 2009 um 9:22 Uhr

    „Ich kenne einige masochistische frauen, die zugleich auch Feministinnen sind. Das ist doch kein Widerspruch!“

    Vielleicht nicht, für die allermeisten in der SM-Szene anscheinend schon.

    Guck‘ Dir den Beitrag von Mirabella an. Zunächst erweckt sie den Eindruck, es gehe ihr darum zu zeigen, daß SM und Feminismus vereinbar seien. Die Vereinbarkeit besteht dann aber darin, daß Feminismus allenfalls noch ein historischer Erinnerungsposten ist, weil das Patriarchat ehe im Verschwinden und unter jungen Leuten tatsächlich schon verschwunden sei.

    Und in der anschließenden Diskussion beim Mädchenblog konnte sich die von „schon wieder“ vorgeschlagene Trennung zwischen Teil 1 (Gibt es das Patriarchat noch?) und Teil 2 (Was halten wir von SM?) nicht durchsetzen. Wer/welche zeigen will, daß SM weder antifeministisch sein noch das Fortbestehen des Patriarchats leugnen muß, hätte klar sagen müssen:
    a) Auf dieser Grundlage (dem Artikel von Mirabella) gibt es von uns keine Verteidigung von SM. Bzgl. Teil 1 stehen wir in einer Front mit allen anderen Feministinnen.
    b) Und zu SM schreiben wir einen neuen Text mit besserer Begründung. Meine diesbzgl. mehrfache, in diese Richtung gehende Anregung wurde von den SM-Fans unter Mädchenblog-LeserInnen mehrfach explizit zurückgewiesen. Sie hätten es gar nicht nötig, irgendetwas zu erklären (meinetwegen, aber dann sollen sie auch generell von öffentlichen Stellungnahmen zu dem Thema absehen. Wenn sie dagegen diskutieren wollen und feministische Anerkennung haben wollen, müssen sie Argumente vorbringen und die vorgebrachte Kritik widerlegen.)

    Und diese AK-Beiträge damals (2 x M, 1 x F) hatten auch anti-feministische Untertönen.

    „Also ich hab nichts gegen den Feminismus an sich. Nur gegen bestimmte Ausrichtungen des Feminismus.“

    Konkretisier‘ doch mal bitte diese „Ausrichtung“ – aber kommt jetzt nicht wieder mit Teddy Adorno und Robi Kurz, die haben/hatten es nämlich nicht so mit dem Feminismus. Deren Kritik an SM ist eine ganz andere als meine!

    „Im Grunde will ich auch nicht für SM argumentieren. Ich will doch niemanden mit rationalen Gründen dazu bringen, SMer zu werden. Ich argumentiere gegen Anti-SM.“

    Und warum nicht – das erstere?! Wäre doch vielleicht das beste Mittel um das zweite zu erreichen.

  10. 10 Thiel Schweiger 03. Oktober 2009 um 16:59 Uhr

    „Vielleicht nicht, für die allermeisten in der SM-Szene anscheinend schon.“

    Weiß ich nicht. Hier mal zwei links zu Blogs, in denen Feminismus und SM verbunden wird:

    http://les-petits-plaisirs.blogspot.com/ (kennst du ja schon)
    http://sm-feminist.blogspot.com/

    Ich wüsste auch nicht, warum M-Frauen nicht feministisch sein sollten. Macht für mich gar keinen Sinn.

    „Konkretisier‘ doch mal bitte diese „Ausrichtung“ – aber kommt jetzt nicht wieder mit Teddy Adorno und Robi Kurz, die haben/hatten es nämlich nicht so mit dem Feminismus. Deren Kritik an SM ist eine ganz andere als meine!“

    Die Alice Schwarzer/PorNo-Richtung meine ich.

    Sympathischer finde ich halte den sexpositiven Feminismus (http://de.wikipedia.org/wiki/Sex-positiver_Feminismus#BDSM), wie ihn z.B. Gayle Rubin vertreten hat. Allerdings – als Klarstellung: ich finde, Frauen sollten auf diesem Gebiet selbst entscheiden, welche Spielart des Feminismus ihrer Erfahrung am meisten entspricht. Die Erfahrung fehlt mir halt aufgrund meiner gesellschaftlichen Positionierung.

    „Und warum nicht – das erstere?! Wäre doch vielleicht das beste Mittel um das zweite zu erreichen.“

    Aber dann müsste ich doch die Position vertreten, das SM irgendwie besser als andere Arten der Lust wäre. Diese Position habe ich aber nicht und sie ließe sich auch nicht rational begründen.

  11. 11 bigmouth 03. Oktober 2009 um 17:09 Uhr

    dass kurz kein feminist ist, halte ich für ein gerücht. die exit/krisis-spaltung ght doch darauf zurück, dass teile der krisis die feministischen theorien v roswitha scholz nicht ernt genug nahmen

  12. 12 TaP 06. Oktober 2009 um 9:14 Uhr

    @ Thiel Schweiger – 03. Oktober 2009 um 16:59 Uhr

    [TaP:] „Vielleicht nicht, für die allermeisten in der SM-Szene [sind SM und Feminismus] anscheinend schon [Widersprüche].“
    [T.S.:]: „Weiß ich nicht. Hier mal zwei links zu Blogs, in denen Feminismus und SM verbunden wird:
    http://les-petits-plaisirs.blogspot.com/ (kennst du ja schon)
    http://sm-feminist.blogspot.com/“

    Und wie repräsentativ sind die denn für die SM-Szene (den zweiten blog habe ich mir jetzt nicht genauer angesehe )? Allein schon der Vorstellungstext von Les petits plaisirs hebt sich doch dermaßen deutlich von denen Seiten, die l verlinkt hat, von dem Beitrag von Mirabella und den SM-VerteidigerInnen im Anschluß an Mirabellas Beitrag und der seinerzeitigen AK-Debatte ab: „Erotik – ein Teilbereich des Lebens, der immer weiter einschrumpft. Überwältigt von einer Flutwelle der expliziten sexuellen Darstellung, der Mainstream-Pornographie auf der einen, Stress und Hektik des Alltags auf der anderen Seite, gehört die Erotik zu einer bedrohten Spezies. In diesem Blog werde ich mich drum bemühen, der Erotik einen kleinen aber feinen Lebensraum zu geben.“

    Was die safewords anbelangt, sieht die Seitenmacherin das ähnlich wie der Kommentar, den l schon zitiert hat:

    Das Problem ist wirklich, dass man beim BDSM die wirklichen Grenzen meist erst daran erkennt, dass sie überschritten wurden. Eigentlich ist diese ja schon überschritten worden, die Verletzung hat schon eingesetzt, wenn das Safeword fällt. Es ist ja oft ein fließender Übergang zwischen dem, was geht und was zu viel ist.
    24/7 sehe ich auch eher skeptisch. Hierbei frage ich mich oft, wo der Unterschied zwischen dem und einer 50er-Jahre Ehe ist. ;-) Aber wie bei allem gilt auch hier, dass es ok ist, wenn es die Beteiligten glücklich macht.

    Und in einem weiteren Kommentar:

    Wie du schon sagst, das Safewort ist nur die Notbremse, der Zug sollte vorher halten.

    Das ist doch wirklich etwas ganz anderes als Dein „No risk no fun“ oder dem ‚Es sollen doch gerade die Grenzen ausgetestet werden‘ von Tee beim Mädchenblog. -

    Das hebt sich doch alles sehr deutlich von der pauschlen und gleichzeitig totalen Anti-Haltung gegenüber PorNo und SM-Kritik, wie sie die SM-VerteidigerInnen in den angeführten Debatten an den Tag legten, ab. – Und Mademoiselle Nocturne lässt – im Gegensatz zu der Haltung von einigen KommentatorInnen beim Mädchenblog, ‚SM-lerInnen müssen ihre Lust nicht an politischen Kriterien messen lassen‘ – immerhin die Fragen zu „Gibt es politisch korrekten Sex?“, „Wie muss dieser beschaffen sein?“ und „Was macht feministischen Sex aus?“ --- auch wenn sie als Antwort es auch nur beim Konsens bewenden läßt und die Frage nach der Reproduktion von außersexuellen Machtverhältnisses im Sex und der Prägung sexueller Bedürfnisse durch außersexuelle Machtverhältnisse nicht stellt.

    „Die Alice Schwarzer/PorNo-Richtung meine ich.“

    Als ob sich Pornographie nur mit den Argumenten der staatstragenden Alice Schwarzer kritisieren ließe. Allein schon das Theorieprogramm von MacKinnon (dessen Kernidee ‚Sexualität ist für den Feminismus das, was für den Marxismus Arbeit ist.‘ ich nicht teile, weil das die geschlechtshierarchische Arbeitsteilung für viel zu marginal hält) ist doch ein ganz anderes Kalliber, als der journalistische und politisch falsch situierte Kram von Schwarzer.
    Und Butler & Co. müssen nicht liberal interpretiert werden; ich verweise noch mal auf meinen Kuschelsex-Text.
    Es ist doch Euer theoretisches Armutszeugnis, wenn Euch zu dem Thema nichts anderes einfällt, als immer wieder auf Schwarzer rumzuhaken.

    „Sympathischer finde ich halte den sexpositiven Feminismus (http://de.wikipedia.org/wiki/Sex-positiver_Feminismus#BDSM), wie ihn z.B. Gayle Rubin vertreten hat.“

    Das ist doch demagogisch, welche von den Porno-, SM- und hetero/a/sexuellem Fick-Sex-Kritikerinnen ist denn wirklich anti-sex?! (Wobei ich meinerseits gar nichts dagegen hätte, den Sex-Begriff den Gewalt-Sex Fans zu überlassen und für den Feminismus einen neuen Begriff zu prägen. Aber damit ich ja nun wirklich repräsentativ.)

    [TaP:] „Und warum nicht – das erstere?! Wäre doch vielleicht das beste Mittel um das zweite zu erreichen.“
    [T.S.:] „Aber dann müsste ich doch die Position vertreten, das SM irgendwie besser als andere Arten der Lust wäre. Diese Position habe ich aber nicht und sie ließe sich auch nicht rational begründen.“

    Dann mußte Du aber aber auch zugestehen, daß SM für Feministinnen genauso kritisierbar ist wie alles andere, worin Sexismus artikuliert und reproduziert wird. Wenn Du dem zustimmst, dann poste das mal bitte beim Mädchenblog. Da bin ich ja mal gespannt, was earendil, n.n., Tee & Co. dazu sagen…

  13. 13 TaP 06. Oktober 2009 um 9:26 Uhr

    @ bigmouth – 03. Oktober 2009 um 17:09 Uhr

    „dass kurz kein feminist ist, halte ich für ein gerücht. die exit/krisis-spaltung ght doch darauf zurück, dass teile der krisis die feministischen theorien v roswitha scholz nicht ernt genug nahmen“

    Tut mir Leid, ich finde diesen ganzen Krisis-Kram esoterisch. Wenn es bei Roswitha Scholz zusätzlich um Frauen und das Geschlechterverhältnis geht, bleibt das halt immer noch Esoterik und wird dadurch nicht zu feministischer Theorie – geschweige denn Politik.

    Ich hatte dazu in der zweiten Hälfte der 90er Jahre mal ein Diskussionspapier geschrieben; ich kann mal bei Gelegenheit gucken, ob sich das zu veröffentlichen lohnt oder ob da zu spezifische Bezüge auf den seinerzeitigen Verwendungszweck drin sind.

  14. 14 bigmouth 06. Oktober 2009 um 10:51 Uhr

    auch falscher feminismus ist noch feminismus. stalin war ja auch kommunist

  15. 15 TaP 06. Oktober 2009 um 11:09 Uhr

    Nee, das würde ich schon anders sehen:

    a)aa) Was nicht feministisch ist, ist nicht feministisch – auch, wenn es feministisch genannt wird.
    Die Grenzziehung zwischen inner-feministischen Differenzen einerseits sowie Feminismus und Anti-Feminismus ist schwierig, aber möglich.

    bb) Aber darauf kommt es mir bei Roswitha Scholz gar nicht an; ich kann den ganzen Krisis-Ansatz als Theorie (ob nun feministisch oder nicht) gar nicht ernstnehmen. Das ist mir zu abgedreht.

    b) Zu einfach wäre zu sagen, der Stalinismus war nicht der ‚wahre‘ Sozialismus / Kommunismus. Klar, es war seinerzeit die in der kommunistischen Bewegung hegemoniale Politik.
    Aber Stalins Lesart von Marx und Lenin war an entscheidenden Punkten wissenschaftlich unzutreffend und politisch falsch. Seine Theorie und Politik (‚Staat des ganzen Volkes‘) stand dem Übergang von der Diktatur des Proletariats (Staat) zum Kommunismus (kein Staat) entgegen.
    Ich hätte deshalb Bedenken, Stalin „Kommunist“ zu nennen.

  16. 16 TaP 31. Oktober 2009 um 0:43 Uhr

    So meine alte Kritik an der „Abspaltungs“-Theorie von Roswitha Scholz ist jetzt online:

    http://theoriealspraxis.blogsport.de/1996/10/15/die-krisis-nunmehr-exit-und-das-geschlechterverhaeltnis/.

Antwort hinterlassen

XHTML: Du kannst diese Tags benutzen: <a href=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote> <code> <em> <i> <strike> <strong>


× sechs = achtundvierzig