(Was) wählen? – Teil III

[Ggü. 20:56 h mit Update ab Abschnitt „Bar­ri­cada zu den Klein­par­teien“]

Über­sicht:

I. Wei­tere Stel­lung­nah­men zur Pira­ten­par­tei
II. Lyzi: Doch DKP wäh­len?
III. Bar­ri­cada: Doch nicht Links­par­tei wäh­len?
IV. Bar­ri­cada zu den Klein­par­teien
V. Die Ein­wände von Race the Breeze
VI. Scheck­kar­ten­punk als Gegen­stand­punkt-Fan
VII. Mne­menth: „Bitte geht wäh­len“
VIII. Bei indy­me­dia wird noch dis­ku­tiert (‚anar­chis­ti­scher‘ Piraten-​​Wähler: „Femi­nis­mus ist eine dog­ma­ti­sche Ideo­lo­gie aus den 70ern, die strikte Geschlech­ter­tren­nung und auto­ri­täre Denk­struk­tu­ren beinhal­tet.“)
IX. Die letz­ten bei­den Umfrage-​​Ergebnisse und die Wahl­bör­sen

I. Wei­tere Stel­lung­nah­men zur Pira­ten­par­tei

Bei Indy­me­dia Schweiz (Schi­ckes Video zum Thema – 26.09.2009 12:43) wird auf einen Pira­ten­spot hin­ge­wie­sen.
Die Pira­ten­par­tei sieht die Frei­heit der NATION, nicht etwa die der BÜR­GE­RiN­NEN bedroht

und endet dann folg­lich mit den Natio­nal­far­ben:

.
Damit paßt sie dann ja schon zur Farb­ge­bung der FDP-​​Werbung – erfreu­lich nur, daß zumin­dest nicht mit einer Mehr­heit eines neoliberalen-​​hard­core-Dreier-​​Bündnisses von FDP, Grü­nen und Pira­ten­par­tei zu rech­nen ist.

Lyzi’s Welt kom­men­tiert die Pira­ten­par­tei (in Anspie­lung auf eines deren Wahl­pla­ka­ten) wie folgt:
„Wer Pla­ka­ten zu ver­trauen pflegt, hat sicher­lich einen an der Waf­fel, wer jedoch hobby-​​politischen Internetfreiheits-​​Flashmob-​​Canaillen und ihrem hirn­lo­sen Separatisten-​​Wahlprogramm ver­traut, hat auf jeden Fall nur noch Brei in der Birne.“,
und ver­weist außer­dem auf den Spie­gel­fech­ter. Der aus­führ­li­che und wohl abge­wo­gen argu­men­tie­rende Text beginnt wie folgt:

„Dies ist mitt­ler­weile mein drit­ter Arti­kel zu die­sem Thema. Wäh­rend ich anfangs noch sehr opti­mis­tisch war und spä­ter – nach der Affäre um Bodo Thie­sen – immer noch dosiert zweck­op­ti­mis­tisch kom­men­tierte, sehe ich die Ent­wick­lung der Pira­ten mitt­ler­weile wesent­lich pes­si­mis­ti­scher“.

Wer/​welche noch über­legt, Pira­ten­par­tei zu wäh­len: Unbe­dingt lesen!

Und auf einen zwei­ten Text ver­weist Lyzi’s Welt noch: auf den taz-Arti­kel eines Redak­teurs der Blät­ter für deut­sche und inter­na­tio­nale Poli­tik. Des­sen Haupt­these lau­tet:

„Also alles Frei­heit – oder was? Hier aber liegt das eigent­li­che Pro­blem. Hier [beim Freiheits-​​Begriff der Jun­gen Frei­heit oder auch der Neo­li­be­ra­len, TaP] näm­lich zeigt sich, dass das Frei­heits­la­bel kei­nes­wegs hin­rei­chend ist, um die für eine Par­tei erfor­der­li­che inhalt­li­che Überein­stim­mung zu stif­ten. Denn offen­sicht­lich ver­birgt sich hin­ter dem Flagg­schiff der Frei­heit höchst Unter­schied­li­ches.“

II. Doch DKP wäh­len?

Ansons­ten schreibt Lyzi:

„Wäh­len ist sowieso ver­kehrt – des­halb auch am Sonn­tag wie­der: DKP* ankreu­zen!
* Die DKP, die­ses defor­mierte Pro­dukt bundesdeutsch-​​bourgeoiser Zensur-​​Anstrengungen gegen den Kom­mu­nis­mus, das lei­der genauso aus­sieht, wie die herr­schen­den Anti­kom­mu­nis­ten es als volks­ver­träg­lich emp­fin­den, ist näm­lich die ein­zige Par­tei mit einem Intel­lek­tu­el­len­flü­gel (Flügel-​​Mitgliederanzahl: 3).“

Mir scheint, damit ist das, was ich im ers­ten Teil die­ser Serie gegen das DKP-​​Wählen ein­wandte, nicht wider­legt.

III. Doch nicht Links­par­tei wäh­len?

Von Bar­ri­cada wer­den drei Argu­mente gegen das Wäh­len der Links­par­tei vor­ge­bracht:

„1. Längst ist es Usus inner­halb der Par­tei, dass das oberste Ziel einer jeden Wahl darin besteht in die Regie­rung ein­zu­tre­ten.“

Das ist zutref­fend beschrie­ben und das Beschrie­bene ist auch zu kri­ti­sie­ren. Dies spricht aller­dings dies­mal nicht gegen die Wahl der Links­par­tei. Denn eine Linkspartei-​​Regierungsbeteiligung wird es dies­mal nicht geben, denn ein rot-​​rot-​​grüner Koali­ti­ons­ver­such würde im Bund noch kläg­li­cher Schei­tern als in Hes­sen. Die SPD wäre danach bun­des­weit eine unter 20 Prozent-​​Partei.

„2. Viele mei­nen an die­ser Stelle, das man in Regie­run­gen doch zumin­dest ein bischen was bewe­gen könne, die Lage wenigs­tens einen Hauch zum Bes­se­ren bewe­gen. Das ist aber ein klas­sisch refor­mis­ti­scher Irr­glaube. Die Bei­spiele der Geschichte spre­chen für sich: Als die fran­zö­si­sche KP Anfang der 80er in die Mitterand-​​Regierung ein­trat waren alle gro­ßer Hoff­nun­gen. Her­aus­ge­kom­men ist dabei jedoch über­haupt nichts, außer eine deut­lich geschwächte KP. Das­selbe ist den Kom­mu­nis­ten in Ita­lien mehr­fach pas­siert und hat aktu­ell dazu geführt, das beide große kom­mu­nis­ti­sche Par­teien (Rif­on­da­zione und PdCI) über­haupt keine Abge­ord­ne­ten im Par­la­ment mehr haben. usw.“

Auch das ist alles rich­tig, aber auch hier­ge­gen greift das Gegen­ar­gu­ment gegen Nr. 1 durch.

„3. In dem anti­ka­pi­ta­lis­ti­sche Grup­pen jetzt zur ‚kri­ti­schen Wahl‘ der PdL oder der­ar­ti­gem Auf­ru­fen stär­ken sie das Bewusst­sein des klei­ne­ren Übels bei den Wäh­le­rin­nen und Wäh­lern.“

Das klei­nere Übel ist eine Rea­li­tät. Und es ver­schwin­det nicht dadurch, daß seine Rea­li­tät igno­riert oder ver­bal negiert wird.
Diese Rea­li­tät zu igno­rie­ren, iso­liert nur unnö­tig die­je­ni­gen, die zurecht argu­men­tie­ren, daß auch das klei­nere Übel ein Übel ist.
Aber man/​frau/​lesbe sollte ein rich­ti­ges Argu­ment nicht ad absur­dum füh­ren und dadurch ent­wer­ten. Noch ein­mal ein Zitat des schlauen Kop­fes:

„Die Hol­län­der und die ‚Lin­ken‘ über­haupt urtei­len hier wie Dok­tri­näre der Revo­lu­tion, die an einer wirk­li­chen Revo­lu­tion nie­mals teil­ge­nom­men oder sich in die Geschichte der Revo­lu­tio­nen nicht ver­tieft haben oder naiv die sub­jek­tive ‚Ableh­nung‘ einer bestimm­ten reak­tio­nä­ren Insti­tu­tion für deren tat­säch­li­che Zer­stö­rung durch die ver­ein­ten Kräfte einer gan­zen Reihe von objek­ti­ven Fak­to­ren hal­ten. Das sicherste Mit­tel, eine neue poli­ti­sche (und nicht nur eine poli­ti­sche) Idee zu dis­kre­di­tie­ren und ihr zu scha­den, besteht darin, sie ad absur­dum zu füh­ren, wäh­rend man sie ver­tei­digt. Denn jede Wahr­heit kann man, wenn man sie ‚über­schweng­lich‘ macht (wie der alte Diet­z­gen zu sagen pflegte), wenn man sie über­treibt, wenn man sie über die Gren­zen ihrer wirk­li­chen Anwend­bar­keit hin­aus aus­dehnt, ad absur­dum füh­ren, ja sie wird unter die­sen Umstän­den unver­meid­lich absurd. Und eben die­sen Bären­dienst erwei­sen die hol­län­di­schen und die deut­schen Lin­ken der neuen Wahr­heit, daß die Sowjet­macht den bürgerlich-​​demokratischen Par­la­men­ten über­le­gen ist.“

Bar­ri­cada schreibt wei­ter:

„Aber gerade, da die Welt­wirt­schafts­krise in den nächs­ten Wochen und Mona­ten mit aller Wahr­schein­lich­keit noch ein­mal ihr wah­res Gesicht zei­gen wird, sollte man eher dar­auf hin­ar­bei­ten klar zu machen, das diese Krise eine unver­meid­bare Sys­tem­krise des Kapi­ta­lis­mus ist und des­halb keine refor­mis­ti­sche Kraft, egal in wel­cher Situa­tion, nen­nens­werte Ver­bes­se­run­gen für die Men­schen erkämp­fen kann.“

Was soll das denn hei­ßen? Daß wir es mit der End­krise des Kapi­ta­lis­mus zu tun haben? Daß es also keine sys­tem­im­ma­nen­ten Ant­wor­ten auf die Krise gibt? – Dies erschiene mir sehr unwahr­schein­lich. ‚Der Kapi­ta­lis­mus’ ist bis­her immer noch gestärkt aus sei­nen Kri­sen her­vor­ge­gan­gen. Ohne eine Linke, die ana­ly­tisch und poli­tisch eine ganz andere Stärke als bis­her vor­han­den ent­wi­ckelt, wird dies auch dies­mal wie­der so sein.
Oder soll das Zitat nur besa­gen, daß der Kapi­ta­lis­mus immer wie­der Kri­sen durch­le­ben wird? Daß kri­sen­freier Kapi­ta­lis­mus nicht mög­lich ist? – Dann würde ich inso­weit zustim­men; das würde dann aber nicht die Rele­vanz des klei­ne­ren Übels wider­le­gen.

„Anstatt sei­ner poli­ti­schen Ori­en­tie­rungs­lo­sig­keit durch ‚kritisch-​​solidarische‘ Wahl­emp­feh­lun­gen Aus­druck zu ver­lei­hen, sollte es unser aller Anlie­gen sein, eine breite, außer­par­la­men­ta­ri­sche Wider­stands­be­we­gung auf­zu­bauen, sowohl in den Schu­len und Uni­ver­si­tä­ten, als auch inner­halb der Gewerk­schaf­ten und in den Betrie­ben.“

Nur schließt sich bei­des gar nicht aus. Das „Anstatt“ ist der Feh­ler in der Argu­men­ta­tion.

„Die gro­ßen Bil­dungs­streiks im Juni zei­gen, dass das Poten­tial dafür durch­aus vor­han­den ist.“

Wo war denn da mehr Radi­ka­li­tät als in der Poli­tik der Links­par­tei zu sehen?

IV. Bar­ri­cada zu den Klein­par­teien

Der Stel­lung­nahme von Bar­ri­cada in einem wei­te­ren Text zu den Klein­par­teien kann ich dage­gen mehr oder weni­ger zustim­men: DKP, MLPD und PSG: jeweils allen­falls nur mit gro­ßen, jeweils unter­schied­li­chen Beden­ken zu wäh­len (wird von Bar­ri­cada jeweils genauer begrün­det); und zur Pria­ten­par­tei:
„Keine Alter­na­tive hin­ge­gen sind Ein-​​Thema-​​Parteien wie die soge­nannte ‚Pira­ten­par­tei‘, die inzwi­schen zu einem Inter­net­phä­no­men avan­ciert ist und sich mit ihrem ganz auf Inter­net­the­men zuge­schnit­te­nen Pro­gramm gerne als ‚hippe‘ Par­tei für junge Leute dar­stellt. Zu allen ande­ren Poli­tik­fel­dern fin­det man nichts als gäh­nende Leere oder bie­dere, bür­ger­li­che Posi­tio­nen, wie man sie auch von der FDP erwar­ten würde. Fort­schritt­li­che oder gar linke Posi­tio­nen sucht man bei der Pira­ten­par­tei ver­geb­lich.“

V. Die Ein­wände von Race the Breeze

Race the Breeze wen­det gegen Teil I die­ser Serie ein:

„Aber warum die Kon­se­quenz, bei aller Kri­tik die ‚Linke‘ zu wäh­len? Warum nicht irgend­eine der Klein­par­teien, mit denen man auch nicht zufrie­den ist oder viel­leicht doch und denen man nur die Stimme nicht geben soll, weil die dann ver­schenkt sei?“

Zu dem ver­link­ten Texte hatte ich schon kurz an die­ser Stelle Stel­lung genom­men: http://​theo​rie​als​pra​xis​.blog​sport​.de/​#​f​n​1​2​5​3​7​8​1​9​1​0050n (3. ►).
Ergän­zend siehe auf den vor­ste­hend bespro­che­nen Text von Bar­ri­cada ver­wie­sen; dar­über hin­aus ist mir nicht klar, wel­che wei­te­ren Klein­par­teien über­haupt in Erwä­gung gezo­gen wer­den könn­ten.

„Jutta Dit­furth bei­spiels­weise ruft dazu auf, ungül­tig zu wäh­len. Es gäbe keine wähl­bare rele­vante linke Par­tei und die ‚Linke‘ habe die Ideale der Lin­ken ver­ra­ten.“

Poli­ti­sche Pra­xis ist aber ande­res und mehr als Ideale hoch­hal­ten. Mit ihrem moralisierend-​​idealistischen Poli­tik­ver­ständ­nis ist J.D. schon – zurecht! – in den Grü­nen geschei­tert.
Vgl.: http://​theo​rie​als​pra​xis​.blog​sport​.de/​i​m​a​g​e​s​/​f​u​n​d​a​m​_​P​y​r​r​h​u​s​s​i​e​g​e.pdf.

„Der Par­tei­vor­sit­zende der Lin­ken, Oskar Lafon­taine, machte am Mitt­woch in der Säch­si­schen Zei­tung deut­lich, dass die For­de­rung nach einem ’sofor­ti­gen Abzug‘ der Bun­des­wehr aus Afgha­nis­tan nicht wört­lich zu ver­ste­hen sei. ‚Sofort heißt natür­lich nicht kopf­los', sagte er. ‚Das Par­la­ment müsste ent­schei­den, dann müsste die Regie­rung mit den Part­nern über die Moda­li­tä­ten des Abzugs ver­han­deln.‘ Ok.“

Ohne mir jetzt auf die Schnelle den Kon­text des Zita­tes anzu­se­hen, scheint mir das von der Grund­über­le­gung nicht ein­mal falsch zu sein:

„Es ist also weder tun­lich, die Logik des juris­ti­schen Pro­zes­ses auf die Dyna­mik sozia­ler Bewe­gun­gen anwen­den, wie dies immer wie­der geschieht, wenn Bewe­gun­gen, die begrif­fen haben, was sie wol­len, Ver­nünf­tig­keit im Sinne von ‚Mäßi­gung‘ gepre­digt wird – bei­spiels­weise, wenn der For­de­rung nach der sofor­ti­gen Abschal­tung aller Atom­an­la­gen brä­sig ent­ge­gen­ge­hal­ten wird, das sei doch juris­tisch gar nicht mach­bar; noch ist es tun­lich die Dyna­mik einer Mas­sen­be­we­gung, die, um klar und wirk­sam wer­den zu kön­nen, nichts ande­res als die sofor­tige Abschal­tung for­dern kann, unver­mit­telt auf den poli­ti­schen und dann auf den juris­ti­schen Pro­zess zu über­tra­gen (vom tech­no­lo­gi­schen Pro­zess, als bei­den unter­ge­ord­net, ein­mal abge­se­hen). Eine sol­che unver­mit­telte Über­tra­gung fin­det bspw. statt, wenn jedem, der zur Durch­set­zung die­ser Bewe­gungs­for­de­rung poli­tisch (und das heißt unter den gegen­wär­ti­gen Bedin­gun­gen par­la­men­ta­risch) ver­han­deln will oder der juris­ti­sche Ver­fah­ren über­legt, wie eine Umset­zung des erreich­ten poli­ti­schen Wil­lens­ent­schei­des aus­se­hen könnte, Ver­rat unter­stellt wird. Selbst­ver­ständ­lich braucht es ein paar Monate, bis selbst unter star­kem Druck von unten eine sol­che For­de­rung durch­ge­setzt und noch wei­tere Zeit, bis die durch­ge­setzte Ent­schei­dung umfas­send umge­setzt wer­den kann.“
(Frie­der Otto Wolf, Warum fällt es uns in den Grü­nen so schwer, unsere Per­spek­ti­ven zu dis­ku­tie­ren, in: Grü­nes und alter­na­ti­ves Jahr­buch 1988 hrsg. von Erwin Jurt­schitsch /​ Alex­an­der Rud­nick /​ F. O. Wolf, Köln – erscheint dem­nächst über­ar­bei­tet neu in die­ser Auf­satzs­samm­lung)

Daß der rot-​​grüne Atom‘ausstieg‘ die­sem Kri­te­rium nicht ent­spricht, muß nicht extra gesagt, oder? (Ich mach’s mal vor­sichts­hal­ber trotz­dem.)

„Nicht wäh­len gehen sagt offen­sicht­lich aus, dass man mit dem bür­ger­li­chen, dem pro­le­ta­ri­schen dem sonst­was­für­ei­nem Par­la­men­ta­ris­mus nicht ein­ver­stan­den ist.“

Ja, eben! Es drückt eine reine Hal­tung aus, ist aber noch keine poli­ti­sche Pra­xis. Und es sagt nicht ein­mal aus, ob der Par­la­men­ta­ris­mus aus einer faschis­ti­schen oder links­ra­di­ka­len Posi­tion her­aus abge­lehnt wird und was an seine Stelle tre­ten soll.

VI. Scheck­kar­ten­punk als Gegenstandpunkt-​​Fan

VII. Mne­menth: „Bitte geht wäh­len“

Mne­menth plä­diert (abschlie­ßend) für’s Wäh­len gehen. Der Text bringt ein pro-​​Argument:

„Wer nicht wählt stärkt die NPD“

und wider­legt drei (ver­meint­li­che) Gegen­ar­gu­mente:

„an­de­re po­li­ti­sche Ak­tio­nen sind schnel­ler und er­folg­ver­spre­chen­der“

„Ohne Frage er­reicht man mit Streiks, De­mons­tra­tio­nen, Flug­blät­tern, Flashmobs und Kunst­ak­tio­nen in kur­zer Zeit mehr als mit einem Kreuz alle 4 Jahre. Aber nie­mand hat ge­sagt, man müsse mit Ab­ga­be sei­ner Stim­me auf an­de­re Ak­tio­nen ver­zich­ten.“

„Wah­len än­dern nichts“

„Für mich war die Ein­füh­rung von gleich­ge­schlecht­li­chen Le­bens­part­ner­schaf­ten der Au­gen­öff­ner. Ich hätte nie ge­glaubt, dass dies in Deutsch­land mög­lich wäre. In Deutsch­land! Doch nach einer lan­gen trau­ri­gen und de­pres­siv-​​​grau­en Kohl-​​​Ära gab es einen Re­gie­rungs­wech­sel. Und tat­säch­lich wurde etwas ge­än­dert.“
Ich bin mir zwar nicht sicher, ob das Bei­spiel gut gewählt ist (würde eher dahin ten­die­ren, daß die Abschaf­fung der Ehe eine bes­sere Reform­for­de­rung als die Ein­füh­rung der Homo-​​Ehe ist) – aber sicher­lich: Wah­len ändern etwas, und das läßt sich auch von Revo­lu­tio­nä­rIn­nen als bes­ser oder schlech­ter beur­tei­len.

„nie­mand auf dem Wahl­zet­tel ver­tritt meine Vor­stel­lun­gen“

„Das es eine per­fek­te Ver­tre­tung auf dem Wahl­zet­tel gibt ist un­wahr­schein­lich, dann müss­te es 82 Mil­lio­nen Par­tei­en geben, die alle eine Stim­me er­hal­ten.“

VIII. Bei indy­me­dia wird noch dis­ku­tiert

http://​de​.indy​me​dia​.org/​2​0​0​9​/​0​9​/​2​6​1​9​5​3​.​s​h​t​m​l​?c=on – als letz­tes noch ein tol­les ‚Argu­ment‘ zur Ver­tei­di­gung der Pira­ten­par­tei:

“ anar­chis­ti­scher freak 26.09.2009 – 23:48
Ich kann mir kaum vor­stel­len, daß Anar­chis­ten diese Aktion [link von TaP] zu ver­ant­wor­ten haben. Ich finde diese Aktion ziem­lich merk­wür­dig. Anar­chis­ten wür­den sich nicht als Pri­mär­ziel die ein­zige Par­tei aus­wäh­len, die für rela­tive Frei­heit steht. Deine Links sind unbrauch­bar, weil ideo­lo­gi­scher und welt­frem­der Mist. Beson­ders die­ser abgrund­tiefe Blöd­sinn mit dem ‚Anti­fe­mi­nis­mus‘. Femi­nis­mus ist eine dog­ma­ti­sche Ideo­lo­gie aus den 70ern, die strikte Geschlech­ter­tren­nung und auto­ri­täre Denk­struk­tu­ren beinhal­tet. Damals hat es viel­leicht Sinn gemacht, um gegen die patria­chale Gesell­schaft über­haupt auf­zu­be­geh­ren. Lus­tig ist, wenn maed​chen​mann​schaft​.net sug­ge­riert, die Wahl von CDU oder einer ihrer Wurm­fort­satz­par­teien würde irgend­wie bes­ser sein.
Viel­leicht bin ich etwas lang­sam: aber was ist dei­ner Mei­nung nach so toll daran, wenn künf­tig Bun­des­wehr­sol­da­ten auf Demons­tran­ten schies­sen dür­fen? Ich habe dei­nen wesent­li­chen Punkt dies­be­zü­göich noch nicht ganz mit­be­kom­men.“

http://​links​un​ten​.indy​me​dia​.org/​d​e​/​n​o​d​e​/​11504

http://​ch​.indy​me​dia​.org/​d​e​/​2​0​0​9​/​0​9​/​7​1​4​4​8​.​shtml

IX. Die letz­ten bei­den Umfrage-​​Ergebnisse und die Wahl­bör­sen

► Recht inter­es­sant ist die letzte Allensbach-​​Umfrag (für die FAZ): erwar­tet wird eine nied­rige Wahl­be­tei­li­gung, und es wer­den genauere Anga­ben zu den Par­tei­prä­fe­ren­zen der noch unent­schlos­sen gemacht (http://www.faz.net/s/Rub4D6E6242947140018FC1DA8D5E0008C5/Doc~E311C87DFB1EE416289991137E094715F~ATpl~Ecommon~Scontent.html)
► Wahl­bör­sen gibt es drei (von der FR [gna­den­lo­ser Opti­mis­mus der rot-​​grünen FR-​​LeserInnenschaft), von der Uni Mün­chen und von Pro­kons – wichen neu­lich auch leicht zulas­ten von Schwarz-​​Gelb von den Umfra­gen ab). Links suche ich jetzt nicht mehr, son­dern gehe schla­fen.

Ende.

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8 Antworten auf „(Was) wählen? – Teil III“


  1. 1 Mati 27. September 2009 um 2:27 Uhr

    Also wenn das soooo ist, dann bin ich einer Meinung mit dir wähle ich doch den Faschismus. Mir ist ein Überwachungsstaat viel lieber als eine freie Gesellschaft, in der jemand die falschen farben tragen könnte. Und daß es 1 Anhänger der Piraten gibt, der schwarzrotgold mag, ist ein Beweis, daß die Piraten alle Nazis sind. Also wähle ich auch lieber die CDU und hoffe auf baldigen Bundeswehreinsatz gegen Linke. Die sind ja eh alle Antisemiten. Sagt zumindest die Jungle World und diverse antideutsche Kleinstadtblogger.

  2. 2 Mephisto 27. September 2009 um 3:55 Uhr
  3. 3 TaP 27. September 2009 um 11:32 Uhr

    @ Mati – 27. September 2009 um 2:27 Uhr

    „Also wenn das soooo ist, dann bin ich einer Meinung mit dir wähle ich doch den Faschismus.“

    Du scheinst vorauszusetzen, die Piratenpartei wäre die einzige antifaschistische Partei.
    Auf alle Fälle haben AntifaschistInnen noch einige andere Wahlmöglichkeiten. Und zumindest mit antifaschistischem Ruhm hat sich die Piratenpartei ja bisher nicht bekleckert.

    „Mir ist ein Überwachungsstaat viel lieber als eine freie Gesellschaft, in der jemand die falschen farben tragen könnte.“

    Wiederum scheinst Du vorauszusetzen, daß die Piratenpartei die einzige Partei sei, die gegen den „Überwachungsstaat“ sei.
    Zutreffend ist vielmehr, daß die Piratenpartei die einzige Partei ist, deren programmatisches Profil sich weitgehend auf das Thema „Überwachungsstaat“ reduziert, was (1.) in Anbetracht der kapitalistischen Krise und der Dringlichkeit auch ökologischer Problem ziemlich unangemessen ist und (2.) – wie dargelegt – auch noch auf einem problematischen Freiheits-Begriff beruht.

    „Und daß es 1 Anhänger der Piraten gibt, der schwarzrotgold mag, ist ein Beweis, daß die Piraten alle Nazis sind.“

    Das scheint ja nun ein offzieller Wahlspot zu sein. Und ansonsten – wie schon bei indymedia geschrieben wurde –: „Egal, was kritisiert wird – nie war es Absicht, oder es war nur ein Einzelner, ein kleiner Versehen. Entweder ist das immer nur eine Ausflucht oder der Verein ist einfach zu unreif für’s Politik machen.“ (http://de.indymedia.org/2009/09/261953.shtml?c=on // schlicht – aber wahr // Dein Name 26.09.2009 – 21:45)
    Im übrigen ist eine Partei in meinen Augen nicht erst dann nicht wählbar, wenn sie ausschließlich aus Nazis bestünde (das letzteres bei der PP der Fall wäre, hat niemandE behauptet).

  4. 4 skp 27. September 2009 um 13:18 Uhr

    lol – na mit gegenstandpunkfan ist dann alles zur sache gesagt. großartige selbstverhandlung.

  5. 5 TaP 27. September 2009 um 14:02 Uhr

    Hast Du mal in die verlinkten Texte zum GSP reingeguckt? Nein, wahrscheinlich nicht. Kann ja eh nichts zur Sache drin stehen. (Is ja nicht vom GSP.)

    Gibt es in dem Wirth-Vortrag irgendein Argument, das nicht entweder von meiner generellen Kritik am GSP oder aber von meiner Kritik an anderen WahlboykotteurInnen getroffen ist?

    Dann mach‘ doch mal einfach ein kleines Exzerpt (so viel wird es ja keinesfalls sein) oder rege an, daß sich der GSP bessere Aufnahmetechnik zulegt, falls das der massenhafte GSP-Absatz zuläßt.

  6. 6 l 27. September 2009 um 14:26 Uhr

    (Is ja nicht vom GSP.)

    tap, das ist lächerlich. wenn skp so denkt, dann bin ich karl der käfer. der denkt aber gar nicht so. aber du tust das: ‚alles was der GSP schreibt ist falsch / da steht nichts zur sache drin‘. das ist genauso falsch wie das, was du da skp fälschlicherweise unterstellst.

    oder rege an, daß sich der GSP bessere Aufnahmetechnik zulegt

    hä? vllt solltest du dir wieder mal die ohren putzen? man kann übrigens auch die lautstärke raufdrehen bei diesen dingern namens pc od. notebook.
    aber schon klar: vortrag anhören geht gar nicht (eh nur falsches zu hören), skp und andere sollen sich aber deine beiträge durchlesen. haha
    kleines exzerpt: du willst doch kritisieren. also mach das auch. statt hier aufgaben zu verteilen.

    ps: ne debatte zur wahl gibt’s hier: http://neoprene.blogsport.de/2009/08/26/waehlen-ist-verkehrt-auch-2009/

  7. 7 l 27. September 2009 um 14:30 Uhr

    was du mit deiner forderung nach nem exzerpt/besserer aufnahmetechnik zugibst, ist schlicht und ergreifend, dass du nicht weißt, was da überhaupt gesagt wurde. aber falsch wird’s schon sein …

  8. 8 TaP 27. September 2009 um 14:38 Uhr

    „zugibst, ist schlicht und ergreifend, dass du nicht weißt, was da überhaupt gesagt wurde“

    Ja, hatte ich ja geschrieben. Ich hatte meinen Lautstärkeregler voll oben und nach zwei Minuten festgestellt, daß mir das zu anstrengend ist.

    Und in Anbetracht dessen, was ich bisher aus der GSP-Ecke gehört habe, werden ich mir nicht extra dafür externe Lautsprecher kaufen – zumal ich kein Fan von Audio-Dateien bin (lassen sich nur mühselig zitieren).

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