@ Antidemokratische Aktion – 05. September 2009 um 8:42 Uhr:
„erfolgreiche kommunistische Agitation – und ob sie erfolgreich ist, hat man halt nicht in der Hand – ist gleichbedeutend mit einer ‚Änderung der Kräfteverhältnisse‘, nämlich der zwischen Kapitalismusfans und Kommunisten.“
1. Fehler: Reduktion des politischen Kampfes auf Agitation = Reduktion des Kräfteverhältnisses auf ein rein intellektuelles (geistiges) Verhältnis.
„Und auf diese kommt es ja wohl an, wenn man die Revolution machen will. Getrennt davon ‚Kräfteverhältnisse ändern‘ zu wollen heißt daher notwendig, von objektiver Kritik abzusehen“
2. Fehler: Nicht-Unterscheidung zwischen Erkenntnis und Haltung. Eine kritische Haltung zum und Praxis gegen den Kapitalismus ist nicht objektiv, sondern parteilich;
und aus einer objektiven Erkenntnis des Kapitalismus folgt nicht automatisch eine negative Haltung zum Kapitalimus.1
M.a.W.: Ihr blendet den ideologischen Klassenkampf, der um Einstellungs-/Haltungsfragen, um die Formierung einer revolutionären Bewegungen usw. (was alles nicht nur Erkenntnisfragen sind) aus.
Euch trifft genau die gleiche Kritik, die Althusser gegen die Führung der Kommunistischen Partei Frankreichs richtete:
„Das Bewußtsein, das sind Ideen, und Ideen sind das, was man bekannt machen, d.h. verbreiten muß. Bewußtsein, Ideen, Verbreitung von Ideen. Hier haben wir eine vollständig idealistische Konzeption der politischen Praxis.“
„Um mit solcher Sicherheit [wie sie frz. KP hatte, TaP] den Besitz jener Wahrheit zu beanspruchen, […], d.h. den Besitz der Wahrheit über ihre [der ArbeiterInnen, TaP] eigenen Interessen, deren sie sich ‚bewußt werden‘ (und um überzeugt zu sein, daß die ‚Bewußtwerdung‘, […], vor allem aus einem einfachen ‚Kampf der Ideen‘ hervorgehen kann, in dem es genügt, dem Bewußtsein der Arbeiter unsere Ideen über die Krise und unsere Ideen über die Perspektive der Veränderung darzulegen), muß man jeden Materialismus, jede Dialektik sowie das elementare und fundamentale Prinzip der konkreten Analyse, das mit der marxistischen Theorie zusammenfällt, aufgegeben haben.“ (meine Hv.).
(Louis Althusser, Wie es in der FKP nicht weitergehen kann, ders., Krise des Marxismus [Reihe Positionen. Bd. 6 hrsg. von Peter Schöttler], VSA: Hamburg, 1978, 80-146 (92, 95); vgl. auch noch: Althusser, Ideologie und ideologische Staatsapparate http://web.archive.org/web/20070929102715/www.marxistische-bibliothek.de/louis_althusser.pdf)
„und stattdessen (erfolgreiche) reformistische Kämpfe als Änderung der Kräfteverhältnisse zugunsten von Kommunisten auszugeben, auch wenn es durch diese keinen Kapitalismusfan weniger und keinen Kommunisten mehr gibt.“
3., 4. und 5. Fehler: Der Glaube, allein das unmittelbare Kräfteverhältnis zwischen Kapitalismus-BefürworterInnen und AntikapitalistInnen sei für KommunistInnen relevant und KommunistInnen hätten unterhalb des Kommunismus keine Teilziele, für die es sich zu kämpfen lohnt.
Ihr denkt eben in (Gegen)Standpunkten statt in den Kräfteverhältnissen.
„Was es zu deren Rechtfertigung dann nötig macht, denen etwas ‚im Grunde‘ schon Kommunistisches zu unterstellen. Worauf man die ‚Massenlinie‘ dann anpassen müsse, um die dummen Massen, welche man nicht für fähig hält, Argumente zu begreifen, zur Verwirklichung des in ihnen angelegten Kommunismus‘ zu führen, ohne sie dabei durch ‚Linksextremismus‘ zu verschrecken.“
6. Fehler: Zu Unterstellungen greifen / PappkameradInnen aufbauen, um sie umhauen zu können statt sich mit den tatsächlichen Gegenpositionen argumentativ auseinanderzusetzen.
„Revisionismus halt … egal, ob Du Dich dafür auf Thälmann oder auf Althusser beziehst.“
7. Fehler: Keine Argumente vorbringen, sondern Argument-Surrogate wie „halt“ (sehr beeindruckend) verwenden, wenn Ihr nicht weiter wißt.
„(Und für Lenin-Fans wie Dich: die Erkenntnis, dass es ohne eine revolutionäre Theorie auch keine revolutionäre Bewegung geben kann und dass man daher die revolutionäre Theorie verbreiten muss, um eine revolutionäre Bewegung zu schaffen, wird somit durchgestrichen – leider auch schon partiell von Lenin selbst.) „
8. Fehler: Wiederholt den 6. Fehler.
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„Auf keinem Fall darf der Marxismus die (der Großbourgeoisie und der Sozialdemokratie gemeinsame) Position einnehmen und die ökonomischen und politischen Probleme in Begriffen der ‚Rationalität‘ und der ‚Irrationalität‘, in Begriffen der logischen Wahl zwischen rationalen ‚Modellen‘ der Gesellschaft statt in Begriffen des Klassenkampfs formulieren.“
(Étienne Balibar, Marxismus, Rationalismus, Irrationalismus und Soziale Krise und Ideologische Krise, in: alternative, H. 116, Okt. 1977, 225 – 232 und H. 118, Feb. 1978, 18 – 23 [22] (frz. Erstveröff.: La Nouvelle Critique Nr. 99, Dez. 1976).
Der Marxismus ist rational, aber nicht rationalistisch!
Der Marxismus träumt nicht den aufklärerischen Traum von der ‚Allmacht der wahren Ideen‘!
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- Vgl. http://theoriealspraxis.blogsport.de/2009/09/03/ns-und-demokratie-verhalten-sich-zu-einander-nicht-wie-rosenkohl-und-sauerkraut/#comment-312
und
http://theoriealspraxis.blogsport.de/2009/09/03/ns-und-demokratie-verhalten-sich-zu-einander-nicht-wie-rosenkohl-und-sauerkraut/#comment-334
sowie
http://theoriealspraxis.blogsport.de/2009/09/03/ns-und-demokratie-verhalten-sich-zu-einander-nicht-wie-rosenkohl-und-sauerkraut/#comment-335
und schließlich:
http://theoriealspraxis.blogsport.de/2009/09/03/ns-und-demokratie-verhalten-sich-zu-einander-nicht-wie-rosenkohl-und-sauerkraut/#comment-336. [zurück]
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