Noch einmal: Grüner Rassismus

Im Nach­gang zum hie­si­gen Bei­trag von vor­ges­tern (Nr. 2) habe ich mich heute an der Dis­kus­sion beim Mäd­chen­blog über die Grü­nen Wahl­pla­kate in Kaarst betei­ligt.

Erst schickte ich den fol­gen­den Kom­men­tar, dann ant­wor­tete apos­tel drei­mal und schließ­lich ich noch zwei­mal, apos­tel drei wei­tenre Male und ich noch ein­mal:

http://​maed​chen​blog​.blog​sport​.de/​2​0​0​9​/​0​8​/​1​2​/​l​a​c​h​e​n​-​o​d​e​r​-​w​e​i​n​e​n​-​s​e​x​i​s​m​u​s​-​u​n​d​-​r​a​s​s​i​s​m​u​s​-​a​u​f​-​w​a​h​l​p​l​a​k​a​t​e​n​-​d​e​r​-​g​r​u​e​n​e​n​-​k​a​a​r​s​t​/​#​c​o​m​m​e​n​t​-​29264:

ZU DEM SEX-​​PLAKAT

@ apos­tels Geze­ter:

1. apos­tel – 14. August 2009 um 14:40 Uhr

„aber das ist echt typisch, so wie in eine dar­ge­stellte frau immer sexis­mus und patri­ar­chat rein­ge­deu­tet wer­den kann, nur weil sie eine frau ist, […]. da ist es nur kon­se­quent, nir­gends mehr schwarze und frau­en­är­sche abzu­bil­den, obwohl dann der rassimus-​​ und sexis­mus­vor­wurf sicher anders­rum käme, weil nur weisse män­ner­är­sche zu sehen sein wür­den.“

Das ist längst schon erklärt:

a) von n.n. 12. August 2009 um 18:36 Uhr

„Der Sexis­mus steckt doch in der Wer­bung für ein davon unab­hän­gi­ges Pro­dukt mit einem ver­mut­lich begeh­rens­wer­ten nack­ten weib­li­chen Hin­tern, oder?“

und

b) von dodo – 12. August 2009 um 19:22 Uhr

„der sexis­mus liegt darin, daß die (weib­li­che) per­son auf dem pla­kat deper­so­na­li­siert und zum rein sexua­li­sier­ten objekt gemacht wird und das auch noch ohne jeg­li­chen kon­text­be­zug bis auf den däm­li­chen wort­witz. was auf dem pla­kat gezeigt wird, geht ana­log zu den patri­ar­cha­len struk­tu­ren: auch wenn sich’s um poli­tik han­delt, ist frau ledig­lich abbild­bar als sexu­el­les objekt ohne aner­ken­nung als per­son (gesicht etc. ist schon mal gar nicht inter­es­sant für das Pla­kat“

ALSO, apos­tel:

Die aus­schließ­li­che Abbil­dung von wei­ßen Män­nern wäre in der Tat ras­sis­tisch und sexis­tisch.
Aber auch die Abbil­dung von (wei­ßen und/​oder schwar­zen) Frauen ist sexis­tisch und ggf. ras­sis­tisch, WENN diese Abbil­dung ohne inhalt­li­chen (oder mit feh­ler­haf­ten – und sei es wit­zig gemein­ten –, hier: der Asso­zia­tion von „schwarz“ im par­tei­po­li­ti­schen Sinne und „schwarz“ i.S.v. Hautfarbe/​Rassifizierung) Bezug zum Kon­text erfolgt. Sexis­mus und Ras­sis­mus lie­gen also auch dann vor, wenn die Abbil­dung dem Prin­zip ‚Sex /​ Exo­tik sell‘ folgt.


2. apos­tel – 12. August 2009 um 19:52 Uhr zu oben schon zitier­ten Kom­men­tar von dodo:

„sexua­li­sie­ren ist sexis­tisch? klär mal deine begriffe, dodo.“

Nein, Sexua­li­sie­ren ist nicht per se sexis­tisch. Aber das hat auch keine behaup­tet.
Aber für patri­ar­chale Gesell­schaf­ten westlich-​​modernen Typus‘ ist die sexua­li­sierte Dar­stel­lung (los­ge­löst vom inhalt­li­chen Kon­text oder redu­ziert auf die por­no­gra­phi­sche Aus­sage) beson­ders von Frauen eine typisch Erschei­nung – und in die­ser Spe­zi­fik („beson­ders von Frauen“) liegt der Sexis­mus.
Wenn es in patri­ar­cha­len Gesell­schaf­ten westlich-​​POSTmodernen Typus‘ viel­leicht zuneh­mend auch zur sexua­li­sier­ten Dar­stel­lung von Män­nern kommt, ist die – viel­leicht schon unter­suchte – Frage, ob es den­noch Unter­schiede in der Art und Weise der jewei­li­gen sexua­li­sier­ten Dar­stel­lung gibt. Wenn sich ein Zusam­men­hang zwi­schen der Unter­schied­lich­keit der Art und Weise und dem wei­ter­hin exis­tie­ren­den Macht­ge­fälle zwi­schen Frauen und Män­nern zei­gen läßt, wäre selbst bei einer 50:50-Verteilung sexua­li­sier­ter Dar­stel­lun­gen im o.g. Sinne von Sexis­mus zu spre­chen.
(Für moderne hetero/​a/​sexuelle por­no­gra­phi­sche Dar­stel­lun­gen las­sen sich mit Macht­ver­hält­nis­sen zusam­men­hän­gende geschlechts­spe­zi­fi­sche Unter­schiede in der sexua­li­sier­ten Dar­stel­lung von Frauen und Män­nern ohne wei­te­res auf­zei­gen. – Dies nur, um zumin­dest anzu­deu­ten, in wel­che Rich­tung mein Argu­ment /​ meine Ver­mu­tung für ‚post­mo­derne‘ Ver­hält­nisse geht.)

@ Cyrano

Cyrano – 13. August 2009 um 13:53 Uhr:

„Geklärt ist nicht mal, was genau auf dem Pla­kat zu sehen ist, des wei­te­ren wer domi­nant auf­tritt, wer nicht, ob es eine Bedeu­tung hat wenn zwei ‚Frauen‘ auf dem Pla­kat zu sehen wäh­ren, usf…“

Nach Anga­ben der Urhe­be­rin sind es laut n.n. (12. August 2009 um 19:48 Uhr) zwei Frauen. Damit wird also der Sex zweier Frauen benutzt, um ohne inhalt­li­chen Zusam­men­hang zur Pla­kat­aus­sage die Grü­nen zu bewer­ben. Die ein­zige inhalt­li­che Aus­sage des Pla­ka­tes ist die Auf­for­de­rung, nicht CDU zu wäh­len; irgend­ein inhalt­li­cher Zusam­men­hang zum Geschlech­ter­ver­hält­nis oder zu Hetero/​a/​sexismus wird in dem Bild­kon­text nicht her­ge­stellt.
Etwas ganz ande­res wäre die Abbil­dung von FrauenLesben-​​Sex, wenn die Grü­nen bspw. eine reine FrauenLesben-​​Kandidatinnenliste auf­ge­stellt hät­ten und der Text des Pla­ka­tes bspw. lau­ten würde: „Frauen kön­nen es auch alleine.“

@ …

… – 12. August 2009 um 19:13 Uhr

Zur Frage und Anmer­kung von …

„warum soll­ten schwarze denn bit­te­schön als ein­zige fest­stel­len kön­nen bzw. defi­nie­ren dür­fen, ob etwas ras­sis­tisch ist? Das ver­ab­schie­det sich ja von mini­mals­ten wis­sen­schaft­li­chen Stan­dards (Inter­sub­jek­ti­vi­tät?), von denen man sich nicht ein­fach dis­tan­zie­ren kann, außer man ist gar nicht mehr an einer erklä­rung von ras­sis­mus inter­es­siert, son­dern hält das ein­fach für die mora­lisch ange­mes­sene hal­tung.“

zum Kom­men­tar von Chris­toph M. 12. August 2009 um 17:06 Uhr:

„und dass sie nicht als weiße, in der wei­ßen Mehr­heits­ge­sell­schaft mal eben defi­nie­ren kön­nen, was ras­sis­tisch ist und was nicht!“

Genau, …, die Ein­hal­tung, der „mini­mals­ten wis­sen­schaft­li­chen Stan­dards“ ist ein­zu­for­dern! Und des­halb ist es unan­gän­gig, daß die Initia­tive Schwar­zer Deut­scher ein Argu­ment vor­bringt, warum das Pla­kat ras­sis­tisch ist:

„Die Wei­ßen Frau­en­hände grap­schen, der Schwarze Kör­per ist pas­sive Ver­fü­gungs­masse für die Asso­zia­tio­nen der Wäh­le­rIn­nen­schaft. […]. Schwarze Men­schen wer­den zu Sex­ob­jek­ten und Spiel­zeu­gen einer wei­ßen Gesell­schaft degra­diert und dif­fa­miert, die offen­bar kei­nen bes­se­ren Grund sieht einen Schwar­zen Men­schen zu ‚wäh­len‘, außer sei­ner Sexua­li­tät.“

und die Grü­nen auf die­ses Argu­ment nicht ein­ge­hen, son­dern sich hin­stel­len und behaup­ten, das Pla­kat könne aber nicht ras­sis­tisch sein, weil ‚wir die Grü­nen sind und einen anti­ras­sis­ti­schen WIL­LEN haben‘.
Der Sub­jek­ti­vis­mus liegt doch auf Sei­ten der Grü­nen und nicht der Kri­ti­ke­rIn­nen!

ZU DEM GEWICHTS­PLA­KAT:

@ apostell – 13. August 2009 um 0:57 Uhr

„das pla­kat macht uns über­haupt nichts vor. höchs­tens dass es ein gesell­schaft­lich ver­mit­tel­tes ide­al­ge­wicht gibt, aber nicht dass irgend­wer dem ent­spre­chen müsste.“

Dem Gewichts­pla­kat läßt sich allen­falls zu Gute hal­ten, daß es voll­stän­dig kon­fus ist:

++ Es wer­den kg auf der Wage und anschei­nend gemeinte Pro­zente ver­mengt.

++ Und warum wären (nur) 51 % schon ideal – und nicht eine sta­bile Mehr­heit von bspw. 55 % oder 60 % Pro­zent?

++ Der Begriff des „Ide­al­ge­wichts“ ist seit Ein­füh­rung des Body-​​Maß-​​Index ver­al­tet; das Ide­al­ge­wicht war, solange es ver­wen­det wurde, mit einem GRÖS­SE­REN Nor­mal­ge­wicht kon­tras­tiert. Was wäre nun aber in Bezug auf Pro­zente und Wah­len ‚nor­mal‘?!

Was übrig­bleibt ist die Aus­sage, daß es ein Ideal gibt, das anzu­stre­ben ist – und die­ses Ideal wird irgend­wie in Ver­bin­dung mit dem Gewicht der teil­weise abge­bil­de­ten Frau gebracht.

„höchs­tens dass es ein gesell­schaft­lich ver­mit­tel­tes ide­al­ge­wicht gibt, aber nicht dass irgend­wer dem ent­spre­chen müsste.“

Was will apos­tel damit wohl sagen?! Es ist doch gerade das Cha­rak­te­ris­ti­kum eines Ide­als, daß ihm viel­leicht nicht ent­spro­chen wer­den muß, aber jeden­falls ent­spro­chen wer­den soll.

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apos­tel
14. August 2009 um 19:02 Uhr

„Und warum wären (nur) 51 % schon ideal – und nicht eine sta­bile Mehr­heit von bspw. 55 % oder 60 % Pro­zent?“

weil es sonst nicht den witz hätte, aber den wol­len einige ja nicht schnal­len.

„Der Begriff des „Ide­al­ge­wichts“ ist seit Ein­füh­rung des Body-​​Maß-​​Index ver­al­tet; das Ide­al­ge­wicht war, solange es ver­wen­det wurde, mit einem GRÖS­SE­REN Nor­mal­ge­wicht kon­tras­tiert. Was wäre nun aber in Bezug auf Pro­zente und Wah­len ‚nor­mal‘?!“

ich glaube du nimmts da EINI­GES zu ernst. VIEL ZU ERNST.

http://​maed​chen​blog​.blog​sport​.de/​2​0​0​9​/​0​8​/​1​2​/​l​a​c​h​e​n​-​o​d​e​r​-​w​e​i​n​e​n​-​s​e​x​i​s​m​u​s​-​u​n​d​-​r​a​s​s​i​s​m​u​s​-​a​u​f​-​w​a​h​l​p​l​a​k​a​t​e​n​-​d​e​r​-​g​r​u​e​n​e​n​-​k​a​a​r​s​t​/​#​c​o​m​m​e​n​t​-​29268:

apos­tel
14. August 2009 um 19:06 Uhr

„Sexis­mus und Ras­sis­mus lie­gen also auch dann vor, wenn die Abbil­dung dem Prin­zip ‚Sex /​ Exo­tik sell‘ folgt.“

LOL. aber sagte ich ja, wenn frauen abge­bil­det sind muss es sexis­mus sein, WEIL wir in einer sexis­ti­schen welt leben. jaja, gibt kein rich­ti­ges wer­ben im fal­schen. bin draus­sen, ihr seid wirk­lich nur noch ideo­lo­gisch ver­blen­det.

http://​maed​chen​blog​.blog​sport​.de/​2​0​0​9​/​0​8​/​1​2​/​l​a​c​h​e​n​-​o​d​e​r​-​w​e​i​n​e​n​-​s​e​x​i​s​m​u​s​-​u​n​d​-​r​a​s​s​i​s​m​u​s​-​a​u​f​-​w​a​h​l​p​l​a​k​a​t​e​n​-​d​e​r​-​g​r​u​e​n​e​n​-​k​a​a​r​s​t​/​#​c​o​m​m​e​n​t​-​29269:

apos­tel
14. August 2009 um 19:16 Uhr

„Die Wei­ßen Frau­en­hände grap­schen, der Schwarze Kör­per ist pas­sive Ver­fü­gungs­masse für die Asso­zia­tio­nen der Wäh­le­rIn­nen­schaft. […]. Schwarze Men­schen wer­den zu Sex­ob­jek­ten und Spiel­zeu­gen einer wei­ßen Gesell­schaft degra­diert und dif­fa­miert, die offen­bar kei­nen bes­se­ren Grund sieht einen Schwar­zen Men­schen zu ‚wäh­len‘, außer sei­ner Sexua­li­tät.“

sub­jek­ti­ver geht’s echt nicht mehr. anfas­sen (was bei sexu­el­len hand­lun­gen schon­mal vor­kom­men soll) wird zum nega­tiv kon­no­tier­ten „grab­schen“ und somit eine „pas­sive ver­fü­gungs­masse“ her­bei­ge­re­det, die auf dem bild objek­tiv nie und nim­mer erkenn­bar ist. man sieht eben, was man auf dem bild sehen will.

http://​maed​chen​blog​.blog​sport​.de/​2​0​0​9​/​0​8​/​1​2​/​l​a​c​h​e​n​-​o​d​e​r​-​w​e​i​n​e​n​-​s​e​x​i​s​m​u​s​-​u​n​d​-​r​a​s​s​i​s​m​u​s​-​a​u​f​-​w​a​h​l​p​l​a​k​a​t​e​n​-​d​e​r​-​g​r​u​e​n​e​n​-​k​a​a​r​s​t​/​#​c​o​m​m​e​n​t​-​29271:

TaP
14. August 2009 um 19:33 Uhr

@apostel:

„ich glaube du nimmts da EINI­GES zu ernst. VIEL ZU ERNST.“

In wel­chem Ver­hält­nis denkst Du damit Poli­tik und Ernst­haf­tig­keit bzw. umge­kehrt: Poli­tik und Humor? Immer­hin han­delt es sich um ein expli­zit poli­ti­sches Pla­kat – um ein Wahl­pla­kat. Also wird es ja wohl zuläs­sig und gebo­ten sein, es auch an poli­ti­schen Kri­te­rien zu mes­sen.
Und selbst wenn es nicht ein expli­zit poli­ti­sches Pla­kat wäre: Ist Spaß – außer­halb eines expli­zit poli­ti­schen Rah­mens – (immer und über­all) unpo­li­tisch? Und ist Spaß damit auch von allen poli­ti­schen Kri­te­rien frei­ge­stellt? Oder ist viel­mehr auch Spaß poli­tisch?
Oder ist viel­leicht Spaß sogar immer poli­tisch, weil er mit bestimm­ten gesell­schaft­li­chen Nor­men ope­riert, die er (auf Kos­ten der­je­ni­gen, die ihnen nicht ent­spre­chen) bestä­tigt oder aber in Frage stellt?
Und falls diese in Fra­ge­form geklei­dete Ver­mu­tung rich­tig ist: Was macht dann, das frag­li­che Bild? Bestä­tigt es die gesell­schaft­li­chen Nor­men für Schwarze und Weiße – hin­sicht­lich Domi­nanz und Beherrscht­wer­den; hin­sicht­lich im Nor­mal­fall wahl­be­rech­tigt sein und häu­fig nicht wahl­be­rech­tigt sein? Oder unter­gräbt es diese Nor­men etwa?

„aber sagte ich ja, wenn frauen abge­bil­det sind muss es sexis­mus sein, WEIL wir in einer sexis­ti­schen welt leben. jaja, gibt kein rich­ti­ges wer­ben im fal­schen. bin draus­sen, ihr seid wirk­lich nur noch ideo­lo­gisch ver­blen­det.“

Wo liegt nun Dein Argu­ment?

Not to reply to an argu­ment of one’s oppo­nent on a ques­tion of prin­ciple, and to ascribe only ‚pathos‘“ (scil.: Ideo­lo­gie) „to him, means not to argue but to turn to abuse.“ (Lenin)

you can almost say that a sci­ence emer­ges from its pre­history in the same way as Marx emer­ged from the room of the Com­mu­nist Weit­ling, with the famous remark: ‚Ignorance will never be an argu­ment!‘,“ (L. Alt­hus­ser)

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TaP
14. Aug 2009 um 20:32 Bear­bei­ten

@ apos­tel – 14. August 2009 um 19:16 Uhr

„anfas­sen (was bei sexu­el­len hand­lun­gen schon­mal vor­kom­men soll) wird zum nega­tiv kon­no­tier­ten ‚grab­schen‘ und somit eine ‚pas­sive ver­fü­gungs­masse‘ her­bei­ge­re­det, die auf dem bild objek­tiv nie und nim­mer erkenn­bar ist.“

Es ist, wie insb. in der lin­ken Bild­hälfte (= rechte Hand der wei­ßen Frau) zu sehen ist, ein Zufas­sen (und bspw. kein Strei­cheln)

und, wich­ti­ger,

es ist – soweit dem Bild etwas zu ent­neh­men ist (und daran, WAS dem Bild zu ent­neh­men ist, muß es sich mes­sen las­sen) EIN­SEI­TIG.

Die wei­ßen Hände ergrei­fen den schwar­zen Po. Dage­gen fällt der mut­maß­li­che schwarze Unter­arm (oben links im Bild) kaum auf, und es ist nicht zu erken­nen, ob er den Rücken der wei­ßen Frau umfaßt oder sie viel­mehr weg­schiebt (sich die Hand also zwi­schen den bei­den Bäu­chen befin­det).

Die drei Kom­men­tare von apos­tel zwi­schen von 20:58 h und 21:10 h bitte ich beim Mäd­chen­blog zu lesen; das Wich­tigste der drei Kom­men­tare ist in mei­ner fol­gen­den Ant­wort zitiert:

http://​maed​chen​blog​.blog​sport​.de/​2​0​0​9​/​0​8​/​1​2​/​l​a​c​h​e​n​-​o​d​e​r​-​w​e​i​n​e​n​-​s​e​x​i​s​m​u​s​-​u​n​d​-​r​a​s​s​i​s​m​u​s​-​a​u​f​-​w​a​h​l​p​l​a​k​a​t​e​n​-​d​e​r​-​g​r​u​e​n​e​n​-​k​a​a​r​s​t​/​#​c​o​m​m​e​n​t​-​29281:

@ apos­tels drei letzte Kom­men­tare

ein wahl­pla­kat ist zual­ler­erst ein wer­be­pla­kat. es soll auf­merk­sam machen auf das bewor­bene pro­dukt – hier die grü­nen. „expli­zit poli­tisch“ – dass ich nicht lache. rei­ner idea­lis­mus.

Ja, Wer­bung – für eine bestimmte Poli­tik! Ein­fach die für falsch gehal­tene Poli­tik für Nicht-​​Politik und statt des­sen für ein Pro­dukt im ökono­mi­schen Sinne zu erklä­ren, ist ja wirk­lich ein sehr pfif­fi­ges ‚Argu­ment‘.

„zufas­sen“ ist schon was ganz ande­res als „grab­schen“. ich finde zufas­sen schön, auch ein­sei­ti­ges. sofern nicht ein gegen­tei­li­ger wille erkenn­bar ist! und die­ser ist auf dem pla­kat nicht erkenn­bar.

Zufas­sen auf­grund einer ein­sei­ti­gen Wahl (und die Ein­sei­tig­keit ergibt sich im vor­lie­gen­den Fall aus dem – aus der Per­spek­tive der wei­ßen Frau zu ver­ste­hende – Text des Pla­ka­tes: „Der ein­zige Grund schwarz zu wäh­len) ist grab­schen.

“Bestä­tigt es die gesell­schaft­li­chen Nor­men für Schwarze und Weiße – hin­sicht­lich Domi­nanz und Beherrscht­wer­den; hin­sicht­lich im Nor­mal­fall wahl­be­rech­tigt sein und häu­fig nicht wahl­be­rech­tigt sein? Oder unter­gräbt es diese Nor­men etwa?“ weder noch. deine PRO­JEK­TION der gesell­schaft­li­chen ver­hält­nisse auf ein bild muss ich ja nun nicht mit­ma­chen.

Ich pro­ji­ziere nichts auf das Bild, son­dern stelle eine ein­deu­tige Rol­len­ver­tei­lung, die von dem Bild dar­ge­stellt wird, und deren Überein­stim­mung mit der – in der hie­si­gen Gesell­schaft hege­mo­nial vor­ge­ge­be­nen – Rol­len­ver­tei­lung fest. Du ver­suchst das Bild schön zu reden – sei es um die Grü­nen vor Kri­tik zu ret­ten, sei es um die weiß-​​deutsche Mehr­heits­ge­sell­schaft vor Kri­tik zu ret­ten oder wegen eines bor­nier­ten Klas­sen­re­duk­tio­nis­mus oder warum auch immer – und igno­rierst die auf dem Bild tat­säch­lich dar­ge­stellte Rol­len­ver­tei­lung.

„der (rechts)staat sor­tiert nicht nach ras­sis­ti­schen kri­te­rien die wahl­be­rech­ti­gen, son­dern nach staats­bür­ger­li­chen. staats­bür­ger dür­fen wäh­len, aus­län­dern nicht. dass es in der brd mehr weisse als schwarze staats­bür­ger gibt ist doch kein beweis für eine ras­sis­ti­sche ver­fasst­heit des staa­tes oder der gesell­schaft!“

Und wie ist Staats­bür­ge­rIn­nen­schaft in der BRD defi­niert? Eth­nisch (Art. 116 I GG: „deut­sche Volks­zu­ge­hö­rig­keit“). Und warum wird Ein­wan­de­rung und Ein­bür­ge­rung regu­liert? U.a., weil die inter­na­tio­nale Arbeits­tei­lung über die Defi­ni­tion eth­ni­scher Kol­lek­tive ideo­lo­gisch abge­si­chert und repro­du­ziert wer­den soll. Ideo­lo­gie ist der „Zement“ (Gramsci) der jeweils herr­schen­den Ver­hält­nisse.

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1 Antwort auf „Noch einmal: Grüner Rassismus“


  1. 1 DGSch 26. August 2009 um 17:30 Uhr

    Die Diskussion beim Mächenblog über die Grünen Plakate ist mittlerweile beendet. Da dort auch einige Beiträge von mir bei sind, wird die Diskussion auch hier als .pdf-Datei bereitgestellt.

    Zu dem letzten Beitrag von James T. Kirk (19. August 2009 um 8:46 Uhr) sei noch folgendes angemerkt: Er meint ein ‚Theorie‘ der Buchautorin Alice Miller über „Frau X“, die feministische, österreichische Schriftstellerin Elfriede Jelinek, auch auf mich münzen zu können:

    „Du bist aus meiner Sicht stark ideologisiert. Ich würde Dir empfehlen, eine Therapie zu machen bzw. Dich mit Deinen traumatischen Kindheitserfahrungen auseinanderzusetzen. Diese oft schmerzhaften Emotionen sind meist hinter Idealisierungen (der Eltern) verborgen. Du hast meines Erachtens den Text von Alice Miller nicht verstanden. Dies beruht auf einer emotionalen Blindheit, die das Resultat einer traumatischen Kindheit ist. Deine Antwort in bezug auf den Text von Frau Miller ist von einem sehr starken Abwehrcharakter gekennzeichnet.“

    Ich hatte zuvor schon zu dem Miller Text gefragt:

    „Das Kindheitsleiden sei prägend dafür, daß Frau X heute Feministin ist […] . Begründung? Beweis? Welche Art von Kausalität wird hier vermutet? Warum wurde Frau X gerade Kommunistin und Feministin? Warum nicht Konservative, Liberale oder Sozialdemokratin? Alles keine Ideologien? Warum hat Frau X die kommunistische Ideologie wieder abgelegt? Warum aber nicht die feministische? Alles wegen des Kindheitstraums, oder warum? […] Warum soll sich diese angebliche Wahrheit über Frau X auf andere Feministinnen übertragen lassen? Beweis? Keiner. Argument? Keines.“

    Auf keine dieser Fragen antworte Hr. Kirk – statt dessen übertrug er diese grandiose ‚Theorie‘ auf mich. Jelinek hat sich immerhin in einem Interview über ihre Kindheit geäußert. Über meine Kindheit dürfte Hr. Kirk nichts wissen.

    Bei diesem Stand der Dinge erübrigt jede weitere Diskussion über die Miller-Theorie. Angemerkt sei nur noch, daß meine Aussagen und Positionen nicht dadurch unzutreffend und falsch würden, daß Kirk recht hätte. Sie würden vielmehr nur dadurch unzutreffend und falsch, daß Gegenargumente in der Sache vorgebracht werden – nicht dadurch, daß über deren ‚Ursachen‘ spekuliert wird.

    Weiter meint Kirk:

    „Deine Argumentationen sind hauptsächlich formalistisch, relativistisch und ignorant.“

    Zumindest das „formalistisch“ dürfte sich wohl auf diesen Satz aus meiner Stellungnahme zu Miller beziehen: „Miller führt kein einziges wörtliches Zitat aus dem Interview an. Sie nennt nicht die Quelle des Interviews.“
    Nun ja, wenn Kirk die Einhaltung dieser Formen nicht für nötig hält, spricht das nur gegen ihn.
    Der Vorwurf „ignorant“ kann getrost an Kirk zurückgegeben werden, da er auf Argumente nicht eingeht und statt dessen mit Psycho-Unterstellungen ad personam antwortet. Worauf sich „relativistisch“ beziehen soll ist mir schleierhaft. Angemerkt sei nur, daß ich
    a) in Erkenntnisfragen jeden Relativmus ablehne, aber
    b) in politischen-moralischen Fragen in der Tat „relativstisch“ bin.
    Behauptungen können bewiesen werden; tatsächliche Erkenntnisse sind objektiv/wahr.
    Politisch-moralisch Präferenzen können nicht wahr sein; sie sind nicht objekt, sondern subjektiv. Sie können nicht bewiesen, aber sollten begründet werden.

    Schließlich merkt Kirk zu meiner vorhergehenden Stellungnahme:

    „[…] es gibt eine gesellschaftliche Struktur, die u.a. durch Rassismus geprägt/gekennzeichnet ist, und sie hat regelmäßige (typische) Auswirkungen/Effekte.“

    noch folgendes an:

    „Wo ist unsere Gesellschaft denn durch Rassismus gekennzeichnet. Das sehe ich nicht. Natürlich gibt es Rassismus.
    Ich würde unsere Gesellschaft aber nicht als rassistisch bezeichnen. […]. Kannst Du denn Deine Rassismus-These in bezug auf unsere Gesellschaft plausibel machen? Ich sehe jedenfalls keine ‚Struktur‘, wie Du es beschreibst. Vielleicht stehen die diversen ‚Benachteiligten‘ und ‚Unterdrückten‘, die Du siehst, eigentlich für das Kind, das Du mal warst.“

    Nur ein paar Hinweise ohne Anspruch auf Vollständigkeit:

    a) Der deutsche Arbeitsmarkt ist rassistisch seggregiert. Das kann, nachdem die Generation der ArbeitsmigrantInnen mittlerweile Kinder und Kindeskinder hat, auch nicht ‚technisch‘ mit mangelnder Sprachkenntnissen begründet werden. Soweit es tatsächlich an Sprachkenntnissen mangelt, zeigt dies nur die rassistische Funktionsweise des deutschen Bildungssystems.

    b) Abgesichert wird dies durch das deutsche StaatsbürgerInnenschaftsrecht, dessen völkischen Komponenten (auch dazu hatte ich in einem vorhergehenden Kommentar beim Mädchenblog bereits geschrieben) noch über das an Rassismus hinausgehen, was jedem Nationalstaat als solches inhärent ist. Nationalstaaten dienen u.a. der Absicherung der rassistischen Struktur der internationalen Arbeitsteilung.

    c) Hinzukommen noch rassistische Stereotypen, die in der Bevölkerung und den Medien kontinuierlich reproduziert werden – bspw. in Form des diskussionsauslösenden Grünen Plakates.

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