Folgende Zitatesammlung hatte ich am 17.8. – quasi als Dreingabe zu meinem Text Linke Kapitalismuskritik muss treffender werden – bei linksaktiv geposted und rief dort 26 Kommentare hervor. Da die Zitatesammlung vielleicht auch im Kontext der Kontroverse zwischen ‚Antideutschen‘ und ‚Anti-Antideutschen‘ bzw. ‚AntiimperialistInnen‘ und ‚Anti-AntiimperialistInnen‘ von Interesse ist, sei sie auch hier noch mal veröffentlicht.
1. Nicht moralische Fehlhaltung von Personen denunzieren, sondern gesellschaftliche Verhältnisse analysieren
„Die Gestalten von Kapitalist und Grundeigentümer zeichne ich keineswegs in rosigem Licht. Aber es handelt sich hier um die Personen nur, soweit sie die Personifikation ökonomischer Kategorien sind, Träger von bestimmten Klassenverhältnissen und Interessen. Weniger als jeder andere kann mein Standpunkt, […], den einzelnen verantwortlich machen für Verhältnisse, deren Geschöpf er sozial bleibt, sosehr er sich auch subjektiv über sie erheben mag.“
[Marx: Das Kapital, S. 9. Digitale Bibliothek Band 11: Marx/Engels, S. 3323 (vgl. MEW Bd. 23, S. 16)]
2. Nicht über Absichten spekulieren, sondern Handlungen analysieren
„Wollen wir Turati, dem Reformisten, Turati, dem Anhänger Kautskys, glauben, daß es nicht seine Absicht war, den Krieg zu rechtfertigen. Wer wüßte aber nicht es in der Politik nicht auf Absichten ankommt, sondern auf Taten? nicht auf fromme Wünsche, sondern auf Tatsachen? nicht auf das, was man sich einbildet, sondern auf das, was wirklich ist?“ (LW 23, 187; engl. [1])
3. Der eigenen Überzeugung widersprechende Auffassungen nicht wegen vermeintlich dahinterstehender Absichten und Zwecke denunzieren, sondern sie in der Sache widerlegen
„Einen Menschen aber, der die Wissenschaft einem nicht aus ihr selbst (wie irrthümlich sie immer sein mag), sondern von aussen, ihr fremden, äusserlichen Interesse entlehnten Standpunkt zu accomodieren sucht, nenne ich ‚gemein‘“ (Marx, Theorien über den Mehrwert, MEW, Bd. 26.2, S. 112 zit. n. [2])
4. Nicht Glaubenssätze verbreiten, sondern Beweise liefern
„Der Artikel von G[eorg] L[ukács] ist ein sehr radikaler und sehr schlechter Artikel. […]. Es fehlt die konkrete Analyse ganz bestimmter historischer Situationen.“ (LW 31, 153)
„the most essential thing in Marxism, the living soul of Marxism, [is] the concrete analysis of concrete conditions“ (zit n. [3], dt. wie vorstehend S. 154 [?]).
„Viele Genossen reden den ganz Tag lang mit geschlossenen Augen ins Blaue hinein. Für einen Kommunisten ist das eine Schande. Wie kann denn ein Kommunist vor der Wirklichkeit die Augen verschließen, dafür aber den Mund voll nehmen? Unmöglich! Ausgeschlossen! Das Hauptgewicht auf die Untersuchungen legen! Schluß mit dem Geschwätz!“ (Mao [4])
5. Dabei aber nicht in den Empirismus verfallen
„der Umweg über die Theorie [zwingt …] den wissenschaftlichen Geist zu einer Kritik der Wahrnehmung“
„Die primäre Erfahrung, oder genauer gesagt, die erste Beobachtung ist immer ein erstes Hindernis für die wissenschaftliche Bildung. […]. Das Denken muß den unmittelbaren Empirismus überwinden. […] das erste System ist falsch. […].“
Die „Tatsachen [werden] im vulgären Wissen zu früh“ – vor der theoretischen Reflexion – „in die Begründung eingebracht“; „die Antwort [wird] gegeben, bevor man die Frage geklärt hat“(Gaston Bachelard zit. n. [5]).
- „We will take the reformist, Kautskyite Turati’s word for it that he did not intend to justify the war. But who does not know that in politics it is not intentions that count, but deeds, not good intentions, hut facts, not the imaginary, but the real?“ (http://www.marxists.org/archive/lenin/works/1917/jan/01.htm; Article (or Chapter II). [zurück]
- http://deposit.ddb.de/cgi-bin/dokserv?idn=965459594&dok_var=d1&dok_ext=pdf&filename=965459594.pdf, S. 61, FN 89. [zurück]
- http://www.marxists.org/reference/archive/mao/selected-works/volume-1/mswv1_12.htm, FN 10. [zurück]
- Mao Tse Tung, Gegen die Buchgläubigkeit (1930), in: ders., „Band V“, Verlag Arbeiterkampf J. Reents: Hamburg, 1977, 7 – 13 (7). [zurück]
- http://edoc.hu-berlin.de/dissertationen/schulze-detlef-georgia-2004-06-10/PDF/schulze.pdf, S. 133, 144, 344 (FN 107). S. auch noch die weiteren in dem Text angeführten Bachelard-Zitate. [zurück]
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