Heute gelesen (11.8.)

1. daß der Mäd­chen­blog die berech­tigt Frage auf­wirft: „Und warum muß man das über­haupt stän­dig sein?“ – Gemeint ist in dem Fall mit „das“ „sexy“ und mit „man“ „Frauen“. Ergän­zend wäre zu fra­gen: Was ist eigent­lich mit Män­nern? Müs­sen die mitt­ler­weile auch sexy sein?
2. die hier schon neu­lich erwähnte Blüte des sexis­ti­schen Tier­schut­zes (Nr. 2) jetzt auch von Luise Pusch auf­ge­spießt wurde – nur die Gedan­ken­sprünge kurz vor Ende des Tex­tes wären wohl bes­ser in Ruhe aus­for­mu­liert wor­den:

“ Nur eine Stimme ent­rüs­tete sich dar­über, dass PETA die Tiere offen­bar schüt­zens­wer­ter fin­det als die Frauen. Auch Hit­ler war Vege­ta­rier und Hun­de­freund. Diese Män­ner mit ihren guten Taten. Sie erin­nern an die Ver­ge­wal­ti­gungs­ex­zesse unse­rer ‚BeFreier‘ (Helke San­der) nach dem zwei­ten Welt­krieg und an die UN-“Friedens“soldaten im ehe­ma­li­gen Jugo­sla­wien, die den Frau­en­han­del dort gewal­tig belebt haben.“

3. auch anna­list in das Horn von V. Horst [s. Heute gele­sen (9.8.), Nr. 2.a)] zu bla­sen scheint:

„Nach­dem die Anwäl­tIn­nen bele­gen konn­ten, dass einige Texte der mg-​​Debatte vom BKA geschrie­ben wor­den waren, mut­maßt jetzt Andreas Förs­ter in der Ber­li­ner Zei­tung, die ganze mg könnte Werk des Ver­fas­sungs­schut­zes sein: ‚In der lin­ken Szene gibt es nicht wenige, die hin­ter der mg nur das Hobby von ein, zwei Radi­ka­len ver­mu­ten oder gar ein Werk des Ver­fas­sungs­schut­zes wit­tern.‘ Dazu gibt es einen pas­sen­den Satz im Film Gefähr­der: ‚Wenn es die mili­tante gruppe nicht gäbe, müsste man sie erfin­den.‘“ – und dann geht es mit einem ande­ren Thema wei­ter.

Warum müs­sen eigent­lich bei jedem Thema die inner­lin­ken Geg­ne­rIn­nen gleich mit dem Lager der Fein­dIn­nen iden­ti­fi­ziert wer­den? Sollte diese Methode nicht spä­tes­tens seit Mos­kau 1936 hin­rei­chend dis­kre­di­tiert sein – und zwar auch dann, wann nicht mehr gleich zum Mit­tel des Schau­pro­zes­ses mit anschlie­ßen­der Hin­rich­tung gegrif­fen wird, son­dern es bei der begründungslos-​​spekulativen (von der Szene an die Presse getrasch­ten oder von der Presse erfun­de­nen und von Lin­ken nach­ge­trasch­ten) Denun­zia­tion bleibt?

4. Erfreu­li­cher ist daga­gen, daß anna­list auf diese nütz­li­che Über­sicht (Stand: Juli 2009) über die ver­schie­de­nen Ermitt­lungs­ver­fah­ren in Sachen mili­tan­ter gruppe hin­weist:

„[…]. Das erste §129a-​​Verfahren (mg 1) wegen Grün­dung der mili­tan­ten gruppe wurde im Juli 2001 gegen drei Akti­vis­ten der Initia­tive Libertad! ein­ge­lei­tet. Im August 2003 kamen zwei wei­tere Ver­fah­ren (mg 2 und mg 3) gegen jeweils eine Per­son hinzu. („Viel Rauch, kein Feuer“, Bericht der Initia­tive Libertad! vom 24.11.2003.)
Nach jah­re­lan­gen, ergeb­nis­lo­sen Ermitt­lun­gen wurde im Jahr 2006 ein vier­tes Ver­fah­ren gegen vier Per­so­nen, dar­un­ter And­rej Holm, ein­ge­lei­tet. Die­ses Ver­fah­ren wurde 2007 nach und nach um drei wei­tere Per­so­nen (Flo­rian, Oli­ver und Axel) erwei­tert. Das Ver­fah­ren gegen diese drei wurde 2008 vom Ursprungs­ver­fah­ren abge­trennt und Anklage erho­ben.
Bevor der Pro­zess gegen Flo­rian, Oli­ver und Axel im Sep­tem­ber 2008 begann, wurde zunächst das mg 2-​​, dann auch das mg 1-​​Verfahren gegen die Beschul­dig­ten ein­ge­stellt (Erklä­rung zur Ein­stel­lung des mg 1-​​Verfahrens). Das mg 1-​​Verfahren läuft gegen Unbe­kannt wei­ter.
Zur glei­chen Zeit wurde ein fünf­tes Ver­fah­ren wegen Unter­stüt­zung der mili­tan­ten gruppe gegen die inzwi­schen 13. beschul­digte Per­son ein­ge­lei­tet.
Im Juni 2009 wurde das mg 3-​​Verfahren ein­ge­stellt und ebenso das Ver­fah­ren gegen drei Beschul­digte im mg 4-​​Verfahren (siehe Berichte oben). Warum das Ver­fah­ren gegen And­rej Holm wahr­schein­lich nicht vor Pro­zess­ende ein­ge­stellt wird, erklärt die­ser in einem Inter­view.
Im Juli 2009 lau­fen also noch Ver­fah­ren gegen ins­ge­samt fünf Per­so­nen. Dazu gehört der Pro­zess gegen Flo­rian, Oli­ver und Axel. Neben die­sen Per­so­nen­ver­fah­ren gibt es die soge­nann­ten Anschlags­ver­fah­ren. Jeder Anschlag der mili­tan­ten gruppe wird in einem eige­nen Ermitt­lungs­ver­fah­ren gewür­digt.“ (http://​ein​stel​lung​.so36​.net/​d​e​/​s​t​a​n​d​-​m​g​-​v​e​r​f​ahren)

5. Dorf­disco hat eine neue Blüte des Anti-​​Antiimperialismus auf­ge­le­sen: Salon­com­mu­nis­ten mobi­li­sie­ren unter der Über­schrift „Gegen den Auf­marsch der Anti­imp Freaks“ gegen einen Nazi-​​Aufmarsch. Dorf­disco merkt mit Recht an:

„Da hatte die Welt ja mal echt Glück, dass Nazi­deutsch­land nicht impe­ria­lis­tisch aktiv war. Wäre näm­lich bestimmt ziem­lich grau­sam zuge­gan­gen, wenn die Deut­schen auf die Idee gekom­men wären ihre Nation in der Staa­ten­kon­kur­renz bes­ser abschnei­den zu las­sen in dem sie z.B. in Polen ein­fal­len, sich Rich­tung Ölquel­len im Kau­ka­sus auf­ma­chen oder Frank­reich durch eine mili­tä­ri­sche Beset­zung beherr­schen zu wol­len.“

6. Die hier ges­tern kri­tisch ver­merk­ten indymedia-​​Kommentare wur­den von lah­ma­cun einer Kri­tik unter­zo­gen. Die Mode­ra­tion hat mitt­ler­weile, nach ver­schie­de­nen LeserInnen-​​Hinweisen (die eben­falls gelöscht wur­den), einige Ergän­zun­gen ganz ent­fernt, und es gibt jetzt auch ein paar beden­kens­werte Kom­men­tare.
7. Die Ein­tags­fliege scheint sich noch nie mit dem Ver­hät­nis von Spra­che, Ideo­lo­gie und Hege­mo­nie beschäf­tigt zu sein haben – und wen­det sich gleich in zwei Bei­trä­gen gegen die sprach­li­che Reprä­sen­ta­tion von Frau­en­Les­ben und (ande­ren) queers (1, 2); vgl. ansatz­weise zu dem vor­ge­nann­ten Ver­hält­nis: http://​www​.nadir​.org/​n​a​d​i​r​/​p​e​r​i​o​d​i​k​a​/​i​n​t​e​r​i​m​/​h​e​f​t​/​h​e​f​t​4​4​0​/​s​e​i​t​e​1​0​f​f​.html, Abschnitt II.2.c) und d).

8. Lese­emp­feh­lung: die ver­schie­de­nen Kom­men­tare von Lysis zu http://​gepru​ef​tes​ar​gu​ment​.blog​sport​.de/​2​0​0​9​/​0​8​/​0​8​/​a​n​t​i​f​a​s​-​i​n​t​e​r​n​a​t​i​o​n​a​l​e​-​k​o​m​m​u​n​i​s​t​i​n​n​e​n​-​u​n​d​-​t​o​p​-​b​e​r​l​i​n​-​n​u​e​t​z​l​i​c​h​e​-​i​d​i​o​t​e​n​-​d​e​s​-​w​e​s​t​l​i​c​h​e​n​-​i​m​p​e​r​a​l​i​s​m​u​s​/​#​c​o​m​ments – u.a.:

„die absurde Ver­wen­dung des Begriffs ‚Antifa‘, der offen­bar nahe­zu­le­gen ver­sucht, bei der ira­ni­schen Theo­kra­tie handle es sich um eine Art ‚Faschis­mus‘ – als ob es außer­halb Euro­pas je eine rele­vante faschis­ti­sche Bewe­gung gege­ben hätte! Der Faschis­mus ist ein sin­gu­lär euro­päi­sches (Epochen)Phänomen. Seine Über­tra­gung auf andere Län­der und andere Dik­ta­tu­ren hat sich noch immer als Unsinn erwie­sen. Die will­kür­li­che Anwen­dung die­ses Begriffs ist ein poten­ti­el­ler Quell von Geschichts­re­vi­sio­nis­mus, der im Sinne der his­to­ri­schen Kon­stel­la­tion des Zwei­ten Welt­kriegs ein mili­tä­ri­sches Ein­grei­fen nahe­zu­le­gen ver­sucht – also die Bom­bar­die­rung der ira­ni­schen Bevöl­ke­rung. Ich glaube, auf so eine Form der Soli­da­ri­tät hat auch die Pro­test­be­we­gung im Iran wenig Bock. Es ist näm­lich nicht gerade lus­tig, von Bom­ben zer­fetzt zu wer­den. Und hat mit Befrei­ung nicht das Min­deste zu tun.“

„Das ist echt das Ver­häng­nis­volle an die­ser Debatte: Auf der einen Seite totale Gleich­gül­tig­keit, auf der ande­ren kom­plette Hys­te­rie. „

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