Zur Stellungnahme von MD

Zu dem Text von MD sei fol­gen­des ange­merkt:

‚Ras­sis­ten ver­hin­dern MaKss Damage Gig‘
Anti­deut­sche Ras­sis­ten haben es anschei­nend geschafft den Gig am 7.8. (Rap ist Klas­sen­kampf) im ‚Fest­saal Kreuz­berg‘ zu unter­bin­den.

1. Soweit ersicht­lich hat, nie­mand kri­ti­siert, daß es ein Kon­zert „RAP ist Klas­sen­kampf“ geben soll. Kri­ti­siert wurde viel­mehr ein Teil der ankün­dig­ten Künst­ler. Beson­ders wurde in der Tat MaKss Damage kri­ti­siert. Auf die Kri­tik geht MD nicht ein. Statt des­sen wird der begrün­dungs­lose Gegen­vor­wurf ‚Ras­sis­mus‘ erho­ben.
Mich würde inter­es­sie­ren, an wel­chen Äuße­run­gen der MD-​​KritikerInnen sich die­ser Rassismus-​​Vorwurf fest­macht und gegen wen sich die­ser Ras­sis­mus angeb­lich rich­tet. Gegen Deutschland/​Deutsche?!

2. Zu „ver­hin­dern“ /​ „unter­bin­den“: For­de­run­gen wie „Makks Damage am 7.8. von der Bühne jagen!!“ von antideutsch.with.style blie­ben in der Dis­kus­sion eine abso­lute Rand­er­schei­nung. Der Haupt­strang der Dis­kus­sion war viel­mehr eine Kri­tik an den Künst­lern und den ver­an­stal­ten­den Grup­pen und die For­de­rung an letz­tere sich zu den Posi­tio­nen der Künst­ler poli­tisch zu ver­hal­ten, sofern diese sich von der Kri­tik nicht über­zeu­gen las­sen. Was mich anbe­langt, darf ich noch mal daran erin­nern, was ich am 1. August geschrie­ben hatte:

„Man­gels gruppen-​​übergreifender, ver­bind­li­cher demo­kra­ti­scher Ent­schei­dungs­struk­tu­ren, kann aber nur jede linke Gruppe für sich selbst ent­schei­den, ob sie sol­che Bands ein­lädt oder nicht. Andere linke Grup­pen kön­nen dar­aus wie­derum Kon­se­quen­zen für die Zusam­men­ar­beit mit den frag­li­chen Grup­pen zie­hen. Die Grenze, wo eine eigen­mäch­tige Spren­gung von Kon­zer­ten gebo­ten ist, scheint mir im vor­lie­gen­den Fall aller­dings noch nicht erreicht zu sein.“1

3. Ich darf auch noch mal daran erin­nern, daß ich nicht auf anti-​​deutscher Grund­lage argu­men­tiert habe (da ich sie nicht teile – wenn damit die Posi­tio­nen von Baha­mas & Co. gemeint sind). Von anti­deut­scher Seite bekam ich sogar den freund­li­chen Rat­schlag erteilt:

halt ein­fach die fresse.

Trotz­dem ist die rich­tige Intui­tion an der anti­deut­schen Posi­tion frei­lich, daß der Haupt­feind – wie Lieb­knecht sagte und wie es die Bol­sche­wiki in ihrer Poli­tik vor­bild­lich umge­setzt haben – im eige­nen Land steht und sich des­halb in Deutsch­land die prak­ti­sche Kri­tik am Impe­ria­lis­mus zuvor­derst gegen den deut­schen zu rich­ten hat. Auch, daß die­ses Thema und diese Stoß­rich­tung nach dem Anschluß der DDR an die BRD auf­grund des wach­sen­den Ein­flus­ses der Groß-​​BRD eine ver­stärkte Dring­lich­keit erfährt, war an der ursprüng­li­chen Intui­tion der Anti­deut­schen rich­tig. Falsch an bestimm­ten Anti­deut­schen ist, daß sich deren Ableh­nung des deut­schen Impe­ria­lis­mus mitt­ler­weile in eine Unter­stüt­zung des us-​​amerikanischen und die Auf­for­de­rung an den deut­schen Staat jenen (noch stär­ker als ohne­hin) zu unter­stütz­ten, gewan­delt hat. Auch die ursprüng­li­che War­nung vor einer Unter­schät­zung des Anti­se­mi­tis­mus und anti­se­mis­ti­schen Äuße­run­gen in der Lin­ken ist mitt­ler­weile in einem leicht­fer­ti­gen Umgang mit dem Antisemitismus-​​Vorwurf und damit einer Ver­harm­lo­sung des wirk­li­chen Anti­se­mi­tis­mus umge­schla­gen. Ich darf dazu noch mal auf mei­nen Text 2 × 4 begrifflich-​​logische Vor­schläge, um nicht an ein­an­der vor­bei­zu­re­den ver­wei­sen.

Die Fest­saal­be­trei­ber haben unter dem Druck der impe­ria­lis­ti­schen Israel­fa­na­ti­ker den Schwanz ein­ge­zo­gen und bewie­sen, dass sie nicht in der Lage sind eigen­stän­dig zu han­deln bzw. zu den­ken.
Ein Armuts­zeug­nis ohne­glei­chen…

Mir ist nichts von Druck auf den Ver­an­stal­tungs­ort nicht bekannt. Wenn die (anschei­nend pri­va­ten) Betrei­be­rIn­nen aller­dings die Kri­tik zur Kennt­nis genom­men und sich selbst poli­tisch ver­ant­wort­lich gezeigt haben, so kann ich das nur begrü­ßen. (Anders wäre es, wenn es sich um einen staat­li­chen Ver­an­stal­tungs­ort han­delte.)

Alle Genos­sen wis­sen, diese kon­ter­re­vo­lu­tio­näre, revi­sio­nis­ti­sche Seu­che muss ver­schwin­den, will die Linke irgend­wann zu einer ernst­zu­neh­men­den und hand­lungs­fä­hi­gen poli­ti­schen Macht in Deutsch­land wer­den.

Die Rede von poli­ti­schen Geg­ne­rIn­nen als Seu­che bestä­tigt nur ein wei­te­res Mal die vor­ge­brachte Kri­tik, und der Revisionismus-​​Vorwurf kann an Stalin-​​Fans getrost zurück­ge­ge­ben wer­den:
Siehe
► Eti­enne Balibar, On the Dic­ta­tor­ship of the Pro­le­ta­riat, New Left Book: Lon­don, 1977 (jetzt online unter: http://​www​.mar​x2​mao​.com/​O​t​h​e​r​/​O​D​P​7​7​N​B​.html) und dazu meine Bespre­chung unter http://​links​ak​tiv​.de/​l​i​n​k​s​a​k​t​i​v​/​p​g​/​b​l​o​g​/​D​G​S​c​h​/​r​e​a​d​/​5​5​5​6​3​/​g​e​s​c​h​i​c​h​t​e​-​d​e​s​-​e​u​r​o​k​o​m​m​u​n​i​s​m​u​s​-​r​e​z​a​rchiv.
► Domi­ni­que Lecourt, Pro­le­ta­rian Sci­ence? The Case of Lysenko, New Left Books: Lon­don, 1977 (http://www.marx2mao.com/Other/Proletarian%20Science.pdf)

Kei­nen Ras­sis­mus inner­halb der Lin­ken!!!

Außer­halb auch nicht!

Free Palestine!!!

Mei­net­we­gen – wenn spe­zi­fi­ziert wird, wie Paläs­tina defi­niert ist und wovon es befreit wer­den soll. Ein freies Paläs­tina ver­langt nicht nur eine Befrei­ung von der israe­li­schen Besat­zung, son­dern auch von der reaktionär-​​religiösen Hamas und der kor­rum­pier­ten PLO – und eine paläs­ti­nen­si­sche Linke, die die­sen Kampf füh­ren könnte, exis­tiert prak­tisch nicht mehr – was hin­dert dar­aus eine Tages­for­de­rung zu machen. Und das ist noch das klei­nere Pro­blem an die­ser all­ge­mei­nen For­de­rung.
Ein freies Paläs­tina zu for­dern, ohne im glei­chen Moment auch gesi­cherte Lebens­be­din­gun­gen, Frei­heit und Gleich­heit für die in Israel/​Palästina leben­den Juden und Jüdin­nen zu garan­tie­ren und garan­tie­ren zu kön­nen, ist falsch. Mag vor 30 Jah­ren die For­de­rung nach einer seku­lä­ren, mul­ti­na­tio­na­len Repu­blik Palästina-​​Israel mit juris­tisch und fak­tisch garan­tier­ter Reli­gi­ons­frei­heit für alle Bür­ge­rIn­nen rich­tig gewe­sen und auch heute noch die theo­re­tisch rich­tige For­de­rung sein – es feh­len auf abseh­ba­rer Zeit in Anbe­tracht des Fun­da­men­ta­lis­mus auf bei­den Sei­ten alle Vor­aus­set­zun­gen, die not­wen­dig sind, um diese theo­re­ti­sche Ein­sicht poli­tisch ope­ra­tio­na­li­sie­ren zu kön­nen.
Ohne eine Ant­wort auf diese rea­len poli­ti­schen Pro­bleme zu haben und zumal ohne auch nur die Bereit­schaft zu haben, diese Pro­bleme anzu­ge­hen, ist jede Schlacht um die Paro­len „Free Palestine“ vs. „Save Israel“ für die Katz‘.

Anti­deut­sche bekämp­fen – IMMER UND ÜBER­ALL!!!

Von ‚Anti­deut­schen‘ und ‚Anti-​​Antideutschen‘ ver­lan­gen,
► daß ihre wech­sel­sei­ti­gen Vor­ur­teile von ein­an­der auf­ge­ge­ben
► daß sie innere Dif­fe­ren­zen im jeweils geg­ne­ri­schen Lager und exis­tie­rende dritte Posi­tio­nen wahr­neh­men
► daß sie ihre wech­sel­sei­ti­gen Vor­würfe und Kri­tik mit Argu­men­ten und Tat­sa­chen bele­gen.

Keine leicht­fer­ti­gen Antisemitismus-​​ und Rassismus-​​Vorwürfe.
Aner­ken­nung der Sin­gu­lä­ri­tät des NS.
Gegen jede Herr­schaft und Aus­beu­tung – über­all. Für den Kom­mu­nis­mus.
Gegen Sexis­mus, Homo­pho­bie und Anti­se­mi­tis­mus – auch in den eige­nen Rei­hen.

  1. http://​theo​rie​als​pra​xis​.blog​sport​.de/​2​0​0​9​/​0​7​/​3​1​/​i​n​d​y​m​e​d​i​a​-​d​i​e​-​n​a​e​c​h​s​t​e​-​l​o​e​s​c​h​u​n​g​/​#​c​o​m​m​e​nt-87: „Zu einer even­tu­el­len Spre­nung oder Stö­rung des Kon­zerts sei hier noch ein­mal wie­der­holt, was ich bereits an ande­rer Stelle geschrie­ben hatte:

    ‚Man­gels gruppen-​​übergreifender, ver­bind­li­cher demo­kra­ti­scher Ent­schei­dungs­struk­tu­ren, kann aber nur jede linke Gruppe für sich selbst ent­schei­den, ob sie sol­che Bands ein­lädt oder nicht. Andere linke Grup­pen kön­nen dar­aus wie­derum Kon­se­quen­zen für die Zusam­men­ar­beit mit den frag­li­chen Grup­pen zie­hen. Die Grenze, wo eine eigen­mäch­tige Spre­nung von Kon­zer­ten gebo­ten ist, scheint mir im vor­lie­gen­den Fall aller­dings noch nicht erreicht zu sein.‘

    So falsch, wie die Posi­tion von MaKss Damage ist – in dem Stück wird ja aber (immer­hin) nicht gesagt,
    ‚Der NS waren eigent­lich auch ganz nette gesell­schaft­li­che Ver­hält­nisse, mit denen sich arran­giert wer­den könnte.‘,
    son­dern es wird soviel gesagt:
    ‚Die USA und Israel sind genauso schlimm wie der NS.‘
    Das ist zwar ana­ly­tisch falsch und dar­auf läßt sich auch weder eine sinn­volle anti­fa­schis­ti­sche noch anti­im­pe­ria­lis­ti­sche Stra­te­gie grün­den, aber es keine Sympathie-​​Bekundung für den NS. Des­halb würde ich sagen:
    ++ MaKss Damage hat bei lin­ken Kon­zer­ten nichts suchen.
    ++ Mit lin­ken Grup­pen, die MaKss Damage den­noch ein­la­den, wird eine künf­tige Zusam­men­ar­beit zumin­dest sehr schwie­rig. Das Min­deste, was wohl erwar­tet wer­den kann, ist eine Kri­tik sei­tens der ver­an­stal­ten­den Grup­pen an den lyrics von MaKss Damage.
    ++ Eine Spren­gung oder Stö­rung des Kon­zer­tes würde aber selbst in den Feh­ler ver­fal­len, die Unter­schiede zwi­schen Haupt­fein­dIn­nen, Neben­fein­dIn­nen und inner-​​linken Wider­sprü­chen zu ver­wi­schen. Auf der Grund­lage von end­lo­ser ‚Kon­takt­schuld‘ – im Extrem­fall: ‚Die Gruppe arbei­tet mit jener Gruppe zusam­men, die wie­derum zu jener Gruppe Kon­takt hat, die jene Band ein­ge­la­den hatte, die auch schon mit XY zusam­men auf­ge­tre­ten ist.‘ – wäre kei­ner­lei linke Bünd­nis­po­li­tik mehr mög­lich, was aber auch keine sinn­volle poli­ti­sche Stra­te­gie ermög­li­chen würde.
    Inner­lin­ker Plu­ra­lis­mus setzt vor­aus, daß jede Gruppe auch das Recht haben muß, Feh­ler zu machen.“ [zurück]

Share and Enjoy:
  • Facebook
  • Twitter
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • del.icio.us
  • email
  • Digg
  • Google Bookmarks
  • LinkedIn
  • MisterWong
  • MisterWong.DE
  • PDF
  • Tumblr
  • Wikio
Wikio

0 Antworten auf „Zur Stellungnahme von MD“


  1. Keine Kommentare

Antwort hinterlassen

XHTML: Du kannst diese Tags benutzen: <a href=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote> <code> <em> <i> <strike> <strong>


acht × eins =