So langsam stellt sich die Frage: Gotteskrieger bei indymedia?

Kurz nach Mit­ter­nacht wurde bei indy­me­dia ein Bei­trag mit den kom­plet­ten lyricseines MaKss Damage-​​Stückes gepos­ted, das bereits bei frü­he­rer Gele­gen­heit aus­zugs­weise zitiert wurde. Als ich mir die Seite heute mor­gen das erste Mal ansah, gab es vier Kom­men­tare. Zwi­schen dem ers­ten Lesen und dem Ver­such, die Seite mit even­tu­el­len wei­te­ren Kom­men­ta­ren neu zu laden, wurde auch diese Seite gesperrt. Ich kann daher hier nur einen screen shut der open pos­ting-Liste mit der Artikel-​​Zusammenfassung pos­ten.

Es folg­ten im Haupt­text der Nach­richt die kom­plet­ten lyrics von der in der Fuß­zeile des Arti­kels genann­ten internet-​​Seite (http://​lyricwiki​.org/​M​a​K​s​s​_​D​a​m​a​g​e​:​T​e​r​r​o​r​_​T​o​uchit) sowie die wohl vier Kom­men­tare. Die ers­ten bei­den waren nach mei­ner Erin­ne­rung kri­tisch zu dem Stück. In einer der bei­den Ergän­zun­gen wurde die Ansicht ver­tre­ten, daß nicht erst die letz­ten bei­den Zei­len, son­dern bereits der Anfang des Stü­ckes die­ses als men­schen­ver­ach­tend erweise.
Die bei­den ande­ren Kom­men­tare ver­such­ten wei­ter­hin Kri­tik an MaKss Damage abzu­weh­ren: Die eine Ergän­zung mit der begrün­dungs­lo­sen Behaup­tung, die Bezug­nahme auf Gott in dem Stück erweise nicht, daß es sich nicht um lin­ken Anti­im­pe­ria­lis­mus han­deln könne. Die andere Ergän­zung dis­qua­li­fi­zierte den Aus­gangs­ar­ti­kel als guerilla-​​marketing.
Dazu sei ange­merkt:

1. Es besteht in der Frage eines Got­tes­be­zu­ges kei­ner­lei Anlaß hin­ter Die Inter­na­tio­nale zurück­zu­fal­len:

Es ret­tet uns kein höh‘res Wesen,
kein Gott, kein Kai­ser noch Tri­bun
Uns aus dem Elend zu erlö­sen
kön­nen wir nur sel­ber tun!

2. Guerilla-​​marketing oder nicht. Das wahre mar­ke­ting für MaKss Damage ist, von lin­ken Grup­pen ein­ge­la­den zu wer­den. Erst dies gibt dem Flirt mit der kom­mu­nis­ti­schen Tra­di­tion einen authen­ti­schen touch. Es dürfte kaum mög­lich sein, diese Debatte zu been­den, wie nicht alle lin­ken Gruppe die­ser Aus­beu­tung der kom­mu­nis­ti­schen Trad­t­ion für wel­che Zwe­cke auch immer – seien es schlicht marekt­ing Inter­es­sen oder tat­säch­lich reli­giöse Inter­es­sen – den Boden ein­zie­hen.

Was indy­me­dia anbe­langt, bleibt mir völ­lig schlei­er­haft, was das heu­tige Redak­ti­ons­kol­lek­tiv ver­an­laßt haben könnte, selbst jene kri­ti­sche Bericht­er­stat­tung über ein Stück, das im Namen Got­tes Anschläge mit ent­führ­ten Zivil­ma­schi­nen pro­pa­giert („Oh Schreck, das kleine Mäd­chen neben mir hat einen Ted­dy­bär und ich hab Dyna­mit in sei­nem Arsch ver­steckt /​ Und ich stürme in das Cock­pit, Sturm­maske Tur­ban und Zündschnur/​ Ich köpf den, der nicht mit dem Kopf nickt /​ Kopf­fick“), zu unter­bin­den. Es dürfte an der Zeit sein, daß indy­me­dia eine ernst­hafte Grundsatz-​​Diskussion über die sehr unter­schied­lich aus­fal­len­den Mode­ra­ti­ons­pra­xen der ver­schie­de­nen Mode­ra­ti­ons­kol­lek­tive führt. – Wenn ein Teil der Kol­lek­tive wei­ter­hin jeden kri­ti­schen Gedan­ken aus Arti­keln ver­bannt, weil diese ‚Szene-​​Diskussionen‘ aus­lö­sen kön­nen, dann dürfte der Infor­ma­ti­ons­wert von indy­me­dia bald hin­ter dem des dpa-​​Nachrichten-​​Tickers zurück­fal­len. Eine Bericht­er­stat­tung, die sich dar­auf redu­ziert, wann wo wie­viel Leute bei einer Demons­tra­tion waren und wie­viel Poli­zei­kräfte da waren und wel­ches Geran­gel es gab, ten­diert vom Infor­ma­ti­ons­wert her gegen Null und ist folg­lich auch poli­tisch nutz­los. Das ent­spre­chende gilt für alle ande­ren ver­meint­lich ‚rein fak­ti­schen‘ Arti­kel, die tat­säch­lich aber den herr­schen­den ideo­lo­gi­schen sta­tus quo repro­du­zie­ren.

„Es geht also nicht darum, alle inter­es­san­ten Infos aus kom­mer­zi­el­len Mas­sen­me­dien zusam­men­zu­tra­gen, son­dern die­sen Medien die eigene Sicht auf Ereig­nisse ent­ge­gen­zu­set­zen, bzw. über Ereig­nisse zu berich­ten, die von die­sen Medien überg­an­gen wer­den. Die Mode­ra­ti­ons­kol­lek­tive ver­su­chen, diese Art von Bericht­er­stat­tung zu unter­stüt­zen. Indy­me­dia ist grund­sätz­lich offen für alle Mei­nun­gen, es sei denn sie haben sexis­ti­schen, ras­sis­ti­schen, anti­se­mi­ti­schen u./o. faschis­ti­schen Inhalt.“
http://​de​.indy​me​dia​.org/​s​t​a​t​i​c​/​m​o​d​e​r​a​t​i​o​n​.​shtml

Hier noch für die­je­ni­gen, die den gesperr­ten Arti­kel bei indy­me­dia bestel­len wol­len, die URL:
http://​de​.indy​me​dia​.org/​2​0​0​9​/​0​8​/​2​5​7​5​7​6​.​shtml.

Unter http://​lyricwiki​.org/​M​a​K​s​s​_​D​amage gibt es im übri­gen die Texte wei­te­rer MaKss Damage-​​Stück. In „Angriff“ heißt es bspw.: „Seine Pei­ni­ger fin­den und stei­ni­gen. /​ Sich befreien und eini­gen“ – allein schon, daß es sich reimt, scheint alles zu recht­fer­ti­gen.

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11 Antworten auf „So langsam stellt sich die Frage: Gotteskrieger bei indymedia?“


  1. 1 Indfan 05. August 2009 um 8:45 Uhr

    Was hat dieser Szenemist bitteschön mit Gegenöffentlichkeit zu tun? Wo ist hier der Nachrichtenwert für Menschen außerhalb der Szene. Die Antwort auf „langweilige“ Demoberichte sind sicher nicht Szenenabelschauen, sondern ausgefeiltere Analysen des (Welt)Geschehens und damit ist nicht gemeint, was hat das für einen Wert für die eigene Israelsolidarität, sondern eine tatsächliche Analyse.

  2. 2 DGSch 05. August 2009 um 9:04 Uhr

    Schön und gut, aber wenn es bei indymedia um „Gegenöffentlichkeit“ geht, dann kann es ja nun nicht um ausgefeiltere Analysen um der Ausgefeiltheit willen (womit ich nichts gegen Ausgefeiltheit sagen will – die fehlt sicherlich auch bei indymedia) gehen, sondern dann muß sie mit einer Positionsentwicklung und damit auch inner-linken Kontroversen einhergehen.

    (Im übrigen habe ich nicht von „Israelsolidarität“ gesprochen. Mit der Textprodukt von MD ist auch dem Widerstand gegen die israelische Besatzungspolitik nicht gedient – sei denn vielleicht, dieser würde auf ein religiöses Programm festgelegt, wofür Linke aus den genannten Gründen nicht zur Verfügung stehen sollten.)

  3. 3 T800 05. August 2009 um 11:41 Uhr

    „Eine Berichterstattung, die sich darauf reduziert, wann wo wieviel Leute bei einer Demonstration waren und wieviel Polizeikräfte da waren und welches Gerangel es gab, tendiert vom Informationswert her gegen Null“

    Das ist in dieser Pauschalität natürlich ebenfalls Quatsch. Natürlich sind solche Artikel langweilig und tragen nichts zur Theoriebildung bei. Andererseits werden linke & alternative Aktionen, Demonstrationen usw. von der bürgerlichen Presse normalerweise ignoriert, außer es handelt sich um Megaevents wie bei G8 oder am ersten Mai. Selbst dann schreibt die Mainstreampresse gerade mal Pressemitteilungen der Polizei ab, man erfährt nicht einmal das Motto der Demonstrationen oder wer sie veranstaltet. Insofern ist selbst der langweiligste Standard-Artikel auf Indy ein Fortschritt, weil er dokumentiert, was sonst der Nachrichtenblockade zum Opfer fallen würde. Natürlich ist das noch kein Grund, den AFP-Stil zu imitieren – und erst recht keiner, alles zu zensieren, was über reine Meldungen hinausgeht. Stellt sich immer noch die Frage, wieso die Indymod-Aristokratie dem klaren Beziehen von Standpunkten in Artikeln so feindlich gesonnen ist, und eine Pseudo-Neutralität analog der bürgerlichen Presse vorzieht. Mein Verdacht wäre, dass man die „richtige“ Presse insgeheim beneidet und gar keine fundierte Kritik an deren Form und Inhalt hat. Indy könnte einen ähnlichen Weg wie Wikipedia gehen, die mit ihrer Verherrlichung einer konstruierten „Neutralität“ zu einer kritiklosen Sammlung herrscheinder Meinungen verkommen ist. Im Falle einer Enzyklopädie mögen viele das nicht als besonders schlimm erachten, bei einem nach eigenem Selbstverständnis linken Medienportal wäre das allerdings auf jeden Fall fatal.

  4. 4 Indfan 05. August 2009 um 12:42 Uhr

    Nu klar, als wenn Neutralität nicht auch vom Standpunkt des Beobachters abhängt. Das zeigt aber schon, wie wenig der vorhergehende Kommentator in der Lage ist, über den Szenehorizont hinaus zu denken, wenn das „Nicht Position beziehen zu wollen, zu einem gesamtgesellschaftlich völlig irrelevanten Szenekonflikt“ mit absoluter Pseudoneutralität gleichgesetzt wird. Indymedia hat nie behauptet neutral zu sein. Auch die bürgerliche Presse ist nicht neutral. Diesen Anspruch gibts es in der deutschen Presselandschaft im Gegensatz zur amerkanischen Presselandschaft auch kaum. Aber Indymedia ist auch nicht angetreten um der Szene ein weiteres Tool zur selbstherrlichen, linken Selbstzerfleischung zu liefern. Dass die Linken ziemlich bescheuert sein können, wissen die Leute in der Regel, dazu bedarf es keiner weiteren Beweise. Sowas bestärkt nur Vorurteile von Leute die nicht in der Szene abhängen, und das ist genau das was auch mit Indymedia durchbrochen werden sollte. (und es interessiert sie auch einen Scheiß, was für Deppen auf irgendwelchen linken Konzerten auftreten und was für andere Deppen sich darüber wieder aufregen, als wenn davon irgendwas abhängen würde.)

  5. 5 T800 05. August 2009 um 20:16 Uhr

    Jede Position, Debatte oder Aktion der deutschen Linken ist z.Z. „gesamtgesellschaftlich völlig irrelevant“. Ist es also sinnvoll, auf Indymedia nur noch Copy&Paste von Meldungen der Mainstreammedien zu allgemein als wichtig erachtetenden Themen (Politiker X bezieht zu Thema Y Stellung, Laut Umfrage würden X% der deutschen Partei Y wählen, usw.) zu veröffentlichen? Selbstverständlich nicht. Es geht ja bei Grassroots-Medien eigentlich darum, die Blockade der Konzern-Medien zu durchbrechen, und einen Ort für die Verffentlichung alternativer, unbequemer und gesellschaftlich ignorierter Themen zu schaffen.

    Nochmal zu der Neutralität: selbstverständlich sind bürgerliche Medien nicht „neutral“, sowas wie einen neutralen Standpunkt gibt es nicht. Das schlimme an den Mainstreammedien ist ja, dass sie ihren Standpunkt verschleihern und als neutral und unparteiisch ausgeben. Dass in Deutschland im Gegensatz zum anglo-amerikanischen Raum die Trennung von Nachricht und Kommentar keine Tradition im Zeitungswesen hat, ist mir bekannt. Trotzdem würde jedes deutsche Medium von sich behaupten, in der Berichterstattung vollkommen neutral und unparteiisch vorzugehehn.

    Dass Du angeblich weißt, was „die Leute“ auf Indymedia lesen wollen und was nicht, ist schon mal Quatsch. Dass Du dieses nicht vorhandene Wissen dann zum Kriterium machen willst, was zensiert werden soll, ist einfach nur eine Frechheit. Indymedia würde sich selbst überflüssig machen, wenn es seine wichtigste Funktion – unterdrückte Nachrichten und im Mainstream nicht präsente Meinungen zu veröffentlichen – aufgeben würde um das zu featuren was die Mehrheit gerne lesen möchte. In der Realität läuft das immer darauf raus, dass eine kleine Gruppe an den Schalthebeln das rausfiltert, was ihr nicht in den Kram passt, und das mit dem „Interesse der Mehrheit“ rechtfertigt. Genau die Situation, die wir also z.Z. mit der Mod-Aristokratie bei Indymedia haben.

  6. 6 DGSch 06. August 2009 um 15:28 Uhr

    @T800 – 05. August 2009 um 11:41 Uhr

    „Andererseits werden linke & alternative Aktionen, Demonstrationen usw. von der bürgerlichen Presse normalerweise ignoriert, […]. Insofern ist selbst der langweiligste Standard-Artikel auf Indy ein Fortschritt, weil er dokumentiert, was sonst der Nachrichtenblockade zum Opfer fallen würde.“

    Ich würde sagen, daß kann der „bürgerlichen Presse“ nicht einmal übel genommen werden und insofern würde ich dann auch nicht von „Nachrichtenblockade“ sprechen wollen. Irgendwelche linksradikalen Miniaktionen haben eben auch keine Relevanz über die Szene hinaus – und vielleicht noch die unmittelbaren AdressatInnen derartiger Aktionen.
    Und die Berichterstattung über sie hat selbst für die Szene kaum Relevanz, wenn es bei einem bloßen Fakten-Referat bleibt.

    @ Indfan – 05. August 2009 um 12:42 Uhr

    „und es interessiert sie [“die Leute“] auch einen Scheiß, was für Deppen auf irgendwelchen linken Konzerten auftreten und was für andere Deppen sich darüber wieder aufregen, als wenn davon irgendwas abhängen würde“

    a) „die Leute“ – das zeigt schon entweder eine völlig Planlosigkeit (= keine Vorstellung davon, welche Leute realistisch die Zielgruppe sein könnten) oder aber den völligen Größwahn zu meinen, tatsächlich alle Leute mit indymedia ansprechen zu können.

    b)“als wenn davon irgendwas abhängen würde“. Doch, es hängt etwas davon ab. Gesellschaftliche Hegemonie-Verhältnisse hängen nämlich u.a. davon ab, welche Bands gefeatured werden und welche nicht; eine politische Linie materialisiert sich bspw. in einer Konzert-Einladungspolitik. ‚Leute‘, die sich die homepage der Bands und der veranstaltenden Gruppen ansehen, stellen – wenn sie sich genauer interessieren – eine Verbindung her usw.
    Deshalb ist die Frage, was für Leute auftreten, ob und wie sie kritisiert werden, eine politische Frage, die politisch diskutiert werden muß, und die auch für die Außenwahrnehmung der Linken, soweit sie überhaupt wahrgenommen wird, relevant ist.

    @ T800 – 05. August 2009 um 20:16 Uhr

    „Dass Du angeblich weißt, was „die Leute“ auf Indymedia lesen wollen und was nicht, ist schon mal Quatsch. Dass Du dieses nicht vorhandene Wissen dann zum Kriterium machen willst, was zensiert werden soll, ist einfach nur eine Frechheit.“

    Von „Zensur“ würde ich auch in diesem Fall wieder nicht sprechen wollen.1 Schließlich soll jedes politisches Projekt machen können, was es machen will. Wenn indymedia eine bestimmte Linie hat (hätte), soll indymedia diese Linie auch umsetzen können – und wenn dann anderes ‚rausgeschmissen wird, ist es keine Zensur, sondern Selbstbestimmung. – Und wer/welche anderes haben will, muß anderes machen.
    Absurd wird es nur, wenn einerseits ein ultra-pluralistischer Anspruch vertreten wird (der wörtlich genommen, nicht einmal links ist, sondern sozialdemokratische, [neo]liberale und konservative Positionen nur dann ausschließt, wenn sie sich im konkreten Fall sexistisch, rassistisch oder antisemitisch äußern) – dieser pluralistische Anspruch aber aufgegeben wird, wenn es zu bestimmten inner-linken Diskussion oder auch nur zur BERICHTERSTATTUNG über inner-linke Diskussionen kommt – bspw. über die Definition von sexistisch, rassistisch oder antisemitisch.2

    Und hinzukommt: Derartige Text zu sperren, heißt nur, die Diskussion anzuheizen und lenkt sie gleichzeitig vom Thema ab: An statt zur Sache zu diskutieren, wird darüber diskutiert, ob der Artikel überhaupt dastehen darf oder nicht. Das inhaltliche Argument wird durch eine Löschungsforderung an die Moderation ersetzt.
    Die intransparente Sperrungspraxis, die je nach Moderationskollektiv anders ausfällt (bei ähnlich gearteten Artikeln werden mal nur einzelne Kommentare ‚unter den Strich‘ verfrachtet; mal der Bericht mit einem Vorspann versehen; mal der ganze Bericht gesperrt) und die Tendenz keine Argumentationen, sondern bloße ‚Fakten‘ haben zu wollen, führt außerdem dazu, Leute anzuziehen, die nicht argumentieren können oder wollen: Die bloße Meinung ersetzt das Argument; der Machtkampf um Löschung oder Nicht-Löschung führt zu Umgehungsstrategien (mehrfach-postings und Hoffen auf das nächste Moderationskollektiv etc.) und ersetzt die inhaltliche Auseinandersetzung.

    Im vorliegenden Fall hätte es zwei ganz einfache Lösungen gegeben:

    ++ Beim dem ersten – unter falschem Gruppennamen geschrieben Artikel – die gefälschte Autorschaft aufdecken und ab dem Moment die Ergänzungsfunktion sperren.

    ++ Den zweiten Text von Petra P. stehen lassen – und alles weitere zu dem Thema kommt hintendran, Pöbeleien werden ‚unter den Strich‘ geschoben.

    ++ Würde auf der Titelseite auch noch angezeigt, welche Artikel in den letzten zehn Tagen am meisten ergänzt wurden, gäbe es gerade bei umstrittenen Artikeln auch noch einen zusätzlichen Anreiz, die Ergänzungsfunktion zu nutzen und nicht neue Artikel zu schicken.

    Da es also technisch ziemlich einfache Lösungen gäbe, das Ausufern unfruchtbarer Diskussionen zu verhindern, muß vermutet werden, daß das wahre Motiv der Artikel-Sperrungen letztlich nicht ist, unfruchtbare Diskussionen zu verhindern, sondern daß es vielmehr – vielleicht nicht einmal sich selbst eingestandene – inhaltliche Motive sind.

    1. Vgl. bereits http://theoriealspraxis.blogsport.de/2009/07/26/ueber-den-nutzen-von-definitionen-ein-paar-andere-anmerkungen/; http://theoriealspraxis.blogsport.de/2009/07/22/eine-warnung-vor-dem-zensur-begriff/[zurück]
    2. Vgl. http://theoriealspraxis.blogsport.de/2009/07/31/indymedia-die-naechste-loeschung/ die indymedia-Ergänzung „@Kindergarten“ von „LeserInnen sind keine Mündel“ (31.07.2009 – 10:35). [zurück]
  7. 7 T800 06. August 2009 um 17:07 Uhr

    „Mini-Aktionen“ per se Relevanz abzusprechen – nur weil sie dich nicht interessieren – ist selbstverständlich Käse. Relevanz entsteht in unserer Gesellschaft durch mediale Berichterstattung, nicht umgekehrt. Ich persönlich finde eine Antifa-Demo mit 3000 Leuten (um nur irgendein Beispiel zu nennen) viel interessanter als die Brust-OP eines abgehalfterten C-Stars, eine Schlägerei eines Tokio Hotel Bandmitglieds oder irgendeinen Satz eines Ministers. Gäbe es nur die Mainstreammedien, könnte ich leider nur über die letztgenannten Themen was erfahren. Warum man doch von Nachrichtenblockade sprechen muss, wird vielleicht klar, wenn man sich mal statt überregionalen Blättern Lokalzeitungen anschaut. Dort kann man täglich nachlesen wieviele neue Mitglieder der Kleintierzüchterverein gewonnen hat, oder wie erfolgreich das Feuerwehrfest war. Wenn aber eine linke Demo im Ort mehr Leute auf die Straße bringt als alle sonstigen Veranstaltungen, ist das natürlich keinen Bericht wert. Warum auch, denn damit würde man ja der als falsch angesehenen Sache eventell noch mehr Zulauf verschaffen.

    Bei Groß-Events gibt es zwar ab und zu tatsächlich eine Erwähnung in überregionalen Medien, wie schon gesagt wird da aber auf alle vermeintlichen Pressestandards verzichtet, nicht einmal erwähnt worum es eigentlich geht und nur aus dem Polizeibericht über angebliche Gewalttäter zitiert. Viele Indy-Autoren versuchen nun diese Lücke zu füllen, indem sie Artikel produzieren, wie sie in einer bürgerlichen Presse ohne Nachrichtenblockade stehen könnten. Also pseudo-neutral, als Aneinanderreihung von Fakten. Natürlich ist das nicht gerade spannend, aber immerhin schon ein Fortschritt gegenüber totalem Totschweigen.

  8. 8 DGSch 06. August 2009 um 23:36 Uhr

    „‚Mini-Aktionen‘ per se Relevanz abzusprechen – nur weil sie dich nicht interessieren – ist selbstverständlich Käse.“

    Sie können mich durchaus interessieren, aber das macht sie noch nicht gesellschaftlich relevant.

    „Relevanz entsteht in unserer Gesellschaft durch mediale Berichterstattung, nicht umgekehrt.“

    Das scheint mir allerdings nur eine voluntaristische Umkehrung früherer Theorien über ‚falsches Bewußtsein durch Medienmanipulation‘ zu sein. Wenn die FAZ oder der SPIEGEL über derartige Mini-Aktionen berichten würden, würden sie nicht relevant, sondern die Relevanz von FAZ und SPIEGEL sinken.

    „Ich persönlich finde eine Antifa-Demo mit 3000 Leuten (um nur irgendein Beispiel zu nennen) viel interessanter als die Brust-OP eines abgehalfterten C-Stars, eine Schlägerei eines Tokio Hotel Bandmitglieds oder irgendeinen Satz eines Ministers.“

    Ein Teil dieser Berichterstattung bedient ja auch Unterhaltungsbedürfnisse und nicht gesellschaftliche Relevanz-Kriterien i.e.S.

    „Warum man doch von Nachrichtenblockade sprechen muss, wird vielleicht klar, wenn man sich mal statt überregionalen Blättern Lokalzeitungen anschaut. Dort kann man täglich nachlesen wieviele neue Mitglieder der Kleintierzüchterverein gewonnen hat, oder wie erfolgreich das Feuerwehrfest war.“

    Das betrifft halt die Lebenswelt der LeserInnen; für den gesellschaftlichen Durchschnitt der dort lebenden Menschen ist das relevant.

  9. 9 Dieser Szeneblog ist witzig 09. August 2009 um 15:31 Uhr

    „Mod-Aristokratie“ etc…
    Auf dieser Seite hier wird zensiert bis zum geht nicht mehr, alle kritischen Meinungen werden unterbunden.
    Aber wehe, die Indymedia-Moderation wehrt sich gegen das wissentliche und absichtliche Sabotieren der Nachrichtenseite.

    Echt, Leute, ihr seid ein Armutszeugnis der doitschen Linken, aber was will man von dummen Kommies auch anderes erwarten, die immer noch glauben, die Avantgarde der Revolution darzustellen?

    Indymedia ist längst viel weiter als ihr denkt. Alleine der erste Screenshot hier fängt an mit einem „@blabla“…
    Formal gesehen also eine Antwort, eine Diskussion, damit also normalerweise einen Hinweiskasten und verbleiben im Open-Posting. Aber wartet mal:
    wofür ist dieser Kasten eigentlich da?
    Ach ja – um den Leuten zu erklären, warum etwas NICHT im Newswire gelandet ist, damit nicht andauernd per email nachgefragt werden muss. (etwas, was ihr anscheinend bis heute nicht getan habt – oder wo ist eure Antwort-Email von Indy? Könntet ihr doch viel besser draus zitieren als ständig rumzuraten, was hier warum gelöscht wird)
    Was aber machen, wenn jemand trotzdem andauernd neu postet und sich über den Kasten hinweg setzt?
    Genau – Verstecken. Weil, das ist im bestenfalle Spam.
    Im engeren Sinn würde ich z.b. für einen Total-Ausschluss der spamenden Partei votieren, da sie bewusst (trotz des Kastens) versucht, gegen das Projekt vorzugehen bzw. es für seine/ihre Zwecke zu missbrauchen.

    Das höchste ist dann noch, wenn sich in solch einer Szene-Diskussion hinterher beschwert wird, dass die Moderation zu einseitig moderieren würde. Also Schiedsrichter darf sie für euch Pappnasen immer spielen, dafür ist sie gut genug. Aber dann bitte schön auf eurer Seite bleiben oder was?

    ps:
    „Da es also technisch ziemlich einfache Lösungen gäbe, das Ausufern unfruchtbarer Diskussionen zu verhindern, muß vermutet werden, daß das wahre Motiv der Artikel-Sperrungen letztlich nicht ist, unfruchtbare Diskussionen zu verhindern, sondern daß es vielmehr – vielleicht nicht einmal sich selbst eingestandene – inhaltliche Motive sind.“

    lad dir doch mal MIR runter und programmier deine möglichkeiten in den source-code ein, setz nen server auf und starte dein eigenes indymedia-center.
    ich wette, du scheiterst schon am ersten, spätestens allerdings am zweiten und das dritte wird daher schon nie passieren.
    Du hast keine Ahnung von der Materie, aber riskierst hier ne ganz schön dicke Lippe. Von deinen wiederholten falschen Vorwürfen gegenüber der Indymedia-Moderation und dem ständigen Ignorieren der Argumentation deiner Gegenüber ganz zu schweigen. Von deiner Service-Haltung gegenüber Indymedia erst recht.
    Du bist halt nur einE egozentrischeR, unsolidarischeR WichtigtuerIn.
    Naja, das hier liest eh keiner ausser dir, da du es ja eh wieder löschst. von daher kann ich auch mal beleidigend sein

  10. 10 DGSch 09. August 2009 um 17:15 Uhr

    „Auf dieser Seite hier wird zensiert bis zum geht nicht mehr, alle kritischen Meinungen werden unterbunden.“

    Unzutreffende Behauptungen werden auch durch Wiederholung nicht wahr. Schreib doch einfach mal bei indymedia einen Bericht „Was bei ‚Theorie als Praxis‘ alles zensiert wird“. Oder richtet hier bei blogsport einen blog mit entsprechendem Titel ein.
    Ich bin gespannt auf die „kritischen Meinungen“…

    „Echt, Leute, ihr seid ein Armutszeugnis der doitschen Linken, aber was will man von dummen Kommies auch anderes erwarten, die immer noch glauben, die Avantgarde der Revolution darzustellen?“

    Wie gesagt: Macht doch einfach mal einen klaren Ausschlußkatalog für indymedia: keine Antideutschen, keine Anti-Antideutschen, keine „dumme Kommies“ (intelligente schon? Oder schließt sich das eh aus?). Mit ein bißchen Überlegung läßt die Liste sicherlich schnell noch verlängern – und spart Euch dann Euer pluralistisches Geschwätz.

    „Alleine der erste Screenshot hier fängt an mit einem ‚@blabla‘… Formal gesehen also eine Antwort,“

    Ja, nur war im vorliegenden Fall der Ausgangsartikel längst gesperrt.

    „eine Diskussion, damit also normalerweise einen Hinweiskasten und verbleiben im Open-Posting.“

    Meinetwegen – im vorliegenden Fall blieb aber auch die Antwort nicht (mit Hinweiskasten) im Open Posting, sondern wurde ganz gesperrt.

    „Was aber machen, wenn jemand trotzdem andauernd neu postet und sich über den Kasten hinweg setzt?
    Genau – Verstecken.“

    In der fraglichen Diskussion wurde mindestens ein halbes Dutzend-Artikel von UNTERSCHIEDLICHEN Leuten und mit UNTERSCHIEDLICHEN Positionen GESPERRT, BEVOR zum ersten einmal ein Artikel mit Hinweiskasten stehen blieb.
    Auch warum dieser Artikel einen Hinweiskasten hat, erschließt sich anhand der Moderationskriterien nicht.

    „Das höchste ist dann noch, wenn sich in solch einer Szene-Diskussion hinterher beschwert wird, dass die Moderation zu einseitig moderieren würde. Also Schiedsrichter darf sie für euch Pappnasen immer spielen, dafür ist sie gut genug. Aber dann bitte schön auf eurer Seite bleiben oder was?“

    Lies einfach mal die Texte in diesem blog zu dem Thema und Du wirst festsllen, daß ich auf keiner der beiden Seiten stehe.
    Und gibt es nun bei indymedia eine MODERATION, die (außer für den Ausschluß faschistischer etc. Positionen nur) für einen geordneten Debatteverlauf sorgt?
    Oder gibt es eine REDAKTION, die auch bei innerlinken Kontroversen inhaltliche Entscheidungen trifft – aber es nicht einmal für nötig befindet, sie zu begründen?

    „Von deiner Service-Haltung gegenüber Indymedia erst recht.“

    Ja, genau Serive-Einrichtung zu sein, das IST der deklarierte Anspruch von indymedia:

    „Indymedia […] ist eine Plattform FÜR EURE Berichterstattung und Hintergrundinfos zu politischen und sozialen Themen.“
    „Indymedia ist ein BASISdemokratischer Nachrichtenkanal. Indymedia will den emanzipatorischen Umgang mit Informationen und Medien FÖRDERN.“
    „Indymedia ist grundsätzlich OFFEN FÜR ALLE Meinungen, es sei denn sie haben sexistischen, rassistischen, antisemitischen u./o. faschistischen Inhalt.“
    „Indymedia hat KEINE politische Redaktion. Im Gegensatz zu Projekten mit einer klaren politischen Zielsetzung will das Moderationskollektiv NICHT selbst Politik machen, sondern in erster Linie eine emanzipatorische Nutzung von Medien FÖRDERN.“
    (http://de.indymedia.org/static/moderation.shtml)

    Ich sage nicht, daß dies zwangsläufig der Anspruch von indymedia sein muß. Aber solange er besteht, sollte er auch eingehalten werden – und wenn er nicht mehr eingehalten wird / werden soll, dann sollte auch der Anspruch der Praxis angepaßt wird.

  11. 11 Kaputt-DiskutiererIn 09. August 2009 um 18:21 Uhr

    Ich finde die aggressive bis militärische Diktion der vermeintlichen Indy-Verteidiger interessant, hier z.B. die Gleichsetzung der Veröffentlichung eines Artikels mit „wissentliche(m) und absichtliche(m) Sabotieren“. Auf Indy selbst kommen ja auch häufig Kommentare, die Menschen mit Diskussionsbedarf oder Autoren kontroverser Artikel vorwerfen Indymedia „zerstören“ und „kaputt diskutieren“ zu wollen. Um möglichst viele Leute auf die eigene Seite zu ziehen und starke emotionale Reaktionen hervorzurufen, wird immer gleich mit dem Untergang gedroht. Natürlich ist das ganze vollkommen irrational. Wie sollte denn bitte einer der in letzter Zeit gelöschten Artikel Indymedia „zerstören“? Wie kann Indymedia wegen einer Diskussion unter einem Artikel „kaputt gehen“? Mir ist kein Internet-Portal mit Kommentarfunktion bekannt, das wegen Diskussionen in den Kommentaren „untergegangen“ ist. Im Gegenteil: die meisten Portale würden die Artikel, die viele Reaktionen hervorrufen, als besonders erfolgreich bezeichnen. Seltsam, dass gerade bei Indy mit seinem basisdemokratischen Anspruch die Beteiligung von Lesern so verachtet wird. Ich verstehe auch die Hass-Ausbrüche der Indy-Fans nicht – wer keine Kommentare lesen will, braucht sie auch nicht lesen. Bei den Indy-Verteidigern wird Diskussionsbereitschaft immer als etwas hinegstellt, was typisch für „Sekten“, „Faschisten“ und „autoritäre Gruppen“ ist, eine absolut absurde Annahme. Friedhofsruhe und kommentarlose Zustimmung zu allem und jedem ist demnach wohl besonders basis-demokratisch und anti-autoritär…

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