Heute gelesen (04.08.)

1. use­l­ess. meck­len­burg at its worst hat sich heute Nacht mit der „Unfä­hig­keit der deut­schen Lin­ken zur Sache zu dis­ku­tie­ren“ beschäf­tigt. Aus­ge­hend von den indymedia-​​Kommentare zu einer Demons­tra­tion in Ros­tock aus Anlaß des Anschla­ges in Tel Aviv auf ein schwulles­bi­sches Zen­trum kommt der Arti­kel zu dem Ergeb­nis:

Die „Ein­träge sind sym­pto­ma­tisch für die Rezep­tion eines lin­ken Kon­flik­tes, wel­che nicht nur nichts mehr mit ori­gi­när Anti­deut­schen Posi­tio­nen zu tun hat, son­dern auch an Absur­di­tät und Unwis­sen­heit von Jahr zu Jahr und von Kom­men­tar zu Kom­men­tar zunimmt. Beide Kom­men­ta­to­rIn­nen schei­nen nicht nur keine Ahnung davon zu haben, wel­chen Cha­rak­ter die Demons­tra­tion trug, son­dern eben­falls nicht zu wis­sen dass die Schlag­worte ‚Tel Aviv‘ und ‚Demons­tra­tion‘ allein als Grund­lage für einen gehalt­vol­len Kom­men­tar nicht aus­rei­chen. Die in der Kom­men­tar­spalte ver­tre­te­nen Stand­punkte las­sen sich in die­ser oder ähnli­cher Form und in unzäh­li­gen Vari­an­ten auf die­sem und auch auf ande­ren lin­ken Medi­en­por­ta­len wie­der­fin­den. Und ebenso unqua­li­fi­ziert wie die Häu­fig­keit ihrer Ver­brei­tung ist auch ihr Inhalt. Es spricht eine unglaub­li­che Regres­sion aus der Tat­sa­che, dass eine Ver­an­stal­tung mit Israel-​​Bezug in egal wel­cher Weise aus­reicht, um die ver­meint­li­chen Prot­ago­nis­ten der jewei­li­gen Lager her­vor­zu­lo­cken und ihren Bull­s­hit in die Welt hin­aus zu schreien. Die jewei­li­gen Ide­al­ty­pen des ‚Anti­imp‘ und sei­nem Gegen­stück dem ‚Anti­deut­schen‘, wie sie sich in die­sem Fall äußern, stel­len dabei eher eine unglaub­lich pein­li­che Kari­ka­tur der ursprüng­lich sich gegen­über­ste­hen­den Posi­tio­nen dar. Die jewei­li­gen Signal­wör­ter und Codes bil­den das Start­si­gnal sich gegen­sei­tig mit Anti­se­mi­tis­mus­vor­wür­fen und, meist in Reak­tion dar­auf, tat­säch­lich anti­se­mi­ti­scher Abwehr­re­ak­tio­nen zu beschmeis­sen, bis der eigent­li­che Gegen­stand der Nach­richt aus dem Fokus gerät.“
Prä­di­kat: lesens­wert.

2. Auch lysis nimmt die indymedia-​​Kommentare zum Anlaß eines um Dif­fe­ren­zie­rung bemüh­ten und wie es scheint sehr gut infor­mier­ten Arti­kels über die Schwulen-​​ und Les­ben­po­li­tik in Israel und die Instru­men­ta­li­sie­rung von Schwu­len und Les­ben im israelisch-​​palästinensischen Kon­flikt. Lysis endet mit einem Zitat von Les­lie Fein­berg, einer jüdisch-​​amerikanischen Kommunist_​in und Transgender-​​Aktivist_​in:

„Taking the his­to­ric struggle to end opp­res­sion based on sexua­lity, gen­der and sex out of the world con­text of today’s battle of for­merly colo­ni­zed coun­tries against impe­ria­lism will not advance the goal of sexual and trans­gen­der libe­ra­tion […] nor will it build genuine ties of soli­da­rity. In fact, it mis­di­rects the struggle into ali­gn­ment with the world­wide goal of impe­ria­lism.“

und stellt danach selbst noch klar:

Dass das nicht bedeu­tet, sich mit den regres­si­ven For­men des Wider­stands durch die paläs­ti­nen­si­sche reli­giöse Rechte in Gestalt einer solch Ekel erre­gen­den Orga­ni­sa­tion wie der Hamas gemein zu machen, sollte eben­falls klar sein. Sich davon zu dis­tan­zie­ren, bedeu­tet aber noch lange nicht, für das israe­li­sche Apartheids-​​Regime in den besetz­ten Gebie­ten Par­tei zu ergrei­fen.

Soviel Dif­fe­ren­zie­rungs­ver­mö­gen soll­ten sich alle schul­dig sein, die sich zum Thema äußern – auch wenn ich mei­ner­seits Zwei­fel habe, ob es wirk­lich (ana­ly­tisch und poli­tisch) hilf­reich ist, den Begriff der Apart­heid von sei­nem ursprüng­li­chen süd­afri­ka­ni­schen auf den israelisch-​​palästinenischen Kon­text zu über­tra­gen.

3. sei noch dar­auf hin­ge­wie­sen, daß ein anschei­nend sehr eif­ri­ger internet-​​Nutzer in der erwähn­ten Kommentar-​​Spalte von indy­me­dia (zu einem neuen Text von heute nach­mit­tag) sach­kun­dig zu Theo­rie als Pra­xis Stel­lung nimmt („mensch theo­rie als pra­xis, du depp“) und diese Stel­lung­nahme unge­fragt mit einem Foto von mir bebil­dert. Trotz­dem vie­len Dank. Der internet-​​Nutzer nennt sich „u$raöl“ und ver­linkt zu einem Kom­men­tar von „Brül­ler“ bei wendy. Unter dem Namen „Brül­ler“ wur­den auch hier schon einige Kom­men­tare abge­ge­ben, die von einem inten­si­ven Durch­den­ken des The­mas zeu­gen (zuletzt: „ey du voll­spast, […]“). – Bitte mehr davon, daß kann jede Dis­kus­sion nur wei­ter­brin­gen!

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