Heute gesehen (03.08.) II: Was die Welt sonst noch bewegt (in dem einen Fall) oder bewegen sollte (in dem anderen Fall)

2. Der Mäd­chen­blog pos­tet (zusam­men mit einem pas­sen­den Foto zum Thema) einen call nach Aus­stel­lungs­bei­trä­gen:

„Wir sine eine femi­nis­tisch auto­nome Les­ben­gruppe und pla­nen eine Wan­der­aus­stel­lung zum Thema Macht über unsere Kör­per durch Kör­per­haar­kon­zepte. Habt ihr/​hast du Aktio­nen, Texte, Fotos, Filme, Objekte gemacht zu z.B.: Ent­haa­rungs­t­er­ror, Patho­lo­gi­sie­rung, medi­zi­ni­sche Indi­ka­tion usw.? Oder habt ihr Lust, einen Aus­stel­lung­bei­trag zu kre­ie­ren? Wir freuen uns über Mate­ria­lien und Aus­tausch. Mel­det euch zahl­reich und bil­det haa­rige Ban­den! haa­re­ge­gen­macht [ät] gmx​.de“

setzt sich dabei aber leicht post­mo­der­nis­tisch von den Aus­stel­lungs­ma­che­rin­nen in spe ab:

„In Anbe­tracht der ‚haa­ri­gen Ban­den‘ möchte ich auf die nicht unspan­nen­den Dis­kus­sio­nen zu Kör­per­be­haa­rung auf dem Mäd­chen­blog hier, hier und hier hin­wei­sen, in denen es oft­mals um die mir liebe Frage geht, ob es über­haupt wider­stän­dige Haar­po­li­ti­ken geben kann bzw. ob die linke, szen­ein­terne Not­wen­dig­keit für „Frauen“ behaart zu sein, nicht auch ganz schön schreck­lich ist.“

Wir wol­len es auch in die­sem Fall mit Lenin hal­ten

The old pro­blems, the old methods of sol­ving them, and new ways of pre­pa­ring for the solu­tion

und den Aus­stel­lungs­ma­che­rin­nen in die­sem Sinne beste Grüße sen­den.

„In short, patri­ar­chy is a dif­fe­ren­tia­ted, con­tra­dic­tory struc­ture that his­to­ri­cally pro­du­ces iden­ti­cal effects dif­fer­ently. For instance, the spe­ci­fic con­fi­gu­ra­tion of the poli­ti­cal eco­nomy of dif­fe­ren­ces in post­mo­dern or late capi­ta­list patri­ar­chy in the United Sta­tes is quite dis­tinct from the con­fi­gu­ra­tion of dif­fe­ren­ces in con­tem­porary fun­da­men­ta­list Iran, and both of these vary from those found in feu­dal Europe. Yet for all their dif­fe­ren­ces in rela­tion to each other, they share the same domi­nant orga­niza­tion of dif­fe­ren­ces accor­ding to the gen­der oppo­si­tion of male/​female. All these various patri­ar­chal arran­ge­ments, in short, pro­duce the same effects: the opp­res­sion and exclu­sion of woman as other, the divi­sion of labor accor­ding to gender-​​specifically, the exploi­ta­tion of women’s labor (whe­ther in the public or pri­vate sphere)-and the denial of women’s full access to social resour­ces. Women thus occupy the ’same‘ posi­tion wit­hin patri­ar­chy dif­fer­ently, divi­ded by the con­junc­tions of race, class, natio­na­lity, (post)colonialism, and so on. Their ‚iden­tity‘ is not iden­ti­cal; they are not the ’same‘ as each other, yet they are all sub­jects of the same struc­tures of opp­res­sion. By under­stan­ding women’s sub­jec­tivi­ties as the effects of differencein-​​relation, I believe, we can rear­ti­cu­late a collec­tive sub­ject for femi­nism.“
(Teresa L. Ebert, Ludic Femi­nism, the Body, Per­for­mance, and Labor: Brin­ging Mate­ria­lism Back into Femi­nist Cul­tu­ral Stu­dies, in: Cul­tu­ral Cri­ti­que, No. 23 (Win­ter, 1992-​​1993), pp. 5 – 50 [21 f.]; über Universitäts-​​Netzwerke u.ä. kos­ten­los online zugäng­lich unter: http://​www​.jstor​.org/​s​t​a​b​l​e​/​1​3​54189.

3. Eine not­wen­dige Klar­stel­lung macht das Inter­na­tio­nale Auto­nome Femi­nis­ti­sche Refe­rat für Frau­en­Les­ben­Trans­gen­der des AStA der Uni Bie­le­feld:

„Das AJZ ist nicht sex-​​ oder kör­per­feind­lich, aber weil es ein Schutz­raum ist, gehen sexu­elle Hand­lun­gen (dar­un­ter fällt auch schon sich aus­zie­hen), nur unter Zustim­mung aller daran Betei­lig­ten. Wäre dem Kon­zert die am Anfang beschrie­bene Ansage vor­weg gegan­gen, so wäre eine Zustim­mung des Publi­kums gege­ben gewe­sen – die Men­schen die kei­nen Bock auf nackte Män­ner haben, wären zu Hause geblie­ben oder wie­der gegan­gen. Ohne diese Ansage war ein Ein­schrei­ten unum­gäng­lich, um den Schutz­raum auf­recht zu erhal­ten.“

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14 Antworten auf „Heute gesehen (03.08.) II: Was die Welt sonst noch bewegt (in dem einen Fall) oder bewegen sollte (in dem anderen Fall)“


  1. 1 crull 03. August 2009 um 17:36 Uhr

    Gegen Deutschland, nicht „gegen und“.

  2. 2 TaP 03. August 2009 um 18:39 Uhr

    Danke für den Hinweis. Ist korrigiert.

  3. 3 earendil 04. August 2009 um 14:45 Uhr

    sexuelle Handlungen (darunter fällt auch schon sich ausziehen)

    Ach was, darunter fallen schon kurze Hosen oder Haare unbedeckt lassen!

    Die ham se doch nicht alle…

  4. 4 TaP 06. August 2009 um 11:22 Uhr

    @earendil:

    Bist Du dem link gefolgt?! Da ist die Sache doch klar erklärt:

    „Das AJZ hat den Anspruch, ein Schutzraum zu sein. Es wird hier kein rassistisches, sexistisches, homophobes oder sog. behindertenfeindliches Verhalten geduldet.
    Schutzraum heißt in puncto Antisexismus auch, dass hier Personen, die sexualisierte Gewalt und/oder sexuelle Grenzverletzung erfahren haben, hinkommen können ohne Gefahr zu laufen, durch Verhalten, Sprüche, Bilder etc. an ihre Erfahrungen erinnert zu werden — dabei spricht mensch auch von ‚triggern‘.
    Eines der Dinge, die triggern können, ist z.B. die Zurschaustellung männl. Sexualität und sexuelle Handlungen (unabhängig welcher sexuellen Orientierung).“

    Und auch abgesehen von Mißbrauchs- oder Vergewaltigungserfahrungen: Ich will nicht, wenn ich bspw. im Café sitze, daß andere Leute anfangen sich dort auszuziehen.
    Und entsprechend kann ich auch verstehen, wenn andere Leute nicht unangekündigt damit konfrontiert werden wollen, daß ein Punk-Konzert eine strip-Veranstaltung wird.

    S. zu einem ähnlich Vorfall beim Anarchistischen Kongreß in Berlin im April 2009:

    Anarchistische Pleite
    http://reflexion.blogsport.de/?p=23

    Historischer Tiefpunkt des dt. Anarchismus
    http://de.indymedia.org/2009/04/247021.shtml?

  5. 5 earendil 06. August 2009 um 18:07 Uhr

    Ja, genau an die Sache auf dem Anarchismuskongress und die Diskussionen drumrum musste ich auch denken. Ich finde das ganze Konzept von Schutzräumen als triggerfreie Zonen beknackt. Die Antwort auf Traumatisierungen kann doch nicht sein, alles, was als Trigger wirken kann, zu verbannen! Das können schließlich alle möglichen Sachen sein. Wenn jemand bspw. durch Kussszenen getriggert wird, sollten dann küssende Pärchen verboten werden? Sollen die Straßenjungs tabu sein, weil die Texte mögliche Trigger enthalten? Konsequent betrieben landet man dann schnell in einer Athmosphäre, in der alles, was mit Sexualität zusammenhängt (manchmal auch nur gefühlt, s. Nacktheit), tabuisiert ist, da alles als Trigger fungieren kann.

    Und wenn du nicht willst, dass sich andere Leute in dem Café ausziehen, in dem du sitzt, hat das für mich genauso viel Relevanz wie wenn sich andere daran stören, dass sich dort zwei Männer oder Frauen küssen.

  6. 6 bigmouth 06. August 2009 um 20:36 Uhr

    „Die Antwort auf Traumatisierungen kann doch nicht sein, alles, was als Trigger wirken kann, zu verbannen!“

    deine antwort lautet also, traumatisierte menschen aus der öffentlichkeit zu verbannen, wenn die sich nicht selbst schaden wollen. läuft auf ein „stellt euch nicht so an“ raus, und vergewaltigungsopfer werden en passant gleich gesetzt mit prüden religiösen dödeln

    es wurde nicht gefordert, solche konzerte im ajz zu verbieten, sondern sie vorher korrekt anzukündigen. daran ist nun nichts falsch

  7. 7 TaP 06. August 2009 um 23:09 Uhr

    @ earendil – 06. August 2009 um 18:07 Uhr

    „Wenn jemand bspw. durch Kussszenen getriggert wird, sollten dann küssende Pärchen verboten werden?“

    Soweit würde ich nicht gehen; aber es geht m.E. darum, ein gewisses Maß an Erwartungssicherheit zu schaffen. Wer/welche auf die Straße geht oder sich einen Kino-Film ansieht, muß damit rechnen, Kuß-Szenen zu sehen.
    Wer/welche in ein Schwimmbad geht und keine Einzelkabine benutzt, wird nackte Menschen sehen.
    Wer/welche zu einem Konzert geht, muß nicht damit rechnen, nackte Menschen zu sehen. Wie bigmouth schon richtig sagte: Es geht nicht darum, solche Konzerte zu verbieten, sondern vorher anzukündigen, was passiert.

    „Und wenn du nicht willst, dass sich andere Leute in dem Café ausziehen, in dem du sitzt, hat das für mich genauso viel Relevanz wie wenn sich andere daran stören, dass sich dort zwei Männer oder Frauen küssen.“

    Klar, letztlich liegt das in einer kapitalistischen Gesellschaft in der Privatauotonomie des/r jeweiligen Café-BetreiberInnen, ob sie das von ihren Gästen dulden (oder nicht) bzw. selbst betreiben (oder nicht) – und ich kann wegbleiben, wenn’s mir nicht, paßt.
    In den vorliegenden Fällen (AJZ, Anarcho/a-Kongreß) geht es aber um politische Projekte.

  8. 8 earendil 06. August 2009 um 23:41 Uhr

    Hm, kommt mir grade ziemlich dumm vor, was ich geschrieben hab… Muss ich mal ne Nacht drüber schlafen.

  9. 9 skp 07. August 2009 um 5:41 Uhr

    die Menschen die
    keinen Bock auf nackte Männer haben,

    mit frauen wär das anders gewesen was?

  10. 10 TaP 07. August 2009 um 8:07 Uhr

    @ skp – 07. August 2009 um 5:41 Uhr

    Das FemRef schrieb:

    „Wäre dem Konzert die am Anfang beschriebene Ansage vorweg gegangen, so wäre eine Zustimmung des Publikums gegeben gewesen – die Menschen die keinen Bock auf nackte Männer haben, wären zu Hause geblieben oder wieder gegangen.“

    a) Da sich bei dem Konzert tatsächlich ausschließlich Männer auszogen, war das die einzige korrekte Formulierung in diesem Kontext: Wäre das Konzert zutreffend angekündigt worden, so wären ‚Menschen die keinen Bock auf nackte FRAUEN haben, NICHT zu Hause geblieben oder wieder gegangen‘, weil sie nicht mit nackten Frauen hätten rechnen müssen.

    b) Da Männergewalt gegen Frauen und Männergewalt gegen Männer typische Phänomene einer patriarchalen Gesellschaft sind, während Frauengewalt gegen Männer und FrauenLesbengewalt gegen FrauenLesben eine zwar nicht inexistente aber marginale Erscheinung sind, die die Struktur der Gesellschaft nicht in gleicher Weise prägt, wäre auch eine komplette Umformulierung des zitierten Zitates, um dann gleichmacherisch „nackte Männer und Frauen“ schreiben zu können, untunlich.

    c) Da der konkrete Anlaß des Text nackte Männer waren, bestand auch kein Anlaß im vorliegenden Fall eine umfassende Analyse vorzulegen, die sich nicht pauschal in einem Satz, sondern differenziert in einer längeren Passage mit Ähnlichkeiten und Unterschieden von Männer- und FrauenLesbengewalt beschäftigt.

  11. 11 earendil 07. August 2009 um 9:15 Uhr

    Tja, ist auch nach der Nacht nicht anders geworden. Hab das wohl oberflächlich und aus der falschen Perspektive gelesen und in den falschen Hals bekommen. Gegen „ein gewisses Maß an Erwartungssicherheit“ ist ja tatsächlich nichts einzuwenden, und um mehr ging’s hier nicht. Ein paar ungute Gefühle bei dem Themenkomplex bleiben zwar bestehen, aber im konkreten Fall war die Reaktion falsch, und ihr (DGSch + Bigmouth) habt einfach recht.

  12. 12 bigmouth 07. August 2009 um 14:19 Uhr

    eine einsicht in einer blogsport-kommentar-spalte. ich trage den tag besser im kalender ein

    übrigens: ob das angemessen war, die leute dazu zu bringen, sich wieder anzuziehen, statt einfach rauszugehen, weiss ich auch nicht. eher nicht

  13. 13 laylah 10. Oktober 2009 um 20:36 Uhr

    ich find das thema schwierig. die beiden hier erwähnten fälle – anarchismuskongress und ajz bielefeld – kannte ich und teile eure position dazu. aber was jetzt in so genannten „freiräumen“* klargeht und was nicht, wüsst ich schon gern genauer. die üblichen ansagen – keine sexistischen anmachen, bla – kenn ich ja. aber diese trigger-sache ist mir neu. und da find ich auch earendils frage angebracht: küssen ist also in ordnung? was auch noch, was nicht mehr? gibt es dazu texte?

    *hab ich eh nie so erlebt; im gegenteil.

  14. 14 TaP 10. Oktober 2009 um 21:52 Uhr

    Zu triggern (trigger urspr. = Abzug [einer Waffe], Auslöser [eines Fotoapparates]; hier also anscheinend Auslöser einer Retraumtatisierung od. so ähnlich) weiß ich leider auch nicht mehr.
    Im vorliegenden Kontext scheint mir das soweit plausibel.
    Und zu Küssen: Wie schon geschrieben (06.08; 23:09 h) – mir scheint, es kann nur um Erwarungssicherheit gehen. Küsse sind halt überall zu erwarten. (Aber weiß nicht, vielleicht gibt’s auch Argumente, die ich noch nicht kenne und die mich von einer rigideren Position überzeugen könnten).

    Und, ja, daß der autonome Freiraum-Begriff ein ziemlich dekonstruktions-bedürftiger Mythos ist, sehe ich auch so. Ich würde nüchterner sagen, in politischen Räumen können halt politische Verhaltensstandards festgelegt (und wenn’s gut läuft, auch durchgesetzt) werden, die anders wo nicht gelten.

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