Archiv für August 2009

Luftblase und/oder Aal?

- „Gegen­stand­punkt“ de-​​constructed -

Zugleich Anmer­kun­gen zum Ver­hält­nis von Recht, Moral und Poli­tik, von Faschis­men und bür­ger­li­cher Demo­kra­tie sowie zum Wert (= Nut­zen, bevor es neue Moral-​​Mißverständnisse gibt) demo­kra­ti­scher For­men

In Reak­tion auf mei­nen Text 2 × 4 begrifflich-​​logische Vor­schläge, um nicht an ein­an­der vor­bei­zu­re­den warf mir die Anti­de­mo­kra­ti­sche Aktion (Abschnitt II.) vor, ‚mora­lisch’ zu argu­men­tie­ren. Da ich mei­nen Text nicht im gerings­ten als „mora­lisch“ emp­fand (viel­mehr ging es um Begriffs­klä­run­gen), und da ich auch ansons­ten keinE Anhän­ge­rIn des Mora­lis­mus bin (s. bspw. hier und hier), fragte ich nach, was denn wohl im vor­lie­gen­den Fall mit „mora­lisch“ gemeint sei. Statt eine Ant­wort auf die Frage, bekam ich den Hin­weis, daß Defi­ni­tio­nen eh ‚böse‘ seien, ins Lager der Fein­dIn­nen gehö­ren („bür­ger­li­che Wis­sen­schaft“) (+ div. Kom­men­tare).
Nun ja. Mitt­ler­weile ist die Dis­kus­sion bei poli­ti­sche­ren The­men ange­kom­men. Porada ninfu, der/​die der Anti­de­mo­kra­ti­schen Aktion bei­sprang, ver­tritt fol­gende Posi­tio­nen
a) Er/​sie kri­ti­siert, daß ich „der Demo­kra­tie im fik­ti­ven Not­fall die Stange hal­ten“ will (porada ninfu – 27. August 2009 um 13:34 Uhr, 2. Abs.).
b) „Für Antifa-​​Arbeit bin ich zum Bei­spiel gar nicht, weil Nazi­grüpp­chen mir nicht das Leben schwer machen. Das sind der Kapi­ta­lis­mus und die Demo­kra­tie.“ (porada ninfu – 27. August 2009 um 13:34 Uhr, 3. Abs.)
Außer­dem brachte er die fol­gen­den ‚Moral-​​Theorie‘ in die Dis­kus­sion ein:

„Alle wol­len das Eigen­tum und damit sie ihrem Inter­esse als Eigen­tü­mer nach­ge­hen kön­nen, brau­chen sie einen Staat der sie gegen­sei­tig auf den Aus­schluss vom Reich­tum ver­pflich­tet. Weil sie den Staat als Gewalt­sub­jekt ihres Gemein­in­ter­es­ses wol­len, gibt es Moral über­haupt nur.“

Bei die­sem Stand der Debatte schrieb ich fol­gen­den Text A. als Zwi­schen­re­sü­mee. Danach gab es noch meh­rere Ant­wor­ten der Anti­de­mo­kra­ti­schen Aktion und von porada ninfu. Auch wei­tere Leute schal­te­ten sich in die Debatte ein. Dann schrieb ich als Ant­wort mei­nen anschlie­ßen­den Text B. Außer­dem hatte die Anti­de­mo­kra­ti­sche Aktion (FN 1) noch einen Text über einen Vor­trag von Peter Decker (vom „Gegen­stand“) zur Lek­türe emp­foh­len. Auf die­sen ant­wor­tet mein unten­ste­hen­der Text C.

TEXT A.:
ZWI­SCHEN­RE­SÜ­MEE
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Wissenschaft – Ethik – Politik


- aus Anlaß der Dis­kus­sion über Inter­se­xua­li­tät und die angeb­li­che aus­schließ­li­che Exis­tenz zweier Geschlech­ter -
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Gibt es AUSSCHLIESSLICH zwei Geschlechter?

Der fol­gende Bei­trag erschien zuerst am 24. August als Kom­men­tar bei der Mäd­chen­mann­schaft. Für die hie­sige Ver­öf­fent­li­chung wurde er noch ein­mal Kor­rek­tur gele­sen; die Zwi­schen­über­schrif­ten sind neu ein­ge­fügt. Die dor­tige Dis­kus­sion ist noch am Lau­fen, kam aber etwas aber etwas vom Thema ab, da Quatsch mit Soße auf das zen­trale Argu­ment nicht ant­wor­tete, son­dern in eine Wesens-​​ und Prin­zi­pi­en­phi­lo­so­phie flüch­tete, was dann wie­derum unter metho­do­lo­gi­schen Gesichts­punk­ten kri­ti­siert wer­den mußte (1, 2). Das zen­trale Argu­ment gegen die Behaup­tung es gäbe aus­schließ­lich zwei Geschlech­ter läßt sich wie folgt refor­mu­lie­ren:
1. Es ist unum­strit­ten, daß das Geschlecht nicht anhand eines ein­zi­ges Kri­te­ri­ums fest­ge­stellt wer­den kann. Viel­mehr wer­den sowohl die Chro­mo­so­men­sätze als auch die sog. pri­mä­ren Geschechts­or­gane (das sind die äuße­ren und inne­ren Geschlechts­or­gane und deren Anhang­drüse) her­an­ge­zo­gen.
2. Nun müs­sen aber weder die Geschlechts­merk­male homo­log (i.S. der vor­ge­stell­ten Zwei­ge­schlecht­lich­keit) auf­tre­ten noch müs­sen diese ihrer­seits zu dem jewei­li­gen Chro­mo­so­men­satz homo­log sein.
3. Das heißt: Es gibt zwar die bei­den tyischen Fälle xx-​​Chromosomen + Kli­to­ris (Frauen) sowie xy-​​Chromosomen + Penis (Män­ner), aber es gibt auch die umge­kehr­ten Kom­bi­na­tio­nen und unter Berück­sich­tung der wei­te­ren sog. „pri­mä­ren Geschlechts­merk­male“ wei­tere Vari­an­ten. Und unter Berück­sich­ti­gung der Hor­mon­pro­duk­tion und deren Wirk­sam­keit wird es noch kom­pli­ziert.
4. Das wie­derum heißt nun: Es gibt mehr als zwei Merk­mals­kom­bi­na­tio­nen und das heißt: mehr als zwei Geschlech­ter. Denn „Geschlecht“ ist nicht irgend­eine durch die Natur­phi­lo­so­phie geis­ternde Wesen­heit, son­dern die jewei­lige Merk­mals­kom­bi­na­tion.
Mehr als zwei Merk­mals­kom­bi­na­tio­nen = mehr als zwei Geschlech­ter. Das ist der ent­schei­dende Punkt. Oder in den Wor­ten mei­nes Bei­tra­ges unter http://​maed​chen​mann​schaft​.net/​s​p​o​r​t​l​e​r​-​s​p​o​r​t​l​e​r​i​n​/​#​c​o​m​m​e​n​t​-​17736: (mehr…)

radikal-Interview mit der militanten gruppe zu „organisierung des revolutionären widerstandes“ (Teil IV der Rezension zu radikal Nr. 161)

Fort­set­zung der Rezensions-​​Reihe vom 07.08., 09.08. und 10.08.

Das Inter­view mit der mili­tan­ten gruppe (mg) (S. 28 – 54) macht fast die Hälfte des aktu­el­len radi­kal-Hef­tes (60 Sei­ten + Tarn­um­schlag) aus. Es ist ein unge­wöhn­li­ches Inter­view: Es besteht aus 14 Fra­gen und den jewei­li­gen Ant­wor­ten – also im Durch­schnitt fast zwei Druck­sei­ten Ant­wort pro Frage, wobei sich ten­den­zi­ell sagen läßt, daß die Ant­wor­ten auf die ers­ten Fra­gen kür­zer und die spä­te­ren Ant­wor­ten län­ger aus­fal­len.
Inhalt­lich und for­mell las­sen sich drei – unter­schied­lich lange – Teile unter­schei­den: Der erste Teil beschäf­tigt sich mit dem inne­ren Grup­pen­zu­stand der mg (soweit dies für den vor dem Ber­li­ner Kam­mer­ge­richt statt­fin­den­den Pro­zeß gegen ver­meint­li­che mg-Mit­glie­der rele­vant ist, wurde dar­auf bereits in Teil II die­ser Rezen­si­ons­reihe ein­ge­gan­gen). Die Teile 2 und 3 des Inter­views befas­sen sich mit wei­ter­füh­ren­den stra­te­gi­schen Fra­gen, wobei die ers­ten Fra­gen von der mili­tan­ten gruppe ziem­lich klar beant­wor­tet wer­den, wäh­rend spä­te­ren Fra­gen eher über Lek­tü­re­er­fah­run­gen berich­ten, denen die Schluß­fol­ge­run­gen noch weit­ge­hend feh­len. Mir scheint, das Inter­view hätte an Les­bar­keit gewon­nen, wenn sich die mg dort deut­lich kür­zer gefaßt und auf noch zu schrei­bende Papiere ver­wie­sen hät­ten. (mehr…)

Wissenschaftspluralismus?!

Die Anti­de­mo­kra­ti­sche Aktion schreibt:


http://​greschka​.blog​sport​.de/​2​0​0​9​/​0​8​/​1​7​/​t​h​e​o​r​i​e​-​a​l​s​-​p​r​a​x​i​s​-​s​c​h​l​a​e​g​t​-​z​u​r​u​e​c​k​/​#​c​o​m​m​e​n​t​-2805

„der Quark mit den Begriffs­de­fi­ni­tio­nen, also der gewoll­ten Ver­mi­schung von will­kür­li­cher Benen­nung und sach­li­cher Bestim­mung, folgt aus des­sen wis­sen­schafts­plu­ra­lis­ti­schem Geiste. Wenn ohne­hin alles nur die sub­jek­tive Spin­ne­rei eines ‚Ansat­zes‘ ist, für den aber als Ansatz Aner­ken­nung, Berück­sich­ti­gung und Res­sour­cen ein­ge­for­dert wer­den, dann ist dem die Logik der Begriffs­de­fi­ni­tion‘ schon imma­nent.“

(Daß die „Ver­mi­schung“ viel­mehr auf Sei­ten der Anti­de­mo­kra­ti­schen Aktion liegt, hatte ich schon an ande­rer Stelle1 aus­ge­führt: Es ist die Anti­de­mo­kra­ti­sche Aktion, die die Kon­ti­genz von Wortbedeutungen/​Definitionen mit einer rela­ti­vis­ti­schen oder sub­jek­ti­vis­ti­schen Nega­tion der Objek­ti­vi­tät von Erkennt­nis­sen ver­mengt. Tat­säch­lich ver­hält es sich aber genau umge­kehrt: Erst auf der Grund­lage defi­nier­ter Wort­be­deu­tun­gen läßt sich ent­schie­den, ob eine Aus­sa­gen zutref­fend oder irr­tüm­lich oder z.Z. weder zu bewei­sen noch zu wider­le­gen ist.
Ich dis­ku­tiere daher im fol­gen­den nur das Pro­blem des „wis­sen­schafts­plu­ra­lis­ti­schem Geiste[s]“ und der „subjektive[n] Spin­ne­rei“.
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Heute gesehen (23.8.)

1.a) daß eif­rig über Tests zur Geschlechts­be­stim­mung von Sport­le­rIn­nen dis­ku­tiert wird – bei

-- Eman­zi­pa­tion oder Bar­ba­rei

-- Das Ende des Sex: Bio­lo­gi­sches Geschlecht ist gemacht

-- Kopf und Herz

-- der Mäd­chen­mann­schaft. Dort sei ins­be­son­dere auf den Kom­men­tar von Kopf und Herz hin­ge­wie­sen:

„es ist doch schlicht so, dass es keine zwei geschlech­ter gibt, da es unklar ist, an was man/​frau geschlecht fest machen soll. d.h. selbst biologisch/​medizinisch ist das nicht klar, ganz zu schwie­gen von sozia­len prak­ti­ken (drag, plas­ti­sche chir­ur­gie etc.)… geschlecht ist gemacht und es müsste eigent­lich das recht auf selbst­be­stim­mung gel­ten. […] das geni­tal macht aktu­ell wohl auch nicht das geschlecht aus, was der fall der leicht­ath­le­tin zeigt. […]. also sollte man geschlecht end­lich als kon­ti­nuum begrei­fen, dann bräuchte man auch sol­che tests nicht … in denen letzt­lich auf grund einer viel­zahl von fak­to­ren (die medi­zin ist hier wei­ter als der all­ge­meine men­schen­ver­stand), […].“

Daraf ant­wor­tet Quatsch mit Soße:

„zwei geschlech­ter gibt es laut aktu­el­lem erkennt­nis­stand schon seit 565 mio. jah­ren. sie sind ein uni­ver­sel­les und bewähr­tes prin­zip der bio­lo­gie. in den meis­ten fäl­len haben men­schen keine pro­bleme, män­ner und frauen zu unter­schei­den. das funk­tio­niert auch, wenn man nur ein gesicht sieht, ohne make up und mit neu­tra­ler fri­sur. kleine kin­der und sogar tiere kön­nen treff­si­cher zwi­schen geschlech­tern unter­schei­den. eine mensch­li­che ent­schei­dung kann, soll und muss es geben über die rol­len, die män­ner und frauen ein­neh­men möch­ten. aber davor haben sie einen bio­lo­gi­schen kör­per, der in den aller­meis­ten fäl­len ein­deu­tig einem geschlecht ange­hört.“

Das state­ment von Quatsch mit Soße ent­hält nun aller­dings einen klei­nen, aber ent­schei­den­den Wider­spruch:

„zwei geschlech­ter gibt es laut aktu­el­lem erkennt­nis­stand schon seit 565 mio. jah­ren. sie sind ein uni­ver­sel­les und bewähr­tes prin­zip der bio­lo­gie.“
vs.
Men­schen haben „einen bio­lo­gi­schen kör­per, der in den aller­meis­ten fäl­len ein­deu­tig einem geschlecht ange­hört.“

„in den aller­meis­ten fäl­len“ ist eben nicht „uni­ver­sell“ (auch im Tier­reich ist Zwei­ge­schlecht­lich­keit keine uni­ver­selle Rea­li­tät).

Also: Es gibt zwar (bio­lo­gisch ein­deu­tige) Män­ner und Frauen, aber es gibt nicht aus­schließ­lich zwei Geschlech­ter, was die von Quatsch mit Soße zuge­stan­de­nen – wenn auch zahl­mä­ßig gerin­gen – unein­deu­ti­gen Fälle zei­gen.

„Es gibt keine zufrie­den­stel­lende human­bio­lo­gi­sche Defi­ni­tion der Geschlechts­zu­ge­hö­rig­keit, die die Pos­tu­late der All­tags­theo­rien ein­lö­sen würde.“1 „Klas­si­fi­ka­ti­ons­kri­te­rien kön­nen [… näm­lich] die Geni­ta­lien zum Zeit­punkt der Geburt oder die Chro­mo­so­men sein, die im Zuge vor­ge­burt­li­cher Ana­ly­se­ver­fah­ren fest­ge­stellt wer­den; beide müs­sen nicht not­wen­di­ger­weise überein­stim­men.“2

Die­ser Rea­li­tät ist eine Zuord­nungs­pra­xis, die nur die Alter­na­tive „Mann oder Frau“ zuläßt, auf jeden Fall unan­ge­mes­sen – egal wie wenig unein­deu­tige Fälle es gibt. Auch ein Fall stellt bereits den strik­ten Bina­ris­mus in Frage. Jeder unein­deu­tige ‚Fall‘, der den­noch zu Mann oder Frau erklärt oder per Zwangs-​​OP (eindeutig[er]) gemacht wird, ist kein Fall von bio­lo­gi­scher Erkennt­nis, son­dern von sozia­ler Herr­schafts­pra­xis.

Dage­gen greift auch nicht der Ein­wand3 durch, daß es für sport­li­che Leis­tun­gen (anders als bspw. für die Benut­zung von Toi­let­ten und Umklei­de­ka­bi­nen oder – ein­ver­nehm­li­che oder gewalt­same – sexu­elle Hand­lun­gen) ohne­hin nicht auf die Geni­ta­lien, son­dern allein auf die Chro­mo­so­men ankomme. Denn wie meh­rere Kom­men­ta­to­rIn­nen bei der Mäd­chen­mann­schaft dar­ge­legt haben, garan­tie­ren auch XY-​​Chromosomen keine höhere sport­li­che Leis­tungs­fä­hig­keit:

Helga schreibt:

„Wenn Semenya eine kom­plette Andro­gen­re­sis­tenz hat, dürfte sie z.B. bei den Olym­pi­schen Spie­len star­ten. Eben weil ihr Kör­per keine männ­li­chen Hor­mone ver­ar­bei­ten kann. Sie wäre kein Mann. Und auch keine nor­male Frau. Das Y-​​Chromosom nützt bei der Andro­gen­re­sis­tenz nichts. die männ­li­chen Sexu­al­hor­mone wer­den ja nicht ver­ar­bei­tet […]. Oder wenn das Y-​​Chromsosom abge­schal­tet ist, dann wür­den nicht mal Hor­mone pro­du­ziert.“

Kasu zitiert einen Spie­gel Online-​​Artikel:

“Nor­ma­ler­weise wei­sen Frauen zwei X-​​Chromosomen in ihren Zel­len auf, Män­ner ein X-​​ und ein Y-​​Chromosom. Man­che mit einem Y-​​Chromosom gebo­re­nen Men­schen ent­wi­ckeln alle kör­per­lich cha­rak­te­ris­ti­schen Merk­male einer Frau – aus­ge­nom­men der inne­ren Sexual-​​Organe. Sie lei­den unter dem Androgen-​​Insuffizienz-​​Syndrom (AIS). Diese Frauen sind XY, aller­dings kein Mann, weil ihr Kör­per nicht auf das pro­du­zierte Tes­to­ste­ron rea­giert. Des­halb dür­fen sie auch bei den Frauen star­ten. Sie­ben der acht Frauen, die 1996 bei Olym­pia in Atlanta posi­tiv auf Y-​​Chromosomen getes­tet wur­den, hat­ten AIS und durf­ten teil­neh­men. ”

und fügt dann hinzu:

„Daher könnte es gut sein, dass Cas­ter Semenya über­haupt kein wett­kampf­recht­li­chen Kon­se­quen­zen hat, auch wenn sich her­aus­stellt, dass sie eine XY-​​Frau ist.“

Für den Bereich des Sports wäre also – im Inter­esse einer Ver­gleich­bar­keit der Leis­tun­gen (wenn denn nicht über­haupt das Kon­zept der „Leis­tung“ und der „Leis­tungs­sport“ in Frage gestellt wer­den sol­len – zwei Fra­gen die an die­ser Stelle nicht dis­ku­tiert wer­den sol­len) – statt einer Kate­go­ri­sie­rung nach „Mann oder Frau“ eine Bil­dung von Leis­tungs­fä­hig­keits­klas­sen nach Kri­te­rien, wie sie Herz und Kopf vor­ge­schla­gen hat, vor­zu­zie­hen:

für den sport gilt es also anstatt der schwam­mi­gen zuord­nung per geschlecht, genaue kri­te­rien fest­zu­le­gen, dies könn­ten sein:
- kör­per­größe
- alter
- gewicht
- lun­gen­vo­lu­men
- bmi
oder was es sonst noch für leis­tun­ges­re­le­vante kri­te­rien gibt.“

In einem Punkt hat aller­dings Quatsch mit Soße recht:

„In fra­gen der bio­lo­gi­schen und kör­per­li­chen tat­sa­chen zäh­len bio­lo­gie und kör­per.“

Dage­gen greift auch der Ein­wand von Sven nicht durch:

„Ich würde behaup­ten, dass jeg­li­che Anbin­dung an vor­dis­kur­sive ‘Tat­sa­chen’ schlicht­weg sinn­los ist; aus unse­rer Spra­che und Kul­tur kom­men wir nicht her­aus.“

aa) ent­wer­tet die­ser Eiwand nicht nur – wie beab­sich­tigt – die hege­mo­niale Behaup­tung eines Tatsachen-​​Charakters der aus­schließ­li­chen Zwei­ge­schlecht­lich­keit, son­dern genauso auch die auf die Tat­sa­che der Inter­se­xua­li­tät gestützte Kri­tik an der hege­mo­nia­len Sicht­weise,

womit sich bb) zeigt, daß ein ‚lin­gus­ti­zis­ti­schen Monis­mus‘ – gegen den sich im übri­gen auch Judith But­ler wen­det4 – nur in Sub­jek­ti­vis­mus = Will­kür enden kann.
Daß wir unsere Erkennt­nisse nur mit­tels Spra­che pro­du­zie­ren und for­mu­lie­ren kön­nen, heißt nicht, daß es die Gegen­stände unse­rer Erkennt­nisse nicht gibt.5

b) Ergän­zend sei – gegen Quatsch mit Soße:

„ich denke, du erfin­dest hier kri­te­rien für eine unhalt­bare these. dass men­schen bio­lo­gisch frauen und män­ner sind und sich als frauen und män­ner fort­pflan­zen, ist eine tat­sa­che, […]“ –

noch dar­auf hin­ge­wie­sen, daß auch das – für den Sport aller­dings nicht beson­ders rele­vante Kri­te­rium der Gebär­fä­hig­keit keine ein­deu­tige Zuord­nung aller Men­schen zu einem von aus­schließ­lich zwei Geschlech­tern erlaubt:

Auch unter dem Gesichts­punkt der Gene­ra­ti­vi­tät, läge es durch­aus nahe, mehr als zwei Haupt­grup­pen – Män­ner (angeb­lich = Nicht-​​Gebärfähige) und Frauen (angeb­lich = Gebär­fä­hige) – zu bil­den. Es läge unter dem Gesichts­punkt der Gene­ra­ti­vi­tät viel­mehr nahe, min­des­tens drei – viel­leicht auch vier, fünf, oder sechs – Haupt­grup­pen zu bil­den:
• Nie-​​Gebärfähige (dar­un­ter sol­che, die trotz­dem gebä­ren wol­len, und sol­che die ohne­hin nicht gebä­ren wol­len);
• Noch-​​Nicht-​​ und Nicht-​​Mehr-​​Gebärfähige;
• (gebär­wil­lige und gebär­un­wil­lige) Gebär­fä­hige.
Und vor allem sind wohl Kul­tu­ren denk­bar, die den Umgang mit den Fol­gen des Gebä­rens so regeln, daß die Tat­sa­che des Gebä­rens nicht mehr aus­schlag­ge­bend für die Posi­tio­nie­rung von Indi­vi­duen in der gesell­schaft­li­chen Struk­tur ist. (Das letzte Argu­ment führt durch­aus nicht zur Restau­ra­tion der Unter­schei­dung zwi­schen sex und gen­der. Denn jeden­falls das Gebä­ren ist [anders als die Gefähr­fä­hig­keit, die aber wie­derum – wie gezeigt – nicht allen Frauen gemein­sam ist!] keine Eigen­schaft (des sex Frau), son­dern eine Tätig­keit. Es bleibt also bei But­ler: Würde von der Tätig­keit des Gebä­rens bzw. Nicht-​​Gebärens – also vom doing gen­der – auf die Exis­tenz zweier sex mit unter­schied­li­chen bio­lo­gi­schen Eigen­schaf­ten geschlos­sen, so wäre dies nur ein neues Argu­ment dafür, daß sex nicht ursprüng­lich, son­dern viel­mehr ein Effekt von gen­der ist.)6

2. Pinky nimmt in FN ** zu den hie­si­gen Kom­men­ta­ren von Anti­fatzke und ♥Tek­knoatze Stel­lung; auch hier gibt es inzwi­schen wei­tere Kom­men­tare zu dem Aus­gangs­bei­trag. Ich werde bei Gele­gen­heit auch noch etwas zur Min­dest­lohn­for­de­rung schrei­ben.
3. Dage­gen ist die Anti­de­mo­kra­ti­sche Aktion in Schwei­gen ver­fal­len. Ein Zei­chen von Ein­sicht? Oder viel­mehr von argu­ment­lo­ser Bei­be­hal­tung der kri­ti­sier­ten Posi­tion?

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In den letzten Tagen gelesen

1.a) einen Nach­trag zur Rassismus-​​Diskussion anläß­lich des ‚Po-​​Plakates‘ der Grü­nen Kaarst: Die bro­thers­kee­pers beto­nen zu recht den Unter­schied zwi­schen wol­len und tun; zwi­schen sagen wol­len und tat­säch­lich sagen (vgl. auch: http://​theo​rie​als​pra​xis​.blog​sport​.de/​2​0​0​9​/​0​8​/​1​3​/​w​a​s​-​m​a​c​h​t​-​g​u​t​e​-​a​n​a​l​y​s​e​n​-aus/, Nr. 2)

„Die Krux -Ihr Denkfehler-​​ liegt in der Tat­sa­che, dass vor allem ras­sis­ti­sches Han­deln nicht zwangs­läu­fig aus dem ‚Vor­satz, ras­sis­tisch zu sein‘ resul­tiert. Ob nun beab­sich­tigt oder unbe­ab­sich­tigt – Fakt ist, dass das Pla­kat ras­sis­ti­sche und sexis­ti­sche Asso­zia­tio­nen (be)nutzt und (be)stärkt.
Vor allem Ras­sis­mus ist so tief in unse­rer Gesell­schaft ver­an­kert, dass er sich in Selbst­ver­ständ­lich­kei­ten aus­drückt und als Mecha­nis­mus idR nur von den­je­ni­gen wahr­ge­nom­men wird, die betrof­fen sind.
Ihrer Auf­fas­sung nach stellt das Pla­kat­mo­tiv selbst­ver­ständ­lich keine ras­sis­ti­sche Hand­lung dar, genauso wie Sie selbst­ver­ständ­lich nicht ras­sis­tisch sein kön­nen. Doch um Ras­sis­mus authen­tisch zu ent­lar­ven, gilt es, eige­nes (selbst­ver­ständ­li­ches) Ver­hal­ten zu hin­ter­fra­gen und zu reflek­tie­ren. Anstatt sich mit den eigent­li­chen Ursa­chen für das Initi­ie­ren solch einer Wer­bung aus­ein­an­der zu set­zen, schei­nen Sie jedoch mehr damit beschäf­tigt, Gründe auf­zu­zäh­len, warum Sie keine Ras­sis­ten sein kön­nen. Las­sen Sie sich gesagt sein: Es ist nicht so sim­ple wie es scheint, kein Ras­sist zu sein – das liegt ganz ein­fach in den gesell­schaft­li­chen Struk­tu­ren begrün­det.
Ihre Flucht in die all­täg­li­chen ‚Ich bin kein Ras­sist, weil…‘-Abwehrmechanismen, kos­tet Sie unse­res Erach­tens mehr an Glaub­wür­dig­keit und Wäh­ler­stim­men als die Pla­kat­wer­bung an sich. Sie hät­ten Ihren Faux­pas zum Anlass neh­men können/​müssen, um -ent­spre­chend Ihrer Programmatik-​​ Ras­sis­mus und Sexis­mus als weit­rei­chende und tief­ge­hende gesell­schaft­li­che Übel zu demas­kie­ren. Denn Aus­fälle wie Ihr Wahl­pla­kat sind zwar trau­rig, im Grunde aber nicht ver­wun­der­lich. Viel­mehr sind sie Aus­druck alt­ein­ge­ses­se­ner ras­sis­ti­scher und sexis­ti­scher Pra­xen und Struk­tu­ren. Die Wahr­heit: Nie­mand ist davor gefeit, in die böse Falle zu tap­pen.“

Nur gegen den Halb­satz „und als Mecha­nis­mus idR nur von den­je­ni­gen wahr­ge­nom­men wird, die betrof­fen sind.“ möchte ich leichte bis starke Vor­be­hal­ten anmel­den:
aa) Jeden­falls das „idR“ ist dop­pelt und drei­fach dick zu unter­strei­chen: Auch Nicht-​​Betroffene und sogar Prot­ago­nis­tIn­nen eines Herrschafts-​​ und/​oder Aus­beu­tungs­ver­hält­nis­ses kön­nen die­ses erken­nen – nur, daß die Prot­ago­nis­tIn­nen die­ses Herr­schafts­ver­hält­nis als „gerechte Herr­schaft“ (good gover­nance), als lei­der (noch) not­wen­dig oder sonst­wie legi­tim betrach­ten wer­den.
bb) Und umge­kehrt garan­tiert auch das Betrof­fen­sein von Herr­schaft und Aus­beu­tung nicht immer das Erken­nen der­sel­ben.
Standpunkt-​​Epistemologien sind wis­sen­schafts­theo­re­tisch nicht halt­bar und auch poli­tisch ver­hän­gis­voll, s. http://​edoc​.hu​-ber​lin​.de/​d​i​s​s​e​r​t​a​t​i​o​n​e​n​/​s​c​h​u​l​z​e​-​d​e​t​l​e​f​-​g​e​o​r​g​i​a​-​2​0​0​4​-​0​6​-​1​0​/​P​D​F​/​s​c​h​u​l​z​e.pdf, S. 48 f., 59 f. und am Bei­spiel der ‚pro­le­ta­ri­schen Bio­lo­gie‘ Lys­sen­kos: http://www.marx2mao.com/Other/Proletarian%20Science.pdf.

b) sich auch die Mäd­chen­mann­schaft mit Ras­sis­mus beschäf­tigt – vor­lie­gend einer Foto­se­rie des Models Naomi Camp­bell.
2. einen Brief von Fels (Für eine lin­ken Strö­mun­gen) in Sachen eines ‚Baugruppen‘-Projektes bzw. gen­tri­fi­ca­tion. – Auch wenn ich ansons­ten nicht immer von Fels-​​Text begeis­tert bin, ist an die­sem m.E. im Gro­ßen und Gan­zen nichts aus­zu­set­zen. Der den Brief ver­öf­fent­li­chen blog Mie­ten­stopp mon­tiert zwar:

„Auf­fäl­lig ist das große Schwei­gen zum Thema, ob ein der­ma­ßen auf­fäl­li­ges Bau­vor­ha­ben an solch ex­po­nier­ter Stel­le (Karl-​​​Kun­ger Ecke Loh­müh­len­stra­ße, so­zu­sa­gen am Kreuz­ber­ger Ein­falls­tor nach Alt-​​​Trep­tow) nicht sym­bo­lisch eine star­ke Auf­wer­tungs­kraft ent­wi­ckeln und Ei­gen­tü­mer von Nach­bar­häu­sern zu Mietstei­ge­run­gen ani­mie­ren könn­te.“

Aber: So sehr die Ein­sicht zu ver­tei­di­gen ist, daß auch das Pri­vate poli­tisch ist, so ist doch gleich­zei­tig zu unter­schei­den zwi­schen direk­tem, herr­schaft­li­chem und/​oder aus­beu­ten­den Han­deln (z.B. dem von Ver­ge­wal­ti­gern) und einem Ver­hal­ten, das erst über dazwi­schen tre­tende Markt­pro­zesse oder gar nur „sym­bo­lisch“, uner­freu­li­che Effekte erzeugt. Hin­zu­kommt, daß in Anbe­tracht des nahezu voll­stän­di­gen Feh­lens kleingruppen-​​übergreifender, demo­kra­ti­scher Ent­schei­dungs­struk­tu­ren in der Lin­ken nicht ersicht­lich ist, wel­che Instanz befugt sein sollte, Genos­sIn­nen mit einem unter­durch­schnitt­li­chen, durch­schnitt­li­chen oder auch leicht über­durch­schnitt­li­chen Ein­kom­men sank­ti­ons­be­währte Vor­schrif­ten dar­über zu machen, wie sie ihr Geld aus­ge­ben (von Extrem­fäl­len, wie der Beschäf­ti­gung von Putz­frauen zu Hun­ger­löh­nen mal abge­se­hen – aber das ist dann auch ein Fall direk­ten Han­delns).

3. daß das Audio­ar­chiv. Eman­zi­pa­to­ri­sche Inhalte zum Hören einen Vor­trag von Andrea Tru­mann zum Thema „Frau­en­frage in der Lin­ken“ ver­öf­fent­licht. Kein Kom­men­tar – da noch nicht ange­hört.
4. daß bei der Anti­de­mo­kra­ti­schen Aktion wei­ter über Begriffs­de­fi­ni­tio­nen und NS-​​Gleichsetzungen dis­ku­tiert wird (1, 2 – auch Theo­rie als Pra­xis kann nicht schwei­gen).
5. diverse Ter­min­an­kün­di­gun­gen:
b) Demo am 12. Sept. in Ber­lin „gegen Über­wa­chung“
c) Aktio­nen gegen den „1000-​​Kreuze-​​Marsch“ von christlich-​​fundamentalistischen Anti-​​Choise-​​AktivistInnen am 26.09. in Ber­lin (12:30 h, Rotes Rat­haus)
6. daß das Ein­stel­lungs­bünd­nis auf den Teil II der hie­si­gen radi­kal-Rezensions-​​Reihe (mor­gen kommt Teil IV.) hin­weist.

Wer/welche zuletzt lacht, lacht am besten – über die ‚patentierten‘ Marxisten von der Antidemokratische Aktion

- Ant­wort auf den Text „Pi mal Dau­men genau getrof­fen“ der Anti­de­mo­kra­ti­schen Aktion - (mehr…)

Pi mal Daumen – Für die Antidemokratische Aktion genug?

Zu: „Theo­rie als Pra­xis schlägt zurück“ (vom 17.08.2009)

1.

„An­wür­fe der Sorte, ich solle mal ‚Be­griffs­de­fi­ni­tio­nen‘ brin­gen, loh­nen dabei den Kon­ter nicht, denn ist oh­ne­hin of­fen­sicht­lich, was das für ein Blöd­sinn ist. Schließ­lich ist es so ziem­lich das Ge­gen­teil vom Be­grei­fen einer Sache, also sich einen Be­griff von ihr zu ma­chen,“

(mehr…)

Gelesen (17.08.)

1. daß TOP und die Inter­na­tio­na­len Kom­mu­nis­tIn­nen kri­tisch auf die Iran-​​Kundgebung am 12. August, an der sie betei­ligt waren, zurück­bli­cken – fragt sich nur, warum nicht bereits in den ursprüng­li­chen Kund­ge­bungs­auf­ruf klipp und klar
-- eine Ableh­nung eines evtl. Krie­ges gegen den Iran
und
-- eine Kri­tik des paternalistisch-​​militärischen Men­schen­rechts­ex­ports geschrie­ben wurde.
Dann hätte sich wahr­schein­lich von vorn­her­ein eine Kund­ge­bungs­teil­nahme der­je­ni­gen poli­ti­schen Kräfte, deren Agie­ren bei der Kund­ge­bung jetzt mit Miß­fal­len auf­ge­nom­men wurde, erüb­rigt. Statt des­sen wurde in dem Auf­ruf ohne klare Stel­lung­nahme über das ira­ni­sche „Atom-​​ und Rake­ten­pro­gramm“ und das angeb­li­che „poli­ti­schen Appeas­e­ment“ gegen­über dem Iran geschrie­ben. Eine Kri­tik am ira­ni­schen Atom­pro­gramm ohne unzwei­deu­ti­ger Abset­zung von einer Ver­tei­dung des beste­hen­den Atom­waf­fe­no­li­go­pols gerät aber zwangs­läu­fig in ein frag­wür­di­ges Fahr­was­ser; genauso eine pau­schale Soli­da­ri­tät mit „den Pro­tes­tie­ren­den“ im Iran – ohne auf Klassen-​​, gen­der etc.-Differenzen und unter­schied­li­che poli­ti­sche Optio­nen ein­zu­ge­hen.
2. der Bekämp­fer der ver­meint­li­chen Bekämp­fe­rIn­nen des ver­meint­lich Bösen zu dem Thema anmerkt:

„Nach­dem nun über eine halbe Woche im Inter­net über die Iran-​​Kundgebung in Ber­lin dis­ku­tiert wurde, mani­fes­tiert T.O.P. mit einer Stel­lung­nahme nur noch­ein­mal, …“

„nun über eine halbe Woche“ – gibt es eigent­lich inzwi­schen eine Stel­lung­nahme von ARAB und JANO zu dem Soli-​​Konzert am 7.8.? Oder sol­len ursprüng­li­che Ein-​​ und spä­tere Aus­la­dung von MaKss Damage dau­er­haft ohne poli­ti­scher Erklä­rung blei­ben? – Wer im Glas­haus sitzt, sollte nicht mit Stei­nen schmei­ßen.

3. die Anti­de­mo­kra­ti­sche Aktion kri­ti­siert, ohne daß das Kri­ti­sierte vor­her zur Kennt­nis zu neh­men:

„Bei TaP, dem Blog für die Ver­wurs­tung von Ge­plap­per strai­ght outta Wis­sen­schafts­be­trieb als Pra­xis, in der man sich weder von ob­jek­ti­ver Wis­sen­schaft noch von Po­li­tik ‚be­vor­mun­den‘ las­sen möch­te, also dar­auf be­harrt, die ei­ge­ne Sub­jek­ti­vi­tät un­ge­trübt von Kri­tik dar­stel­len zu kön­nen, schreibt man den glei­chen Blöd­sinn auf wis­sen­schafts­theo­re­tisch und gleich­zei­tig links­ra­di­kal, d.h. mit dop­pel­ter Jar­go­ni­tis als Ar­gu­men­ter­satz.“

Wie dar­ge­legt kann eine objek­tive Erkennt­nis die poli­ti­sche Bewer­tung des Erkann­ten nicht erset­zen oder vor­weg­neh­men. Die Zurück­wei­sung der Bevor­mung der Poli­tik durch die Wis­sen­schaf­ten tan­giert daher weder den Anspruch der Wis­sen­schaf­ten auf Objek­ti­vi­tät noch deren Objek­ti­vi­tät, soweit sie denn tat­säch­lich gege­ben ist.

„Den Ver­gleich wie De­cker im oben ver­link­ten Text ein­fach zu ma­chen, das ist eines links­ra­di­ka­len Wis­sen­schafts­hei­nis selbst­ver­ständ­lich nicht wür­dig. Statt­des­sen schlägt er sich damit herum, ob man einen sol­chen Ver­gleich ma­chen kann (man kann!) und was man dabei nicht ma­chen kann (gleich­set­zen!).“

Auch die Gleich­set­zung kann gemacht wer­den, nur ist sie (wis­sen­schaft­lich) unzu­tref­fend und (poli­tisch) falsch.

„wes­halb es Quatsch ist, das Re­sul­tat Nich­ti­den­ti­tät als me­tho­di­sche Vor­schrift vor­weg­zu­neh­men.“

‚Vor­weg­nahme‘?! – nach sound­so­viel Jahre For­schung zum Natio­nal­so­zia­lis­mus?

„Womit dann der Moral von der Ge­schich­te der Boden be­rei­tet ist“

Argu­ment? Begriffs-​​Definition? – Ist nach Ansicht der Anti­de­mo­kra­ti­schen Aktion jede poli­ti­sche Bewer­tung des Exis­tie­ren­den oder ehe­mals Exis­tie­ren­den oder poli­ti­scher Ziel­set­zun­gen per se mora­lisch und daher zu unter­las­sen? Ver­folgt die Anti­de­mo­kra­ti­sche Aktion poli­ti­sche Ziele? Drückt „Aktion“ im blog-​​Namen poli­ti­sches Han­deln und „anti­de­mo­kra­tisch“ eine Ziel­be­schrei­bung aus? Und falls ja, wie begrün­det sie ihre Ziel­set­zun­gen? Falls nein, wel­chen Sta­tus haben die Bestand­teile des blog-​​Namens dann statt desen?

„Und schon ist auch der ra­di­ka­len Lin­ken als Dienst­an­wei­sung für gutes ra­di­ka­les Links­sein die Na­tio­nal­moral vom guten de­mo­kra­ti­schen Na­tio­na­lis­mus vs. den schlech­ten (neo-)na­tio­nal­so­zia­lis­ti­schen mal wie­der ins Stamm­buch ge­schrie­ben“

Daß auch das klei­nere Übel ein Übel ist, ändert nichts daran, daß sich Unter­schiede zwi­schen ver­schie­de­nen Übel fest­stel­len und sich diese auch quan­ti­ta­tiv und qua­li­ta­tiv auf den Begriff den Begriff brin­gen las­sen.

Bitte Lenins Linksradikalismus-​​Kritik lesen, dabei und anschlie­ßend den­ken und nächs­tes Mal etwas Durch­dach­tes schrei­ben.

Heute gesehen (16.8.)

1. einen neuen blog: für einen Antirepressions-​​Kongreß 2010; mit einer prä­zi­sen „dead­line for sub­mis­sion“ von Vor­schlä­gen für Kongreß-​​Beiträge: „Octo­ber 9th, 2009 Mid­night (23:59) UTC“. – Das stimmt mich ja hoff­nungs­voll für die Zukunft des Leni­nis­mus; werde jeden­falls einen Vor­schlag ein­rei­chen, falls noch etwas genaue­res zur Fra­ge­stel­lung des Kon­gres­ses ver­öf­fent­licht wird.
3. Die Doku­men­ta­tion einer Ana­lyse eines Arbeits­kampf in der Ukraine durch die Gruppe Inter­na­tio­na­ler Sozia­lis­tIn­nen:

„Was ist der grund­le­gende Unter­schied zwi­schen der For­de­rung nach Ver­staat­li­chung auf der einen Seite und dem Kampf für kon­krete mate­ri­elle For­de­run­gen auf der ande­ren? Die For­de­rung nach Ver­staat­li­chung, d.h. der Über­füh­rung des Unter­neh­mens in Staats­ei­gen­tums (bzw. des bür­ger­li­chen Staa­tes da es kei­nen ande­ren gibt) impli­ziert den Kampf für eine alter­na­tive kapi­ta­lis­ti­sche Stra­te­gie, […].
Wenn wir die Chance gehabt hät­ten am Kampf teil­zu­neh­men hät­ten wir fol­gen­des vor­ge­schla­gen:
• Über­nahme der Fabrik unter der Auto­ri­tät einer Arbei­ter­ver­samm­lung.
• Rück­füh­ren der aus­ge­la­ger­ten Gerät­schaf­ten (hier müs­sen wir anmer­ken, dass in der Fabrik 1500 Arbei­ter beschäf­tigt sind. Zusam­men mit ihren Fami­lien und Freun­den war das eine bedeu­tende Kraft, die ange­sichts der drei­fa­chen Krise in der Ukraine gute Chan­cen hatte ihre For­de­run­gen gegen­über den Behör­den durch­zu­set­zen).
• Die For­de­rung nach sofor­ti­ger Aus­zah­lung der aus­ste­hen­den Löhne.
• Agi­ta­tion für Betriebs­be­set­zun­gen durch Arbei­ter­kol­lek­tive in ande­ren Städ­ten und ande­ren Unter­neh­men in Cher­son und der Ukraine.
• Ver­such der Schaf­fung eines Arbei­ter­ra­tes in Cher­son.“

4. Die Fort­set­zung der Dis­kus­sion beim Mäd­chen­blog über das ras­sis­ti­sche Grüne Wahl­pla­kat in Kaarst.
5. das aller­neuste ‚Argu­ment‘ von Ein­tags­fliege:

„Ein letz­tes mal zu dir, Det­lef, ich schalte deine Track­backs nicht frei, weil ich kein Inter­esse an der Aus­ein­an­der­set­zung mit Polit­clowns wie dir habe. Weil bei dir Poli­tik und Brot­job zusam­men­ge­hö­ren, kann ich mir auch nicht vor­stel­len, wie eine Aus­ein­an­der­set­zung zwi­schen uns über­haupt frucht­bar sein sollte. Du musst ja schon aus ernährungs-​​technischen Grün­den auf dei­nem Stand­punkt behar­ren, warum sollte ich da argu­men­tie­ren.
Btw.: Du ver­höhnst den gan­zen Tag die Opfer des Holo­caust ohne es zu wis­sen. Da sieht man mal wie mäch­tig Spra­che ist.“

Noch einmal: Grüner Rassismus

Im Nach­gang zum hie­si­gen Bei­trag von vor­ges­tern (Nr. 2) habe ich mich heute an der Dis­kus­sion beim Mäd­chen­blog über die Grü­nen Wahl­pla­kate in Kaarst betei­ligt.

Erst schickte ich den fol­gen­den Kom­men­tar, dann ant­wor­tete apos­tel drei­mal und schließ­lich ich noch zwei­mal, apos­tel drei wei­tenre Male und ich noch ein­mal: (mehr…)

Heute gelesen (14.8.)

1. daß lysis auf wei­tere Ter­mine der Buch­vor­stel­lung „Homo­pho­ber Mos­lem, tole­ran­ter Wes­ten?“ hin­weist (17. und 20. Aug., 26. Okt. – in Han­no­ver, Erfurt und Göt­tin­gen; wei­tere Ver­an­stal­tun­gen sind geplant).

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2. Nor­mal­zu­stand Rot eine Blüte der Reich­tums­ana­lyse (Freude am Haus­tier = 78.640 Pfund) de-​​konstruiert.
3. Ein­tags­fliege anschei­nend die Track­backs auf­grund mei­ner Anmer­kun­gen vom 11.8. (Nr. 7) und 12.8. (Nr. 1) gelöscht hat. – Ein­tags­flie­ges Argu­mente wer­den immer bes­ser.
4. es bei der Mäd­chen­mann­schaft
a) eine Serie WWW Girls, in der blog­ge­rin­nen und ihre blogs vor­ge­stellt wer­den, heute Flo­ras blog,
und
b) eine Rezensions-​​Reihe Femi­nis­ti­sche Biblio­thek, wo ges­tern das im Wagen­bach Ver­lag erschie­nene Buch die Vulva vor­ge­stellt wurde,
gibt.

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5. Eman­zi­pa­tion oder Bar­ba­rei Baha­mas‘ Gewerk­schafts­feind­lich­keit vor­führt. Ergän­zend sei ange­merkt, daß Sätze wie die­ser Bahams-​​Satz

„Heute ist näm­lich der segre­gie­rende Cha­rak­ter der Kri­sen­prä­ven­tion im Racket-​​Staat so deut­lich wie nicht mehr seit 1945 zu sehen: Durch den Aus­schluss derer, die nicht recht­zei­tig oder durch den Ver­zicht auf ihre Jugend und quä­lende Job-​​Castings (Prak­tika) in die Brutto-​​ (nicht: Netto!) Hochlohn-​​Maschinerie hin­ein­ge­kom­men sind.“

nicht nur als (neo)liberal zu ver­bu­chen sind, son­dern genauso gut auch mit einer links­ra­di­ka­len – im Namen eines aus der Arbei­te­rIn­nen­klasse hin­aus­de­fi­nier­ten ‚Pre­ka­ri­ats‘ o.ä. vor­ge­brach­ten – Gewerk­schafts­kri­tik kon­ver­gie­ren.

6. nicht nur die Grü­nen ras­sis­ti­sche Wahl­pla­kate kle­ben (siehe hier [Nr. 2] und hier), son­dern auch die CDU Thü­rin­gen dem ras­sis­ti­schen Druck der dor­ti­gen NPD nach­zu­ge­ben scheint. Jeden­falls erscheint der schwarze CDU-​​Integrationsbeauftragte auf dem neuen, ansons­ten kaum ver­än­der­ten CDU-​​Plakat nicht mehr: siehe Thü­rin­ger Blog­zen­trale – bemerkt Dank: Thü­rin­gen­wahl; siehe nun­mehr aber das update der Blog­zen­trale. Unklar bleibt in wel­chem Ver­hält­nis das anschei­nend neue (hoch­for­ma­tige) Bild­pla­kat und das neue hoch­for­ma­tige Text­pla­kat ste­hen, die anschei­nend beide das quer­for­ma­tige Bild­pla­kat mit dem Inte­gra­ti­ons­be­auf­trag­ten ablö­sen.

Konsequenzen ohne Einsicht

Was macht gute Analysen aus?

Fol­gende Zita­te­samm­lung hatte ich am 17.8. – quasi als Drein­gabe zu mei­nem Text Linke Kapi­ta­lis­mus­kri­tik muss tref­fen­der wer­den – bei links­ak­tiv gepos­ted und rief dort 26 Kom­men­tare her­vor. Da die Zita­te­samm­lung viel­leicht auch im Kon­text der Kon­tro­verse zwi­schen ‚Anti­deut­schen‘ und ‚Anti-​​Antideutschen‘ bzw. ‚Anti­im­pe­ria­lis­tIn­nen‘ und ‚Anti-​​AntiimperialistInnen‘ von Inter­esse ist, sei sie auch hier noch mal ver­öf­fent­licht.

1. Nicht mora­li­sche Fehl­hal­tung von Per­so­nen denun­zie­ren, son­dern gesell­schaft­li­che Ver­hält­nisse ana­ly­sie­ren

Die Gestal­ten von Kapi­ta­list und Grund­ei­gen­tü­mer zeichne ich kei­nes­wegs in rosi­gem Licht. Aber es han­delt sich hier um die Per­so­nen nur, soweit sie die Per­so­ni­fi­ka­tion ökono­mi­scher Kate­go­rien sind, Trä­ger von bestimm­ten Klas­sen­ver­hält­nis­sen und Inter­es­sen. Weni­ger als jeder andere kann mein Stand­punkt, […], den ein­zel­nen ver­ant­wort­lich machen für Ver­hält­nisse, deren Geschöpf er sozial bleibt, sosehr er sich auch sub­jek­tiv über sie erhe­ben mag.
[Marx: Das Kapi­tal, S. 9. Digi­tale Biblio­thek Band 11: Marx/​Engels, S. 3323 (vgl. MEW Bd. 23, S. 16)]

meine ana­ly­ti­sche Methode, die nicht von dem Men­schen, son­dern der ökono­misch gegeb­nen Gesell­schafts­pe­riode aus­geht,“ (Marx)

2. Nicht über Absich­ten spe­ku­lie­ren, son­dern Hand­lun­gen ana­ly­sie­ren

„Wol­len wir Turati, dem Refor­mis­ten, Turati, dem Anhän­ger Kau­tskys, glau­ben, daß es nicht seine Absicht war, den Krieg zu recht­fer­ti­gen. Wer wüßte aber nicht es in der Poli­tik nicht auf Absich­ten ankommt, son­dern auf Taten? nicht auf fromme Wün­sche, son­dern auf Tat­sa­chen? nicht auf das, was man sich ein­bil­det, son­dern auf das, was wirk­lich ist?“ (LW 23, 187; engl. [1])

Wäh­rend im gewöhn­li­chen Leben jeder Shop­kee­per sehr wohl zwi­schen Dem zu unter­schei­den weiß, was Jemand zu sein vor­gibt, und dem, was er wirk­lich ist, so ist unsre Geschicht­schrei­bung noch nicht zu die­ser tri­via­len Erkennt­nis gekom­men. Sie glaubt jeder Epo­che aufs Wort, was sie von sich selbst sagt und sich ein­bil­det.“ (Marx/​Engels)

3. Der eige­nen Über­zeu­gung wider­spre­chende Auf­fas­sun­gen nicht wegen ver­meint­lich dahin­ter­ste­hen­der Absich­ten und Zwe­cke denun­zie­ren, son­dern sie in der Sache wider­le­gen

„Einen Men­schen aber, der die Wis­sen­schaft einem nicht aus ihr selbst (wie irrt­hüm­lich sie immer sein mag), son­dern von aus­sen, ihr frem­den, äusser­li­chen Inter­esse ent­lehn­ten Stand­punkt zu acco­mo­die­ren sucht, nenne ich ‚gemein‘“ (Marx, Theo­rien über den Mehr­wert, MEW, Bd. 26.2, S. 112 zit. n. [2])

4. Nicht Glau­bens­sätze ver­brei­ten, son­dern Beweise lie­fern

„Der Arti­kel von G[eorg] L[ukács] ist ein sehr radi­ka­ler und sehr schlech­ter Arti­kel. […]. Es fehlt die kon­krete Ana­lyse ganz bestimm­ter his­to­ri­scher Situa­tio­nen.“ (LW 31, 153)

„the most essen­tial thing in Mar­xism, the living soul of Mar­xism, [is] the con­crete ana­ly­sis of con­crete con­di­ti­ons“ (zit n. [3], dt. wie vor­ste­hend S. 154 [?]).

„Viele Genos­sen reden den ganz Tag lang mit geschlos­se­nen Augen ins Blaue hin­ein. Für einen Kom­mu­nis­ten ist das eine Schande. Wie kann denn ein Kom­mu­nist vor der Wirk­lich­keit die Augen ver­schlie­ßen, dafür aber den Mund voll neh­men? Unmög­lich! Aus­ge­schlos­sen! Das Haupt­ge­wicht auf die Unter­su­chun­gen legen! Schluß mit dem Geschwätz!“ (Mao [4])

5. Dabei aber nicht in den Empi­ris­mus ver­fal­len

Es scheint das Rich­tige zu sein, mit dem Rea­len und Kon­kre­ten, der wirk­li­chen Vor­aus­set­zung zu begin­nen, also z.B. in der Ökono­mie mit der Bevöl­ke­rung, die die Grund­lage und das Sub­jekt des gan­zen gesell­schaft­li­chen Pro­duk­ti­ons­akts ist. Indes zeigt sich dies bei nähe­rer Betrach­tung [als] falsch. Die Bevöl­ke­rung ist eine Abs­trak­tion, wenn ich z.B. die Klas­sen, aus denen sie besteht, weg­lasse. Diese Klas­sen sind wie­der ein lee­res Wort, wenn ich die Ele­mente nicht kenne, auf denen sie beruhn, z.B. Lohn­ar­beit, Kapi­tal etc. Diese unter­stel­len Aus­tausch, Tei­lung der Arbeit, Preise etc. Kapi­tal z.B. ohne Lohn­ar­beit ist nichts, ohne Wert, Geld, Preis etc. Finge ich also mit der Bevöl­ke­rung an, so wäre das eine chao­ti­sche Vor­stel­lung des Gan­zen, und durch nähere Bestim­mung würde ich ana­ly­tisch immer mehr auf ein­fa­chere Begriffe kom­men; von dem vor­ge­stell­ten Kon­kre­ten auf immer dün­nere Abs­trakta, bis ich bei den ein­fachs­ten Bestim­mun­gen ange­langt wäre. Von da wäre nun die Reise wie­der rück­wärts anzu­tre­ten, bis ich end­lich wie­der bei der Bevöl­ke­rung anlangte, dies­mal aber nicht als bei einer chao­ti­schen Vor­stel­lung eines Gan­zen, son­dern als einer rei­chen Tota­li­tät von vie­len Bestim­mun­gen und Bezie­hun­gen. Der erste Weg ist <632> der, den die Ökono­mie in ihrer Ent­ste­hung geschicht­lich genom­men hat. […]. Das letztre [= der zweite Weg] ist offen­bar die wis­sen­schaft­lich rich­tige Methode.“ (Marx)

Anzu­neh­men […], nur die sinn­li­che Erkennt­nis sei zuver­läs­sig, die ratio­nale Erkennt­nis aber unzu­ver­läs­sig – das hieße, den aus der Geschichte bekann­ten Feh­ler des ‚Empi­ris­mus‘ zu wie­der­ho­len. Der Feh­ler die­ser Theo­rie liegt in der man­geln­den Kennt­nis des­sen, daß die Sin­ne­san­ga­ben zwar eine Wider­spie­ge­lung gewis­ser Rea­li­tä­ten der objek­ti­ven Außen­welt […], jedoch nur etwas Ein­sei­ti­ges und Ober­fläch­li­ches sind; eine sol­che Wider­spie­ge­lung ist unvoll­stän­dig, […]. Zur voll­stän­di­gen Wider­spie­ge­lung des Din­ges in sei­ner Tota­li­tät, zur Wider­spie­ge­lung sei­nes Wesens und sei­ner inne­ren Gesetz­mä­ßig­kei­ten muß man durch den Denk­pro­zeß man­nig­fal­tige Sin­ne­san­ga­ben ver­ar­bei­ten, […] – muß man den Sprung von der sinn­li­chen Erkennt­nis zur ratio­na­len Erkennt­nis tun. Die so bear­bei­tete Erkennt­nis ist nicht ärmer, nicht unzu­ver­läs­si­ger. Im Gegen­teil, alles, was im Erkennt­nis­pro­zeß auf der Grund­lage der Pra­xis wis­sen­schaft­lich ver­ar­bei­tet wor­den ist, spie­gelt – wie Lenin sagt – die objek­ti­ven Dinge tie­fer, rich­ti­ger und voll­stän­di­ger wider. Gerade das ver­ste­hen die vul­gä­ren Prak­ti­zis­ten nicht: Sie schät­zen die Erfah­rung hoch, ach­ten aber die Theo­rie gering, infol­ge­des­sen kön­nen sie keine Über­sicht über den objek­ti­ven Pro­zeß in sei­ner Gesamt­heit gewin­nen, fehlt ihnen die klare Ori­en­tie­rung, haben sie keine weit­rei­chende Per­spek­tive, berau­schen sie sich an zufäl­li­gen Erfol­gen und an einem Schim­mer von Wahr­heit. Lei­te­ten sol­che Men­schen die Revo­lu­tion an, wür­den sie diese in eine Sack­gasse füh­ren.“ (Mao, Über die Pra­xis).

„der Umweg über die Theo­rie [zwingt …] den wis­sen­schaft­li­chen Geist zu einer Kri­tik der Wahr­neh­mung“

„Die pri­märe Erfah­rung, oder genauer gesagt, die erste Beob­ach­tung ist immer ein ers­tes Hin­der­nis für die wis­sen­schaft­li­che Bil­dung. […]. Das Den­ken muß den unmit­tel­ba­ren Empi­ris­mus über­win­den. […] das erste Sys­tem ist falsch. […].“

Die „Tat­sa­chen [wer­den] im vul­gä­ren Wis­sen zu früh“ – vor der theo­re­ti­schen Refle­xion – „in die Begrün­dung ein­ge­bracht“; „die Ant­wort [wird] gege­ben, bevor man die Frage geklärt hat“(Gaston Bachel­ard zit. n. [5]).

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