Immer wieder Probleme mit der RAF

Update:
Der Kon­flikt ist mitt­ler­weile mehr oder min­der beige­legt: Am Don­ners­tag­abend (23.7.) erschien im blog des Lin­ken Radio eine Notiz zu dem Vor­gang, in der es u.a. heißt:

Nach­dem nun am 22.07. eine öffent­li­che Dis­kus­sion mit dem Wahl­kampf­lei­ter der Lin­ken /​ Hes­sen im Chat des Radios statt­fand, haben wir uns ver­stän­di­gen kön­nen. Die Pro­blem­lö­sung wer­den wir natür­lich auch ent­spre­chend ver­öf­fent­li­chen.1

Ges­tern am Sonn­abend (25.7.) erschie­nen dann auf der home­page des Lin­ken Radios das Partei-​​Logo und das Gruß­wort von Geschäfts­füh­rer Diet­mar Bartsch wie­der.

Ursprüng­li­cher Bei­trag vom 22.07.:
Die seit 1993 nicht mehr aktive und seit 1998 auch offi­zi­ell auf­ge­löste Rote Armee Frak­tion (RAF) sorgt doch immer wie­der zumin­dest für Stürme im Was­ser­glas… Bis ges­tern gab es ein internet-​​Radio „Lin­kes Radio“, das durch Gruß­wort u.a. mit der Par­tei für „Die Linke“ ver­bun­den war. Mit die­ser Zusam­men­ar­beit ist es nun vor­bei, da u.a. das Stück „RAF Anthem“ von MaKss Damage gespielt wurde sowie angeb­lich Grüße an die – glei­cher­ma­ßen nicht mehr exis­tie­rende – IRA gesen­det wurde. Selbst das Baye­ri­sche Oberste Lan­des­ge­richt kam in den 1990er Jah­ren – oder war es schon das neue Jahr­tau­send? (muß ich mal nach­schla­gen) – zur Ein­sicht, daß ein Straf­tat­be­stand der Unter­stüt­zung einer nicht exis­tie­ren­den ter­ro­ris­ti­schen Ver­ei­ni­gung nicht exis­tiert.
Ohne­hin setzt sich das Stück eher kri­tisch mit der Roten Armee Frak­tion aus­ein­an­der: Zwar heißt es „Komm und leiste Dei­nen Betrag in der RAF …“ – aber eben nicht „Die RAF wie­der­auf­bauen“. Und was kann bedeu­ten, heute einen Bei­trag in der RAF zu leis­ten, wo diese nicht mehr exis­tiert? – Doch wohl allen­falls, sie als Teil der wider­sprüch­li­chen Geschichte der Lin­ken /​ der Roten anzu­er­ken­nen und die not­wen­di­gen – theo­re­tisch reflek­tier­ten – Leh­ren aus die­ser Erfah­rung zu zie­hen.
In dem Stück wird aus dem „Kon­zept Stadt­gue­rilla“ zitiert:

„Ob es rich­tig ist, den bewaff­ne­ten Wider­stand jetzt zu orga­ni­sie­ren, hängt davon ab, ob es mög­lich ist; ob es mög­lich ist, ist nur prak­tisch zu ermit­teln.“ (http://​www​.nadir​.org/​n​a​d​i​r​/​a​r​c​h​i​v​/​P​o​l​i​t​i​s​c​h​e​S​t​r​o​e​m​u​n​g​e​n​/​S​t​a​d​t​g​u​e​r​i​l​l​a​+​R​A​F​/​R​A​F​/​r​a​f​-​t​e​x​t​e​+​m​a​t​e​r​i​a​l​i​e​n.PDF, S. 40).

Das war zwar damals schon etwas empi­ris­tisch argu­men­tiert (nicht gerade Theo­rie als Pra­xis … ;-)), aber wenn wir uns auf diese empi­ris­ti­sche Logik ein­las­sen wol­len, kann die Schluß­fol­ge­rung aus die­sem Kri­te­rien und dem, was die RAF gemacht hat, nur sein: Jeden­falls so, wie RAF den bewaff­ne­ten Wider­stand orga­ni­siert hat, war/​ist er nicht dau­er­haft mög­lich.
Und das Stück endet mit dem Deut­schen Herbst, in dem sich die RAF eben nicht durch­ge­setzt hat und der Staat sich nicht erfolg­reich unter Druck set­zen ließ, und – als letz­tes Wort „Revo­luz­zer“.
Meine Inter­pre­ta­tion der Bot­schaft des Stü­ckes: Die Pra­xis der RAF war eben nicht erfolg­rei­che revo­lu­tio­näre Poli­tik, son­dern Revo­luz­zer­tum. -

Außer­dem wurde das Stück „Die neue RAF“ von die­band­breite bean­stan­det. Es endet wie folgt:

„Wojna, bist du dabei?
Wojna, bist du dabei?
Nein!“

„Die Linke“ will mit einem Radio, das die­ses Stü­cke spielt, trotz­dem nichts zu tun haben – die tat­säch­li­che Aus­sage des ers­ten Stücks werde bspw. zu sehr von dem Refrain „Komm und leiste Dei­nen Betrag in der RAF …“ ver­deckt… – Wer/​welche die Posi­tio­nen von SED, DKP/​SEW und natür­lich erst erst der Sozi­al­de­mo­kra­tie, die (soweit noch exis­tie­rend) heute weit­ge­hend in die Links­par­tei abge­wan­dert ist, zur Frage des „fried­li­chen Übergangs“, des „Ter­ro­ris­mus“ usw. kennt, wird nicht über­rascht sein, daß sicher­lich für die große Mehr­heit der Links­par­tei und nicht nur einige Funk­tio­nä­rIn­nen auch eine kri­ti­sche, aber poli­ti­sche Aus­ein­an­der­set­zung mit RAF abseits ihres Inter­es­ses liegt. -
Wie dem auch sei – scharf​-links​.de machte den Vor­gang ges­tern zu spä­ter Stunde öffent­lich; das Radio selbst hat das Geschäftsführer-​​Grußwort von sei­ner home­page genom­men.

Der Text von scharf-​​links sei im fol­gen­den doku­men­tiert und kom­men­tiert:

„Par­tei DIE LINKE ver­sucht Inhalte des selbst­or­ga­ni­sier­ten ‚Lin­ken Radios‘ zu zen­sie­ren

Der Appa­rat der Par­tei DIE LINKE hat heute den Ver­such unter­nom­men, Inhalte des von Mit­glie­dern selbst­or­ga­ni­sier­ten Web­ra­dios „Das Linke Radio“ http://​www​.lin​kes​-radio​.de zu zen­sie­ren. Kon­kret ging es dabei u.a. um einen Lied­text der Band ‚Die Band­breite‘, der sich mit der RAF aus­ein­an­der­setzt.
Als die Redak­tion sich wei­gerte, bean­stan­dete Songs von der Web­seite zu neh­men, zog das Karl-​​Liebknecht-​​Haus die ide­elle Unter­stüt­zung – ein Gruß­wort von Bun­des­ge­schäfts­füh­rer Diet­mar Bartsch zurück – und kün­digte das Ende der Zusam­men­ar­beit mit dem Medi­en­pro­jekt an.
Die Redak­tion ’scharf-​​links‘ soli­da­ri­siert sich hier­mit mit der Redak­tion des Lin­ken Radios. Wir sind der Mei­nung, dass unge­ach­tet von Mei­nungs­un­ter­schie­den zu ein­zel­nen Inhal­ten, die Frei­heit von Kunst, Kul­tur und Presse gemein­sam zu ver­tei­di­gen ist. Die Genos­sIn­nen vom Lin­ken Radio leis­ten unse­rer Mei­nung nach einen wert­vol­len Bei­trag im Kampf um linke Hege­mo­nie. Wir sind sicher, dass sie auch ohne die Unter­stüt­zung der Par­tei DIE LINKE wei­ter ein span­nen­des Pro­gramm aus­strah­len wer­den.
Nach­ste­hend machen wir in Abstim­mung mit der Redak­tion des Lin­ken Radio den heute erfolg­ten Mail­wech­sel mit Clau­dia Gohde als Ver­tre­te­rin der Links­par­tei trans­pa­rent:

Lin­kes Radio
Liebe Genos­si­nen und Genos­sen,
heute erhielt ich fol­gende Mail von der Wahl­kampf­lei­tung der Par­tei die Lin­ken, da ich für größt­mög­li­che Trans­pa­renz inner­halb der Lin­ken bin, möchte ich sie euch nicht vor­ent­hal­ten:

„Hallo Cars­ten,
ihr habt eine Gruß­adresse von Diet­mar Bartsch auf eure Seite gestellt und erweckt den Ein­druck, dass das Radio nah an der LIN­KEN orga­ni­siert sei. Das passt aller­dings über­haupt nicht mit dem mehr­mals gespiel­ten RAF-​​Song zusam­men, in dem der Refrain heißt: „Leiste dei­nen Bei­trag in der RAF“. Ich wurde auch dar­über infor­miert, dass eine Lied­zeile „Knick knack – Kapi­ta­list Kopf­schuss, knick knack – wir brau­chen die glo­bale RAF.“ gespielt wurde, wonach die „Genos­sen von der IRA“ gegrüßt wur­den.
Mit sol­chen Aus­sa­gen hat DIE LINKE nichts zu tun und wir ver­wah­ren uns dage­gen, dass unsere Par­tei in die Nähe sol­cher Aus­sa­gen gestellt wird.
Wenn es bei der Aus­strah­lung sol­cher Lie­der und Aus­sa­gen bleibt, dann wer­den wir das Gruß­wort und die Geneh­mi­gung für die Ver­wen­dung des Logos zurück­zie­hen.
Ich bitte dich als ver­ant­wort­li­chen Redak­teur um eine Stel­lung­nahme dazu.
Freund­li­che Grüße,
Clau­dia Gode

claudia.​gohde@​die-​linke.​de

DIE LINKE Bun­des­ge­schäfts­stelle
Kleine Alex­an­der­straße 28
10178 Ber­lin
Tel.: 030 /​ 24009-​​343
Fax: 030 /​ 24009-​​777

Mobil: 0171 /​ 620 55 48

DIE LINKE bit­tet um Wahlkampf-​​Unterstützung „

Soviel zu der Mail…da musste ich natür­lich gleich mal anru­fen. Eine Klar­stel­lung ist dort nicht von Inter­esse, auch das wir Mode­ra­to­ren und Mode­ra­to­rin­nen alles aktive Wahl­kämp­fer sind inter­es­siert nicht!
Jetzt wird es mal kurz lus­tig: Die Aus­züge der obi­gen Texte sind von:
1) Die Band­breite und wur­den völ­lig aus dem Kon­text genom­men! Die Band­breite ist eine Band die gewerk­schaft­lich arbei­tet, bei Fes­ten der Lin­ken und Solid auftritt…..auch nicht inter­es­sant für die!
2) Dann ist da noch was von Hol­ger Bur­ner zitiert, eben­falls aktiv in der Gewerk­schaft und bei SOLID……spielt für die Linke ab und an… auch nicht inter­es­sant…
3) Die Aus­sage zu IRA ist aus dem Zusam­men­hang geris­sen und ist eigent­lich eine Satire, als Grund­idee diente hier die Begrü­ßung der Par­tei Shin Fain beim Gründungsparteitag…..auch nicht inter­es­sant….
4) Makks Damage stezt sich kri­tisch mit dem Thema auseinander…ebenfalls nicht von Inter­esse……
For­de­rung der guten Frau am Tele­fon:
1) Keine Aus­sa­gen mehr zur IRA und RAF, eben­falls Bil­der o.ä. auch nicht als Satire
2) Keine Songs spie­len die die­sen Bezug her­stel­len, das sind dann fol­gende Bands:
- WIZO (Diverse)
- Auf­bruch („Für Ulrike“)
- Die Band­breite (Hier das Lied „Die neue RAF“, bitte mal den Text gucken!!)
- Hol­ger Bur­ner („Diverse“)
- Markks Damage („Diverse“)
- Com­man­dan­tes („Diverse“)
und viele mehr!
Falls nicht kommt es zu den Kon­se­quen­zen die in der Mail beschrie­ben wur­den…..
Was ich daran so span­nend finde, ist die Kul­tur die die Par­tei in die­ser Hin­sicht pflegt, hier wird offen­sicht­lich dem Wahl­kampf die freie Mei­nungs­äu­ße­rung geop­fert.
Durch das Gespräch mit der Wahl­kampf­lei­tung ist mir aller­dings auch etwas klar gewor­den, diese Den­un­ti­an­ten, die sind es die ver­hin­dern wol­len das sich hier etwas ent­wi­ckelt, was sie nicht mehr kon­trol­lie­ren können…egal wel­che Argu­mente man am tele­fon anbrachte, die sind egal, was wir tun ist egal, jede Arbeit für die Par­tei scheint hier egal zu sein…der Denun­zi­ant bleibt auch noch unge­nannt, muss ja geschützt werden..was Sagt man dazu?? Auf­fal­lend ist auch, das hier kei­ner­lei Dis­kus­sion gewünscht wurde, ledig­lich auf meine Anfrage ob ich dies hier dis­ku­tie­ren kann, wurde pos. beant­wor­tet, mit dem Komen­tar, das hier so viel gequatscht wird…..
Also alles in allem haben wir hier zwei Mög­lich­kei­ten:
1) Abso­lute Zen­sur und die Par­tei die zen­siert wei­ter unter­stüt­zen…
2) Wir machen wei­ter wie bis­her und neh­men eben die Gruß­worte nebst Bil­der der Par­tei raus und unter­stüt­zen eben still…….
Ein wirk­li­ches Trau­er­spiel, das nicht für die Par­tei Die Linke spricht.
Gruß,
Cars­ten

Lin­kes Radio /​ För­der­ver­ein Lin­kes Radio

Soweit der Bericht von scharf-​​links.
Das Wort „Denun­zi­ant“ sich wohl auf „Ich wurde auch dar­über infor­miert, …“

Es blei­ben zwei Anmer­kun­gen zu machen: Ers­tens zum Zensur-​​Begriff, der hier m.E. fehl am Platze ist, und zwei­tens den Mög­lich­kei­ten und – vom Lin­ken Radio anschei­nend unter­schät­zen – Schwie­rig­kei­ten, das Thema „RAF“ in der Links­par­tei zu dis­ku­tie­ren statt zu tabui­sie­ren. Die bei­den Anmer­kun­gen fol­gen gleich als sepa­rate Bei­träge.
Im übri­gen hatte ich ges­tern aus Anlaß die­ser Geschichte mei­nen Text Die Pha­sen des Kamp­fes der Roten Armee Frak­tion gegen das Gesell­schafts­sys­tem der BRD (1971 – 1996) wie­der aus­ge­gra­ben.

  1. http://​lin​kes​-radio​-blog​.lin​kes​-radio​.de/​2​0​0​9​/​0​7​/​2​3​/​d​i​e​-​l​i​n​k​e​-​u​n​d​-​d​a​s​-​l​i​n​k​e​-​r​adio/:
    Die Linke und das Linke Radio

    Nach dem in diver­sen Lin­ken Online Medien über den Streit der Par­tei Die Linke mit dem Lin­ken Radio lesen kann und es dazu auf diver­sen Sei­ten hef­tige Dis­kus­sio­nen gibt, die ich nicht alle besu­chen kann, möchte ich hier kurz eine Stel­lung­nahme dazu abge­ben:

    Unse­res Erach­tens nach resul­tiert die ganze Pro­ble­ma­tik aus der Tat­sa­che her­aus, das sich die Ver­ant­wort­li­chen in Ber­lin, hier die Wahl­kampf­lei­tung, nicht im Bereich “moderne” Musik aus­kennt und somit eine vor­schnelle Ent­schei­dung getrof­fen hatte.

    Es wurde dem Radio eine gewisse Nähe zur RAF bzw. ein sehr locke­rer Umgang mit die­sem Thema vor­ge­wor­fen. Als Beweiss die­ser These wurde das Stück der Band “Die Band­breite” (Die neue RAF) sowie ein Stück von Makks Damage (RAF) genom­men, lei­der ohne sich wirk­lich mit dem Text zu beschäf­ti­gen. In einer Mail vom 21.07. wurde mir dann geschrie­ben, das, wenn wir wei­ter diese Lie­der brin­gen wür­den uns die Linke ihre ide­ele Unter­stüt­zung ent­zie­hen würde.

    Das Team und auch viele Zuhö­rer und Leser in den Foren, haben dies abge­lehnt und als Zen­sur­ver­such emp­fun­den. Daher haben wir die Wer­bung und die Links für Die Linke von der Seite des Lin­ken Radios genom­men.

    Nach­dem nun am 22.07. eine öffent­li­che Dis­kus­sion mit dem Wahl­kampf­lei­ter der Lin­ken /​ Hes­sen im Chat des Radios statt­fand, haben wir uns ver­stän­di­gen kön­nen. Die Pro­blem­lö­sung wer­den wir natür­lich auch ent­spre­chend ver­öf­fent­li­chen.

    Es war immer eines unse­rer Ziele, die Par­tei Die Linke zu unter­stüt­zen, dafür haben wir sehr viel Zeit und Geld in das Pro­jekt gesteckt, daher war auch uns an einer Pro­blem­lö­sung gele­gen, vor allem weil wir uns nie als “Schul­dige” gese­hen haben. Das ganze hat emo­tio­nal sehr an unse­ren Ner­ven gerüt­telt, daher haben wir ges­tern fats 3 Stun­den im Chat ver­bracht und uns eine Lösung nicht leicht gemacht!

    Ich danke hier noch­mal Olli Nöll und den Mode­ra­to­ren und Redak­teu­ren vom Radio für die Bereit­schaft einen akti­ven Pro­blem­lö­sungs­pro­zess zu star­ten!

    EIn Pro­blem jedoch ist und bleibt die Ahnungs­lo­sig­keit man­cher Ver­ant­wort­li­cher in Ber­lin, die sich mit dem Medium Radio und der Musik von ent­spre­chen­den Zuhö­rer­grup­pen nicht aus­ken­nen und all zu schnell bereit sind eine Vor­ver­ur­tei­lung zu machen. Punk, Metall aber auch Hip Hop will eben eine deut­li­che Spra­che spre­chen und direkt kom­mu­ni­zie­ren! Das ist eben nicht mehr der “alte” typi­sche Linke Lie­der­ma­cher der schön sachte daher kommt, da sollte man sich deut­lich umge­wöh­nen und vor allem mit die­sem Typ von Musik beschäf­ti­gen. Sonst geschieht es wie­der das vor­schnelle Ent­schei­dun­gen getrof­fen wer­den!

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10 Antworten auf „Immer wieder Probleme mit der RAF“


  1. 1 TaP 22. Juli 2009 um 14:02 Uhr

    Nachgeschoben

    Nachdem die ‚RAF-Schiene‘ in dem (allerdings nicht besonders stark frequentierten) Linkspartei-Forum nicht auf besonders viel Anklang, sondern auf Widerspruch stieß, wurde jetzt – unter Verlinkung eines indymedia-Berichtes – noch eine andere Kritik an der Band diebandbreite nachgeschoben: „Homophobie und struktureller Antisemitismus“.

    Das ist nun allerdings ein ganz anderes Thema und, wenn sich der Vorwurf belegen läßt, in der Tat unakzeptabel. Zu fragen ist nur, warum die Dinge so scheibchenweise auf den Tisch gepackt werden.

    WAS SICH AUF ALLE FÄLLE SCHON JETZT SAGEN LÄSST, IST: DIE FASCHISMUS-THEORIE VON diebandbreite IST – WENN AUCH VIELLEICHT SATRISCH GEMEINT – UNBRAUCHBAR:

    Text des Stückes „Kein Sex mit Nazis“ + Kommentar

    Die Definition von Nazi: National und Sozialist
    dat is, wenn man gut zu den eigenen Leuten und schlecht zu allen andern ist.
    Nur damals im dritten Reich, da ham sie sich vertan,
    und gesagt, dass nur ein Arier ein Nazi sein kann.
    Doch diese Typen, dat sind nicht nur Weiße,
    es gibt rote, gelbe, braune, schwarze und alle sind sie Scheiße.

    DAS „VERTAN“ UND DAS INDIFFERENTE „ALLE … SCHEISSE“, NEGIERT DIE RELEVANTEN UNTERSCHIEDE ZWISCHEN DEM DEUTSCHEN NATIONALSOZIALISMUS, FÜR DEN IN DER TAT ANTISEMITISMUS UND ARIER-IDEOLOGIE KONSTITUTIV WAREN, SOWIE ANDEREN FASCHISMEN.

    Wie alle Lebewesen, wollen auch Nazis sich vermehren.
    Und um das zu vermeiden, muss ich euch mal wat erklären.

    Kein Sex mit Nazis – lass dat lieber bleiben
    Kein Sex mit Nazis – da kannse lieber selber reiben
    Kein Sex mit Nazis – Ey, dat würdest du bedauern
    Wer weiß, wat für Gefahren hinter braunen Löchern lauern.

    DIE LETZTE ZEILE DIESER STROPHE REPRODUZIERT DIE NAZIS-ARGUMENTATION, POLITISCHE FEINDE MIT KRANKHEITEN („wat für Gefahren [= Krankenheiten] hinter braunen Löchern [= Körperöffnungen von Nazis, die für sexuelle Aktivitäten genutzt werden können] lauern“) ZU IDENTIFIZIEREN, WAS AUCH IN DER UMKEHRUNG FALSCH BLEIBT.

    Der Führer Adolf Hitler war homosexuell,

    UND, WENN‘S SO GEWESEN WÄRE – WAS SPIELT‘S FÜR ‚NE ROLLE?

    und deshalb trieb er es mit Rudolf Hess in nem Hotel,
    doch viel zu oft war Rudi in Europa unterwegs,
    und dat ging dem geilen Adi ja ma tierisch auf den Keks.
    Dann war er ganz alleine und hat so stark gelitten
    und fand auch keinen Trost an Evas braunen Titten.
    Darum war er ständig angepisst und auch so voll fanatisch,
    denn keiner von den Schwulen damals wollte Sex mit Nazis.

    DA ES HIER HEISST, „denn keiner von den Schwulen damals wollte Sex mit Nazis“, WÜRDE ICH HIER – ANDERS ALS DER indymedia-Text – KEINEN HOMOPHOBIE-VORWURF ERHEBEN. ABER KEINE AHNUNG, WAS ES NOCH FÜR TEXTE GIBT.
    UND ZU „Trost an Evas braunen Titten“ WÄRE AUCH EINIGES KRITISCHES ZU SAGEN, WAS ICH MIR HIER ABER SPARE.

    Refrain

    Hast du dich erst einmal mit nem Nazi eingelassen,
    labert er dich voll von der Reinheit seiner Rasse.
    Dabei sind es gerade diese Rechtsextremen,
    die uns die Evolution versauen, mit ihren fiesen Genen.

    DAS IST EINE WEITERE BLOSSE UMKEHRUNG DES NAZI-BIOLOGISMUS, ABER KEIN BRUCH MIT DIESEM.

    Gemäß aller Erfahrungen zählen die nicht grad zu den Hellen,

    DEN NS ALS IRRATIONALISMUS ZU KRITISIEREN, IST (AUCH WENN DIES SICH AUF EINE BESTIMMTE LINKE UND LIBERALE TRADITION BERUFEN KANN) EINE FATALE UNTERSCHÄTZUNG DES NS UND VERSÄUMT, ÜBER DIE DURCHAUS RATIIONALEN ZWECKE, STRATEGIEN UND FUNKTIONEN DES NATIONALSOZIALISTISCHEN HERRSCHAFTSPROJEKTES, DAS TROTZ SEINER RATIONALIÄT ABZULEHNEN IST, AUFZUKLÄREN.

    und rasieren sich dann außerdem noch an den falschen Stellen,
    Weil Kastration verboten is bleibt nur die Konsquenz,
    dass du einfach niemals mehr mit nem Nazi pennst.

    Refrain

  2. 2 Wojna 23. Juli 2009 um 0:33 Uhr

    Unsere schwulen Fans scheinen den Inhalt des Songs „Kein Sex mit Nazis“ besser zu verstehen als einige Menschen hier … der Song ist eine Persiflage.
    Es ist keine wissenschaftliche Abhandlung, es ist Kunst. Wenn wir von organisiertem Staatsterror erzählen stempelt man uns als Phantasten ab, wenn wir einen Persiflage abliefern, werden wir mit akribrischer Genauigkeit analysiert.

    Wir haben mit diesem Song auf der „Parade der Kulturen“ in Frankfurt performt, bei der Zehntausende Zeugen unserer Präsentation waren. Und wir sind vor einer multikulturellen und auch multisexuellen Jury zum besten Beitrag der Parade gewählt worden. Wie kommt das wohl?
    Können wir uns in der Linken nicht einfach auf den Kampf gegen dieses kapitalistische Dreckssystem kümmern, anstatt Haare zu spalten?

  3. 3 TaP 23. Juli 2009 um 6:45 Uhr

    Hallo,

    vielen Dank für die Stellungnahme!

    Persiflage und Politik

    Unsere schwulen Fans scheinen den Inhalt des Songs „Kein Sex mit Nazis“ besser zu verstehen als einige Menschen hier … der Song ist eine Persiflage.

    Dann erklärt doch mal bitte für mich und andere KunstbanausInnen, was die Zeilen über die angebliche Homosexualität Hitlers besagen / ausdrücken sollen? Was ist die – von Euch gewollte – message?
    Ansonsten hatte ich gerade schon in einer anderen Debatte die Frage formuliert: „Ist vielleicht Spaß immer politisch, weil er mit bestimmten gesellschaftlichen Normen operiert, die er (auf Kosten derjenigen, die ihnen nicht entsprechend) bestätigt oder aber in Frage stellt?“
    Wenn diese Vermutung richtig ist (bisher habe ich kein Gegenargument gehört), was macht dann Euer Stück: Sich nur über Nazis lustig oder zugleich Ressentiments (bestimmte herrschaftliche Einstellung o.ä.) gegenüber anderen gesellschaftlichen Gruppe (Frauen, Schwule) zu reproduzieren, an deren Bekämpfung [nicht der Gruppen, sondern der Ressentiments] Linke vielmehr interessiert sein sollten?

    Kunst und Wissenschaft

    Es ist keine wissenschaftliche Abhandlung, es ist Kunst.

    Das wirft jetzt die komplizierte Frage nach dem Verhältnis von Wissenschaft und Kunst auf. Ich würde – etwas improvisiert – folgende Antwort vorschlagen:
    a) Ja, Kunst ist keine Wissenschaft.
    b) Kunst kann Fragen aufwerfen, auf die Wissenschaften noch keine Antworten haben.
    c) Kunst sollte sich aber nicht im Widerspruch setzen zu dem, was die Wissenschaften bereits empirisch bewiesen oder theoretisch begründet haben. Vorliegend: Kunst sollte nicht hinter die besten Faschismus-Theorien zurückfallen.

    „Staatsterror“ und 9/11

    Wenn wir von organisiertem Staatsterror erzählen stempelt man uns als Phantasten ab,

    Das kann ich in dieser Allgemeinheit nicht nachvollziehen, die staatliche Repression ist ja nun nicht gerade ein marginales Themen in der Linken.
    Wenn das vielmehr konkret auf die Kritik an Eurem Stück zu 9/11 anspielen soll, dann poste mal bitte die lyrcis hier, damit wir wissen, worüber wir reden.

    Kein Argument soll unbeantwortet bleiben

    wenn wir einen Persiflage abliefern, werden wir mit akribrischer Genauigkeit analysiert.

    Zähl mal bitte die Zeichenzahl Eurer lyrics zu „Selbst gemacht“ und die Zeichenzahl meines ersten Kommentars, aus dem KünstlerInnen vielleicht auch lyrics machen könnten. ;-)

    Wir haben mit diesem Song auf der „Parade der Kulturen“ in Frankfurt performt, bei der Zehntausende Zeugen unserer Präsentation waren. Und wir sind vor einer multikulturellen und auch multisexuellen Jury zum besten Beitrag der Parade gewählt worden. Wie kommt das wohl?

    Daß irgendjemand irgendeine Meinung hat, ist kein Argument – und sei es eine Jury. Aber falls es eine Laudatio der Jury oder so gibt, die Argumente enthält, kannst Du die ja mal posten.

    Eine wirkliche politische Differenz

    Können wir uns in der Linken nicht einfach auf den Kampf gegen dieses kapitalistische Dreckssystem kümmern, anstatt Haare zu spalten?

    Und hier haben wir nun eine echte politische Differenz, der gegenüber Du Dich nicht darauf zurückziehen kannst, daß PolitaktivistInnen und Intellektuelle die Kunst nicht verstehen.

    „einfach auf [?! – gemeint: um?] den Kampf gegen dieses kapitalistische Dreckssystem kümmern [?! – oder hier gemeint: konzentrieren?]“ – das ist mir in Anbetracht von patriarchaler und rassistischer Herrschaft, von Antisemitismus, von ökologischer Krise, die nur teilweise aus dem Kapitalverhältnis zu erklären ist, etc. echt zu wenig.

  4. 4 murks 23. Juli 2009 um 12:25 Uhr

    mein gott, es bedarf doch nicht viel verstand, um zu checken daß das lied kein sex mit nazis eine satire ist, eine veralbernde retourkutsche auf die nazi-scheiße (mitsamt ihrer homophobie). wer bei sowas jedes wort auf die goldwaage legt und so tut, als würde es sich bei dem lied um eine wissenschaftliche untersuchung handeln, wie ist dem noch zu helfen?
    wie realitätsfremd, wie beschränkt geht es denn noch?

  5. 5 TaP 23. Juli 2009 um 17:02 Uhr

    „veralbernde retourkutsche auf die nazi-scheiße“

    a) Was ist der politische Nutzen oder ästhetische Wert von ‚Veralberung‘?!

    b) „retourkutsche“

    Genau darin liegt m.E. das Problem: Die bloße Umkehrung (Retour) bleibt noch falsch; Brecht sagte, Lenin habe nicht nur anderes gesagt als Bismarck, sondern es auch anders gesagt.
    Das lobt vielleicht Lenin ein bißchen zu sehr über den grünen Klee (wenn wir bspw. an Lenins Begeisterung für die Deutsche Post denken); aber Brecht benannte, worauf es ankommt:
    Nicht nur anderes zu sagen als die Nazis, sonders es auch anders zu sagen – also die Nazis-Logik und -Sprache nicht nur einfach zurückzugeben („Retour“) / nicht einfach nur umzukehren.

    Satire

    Ich verweise auf meine Ausführungen zu „Persiflage und Politik“.

    wissenschaftliche Untersuchung

    Zum Thema Kunst und Wissenschaft hatte ich schon etwas gesagt; da Du darauf genauso wenig eingehst, wie auf das zum Thema Persiflage/Satire, spare ich mir weitere Ausführungen zu dem Thema.

    „beschränkt“, „nicht viel verstand“

    Das sind ja zwei sehr starke Argumente

  6. 6 euer kritiker 24. Juli 2009 um 15:31 Uhr

    sucht euch ein hobby! ist ja peinlich wie hier aus einer fliege ein elefant gemacht wird.
    viel rauch um GAR NICHTS!!!

  7. 7 TaP 24. Juli 2009 um 23:36 Uhr

    @‘Unseren Kritiker‘

    Erklärt doch bitte zumindest mal, was Du mit „Fliege“ meinst: Die Distanzierung der Linkspartei vom Linken Radio?
    Oder vielmehr die Stücke (oder einige der Stücke?), die vom Linken Radio gespielt werden?

  8. 8 TaP 25. Juli 2009 um 20:55 Uhr

    Gerade zufällig gefunden: Fag als schlimmster Diss

    „Ich springe zum nächsten Aufsatz, der mir ins Auge springt: Tim Stüttgens Homo(phob) HipHop. Volltreffer! Spannend wie ein Thriller liest sich Stüttgens Versuch die Ambivalenzen, Unwägbarkeiten und Mechanismen der HH-Szene gegenüber Queerness zu erhellen. Und dabei nicht unwitzig. Gutes Beispiel ist der Versuch die hysterische Angst vieler Mainstream-Rapper vor Butch-Rapperinnen (extrem maskulin auftretenden, meist lesbischen Künstlerinnen) zu erklären: Vielleicht ist der Ärger sogar verständlich: Männlichkeit ist im Zeitalter seiner performativen Reproduzierbarkeit angekommen und gehört nicht mehr nur den Typen mit dem Bioschwanz. Klar, dass sich da die vermeintlichen Originale auf den Schlips getreten fühlen.‘ Als Angst steigernd könnte noch hinzukommen, was Stüttgen als übermächtiges kreatives Potential der queeren HH-Szene beschreibt. Nämlich die schöpferische Dynamik der Subkultur, die festgefahrenen und konstruierten Identitäten auf der anderen Seite gegenübersteht. Das Vorhandensein des Erstgenannten wird angesichts der massiven nicht-Kreativität der etablierten HipHop-Acts/des Mainstreams, die sich insbesondere in den Geschlechterrollen, und dort vor allem in der männlichen Identität manifestiert, lediglich verstärkt. Konfrontiert mit dieser Doppelbedrohung (Kreativität und Männlichkeitsstatus) wird klar, warum im Rap-Battle der schlimmste Diss für einen MC nicht die Bitch ist, sondern der Fag.“ (http://www.ruhr-uni-bochum.de/genderstudies/kulturundgeschlecht/pdf/Rosenbauer_Rezension.pdf, S. 2 f.)

  9. 9 euer kritiker 26. Juli 2009 um 11:07 Uhr

    @ TaP

    ich meine dieses hochschaukeln von liedtexten! es gibt einen allgemeinen index von titeln die nicht öffentlich im radio gespielt werden dürfen! keiner der benannten titel ist auf diesem index zu finden.
    ergo: diese diskussion ist schwachsinn!
    diese art der kulturellen kritik hatten wir schonmal…..denkt mal an das dritte reich!
    was kommt als nächstes? buchverbrennungen von linkskritischen autoren?
    das team vom linken radio macht einen guten job! jegliche einschränkung dieser arbeit ist ZENSUR!

  10. 10 TaP 26. Juli 2009 um 17:47 Uhr

    Antwort auf ‚unseren Kritiker‘ im Beitrag Über den Nutzen von Definitionen und ein paar andere Anmerkungen

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