Immer wieder Probleme mit der RAF

Update:
Der Konflikt ist mittlerweile mehr oder minder beigelegt: Am Donnerstagabend (23.7.) erschien im blog des Linken Radio eine Notiz zu dem Vorgang, in der es u.a. heißt:

Nachdem nun am 22.07. eine öffentliche Diskussion mit dem Wahlkampfleiter der Linken / Hessen im Chat des Radios stattfand, haben wir uns verständigen können. Die Problemlösung werden wir natürlich auch entsprechend veröffentlichen.1

Gestern am Sonnabend (25.7.) erschienen dann auf der homepage des Linken Radios das Partei-Logo und das Grußwort von Geschäftsführer Dietmar Bartsch wieder.

Ursprünglicher Beitrag vom 22.07.:
Die seit 1993 nicht mehr aktive und seit 1998 auch offiziell aufgelöste Rote Armee Fraktion (RAF) sorgt doch immer wieder zumindest für Stürme im Wasserglas… Bis gestern gab es ein internet-Radio „Linkes Radio“, das durch Grußwort u.a. mit der Partei für „Die Linke“ verbunden war. Mit dieser Zusammenarbeit ist es nun vorbei, da u.a. das Stück „RAF Anthem“ von MaKss Damage gespielt wurde sowie angeblich Grüße an die – gleichermaßen nicht mehr existierende – IRA gesendet wurde. Selbst das Bayerische Oberste Landesgericht kam in den 1990er Jahren – oder war es schon das neue Jahrtausend? (muß ich mal nachschlagen) – zur Einsicht, daß ein Straftatbestand der Unterstützung einer nicht existierenden terroristischen Vereinigung nicht existiert.
Ohnehin setzt sich das Stück eher kritisch mit der Roten Armee Fraktion auseinander: Zwar heißt es „Komm und leiste Deinen Betrag in der RAF …“ – aber eben nicht „Die RAF wiederaufbauen“. Und was kann bedeuten, heute einen Beitrag in der RAF zu leisten, wo diese nicht mehr existiert? – Doch wohl allenfalls, sie als Teil der widersprüchlichen Geschichte der Linken / der Roten anzuerkennen und die notwendigen – theoretisch reflektierten – Lehren aus dieser Erfahrung zu ziehen.
In dem Stück wird aus dem „Konzept Stadtguerilla“ zitiert:

„Ob es richtig ist, den bewaffneten Widerstand jetzt zu organisieren, hängt davon ab, ob es möglich ist; ob es möglich ist, ist nur praktisch zu ermitteln.“ (http://www.nadir.org/nadir/archiv/PolitischeStroemungen/Stadtguerilla+RAF/RAF/raf-texte+materialien.PDF, S. 40).

Das war zwar damals schon etwas empiristisch argumentiert (nicht gerade Theorie als Praxis … ;-)), aber wenn wir uns auf diese empiristische Logik einlassen wollen, kann die Schlußfolgerung aus diesem Kriterien und dem, was die RAF gemacht hat, nur sein: Jedenfalls so, wie RAF den bewaffneten Widerstand organisiert hat, war/ist er nicht dauerhaft möglich.
Und das Stück endet mit dem Deutschen Herbst, in dem sich die RAF eben nicht durchgesetzt hat und der Staat sich nicht erfolgreich unter Druck setzen ließ, und – als letztes Wort „Revoluzzer“.
Meine Interpretation der Botschaft des Stückes: Die Praxis der RAF war eben nicht erfolgreiche revolutionäre Politik, sondern Revoluzzertum. -

Außerdem wurde das Stück „Die neue RAF“ von diebandbreite beanstandet. Es endet wie folgt:

„Wojna, bist du dabei?
Wojna, bist du dabei?
Nein!“

„Die Linke“ will mit einem Radio, das dieses Stücke spielt, trotzdem nichts zu tun haben – die tatsächliche Aussage des ersten Stücks werde bspw. zu sehr von dem Refrain „Komm und leiste Deinen Betrag in der RAF …“ verdeckt… – Wer/welche die Positionen von SED, DKP/SEW und natürlich erst erst der Sozialdemokratie, die (soweit noch existierend) heute weitgehend in die Linkspartei abgewandert ist, zur Frage des „friedlichen Übergangs“, des „Terrorismus“ usw. kennt, wird nicht überrascht sein, daß sicherlich für die große Mehrheit der Linkspartei und nicht nur einige FunktionärInnen auch eine kritische, aber politische Auseinandersetzung mit RAF abseits ihres Interesses liegt. -
Wie dem auch sei – scharf-links.de machte den Vorgang gestern zu später Stunde öffentlich; das Radio selbst hat das Geschäftsführer-Grußwort von seiner homepage genommen.

Der Text von scharf-links sei im folgenden dokumentiert und kommentiert:

„Partei DIE LINKE versucht Inhalte des selbstorganisierten ‚Linken Radios‘ zu zensieren

Der Apparat der Partei DIE LINKE hat heute den Versuch unternommen, Inhalte des von Mitgliedern selbstorganisierten Webradios „Das Linke Radio“ http://www.linkes-radio.de zu zensieren. Konkret ging es dabei u.a. um einen Liedtext der Band ‚Die Bandbreite‘, der sich mit der RAF auseinandersetzt.
Als die Redaktion sich weigerte, beanstandete Songs von der Webseite zu nehmen, zog das Karl-Liebknecht-Haus die ideelle Unterstützung – ein Grußwort von Bundesgeschäftsführer Dietmar Bartsch zurück – und kündigte das Ende der Zusammenarbeit mit dem Medienprojekt an.
Die Redaktion ’scharf-links‘ solidarisiert sich hiermit mit der Redaktion des Linken Radios. Wir sind der Meinung, dass ungeachtet von Meinungsunterschieden zu einzelnen Inhalten, die Freiheit von Kunst, Kultur und Presse gemeinsam zu verteidigen ist. Die GenossInnen vom Linken Radio leisten unserer Meinung nach einen wertvollen Beitrag im Kampf um linke Hegemonie. Wir sind sicher, dass sie auch ohne die Unterstützung der Partei DIE LINKE weiter ein spannendes Programm ausstrahlen werden.
Nachstehend machen wir in Abstimmung mit der Redaktion des Linken Radio den heute erfolgten Mailwechsel mit Claudia Gohde als Vertreterin der Linkspartei transparent:

Linkes Radio
Liebe Genossinen und Genossen,
heute erhielt ich folgende Mail von der Wahlkampfleitung der Partei die Linken, da ich für größtmögliche Transparenz innerhalb der Linken bin, möchte ich sie euch nicht vorenthalten:

„Hallo Carsten,
ihr habt eine Grußadresse von Dietmar Bartsch auf eure Seite gestellt und erweckt den Eindruck, dass das Radio nah an der LINKEN organisiert sei. Das passt allerdings überhaupt nicht mit dem mehrmals gespielten RAF-Song zusammen, in dem der Refrain heißt: „Leiste deinen Beitrag in der RAF“. Ich wurde auch darüber informiert, dass eine Liedzeile „Knick knack – Kapitalist Kopfschuss, knick knack – wir brauchen die globale RAF.“ gespielt wurde, wonach die „Genossen von der IRA“ gegrüßt wurden.
Mit solchen Aussagen hat DIE LINKE nichts zu tun und wir verwahren uns dagegen, dass unsere Partei in die Nähe solcher Aussagen gestellt wird.
Wenn es bei der Ausstrahlung solcher Lieder und Aussagen bleibt, dann werden wir das Grußwort und die Genehmigung für die Verwendung des Logos zurückziehen.
Ich bitte dich als verantwortlichen Redakteur um eine Stellungnahme dazu.
Freundliche Grüße,
Claudia Gode

claudia.gohde@die-linke.de

DIE LINKE Bundesgeschäftsstelle
Kleine Alexanderstraße 28
10178 Berlin
Tel.: 030 / 24009-343
Fax: 030 / 24009-777

Mobil: 0171 / 620 55 48

DIE LINKE bittet um Wahlkampf-Unterstützung „

Soviel zu der Mail…da musste ich natürlich gleich mal anrufen. Eine Klarstellung ist dort nicht von Interesse, auch das wir Moderatoren und Moderatorinnen alles aktive Wahlkämpfer sind interessiert nicht!
Jetzt wird es mal kurz lustig: Die Auszüge der obigen Texte sind von:
1) Die Bandbreite und wurden völlig aus dem Kontext genommen! Die Bandbreite ist eine Band die gewerkschaftlich arbeitet, bei Festen der Linken und Solid auftritt…..auch nicht interessant für die!
2) Dann ist da noch was von Holger Burner zitiert, ebenfalls aktiv in der Gewerkschaft und bei SOLID……spielt für die Linke ab und an… auch nicht interessant…
3) Die Aussage zu IRA ist aus dem Zusammenhang gerissen und ist eigentlich eine Satire, als Grundidee diente hier die Begrüßung der Partei Shin Fain beim Gründungsparteitag…..auch nicht interessant….
4) Makks Damage stezt sich kritisch mit dem Thema auseinander…ebenfalls nicht von Interesse……
Forderung der guten Frau am Telefon:
1) Keine Aussagen mehr zur IRA und RAF, ebenfalls Bilder o.ä. auch nicht als Satire
2) Keine Songs spielen die diesen Bezug herstellen, das sind dann folgende Bands:
- WIZO (Diverse)
- Aufbruch („Für Ulrike“)
- Die Bandbreite (Hier das Lied „Die neue RAF“, bitte mal den Text gucken!!)
- Holger Burner („Diverse“)
- Markks Damage („Diverse“)
- Commandantes („Diverse“)
und viele mehr!
Falls nicht kommt es zu den Konsequenzen die in der Mail beschrieben wurden…..
Was ich daran so spannend finde, ist die Kultur die die Partei in dieser Hinsicht pflegt, hier wird offensichtlich dem Wahlkampf die freie Meinungsäußerung geopfert.
Durch das Gespräch mit der Wahlkampfleitung ist mir allerdings auch etwas klar geworden, diese Denuntianten, die sind es die verhindern wollen das sich hier etwas entwickelt, was sie nicht mehr kontrollieren können…egal welche Argumente man am telefon anbrachte, die sind egal, was wir tun ist egal, jede Arbeit für die Partei scheint hier egal zu sein…der Denunziant bleibt auch noch ungenannt, muss ja geschützt werden..was Sagt man dazu?? Auffallend ist auch, das hier keinerlei Diskussion gewünscht wurde, lediglich auf meine Anfrage ob ich dies hier diskutieren kann, wurde pos. beantwortet, mit dem Komentar, das hier so viel gequatscht wird…..
Also alles in allem haben wir hier zwei Möglichkeiten:
1) Absolute Zensur und die Partei die zensiert weiter unterstützen…
2) Wir machen weiter wie bisher und nehmen eben die Grußworte nebst Bilder der Partei raus und unterstützen eben still…….
Ein wirkliches Trauerspiel, das nicht für die Partei Die Linke spricht.
Gruß,
Carsten

Linkes Radio / Förderverein Linkes Radio

Soweit der Bericht von scharf-links.
Das Wort „Denunziant“ sich wohl auf „Ich wurde auch darüber informiert, …“

Es bleiben zwei Anmerkungen zu machen: Erstens zum Zensur-Begriff, der hier m.E. fehl am Platze ist, und zweitens den Möglichkeiten und – vom Linken Radio anscheinend unterschätzen – Schwierigkeiten, das Thema „RAF“ in der Linkspartei zu diskutieren statt zu tabuisieren. Die beiden Anmerkungen folgen gleich als separate Beiträge.
Im übrigen hatte ich gestern aus Anlaß dieser Geschichte meinen Text Die Phasen des Kampfes der Roten Armee Fraktion gegen das Gesellschaftssystem der BRD (1971 – 1996) wieder ausgegraben.

  1. http://linkes-radio-blog.linkes-radio.de/2009/07/23/die-linke-und-das-linke-radio/:
    Die Linke und das Linke Radio

    Nach dem in diversen Linken Online Medien über den Streit der Partei Die Linke mit dem Linken Radio lesen kann und es dazu auf diversen Seiten heftige Diskussionen gibt, die ich nicht alle besuchen kann, möchte ich hier kurz eine Stellungnahme dazu abgeben:

    Unseres Erachtens nach resultiert die ganze Problematik aus der Tatsache heraus, das sich die Verantwortlichen in Berlin, hier die Wahlkampfleitung, nicht im Bereich “moderne” Musik auskennt und somit eine vorschnelle Entscheidung getroffen hatte.

    Es wurde dem Radio eine gewisse Nähe zur RAF bzw. ein sehr lockerer Umgang mit diesem Thema vorgeworfen. Als Beweiss dieser These wurde das Stück der Band “Die Bandbreite” (Die neue RAF) sowie ein Stück von Makks Damage (RAF) genommen, leider ohne sich wirklich mit dem Text zu beschäftigen. In einer Mail vom 21.07. wurde mir dann geschrieben, das, wenn wir weiter diese Lieder bringen würden uns die Linke ihre ideele Unterstützung entziehen würde.

    Das Team und auch viele Zuhörer und Leser in den Foren, haben dies abgelehnt und als Zensurversuch empfunden. Daher haben wir die Werbung und die Links für Die Linke von der Seite des Linken Radios genommen.

    Nachdem nun am 22.07. eine öffentliche Diskussion mit dem Wahlkampfleiter der Linken / Hessen im Chat des Radios stattfand, haben wir uns verständigen können. Die Problemlösung werden wir natürlich auch entsprechend veröffentlichen.

    Es war immer eines unserer Ziele, die Partei Die Linke zu unterstützen, dafür haben wir sehr viel Zeit und Geld in das Projekt gesteckt, daher war auch uns an einer Problemlösung gelegen, vor allem weil wir uns nie als “Schuldige” gesehen haben. Das ganze hat emotional sehr an unseren Nerven gerüttelt, daher haben wir gestern fats 3 Stunden im Chat verbracht und uns eine Lösung nicht leicht gemacht!

    Ich danke hier nochmal Olli Nöll und den Moderatoren und Redakteuren vom Radio für die Bereitschaft einen aktiven Problemlösungsprozess zu starten!

    EIn Problem jedoch ist und bleibt die Ahnungslosigkeit mancher Verantwortlicher in Berlin, die sich mit dem Medium Radio und der Musik von entsprechenden Zuhörergruppen nicht auskennen und all zu schnell bereit sind eine Vorverurteilung zu machen. Punk, Metall aber auch Hip Hop will eben eine deutliche Sprache sprechen und direkt kommunizieren! Das ist eben nicht mehr der “alte” typische Linke Liedermacher der schön sachte daher kommt, da sollte man sich deutlich umgewöhnen und vor allem mit diesem Typ von Musik beschäftigen. Sonst geschieht es wieder das vorschnelle Entscheidungen getroffen werden!

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10 Antworten auf „Immer wieder Probleme mit der RAF“


  1. 1 TaP 22. Juli 2009 um 14:02 Uhr

    Nachgeschoben

    Nachdem die ‚RAF-Schiene‘ in dem (allerdings nicht besonders stark frequentierten) Linkspartei-Forum nicht auf besonders viel Anklang, sondern auf Widerspruch stieß, wurde jetzt – unter Verlinkung eines indymedia-Berichtes – noch eine andere Kritik an der Band diebandbreite nachgeschoben: „Homophobie und struktureller Antisemitismus“.

    Das ist nun allerdings ein ganz anderes Thema und, wenn sich der Vorwurf belegen läßt, in der Tat unakzeptabel. Zu fragen ist nur, warum die Dinge so scheibchenweise auf den Tisch gepackt werden.

    WAS SICH AUF ALLE FÄLLE SCHON JETZT SAGEN LÄSST, IST: DIE FASCHISMUS-THEORIE VON diebandbreite IST – WENN AUCH VIELLEICHT SATRISCH GEMEINT – UNBRAUCHBAR:

    Text des Stückes „Kein Sex mit Nazis“ + Kommentar

    Die Definition von Nazi: National und Sozialist
    dat is, wenn man gut zu den eigenen Leuten und schlecht zu allen andern ist.
    Nur damals im dritten Reich, da ham sie sich vertan,
    und gesagt, dass nur ein Arier ein Nazi sein kann.
    Doch diese Typen, dat sind nicht nur Weiße,
    es gibt rote, gelbe, braune, schwarze und alle sind sie Scheiße.

    DAS „VERTAN“ UND DAS INDIFFERENTE „ALLE … SCHEISSE“, NEGIERT DIE RELEVANTEN UNTERSCHIEDE ZWISCHEN DEM DEUTSCHEN NATIONALSOZIALISMUS, FÜR DEN IN DER TAT ANTISEMITISMUS UND ARIER-IDEOLOGIE KONSTITUTIV WAREN, SOWIE ANDEREN FASCHISMEN.

    Wie alle Lebewesen, wollen auch Nazis sich vermehren.
    Und um das zu vermeiden, muss ich euch mal wat erklären.

    Kein Sex mit Nazis – lass dat lieber bleiben
    Kein Sex mit Nazis – da kannse lieber selber reiben
    Kein Sex mit Nazis – Ey, dat würdest du bedauern
    Wer weiß, wat für Gefahren hinter braunen Löchern lauern.

    DIE LETZTE ZEILE DIESER STROPHE REPRODUZIERT DIE NAZIS-ARGUMENTATION, POLITISCHE FEINDE MIT KRANKHEITEN („wat für Gefahren [= Krankenheiten] hinter braunen Löchern [= Körperöffnungen von Nazis, die für sexuelle Aktivitäten genutzt werden können] lauern“) ZU IDENTIFIZIEREN, WAS AUCH IN DER UMKEHRUNG FALSCH BLEIBT.

    Der Führer Adolf Hitler war homosexuell,

    UND, WENN‘S SO GEWESEN WÄRE – WAS SPIELT‘S FÜR ‚NE ROLLE?

    und deshalb trieb er es mit Rudolf Hess in nem Hotel,
    doch viel zu oft war Rudi in Europa unterwegs,
    und dat ging dem geilen Adi ja ma tierisch auf den Keks.
    Dann war er ganz alleine und hat so stark gelitten
    und fand auch keinen Trost an Evas braunen Titten.
    Darum war er ständig angepisst und auch so voll fanatisch,
    denn keiner von den Schwulen damals wollte Sex mit Nazis.

    DA ES HIER HEISST, „denn keiner von den Schwulen damals wollte Sex mit Nazis“, WÜRDE ICH HIER – ANDERS ALS DER indymedia-Text – KEINEN HOMOPHOBIE-VORWURF ERHEBEN. ABER KEINE AHNUNG, WAS ES NOCH FÜR TEXTE GIBT.
    UND ZU „Trost an Evas braunen Titten“ WÄRE AUCH EINIGES KRITISCHES ZU SAGEN, WAS ICH MIR HIER ABER SPARE.

    Refrain

    Hast du dich erst einmal mit nem Nazi eingelassen,
    labert er dich voll von der Reinheit seiner Rasse.
    Dabei sind es gerade diese Rechtsextremen,
    die uns die Evolution versauen, mit ihren fiesen Genen.

    DAS IST EINE WEITERE BLOSSE UMKEHRUNG DES NAZI-BIOLOGISMUS, ABER KEIN BRUCH MIT DIESEM.

    Gemäß aller Erfahrungen zählen die nicht grad zu den Hellen,

    DEN NS ALS IRRATIONALISMUS ZU KRITISIEREN, IST (AUCH WENN DIES SICH AUF EINE BESTIMMTE LINKE UND LIBERALE TRADITION BERUFEN KANN) EINE FATALE UNTERSCHÄTZUNG DES NS UND VERSÄUMT, ÜBER DIE DURCHAUS RATIIONALEN ZWECKE, STRATEGIEN UND FUNKTIONEN DES NATIONALSOZIALISTISCHEN HERRSCHAFTSPROJEKTES, DAS TROTZ SEINER RATIONALIÄT ABZULEHNEN IST, AUFZUKLÄREN.

    und rasieren sich dann außerdem noch an den falschen Stellen,
    Weil Kastration verboten is bleibt nur die Konsquenz,
    dass du einfach niemals mehr mit nem Nazi pennst.

    Refrain

  2. 2 Wojna 23. Juli 2009 um 0:33 Uhr

    Unsere schwulen Fans scheinen den Inhalt des Songs „Kein Sex mit Nazis“ besser zu verstehen als einige Menschen hier … der Song ist eine Persiflage.
    Es ist keine wissenschaftliche Abhandlung, es ist Kunst. Wenn wir von organisiertem Staatsterror erzählen stempelt man uns als Phantasten ab, wenn wir einen Persiflage abliefern, werden wir mit akribrischer Genauigkeit analysiert.

    Wir haben mit diesem Song auf der „Parade der Kulturen“ in Frankfurt performt, bei der Zehntausende Zeugen unserer Präsentation waren. Und wir sind vor einer multikulturellen und auch multisexuellen Jury zum besten Beitrag der Parade gewählt worden. Wie kommt das wohl?
    Können wir uns in der Linken nicht einfach auf den Kampf gegen dieses kapitalistische Dreckssystem kümmern, anstatt Haare zu spalten?

  3. 3 TaP 23. Juli 2009 um 6:45 Uhr

    Hallo,

    vielen Dank für die Stellungnahme!

    Persiflage und Politik

    Unsere schwulen Fans scheinen den Inhalt des Songs „Kein Sex mit Nazis“ besser zu verstehen als einige Menschen hier … der Song ist eine Persiflage.

    Dann erklärt doch mal bitte für mich und andere KunstbanausInnen, was die Zeilen über die angebliche Homosexualität Hitlers besagen / ausdrücken sollen? Was ist die – von Euch gewollte – message?
    Ansonsten hatte ich gerade schon in einer anderen Debatte die Frage formuliert: „Ist vielleicht Spaß immer politisch, weil er mit bestimmten gesellschaftlichen Normen operiert, die er (auf Kosten derjenigen, die ihnen nicht entsprechend) bestätigt oder aber in Frage stellt?“
    Wenn diese Vermutung richtig ist (bisher habe ich kein Gegenargument gehört), was macht dann Euer Stück: Sich nur über Nazis lustig oder zugleich Ressentiments (bestimmte herrschaftliche Einstellung o.ä.) gegenüber anderen gesellschaftlichen Gruppe (Frauen, Schwule) zu reproduzieren, an deren Bekämpfung [nicht der Gruppen, sondern der Ressentiments] Linke vielmehr interessiert sein sollten?

    Kunst und Wissenschaft

    Es ist keine wissenschaftliche Abhandlung, es ist Kunst.

    Das wirft jetzt die komplizierte Frage nach dem Verhältnis von Wissenschaft und Kunst auf. Ich würde – etwas improvisiert – folgende Antwort vorschlagen:
    a) Ja, Kunst ist keine Wissenschaft.
    b) Kunst kann Fragen aufwerfen, auf die Wissenschaften noch keine Antworten haben.
    c) Kunst sollte sich aber nicht im Widerspruch setzen zu dem, was die Wissenschaften bereits empirisch bewiesen oder theoretisch begründet haben. Vorliegend: Kunst sollte nicht hinter die besten Faschismus-Theorien zurückfallen.

    „Staatsterror“ und 9/11

    Wenn wir von organisiertem Staatsterror erzählen stempelt man uns als Phantasten ab,

    Das kann ich in dieser Allgemeinheit nicht nachvollziehen, die staatliche Repression ist ja nun nicht gerade ein marginales Themen in der Linken.
    Wenn das vielmehr konkret auf die Kritik an Eurem Stück zu 9/11 anspielen soll, dann poste mal bitte die lyrcis hier, damit wir wissen, worüber wir reden.

    Kein Argument soll unbeantwortet bleiben

    wenn wir einen Persiflage abliefern, werden wir mit akribrischer Genauigkeit analysiert.

    Zähl mal bitte die Zeichenzahl Eurer lyrics zu „Selbst gemacht“ und die Zeichenzahl meines ersten Kommentars, aus dem KünstlerInnen vielleicht auch lyrics machen könnten. ;-)

    Wir haben mit diesem Song auf der „Parade der Kulturen“ in Frankfurt performt, bei der Zehntausende Zeugen unserer Präsentation waren. Und wir sind vor einer multikulturellen und auch multisexuellen Jury zum besten Beitrag der Parade gewählt worden. Wie kommt das wohl?

    Daß irgendjemand irgendeine Meinung hat, ist kein Argument – und sei es eine Jury. Aber falls es eine Laudatio der Jury oder so gibt, die Argumente enthält, kannst Du die ja mal posten.

    Eine wirkliche politische Differenz

    Können wir uns in der Linken nicht einfach auf den Kampf gegen dieses kapitalistische Dreckssystem kümmern, anstatt Haare zu spalten?

    Und hier haben wir nun eine echte politische Differenz, der gegenüber Du Dich nicht darauf zurückziehen kannst, daß PolitaktivistInnen und Intellektuelle die Kunst nicht verstehen.

    „einfach auf [?! – gemeint: um?] den Kampf gegen dieses kapitalistische Dreckssystem kümmern [?! – oder hier gemeint: konzentrieren?]“ – das ist mir in Anbetracht von patriarchaler und rassistischer Herrschaft, von Antisemitismus, von ökologischer Krise, die nur teilweise aus dem Kapitalverhältnis zu erklären ist, etc. echt zu wenig.

  4. 4 murks 23. Juli 2009 um 12:25 Uhr

    mein gott, es bedarf doch nicht viel verstand, um zu checken daß das lied kein sex mit nazis eine satire ist, eine veralbernde retourkutsche auf die nazi-scheiße (mitsamt ihrer homophobie). wer bei sowas jedes wort auf die goldwaage legt und so tut, als würde es sich bei dem lied um eine wissenschaftliche untersuchung handeln, wie ist dem noch zu helfen?
    wie realitätsfremd, wie beschränkt geht es denn noch?

  5. 5 TaP 23. Juli 2009 um 17:02 Uhr

    „veralbernde retourkutsche auf die nazi-scheiße“

    a) Was ist der politische Nutzen oder ästhetische Wert von ‚Veralberung‘?!

    b) „retourkutsche“

    Genau darin liegt m.E. das Problem: Die bloße Umkehrung (Retour) bleibt noch falsch; Brecht sagte, Lenin habe nicht nur anderes gesagt als Bismarck, sondern es auch anders gesagt.
    Das lobt vielleicht Lenin ein bißchen zu sehr über den grünen Klee (wenn wir bspw. an Lenins Begeisterung für die Deutsche Post denken); aber Brecht benannte, worauf es ankommt:
    Nicht nur anderes zu sagen als die Nazis, sonders es auch anders zu sagen – also die Nazis-Logik und -Sprache nicht nur einfach zurückzugeben („Retour“) / nicht einfach nur umzukehren.

    Satire

    Ich verweise auf meine Ausführungen zu „Persiflage und Politik“.

    wissenschaftliche Untersuchung

    Zum Thema Kunst und Wissenschaft hatte ich schon etwas gesagt; da Du darauf genauso wenig eingehst, wie auf das zum Thema Persiflage/Satire, spare ich mir weitere Ausführungen zu dem Thema.

    „beschränkt“, „nicht viel verstand“

    Das sind ja zwei sehr starke Argumente

  6. 6 euer kritiker 24. Juli 2009 um 15:31 Uhr

    sucht euch ein hobby! ist ja peinlich wie hier aus einer fliege ein elefant gemacht wird.
    viel rauch um GAR NICHTS!!!

  7. 7 TaP 24. Juli 2009 um 23:36 Uhr

    @‘Unseren Kritiker‘

    Erklärt doch bitte zumindest mal, was Du mit „Fliege“ meinst: Die Distanzierung der Linkspartei vom Linken Radio?
    Oder vielmehr die Stücke (oder einige der Stücke?), die vom Linken Radio gespielt werden?

  8. 8 TaP 25. Juli 2009 um 20:55 Uhr

    Gerade zufällig gefunden: Fag als schlimmster Diss

    „Ich springe zum nächsten Aufsatz, der mir ins Auge springt: Tim Stüttgens Homo(phob) HipHop. Volltreffer! Spannend wie ein Thriller liest sich Stüttgens Versuch die Ambivalenzen, Unwägbarkeiten und Mechanismen der HH-Szene gegenüber Queerness zu erhellen. Und dabei nicht unwitzig. Gutes Beispiel ist der Versuch die hysterische Angst vieler Mainstream-Rapper vor Butch-Rapperinnen (extrem maskulin auftretenden, meist lesbischen Künstlerinnen) zu erklären: Vielleicht ist der Ärger sogar verständlich: Männlichkeit ist im Zeitalter seiner performativen Reproduzierbarkeit angekommen und gehört nicht mehr nur den Typen mit dem Bioschwanz. Klar, dass sich da die vermeintlichen Originale auf den Schlips getreten fühlen.‘ Als Angst steigernd könnte noch hinzukommen, was Stüttgen als übermächtiges kreatives Potential der queeren HH-Szene beschreibt. Nämlich die schöpferische Dynamik der Subkultur, die festgefahrenen und konstruierten Identitäten auf der anderen Seite gegenübersteht. Das Vorhandensein des Erstgenannten wird angesichts der massiven nicht-Kreativität der etablierten HipHop-Acts/des Mainstreams, die sich insbesondere in den Geschlechterrollen, und dort vor allem in der männlichen Identität manifestiert, lediglich verstärkt. Konfrontiert mit dieser Doppelbedrohung (Kreativität und Männlichkeitsstatus) wird klar, warum im Rap-Battle der schlimmste Diss für einen MC nicht die Bitch ist, sondern der Fag.“ (http://www.ruhr-uni-bochum.de/genderstudies/kulturundgeschlecht/pdf/Rosenbauer_Rezension.pdf, S. 2 f.)

  9. 9 euer kritiker 26. Juli 2009 um 11:07 Uhr

    @ TaP

    ich meine dieses hochschaukeln von liedtexten! es gibt einen allgemeinen index von titeln die nicht öffentlich im radio gespielt werden dürfen! keiner der benannten titel ist auf diesem index zu finden.
    ergo: diese diskussion ist schwachsinn!
    diese art der kulturellen kritik hatten wir schonmal…..denkt mal an das dritte reich!
    was kommt als nächstes? buchverbrennungen von linkskritischen autoren?
    das team vom linken radio macht einen guten job! jegliche einschränkung dieser arbeit ist ZENSUR!

  10. 10 TaP 26. Juli 2009 um 17:47 Uhr

    Antwort auf ‚unseren Kritiker‘ im Beitrag Über den Nutzen von Definitionen und ein paar andere Anmerkungen

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