I. Zum Namen des blogs
Der Titel des blogs speist sich u.a. aus einer politischen Einsicht Lenins:
„Ohne revolutionäre Theorie kann es auch keine revolutionäre Bewegung geben.“
Hinzukommt eine wissenschaftstheoretische Einsicht von Gaston Bachelard: Auch wissenschaftliche Praxis kommt nicht ohne Theorie aus:
„Die primäre Erfahrung, oder genauer gesagt, die erste Beobachtung ist immer ein erstes Hindernis für die wissenschaftliche Bildung. […]. Das Denken muß den unmittelbaren Empirismus überwinden. […] das erste System ist falsch.“ Nur „der Umweg über die Theorie [zwingt …] den wissenschaftlichen Geist zu einer Kritik der Wahrnehmung“. Man – frau und lesbe auch – muß nachdenken, um zu messen (oder zu beobachten), und nicht messen, um nachzudenken. (Bachelard 1938, 54, 55, 164, 309).
Hinzukommt schließlich noch eine Einsicht von Louis Althusser: Egal, ob es um politische oder wissenschaftliche Praxis geht (beide Praxisarten sind allerdings hinsichtlich ihrer ‚Rohstoffe’, ‚Produktionsmittel’, Produktionsmethoden und Produkte zu unterscheiden), es ist falsch, Theorie und Praxis überhaupt entgegenzusetzen. Auch Theorieproduktion ist eine Praxis:
„The critique which, in the last instance, counterposes the abstraction it attributes to theory and to science and the concrete it regards as the real itself, […] denies the reality of scientific practice, […]. Hoping to be ‘concrete’ and hoping for the ‘concrete’, this conception hopes to be ‚true‘ qua conception, so it hopes to be knowledge, but it starts by denying the reality of precisely the practice that produces knowledge!“ (p. 187; vgl. http://www.marx2mao.com/Other/RC68i.html, p. 40 f.).
In diesem Sinne wird hier Theorie als Praxis betrieben; Theorie ist keine bloße Kontemplation.
II. zu „man – frau und lesbe auch –“
Die vierte Referenz (nach Lenin, Bachelard und Althusser) ist Monique Wittig zu erweisen (sie wird nicht die letzte Lesbe bleiben, der in diesem blog die Referenz erwiesen wird). Sie sagte: „it would be incorrect so say lesbians associate, make love, live with women, […]. Lesbians are not women.“ (Wittig 1980, 32) Und ihre Begründung lautet:
Da mir noch keine Schwulen begegnet sind, die behaupten, daß Schwule keine Männer sind, resultiert aus Wittigs radikalem Anti-Biologismus die asymmetrische Schreibweise „man/frau/lesbe“ (statt des männliche Hegemonie artikulierenden „man“ oder statt eines gesellschaftliche Antagonismen negierenden „mensch“).
III. Zur Funktion von „Theorie als Praxis“
„Theorie als Praxis“ ist zunächst einmal aus dem Interesse entstanden, einige ältere Texte von mir wieder zugänglich zu machen und diese zusammen mit neueren Texten an einem einheitlichen Ort recherchierbar zu machen.
Indem dies öffentlich geschieht, sollen diese Texte zugleich zur Diskussion und Kritik gestellt werden. Es besteht daher die Möglichkeit, die einzelnen Texte durch Nutzung des „Kommentare“-links (in kleiner Schrift) unter der Überschrift jeden Beitrags zu kommentieren. Im Moment ist der blog so eingestellt, daß die Kommentare nicht erst durch eine Moderations-Warteschleife müssen, sondern sogleich online gestellt werden. Sofern dies nicht zuviel Spam anzieht, wird das so bleiben.
Darüber hinaus besteht die Möglichkeit, sich als ‚BenutzerIn’ (mittels des entsprechenden links im header [Kopfzeile] des blogs) zu registrieren. Die Nutzung dieser Möglichkeit bietet sich an, wenn mehrere Beiträge auf einmal kommentiert werden sollen oder wenn Beiträge geschickt werden sollen, die eine sinnvolle (auch kritische) Ergänzung der anderen Beiträge darstellen. Neu registrierte BenutzerInnen müssen erst manuell mit einer Schreibberechtigung versehen werden, also ggf. bitte etwas Geduld.
Löschung von Beiträgen und Kommentaren insb. nach den Kriterien von blogsport.de (keine rassistischen, sexistischen, antisemitischen, homophoben, behindertenfeindlichen, rechtsradikalen Inhalte) bleibt vorbehalten. Abgesehen davon gilt aber auch für die blog-Welt, was Lenin, Ferdinand Lassalle zitierend, über Parteien sagte:
In diesem Sinne wird auch „Theorie als Praxis“ durch Kontroversen nur gewinnen.
Soviel für den Anfang.
Althusser 1963: Louis Althusser, Über materialistische Dialektik. Von der Ungleichheit der Ursprünge (1963), in: ders., Für Marx, Suhrkamp: Frankfurt am Main, 1968, 100 – 167.
Bachelard 1938: Gaston Bachelard, Die Bildung des wissenschaftlichen Geistes, Suhrkamp: Frankfurt am Main, 1984 (frz. Originalausgabe: Librairie Philosophique J. Vrin: Paris, 1938).
Lenin 1902: W.I. Lenin, Was tun? Brennende Fragen unserer Bewegung (1902), in: ders., Werke, Bd. 5, Dietz: Berlin/DDR, 19788, 355 – 551.
Wittig 1980: Monique Wittig, The Straight Mind (1980), in: Wittig 1992, 21 – 32.
Wittig 1981: dies., One is not born a woman (1981), in: Wittig 1992, 9 – 20.
Wittig 1992: dies., The Straight Mind, Beacon Press: Boston, 1992.
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