Archiv für März 2001

„Wir fanden uns gewiss vor zuviel Macht“ (Foucault)

[Siehe die Vor­ber­mer­kun­gen zu den Bei­trä­gen Wes­sen Gewalt hat die Macht sexy zu sein?! und Herr­schaft oder Kom­mu­nis­mus – eine fal­sche Frage?. Auf den letzt­ge­nann­ten Bei­trag erschien in ak 447 eine wei­tere Replik, in dem Fall von Frank T. – Der fol­gende Antwort-​​Entwurf blieb damals unvoll­en­det und unver­öf­fent­licht, da in FN 6, 7 und 15 noch drei Zitate zu ver­fi­zie­ren blie­ben und der Text noch auf Zei­tungs­for­mat hätte gekürzt wer­den müs­sen. Dazu kam es damals nicht. Hier wird nun die dama­lige, abge­bro­chene Fas­sung zur Ver­fü­gung gestellt, und bei Gele­gen­heit wer­den die bei­den feh­len­den Lite­ra­tur­an­ga­ben nach­ge­reicht wer­den.]

Die Zeit als poli­ti­sche Posi­tio­nen, die bean­spruch­ten femi­nis­ti­sche zu sein, sich erfolg­reich auf „phy­sio­lo­gi­sche Mecha­nis­men“ beru­fen konn­ten, sind erfreu­li­cher­weise – für den Femi­nis­mus erfreu­li­cher­weise – vor­bei. Gleich­falls erfreu­li­cher­weise vor­bei sind im femi­nis­ti­schen Kon­text Zei­ten, in denen ver­meint­lich authen­ti­sche Erfah­run­gen (‚Betrof­fen­heit‘) – im Gegen­satz zu abs­trak­tem, unper­sön­li­chen Wis­sen (hier bspw. gewon­nen aus „Kon­takt­an­zei­gen und Internet-​​Seiten“, wie Frank T. bemän­gelt ) – als unhin­ter­geh­ba­res Argu­ment gal­ten. Wenn sich Frank T. in sei­ner SM-​​Apologie auf diese Argu­mente beru­fen möchte, dann bitte sehr. Das ist sein, nicht mein Pro­blem; dies zeigt aus­schließ­lich, auf wel­cher Seite in die­ser Debatte die essen­tia­lis­ti­schen Iden­ti­täts­po­li­ti­ke­rIn­nen sit­zen – und auf wel­cher Seite nicht.
Ein Pro­blem – aller­dings für die ganze Linke – ist es dem­ge­gen­über, wenn Frank T. for­dert, die schöp­fe­ri­sche Macht unkri­tisch zu fei­ern und wenn er mit einer strik­ten Tren­nung zwi­schen Macht und Herr­schaft das patri­ar­chale Geschlech­ter­ver­hält­nis aus der Schuß­li­nie von Herr­schafts­kri­tik neh­men will.
Frank T. behaup­tet: „Fou­cault (steht) im direk­ten Gegen­satz zu Schulze“. Das schmei­chelt zwar mei­ner Eitel­keit unge­mein; aber es scheint doch der Punkt erreicht zu sein, wo es not­wen­dig ist, Fou­cault gegen seine ver­meint­li­chen Ver­tei­di­ger in Schutz zu neh­men. Denn Fou­cault sagt nicht anders als MacKin­non: „Freund­schaft ist wech­sel­sei­tig und sexu­elle Ver­hält­nisse sind das nicht: in sexu­el­len Ver­hält­nis­sen pene­triert man oder man wird pene­triert … männ­li­che Gesell­schaft, Asy­me­trie … usw. … All das ist wenig ver­lo­ckend.“ (SuM 269, 270).

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