Wo viel Licht ist, ist auch viel Schatten!

Anmer­kun­gen zur Res Streh­les „Ein­füh­rung in die poli­ti­sche Ökono­mie“

Res Strehle
Ein­füh­rung in die poli­ti­sche Ökono­mie:
KAPI­TAL UND KRISE
Schwarze Risse /​ Rote Straße: Berlin/​Göttingen, 1991
186 S., 18 DM

Das Buch gibt aus autonom-​​operaistischer Sicht eine Ein­füh­rung in die poli­ti­sche Ökono­mie. Nach metho­di­schen Vor­be­mer­kun­gen (Kapi­tel 1) fol­gen Aus­füh­run­gen zur Wert­theo­rie (Kapi­tel 2), zur Kri­sen­theo­rie (Kapi­tel 3), zur Imperialismus-​​Theorie, und darin ein­ge­floch­ten zum Patri­ar­chat, (Kapi­tel 4 und 5), zur Poli­ti­schen Tech­no­lo­gie (Kapi­tel 6), zur Geld­theo­rie (Kapi­tel 7) und zur Sys­tem­theo­rie (Kapi­tel 8 ) sowie eine Schluß­be­mer­kung „Ueber Poli­ti­sche Oeko­no­mie hin­aus“.
Im fol­gen­den wer­den aus Sicht des Rezen­sen­ten zunächst stich­punkt­ar­tig die posi­ti­ven Sei­ten des Buches benannt. Im Anschluß daran werde ich ver­su­chen, in kri­ti­scher Aus­ein­an­der­set­zung mit vier zen­tra­len Kom­ple­xen aus Res Buch Anknüp­fungs­punkte für die wei­tere Debatte über linke, revo­lu­tio­näre Per­spek­ti­ven zu benen­nen.

Über­blick

I. Zunächst das Licht
1. Leichte Les­bar­keit
2. Inhalt­li­che Stär­ken des Buches
3. Res‘ Kri­ti­ken des Refor­mis­mus
4. Auto­nome Selbst­kri­tik
5. Post-​​Fordismus und Dere­gu­lie­rung

II. Nun zum Schat­ten
A. Über­blick und Ein­zel­kri­ti­ken
B. grund­le­gende Defi­zite
1. Res huma­nis­ti­sche Konsum-​​ und Tech­nik­kri­tik und deren ver­schwö­rungs­theo­re­ti­schen Kon­se­quen­zen
2. Res‘ Nähe zur „Ortho­do­xie“, beson­ders seine kapital-​​funktionale Erklä­rung des Patri­ar­chats

C. theo­re­ti­sche Ursa­chen
1. Theo­rie ist keine Hand­werks­ord­nung
2. Imperialismus-​​Theorie
a) Kri­sen­theo­rie und „Gesetz vom ten­den­zi­el­len Fall der Pro­fi­trate“ bei Marx
b) Rosa Luxem­burg war weder Auto­nome noch Femi­nis­tin
c) Res Streh­les Imperialismus-​​Theorie
d) Lenins Imperialismus-​​Theorie in der Dar­stel­lung von Res
3. Hegel und die Dia­lek­tik
a) Res‘ Hegel-​​Rezeption
b) Das Ver­hält­nis von Marx und Hegel
c) Zur These von der „angewandte(n) Dia­lek­tik“

III. Resü­mee /​ Per­spek­ti­ven
1. Das Nach­wort von Det­lef Hart­mann
2. Anknüp­fungs­punkte für die wei­tere Dis­kus­sion

[Es emp­fiehlt sich, zur Lek­türe die .pdf-​​Bild-​​Datei eines alten Aus­drucks die­ses Texts zu ver­wen­den und diese .html-​​Version nur zur Nut­zung der Suche-​​Funktion, die in der Bild-​​Datei nicht zur Ver­fü­gung steht. Denn ich habe bis­her nur die ers­ten 15 (von fast 200) Fuß­no­ten, aber noch keine Her­vor­he­bun­gen im Text (außer Zwi­schen­über­schrif­ten) wie­der­her­ge­stellt. Vgl. im übri­gen meine Anmer­kun­gen zur Wie­der­ver­öf­fent­li­chung.]

I. Zunächst das Licht

1. Leichte Les­bar­keit

Als ers­tes ein for­ma­ler, aber trotz­dem wich­ti­ger Aspekt: Das Buch von Res ist – im Gegen­satz zu ande­rer auto­no­mer Theo­rie­pro­duk­tion – ver­ständ­lich und leicht les­bar geschrie­ben.1 Damit regt das Buch – hof­fent­lich – auch andere Genos­sIn­nen, die sich genauso wie der Rezen­sent im auto­no­men Jar­gon nicht zu Hause füh­len, zur Aus­ein­an­der­set­zung an. Das abschre­ckende Gegen­bei­spiel lie­fert übri­gens im Nach­wort (wie­der ein­mal) Det­lef Hart­mann.

2. Inhalt­li­che Stär­ken des Buches

Inhalt­lich als posi­tiv her­vor­zu­he­ben sind beson­ders die Dar­stel­lun­gen der marx­schen Wert­theo­rie2 (23 ff.) und die Erläu­te­rung der These von der Zonie­rung der Welt (Front­staa­ten, Investitions-​​ und Armuts­zo­nen etc.), die viel dif­fe­ren­zier­ter sei als ein glo­ba­ler Metropole-​​Trikont-​​Gegensatz (75 ff.) sowie – mit Ein­schrän­kun­gen im Detail (s.u.) – die Dar­stel­lun­gen der Poli­ti­schen Geld­theo­rie (123 ff.) und der herr­schen­den Sys­tem­theo­rien (145 ff.).

3. Res‘ Kri­ti­ken des Refor­mis­mus

Wich­tig an Ein­zel­punk­ten sind schließ­lich noch Res‘ anti­re­for­mis­ti­sche Kri­ti­ken
++ an „Huma­ni­täts­ap­pel­len“ (18 f.)
++ des Begriffs der „Selbst­aus­beu­tung“ in Bezug auf Alternativ-​​Betriebe (30);
++ an der „Theo­rie der Lan­gen Wel­len“, die meint, Wirt­schafts­kri­sen aus einem ver­meint­li­chen Zyklus tech­ni­scher Inno­va­tio­nen und deren Ver­al­tung erklä­ren zu kön­nen (49)
++ der keyne­sia­nis­ti­schen These, durch (Staats)verschuldung könn­ten Wirt­schafts­kri­sen dau­er­haft ver­hin­dert wer­den (63, 132, 159);
++ der Kasino-​​Kapitalismus-​​Theorie (Mög­lich­keit von Spe­ku­la­ti­ons­ge­win­nen unab­hän­gig von rea­ler Mehr­wert­pro­duk­tion) (137, 138);
++ der Illu­sion, eine bloße Ver­staat­li­chung des Ban­ken­sek­tors würde bereits den Kapi­ta­lis­mus auf­he­ben (142).
Hier ist auch sein Hin­weis zu nen­nen, daß die gegen­wär­tige Ent­wick­lung in Süd­afrika durch­aus kein Beleg für die Läu­te­rungs­fä­hig­keit des wei­ßen Kapi­tals, son­dern eine Moder­ni­sie­rung von Herr­schaft dar­stellt (145 f., 164).

4. Auto­nome Selbst­kri­tik

Eben­falls rele­vant sind seine Kri­ti­ken an eini­gen auto­no­men The­sen:
++ These von der Mög­lich­keit einer men­schen­lee­ren Fabrik (38);
++ ver­schwö­rungs­theo­re­ti­sche Erklä­rung des Kapi­ta­lis­mus (45);
++ Erklä­rung von Krieg mit der Not­wen­dig­keit von Kapi­tal­ver­nich­tung (62);
++ These von der Mög­lich­keit einer sub­sis­tenz­pro­duk­ti­ons­ge­stütz­ten Abkop­pe­lung vom Welt­markt (80);
++ auto­no­mer Zweck­op­ti­mis­mus hin­sicht­lich der revo­lu­tio­nä­ren Kraft der Mar­gi­na­li­sier­ten und der „ande­ren Arbeiter-​​bewegung“ (116 f.).
(Damit befin­den wir uns auch schon im Übergang zu den Schat­ten­sei­ten des Buches. Denn Res selbst unter­lau­fen – obwohl er sie kri­ti­siert – [in ent­schärf­ter Weise] ins­be­son­dere die Feh­ler zwei und fünf. Ent­spre­chen­des gilt hin­sicht­lich des kri­ti­sier­ten Huma­nis­mus.)

5. Post-​​Fordismus und Dere­gu­lie­rung

In beide Rich­tun­gen rele­vant ist schließ­lich sein Hin­weis, daß der Post-​​Fordismus keine völ­lig Dere­gu­lie­rung dar­stelle (160 f.). Aber auch hier macht er im Prin­zip den glei­chen Feh­ler selbst, wenn er die Poli­tik des BRD-​​Kapitals und -Staats in der ehe­ma­li­gen DDR ein­sei­tig als Dere­gu­lie­rung inter­pre­tiert (163) (die Herr­schen­den las­sen sich auch dort die Bewah­rung des „sozia­len Frie­dens“ jede Menge kos­ten).

All diese posi­ti­ven Sei­ten des Buches brau­chen hier nicht wei­ter aus­ge­führt wer­den, son­dern kön­nen am bes­ten im Ori­gi­nal nach­ge­le­sen wer­den.

II. Nun zum Schat­ten

A. Über­blick und Ein­zel­kri­ti­ken

Die kri­ti­sche Aus­ein­an­der­set­zung mit Res‘ Buch soll sich unter II.B. auf zwei grund­le­gende Defi­zite beschrän­ken:
-- seine Konsum-​​ und Tech­nik­kri­tik (II.B.1.)
und
-- seine ver­schie­dent­li­che unfrei­wil­lige Nähe zu der von ihm sog. „Ortho­do­xie“ (20 et pas­sim). Letz­te­res gilt ins­be­son­dere für seine fast aus­schließ­lich kapital-​​funktionale Erklä­rung des Patri­ar­chats. (II.B.2.).
Unter II.C. wer­den dann die theo­re­ti­schen Ursa­chen die­ser Posi­tio­nen erör­tert:
-- Res ver­kennt nicht nur im Bereich der Ökono­mie und der Tech­no­lo­gie­po­li­tik den Unter­schied zwi­schen Hand­werk und Wis­sen­schaft, son­dern auch in der poli­ti­schen Theo­rie den Unter­schied zwi­schen Wis­sen­schaft­lich­keit und Hand­wer­ke­lei (II.C.1.).
-- Bei der Dar­stel­lung von Luxem­burgs und Lenins Imperialismus-​​Theorien leis­tet er weder eine Kri­tik von Lenins „Fäulnis“-These (der Impe­ria­lis­mus als „Fäulnis“-Phase des Kapi­ta­lis­mus) noch Luxem­burgs Zusammenbruchs-​​Theorie. Res unkri­ti­sche Luxemburg-​​Rezeption scheint auch die Ursa­che dafür zu sein, daß er bei Marx Kri­sen­theo­rie und Zusam­men­bruchs­ten­denz ver­mengt. Lenins „Fäul­nis“– und „Dekadenz“-These setzt sich impli­zite in Res Konsum-​​ und Tech­no­lo­gie­kri­tik fort. In die­sen Kon­text gehört auch, daß sich Res posi­tiv auf die teil­weise ver­schwö­rungs­theo­re­ti­sche Theo­rie vom „Staats­mo­no­pol­ka­pi­ta­lis­mus“ bezieht, die sich ihrer­seits wie­derum (teil­weise zu unrecht) auf Lenins Imperialismus-​​Theorie beruft. (II.C.2.)
-- Res ver­kennt den von Marx mit den Feuerbach-​​Thesen und der „Deut­schen Ideo­lo­gie“ (beide in MEW 3) voll­zo­ge­nen Bruch mit der hegel­schen Dia­lek­tik und dem feu­er­bach­schen Huma­nis­mus. Res bleibt so auch als Auto­no­mer in den phi­lo­so­phi­schen Kon­tro­ver­sen zwi­schen Sta­li­nis­mus und Euro­kom­mu­nis­mus sowie deren Schein­al­ter­na­ti­ven ste­cken. (II.C. 3.).
Im III. Teil wer­den dann – unter ver­glei­chen­der Her­an­zie­hung des Nach­wor­tes von Det­lef Hart­mann – eine Bilanz gezo­gen und Anknüp­fungs­punkte für die wei­tere Debatte über Per­spek­ti­ven lin­ker Poli­tik benannt.

Einige Ein­zel­kri­ti­ken seien hier nur stich­punkt­ar­tig ange­deu­tet: Die These von der Mög­lich­keit eines basis­de­mo­kra­ti­schen Waf­fen­ein­sat­zes (29) (soll die RAF ihre nächste Aktion vor­her auf einer VV zur Dis­kus­sion stel­len?!); die nicht begrün­dete Bezeich­nung des „real exis­tie­ren­den Sozia­lis­mus“ als Staats­ka­pi­ta­lis­mus (33) bzw. Staats­for­dis­mus (33, 152, 163); die Vor­stel­lung, die Arbei­te­rIn­nen­klasse werde erst durch den Keyne­sia­nis­mus ins Kapi­tal­ver­hält­nis geholt (58); die im Text fal­sche, im Glos­sar unge­naue Erklä­rung des Begriffs „defi­cit spen­ding“ (59, 174) (der aus­drück­li­che und ent­schei­dende Hin­weis, daß es sich dabei um Staats­ver­schul­dung han­delt, fehlt in bei­den Fäl­len); Defi­ni­tion kapi­ta­lis­ti­scher Kri­sen (nur) als Über­ak­ku­mu­la­tion von Geld­ka­pi­tal (59), nicht aber als Über­ak­ku­mu­la­tion von Waren­ka­pi­tal, das gerade kei­nen Absatz fin­det3; die These, das Kapi­tal betreibe die Ver­nich­tung „unnüt­zer Esser“ aus­ge­rech­net mit­tels Todes­schwa­dro­nen (101) (über­haupt steht die Vernichtungs-​​These auf schwa­chen Füßen: für die Reservearmee-​​Funktion bedarf es gerade deren Exis­tenz)4; die Asso­zia­tion von Sozi­al­part­ne­rIn­nen­schaft und Streik­ver­bot (148).

B. grund­le­gende Defi­zite

1. Res huma­nis­ti­sche Konsum-​​ und Tech­nik­kri­tik und deren ver­schwö­rungs­theo­re­ti­schen Kon­se­quen­zen

a) Der auto­nome Huma­nis­mus

Res hält es für rich­tig, vom „Gute(n) im Men­schen“ aus­ge­hen (18). Irgend­wie spielt der Klas­sen­kampf dabei zwar eine Rolle, aber sehr häu­fig (wenn über­haupt) kommt der Begriff in dem Buch nicht vor.5 Statt­des­sen wird dann schon ‚mal kri­ti­siert, daß die Frage von offe­ner Gewalt­an­wen­dung für die Bour­geoi­sie „keine mora­li­sche Frage“ (99) sei (als ob’s mit Moral bes­ser wäre). An ande­rer Stelle macht er sich Gedan­ken über „sau­be­res und schmut­zi­ges Geld“ (138). Auch die Bünd­nis­per­spek­tive zum lin­ken Chris­tIn­nen­tum taucht – genauso wie bei ande­ren (mar­xis­ti­schen) Huma­nis­men6 – auf (19). Kurz: Res unter­sucht die Gesell­schaft nicht durch­gän­gig in einer dem Gegen­stand ange­mes­se­nen Weise (mate­ria­lis­tisch), son­dern teil­weise mit „ethi­schen Begrif­fen“.7 Beson­ders deut­lich wird seine huma­nis­ti­sche Per­spek­tive bei sei­ner Konsum-​​ und Tech­no­lo­gie­kri­tik, die er mit­tels der Kate­go­rie der „Ent­frem­dung“ (120) führt.
Die­sen Ansatz hatte ich in einer älte­ren Fas­sung der Rezen­sion einer aus­führ­li­chen Kri­tik unter­zo­gen. Aus Platz­grün­den habe ich diese Pas­sage hier gestri­chen und zusam­men mit ande­ren Neo­hu­ma­nis­men in einem extra Arti­kel behan­delt. Dort fin­det sich auch mehr zu dem von Alt­hus­ser ent­deck­ten „epis­te­mo­lo­gi­schen“ (wis­sen­schafts­theo­re­ti­schen) „Bruch“ bei Marx . Die­ses Papier habe ich der PROWO zur Ver­öf­fent­li­chung ange­bo­ten. Es wird dort in der Dez.-Ausgabe (Nr. 20) erschei­nen. Des­halb hier nur die Haupt­these. Der Rekurs auf ‚die Men­schen‘ oder ‚das ent­frem­dete, mensch­li­che Wesen‘ ent­nennt die Pro­ble­ma­tik von Klassen-​​, Geschlechter-​​ und ras­sis­ti­scher Herr­schaft.8 Sol­len diese Herr­schafts­ver­hält­nisse ana­ly­siert und bekämpft wer­den, dann kann nicht mehr von ‚den Men­schen‘ aus­ge­gan­gen wer­den, son­dern dann muß dif­fe­ren­ziert wer­den.
Aber „Ent­frem­dung“ (120) – ist das nicht ein ganz zen­tra­ler Begriff bei Marx? Muß an ihm nicht fest­ge­hal­ten wer­den? Nein, denn Vor­aus­set­zung des Begriffs „Ent­frem­dung“ ist die Vor­stel­lung einem „mensch­li­chen Wesen“, das ent­frem­det wird.9 Was ist „das mensch­li­che Wesen“? Wie läßt sich das anders als idea­lis­tisch und mys­tisch defi­nie­ren?!
Aller­dings schreibt Alt­hus­ser: „Was man von der Kate­go­rie Nega­tion der Nega­tion, an der das Gewicht einer nicht zu besei­ti­gen­den idea­lis­ti­schen Last hängt, Posi­ti­ves erwar­ten kann, leuch­tet mir nicht ein. Dage­gen kann die Kate­go­rie Ent­frem­dung, wie mir scheint, einen pro­vi­so­ri­schen Nut­zen haben, jedoch nur unter einer dop­pel­ten unab­ding­ba­ren Vor­aus­set­zung: 1) Sie muß von jeder Phi­lo­so­phie der Ver­ding­li­chung (…), die nur eine anthro­po­lo­gi­sche Vari­ante des Idea­lis­mus ist, ‚abge­schnit­ten‘ wer­den, und 2) die Ent­frem­dung muß gedacht wer­den unter dem Begriff der Aus­beu­tung. Unter die­sen bei­den Vor­aus­set­zun­gen kann die Kate­go­rie Ent­frem­dung zunächst ein­mal (denn sie ver­schwin­det im erreich­ten Resul­tat) weg­füh­ren von einer rein rech­ne­ri­schen, d.h. ökono­mis­ti­schen Kon­zep­tion des Mehr­werts: um die Vor­stel­lung ein­zu­füh­ren, daß bei der Aus­beu­tung der Mehr­wert nicht trenn­bar ist von den kon­kre­ten und mate­ri­el­len For­men sei­ner Abpres­sung.“10 Diese Argu­men­ta­ti­ons­rich­tung kommt aber bei Res nur teil­weise (bspw. 111 f.) zum Tra­gen.

b) Res‘ Konsum-​​ und Tech­no­lo­gie­kri­tik

Die klassen-​​indifferente Haupt­ten­denz Res‘ Ansatz wird deut­lich an einem Satz, den er ver­mut­lich nicht wört­lich so meint, wie er ihn auf­ge­schrie­ben hat: Auf S. 96 bezeich­net er die Waren­märkte als „von den Pro­du­zen­ten (sic!) beherrscht“. Auch wenn Res ver­mut­lich nicht bestrei­ten will, daß nicht die Pro­du­zen­tIn­nen, also die Arbei­te­rIn­nen, son­dern das Kapi­tal die Märkte beherr­schen, zeigt die­ser Satz, um was es Res mit sei­ner Kri­tik geht: Nicht so sehr um Aus­beu­tung, son­dern darum, daß die KonsumentInnen-​​Idylle in Schwei­zer Ber­gen und Kreuz­ber­ger Hin­ter­höfe durch „Zucker­wa­ren, Alko­ho­lika, Ziga­ret­ten, Cola, Kaf­fee, Medi­ka­mente (sic!), Spiel­au­to­ma­ten“ (96), durch McDonald’s und Walt Dis­ney (67) „zuge­rich­tet“ (166) wird. In sei­nem PROWO-​​Interview (Nr. 18, Okt. 1991, 8 ) ergänzt er diese Auf­zäh­lung um das Gesund­heits­we­sen, die Kul­tur­in­dus­trie und die Gas­tro­no­mie. Bei aller Kri­tik, die an Appa­ra­te­me­di­zin und indus­tri­el­ler Nah­rungs­mit­tel­pro­duk­tion und -ver­sor­gung (so wie sie heute exis­tie­ren) not­wen­dig ist, möchte ich doch zwei schüch­terne The­sen wagen:
-- Zur Hei­lung einer Krank­heit ist es sinn­vol­ler, sich auf dem Stand heu­ti­ger wis­sen­schaft­li­cher Erkennt­nis der Medi­zin als auf der Grund­lage mit­tel­al­ter­li­chen Erfah­rungs­wis­sens behan­deln zu las­sen.
-- Den­je­ni­gen, die heute unter moder­nem Gesund­heits­we­sen und Gas­tro­no­mie angeb­lich lei­den müs­sen, geht es (gesund­heit­lich etc.) deut­lich bes­ser, als den­je­ni­gen, denen die­ser Stand von Wis­sen­schaft und Tech­nik frü­her nicht zur Ver­fü­gung stand oder heute vor­ent­hal­ten wird.
Für beide The­sen ist die his­to­ri­sche und regio­nale Ent­wick­lung der Lebens­er­war­tung der Men­schen ein beschei­de­nes Indiz.
Ent­spre­chend roman­tisch ist Res Blick auf die vor-​​fordistische pro­le­ta­ri­sche Kul­tur (154 f.), die er in ihrem unter­drü­ck­eri­schen Gehalt gar nicht the­ma­ti­siert11. Das, was Marx erst als Auf­gabe stellte, nimmt Res für die vor-​​fordistische Zeit bereits als Rea­li­tät an: die Arbei­te­rIn­nen­klasse als „revo­lu­tio­näre Klasse (…) für sich (sub­jek­tiv mit eige­nem Bewußt­sein)“ (155). In die­sem Zusam­men­hang hat es auch Sinn, dem hand­werk­li­chen Cha­rak­ter der Arbeit nach­zu­trau­ern – nur poli­tisch bringt das über­haupt nichts.
Hier ist erfor­der­lich, auf den Unter­schied zwi­schen Wis­sen­schaft und Hand­werk ein­zu­ge­hen:12 Res kri­ti­siert in sei­nem PROWO-​​Interview, daß das „Wis­sen über Zusam­men­hänge des eige­nen Kör­pers, der Kul­tur, der Ernäh­rung usw. sys­te­ma­tisch von den betrof­fe­nen Men­schen (sic!) weg“ ver­la­gert würde. Genau an die­ser Pro­ble­ma­tik zeigt sich, daß zunft­mä­ßige Orga­ni­sa­tion des Hand­werk kei­nes­wegs etwas „völ­lig Ande­res“ ist als „hand­werk­li­che Fähig­kei­ten“. Viel­mehr sind die ver­schie­de­nen Aspekte der Beschränkt­heit des Hand­werks sol­che einer inne­ren Ein­heit: „Obwohl die Handwerker-​​Kultur eine blü­hende Kul­tur war, obwohl der Hand­wer­ker schöp­fe­ri­sche Arbeit ver­rich­tete usw., kann aus die­ser Per­spek­tive die Zukunft der Arbeit nicht gewon­nen wer­den. Maschi­ne­rie, kol­lek­tive Arbeit, Ver­wis­sen­schaft­li­chung der Pro­duk­tion, Ver­ge­sell­schaf­tung der Arbeit haben nach­drück­lich das hand­werk­li­che Arbeits­ver­hält­nis zer­stört und den Weg ver­stellt, zu einer sol­chen Arbeit zurück­zu­keh­ren. Dafür hat die Maschi­ni­sie­rung und mehr noch die Auto­ma­tion die Per­spek­tive zu einer völ­lig neuen Arbeit eröff­net, zu einer Arbeit, die auf der Aneig­nung der wis­sen­schaft­li­chen Errun­gen­schaf­ten besteht und nicht auf dem Niveau von Erfah­rungs­wis­sen ste­hen­bleibt, daher ver­all­ge­mei­ner­bar und nicht nur Ein­zel­nen zugäng­lich ist, die auf die Auf­he­bung von Hand-​​ und Kopf­ar­beit auf einem viel höhe­ren Niveau hin­aus­läuft, als es die Hand­werks­kunst jemals ermög­lichte.“13
Soweit sich Res auf eine sol­che kon­krete Ana­lyse der Arbeits­be­din­gun­gen über­haupt ein­läßt, ist dies bei ihm eine lineare Ver­län­ge­rung der wohl eini­ger­ma­ßen rich­tig beschrie­be­nen Pra­xis des Tay­lo­ris­mus (104 ff., 119 ff.) (Ver­wis­sen­schaft­li­chung der Pro­duk­tion heute [s. dazu unten] bedeu­tet aber gerade etwas ande­res als Fre­de­rick Tay­lors „wis­sen­schaft­li­che Arbeits­or­ga­ni­sa­tion“. Dies als Hin­weis zu Res‘ Gleich­set­zung in der zwei­ten Ant­wort in sei­nem PROWO-​​Interview) und deren Ver­knüp­fung mit einer – nur in Fra­ge­form ange­deu­te­ten – ein­sei­tig kata­stro­phi­schen Sicht auf die Gen-​​ und Repro­duk­ti­ons­tech­no­lo­gien14 (120, vgl. 8, 150). Die Ver­än­de­run­gen im sog. Post-​​Fordismus wer­den vor­ran­gig als Aus­dif­fe­ren­zie­rung der ‚Konsum-​​Subjekte‘ wahr­ge­nom­men (161); Ver­än­de­run­gen im Arbeits­pro­zeß weit­ge­hend ein­sei­tig als Dequa­li­fi­zie­rung und Spal­tung der abhän­gig Beschäf­tig­ten inter­pre­tiert (118, 161 f.). Die Eta­blie­rung „teil­au­to­no­mer Fer­ti­gungs­grup­pen“ wird nur kurz erwähnt, aber in ihrer Bedeu­tung nicht unter­sucht (162). Statt­des­sen wird behaup­tet es komme „nie“ auf das Bewußt­sein und die Selbst­re­flek­tion „der Betrof­fe­nen“ (153) an, der tay­lo­ris­ti­sche Arbei­ter habe keine Vor­stel­lung mehr vom „Ergeb­nis der Arbeit und dem Weg dahin“ (105).
An die­sem Bei­spiel zei­gen sich ganz prak­tisch die idea­lis­ti­schen Kon­se­quen­zen des auto­no­men Huma­nis­mus: Wenn Res recht hat mit sei­ner Beschrei­bung, dann müßte er in der Tat die marx­sche Defi­ni­tion von Arbeit, für die – u.a. – diese Vor­stel­lungs­mög­lich­keit kon­sti­tu­tiv ist15 (25, 105), revi­die­ren. Statt­des­sen nimmt er diese Defi­ni­tion als Ideal und klagt diese gegen die [ver­meint­li­che] Rea­li­tät ein. Aller­dings redu­ziert sich die marx­sche Defi­ni­tion ohne­hin nicht auf die­sen von Res erwähn­ten Aspekt: Zu akzen­tu­ie­ren ist hier auch Marx‘ Hin­weis, daß der Arbeits­pro­zeß nicht nur durch die Arbeit selbst, son­dern auch durch die Roh­stoffe, die bear­bei­tet wer­den, und die Arbeits­in­stru­mente defi­niert ist , so daß Marx den Men­schen u.a. als „tool­ma­king ani­mal“ betrach­tet . „Diese Bestim­mung des Arbeits­pro­zes­ses durch seine mate­ri­el­len Bedin­gun­gen wider­setzt sich jeder ‚huma­nis­ti­schen‘ Kon­zep­tion der mensch­li­chen Arbeit als reine Schöp­fung.“
Eine dif­fe­ren­zierte Sicht­weise der tech­no­lo­gi­schen Ent­wick­lung ent­deckt im Gegen­satz zu Res Anknüp­fungs­punkte für sozia­lis­ti­sche und anti­pa­tri­ar­chale Poli­tik: Sogar Karl-​​Heinz Roth macht sich – wenn auch noch unkon­kre­ti­siert – von sei­nem Ansatz aus Gedan­ken über ein „Bünd­nis zwi­schen fle­xi­bi­li­sier­ten Min­dest­be­leg­schaf­ten und Tech­ni­kern (…), das mög­li­cher­weise eine inter­es­sante öko-​​operaistische Vari­ante der Bemü­hun­gen um soge­nannte Pro­dukt­kon­ver­sion her­vor­bringt“ sowie „besetz­ten Häu­sern, Arbeitslosen-​​ und Job­ber­in­itia­ti­ven“.
Heute fin­det sich die „stärkste Arbeits­tei­lung (…) in den Berei­chen, die tech­nisch am gerings­ten ent­wi­ckelt sind“ . Im Inter­esse der Erhal­tung von die Herr­schaft des Kapi­tals sta­bi­li­sie­ren­den Hier­ar­chien wer­den teil­weise „zu enor­men Kos­ten“ tech­nisch „dis­funk­tio­nal gewor­dene Ele­mente ver­ti­ka­ler Arbeits­tei­lung auf­recht­er­hal­ten“ . Dadurch, daß die Iden­ti­tät des wei­ßen, männ­li­chen Fach­ar­bei­ters (Kör­per­kraft, per­sön­li­ches Geschick, prak­tisch erwor­bene Arbeits­er­fah­rung) unter­gra­ben wird, ver­wi­schen auch die Gren­zen zwi­schen sog. „Frauen-​​“ und sog. „Män­ner­ar­beit“. Die Fach­ar­bei­ter „rea­gie­ren dar­auf, indem sie Auto­ma­tion zu ver­hin­dern und zu ver­zö­gern suchen und neue Arbeits­tei­lun­gen zwi­schen den Geschlech­tern auf­bauen“ . Ein kon­kre­tes Bei­spiel dafür ist die Ein­füh­rung des Foto­sat­zes: Frü­her getrennte Tätig­kei­ten (bspw. der eigent­li­che Satz und das anschlie­ßende Lay­out) sind jetzt inte­griert. Trotz­dem wurde die Ein­füh­rung des Foto­sat­zes von der IG Druck und Papier als „Abqua­li­fi­zie­rung“ bekämpft. Der Grund: Frauen dräng­ten jetzt in die Männer-​​Domäne der Satz­be­triebe. Im Welt­bild der männ­li­chen Set­zer mußte Arbeit, die Frauen ver­rich­ten „unqua­li­fi­ziert sein, denn Frau­en­ar­beit gilt als Syn­onym für unqua­li­fi­zierte Arbeit“ .
Res hält dem in sei­nem PROWO-​​Interview nur fol­gende Argu­mente ent­ge­gen: „die männ­li­che Vor­schlags­ham­mer­lo­gik des Entweder/​Oder, 0 oder 1, gut oder böse, Maria oder Hexe usw., die Tat­sa­che, daß durch neue Tech­no­lo­gien Frau­en­ar­beit im Büro, im Haus­halt usw. ja gerade nicht abge­schafft wer­den, son­dern gegen den femi­nis­ti­schen und teil­weise auch bürgerlich-​​frauenrechtlichen Wider­stand ver­län­gert wird (Wie jetzt?! Wäre eine völ­lige Ver­drän­gung der Frauen aus der Erwerbs­ar­beit bes­ser?!, Anm. d. Verf.); die Aktua­li­tät von spe­zi­fi­scher ‚Frau­en­ar­beit‘ wie Hygiene-​​ und Kon­troll­tä­tig­kei­ten im moder­nen Pro­duk­ti­ons­pro­zeß.“
Dazu noch zwei Anmer­kun­gen:
-- In der Tat funk­tio­nie­ren Com­pu­ter nach dem Prin­zip 0/​1. Aber gerade die Ent­wick­lung der Kom­mu­ni­ka­ti­ons­wis­sen­schaft und der Bio­lo­gie unter­gräbt die Dua­lis­men von Mann – Frau, Kul­tur – Natur, Geist – Emo­tion . „Ich beob­achte mit gro­ßem Ver­gnü­gen, wie tra­di­tio­nelle, weiße, west­li­che, männ­li­che Phi­lo­so­phen sich plötz­lich mit dem Kör­per, dem Ani­ma­li­schen, iden­ti­fi­zie­ren, wenn sie ihre mensch­li­che Iden­ti­tät durch die Ent­schei­dungs­pro­zesse eines Com­pu­ters bedroht sehen. Mensch sein heißt für sie jetzt nicht mehr Geist, son­dern Kör­per zu sein, weil die Maschine im 20. Jahr­hun­dert den Geist in einer Weise zu bedro­hen scheint, wie sie im 19. Jahr­hun­dert den Kör­per bedrohte.“
-- „Über­wa­chungs­ar­bei­ten bezie­hen sich in der auto­ma­ti­sier­ten Pro­duk­tion auf rie­sige Kom­plexe, oft ganze Pro­duk­ti­ons­be­triebe. Häu­fig gibt es nur eine Arbeits­tei­lung zwi­schen dem Über­wa­chungs­per­so­nal in der Zen­tral­warte und den ‚Rund­gän­gern‘ (…). Es gab Ver­su­che von Unter­neh­mer­seite, im Instand­hal­tungs­be­reich, (…), den Anteil der unqua­li­fi­zier­ten Arbei­ter zu erhö­hen. Diese Ver­su­che sind, nach allem, was man weiß, geschei­tert.“ Ähnli­ches gilt für den Programmier-​​ und den Ver­wal­tungs­be­reich.
Falsch wäre es aller­dings, die Posi­tion von Res ein­fach nur umzu­dre­hen und anzu­neh­men, die tech­no­lo­gi­sche Ent­wick­lung würde Kapi­ta­lis­mus und Patri­ar­chat auto­ma­tisch besei­ti­gen bzw. mit­tels neuer Tech­no­lo­gien seien befreite Inseln in ihnen mög­lich. Denn kapitalismus-​​immanent ver­läuft Produktivkraft-​​Entwicklung so, daß sie „Indi­vi­dua­li­tät und Kom­pe­tenz for­dert und gleich­zei­tig ein­engt“ . Inso­fern geht der Hin­weis von Res in sei­nem PROWO-​​Interview, daß die Ein­füh­rung neuer Tech­no­lo­gien nicht „im Inter­esse“ der Frauen erfolge am Pro­blem vor­bei. Mit die­sem Argu­ment müß­ten – was Res aber aus­drück­lich nicht will, auch wenn er dies an kei­nem ein­zi­gen Punkt (weder in sei­nem Buch noch in sei­nem Inter­view) kon­kre­ti­siert – „die gesam­ten moder­nen Pro­duk­tiv­kräfte“ ver­wor­fen wer­den . Denn sie sind alle­samt „im Inter­esse“ von Patri­ar­chat, Kapi­tal und ras­sis­ti­scher Herr­schaft ent­wi­ckelt wor­den. Die Frage ist viel­mehr, wie gehen wir mit den wider­sprüch­li­chen Effek­ten, die sie trotz­dem pro­du­zie­ren um: Wel­che bestimm­ten unter kapi­ta­lis­ti­schen, patri­ar­cha­len und ras­sis­ti­schen Bedin­gun­gen ent­wi­ckel­ten Tech­no­lo­gien, sind trotz­dem vom sozia­lis­ti­schen, femi­nis­ti­schen, anti­ras­sis­ti­schen Stand­punkt aus zu befür­wor­ten.
Die Sicht­weise von Res ten­diert dage­gen zu einer Hal­tung, die er eigent­lich kri­ti­sie­ren will: die Sub­jek­ti­vie­rung der Tech­nik (106 f.). Diese These kri­ti­siert er zwar an Joseph Wei­zen­baum, nicht aber an Det­lef Hart­mann, auf den Res sich öfters in sei­nem Buch (ins­be­son­dere im Kapi­tel zur Poli­ti­schen Tech­no­lo­gie) bezieht. Hart­mann schreibt schon auf der ers­ten Text­seite sei­nes Buches „Leben als Sabo­tage“: „Die Maschine ist Gewalt gegen unser Leben…“ usw. usw. So läuft denn – wenn auch nicht wört­lich – alles auf die auto­nome Parole ‚Mensch gegen Maschine‘ hin­aus: „Die leben­dige Sub­jek­ti­vi­tät des mensch­li­chen Lebens (…) steht der Durch­set­zung neuer, effi­zi­en­te­rer For­men der Arbeits­or­ga­ni­sa­tion feind­lich gegenüber.“(117 – Her­vorh. d. Verf.) Und „d(ie) Men­schen“ schlecht­hin sind es denn auch, die der Kapi­tal­ver­wer­tung unter­wor­fen sind (165)… Edzard Reu­ter genauso wie der/​die Band­ar­bei­te­rIn bei Daimler-​​Benz?!
In sei­nem PROWO-​​Interview hat Res inzwi­schen klar gestellt, daß er letz­te­res nicht meint, son­dern nur dar­auf hin­wei­sen wollte, daß die gesamte Gesell­schaft vom Kapi­tal­ver­hält­nis struk­tu­riert ist. Die­ser Hin­weis ist sicher­lich rich­tig. Würde er ernst genom­men wer­den, müßte er aller­dings eine Total­re­vi­sion auto­no­mer Theo­rie und Pra­xis zur Folge haben, die meint, immer nur ‚von außen‘ zu kom­men. Tat­säch­lich fin­det aber jede poli­ti­sche Aktion, alles, schon immer ‚inner­halb‘ der herr­schen­den Appa­rate, Dis­kurse etc. statt. Wer/​welche dies nicht sieht, unter­wirft sich bewußt­los den teils inte­grie­ren­den, teils spal­ten­den Effek­ten die­ser Appa­rate, Dis­kurse etc. Es ist nicht mög­lich, sich die­sen Effek­ten spon­tan zu ent­zie­hen, son­dern nur, sie – bei Aner­ken­nung(!) – zu beherr­schen.
Die Stoß­rich­tung von Res‘ Kri­tik hat noch eine andere Kon­se­quenz: Arbei­te­rIn­nen, die auf­grund von Hier­ar­chi­sie­run­gen ins Sys­tem inte­griert sind, wer­den quasi aus der Arbei­te­rIn­nen­klasse her­aus­de­fi­niert (118), die Stamm­be­leg­schaf­ten und die Gewerk­schaf­ten für linke Poli­tik abge­schrie­ben (162) . Unver­mit­telt dane­ben steht der Bezug auf die „ganz gewöhn­li­chen Men­schen“ (164).

c) Res‘ ten­den­zi­ell ver­schwö­rungs­theo­re­ti­sche Erklä­rung der Neuen Tech­no­lo­gien

Wo so – mit­tels Kon­sum und Tech­nik – gegen das ‚mensch­li­che Wesen‘ gehan­delt wird, kann natür­lich nur das Böse am Werk sein – und so lan­det Res doch noch bei der von ihm eigent­lich abge­lehn­ten Ver­schwö­rungs­theo­rie (45). Tech­no­lo­gi­sche Inno­va­tio­nen können/​ wer­den nicht als not­wen­dige Folge des Akku­mu­la­ti­ons­zwangs, dem die Ein­zel­ka­pi­ta­lien unter­wor­fen sind (Pro­fit­in­ter­esse), son­dern als bewußte Stra­te­gie auf­ge­faßt (49, 103 f., 139, 162). So kommt denn Res – ganz im Gegen­satz zu sei­ner rich­ti­gen [!; s. dazu unten III.2.b)] Aus­gangs­these von der Nicht-​​Neutralität der Tech­nik (103) auf ein­mal zu einer instru­men­ta­lis­ti­sche Sicht­weise von Tech­nik (ähnlich bereits: S. 23: Herr­schaft wird „benutzt“; S. 24 bzw. 26: Auf­fas­sung von Tausch als „Tech­nik“ /​ Markt als „Instru­ment“) .
In die­sem Zusam­men­hang ver­schwimmt auch die begriff­li­che Grenze zwi­schen phy­si­scher Gewalt, ökono­mi­schen Zwang und ideo­lo­gi­scher Kon­sens­pro­duk­tion (Hege­mo­nie) (vgl. auch 129): Teil­weise wird – rich­ti­ger­weise – zwi­schen Gewalt und Zwang unter­schie­den (46, 10. Zeile von unten), drei Zei­len tie­fer wird diese Unter­schei­dung mit dem Pseudo-​​Begriff der „struk­tu­rel­len Gewalt“ auf­ge­ge­ben. Auf S. 97 wer­den unter die­sem Stich­wort nicht nur ideo­lo­gi­sche Staats­ap­pa­rate wie Schule, son­dern auch repres­sive Staats­ap­pa­rate phy­si­scher Gewalt­sam­keit wie Poli­zei und Armee genannt. Letzt­lich läuft das dar­auf hin­aus, die Hege­mo­nie der Herr­schen­den auf Mani­pu­la­tion zu redu­zie­ren und diese ten­den­zi­ell mit phy­si­scher Gewalt in eins zu set­zen. Damit wird gerade die Sub­ti­li­tät des Kapi­ta­lis­mus als nicht mehr per­sön­li­cher Herr­schaft und auch die Kom­ple­xi­tät der Auf­gabe, vor der die revo­lu­tio­näre Linke steht, ver­kannt. Das Pro­blem der Her­aus­bil­dung von revo­lu­tio­nä­rem Klas­sen­be­wußt­sein, der Erkennt­nis des gerade nicht offen zuta­ge­lie­gen­den gesell­schaft­li­chen Zusam­men­hangs, wird igno­riert. Wenn sich die Gewalt unmit­tel­bar und unver­hüllt dar­stellt, redu­ziert sich revo­lu­tio­näre Poli­tik auf einen rein sub­jek­ti­ven Akt, diese Gewalt nicht mehr ertra­gen zu wol­len. Die­ser soll durch „Auf­klä­rung und Beleh­rung des Pro­le­ta­ri­ats“ her­bei­ge­führt wer­den. Chris­tel Neusüss kri­ti­siert so die Strategie-​​Vorschläge der Stamokap-​​TheoretikerInnen. Für die auto­nome Tra­di­ti­ons­li­nie gilt aber ähnli­ches: Hier soll die spek­ta­ku­läre Aktion den auf­klä­re­ri­schen Effekt ver­stär­ken oder über­haupt erst erzeu­gen. Sie ist – bei Dutschke/​Krahl – der „volun­ta­ris­ti­sche Sub­jek­ti­vis­mus (…) orga­ni­sier­ter Ein­zel­kämp­fer“. Auch wenn sich seit 1967 die Radi­ka­li­tät der Akti­ons­for­men gestei­gert hat, kommt es auch heute bei auto­no­men Dis­kus­sio­nen über die Sinn­haf­tig­keit von Aktio­nen weni­ger auf deren Effek­ti­vi­tät für den revo­lu­tio­nä­ren Pro­zeß, als viel­mehr dar­auf an, ob sie die sub­jek­tive „Wut im Bauch“ zum Aus­druck brin­gen. (Ein aktu­el­les Bei­spiel dafür sind ver­schie­dene Aktio­nen, die wäh­rend der Antifa-​​Demo in Hoyers­werda gelau­fen sind und ver­schie­dene Dis­kus­si­ons­bei­träge zur Vor-​​ bzw. Nach­be­rei­tung die­ser Demo.)
Dabei deu­tet Res einen inter­es­san­ten Gedan­ken an, wenn er den Rechts­staat mit freier Lohn­ar­beit sowie „unge­re­gelte Gewalt-​​ und Abhän­gig­keits­ver­hält­nisse“ (97 – Her­vorh. i.O.) mit „nicht-​​äquivalenten Tausch“ in Bezie­hung setzt (36, 97). Hier würde es sich anbie­ten – statt alles undif­fe­ren­ziert irgend­wie als „Abhän­gig­keit“ und „struk­tu­relle Gewalt“ (97) zu fas­sen – Impe­ria­lis­mus als Über­la­ge­rung kapi­ta­lis­ti­scher, ras­sis­ti­scher und patri­ar­cha­ler HERR­schaft zu fas­sen (vgl. 36 f.). Diese Sicht­weise würde uns einen genaue­ren Ein­blick in die spe­zi­fi­sche Bedeu­tung phy­si­scher Gewalt für ers­te­rer einer­seits und letz­te­ren ande­rer­seits ermög­li­chen. -
Aber zurück zu Res‘ Tech­nik­ver­ständ­nis: Wo das Böse ist, muß aber auch das Gute sein. Und hier kommt Res nun die ope­rais­ti­sche Theo­rie (45, 60) zur Hilfe: Das Gute – das ist die „andere Arbei­ter­be­we­gung“ von Karl-​​Heinz Roth (117), die mit „selbst­be­stimm­ter Abwe­sen­heit“ (ebd.), Trö­de­lei, „Kon­sum ohne Arbeit“ (118) das Böse zu die­sen Stra­te­gien ver­an­laßt.
Folge der These, daß „am Anfang (…) der Kampf der Arbei­ter­klasse (steht)“ , ist, daß die „nicht immer sicht­ba­ren Bewe­gun­gen der Arbei­ter­klasse (…) die des Kapi­tals und der kapi­ta­lis­ti­schen Gesell­schaft (erklä­ren), nicht etwa umge­kehrt.“ Diese Sicht­weise ist (genauso wie Res‘ ver­klär­ter Blick auf das frühe Pro­le­ta­riat) genau der Zweck­op­ti­mis­mus , den er eigent­lich durch­aus kri­tisch sieht (117). Die­ser Zweck­op­ti­mis­mus ist der schein­bare Aus­weg aus der schwie­ri­gen Metropolen-​​Wirklichkeit, in der z.Z. keine tat­säch­li­che revo­lu­tio­näre Bewe­gung zu erken­nen ist.
Die Größe der Auf­gabe vor der wir als Revo­lu­tio­nä­rIn­nen ste­hen, macht dage­gen die ‚tra­di­tio­nelle‘ Sicht­weise deut­lich, die im Kapi­ta­lis­mus von der „Vor­herr­schaft des bür­ger­li­chen Klas­sen­kamp­fes“, dem Pri­mat der Aus­beu­tungs­be­din­gun­gen, aus­geht : „Klas­sen­kampf: Kampf der Kapi­ta­lis­ten­klasse, um die Arbei­ter­klasse aus­zu­beu­ten, Kampf der Arbei­ter­klasse, um der Aus­beu­tung, der sie unter­wor­fen ist, Wider­stand zu leis­ten. Ich betone, daß der Klas­sen­kampf nicht ein­sei­tig ver­läuft: der kapi­ta­lis­ti­sche Klas­sen­kampf hat sich mit außer­or­dent­li­cher Grau­sam­keit gegen die Arbei­ter­klasse gerich­tet, lange bevor sie begon­nen hat zurück­zu­schla­gen, sich zu mobi­li­sie­ren und ihre gro­ßen his­to­ri­schen Schlach­ten ein­zu­lei­ten. Der kapi­ta­lis­ti­sche Klas­sen­kampf hat nie­mals auf­ge­hört: er gehört zum Sys­tem der kapi­ta­lis­ti­schen Pro­duk­ti­ons­weise selbst.“ „(…) die beherrschte Klasse, das Objekt von Aus­beu­tung und Unter­drü­ckung, zum Sub­jekt der Geschichte zu erklä­ren, ist ent­we­der gedan­ken­los oder zynisch. (…) wenn imma­nente Akku­mu­la­ti­ons­ge­setze und Beschrän­kun­gen nicht den Kern der Kapi­tal­be­we­gung, der zykli­schen (!) Kri­sen aus­ma­chen, son­dern die Klasse der Lohn­ab­hän­gi­gen – je nach sub­jek­ti­vem Wil­len und Stärke – die Kri­sen des Kapi­tals pro­du­zie­ren kann, dann (… muß) zumin­dest prin­zi­pi­ell (…) ein kri­sen­freier Kapi­ta­lis­mus mög­lich sein (wenn die Klasse sich ent­spre­chend ‚ver­nünf­tig‘ ver­hält). (…) Was bleibt ist im bes­ten Fall rein mora­lisch begrün­dete Mili­tanz, im schlimms­ten Fall Resi­gna­tion oder refor­mis­ti­sche Anpas­sung.“

2. Res‘ Nähe zur „Ortho­do­xie“, beson­ders seine kapital-​​funktionale Erklä­rung des Patri­ar­chats.

a) Im bis­he­ri­gen Text sind schon einige Bei­spiele genannt, bei denen sich eine unver­mu­tete und ver­mut­lich unfrei­wil­lige Nähe von Res zur „Ortho­do­xie“ zeigt (u.a. Instrumentalismus/​Verschwörungstheorie, unter II.C. wer­den hin­zu­kom­men: These von der Anwen­dung der Dia­lek­tik, These von der klas­sen­spe­zi­fi­schen Ver­nunft). Am deut­lichs­ten zeigt sich diese Nähe an Res‘ kapital-​​funktionaler, also de facto neben­wi­der­spruchs­theo­re­ti­schen Erklä­rung des Patri­ar­chats. Hier wie­der­holt sich eine Argu­men­ta­ti­ons­weise, die wir schon oben bei sei­ner Tech­no­lo­gie­kri­tik gese­hen haben. Die grund­le­gende Kri­tik am tra­di­tio­na­lis­ti­schen Stand­punkt (oben: Res‘ Kri­tik an der instru­men­ta­lis­ti­schen These von der „Neu­tra­li­tät“ der Tech­nik) schlägt ab einem bestimm­ten Punkt um – in eine Affir­ma­tion eines Teils die­ser These (oben: dann doch wie­der instru­men­ta­lis­ti­sche Erklä­rung tech­no­lo­gi­scher Ent­wick­lun­gen auf­grund des Ein­flus­ses der ope­rais­ti­schen Theo­rie auf Res‘ Posi­tion).

b) Wir müs­sen an diese Stelle einen Vor­griff auf die Aus­ein­an­der­set­zung mit Res‘ Imperialismus-​​Theorie machen, in deren Zusam­men­hang er sich auch zum Patri­ar­chat äußert. Res knüpft – inso­weit in Überein­stim­mung mit dem Bie­le­fel­der Ansatz – in pro­ble­ma­ti­scher Weise an Luxem­burg an: Danach ist das von Luxem­burg sog. nicht-​​kapitalistische Milieu für den Kapi­ta­lis­mus exis­tenz­not­wen­dig. Unter der Kate­go­rie des Milieus wer­den nicht nur (z.T. wesens)verschiedene Pro­duk­ti­ons­for­men im Tri­kont, son­dern auch (Frauen)Hausarbeit in der Metro­pole gefaßt (93 ff.). Res folgt den Bie­le­fel­de­rin­nen aber nur bis zu der These, daß „es für das Kapi­tal weit loh­nen­der“ sei auf unbe­zahlte (Frauen)-Hausarbeit zurück­zu­grei­fen, statt auch „in die­sem Bereich“ durch „gere­gelte Lohn­ar­beit pro­du­zie­ren zu las­sen“ (94). Res erwähnt dann noch eine nicht näher spe­zi­fi­zierte „(teil­weise) Kom­pli­zen­schaft des männ­li­chen Metro­po­len­pro­le­ta­ri­ats“ (93, ähnlich: 70). Auch beteu­ert er, daß damit „das Gewalt­ver­hält­nis zwi­schen den Geschlech­tern selbst­ver­ständ­lich nicht allein auf die Wert­frage redu­ziert wer­den (soll)“ (74). Fak­tisch macht er das aber doch. Denn die ent­schei­dende Kon­se­quenz, die den Bie­le­fel­der Ansatz (in sei­nem Anspruch) über­haupt erst zu einem spe­zi­fisch femi­nis­ti­schen macht, zieht er nicht! An die­sem ent­schei­den­den Punkt stellt Res nur Wenn-​​dann-​​Beziehungen auf, ohne zu sagen, ob denn nun die Vor­aus­set­zun­gen gege­ben sind ober nicht:
„Die Frage,“ – auf die er außer dem vagen Hin­weis auf die männ­li­che „Kom­pli­zen­schaft“ (93) keine Ant­wort gibt – „ob unbe­zahlte Haus­frau­en­ar­beit ein­zig die Repro­duk­ti­ons­kos­ten der Arbeits­kräfte ver­bil­ligt und damit voll­um­fäng­lich dem Kapi­tal zugute kommt, ist nicht nur unter dem Wert­as­pekt von Bedeu­tung, son­dern ganz wesent­lich auch Klas­sen­frage: Wenn die unbe­zahlte Arbeit letzt­lich in vol­lem Umfang dem Kapi­tal­be­sit­zer varia­bles Kapi­tal spa­ren würde, dann könnte im Marx­schen Sinne noch immer von einer Homo­ge­ni­tät (Gleich­ar­tig­keit) der unter­drück­ten Klasse aus­ge­gan­gen wer­den. Wenn aber nur ein Teil der Gra­tis­ar­beit vom Kapi­tal auf­ge­so­gen wird, wäh­rend ein ande­rer Teil dem männ­li­chen ‚Fami­li­en­ober­haupt‘, also dem Agen­ten der Aus­beu­tung durch die Haus­ar­beit zugute kommt, dann ist damit auch die Homo­ge­ni­tät des Pro­le­ta­ri­ats fun­da­men­tal in Frage gestellt. Der klas­si­sche männ­li­che Lohn­ar­bei­ter, der in einer Ehe mit Haus­frau­en­ar­beit repro­du­ziert wird, ist dann nicht nur Unter­drück­ter (im Lohn­ar­beits­ver­hält­nis), er ist gleich­zei­tig Unter­drü­cken­der (im Haus­ar­beits­ver­hält­nis). Ob die­ses Dop­pel­ver­hält­nis bereits aus­reicht, um eine inter­me­diäre Klas­sen­po­si­tion zu begrün­den, oder, wie es die Bie­le­fel­de­rin­nen tun, von einer ‚Drei­klas­sen­ge­sell­schaft‘ zu spre­chen, sei dahin­ge­stellt.“ (95 – kur­sive Her­vorh. i.O., fett-​​kursive Her­vorh. d. Verf.).
Auch in sei­nem PROWO-​​Interview konnte sich Res in sei­nen Ant­wor­ten auf zwei Fra­gen nicht ent­schei­den, ob die Män­ner tat­säch­lich nur Kom­pli­zen, also Mit­tä­ter, des Kapi­tals bei der Frau­en­un­ter­drük­kung sind (der [Ehe]mann als geschmier­ter Agent des Kapi­tals in der Klein­fa­mi­lie, so Res in sei­ner letzte Ant­wort) – oder ob es sich viel­leicht viel­mehr genau umge­kehrt ver­hält.
M.E. ist es mög­lich und not­wen­dig (bei­des wurde schon von ver­schie­de­nen Frauen gezeigt) auf diese Fra­gen eine Ant­wort zu geben. Dabei sind m.E. drei Fra­gen zu unter­schei­den:
aa) Läßt sich das Patri­ar­chat, u.a. Frau­en­lohn­dis­kri­mi­nie­rung, (aus­schließ­lich) kapital-​​funktional erklä­ren?
bb) Ist es ver­nei­nen­den­falls sinn­voll, von einer „Drei­klas­sen­ge­sell­schaft“ zu spre­chen? (Beja­hen­den­falls ist es ohne­hin sinn­los. Inso­weit hat Res Recht.)
cc) Läßt sich die These begrün­den, daß die – in die (Lohn)-Arbeitskraft ein­ge­hende – unbe­zahlte Haus­frau­en­ar­beit den mehr­wert­schaf­fen­den Cha­rak­ter der Arbeit begrün­det?

aa) Frau­en­lohn­dis­kri­mi­nie­rung läßt sich nicht (nur) mit sei­ner (ver­meint­li­chen) Funk­tio­na­li­tät für das Kapi­tal erklä­ren, son­dern rea­li­siert ein klas­sen­über­grei­fen­des Inter­esse aller Män­ner : „Wenn auch zwi­schen den Klas­sen höchst unter­schied­li­che Vor­stel­lun­gen über die Lohn­höhe beste­hen, so exis­tiert doch in einem Punkt ein Kon­sens zwi­schen männ­li­chen Arbei­tern und Kapi­ta­lis­ten. Die Löhne der Män­ner müs­sen bei ver­gleich­ba­rer Arbeit höher sein als die der Frauen.“ Eine gleich­mä­ßige Ver­tei­lung einer gege­be­nen Lohn­summe auf Frauen und Män­ner ließe die Pro­fi­trate des Kapi­tals unbe­rührt. Es ist also nicht das Kapi­tal, das die Lohn­ar­bei­te­rin­nen dop­pelt unter­drückt (ein­mal auf­grund ihrer Klassen-​​ und ein­mal auf­grund ihrer Geschlechts­zu­ge­hö­rig­keit) – so aber die These des ortho­do­xen Mar­xis­mus und von Res Strehle. „(…) es ist mir nicht klar, warum es im Inter­esse des Kapi­tals sein sollte, Frauen Löhne zu zah­len, die für Män­ner einen höhe­ren Lohn not­wen­dig machen, damit diese ihre Frauen unter­hal­ten kön­nen. (…) Die Funk­ti­ons­weise der Aus­beu­tung ver­ste­hen heißt noch nicht, daß geklärt ist, warum (…) ganz bestimmte Grup­pen auf diese (ganz beson­dere, stär­kere, Erg. d. Verf.) Weise aus­ge­beu­tet wer­den.“ Also: Wieso zahlt das Kapi­tal gerade schwar­zen Frauen und nicht wei­ßen Män­nern die nied­rigs­ten Löhne? Und v.a. wieso zahlt das Kapi­tal den sog. Fami­li­en­lohn auch an unver­hei­ra­tete Män­ner? Nicht auf­grund sei­nes Inter­es­ses als Kapi­tal, son­dern weil es neben der Herr­schaft des Kapi­tals auch noch eine HERR­schaft der Män­ner und der Wei­ßen gibt. Die rich­tige Sicht­weise lau­tet also: Die Män­ner unter­drü­cken die Frauen; und als Lohn­ar­bei­te­rin­nen wer­den Frauen zusätz­lich vom Kapi­tal aus­ge­beu­tet.
Die meis­ten Män­ner sind zwar als Ange­hö­rige der Arbei­te­rIn­nen­klasse eben­falls aus­ge­beu­tet und unter­drückt, „aber sie ste­hen auf einer ande­ren Stufe als Frauen. Sie sind mit der Repro­duk­tion in Form von Haus­ar­beit in der Regel nicht belas­tet, sie haben die bes­se­ren Arbeits­plätze und die höhe­ren Löhne, sie haben Sitz und Stimme in Betriebs-​​, Aufsichts-​​, Stadt­rä­ten usw.“ Das Kapi­tal hat inso­fern nur den Vor­teil, seine Inter­es­sen gegen eine sexis­tisch (und ras­sis­tisch sowie auf andere Weise) gespal­tene Beleg­schaft leich­ter durch­set­zen zu kön­nen.

bb) Trotz­dem scheint es mir nicht ange­ra­ten, von einer „Drei­klas­sen­ge­sell­schaft“ (im Sinne einer Unter­schei­dung zwi­schen [männ­li­chem] Kapi­tal, [männ­li­chen] Lohn­ar­bei­tern, und Sub­sis­tenz­ar­bei­te­rIn­nen) zu spre­chen. M.E. folgt aus der Tat­sa­che, daß das Patri­ar­chat nicht kapital-​​funktional zu erklä­ren ist, daß es auch kei­nen Erklä­rungs­wert hat, Begriffe der Ana­lyse des kapi­ta­lis­ti­schen Klas­sen­ver­hält­nis­ses ein­fach auf die Ana­lyse patri­ar­cha­ler (oder ras­sis­ti­scher) Ver­hält­nisse zu über­tra­gen. Den Klas­sen­be­griff auf das Geschlech­ter­ver­hält­nis zu über­tra­gen bedeu­tet fak­tisch, die Klas­sen­dif­fe­ren­zie­run­gen (im tra­di­tio­nel­len Sinne) inner­halb der Frauen (und inner­halb der Män­ner zu negie­ren). Selbst der kon­krete Cha­rak­ter der Haus­ar­beit vari­iert je nach tra­di­tio­nel­ler Klas­sen­stel­lung. Mit der „Dreiklassengesellschafts“-Theorie wird eine qua­li­ta­tive Bestim­mung unmög­lich gemacht, Frau­en­un­ter­drü­ckung kann im Rah­men die­ser Theo­rie nur rein quan­ti­ta­tiv als dop­pelte Unter­drü­ckung begrif­fen wer­den. Viel­mehr bedür­fen die drei Unter­drü­ckungs­ver­hält­nisse Kapi­ta­lis­mus, Patri­ar­chat und Ras­sis­mus ihrer jeweils rela­tiv eigen­stän­di­gen (und dabei unbe­dingt auch mate­ria­lis­ti­schen ) Unter­su­chungs­me­tho­den. Erst auf die­ser Grund­lage hat es Sinn, ihre Über­la­ge­rung in einer spe­zi­fi­schen Pro­duk­ti­ons­weise zu unter­su­chen: „Die Klasse teilte die Frau­en­be­we­gung, und der Sexus teilte die Arbei­ter­be­we­gung.“ Es ist daher vor­ge­schla­gen wor­den, „Herr­schaft als netz­för­mige Struk­tur von Kräf­te­ver­hält­nis­sen“ zu den­ken.
Aus den sel­ben Grün­den hat es m.E. auch kei­nen Erklä­rungs­wert, Frau­en­un­ter­drü­ckung mit einer Über­tra­gung des marx­schen Begriffs „Grund­rente“ zu bele­gen („Frau­en­rente“ [95]) . Glei­ches gilt für den unter cc) zu behan­deln­den – und damit in Zusam­men­hang ste­hen­den – Ver­such, Haus­ar­beit in die marx­sche Wert­theo­rie zu inte­grie­ren. Der­ar­tige Ver­su­che wie­der­ho­len m.E. den schon oben – im Zusam­men­hang im Res‘ exten­si­ven bzw. unkla­ren Gewalt-​​Begriff – erör­ter­ten Feh­ler, die jewei­lige Spe­zi­fik unter­schied­li­cher HERR­schafts­ver­hält­nisse zu ver­ken­nen (in der Nacht sind bekannt­lich alle Kat­zen grau): Die Über­trei­bung der phy­si­schen Gewalt­sam­keit des Kapi­tal­ver­hält­nisse in die eine Rich­tung, bedeu­tet in die andere Rich­tung zwangs­läu­fig – ob gewollt oder nicht – die Unter­trei­bung der Gewalt­sam­keit von patri­ar­cha­ler und ras­sis­ti­scher HERR­schaft. Die­ser Effekt wird noch ver­stärkt, wenn auf letzt­ge­nannte Unter­drü­ckungs­ver­hält­nisse eine Begriff­lich­keit über­tra­gen wird, mit der Marx gerade den nicht direkt-​​persönlichen, son­dern über den Markt erfol­gen­den quasi eigengesetzlich-​​ökonomischen Cha­rak­ter kapi­ta­lis­ti­scher Klas­sen­herr­schaft unter­sucht hat.

cc) Nicht durch­grei­fend ist lei­der auch die auf den ers­ten Blick inter­es­sante These, den spe­zi­fi­schen Cha­rak­ter der Ware Arbeits­kraft (die im Pro­duk­ti­ons­pro­zeß nicht nur ihren eige­nen Wert über­trägt, son­dern Mehr­wert schafft) damit zu erklä­ren, daß sie im wesent­li­chen nicht lohn­ar­beits­för­mig, son­dern – im Patri­ar­chat im wesent­li­chen von Frauen – kos­ten­los (re)produziert wird (40 f.). Der Sach­ver­halt als sol­cher ist zwar von Res rich­tig erkannt und benannt wor­den, bie­tet aber keine (aus­rei­chende) Erklä­rung für den Mehr­wert schaf­fen­den Cha­rak­ter der (Lohn)arbeit:
Wenn es rich­tig wäre, daß der Mehr­wert nur dadurch ent­steht, daß ein Teil des Wer­tes der Ware Arbeits­kraft in der kos­ten­lo­sen Repro­duk­ti­ons­ar­beit von v.a. Frauen ver­steckt ist , würde dies bedeu­ten, daß es sich real gar nicht um Mehr­wert han­deln würde. Die Ware Arbeits­kraft wäre dann tat­säch­lich eine Ware wie jede andere, würde nur ihren eige­nen tat­säch­li­chen Wert über­tra­gen. Am Ende eines Pro­duk­ti­ons­zy­klus stände der glei­che Werte wie am Beginn. „Der Mehr­wert wäre dann rein nomi­nell, (…) eine bloße Phrase.“ Frauen wür­den tat­säch­lich nicht für die Män­ner, son­dern für das Kapi­tal arbei­ten – und: es gäbe keine erwei­terte Repro­duk­tion (jetzt im marx­schen Sinne ver­stan­den). Die erwei­terte Repro­duk­tion, die stän­dige (zyklen­über­grei­fende) Aus­wei­tung der Menge der vor­han­de­nen Güter, ist aber eine unbe­streit­bare Rea­li­tät.
Des wei­te­ren ist nicht ein­sich­tig, wieso es nicht kapitalismus-​​immanent mög­lich sein soll, die Repro­duk­tion der Arbeits­kräfte weit­ge­hend zu kom­mer­zia­li­sie­ren (und die [rest­li­che] Repro­duk­ti­ons­ar­beit auf Frauen und Män­ner gleich­mä­ßig zu ver­tei­len). Dies würde dem Kapi­tal nicht nur höhere Kos­ten (stei­gen­der Wert der Ware Arbeits­kraft auf­grund der Kom­mer­zia­li­sie­rung deren Repro­duk­tion), son­dern auch neue Mehr­wert­quel­len ver­schaf­fen – näm­lich durch die Arbei­ten, die dann inner­halb des Lohn­ar­beits­ver­hält­nis­ses geleis­tet wür­den. Solange diese Arbei­ten außer­halb des Lohn­ar­beits­ver­hält­nis­ses geleis­tet wer­den drü­cken sie „sich nicht in Geld aus“ und sind „somit wert­los“ (Wert ist hier keine mora­li­sche, son­dern eine ökono­mi­sche Kate­go­rie). Sie kom­men nicht dem Kapi­tal, son­dern den Män­nern zugute. Damit ist nicht gesagt, daß die Kom­mer­zia­li­sie­rung von Haus­ar­beit auto­ma­tisch das Patri­ar­chat unter­gräbt. Viel­mehr ist gerade mit einer For­de­rung wie der nach Lohn für Haus­ar­beit die Gefahr der Ver­fes­ti­gung geschlechts­hier­ar­chi­scher Arbeits­tei­lun­gen ver­bun­den.
Res begrün­det dage­gen seine These, die teil­weise Ver­ge­sell­schaf­tung von Repro­duk­ti­ons­ar­beit im „real-​​existierenden Sozia­lis­mus“ habe sich „wert­mäs­sig nicht gelohnt“ (94), nicht. Daß diese nicht wei­ter getrie­ben wor­den ist, scheint mir nicht so sehr daran gele­gen zu haben, daß sich sie „wert­mäs­sig nicht gelohnt“ hat, als viel­mehr an fort­be­ste­hen­den patri­ar­cha­ler Struk­tu­ren und am – letzt­lich kon­ter­re­vo­lu­tio­nä­ren – Feh­len einer Bereit­schaft der aller­meis­ten dor­ti­gen Kom­mu­nis­ten und auch vie­ler Kom­mu­nis­tIn­nen [und erst Recht der nicht-​​feministischen Nicht-​​KommunistInnen], dar­über eine Aus­ein­an­der­set­zung zu füh­ren und sich so zusätz­li­che gesell­schaft­li­che Kon­flikte ein­zu­han­deln.
Ähnli­ches gilt für die Frage, die Res in sei­nem PROWO-​​Interview die­ser These ent­ge­gen­ge­hal­ten hat: „Warum wurde denn die Haus­ar­beit nicht längst voll kom­mer­zia­li­siert, wenn Eure These rich­tig wäre?“ Auch die Ant­wort auf diese Frage kann Res mit sei­ner kapital-​​funktionalen Erklä­rung des Patri­ar­chats nicht in den Blick bekom­men: Nicht das Kapi­tal, son­dern die Män­ner haben ein Inter­esse an der Auf­recht­er­hal­tung von Haus­frau­en­ar­beit. Des­halb ist sie noch nicht voll­stän­dig kom­mer­zia­li­siert!
Und ein wei­te­res zeigt sich: Res‘ Ansatz bie­tet zwar u.U. eine Erklä­rung für die jet­zige Funk­tio­na­li­tät (Nütz­lich­keit) des Patri­ar­chats für das Kapi­tal, aber erklärt weder des­sen (vor der Zeit des Kapi­ta­lis­mus liegende[n]) Ursache(n) noch des Fort­be­ste­hen. Denn selbst wenn die These rich­tig wäre, daß der Mehr­wert der (m.E.: zwar nicht in den Wert, aber) in die Leis­tungs­fä­hig­keit der Arbeits­kraft ein­ge­hen­den unbe­zahl­ten Haus­ar­beit ent­spre­che, wäre damit noch nicht erklärt, warum letz­tere von Frauen geleis­tet wird. Res äußert sich dazu nicht.
Von den Bie­le­fel­de­rin­nen wird dies – trotz des Anspruchs von Maria Mies, gesell­schaft­li­che Ursa­chen anzu­ge­ben – letzt­lich bio­lo­gis­tisch erklärt: unter Hin­weis auf unter­schied­li­che Kör­per­ei­gen­schaf­ten (Gebär­fä­hig­keit von Frauen), die einen gegen­sätz­li­chen Natur­zu­griff von Frauen und Män­nern sowie die geschlecht­li­che Arbeits­tei­lung begrün­de­ten. Selbst Män­ner­ge­walt gegen Frauen scheint Maria Mies für ein bio­lo­gi­sches Phä­no­men zu hal­ten, wenn sie schreibt: „Schon allein, um die Män­ner­ge­walt zu bekämp­fen, müs­sen Femi­nis­tin­nen daran inter­es­siert sein, daß in der Arbeit der größte Teil der Ener­gie ver­aus­gabt wird, der durch die Nah­rung auf­ge­nom­men wird, (…).“ So ist es kein Wun­der, daß die Ver­tre­te­rin­nen des Bie­le­fel­der Ansat­zes schließ­lich beim Mut­ter­kult lan­den. Nur kon­se­quent ist es da, daß Maria Mies ein Recht auf Abtrei­bung ablehnt. Denn: „Wir besit­zen unse­ren Kör­per nicht, wir koope­rie­ren mit unse­rem Kör­per, wir sind unser Kör­per.“ Vor dem Hin­ter­grund die­ser Posi­tio­nen inter­pre­tiert Bar­bara Bött­ger die Dis­kus­sio­nen über den Bie­le­fel­der Ansatz nicht als Kon­flikt zwi­schen radi­ka­le­rem und weni­ger radi­ka­le­ren Femi­nis­mus (wobei dann übli­cher­weise der Bie­le­fel­der Ansatz als radi­kalfe­mi­nis­tisch bezeich­net wird), son­dern als Kon­flikt zwi­schen ökoli­ber­tä­ren (Bie­le­fel­de­rin­nen) und ökoso­zia­lis­ti­schen Femi­nis­tin­nen.

c) Res kri­ti­siert zurecht den Deter­mi­nis­mus und Ökono­mis­mus der „Ortho­do­xie“ (19 f.). Aber auch die­ser setzt sich bei ihm hin­ten­herum wie­der durch, wenn er die „Lange Wellen“-Theorie mit dem Argu­ment angreift, die „Annahme einer ‚Auto­ma­tik‘ in der Abfolge von Auf-​​ und Abschwün­gen in der Kapi­tal­be­we­gung hat zwangs­läu­fig demo­bi­li­sie­rende Wir­kung“ (50). Die­ses Argu­ment läßt die vor­aus­ge­setzte deterministisch-​​ökonomistische Posi­tion, daß eine Mobi­li­sie­rung über­haupt nur in der Krise mög­lich sei, völ­lig unbe­rührt. (Nur vor die­sem Hin­ter­grund ist wohl auch Res‘ These aus sei­nem PROWO-​​Interview zu ver­ste­hen, daß frü­her die „Chance auf revo­lu­tio­nä­res Bewußt­sein im Metro­po­len­pro­le­ta­riat […] objek­tiv zwei­fel­los grö­ßer war“ [Her­vorh. d. Verf.].) „In Wirk­lich­keit“ aber „machen Marx und Engels die Umge­stal­tung der ökono­mi­schen Ver­hält­nisse West­eu­ro­pas abhän­gig von der Reife und der Macht der von der neu­es­ten Geschichte Euro­pas in den Vor­der­grund gerück­ten Klas­sen.“

C. theo­re­ti­sche Ursa­chen

1. Das Ver­hält­nis von Theo­rie und Pra­xis: Theo­rie ist kein Hand­werks­ord­nung

Res betrach­tet Theo­rie aus­schließ­lich als „Grund­lage für die prak­ti­sche Arbeit“. Ihre Not­wen­dig­keit begrün­det er mit den Erfor­der­nis­sen der prak­ti­schen Arbeit – der Gefahr „der Gegen­seite ins Mes­ser (zu) lau­fen“ (21). Diese Posi­tion ist sicher­lich bes­ser als der von Res zurecht kri­ti­sierte reine Aktio­nis­mus (ebd.).
Ver­kannt wird hier aber noch die rela­tive Auto­no­mie theo­re­ti­scher Arbeit. Theo­rie ist mehr als „Aus­wer­tung, Unter­su­chung“ und ggf. „Neu­be­stim­mung“ (ebd.) der je schon vor­han­de­nen Pra­xen. Eine sol­che „Theo­rie“, die tat­säch­lich nur eine poli­ti­sche Tech­nik ist, bleibt gefan­gen in den gege­be­nen Ver­hält­nis­sen. Sie stellt letzt­lich einen links­ra­di­ka­len Tech­no­kra­tis­mus dar. Seit­dem der Sozia­lis­mus eine Wis­sen­schaft gewor­den ist, will er aber nicht mehr nur wie ein Hand­werk erlernt, son­dern „auch wie eine Wis­sen­schaft betrie­ben, d.h. stu­diert wer­den“.
Nur so kann die poli­ti­sche Pra­xis über die jewei­lige Hand­wer­ke­lei hin­aus getrie­ben wer­den: „‚Es gibt die drin­gen­den Erfor­der­nisse des Kamp­fes. Aber manch­mal ist es (…) poli­tisch drin­gend, Abstand zu neh­men und sich Stu­dien zu wid­men, von denen alles abhängt (…). Diese Zeit, die man sich dem Kampf gegen­über nimmt, kann letzt­lich dazu die­nen, im Kampf selbst Zeit ein­zu­spa­ren.‘ Ohne eine sol­che Abstand­nahme wäre es weder zur Begrün­dung des His­to­ri­schen Mate­ria­lis­mus durch Marx noch zu sei­ner suk­zes­si­ven Wei­ter­ent­wick­lung je gekom­men.“

2. Imperialismus-​​Theorie

Res stützt sich bei sei­nen Aus­füh­run­gen zur Imperialismus-​​Theorie im wesent­li­chen (ver­meint­lich – wie zu meh­re­ren Punk­ten gleich zu zei­gen sein wird) auf Luxem­burg. Zum bes­se­ren Ver­ständ­nis der damit ver­bun­de­nen Schwie­rig­kei­ten, ist zunächst auf die Ver­än­de­run­gen der sozia­lis­ti­schen Theo­rie von Marx zu Luxem­burg, und wie diese von Res geschil­dert wer­den, ein­zu­ge­hen.

a) Kri­sen­theo­rie und „Gesetz vom ten­den­zi­el­len Fall der Pro­fi­trate“ bei Marx
Die marx­sche Kri­sen­theo­rie und die marx­sche These vom ten­den­zi­el­len Fall der Pro­fi­trate wer­den von Res in einem Atem­zug genannt (46 et pas­sim). Beide Pro­bleme hän­gen zwar mit­ein­an­der zusam­men, sind aber zu unter­schei­den: Kurz gesagt: Jede Krise bedeu­tet eine Sto­ckung des Repro­duk­ti­ons­pro­zes­ses des Kapi­tals (wobei in der Folge einer Absatz­krise – man­gels Mehr­wer­trea­li­sie­rung – auch die Pro­fi­trate sinkt), aber nicht jede Krise ist auf das „Gesetz vom“ – ver­meint­li­chen – „Fall der Pro­fi­trate“ zurück­zu­füh­ren.

aa) Die marx­sche Kri­sen­theo­rie beruht in der Tat u.a. auf den Repro­duk­ti­ons­sche­mata aus dem zwei­ten Band des Kapi­tals (55). Bei die­sen Sche­mata geht es um den Pro­zeß der Umset­zung von Geld-​​ in Waren­ka­pi­tal und – nach dem Pro­duk­ti­ons­pro­zeß – wie­der zurück in Geld­ka­pi­tal. Eine Schwie­rig­keit dabei ist, daß in jedem Pro­duk­ti­ons­zy­klus die Waren pro­du­ziert wer­den müs­sen, die für den nächs­ten benö­tigt wer­den. (51 ff., 88 ff.). Die­ser Pro­zeß kann in einer nicht-​​geplanten Ökono­mie nicht ohne zykli­sche Kri­sen abge­hen (wie wir im „real exis­tie­ren­den Sozia­lis­mus“ gese­hen haben, kann Pla­nung aller­dings auch fehl­schla­gen). Diese Über­le­gun­gen von Marx dazu sind aber eben in der Tat eine Krisen-​​ und keine Zusam­men­bruchs­theo­rie des Kapi­ta­lis­mus. Die Akku­mu­la­tion des Kapi­tals ent­wi­ckelt sich im Rah­men die­ser Vor­stel­lung spi­ral­för­mig (nach oben). Eine Zusam­men­bruchs­theo­rie macht erst Luxem­burg aus den marx­schen Repro­duk­ti­ons­sche­mata. Daß Luxem­burg eine sol­che ver­tritt, kommt bei Res nur ver­schwie­melt zum Aus­druck (54 f., 91). Gar nicht erwähnt Res – im Gegen­satz zu Luxem­burg selbst –, daß dies eine ggü. Marx neue Posi­tion ist.

bb) Die­ses (Ver)schweigen hängt damit zusam­men, daß Res – wie bereits erwähnt – die marx­sche Kri­sen­theo­rie mit dem „Gesetz vom ten­den­zi­el­len Fall der Pro­fi­trate“ aus dem drit­ten Band des Kapi­tals ver­mengt. Die­ses Gesetz behaup­tet näm­lich in der Tat einen Zusam­men­bruch des Kapi­ta­lis­mus – aber nur als Ten­denz. Weil es sich bei Marx nur um eine Ten­denz han­delt (zu der Marx – wie Res zutref­fend erwähnt – Gegen­wir­kun­gen benennt [46 et pas­sim], behaup­tet Marx – anders als Luxem­burg – auch in die­sem Zusam­men­hang kei­nen auto­ma­ti­schen Zusam­men­bruch des Kapi­ta­lis­mus.
Auf Res unzu­tref­fende Dar­stel­lung von Luxem­burgs zusam­men­bruchs­theo­re­ti­scher Imperialismus-​​Theorie [s. schon oben II.C.2. a) aa)], mit der er aller­dings nicht allein ist, komme ich unten zurück. Hier zunächst noch ein Ein­schub zum „Gesetz vom ten­den­zi­el­len Fall der Pro­fi­trate“:
Res behaup­tet, Marx habe die­ses Gesetz „mit vie­len Rech­nun­gen nach­ge­wie­sen“ (51). Dies hat Marx nicht gemacht (und kann auch sonst nie­mandE machen: Denn die­ses Gesetz trifft Aus­sa­gen auf der Wer­t­ebene. Daten­ma­te­rial, das in Rech­nun­gen ver­wandt wer­den kann, liegt aber nur auf der Preis­ebene vor. Zwi­schen bei­den Ebe­nen ist nicht durch schlichte mathe­ma­ti­sche Ope­ra­tio­nen eine Über­tra­gung mög­lich. ) Was Marx gemacht hat, war ver­schie­dene Zah­len­bei­spiele für seine Theo­rie zu geben. Was Marx nach­ge­wie­sen hat (und auch unbe­streit­bar ist), ist nur fol­gen­des: Wenn die Mehr­wer­trate (also das Ver­hält­nis zwi­schen Mehr­wert und varia­blem Kapi­tal [Arbeits­lohn]) gleich bleibt (oder lang­sa­mer steigt als die orga­ni­sche Zusam­men­set­zung des Kapi­tals) und gleich­zei­tig die orga­ni­sche Zusam­men­set­zung des Kapi­tals steigt (also – im Ver­gleich zum varia­blen Kapi­tal – mehr kon­stan­tes Kapi­tal [Roh­stoffe und Abnut­zung der Pro­duk­ti­ons­mit­tel etc.] ein­ge­setzt wird), dann sinkt die Pro­fi­trate (vgl. 52). Nun sind aber genau diese von Marx ange­nom­mene Vor­aus­set­zun­gen pro­ble­ma­tisch , wes­halb das Gesetz auch als Ten­denz­aus­sage umstrit­ten ist. Letz­te­res ist aber für die hie­sige Argu­men­ta­tion nicht wesent­lich.

b) Rosa Luxem­burg war weder Auto­nome noch Femi­nis­tin
Res ver­ein­nahmt Luxem­burg für eine Imperialismus-​​Theorie, die sie nicht ver­tre­ten hat. Luxem­burg hatte – wie schon erwähnt – aus der Marx­schen Kri­sen­theo­rie (also unab­hän­gig vom „Gesetz des ten­den­zi­el­len Falls der Pro­fi­trate“ – anhand eini­ger Ände­run­gen in des­sen Repro­duk­ti­ons­sche­mata – eine Zusam­men­bruchs­theo­rie gemacht. Diese Theo­rie ist falsch. Dies muß hier aber nicht inter­es­sie­ren, denn Res geht nicht von Luxem­burgs eige­ner Imperialismus-​​Theorie aus, son­dern von der Fas­sung, die ihr der Bie­le­fel­der Ansatz gege­ben hat. (Die Bie­le­fel­de­rin­nen geben diese Ände­rung zu und behaup­ten des­halb Luxem­burg habe ‚unbe­wußt‘ zur „Frau­en­frage“ geschrie­ben. Tat­säch­lich war Luxem­burg [aber] – nach Ein­schät­zung von Ingrid Strobl – Anti­fe­mi­nis­tin. Denn Luxem­burg betrach­tete patri­ar­chale Unter­drü­ckung nicht als HERR­schafts­sys­tem, son­dern nur als per­sön­li­ches Hin­der­nis. Sie hatte des­halb in der sog. „Frau­en­frage“ „nicht ein­mal eine refor­mis­ti­sche Hal­tung“. )
Luxem­burg geht in der Tat – inso­weit hat Res mit sei­ner Dar­stel­lung recht – (fälsch­li­cher­weise, wie gesagt) davon aus, die kapi­ta­lis­tisch pro­du­zier­ten Waren könn­ten nicht im Rah­men des Kapi­ta­lis­mus abge­setzt wer­den. Dafür bedürfe der Kapi­ta­lis­mus viel­mehr des nicht-​​kapitalistischen Milieus (54 f., 88 ff.). Nun ging aber Rosa Luxem­burg – anders als die Bie­le­fel­de­rin­nen und Res Strehle – davon aus, daß diese Milieus aa) tat­säch­lich (noch) nicht-​​kapitalistisch seien und daß sie bb) in die­sem Pro­zeß kapi­ta­li­siert wür­den. Sofern es nicht schon vor­her zur Revo­lu­tion komme – was Luxem­burg ver­mu­tete –, bre­che der Kapi­ta­lis­mus spä­tes­tens dann zusam­men, wenn die­ser Pro­zeß been­det /​ die ganze Welt kapi­ta­li­siert sei: Der Kapi­ta­lis­mus zer­schelle am Wider­spruch Welt­form wer­den zu müs­sen, aber es nicht sein zu kön­nen. (Letz­te­res eben des­halb, weil – wie gesagt – die kapi­ta­lis­tisch pro­du­zier­ten Waren – nach Luxem­burg – nicht im Kapi­ta­lis­mus allein abge­setzt wer­den kön­nen.)
Die Bie­le­fel­de­rin­nen über­neh­men nun Luxem­burgs Aus­gangs­these (Not­wen­dig­keit „des Milieus“ für die Exis­tenz des Kapi­ta­lis­mus). Im Gegen­satz zu ihr gehen die Bie­le­fel­de­rin­nen und Res aber davon aus, daß der Kapi­ta­lis­mus die „nicht-​​kapitalistischen“ Milieus (die sie des­halb auch als Bestand­teil des Kapi­ta­lis­mus betrach­ten [vgl. 90]) immer wie­der neu schaffe (69). Die­ser Pro­zeß wird als fort­ge­setzte ursprüng­li­che Akku­mu­la­tion des Kapi­tals gefaßt (85 et pas­sim). Die­je­ni­gen die ihr unter­wor­fen seien, wer­den (im Gegen­satz zu den inte­grier­ten Metropolen-Lohnarbeiter[Innen?]) in beson­de­rer Weise als revo­lu­tio­nä­res Sub­jekt gefaßt (70).
Diese Zurecht­bie­gen Luxem­burgs durch die Bie­le­fel­de­rin­nen und Res müßte nun viel­leicht nicht beson­ders auf­re­gen, wenn dafür wenigs­tens die revi­dierte Theo­rie rich­tig ist. Lei­der ist auch dies nicht der Fall:

c) Res Streh­les Imperialismus-​​Theorie

Gegen die so pro­du­zierte Imperialismus-​​Theorie las­sen sich fol­gende Ein­wände gel­tend machen:

aa) Sie repro­du­ziert die herr­schen­den Spal­tungs­me­cha­nis­men – bspw. zwi­schen peri­phe­rer und metro­po­li­ta­ner Arbei­te­rIn­nen­klasse – in der lin­ken Theo­rie und fes­tigt sie so, statt zu unter­su­chen, wie sie im gemein­sa­men revo­lu­tio­nä­ren Kampf auf­ge­ho­ben wer­den kön­nen (vgl. dazu oben die Ein­wände, wenn es um Res Schil­de­rung der Fol­gen Neuer Tech­no­lo­gien in den Metro­po­len geht).

bb) Sind die unmit­tel­ba­ren Pro­du­zen­tIn­nen erst ein­mal von ihren Pro­duk­ti­ons­mit­teln getrennt, dann ist die ursprüng­li­che Akku­mu­la­tion vor­bei. Danach kann nur noch von „Kapi­tal in Aktion“ gespro­chen wer­den.

cc) „Kapi­tal in Aktion“ kann durch­aus auch gewalt­tä­tig sein. Diese (impe­ria­lis­ti­sche) Gewalt ist aber für den (Metropolen-)Kapitalismus nicht exis­tenz­not­wen­dig, son­dern schafft Zusatz­pro­fite (und dient der Kri­sen­über­win­dung [Bei­spiel: Faschis­mus]). Für diese Erkennt­nis hätte es nicht der Ver­bie­gung von Luxem­burg bedurft, son­dern hätte ein Bezug auf die inso­weit (zur dar­über hin­aus­ge­hen­den Kri­tik s.u.) zutref­fen­den Imperialismus-​​Theorie Lenins aus­ge­reicht.

dd) Im Gegen­satz dazu ver­tritt Res – mit Luxem­burg – die These von der Not­wen­dig­keit „des Milieus“ für die Exis­tenz des Kapi­ta­lis­mus. Er begrün­det dies damit, daß es ‚wider­sin­nig‘ sei, wenn die Produktionsmittel-​​Abteilung I der Pro­duk­tion stär­ker wachse als die Konsumgüter-​​Abteilung II (Dis­pro­por­tio­na­li­tät) (54). Oder in Luxem­burgs Wor­ten: dies sei Pro­duk­tion um der Pro­duk­tion wil­len. Genau dies ist es! Und genau dies (und das ungleich­mä­ßige Wachs­tum von Abtei­lung I und II) ist (die wider­sprüch­li­che Bewe­gung des) Kapi­ta­lis­mus, die ihn aller­dings nicht von allein zum Zusam­men­bruch treibt: „Ent­wick­lung der Pro­duk­tiv­kräfte der Gesell­schaft (Pro­duk­tion für die Pro­duk­tion)“ und Aus­schluß der „Masse der Bevöl­ke­rung von „ihrer Uti­li­sa­tion“ !
(Luxem­burg führt in ihrem Buch wei­tere – von Res nicht erwähnte – Argu­mente an. Diese grei­fen aber eben­falls nicht durch. Auch Res muß im übri­gen zuge­ben, daß Luxem­burg ihre Imperialismus-​​Theorie „nicht unwi­der­leg­bar bewie­sen“ hat [79].)

d) Lenins Imperialismus-​​Theorie in der Dar­stel­lung von Res

Nicht viel bes­ser als Luxem­burg geht es Lenins Imperialismus-​​Theorie in Res‘ Buch:

aa) Res wirft Lenin und „einem Groß­teil der Marx-​​Orthodoxie“ (70) vor, Luxem­burgs Imperialismus-​​Theorie igno­riert zu haben (68, 70).
Dies ist aber allen­falls die halbe Wahr­heit. Lenin geht in sei­ner Imperialismus-​​Schrift von 1916 in der Tat auf Luxem­burgs vier Jahre zuvor ver­faß­tes Buch nicht ein. Dies liegt aber schlicht daran, daß er die Debatte über die Mög­lich­keit, die kapi­ta­lis­tisch pro­du­zier­ten Waren auch im Kapi­ta­lis­mus abzu­set­zen, – die von Luxem­burg bloß auf­ge­grif­fen, aber um keine wesent­li­chen neuen Argu­mente ange­rei­chert wurde – bereits zu Beginn des Jahr­hun­derts abschlie­ßend mit sei­nen rus­si­schen Kon­tra­hen­ten geführt hatte. Lenin behan­delt so zwar 1916 teil­weise die glei­chen Phä­no­mene wie Luxem­burg 1912 (68). Lenin hatte sich aber zu die­sem Zeit bereits einen ganz ande­ren (rich­ti­ge­ren) theo­re­ti­schen Aus­gangs­punkt erar­bei­tet (was ihn nicht hin­derte 1916 andere Feh­ler zu machen).
Nichts desto weni­ger wurde über Luxem­burgs The­sen in der Mos­kauer Zeit­schrift „Unter dem Bann des Mar­xis­mus“ über meh­rere Aus­ga­ben hin­weg mit pro-​​ und contra-​​Beiträgen, u.a. von Bucha­rin , dis­ku­tiert.

bb) Von Lenins Imperialismus-​​Schrift von 1916 zitiert Res nur jene Punkte, „die bis heute Gül­tig­keit haben“ (67 ff.). Dies wäre dann legi­tim, wenn nicht
++ einer­seits genau diese Punkte (Zentralisierung/​Konzentrierung des Kapi­tals etc.) bereits von Marx behan­delt wor­den wären (also nicht auf Lenins Mist gewach­sen sind) und
++ ande­rer­seits die bei­den – mit­ein­an­der zusam­men­hän­gen­den – wesent­li­chen neuen (und lei­der fal­schen – wie ich sagen muß, obwohl mir Lenins Über­le­gun­gen ansons­ten wich­ti­ger sind, als dies wohl bei Res der Fall ist) Gedan­ken ver­schwie­gen wür­den.
Diese bei­den wesent­li­chen Gedan­ken sind:
++ ers­tens die These vom Übergang von der Periode des Konkurrenz-​​ zum Mono­pol­ka­pi­ta­lis­mus
++ zwei­tens – als Folge des Endes der Kon­kur­renz – die These von der „Fäul­nis“ des Impe­ria­lis­mus .
Die zwei­ten These kann als ein­deu­tig wider­legt gel­ten. Der Impe­ria­lis­mus erfreut sich seit gerau­mer Zeit (wie­der?) bes­ter Gesund­heit. Aber sie lebt heute (aus­ge­rech­net bei Strö­mun­gen, bei denen mensch einen posi­ti­ven Lenin-​​Bezug nicht ver­mu­tet und die ihn auch nicht expli­zie­ren!) in abge­wan­del­ter Form fort: Hier (bspw. in der Kri­ti­schen Theo­rie) wird der „Fäulnis“-Begriff nicht mehr auf den Impe­ria­lis­mus bezo­gen, son­dern huma­nis­tisch gewen­det. In die­ser Form lebt er auch bei Res in sei­ner Konsum-​​ und Technologie-​​Kritik (‚Mc-​​Donalds-​​Imperialismus‘, vgl. 68) fort (s. oben II.B.2).
An Lenins Imperialismus-​​Theorie knüpfte schließ­lich in den 60er Jah­ren die Theo­rie vom Staats­mo­no­pol­ka­pi­ta­lis­mus (Sta­mo­kap) an. Res erwähnt sie – ohne die­sen Bezug offen zu legen – posi­tiv (57). Nicht erwähnt wird von Res, daß im Rah­men des Stamokap-​​Ansatzes Lenins ökono­mi­sche Imperialismus-​​Theorie gegen Lenins Revo­lu­ti­ons­theo­rie aus­ge­spielt wird. Lenins These vom „sterbende(n) Kapi­ta­lis­mus“ diente – bei ver­ba­lem Fest­hal­ten am revo­lu­tio­nä­ren Anspruch – den offi­zi­el­len KPen als Legi­ti­ma­tion für ihre atten­tis­ti­sche Pra­xis (Stra­te­gie des „fried­li­chen Übergangs zum Sozia­lis­mus“ mit­tels „anti­mo­no­po­lis­ti­scher Bünd­nisse“). Auch die Nähe zur Stamokap-​​Theorie wirkt sich auf Res tech­no­lo­gie­po­li­ti­sche Posi­tion aus: Denn die Unter­schät­zung der Eigen­dy­na­mik des Kapi­tals muß letzt­lich zu einer sub­jek­ti­vis­ti­schen, ten­den­zi­ell ver­schwö­rungs­theo­re­ti­schen Erklä­rung der Kapi­tal­be­we­gung füh­ren.

3. Hegel und die Dia­lek­tik

a) Res‘ Hegel-​​Rezeption

Im ers­ten Kapi­tel sei­nes Buches gibt Res eine Dar­stel­lung sei­ner „Metho­den der Poli­ti­schen Ökono­mie“ (7 ff.). Dabei bezieht er sich aus­drück­lich auf Hegels Dia­lek­tik (7 f.). Das Ver­hält­nis zwi­schen der hegel­schen und der marx­schen Dia­lek­tik begreift Res – mit einem Marx-​​Wort und der „Ortho­do­xie“, die die­ses zum Dogma erho­ben hat – als schlichte ‚Umkeh­rung‘: Marx habe Hegels Dia­lek­tik vom Kopf auf die Füße gestellt (11). Die­ses Ver­ständ­nis des Ver­hält­nis­ses von Marx und Hegel ermög­licht Res, die Dia­lek­tik als „Gesetzmäßigkeit(en)“ (8) zu begrei­fen, die es gelte ‚anzu­wen­den‘: „Ange­wandte Dia­lek­tik“ (Zwi­schen­über­schrift S. 11). (Obwohl sich Res sonst ver­schie­dent­lich auf den Bie­le­fel­der Ansatz bezieht, nimmt er hier den Hin­weis von Maria Mies, daß die „dia­lek­ti­sche und mate­ria­lis­ti­sche Erkenntnis-​​ und Pra­xis­theo­rie (…) nicht die Befol­gung bestimm­ter metho­di­scher Ver­fah­ren und Prin­zi­pien“ zum „Wahr­heits­kri­te­rium“ mache , nicht zur Kennt­nis.) Wei­ter geht Res davon aus, daß nicht etwa schon die hegel­sche Methode (bspw.: These – Anti­these – Syn­these [8], „Auf­he­bung“ im drei­fa­chen Sinne von „1. Besei­ti­gung. 2. Bewah­ren. 3. Auf-​​eine-​​höhere-​​Stufe-​​heben.“ [9], der Begriff „Ent­frem­dung“ [120]) idea­lis­tisch sei. Dies sei viel­mehr erst die „Vor­stel­lung, die Welt über die Idee, über mora­li­sche Gebote ändern“ zu wol­len (18). Durch­aus nicht idea­lis­tisch sei es dage­gen, „viele Ideen“ zu haben und „an das Gute im Men­schen (zu) glaub(en)“ (ebd.) [Zur Kri­tik s. schon oben unter II.B.1.a)]. In der „Auto­no­mie“ Nr. 14 wurde die glei­che „Leit­idee“ schon frü­her in der These zuge­spitzt, daß „der Kom­mu­nis­mus jeder­zeit mög­lich ist“ – Lei­der ist die Sache etwas kom­pli­zier­ter:

b) Das Ver­hält­nis von Marx und Hegel

Schon, was das Ver­hält­nis von Marx zu Hegel betrifft: Wie bereits erwähnt, stammt die For­mel vom ‚vom-​​Kopf-​​auf-​​die-​​Füße-​​stellen‘ und das Wort des „Umstül­pens“ der Hegel­schen Dia­lek­tik in der Tat von Marx selbst. Res über­nimmt diese Vor­stel­lung unkri­tisch und über­sieht, daß es sich bei die­ser For­mu­lie­rung nur um eine Meta­pher han­delt – noch dazu um eine wider­sprüch­li­che. Denn an der glei­chen Stelle heißt es noch, es müsse der „ratio­nelle Kern“ der hegel­schen Dia­lek­tik in ihrer „mys­ti­schen Hülle (…) entdeck(t)“ wer­den. Das Umstül­pen von etwas und die Frei­le­gung eines Kerns von etwas sind aber zwei grund­le­gend ver­schie­dene Vor­gänge. Marx hat uns also nur seine Dia­lek­tik im prak­ti­schen Zustand und das Pro­blem der theo­re­ti­schen Bestim­mung deren Ver­hält­nis­ses zu der hegel­schen gege­ben, nicht aber die theo­re­tisch aus­for­mu­lierte Lösung.
Die These vom „Umstül­pen“ trifft eher auf Feu­er­bach zu, von dem der junge Marx – und über die­sen sowie Mar­cuse und den „anti­au­to­ri­tä­ren“ Flü­gel der APO auch auto­nome Theo­rie – viel über­nom­men hat. Von Feu­er­bach stammt auch der Gedanke, Hegel „umzu­keh­ren“. Bei ihm tre­ten tat­säch­lich ein­fach die „Men­schen“ an die Stelle Hegels „abso­lu­ter Idee“. Ent­spre­chen­des gilt für die Unter­schiede zwi­schen den The­sen von Hegel, Feu­er­bach und Marx über den Erkennt­nis­pro­zeß.
Marx ist in sei­ner wei­te­ren theo­re­ti­schen Pra­xis wei­ter gegan­gen als Feu­er­bach (auch wenn jener den Unter­schied zwi­schen sei­ner eigene Dia­lek­tik und der Hegels noch nicht auf den stren­gen Begriff brin­gen konnte):
„Die Idee der ‚Tota­li­tät‘ (…) ist der Grund­stein von Hegels Gedan­ken­ge­bäude.“ Dem ent­spricht die These von der ‚Iden­ti­tät der Wider­sprü­che‘ . Die Wider­sprü­che sind für Hegel nicht wirk­lich ent­schei­dend (dezisiv) , son­dern bloß Aus­druck eines ein­fa­chen Prin­zips (expres­siv). Wel­ches Prin­zip das ist, wer­den wir gleich sehen. Bei Hegel wird von der Ver­gan­gen­heit immer nur das auf­ge­ho­ben, „was zur Bestä­ti­gung der Gegen­wart dient“, und die Gegen­wart wird „ledig­lich als Ver­gan­gen­heit in Voll­en­dung betrach­tet“ . „Und was kann man der­art bei­be­hal­ten und zugleich auf­he­ben, wenn nicht abs­trakte Prin­zi­pien: juris­ti­sche Per­son, Sub­jek­ti­vi­tät usw.? Mit ande­ren Wor­ten, bei­be­hal­ten und auf­he­ben kann man nur abs­trakte Prin­zi­pien, weil sie frei sind von jeder his­to­ri­schen Ver­an­ke­rung.“ Genau dies ist der Idea­lis­mus der Hegel­schen Dia­lek­tik (der ihr nicht bloß äußer­lich ist, son­dern sie selbst bestimmt – in den Begrif­fen Auf­he­bung, Nega­tion der Nega­tion etc.) Und genau diese Vor­stel­lung von ein­fa­chen Kate­go­rien, die sich in der Geschichte produktionsweisen-​​übergreifend ent­fal­ten, ist es, die Marx unter der Zwi­schen­über­schrift „Die Metho­den der poli­ti­schen Ökono­mie“ in der „Ein­lei­tung“ von 1857 kri­ti­siert. Sel­bi­ges ist auch seine Methode im „Kapi­tal“. Im Nach­wort zur 2. Auf­lage zitiert Marx einen Rezen­sen­ten der ers­ten Auf­lage in die­sem Sinne. Hier zeigt sich prak­tisch: Marx stülpt die Hegel­sche Dia­lek­tik nicht nur um, son­dern er arbei­tet sie in ihren Struk­tu­ren um. Denn eine Wir­kung kann nicht ohne Besei­ti­gung ihrer Ursa­che, also durch bloße Umkeh­rung, besei­tigt wer­den (weder in der poli­ti­schen, noch in der theo­re­ti­schen Pra­xis). Viel­mehr muß die Basis selbst ver­än­dert wer­den. Marx arbei­tete daher die hegel­sche Dia­lek­tik so sehr um, daß der von ihm zitierte Rezen­sent in der von ihm begrüß­ten marx­schen For­schungs­me­thode gar nicht mehr die (deut­sche) Dia­lek­tik erkennt /​ erken­nen will. Soweit es um die tra­di­tio­nelle (auch hegel­sche) Dia­lek­tik geht hat er ein­fach recht. Des­halb fin­det sich in den bei­den Wer­ken auch nicht Res Kata­log von ‚dia­lek­ti­schen Gesetz­mä­ßig­kei­ten‘ (8).
Das Ergeb­nis der Umar­bei­tung der hegel­schen Dia­lek­tik durch Marx: Der reife Marx ging nicht von der ‚Tota­li­tät‘ sowie der ‚Iden­ti­tät der Wider­sprü­che‘, son­dern von einem immer „’schon gege­be­nen‘, komplexe(n), strukturierte(n) Ganze(n)“ (diese Betrach­tungs­weise ist auch in Res Buch manch­mal im prak­ti­schen Zustand zu fin­den) und der blo­ßen ‚Ein­heit der Wider­sprü­che‘ aus . Hier sind tat­säch­lich die Wider­sprü­che ent­schei­dend.
Dage­gen schließt aller­dings auch das bloße Umstül­pen Hegel­scher Dia­lek­tik den Mate­ria­lis­mus (und den Klas­sen­kampf) nicht not­wen­di­ger­weise völ­lig aus: Nur ist die­ser beim jun­gen Marx und beim heu­ti­gen „huma­nis­ti­schen Mar­xis­mus“ aus­schließ­lich „Aus­druck eines mora­li­schen Plans“. So auch bei Res: Das „Gute im Men­schen“ (18) rea­li­siert sich im Klas­sen­kampf. Diese Posi­tion ist ein Stütz­punkt des Idea­lis­mus im Mar­xis­mus.
c) Zur These von der „angewandte(n) Dia­lek­tik“ (11)
Wei­ter ist es nicht mög­lich, die Dia­lek­tik – bspw. auf eine Wis­sen­schaft – ‚anzu­wen­den‘. Das hat der Sta­li­nis­mus ver­sucht. Viel­mehr ist zu unter­schei­den zwi­schen dem his­to­ri­schen Mate­ria­lis­mus (von Marx begrün­dete Geschichts­wis­sen­schaft) und dem dia­lek­ti­schen Mate­ria­lis­mus (mar­xis­ti­sche Phi­lo­so­phie). Die mar­xis­ti­sche Phi­lo­so­phie kann nicht die Ant­wor­ten der Wis­sen­schaf­ten vor­schrei­ben oder prü­fen. Sie kann viel­mehr nur die rich­ti­gen Fra­gen stel­len – und sich von die­sen ggf. berich­ti­gen las­sen .
Genauso wenig wie sich die Dia­lek­tik ‚anwen­den‘ läßt, kann von einer „klas­sen­spe­zi­fi­schen Ver­nunft“ (so aber Res, S. 23; ähnlich, nur plat­ter: „Die Wahr­heit liegt bei den Unter­drück­ten.“ [12 – Her­vorh. i.O.]) gespro­chen wer­den. Auch die ent­spre­chende For­mel von der „pro­le­ta­ri­schen Wis­sen­schaft“ – die Res nicht ver­wen­det – ist eine sta­li­nis­ti­sche For­mel .
(All dies macht Res‘ Buch aber nicht zu einem sta­li­nis­ti­schen Buch. Die­ser Sach­ver­halt ver­weist viel­mehr nur die Mul­ti­funk­tio­na­li­tät des Hege­lia­nis­mus. Auch die rechte – statt linke – Kri­tik am Sta­li­nis­mus bezog sich seit dem XX. Par­tei­tag der KPdSU posi­tiv auf „das Hegel­sche Erbe bei Marx“. )

III. Resü­mee /​ Per­spek­ti­ven

1. Das Nach­wort von Det­lef Hart­mann

Nach die­ser Fun­da­men­tal­kri­tik wäre es ein leich­tes zusa­gen, das Nach­wort von Det­lef Hart­mann (169 ff.) bringe die vor­her­ge­hen­den 168 Sei­ten tref­fend auf den Begriff. Aber dies wäre eine bil­lige Pole­mik. Viel­mehr zieht Hart­mann über­all da die Fron­ten glatt, wo Res Wider­sprü­che erkennt und Defi­zite auto­no­mer Theo­rie benennt: Res sagt bspw. gerade, daß die Kri­sen­haf­tig­keit des Kapi­ta­lis­mus eine objek­tive, innere Ursa­che im Kapi­tal­ver­hält­nis hat. Nur hin­sicht­lich der Mög­lich­keit, ihr prä­ven­tiv ent­ge­gen zu wir­ken bzw. sie nach Ein­tritt zu über­win­den, sol­len die sub­jek­ti­ven Angriffs-​​ und Wider­stands­mög­lich­kei­ten von Kapi­tal und Arbeit eine Rolle spie­len (45 f.). Det­lef Hart­mann macht aus die­sem kom­ple­xen Gedan­ken einen kla­ren und ein­fa­chen – in etwas kom­pli­zier­ter Spra­che: „(…) die Dia­lek­tik des pro­zes­sie­ren­den Wider­spruchs und der per­ma­nen­ten Kri­sen­haf­tig­keit der kapi­ta­lis­ti­schen Akku­mu­la­tion ist im Kern kein der Bewe­gung des Wert­ge­set­zes und der Akku­mu­la­tion selbst inne­woh­nen­der Wider­spruch, kein kapi­talim­ma­nen­ter Wider­spruch, wie man sagt. Knap­per: Ver­wer­tung ist ein Pro­zeß des sozia­len Kriegs und die Dia­lek­tik die­ses Kriegs ent­schei­det über den Wert und seine Kri­sen.“ (169 – Her­vorh. d. Verf.). Ent­spre­chend läßt Hart­mann auch die letz­ten Dif­fe­ren­zie­run­gen der Herr­schafts­me­tho­den des Kapi­tals – die ja bei Res, wenn auch ver­schwom­men, noch vor­han­den waren – fal­len und redu­ziert alles auf die „Gewalt­form die­ses Pro­zes­ses“ (ebd.), so daß sogar keyne­sia­nis­ti­sche (= sozia­lis­ti­sche [172] sic!) Pla­nung zur Gewalt wird (170). Pla­nung = Gewalt! Sozi­al­de­mo­kra­tis­mus = (Sozial)faschismus?!

2. Anknüp­fungs­punkte für die wei­tere Dis­kus­sion

Mit der Redu­zie­rung aller Wider­sprü­che auf ein sol­ches ein­fa­ches Welt­bild, läßt sich wohl kaum eine neue revo­lu­tio­näre Initia­tive ent­wi­ckeln. Nach all der Kri­tik, bin ich wohl in der Schuld, zu benen­nen, wo ich dage­gen Anknüp­fungs­punkte für eine sol­che Initia­tive sehe. Ich will dies nur auf drei kurze Andeu­tun­gen beschrän­ken, um den eh schon reich­lich lan­gen Text nicht noch mehr aus­zu­wei­ten.

a) Ein zen­tra­ler Punkt ist die For­mu­lie­rung einer Alter­na­tive zum auto­nome Huma­nis­mus. Die kom­mu­nis­ti­sche Per­spek­tive ist m.E. nicht aus dem Glau­ben „an das Gute im Men­schen“ (18) zu begrün­den, son­dern aus dem was im Kapi­ta­lis­mus bereits Rea­li­tät ist: Die „his­to­ri­sche Ten­denz“ ist bereits in zwei­fa­cher Hin­sicht gegen­wär­tig: a) als Ten­denz zur Ver­ge­sell­schaf­tung der Pro­duk­tion und der Pro­duk­tiv­kräfte (in der Form der Kon­zen­tra­tion des Kapi­tals und des Staa­tes) b) als pro­le­ta­ri­scher Klas­sen­kampf. Im Kapi­ta­lis­mus ste­hen Ten­denz b) und (Form von) Ten­denz a) in Oppo­si­tion zuein­an­der, erst in der pro­le­ta­ri­schen Revo­lu­tion ver­schmel­zen sie.

b) Zur Frage der neuen Tech­no­lo­gien hatte ich oben bereits einen Vor­schlag gemacht. Hier des­halb nur noch zwei Nach­träge: Auf S. 116 stellt sich Res – auch wenn er einen wesent­li­chen Aspekt von Lenins Technik-​​Position weg­läßt, s. dazu unten unter aa) – der damit ver­bun­de­nen zen­tra­len Pro­ble­ma­tik (vgl. schon 111 f.): „Er (Lenin, d. Verf.) mischt tech­no­lo­gi­sche Bewun­de­rung mit sozi­al­po­li­ti­scher Abscheu. Diese Schrift ist im Jahre 1918 ent­stan­den, mit­ten also in einer Phase des aus Ueber­le­bens­grün­den der bol­sche­wis­ti­schen Kriegs­wirt­schaft for­mu­lier­ten Staats­ka­pi­ta­lis­mus. (…). Auto­nome Kri­tik an die­sem Technologie-​​ und Fort­schritts­be­griff ist abso­lut berech­tigt, steht indes­sen solange im Regen, wie sie sel­ber nicht dar­legt, wie sich gesamt­ge­sell­schaft­lich not­wen­dige Pro­duk­ti­vi­tät auto­nom und eigen­be­stimmt inner­halb von Produktions-​​ und Sub­sis­tenz­kol­lek­ti­ven ent­wi­kkeln lässt.“
M.E. sollte die­ser Gedanke – ganze ohne Mensch-​​gegen-​​Maschine-​​Bimborium – in fol­gende Rich­tun­gen wei­ter­ver­folgt wer­den:

aa) Ein Kri­tik des real­so­zia­lis­ti­schen Tech­nik­fe­ti­schis­mus muß da anset­zen, wo er die Pro­duk­tiv­kräfte auf die Tech­nik redu­ziert und die Gebrauchs­wert­seite der Pro­duk­tion ver­nach­läs­sigt wird. Die Pro­duk­tiv­kräfte sind näm­lich selbst „ein Ver­hält­nis mit eige­ner Gesetz­mä­ßig­keit (…). Das heißt vor allem, daß das Pro­duk­tiv­ver­hält­nis (so WRLs Begriff für Pro­duk­tiv­kräfte, Anm. d. Verf.) eigene Wider­sprü­che auf­weist, eige­nen Ent­wick­lungs­ge­set­zen folgt und eigene soziale Effekte zei­tigt.“
Im Rah­men des Pro­duk­tiv­ver­hält­nis­ses las­sen sich unter­schei­den: das tech­ni­sche Pro­duk­tiv­kraft­sys­tem (auf das bis­her die Pro­duk­tiv­kräfte oft redu­ziert wur­den) (Tech­nik und Arbeits­ver­fah­ren), das orga­ni­sa­to­ri­sche Pro­duk­tiv­kraft­sys­tem (Arbeits­tei­lung und Koope­ra­tion) und das mensch­li­che Pro­duk­tiv­kraft­sys­tem (also die mensch­li­che Arbeit selbst; die Krea­ti­vi­tät etc.). Eine wei­tere Dif­fe­ren­zie­rung des tech­ni­schen Pro­duk­tiv­kraft­sys­tems (TPK) erlaubt her­aus­zu­ar­bei­ten, wo genau eine Kri­tik am real-​​sozialistischen Tech­nik­ver­ständ­nis anset­zen kann. Das TPK glie­dert sich sei­ner­seits in den funktional-​​konstruktiven Kom­plex (FKK) und die Benutzer-​​Schnittstelle (BSS). „Wäh­rend der FKK das Sys­tem instru­men­tel­ler Mit­tel zur Lösung tech­ni­scher Auf­ga­ben beschreibt, iden­ti­fi­ziert die BSS die Anwen­dungs­seite tech­ni­scher Sys­teme. (…). Die BSS im hier benutz­ten Sinne beschreibt (…) ein tech­ni­sches Sys­tem in den Dimen­sio­nen Ergo­no­mie und Per­sön­lich­keits­för­der­lich­keit. Dies impli­ziert, daß tech­ni­sche Sys­tem unter die­sem Gesichts­punkt unter­schied­lich (‚alter­na­tiv‘) gestalt­bar sind. (…) Als all­ge­mei­nes Gesetz gilt, daß mit Reife und Sta­bi­li­tät des (FKK) die (BSS) ergo­no­mi­scher und per­sön­lich­keits­för­dern­der gestal­tet wird, weil Ratio­na­li­sie­rung dann wesent­lich über die Benut­zer­seite des Sys­tems zu gewähr­leis­ten ist.“ Ent­spre­chend zu dif­fe­ren­zie­ren ist das orga­ni­sa­to­ri­sche Pro­duk­tiv­kraft­sys­tem. Von wesent­li­cher Bedeu­tung für die Ent­wick­lung der Per­sön­lich­keit ist schließ­lich das schon erwähnt mensch­li­che Pro­duk­tiv­kraft­sys­tem.
An diese Dif­fe­ren­zie­rung ist anzu­knüp­fen: „Bekannt­lich for­derte Lenin zur Zeit der Okto­ber­re­vo­lu­tion diese Appa­rate (die tech­nisch orga­ni­sa­to­ri­schen Appa­rate des Kapi­ta­lis­mus, d. Verf.) nicht zu zer­schla­gen (…). Die vor­han­dene tech­ni­sche Arbeits­or­ga­ni­sa­tion zer­schla­gen wol­len, hätte das ‚Aus‘ für die rus­si­sche Revo­lu­tion bedeu­tet. Nur die Len­in­schen Begriffe sind extrem unklar. Es wird an kei­ner Stelle erläu­tert, was die ‚bür­ger­li­chen Bezie­hun­gen‘ sind, die man ‚abha­cken‘ müsse (…). Mög­li­cher­weise erlaubt die begriff­li­che Tren­nung zwi­schen funktional-​​konstruktivem Kom­plex und Benutzer-​​Schnittstelle einer­seits, tech­ni­scher Arbeits­or­ga­ni­sa­tion und struk­tu­rel­ler Arbeits­or­ga­ni­sa­tion ande­rer­seits, diese Ele­mente kla­rer aus­ein­an­der­zu­hal­ten. Nach mei­ner Mei­nung wer­den sich die Ände­run­gen im Rah­men einer sozia­lis­ti­schen Umwäl­zung pri­mär auf struk­tu­relle Arbeits­or­ga­ni­sa­tion und Benutzer-​​Schnittstelle bezie­hen müs­sen, die mit den gege­be­nen Pro­duk­ti­ons­ver­hält­nis­sen ver­wo­ben sind.“

bb) Frigga Haug knüpft genauso wie Res (120 f.) an jene Pas­sa­gen bei Marx an, in denen er die Über­win­dung der Arbeit – ver­stan­den als kapitalistisch-​​formbestimmte – pos­tu­liert. Für sie erfor­dert diese Per­spek­tive aber Auf­he­bung der hand­werk­li­chen Beschränkt­hei­ten und die Ver­wis­sen­schaft­li­chung der Pro­duk­tion: „Was begeis­terte Marx an sol­cher Indienst­nahme von Wis­sen­schaft? Wel­che Schran­ken, die einem zukünf­ti­gen Gemein­we­sen ent­ge­gen­stan­den, sah er fal­len? (…) Das Geheim­nis mit sei­nem Gegen­satz von Ein­ge­weih­ten und Nicht-​​Eingeweihten, das Erfah­rungs­wis­sen und seine Bin­dung an die Pro­fes­sion , das sind Schran­ken, Ver­knö­che­run­gen, die (…) der All­ge­mein­heit der Arbeit ent­ge­gen­ste­hen, ebenso wie sie bewußte Pla­nung der Arbeits­pro­zesse und der Arbeits­tei­lung und damit die Auf­s­pren­gung von Herr­schaft ver­hin­dern. Die Wis­sen­schaft macht Tätig­kei­ten durch­sich­tig und ver­ständ­lich und ist daher die Grund­lage, nicht etwa nur tota­ler Kon­trolle von oben, son­dern auch für jede herr­schafts­lose hori­zon­tale Arbeits­tei­lung.“ Frigga Haug faßt dabei Ver­wis­sen­schaft­li­chung der Pro­duk­tion vor allem so: „Auto­ma­ti­ons­ar­beit ist infor­ma­ti­ons­ver­ar­bei­tende Tätig­keit. So fal­len die letz­ten Schran­ken, die Pro­duk­ti­ons­ar­beit in allen qua­li­fi­zier­ten pro­fes­sio­nel­len Berei­chen zu einer männ­li­chen Domäne mach­ten. (…) ‚Zusam­men­ar­beit bei­der Geschlech­ter‘ als ‚Quelle huma­ner Ent­wick­lung‘, wie Marx dies nannte (MEW 23, 514) (…) Pro­gram­mie­ren, Meß­wart, NC-​​Maschinenarbeit – es gibt keine Begrün­dung, warum dies Män­ner­be­rufe sein soll­ten (…). Die Ver­än­de­rung in den Tätig­kei­ten – vom Umgang mit Maschi­nen und Werk­zeu­gen – zum Umgang mit Infor­ma­tio­nen, beson­ders Spra­chen, Logi­ken und Sys­tem­ana­lyse – bricht das Mono­pol der Kopf-​​ über die Hand­ar­beit. Wis­sen­schaft wird – wenn auch in Gren­zen – all­ge­mein.“

c) Der letzte Punkt betrifft die Frage der Orga­ni­sie­rung. Zurecht betont Res die Bedeu­tung sowohl orga­ni­sier­ten als auch spon­ta­nen Wider­stands (117). Res ord­net die Bedeu­tung spon­ta­nen Wider­stands auch rich­tig ein, wenn er die­sen auf einer Ebene mit gewerk­schaft­li­cher Orga­ni­sie­rung behan­delt (ebd.). Beide Wider­stands­for­men haben aber noch nichts mit der Revo­lu­tion zu tun, beide sind nur sol­che inner­halb des Lohn­ar­beits­ver­hält­nis­ses . Der auto­nome „Akti­ons­brei“ bedeu­tet fak­tisch ein gra­dua­lis­ti­sches Revo­lu­ti­ons­ver­ständ­nis (bloß „quan­ti­ta­tive Stei­ge­rung von Revol­ten“). Schon das bloße Fehl­schla­gen von ein­zel­nen Plä­nen des Kapi­tals wird als revo­lu­tio­nä­rer „Angriff und Moment von Klas­sen­kon­sti­tu­ie­rung bewer­tet“. So ver­stan­dene „‚Klas­sen­sub­jek­ti­vi­tät ist (…) keine Per­spek­tive für die Kämpfe der ‚Klasse‘“.
Viel­mehr besteht die Not­wen­dig­keit einer orga­ni­sie­ren­den, vor­an­trei­ben­den poli­ti­schen Kraft, die die Bewe­gun­gen nicht zu bevor­mun­den oder gar zu erset­zen hat, son­dern die diese „ein­zu­bet­ten, zu bün­deln (hat) in eine Stra­te­gie und Tak­tik der revo­lu­tio­nä­ren Macht­er­grei­fung, des Auf­stan­des. Dies ist nur mög­lich (…) in einem orga­ni­sa­to­ri­schen Rah­men, der eine Kon­ti­nui­tät des Sam­melns von Erfah­run­gen, eine Kon­ti­nui­tät des Han­delns, eine Kon­ti­nui­tät der Aus­wer­tung von Erfah­run­gen, der Bewer­tung his­to­ri­scher Kämpfe (in einem par­ti­ku­lare Inter­es­sen überg­rei­fen­den Sinne) gewähr­leis­tet. Nichts ande­res ist eine revo­lu­tio­näre Par­tei. Ob sie dazu in der Lage ist, grün­det sich nicht auf einem Füh­rungs­an­spruch, son­dern daß muß sich in den rea­len Kämp­fen bewei­sen.“
Eine sol­che Par­tei besteht real nicht und sie kann auch nicht ein­fach in einem volun­ta­ris­ti­schen Akt gegrün­det wer­den, aber für alle Revo­lu­tio­nä­rIn­nen besteht die Not­wen­dig­keit, auf ihre Her­aus­bil­dung im poli­ti­schen Pro­zeß hin­zu­ar­bei­ten.

Ein Leser – nach Dis­kus­sion mit ver­schie­de­nen Genos­sIn­nen

Lite­ra­tur­liste (außer Texte aus Marx/​Engels-​​Werke [MEW], Lenin-​​Werke (LW), Luxemburg-​​Gesammelte Werke [GW], Mao-​​Ausgewählte Werke [MAW]:

Alt­hus­ser 1962: L. Alt­hus­ser, Wider­spruch und Über­de­ter­mi­nie­rung (1962), in: ders. 1968a, 52 ff.
Alt­hus­ser 1963: ders., Über mate­ria­lis­ti­sche Dia­lek­tik (1963), in: ders. 1968a, 100 ff.
Alt­hus­ser 1965: ders., Vor­wort: Heute (1965), in: ders. 1968a, 17 ff.
Alt­hus­ser 1967: ders., An die deut­schen Leser (1967), in: ders. 1968a, 7 ff.
Alt­hus­ser 1968a: ders., Für Marx, Frank­furt am Main, 1968.
Alt­hus­ser 1968b: ders., Der Gegen­stand des Kapi­tals, in: ders. /​ E. Balibar, Das Kapi­tal lesen!, Rein­bek bei Ham­burg, 1972 (Ori­gi­nal­aus­gabe: Paris, 1968), 94 ff.
Alt­hus­ser 1969/​70: ders., Ideo­lo­gie und ideo­lo­gi­sche Staats­ap­pa­rate (1969/​70), in: ders. 1977a, 108 ff.
Alt­hus­ser 1971: ders., Anmer­kun­gen zum Ver­hält­nis von Mar­xis­mus und Klas­sen­kampf (1971), in: ders. 1975, 104 ff.
Alt­hus­ser 1972: ders., Ant­wort an John Lewis (1972), in: H. Arenz /​ J. Bisch­off /​ U. Jaeggi (Hg.), Was ist revo­lu­tio­nä­rer Mar­xis­mus?, West­ber­lin, 1973, 35 ff.
Alt­hus­ser 1975: ders., Ele­mente der Selbst­kri­tik, West­ber­lin, 1975.
Alt­hus­ser 1976: ders., Anmer­kung über ideo­lo­gi­sche Staats­ap­pa­rate (1976), in: ders. 1977a, 154 ff.
Alt­hus­ser 1977a: ders., Ideo­lo­gie und Ideo­lo­gi­sche Staats­ap­pa­rate, Hamburg/​ West­ber­lin, 1977.
Alt­hus­ser 1977b: ders., Zu eini­gen Vor­aus­set­zun­gen der Staats­frage in der mar­xis­ti­schen Theo­rie (1977), in: ders., Krise des Mar­xis­mus, Ham­burg, 1978, 69 ff.
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Rent­sch­ler 1988: ders., Die Unfä­hig­keit zum Lebens­ge­nuß, in: Per­spek­ti­ven, Nr. 4, Nov. 1988, 26 ff.
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Schött­ler 1975: P. Schött­ler, Vor­wort: Wider­ruf oder Berich­ti­gung? (1975), in: Alt­hus­ser, 1975, 7 ff.
Schulze 1988: D. Schulze, Rosa Luxem­burgs „Die Akku­mu­la­tion des Kapi­tals“, in: Hin­ter­grund (Osna­brück) II/​1991, 22 ff.
Séverac 1984: P. Séverac, Stich­wort „Füh­rung (Lei­tung) /​ Herr­schaft“, in: G. Labica /​ G. Bensus­san, Kri­ti­sches Wör­ter­buch des Mar­xis­mus. Band 2, (West)berlin, 1984 (Paris 19842), 396 ff.
Sper­ling 1988: U. Sper­ling, Moral eco­nomy auf femi­nis­ti­scher Basis?, in: Per­spek­ti­ven, Nr. 4, Nov. 1988, 50 ff.
Strobl 1986: I. Strobl, Die rote Rosa, in: Emma 4/​1986 zit. n. dem Nach­druck in: Bro­schü­ren­gruppe für Ulla und Ingrid (Hg.), Anschlag auf die Schere am Gen und die Schere im Kopf, Ham­burg, 1988, 70 ff.
Strobl 1991: dies., Die Angst vor den Frös­ten der Frei­heit, in: Pro­jekt­gruppe 1991, 13 ff.
Vieh­mann 1991: K. Vieh­mann und Genossinnen/​Genossen, Drei zu Eins, in: Pro­jekt­gruppe 1991, 27 ff.
Werl­hof 1978: C. von Werl­hof, ‚Dritte Welt‘ bei uns, in: Alter­na­tive (West­ber­lin), Vol. 120/​121, Juni/​Aug. 1978, 181 ff.
Werlhof/​Mies/​Bennholdt-​​Thomsen 1988: dies. /​ M. Mies /​ V. Bennholdt-​​Thomsen, Frauen, die letzte Kolo­nie, Rein­bek bei Ham­burg, 19882.
Wiet­hold 1985: F. Wiet­hold, Sta­bi­li­tät und Wan­kel­mut, in: Düs­sel­dor­fer Debatte, 11/​1985, 3 ff.
WRL 1985a: WRL, Gegen eine tech­nik­kri­ti­sche Wende im Mar­xis­mus, in: Düs­sel­dor­fer Debatte 5/​1985, 12 ff.
WRL 1985b: WRL, Gegen einen zivi­li­sa­ti­ons­kri­tisch auf­ge­bla­se­nen femi­nis­ti­schen Idea­lis­mus, in: Düs­sel­dor­fer Debatte 8-​​9/​1985, 47 ff. (Anm. d. Verf. zu die­ser pau­scha­li­sie­ren­den Titel­ge­bung: ein Idea­lis­mus wird nicht dadurch rich­tig, daß er femi­nis­tisch daher­kommt. Anders als bei der „Zivi­li­sa­ti­ons­kri­tik“, die per se idea­lis­tisch ist, gibt es bekannt­lich einen mate­ria­lis­ti­schen Femi­nis­mus.)
WRL 1987: ders., Opti­mie­rung der Arbeits­zeit statt Ver­kür­zung. 1. Teil, in: Düs­sel­dor­fer Debatte 1/​1987, 58 ff.

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Ebd.
MEW 23,194 f.
Alt­hus­ser 1968b, 229, vgl. 228 ff. Vgl. WRL 1987, 67.
S. dazu die Kri­tik von: E.B./S.K. 1989, 35 f. = dies. in: DS 1990, 25 f.
Roth, 1989, 21 = ders. in: DS 1990, 16.
Nemitz 1985, 39.
Haug 1982, 36.
Andresen/​Woll 1988, 43 f.
Haug 1982, 648 ff.
Haug 1982, 646 f., vgl. 651.
Haug 1981, 659 f.
Hara­way 1984, 68.
Hara­way 1984, 68, 80.
Hara­way 1984, 80 – Her­vorh. d. Verf.
Nemitz 1985, 40. Vgl. Haug 1982, 35 f.
Nemitz 1985, 40 f.
Wiet­hold 1985, 18.
WRL 1987, 58.
Vgl. dazu unter dem Gesichts­punkt femi­nis­ti­scher bzw. sozia­lis­ti­scher Kri­te­rien: Engert 1988, 17; Nemitz 1985, 29.
Hart­mann 1989, 4 – Her­vorh. d. Verf.
Zur Kri­tik der­ar­ti­ger Vor­stel­lun­gen s.: o. Verf. 1987a, 2 f.
Balibar 1979, 152.
Balibar 1976, 69.
Res beruft sich dabei in sei­nem Buch und in sei­nem PROWO-​​Interview auf ein Zitat in einer Fuß­note im Drit­ten Band des Kapi­tals: „Meis­ter sind eben­so­gut Arbei­ter wie ihre Gesel­len. In die­ser Rolle ist ihr Inter­esse genau das­selbe wie das ihrer Leute. Aber sie sind außer­dem ent­we­der Kapi­ta­lis­ten oder Agen­ten der Kapi­ta­lis­ten, und in die­ser Hin­sicht ist ihr Inter­esse ent­ge­gen­ge­setzt dem Inter­esse der Arbei­ter. (…) Die weite Ver­brei­tung der Bil­dung unter den indus­tri­el­len Arbei­tern die­ses Lan­des ver­rin­gert täg­lich den Wert der Arbeit und die Geschick­lich­keit fast aller Meis­ter und Unter­neh­mer, indem sie die Zahl der Per­so­nen stei­gert, die das Fach­wis­sen die­ser besit­zen.“ (MEW 25, 402 f. – alle Her­vorh. d. Verf.). Wie die­ses Zitat Res‘ Posi­tion in der hier im Haupt­text erwähn­ten Frage sowie all­ge­mein zur Ein­schät­zung neuer Tech­no­lo­gien begrün­den soll, ist mir etwas schlei­er­haft.
Die These von der zukünf­ti­gen Rechts­ent­wick­lung der Gewerk­schaf­ten wird kaum begrün­det in den Raum gestellt (162). Gegen­ten­den­zen wer­den wie­derum über­se­hen. So öffne­ten sich in der BRD die Gewerk­schaf­ten in den letz­ten Jah­ren für ökolo­gi­sche und femi­nis­ti­sche Fra­ge­stel­lun­gen und sind manch­mal für „rot-​​grüne“ Regie­rungs­bünd­nisse statt für Große Koali­tio­nen – nichts Revo­lu­tio­nä­res, und auch gemes­sen an refor­mis­ti­schen Vor­stel­lun­gen unzu­rei­chend, ja – aber nichts?
Vgl. dage­gen o. Verf. 1988b, 2: „Die Behaup­tung (…), in den Metro­po­len seien die Pro­le­ta­rier /​ das revo­lu­tio­näre Sub­jekt ‚die Bewe­gung der Kämp­fen­den‘ ist schlicht falsch. Pro­le­ta­rier ist kein Ehren­ti­tel, den man sich wie eine Medaille um den Hals hängt, son­dern ein ana­ly­ti­scher Begriff, der die Stel­lung des Men­schen zu den Pro­duk­ti­ons­mit­teln kenn­zeich­net.“ Ähnlich: o. Verf. 1988a, 3.
Ten­den­zi­ell ver­schwö­rungs­theo­re­tisch ist auch die unten zu erör­ternde These, daß der Kapi­ta­lis­mus sein nicht-​​kapitalistisches Milieu selbst schaffe bzw. „pro­du­ziere“ (V. Bennholdt-​​Thomsen) (Braig/​Lentz 1983, 18).
„Vor Tscher­no­byl wurde im mar­xis­ti­schen Lager die Reak­tor­si­cher­heit ein­deu­tig und ein­sei­tig als abhän­gig nur von den Pro­duk­ti­ons­ver­hält­nis­sen ange­se­hen. (…). Die Tschernobyl-​​Affäre hat hier für trau­rige Klar­heit gesorgt.“ (WRL 1987, 58).
M. Jäger rich­tet fol­gende rhe­to­ri­sche Frage an die Ver­tre­te­rIn­nen der instru­men­ta­lis­ti­schen DKP-​​Staatstheorie: Jäger 1979, 46: „Ist die­ser Staat ein Werk­zeug, das von der Bour­geoi­sie genutzt wird, besteht darin sein Klas­sen­cha­rak­ter? Ist es Auf­gabe der Wis­sen­schaft, den Nut­zungs­pro­zeß empi­risch nach­zu­wei­sen, (…), d.h. indem man in den Hin­ter­zim­mern der Minis­te­rien nach­sieht? Und besteht die poli­ti­sche Leis­tung, einen neuen, sozia­lis­ti­schen Staat her­vor­zu­brin­gen, in der Über­nahme der nütz­li­chen Ele­mente des Staats­werk­zeugs, die man der Bour­geoi­sie aus der Hand nimmt, um den ‚Spieß umzu­dre­hen‘?“ (Jäger 1979, 46, vgl. 63).
Zur Begriffs­bil­dung s.: Alt­hus­ser 1976; ders. 1969/​70.
E.B./S.K. 1989, 35 f. = dies. in DS 1990, 25 f. Vgl. Buci-​​Glucksmann, 1984, 475 ff.; Séverac 1984, 396 ff.
„Außer­öko­no­mi­sche, unmit­tel­bare Gewalt wird zwar immer noch ange­wandt, aber nur aus­nahms­weise. Für gewöhn­lich kann der Arbei­ter den ‚Natur­ge­set­zen der Pro­duk­tion‘ über­las­sen blei­ben, (…).“ (MEW 23, 765). Vgl. Neusüss 1972, 35 ff.
Neusüss 1972, 64 – Her­vorh. d. Verf.
Dutschke/​Krahl 1967, 139 – Her­vorh. d. Verf.
Vgl. dazu: Ambros/​Hentges/​Sperling 1989, 26 f.; Sper­ling 1988, 56. Ande­rer­seits darf nicht über­se­hen wer­den, daß auch das Patri­ar­chat umge­baut wor­den ist: So ist die juris­ti­sche „Frei­heit und Gleich­heit“ von Frauen in den Metro­po­len – bei fort­be­ste­hen­den Ein­schrän­kun­gen – heute weit­ge­hend her­ge­stellt (Wahl­recht, Ver­trags­frei­heit etc.). Vgl. Beer 1983, 34 f.; Bött­ger 1987, 20, 26, FN 9; Haug/​Hauser 1984, 46. S. zum Unter­schied zwi­schen Patri­ar­chat und Ras­sis­mus hin­sicht­lich des per­sön­li­chen Kon­takts zwi­schen Herr­schen­den und Beherrsch­ten: Bourne 1984, 21.
M. Tronti, Arbei­ter und Kapi­tal, Frankfurt/​M. 1974, 176 ff. zit. n. Mathe­ron 1985, 955.
Mathe­ron 1985, 955.
Zur Kri­tik die­ses Zweck­op­ti­mis­mus am Bei­spiel Bra­si­lien s.: Arbeits­kreis 1989, 12 ff. sowie die sich selbst hin­rei­chend dis­kre­di­tie­rende Ant­wort: o. Verf. 1989, 33 ff.
Alt­hus­ser 1976, 167.
Alt­hus­ser 1971, 109 – erste Her­vorh. i.O., zweite d. Verf.
Vgl. o. Verf. 1988a, 4 – Her­vorh. i.O.
S. dazu die Kri­tik von: Bött­ger 1987, 16 (die aber ihrer­seits eine nicht weni­ger pro­ble­ma­ti­sche Ori­en­tie­rung an „Grund­rech­ten“ [19, 20] und „Demo­kra­tie [22] vor­schlägt); Braig/​Lentz 1983, 9; Sper­ling 1988, 54; o. Verf. 1988a, 9. Vgl. Engert 1986, 22, 24 f.
S. zur grund­sätz­li­chen Pro­ble­ma­tik funk­tio­na­lis­ti­scher Erklä­rungs­an­sätze: Bar­rett 1980, 29, vgl. 24 f.; Braig/​Lentz, 1983, 16.
S. zum klas­sen­über­grei­fen­den Cha­rak­ter von Frau­en­un­ter­drü­ckung auch: Andresen/​Woll 1988, 44.
Rent­sch­ler 1988, 29.
Redak­ti­ons­kol­lek­tiv 1988, 28.
Bar­rett 1980, 31 f. – Her­vorh. d. Verf.
Meu­len­belt 1988, 127, FN 95. Die tra­di­tio­nelle For­de­rung der Arbei­tER­be­we­gung nach dem Fami­li­en­lohn schließt – zumin­dest im Rah­men des Wert­ge­set­zes – eine Gleich­be­zah­lung von Frauen und Män­nern aus. Ambros/​Hentges/​Sperling 1989, 23 unter Hin­weis auf: J. Kuczyn­ski, Wert und Preis der Frau­en­ar­beit, in: Die Arbeit. Zeit­schrift des FDGB, 4/​1948, 104 ff.
Meier 1987, 51.
Beer 1983, 26.
Den Vor­wurf der Über­deh­nung der marx­schen Begriff­lich­keit erhe­ben auch: Beer 1983, 25; Sper­ling 1988, 54 f.
Meu­len­belt 1988, 113 ff., bes. 114, 117 ff., bes. 119 f.; Sper­ling 1988, 55 f. Vgl. auch die Kri­tik bei Haug 1981, 650 f., 656; Haug/​Hauser 1984, 46 ff.
Meu­len­belt 1988, 107, 121 ff.
Beer 1983, 25; Bourne 1984, 9, 17, 19, 22, 25, 27. Vgl. den Unter­ti­tel von Bar­retts Buch (1980): „Für einen mate­ria­lis­ti­schen Femi­nis­mus“.
S. dazu: Andresen/​Woll 1988, 44, die es aller­dings aus mir unver­ständ­li­chen Grün­den ableh­nen für Frau­en­un­ter­drü­ckung, die sie durch­aus als sol­che bezeich­nen, den Begriff „Patri­ar­chat“ zu ver­wen­den, sowie Sper­ling 1988, 56, die den Patriarchats-​​Begriff ver­wen­det. S.a. Bar­rett 1980, 18, 33 f.; Diet­rich 1984, 32; Haug 1981, 658 ff. Haug/​Hauser 1984, 45.
Meu­len­belt 1988, 125 f. mit wei­te­ren Nach­wei­sen.
Haug 1988b, 17. Vgl. Vieh­mann 1991, 44 f.
S. dazu die Kri­tik von: Beer 1983, 29 ff.; Hent­ges 1988, 22 ff., 43 ff.
Ambros/​Hentges/​Sperling 1989, 17 unter Beru­fung auf: Heidi Hart­mann, Mar­xis­mus und Femi­nis­mus: Eine unglück­li­che Ehe?, in: Lydia Ser­gant (Hg.), Frauen und Revo­lu­tion (West)berlin, 1983, 29 ff.; Haug 1988b, 18 f.
Vgl. zu den Unter­schie­den zwi­schen Lohn-​​ und Haus­ar­beit: Ambros/​Hentges/​ Sper­ling 1989, 26 f. sowie zu den Unter­schie­den zwi­schen metro­po­li­ta­ner Haus-​​ und Sub­sis­tenz­ar­beit im Tri­kont: Haug/​Hauser 1984, 43 sowie zur Kri­tik der „Roman­ti­sie­rung des Repro­duk­ti­ons­be­rei­ches“ („links­ra­di­kale Vari­ante die­ses klu­gen Sexis­mus“): Strobl 1991, 22.
Vgl. Ambros/​Hentges/​Sperling 1989, 27, 29.
K. Marx, Grund­risse der Kri­tik der Poli­ti­schen Ökono­mie, Berlin/​DDR, 1958, 222 zit. n. Lef­eb­vre 1985, 872.
Lef­eb­vre 1985, 872.
Braig/​Lentz 1983, 13. Vgl. Haug 1981, 650 f., 658.
Des­halb ist im Ergeb­nis – wenn auch nicht in der Begrün­dung – der Hin­weis von Beer 1983, 31 rich­tig, daß die Frauen-“Hausarbeit dem Kapi­tal kei­nen Pfen­nig (erspart)“ (Her­vorh. i.O.).
Strobl 1991, 15 f.
Vgl. Strobl 1991, 21, 22 f.
Haug 1988b, 18 f. Ähnlich schon: Haug 1981, 656.
so auch die Kri­tik von: Bött­ger 1987, 18; Redak­ti­ons­kol­lek­tiv 1988, 12; Scheich 1989, 137, 144. Vgl. Bar­rett 1980, 20 f.; Diet­rich 1984, 39.
Mies 1980a, 169, 173, 174. Zur Kri­tik s.: Bött­ger 1987, 15 ff.; Diet­rich 1984, 38; Engert 1986, 26 f.; Engert 1988, 16; Hickel 1987, 110; Lenz 1987, 72.
Mies 1987, 44.
M. Mies: „Müt­ter, die gar nicht anders (kön­nen), als für die Erhal­tung und den Schutz des Lebens ihrer Kin­der (zu) kämp­fen.“ (Tscher­no­byl – wer machte uns die Natur zur Fein­din, in: taz, 21.5.1986, 11 zit. n. Scheich 1987, 87 f.). C. von Werl­hof: „An den Kin­dern kann ich daher sehen, wo ich hin muß, und daß es meine Ver­ant­wor­tung ist, dafür zu sor­gen, was die Kin­der brau­chen, und was nichts ande­res ist als das, was auch ich und alle ande­ren brau­chen.“ (Wir wer­den das Leben unse­rer Kin­der nicht dem Fort­schritt opfern, in: Gam­baroff et al., Tscher­no­byl hat unse­rer Leben ver­än­dert. Rein­bek 1986, 24 zit. n. Scheich 1987, 89). Zur Kri­tik s.: Bött­ger 1987, 17 ff.; Scheich 1987, 87 ff.; Hent­ges 1988, 68 f.; Lenz 1988, 71 ff. Vgl. auch das dort S. 121 ff. abge­druckte Streit­ge­spräch.
M. Mies, Kon­tu­ren einer öko-​​feministischen Gesell­schaft. Refe­rat auf dem Kon­greß „Frauen und Ökolo­gie“ (1986) zit. n. Bött­ger 1987, 17 – Her­vorh. bei Bött­ger.
Bött­ger 1987, 25, FN 1.
LW 4, 192. Vgl. Mat­tick 1984, 21.
Alt­hus­ser 1963, 110.
Vgl. ebd., 111.
Vgl. zum Unter­schied zwi­schen Hand­werk und Wis­sen­schaft: Lecourt 1976, 42 ff., 55, 63 ff., 69, 71 f.
F. Engels, (Ergän­zung der Vor­be­mer­kung von 1870 zu „Der deut­sche Bau­ern­krieg“) (1874), in: MEW 18, 512 (517).
Schött­ler 1975, 27 f. – Her­vorh. bei Schött­ler. Das Zitat im Zitat aus: L. Alt­hus­ser, Lettre à Régis Debray sur „Révo­lu­tion dans la Révo­lu­tion?“ (1967), in: R. Debray, La cri­ti­que des armes 1, Paris 1974, 262 (269). Der Brief ist in der deut­schen Aus­gabe des Buches von Debray („Kri­tik der Waf­fen“) nicht ent­hal­ten.
Vgl. MEW 25, 500 f.
Rohwer/​Künzel/​Ipsen 1984, 24. Für kon­junk­tu­relle Kri­sen ver­wei­sen die Ver­fas­ser auf: MEW 23, 640 ff. Für die über­zy­kli­sche Bewe­gung des Kapi­tals ver­wei­sen sie auf das Gesetz vom ten­den­zi­el­len Fall der Pro­fi­trate. In ähnli­cher Weise unter­schei­den Fin­tham­mer et al. 1989, 5 zwi­schen dem „All­ge­mei­nen Gesetz der kapi­ta­lis­ti­schen Akku­mu­la­tion“ und dem „Gesetz vom ten­den­zi­el­len Fall der Pro­fi­trate“.
K. Marx, Das Kapi­tal. Zwei­ter Band, in: MEW 24, 351 ff., bes. 501 ff.
Ebd., 465. Vgl. LW 2, 124 (161 ff., bes. 165) – Zur Cha­rak­te­ris­tik der ökono­mi­schen Roman­tik (1897); LW 4, 64 (64 f., 75, 77 f.) – Noch ein­mal zur Rea­li­sa­ti­ons­theo­rie (1899). Inso­fern nicht nach­voll­zieh­bar die Kri­tik von Neusüss 1972, 89 ff.
MEW 23, 656. Vgl. Mat­tick, 1984, 14.
Zur Kri­tik s.: Biesecker 1985, 165 ff.; Fin­tham­mer et al. 1989, 7 ff.; Fül­berth, 1991, 10 ff.; Hent­ges, 1988, 62 ff.; Schulze 1991. Zusam­men­fas­send Neusüss 1972, 18, FN 18: „Diese theo­re­ti­sche Her­lei­tung der ökono­mi­schen Not­wen­dig­keit des Impe­ria­lis­mus und damit auch R. Luxem­burgs Vor­stel­lung vom End­zu­stand des Kapi­ta­lis­mus mit der Aus­deh­nung der Kapi­tal­herr­schaft über die ganze Welt ist in der mar­xis­ti­schen Theo­rie als falsch erkannt wor­den.“ Alle mit wei­te­ren Nach­wei­sen.
K. Marx, Das Kapi­tal. Drit­ter Band, in: MEW 25, 221 ff.
LW 4, 187 (191 f.) – Rezen­sion über das Buch von K. Kau­tsky; Fin­tham­mer et al. 1989, 5. Vgl. zu den „ent­ge­gen­wir­ken­den Ursa­chen“ auch: Rohwer/​Künzel/​Ipsen 1983, 25 f.
Braig/​Lentz, 1983, 19, FN 7. Vgl. Mat­tick 1983, 14 ff.
Vgl. Fin­tham­mer et al. 1989, 5 f.
Rohwer/​Künzel/​Ipsen 1983, 26 f.
R. Luxem­burg, Die Akku­mu­la­tion des Kapi­tals (1913), in: dies., GW 5, 284 ff., 296 f.
Ebd., 276 f., 314, 364, 411.
S. oben FN 101.
Einen aus­ge­spro­chen wohl­wol­len­den Über­blick auf weni­gen Sei­ten gibt: Engert, 1986, 21 ff.
„Rosa Luxem­burg, die sich para­do­xer­weise nicht dar­über klar war, daß sie in ‚Die Akku­mu­la­tion des Kapi­tals‘ zur Frau­en­frage geschrie­ben hat, (…).“ C. von Werl­hof, Frau­en­ar­beit: Der blinde Fleck in der Kri­tik der poli­ti­schen Ökono­mie, in: Bei­träge zur femi­nis­ti­schen Theo­rie und Pra­xis, Nr. 1, 1978 zit. n. Hent­ges 1988, 51, bei FN 37.
Strobl 1986, 73. Trotz die­ses Urteils pro­ble­ma­ti­siert Ingrid Strobl Luxem­burgs Imperialismus-​​Theorie nicht (ebd., 72).
Strobl 1986, 73.
GW 5, 300, 411.
Ebd., 363 f. Diese Revi­sion von Rosa Luxem­burg wird von den Bie­le­fel­de­rin­nen durch­aus benannt: Mies 1980b, 107 f.; Werl­hof 1978, 182 f.
GW 5, 411.
S. dazu: Biesecker 1985, 175; Hent­ges 1988, 54, 56 f., 59 f.; Sper­ling 1988, 55.
Biesecker 1985, 176; Engert 1986, 22, 27 f.
Biesecker 1985, 174; ähnlich: o. Verf. 1988a, 12, 13.
Biesecker 1985, 173, 175; Fin­tham­mer et al. 1989, 12 f.; Mas­sa­rat 1976, 118.
Biesecker 1985, 175.
GW 5, 284.
Biesecker 1985, 171; MEW 23, 618.
LW 2, 121 (149). Dies ist jeden­falls hier keine mora­li­sche Kri­tik am Kapi­ta­lis­mus, son­dern eine Kri­tik an der mora­li­schen These, der Kapi­ta­lis­mus, sei wegen die­ses Wider­spruchs nicht lebens­fä­hig („Unterkonsumtions“-Theorie) (ebd., 161 ff.) (vgl. zu Lenins-​​Imperialismus-​​Schrift von 1914: Neusüss 1972, 91 ff. Diese Kri­tik wird aber wohl auch Lenins spä­te­rer Posi­tion nicht gerecht. Vgl. in imma­nen­ter Wider­sprüch­lich­keit: ebd., 20 f. sowie bei Lenin das Kapi­tel „Kri­tik des Impe­ria­lis­mus“, LW 22, 290 ff.).
S. die Nach­weise oben bei FN 99 sowie LW 3, 7 ff. – Die Ent­wick­lung des Kapi­ta­lis­mus in Ruß­land (1899); LW 4, 45 ff. – Notiz zur Frage der Märkte (1898).
Fin­tham­mer 1989, 12.
Fin­tham­mer 1989, 12, FN 26 ff.
S. dazu die Nach­weise bei: Kühne 1989, 216 f.
s. bes. MEW 23, 650 ff., 789 ff.
Wobei: Das Wort „falsch“ trifft das Pro­blem nicht so ganz. Das Buch ent­hält auch viele rich­tige The­sen (Kri­tik am Sozialim­pe­ria­lis­mus bspw.) (vgl. Mas­sa­rat 1976, 116). Diese Kri­tik kann er aber nur füh­ren, in dem er die Exis­tenz von Kon­kur­renz zwi­schen den ver­meint­li­chen Mono­po­len (LW 22, 189 [270] – Der Impe­ria­lis­mus als höchs­tes Sta­dium des Kapi­ta­lis­mus) bzw. impe­ria­lis­ti­schen Mäch­ten (300) aner­kennt (vgl. Neusüss 1972, 29, die aller­dings den Impe­ria­lis­mus nicht mit dem grund­sätz­li­chen Akkumulations-​​ [und d.h. Expansions-​​] Zwang für das Kapi­tal erklärt, son­dern aus­schließ­lich für eine Kri­sen­re­ak­tion hält [31 ff.]). Auch erkennt er, daß der Impe­ria­lis­mus nicht nur „fault“, son­dern daß es wei­ter­hin Wachs­tum gibt (ebd., 305). Diese wider­sprüch­li­chen Ten­den­zen wer­den aber von sei­nem plat­ten Schema: frü­her Konkurrenz-​​, heute Mono­pol­ka­pi­ta­lis­mus igno­riert. (Vgl. Neusüss 1972, 42 f.).
LW 22, 200 ff., bes. 206, 269 ff.
Ebd., 280 ff., bes. 281.
So schon Neusüss 1972, 26, 39.
Mas­sa­rat 1976, 116 f.; Neu­ge­bauer 1976, 198, 202.
LW 22, 307.
Neusüss 1972, 65.
o. Verf. 1988a, 5
Mies 1984, 13. Dabei bezieht sie sich – übri­gens wie Alt­hus­ser 1962, 57, 66 und Alt­hus­ser 1963, 124, 138, 158 f. mit sei­ner Posi­tion – auf: MAW I, 365 ff. – Über den Wider­spruch (1937). Vgl. dazu: Engert 1986, 22. Zur mar­xis­ti­schen Methoden-​​Diskussion (in dem Fall der Rechts­wis­sen­schaft) s.a.: Römer 1977, 87 ff.
Meyer 1988, 19. Zur Kri­tik s.: o. Verf. 1988a, 10. Schon bei Luxem­burg fiel die kata­stro­phi­sche Sicht auf den Kapi­ta­lis­mus mit einer Igno­ranz gegen­über den mate­ri­el­len Vor­aus­set­zun­gen des Sozia­lis­mus zusam­men (Neusüss 1972, 25).
K. Marx, Nach­wort zur zwei­ten Auf­lage, in: ders., Das Kapi­tal. Ers­ter Band – MEW 23, 18 (27).
Alt­hus­ser 1962, 54.
MEW 23, 27.
Alt­hus­ser 1962, 53.
Alt­hus­ser 1963, 102, 113 ff.
S. dazu: Dutschke/​Krahl 1967 sowie Kraus­haar 1987. Kraus­haar zeigt rich­tig die Kon­ti­nui­tä­ten Frank­fur­ter Schule – APO auf. Falsch dage­gen ist sein heute libe­ra­ler Stand­punkt, von dem aus er seine Kri­tik an der APO for­mu­liert (146 f.): Die­ser Stand­punkt führt ihn einer­seits zu einer Kri­tik an der RAF, weil diese nicht beim Sym­bo­lis­mus von Dutschke/​Krahl ste­hen blieb, son­dern die von Dutschke/​Krahl 1967, 139 für die Metro­po­len abge­lehnte „‚Pro­pa­ganda der Schüsse‘ (Che)“ auch hier anwen­det (Kraus­haar 1987, 143, 146). Zum ande­ren akzep­tiert er den leni­nis­ti­schen Anspruch der „maoistisch“-stalinistischen K-​​Gruppen der 70er Jahre und ver­wirft so Leni­nis­mus und Sta­li­nis­mus in einem Atem­zug (147).
o. Verf. 1988a, 6: Mar­cuse: Randgruppen-​​ /​ Auto­nome: Marginalierten-​​Orientierung
Alt­hus­ser 1962, 52.
Karsz 1976, 156 f.
Ebd., 156, 158 f. Vgl. 151 ff.
Alt­hus­ser 1963, 124 ff., bes. 133 f.
Karsz 1976, 105. Vgl. Alt­hus­ser 1963, 148 f. Zu beach­ten ist hier, daß aus Alt­hus­sers Schrif­ten teil­weise das „Ganze“ falsch als „Tota­li­tät“ über­setzt wird: Schött­ler 1975, 17.
Karsz 1976, 149.
Ebd., 163.
Alt­hus­ser 1962, 68.
Karsz 1976, 111.
Ebd. – Her­vorh. d. Verf. Vgl. Alt­hus­ser 1962, 67 ff.
K. Marx, Ein­lei­tung (zur Kri­tik der Poli­ti­schen Ökono­mie), in: MEW 13, 615 (631 ff.).
MEW 23, 18 (25 ff.).
Alt­hus­ser 1962, 76.
Alt­hus­ser 1963, 137, FN 29.
MEW 23, 25, 27.
Alt­hus­ser 1963, 137. Vgl. Haug/​Hauser, 1984, 65 ff., bes. 66, 72, 74. Dabei ist diese femi­nis­ti­sche Anknüp­fung nicht ohne wei­te­res mög­lich. Was das Geschlech­ter­ver­hält­nis anbe­langt, blieb Alt­hus­ser im offi­zi­el­len KPF-​​Standpunkt befan­gen. Direkt dazu hat er sich – soweit ich das über­bli­cken kann – nie geäu­ßert, sein Thema ist – auf äußerst kom­plexe und dif­fe­ren­zierte Weise – der Klas­sen­kampf. In sei­nem Vor­wort in „Für Marx“ (Alt­hus­ser 1965, pas­sim) wim­melt es nur so von ‚Män­nern, die etwas geschafft haben‘ und Marx im „Man­nes­al­ter“. Frauen, die etwas geschafft haben, kom­men nicht vor. Spä­ter hat er zumin­dest die Frau­en­be­we­gung (aller­dings in einem Atem­zug mit der Ökobe­we­gung und dem Kampf der Jugend­li­chen) „als eine ‚wilde‘ und tief­grei­fende Infra­ge­stel­lung der klas­si­schen bür­ger­li­chen For­men der Poli­tik“ begrüßt (Alt­hus­ser 1977b, 75). Wie schon erwähnt (FN ..) knüpft Alt­hus­ser – wie auch Maria Mies – an Maos Schrift über den Wider­spruch an. Mao unter­schei­det zwi­schen Haupt-​​ und Neben­wi­der­sprü­chen, was als sol­ches noch nicht pro­ble­ma­tisch ist: einer­seits Wider­spruch zwi­schen Kapi­tal und Arbeit und ande­rer­seits Wider­sprü­che zwi­schen ver­schie­de­nen Kapi­tal­frak­tio­nen (MAW I, 365 [388]). Dabei geht Mao aller­dings fälsch­li­cher­weise davon aus, daß es in jeder Situa­tion nur einen Haupt­wi­der­spruch gebe (ebd., 390). Alt­hus­ser stellt dies in Frage (Karsz 1976, 141, FN 8 ). Das Ver­hält­nis von Haupt-​​ und Neben­wi­der­sprü­chen wird von Mao und Alt­hus­ser nicht im tra­di­tio­nel­len Sinne gefaßt: 1. Die Haupt­wi­der­sprü­che wech­seln (z.B. klas­sen­über­grei­fende Bünd­nisse in anti­im­pe­ria­lis­ti­schen Befrei­ungs­krie­gen [MAW I, 389], poli­ti­sche Wider­sprü­che zwi­schen Herr­schen­den und Masse im Sozia­lis­mus [Karsz 1976, 141]) 2. Neben­wi­der­sprü­che wer­den nicht auto­ma­tisch mit den Haupt­wi­der­sprü­chen gelöst, viel­mehr ist eine „effek­tive Umwäl­zung des kom­ple­xen Gan­zen (…) nur dann mög­lich, wenn die Gesamt­heit, der (Haupt-​​ und Neben-)Widersprüche gelöst wird.“ (Karsz 1976, 140 – erste Her­vorh. d. Verf, zweite i.O.) Alt­hus­ser geht mit Gramsci davon aus, daß es keine beson­dere „Sphäre der Poli­tik“ gebe, daß viel­mehr „alles Poli­tik ist“ (Alt­hus­ser 1977b, 74). Daher kann Karsz 1976, 125 in sei­ner Althusser-​​Einführung – ohne aller­dings den posi­ti­ven Bezug auf die Frau­en­be­we­gung zu expli­zie­ren – die „Wei­ge­rung bestimm­ter Grup­pen und Strö­mun­gen, soge­nannte per­sön­li­che, ins­be­son­dere fami­liäre und sexu­elle Pro­bleme zu for­mu­lie­ren,“ kri­ti­sie­ren. Die gesamte Pro­ble­ma­tik wird von Alt­hus­ser 1962 unter dem Begriff der „Über­de­ter­mi­nie­rung“, der Über­la­ge­rung meh­re­rer Wider­sprü­che, dis­ku­tiert. Trotz die­ser – begrü­ßens­wer­ten – Rela­ti­vie­run­gen der These von jeweils nur einem Haupt­wi­der­spruch, ist inso­weit eine aus­drück­li­che Kor­rek­tur Alt­hus­sers erfor­der­lich. Zu femi­nis­ti­schen Anknüp­fun­gen an Alt­hus­ser s.a.: Bar­rett 1980, 12, 35, 41, 92 f., 108 ff., 113 ff. sowie Hau­ser, 1987, 301 et pas­sim.
Karsz 1976, 149. Vgl. LW 38, 338 (338) – Zu Fra­gen der Dia­lek­tik
Karsz 1976, 130 ff.
Karsz 1976, 163.
Ebd., 171.
Alt­hus­ser 1963, 108 f.
Kolkenbrock-​​Netz/​Schöttler 1977, 132; Redak­ti­ons­kom­mis­sion 1938, 139 et pas­sim. Zur Kri­tik der sta­lin­schen Posi­tion s. aus­führ­lich: Lecourt 1976, 104, 117, 119 ff., 127 f.
Alt­hus­ser 1967a, 12 f.
Kolkenbrock-​​Netz/​Schöttler 1977, 137 – Her­vorh. i.O.: Die mar­xis­ti­sche Phi­lo­so­phie pro­du­ziert keine Erkennt­nisse, son­dern „The­sen für die Erkennt­nis, deren rich­tige sys­te­ma­ti­sche Anord­nung und Aus­rich­tung“ ent­schei­dend ist. Vgl. Lecourt 1973.
Vgl. LW 38, 231 (253) – Kon­spekt zu Hegels „Vor­le­sung über die Geschichte der Phi­lo­so­phie“; LW 38, 338.
Alt­hus­ser 1965, 18 f. Zur Kri­tik an die­ser These s. aus­führ­lich: Lecourt 1976, 27 f., 121 ff., 126, 130 ff., 138, FN 11.
S. Alt­hus­ser 1963, 100, FN 1, 145, FN 40.
„Wäh­rend das Gesetz vom ten­den­zi­el­len Fall der Pro­fi­trate wesent­lich in der Logik des Kapi­tals und sei­ner Bewe­gung begrün­det wird, sind die ent­ge­gen­wir­ken­den Ten­den­zen nur gegen Wider­stand im Produktions-​​ und Repro­duk­ti­ons­be­reich durch­setz­bar und damit eine Frage der Stärke des Wider­stands“ (46).
Balibar 1976, 115 ff.
S. dazu bspw.: Redak­ti­ons­kom­mis­sion 1938, 424 ff. und die Kri­tik von Lecourt 1976, 80 ff., 120 f., 137, FN 9.
Nemitz 1985, 34 nennt fol­gen­den Kata­log von Pro­duk­tiv­kräf­ten: Arbeitstei-​​lung, Wis­sen­schaft, Tech­nik und Qua­li­fi­ka­tio­nen.
WRL 1987, 62; ähnlich auch Nemitz 1985, 35, 37.
WRL 1987, 62. Vgl. bereits WRL 1985a, 16 f., 18 f.
WRL 1987, 63 f. Vgl. bereits WRL 1985a, 18 ff., 23. Seine Stra­te­gi­schen Schluß­fol­ge­run­gen (WRL 1987, 77: Struk­tur­re­for­men als Weg zum Sozia­lis­mus in den Metro­po­len) sind dage­gen halt­los.

WRL 1987, 64. Vgl. bereits: ders. 1985a, 18, 19.
Bei Haug 1983, 112 f. und PAQ 1987, 15 ff. sind zitiert: MEW 4, 465 – Kom­mu­nis­ti­sches Mani­fest; MEW 23, 446, 510, 514. S.a. MEW 19, 21.
Diese Beschrei­bun­gen wer­den gemein­hin mit hand(werklicher) Arbeit mit Werk­zeu­gen oder Maschi­nen iden­ti­fi­ziert. Anm. d. Verf.
Haug 1983, 112, 113; ähnlich PAQ 1987, 16 f.
Haug 1983, 114, 115 – kur­sive Her­vorh. i.O. – fette Her­vorh. d. Verf.
Alt­hus­ser 1962, 57 ff. ana­ly­siert die „Anhäu­fung und Zuspit­zung aller damals in einem ein­zi­gen Staat mög­li­chen his­to­ri­schen Wider­sprü­che“ (59), das Zusam-​​mentreffen von objek­ti­ven (58) und „sub­jek­ti­ven Bedin­gun­gen“ als Vor­aus­set­zun­gen für den Erfolg der Oktober-​​Revolution mit dem Begriff der „Überdeter-​​minierung“ (vgl. auch Alt­hus­ser 1963, 115 ff.). Die­ser Begriff bezeich­net nicht, wie mensch viel­leicht mei­nen könnte, eine beson­ders starke Deter­mi­nie­rung durch einen Wider­spruch, son­dern die Über­la­ge­rung meh­re­rer Wider­sprü­che.
S. auch die trade-​​unionismus-​​Kritik in: LW 5, 384 ff., bes. 417 – Was tun?.
o. Verf. 1988a, 7.
Arbeits­kreis 1989, 13, 16.
Michael 1990, 16. Vgl. dazu: o. Verf. 1988c, 45: „Die revo­lu­tio­näre Par­tei ver­sucht (…), ihre Stra­te­gie und ihr Pro­gramm im Pro­le­ta­riat zu ver­an­kern. Sie war­tet nicht dar­auf, daß sich von sel­ber etwas tut und sie bezieht auch bei spon­ta­nen Revol­ten eine poli­ti­sche Posi­tion, die aus ihrer Stra­te­gie und ihrem Pro­gramm abge­lei­tet sind. Sie trot­tet also der Bewe­gung weder wie ein Hund hin­ter­drein, noch applau­diert oder buht sie aus der siche­ren Zuschau­er­loge. Die revo­lu­tio­näre Par­tei kann nur dann Avant­garde sein, wenn das Pro­le­ta­riat die­sen Anspruch akzep­tiert – des­halb spre­chen wir vom Avant­gar­de­an­spruch. Der Test fin­det in der Pra­xis statt. Nur wenn die Par­tei die Revo­lu­tion wirk­lich voran-​​bringt, wird sie tat­säch­lich Avant­garde sein. Die Frage, wel­che Stra­te­gie die rich­tige ist, wird letzt­lich auf der Straße und nicht am Schreib­tisch ent­schie­den. Aber keine sozia­lis­ti­sche Revo­lu­tion ist ohne stra­te­gi­sche Über­le­gun­gen vor­an­ge­kom­men, und zu sol­chen Über­le­gun­gen gehö­ren nun ein­mal Leute, die sie ma-​​chen, in die Dis­kus­sion brin­gen und vor­an­trei­ben. Das eben ist der Unter­schied zwi­schen Revolte und Revo­lu­tion“ (Her­vorh. i.O.).

  1. Teil­weise geht diese flotte Schreibe aller­dings bis zur Platt­heit: Bspw. das Knospen-​​Beispiel (9 f.), der Nikoläuse-​​Vergleich (26), der Satz von S. 12: „Die Chance, dass ein Mit­glied der deut­schen Regie­rung, ein Auf­sichts­rats­vor­sit­zen­der eines trans­na­tio­na­len Kon­zerns oder ein Schwei­zer Diplo­mat die Wahr­heit ent­deckt, ist dem­ge­gen­über ver­gleichs­weise gering.“ Stellt sich nur die Frage, wieso diese Damen und Her­ren so fest im Sat­tel sit­zen, wenn ihnen die Ein­sichts­fä­hig­keit in die Wahr­heit fehlt. – Es war vor der Zeit mei­ner Poli­ti­sie­rung: Aber ich ver­mute, so haben, K-​​Gruppen in den 70er Jah­ren in der BRD und West­ber­lin ver­sucht, Arbei­te­rIn­nen den Kapi­ta­lis­mus und den Mar­xis­mus zu erklä­ren. Ging irgend­wie schief… [zurück]
  2. Pilz-​​EsserInnen kön­nen dort auch erfah­ren, wieso Mor­cheln so teuer sind (26, 32). Ein ande­rer wichtiger(er) Hin­weis fehlt dort: Die Arbeits­wert­lehre bestimmt nur den Tausch­wert, nicht den Gebrauchs­wert (K. Marx, Das Kapi­tal. Ers­ter Band, in: MEW 23, 55). Des­halb ist die sozi­al­de­mo­kra­ti­sche These, „Die Arbeit ist die Quelle allen Reich­tums und aller Kul­tur“ (Gothaer Pro­gramm) falsch. Marx schreibt dazu: „Die Arbeit ist nicht die Quelle allen Reich­tums. Die Natur ist eben­so­sehr die Quelle der Gebrauchs­werte (und aus sol­chen besteht doch wohl der sach­li­che Reich­tum!) als die Arbeit, die selbst nur die Äuße­rung einer Natur­kraft ist. (…). Ein sozia­lis­ti­sches Pro­gramm darf sol­che (…) bür­ger­li­che Redens­ar­ten nicht erlau­ben, die Bedin­gun­gen (der Arbeit: Arbeits­ge­gen­stände und Arbeits­mit­tel, d. Verf.) ver­schwei­gen, (…). Nur soweit sich der Mensch von vorn­her­ein als Eigen­tü­mer zur Natur, der ers­ten Quelle aller Arbeits­mit­tel und -gegen­stände, ver­hält, sie als ihm zuge­hö­rig behan­delt, wird seine Arbeit Quelle von Gebrauchs­wer­ten, also auch von Reich­tum. Die Bür­ger haben sehr gute Gründe, der Arbeit über­na­tür­li­che Schöp­fungs­kraft anzu­dich­ten; denn grade aus der Natur­be­dingt­heit der Arbeit folgt, daß der Mensch, der kein and­res Eigen­tum besitzt als seine Arbeits­kraft, in allen Gesellschafts-​​ und Kul­tur­zu­stän­den der Sklave der and­ren Men­schen sein muß, die sich zu Eigen­tü­mern der gegen­ständ­li­chen Arbeits­be­din­gun­gen gemacht haben.“ (K. Marx, Kri­tik des Gothaer Pro­gramms, in: MEW 19, 11 [15]). Das Feh­len die­ses Hin­wei­ses führt bei Res zu einer idealistisch-​​humanistischen Kon­zep­tion des Arbeits­pro­zes­ses (s. dazu unten bei FN 15 – 17). [zurück]
  3. S. K. Marx, Das Kapi­tal. Drit­ter Band, in: MEW 25, 500. [zurück]
  4. Vgl. Arbeits­kreis 1989, 14: „Das bevöl­ke­rungs­po­li­ti­sche Ziel der Ste­ri­li­sa­ti­ons­pro­gramme ist nicht eine nied­rige Gebur­ten­rate, son­dern deren Kon­trolle.“ [zurück]
  5. Vgl. dazu die Kri­tik an der These der „Mate­ria­lien für einen neuen Anti­im­pe­ria­lis­mus“, erst die Migra­ti­ons­be­we­gun­gen hol­ten „den inter­na­tio­na­len Klas­sen­kampf in die Metro­po­len“: Arbeits­kreis 1989, 11.
    [zurück]
  6. Vgl. Karsz 1976, 129 et pas­sim. [zurück]
  7. Vgl. ebd., 129, 169. [zurück]
  8. „Die ‚ega­li­sier­ten‘ Fami­li­en­be­zie­hun­gen, von denen Haber­mas spricht, kön­nen nur behaup­tet wer­den, wenn man ‚den Men­schen‘ statt Mann und Frau vor Augen hat – also eine Abs­trak­tion, die gegen die herr­schen­den Ver­hält­nisse immun ist.“ (Hau­ser 1985, 127 ff.). [zurück]
  9. Vgl. Karsz 1976, 109.
    Alt­hus­ser [zurück]
  10. 1972, FN 32, S. 69 f. – Her­vorh. d. Verf. [zurück]
  11. Vgl. dazu: Wiet­hold 1985, 16 ff. [zurück]
  12. Dazu ein prak­ti­sches Bei­spiel: Die Lyssenko-​​Affaire. Der Agrabio­loge Lys­senko und der Gärt­ner Mit­schu­rin wand­ten in der jun­gen SU – zunächst ohne jeden theo­re­ti­schen Anspruch – bestimmte gärtnerisch-​​handwerkliche Metho­den an, um den Ertrag der Land­wirt­schaft zu stei­gern. Spä­ter ent­wi­ckelte dann Lys­senko aus die­sem Erfah­rungs­wis­sen auf fal­sche Weise eine Theo­rie, die u.a. im Wider­spruch zu den men­del­schen Ver­er­bungs­ge­set­zen stand. Auf dem Höhe­punkt der Lyssenko-​​Affaire wurde diese Handwerker-​​Theorie mit Bil­li­gung der sta­lin­schen Füh­rung als „pro­le­ta­ri­sche Wis­sen­schaft“ pro­kla­miert. Die Men­del­sche Posi­tion wurde als „bür­ger­lich“ ver­wor­fen und For­schun­gen auf deren Grund­lage in der SU jah­re­lang ver­bo­ten. Die Schar­la­ta­ne­rie brach erst zusam­men, als die so ent­wi­ckel­ten Gesetze der „pro­le­ta­ri­schen Bio­lo­gie“ etc. auf andere Gebiete, die von dem hand­werk­li­chen Erfah­rungs­wis­sen nicht mehr abge­deckt waren, „ange­wandt“ wur­den. Die­ser anti-​​wissenschaftliche, hand­werk­li­che – vor­sich­tig aus­ge­drückt – Umweg über das prak­ti­sche Schei­tern des Lys­sen­kis­mus führte über Jahre in ver­schie­de­nen Spar­ten der sowje­ti­schen Wis­sen­schaft zu einem Still­stand. S. dazu Lecourt 1976, bes. die in FN 93 und 168 nach­ge­wie­se­nen Stel­len. [zurück]
  13. WRL 1985b, 49. Ähnlich Haug 1988a, 25. S.a.: WRL 1985a, 16 ff. [zurück]
  14. Eine andere, die tat­säch­lich dro­hen­den und zu bekämp­fen­den Gefah­ren genauer benen­nende Sicht­weise fin­det sich bei: Hara­way 1984. S. auch den kri­ti­schen Kon­greß­be­richt von And­re­sen et al. 1985, 579 f., bes. 580 sowie And­re­sen 1985, 142 f., 154 ff. [zurück]
  15. MEW 23, 193. [zurück]
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