Das Scheitern der Demokratischen Sozialisten (DS)

[Erschien ursprüng­lich – redak­tio­nell leicht bear­bei­tet – unter der Über­schrift „Geschei­terte Links­ab­spal­tung. Demo­kra­ti­sche Sozia­lis­ten“ im Neuen Deutsch­land vom 09.08.1991, S. 14; die gedruckte Fas­sung gibt es als .pdf-​​Bild-​​Datei hier, dann folgt mein ursprüng­li­cher Text.]

Uwe Arndt /​ Wer­ner Macken­bach /​ Willi Pohl /​ Bert­hold Schel­ler

Die Demo­kra­ti­schen Sozia­lis­ten.

Von den Schwie­rig­kei­ten der Bil­dung einer links­so­zia­lis­ti­schen Par­tei

Edi­tion Zeta

Dipa-​​Verlag: Frank­furt am Main, 1990

281 Sei­ten, 29,80 DM

Die Demo­kra­ti­schen Sozia­lis­ten (DS) wur­den 1988 in der Nie­der­gangs­phase der sozial-​​liberalen Koali­tion in der BRD gegrün­det. Der Par­tei­grün­dung gin­gen Aus­ein­an­der­set­zun­gen in der SPD über die NATO-„Nach“rüstung und die Spar­po­li­tik der SPD/​FDP-​​Bundesregierung vor­aus. D. Verf. arbei­ten klar die Gründe für das Schei­tern die­ses links­so­zia­lis­ti­schen Par­tei­pro­jek­tes heraus­zuarbeiten:

1. Schon in der SPD beschränk­ten sich die spä­te­ren DS-​​GründerInnen auf „klas­sisch sozi­al­de­mo­kra­ti­sche“ Poli­tik­fel­der (v.a. Sozi­al­po­li­tik), so daß sie kei­nen Kon­takt zu den sog. neuen sozia­len Bewe­gungen her­stel­len konn­ten (S. 28).

2. Sie waren in der SPD apparat-​​ und kon­sens­fi­xiert und lie­ßen sich des­halb genauso wie einst die SAP die Par­tei­spal­tung von der SPD-​​Rechten dik­tie­ren. Auch ihre Par­tei­grün­dung kam zu spät. (ebd.)

3. Die Abgren­zungs­po­li­tik der Mehr­heit der GRÜ­NEN Par­tei (S. 42 ff. – die in­ner-​​grünen Aus­ein­an­der­set­zun­gen über das Ver­hält­nis zu den DS wer­den aber lei­der nur sehr unzu­rei­chend ana­ly­siert. Glei­ches gilt für den not­wen­di­gen Ver­gleich mit ande­ren lin­ken Par­tei­grün­dungs­pro­jek­ten Ende der 70er /​ Anfang der 80er Jahre in der BRD.)

4. Die SPD hat sich – nach dem Koali­ti­ons­bruch 1982 wie­der in der Oppo­si­tion – als inte­gra­ti­ons­fä­hi­ger als von den DS erwar­tet erwie­sen (S. 80).

5. Die GRÜ­NEN – ursprüng­lich v.a. als Öko-​​Partei betrach­tet – haben sich pro­grammatisch brei­ter als zur Umwelt­frage positio­nieren kön­nen (ebd.).

6. Eine „orga­ni­sches Hin­ein­wach­sen in die akti­ven Kerne der Arbei­ter­be­we­gung“ war den DS nicht mög­lich (80 f.). Dabei war die Gewerk­schafts­linke damals noch stär­ker als heute und waren an dem DS-​​Projekt bspw. die betrieb­lich ori­entierte Ruhrgebiets-​​Zeitschrift „Revier“ und die linkssozialdemokratisch-​​eu­rokommunistischen „Sozia­lis­ti­schen Stu­di­en­grup­pen (SOST)“ betei­ligt (s. bspw. S. 38 f.). Gründe für die­ses Fiasko wer­den in der Buch lei­der nicht benannt.

7. Die DS seien im Bermuda-​​Dreieck von SPD, GRÜ­NEN und DKP verschol­len. Sie seien sowohl aktuell-​​programmatisch als auch grundsätzlich-​​ideologisch zu ei­ner eigen­stän­dige Pro­fi­lie­rung nicht fähig gewe­sen (S. 106 ff.): Ein Bruch mit dem SPD-​​Erbe (Sozi­al­re­for­mis­mus) wurde nicht deut­lich und die DKP ver­suchte schon vor den DS, sich als bes­sere Sozi­al­de­mo­kra­tie zu pro­fi­lie­ren. Die GRÜ­NEN erschie­nen auf­grund ihrer Bewe­gungs­ori­en­tie­rung – damals zu recht – als die kon­se­quen­te­ren Vor­kämp­fe­rIn­nen für Umwelt und Frie­den.

Abschlie­ßend stellt Schel­ler die These auf, eine links­so­zia­lis­ti­sche Par­tei habe nach dem Vor­bild der USPD nur in einer (vor)revolutionären Situa­tion als Durch­gangs­sta­dium zu einer revo­lu­tio­nä­ren kom­mu­nis­ti­schen Par­tei eine Chance (S. 200, 238). Aus dem Feh­len einer sozia­lis­ti­schen Mas­sen­be­we­gun­gen und den ver­än­der­ten poli­ti­schen Bedin­gun­gen seit Lenins Kri­tik am lin­ken Radi­ka­lis­mus fol­gert er dann, daß revo­lu­tio­näre Inhalte in der heu­ti­gen BRD nur außer­halb des Par­la­men­tes ver­foch­ten wer­den könn­ten (S. 238 ff.).

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